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1.6:1»Gott sendet Propheten, damit sie die Menschen erziehen und die Menschheit Fortschritte macht. Jede dieser Manifestationen Gottes hat die Menschheit vorangebracht. Durch Gottes Gnade dienen sie der ganzen Welt. Den sicheren Beweis, dass sie Offenbarer Gottes sind, erbringt die Erziehung und Weiterentwicklung der Menschen. Die Juden waren in einem Zustand tiefster Unwissenheit und Gefangene des Pharao, als Moses erschien und sie auf eine hohe Kulturstufe führte. So kam das Reich Salomos zustande und die Menschheit lernte Wissenschaft und Kunst kennen. Selbst griechische Philosophen studierten die Lehren Salomos. Damit wurde die Prophetenschaft Mose unter Beweis gestellt.
1.6:2Im Laufe der Zeit sind die Israeliten moralisch verkommen und wurden von den Römern und den Griechen unterworfen. Da erhob sich am Horizont über den Israeliten der strahlende Stern Jesu und erleuchtete die Welt, bis allen Sekten, Bekenntnissen und Völkern das an der Einheit so Wunderbare kundgetan war. Es gibt keinen besseren Beweis als diesen für die Tatsache, dass Jesus das Wort Gottes war.
1.6:3Ebenso verhielt es sich mit den Völkern Arabiens, die als unzivilisiert galten und von den Persern und Griechen unterdrückt wurden. Als das Licht Muḥammads zu leuchten begann, erstrahlte ganz Arabien. Diese unterdrückten und gering geschätzten Völker wurden aufgeklärt und kultiviert und zwar in solchem Maße, dass andere Völker die arabische Zivilisation übernahmen. Das war der Beweis für Muḥammads göttliche Sendung.
1.6:4Alle Lehren der Propheten sind wesenseins. So gibt es nur eine Religion, ein die Welt erleuchtendes göttliches Licht. Unter dem Banner der Einheit der Menschheit sollten nun alle Menschen jedweden Bekenntnisses ihre Vorurteile ablegen, Freunde werden und an alle Propheten glauben. Wie die Christen an Moses, so sollten die Juden an Christus glauben. Wie die Muslime an Christus und Moses, so sollten die Juden und Christen gleichfalls an Muḥammad glauben. Dann gäbe es keinen Streit mehr, so wären alle vereint. Genau zu diesem Zweck erschien Bahá’u’lláh. Er machte aus den drei Religionen eine. Er hob inmitten der Welt das Banner der Glaubenseinheit und der Ehre der Menschheit empor. Um dieses müssen wir uns heute scharen und mit Herz und Seele versuchen, die Einigung der Menschheit zuwege zu bringen.«
Ansprache, gehalten beim Einigkeitstreffen im Heim von Miss E. J. Rosenberg1.7:0_7am 8. September 19111.7:1»Preis sei Gott, dass in London eine solche Versammlung der Reinheit und Standhaftigkeit stattfindet. Die Herzen der Anwesenden sind makellos und dem Reiche Gottes zugewandt. Ich hoffe, dass alles, was die Heiligen Bücher Gottes beinhalten und als Wahrheit verkünden, in euch zum Tragen kommt. Die Boten Gottes sind die wichtigsten und besten Lehrer. Wann immer diese Welt sich verfinstert, gleichgültig wird und die Meinungen auseinandergehen, schickt Gott einen Seiner heiligen Boten.
1.7:2Moses erschien in einer solch dunklen Zeit, in der die Menschen vielerorts unwissend, naiv und wankelmütig waren. Moses war der von Gott gesandte Lehrer. Er lehrte Heiligkeit und erzog die Israeliten. Er holte das Volk aus seinem unwürdigen Zustand heraus und brachte es dazu, sich hohes Ansehen zu erwerben. Er lehrte sie Wissenschaft und Kunst, schulte sie in Kultur und vermehrte ihre menschlichen Tugenden. Nach einiger Zeit ging das, was sie von Gott erhalten hatten, wieder verloren. Der Rückkehr schlechter Eigenschaften wurde der Weg geebnet und Tyrannei unterdrückte die Welt.
1.7:3Da kündigte sich erneut das Licht der Wirklichkeit an und der Odem des Heiligen Geistes war zu spüren. Die Wolke himmlischer Gnade spendete Regen, der Führung Licht leuchtete über die Erde. Die Welt legte ein neues Gewand an, die Menschen wurden neue Menschen, die Einheit der Menschheit wurde verkündet. Die wunderbare Einheit im Denken verwandelte die Menschheit und schuf eine neue Welt. Doch wiederum haben die Menschen nach einiger Zeit alles vergessen. Die Lehren Gottes beeinflussten ihr Leben nicht mehr. Seine Weissagungen und Gebote verblassten und die Menschen verbannten sie aus ihren Herzen. Wieder herrschten Gewalt und Achtlosigkeit.
1.7:4Dann erschien Bahá’u’lláh und erneuerte wiederum das Fundament des Glaubens. Er rief die Lehren Gottes und die Werke der Menschlichkeit in der Zeit Christi ins Leben zurück. Er löschte den Durst der Dürstenden, rüttelte die Achtlosen wach und lenkte die Aufmerksamkeit der Nachlässigen auf die göttlichen Geheimnisse. Er verkündete die Einheit der Menschheit und verbreitete die Lehre von der Gleichwertigkeit aller Menschen.
1.7:5Deshalb solltet ihr alle mit Herz und Seele danach streben, die Menschen durch Wohlwollen zu gewinnen, auf dass diese wunderbare Einheit fest gegründet, kindischer Aberglaube überwunden und alle eins werden mögen.«
Ansprache im Hause Thornburgh-Cropper1.8:0_8am 13. September 19111.8:1‘Abdu’l-Bahá sagte:1.8:2»Dank sei Gott! Dies ist ein schönes Treffen. Es ist wirklich erleuchtet, es ist vergeistigt.
1.8:3Ein persischer Dichter schrieb einmal: ›Das Himmelsall wurde so geformt, dass die irdische Welt die höhere Welt widerspiegelt.‹ Das soll bedeuten, dass alles im Himmel Vorhandene in dieser Erscheinungswelt sein Spiegelbild hat. Nun, gelobt sei Gott, dieses unser Treffen ist ein Widerschein der himmlischen Versammlung, es ist, als ob wir einen Spiegel genommen und hineingeschaut hätten. Dieses Spiegelbild der himmlischen Versammlung kennen wir als Liebe.
1.8:4Die unter den himmlischen Heerscharen herrschende Liebe findet sich hier wieder. Die himmlischen Heerscharen sind von der Sehnsucht nach Gott erfüllt, und dieses Sehnen ist – Gott sei Dank – auch hier zu spüren.
1.8:5Wenn wir also sagen, diese Zusammenkunft sei himmlisch, entspricht es der Wahrheit. Warum? Weil wir nichts anderes begehren als was von Gott kommt. Allein Gottes zu gedenken, ist unser Sinn.
1.8:6Manche Menschen auf dieser Erde trachten nach Herrschaft über andere. Einige sehnen sich nach Ruhe und Bequemlichkeit, andere erstreben eine hohe Stellung, manche möchten gerne berühmt werden – Gott sei Dank sehnen wir uns nach Geistigkeit und Gemeinschaft mit Gott.
1.8:7Wir, die wir hier versammelt sind, möchten das Banner der Einheit Gottes hissen, Gottes Licht verbreiten und die Menschenherzen dazu bringen, sich dem Reiche Gottes zuzuwenden. Ich danke darum Gott, dass Er uns dieses große Werk vollbringen lässt.
1.8:8Ich bete darum, dass ihr alle himmlische Krieger werdet, überall die Einheit Gottes verkünden und Ost und West erleuchten möget, und dass ihr die Liebe Gottes in alle Herzen tragt. Dies ist meine höchste Sehnsucht, und ich bitte Gott, dass ihr den gleichen Wunsch hegen möget.
1.8:9Mein Beisammensein mit euch allen macht mich sehr glücklich. Ich fand Gefallen am englischen König, der Regierung und dem Volk.
1.8:10Ihr könnt Gott danken, dass ihr in diesem Land so frei seid. Ihr könnt gar nicht ahnen, welcher Mangel an Freiheit im Osten herrscht. Wer immer in dieses Land kommt, kann zufrieden sein.
1.8:11Ich wünsche euch allen Gottes Schutz und sage euch allen Lebewohl.«
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás beim Einigkeitsfest von Miss Jack und Miss Herrick1.9:1am 22. September 19111.9:2»Heute ist ein kalter, unfreundlicher Tag. Da ich euch jedoch sehr gerne sehen wollte, kam ich hierher. Für einen liebenden Menschen ist Anstrengung eine Erholung. Um seine Freunde zu besuchen, nimmt er jede Entfernung in Kauf.
1.9:3Ich sehe, dass ihr – Gott sei Dank – vergeistigt und entspannt seid. Ich bringe euch diese Botschaft Gottes: Ihr müsst euch Ihm zuwenden. Danket Gott, dass ihr Ihm nahe seid! Die wertlosen Dinge dieser Welt haben euch nicht von der Suche nach der geistigen Welt abgehalten. Wenn ihr auf jene Welt eingestimmt seid, dann macht ihr euch nichts aus vergänglichem Tand. Euer Streben gilt dann dem Unsterblichen, und das Reich Gottes liegt offen vor euch. Ich hoffe, dass sich die Lehren Gottes über die ganze Welt verbreiten werden und alle Menschen dazu bringen, einig zu sein.
1.9:4Zur Zeit Jesu ergoss sich das Licht von Ost nach West, führte die Menschen unter einem Himmelsbanner zusammen und erleuchtete sie mit himmlischer Erkenntnis. Das Licht Christi entflammte die westlichen Länder. Möge in diesem fortgeschrittenen Zeitalter das göttliche Licht die Welt so erhellen, dass alle sich um das Banner der Einheit scharen und geistig erzogen werden. Darum bete ich inständig.
1.9:5Dann werden die Probleme, die unter den Völkern der Erde Streit auslösen, verschwunden sein, weil es sie an sich nicht gibt. Ihr seid alle die Wogen eines Meeres, die Spiegel einer Lichtquelle.
1.9:6Heute herrscht in den Ländern Europas Ruhe. Bildung wird groß geschrieben. Die Freiheitsfackel ist das Licht des Westens. Die Regierungen in den westlichen Ländern bemühen sich um Wahrheit und Gerechtigkeit. Aber seit jeher leuchtet das Licht der Geistigkeit vom Osten her. In diesem Zeitalter verblasste dieses Licht. Die Religion ist zu einer Formsache geworden und beschränkt sich auf Zeremonien, und die Sehnsucht nach der Liebe Gottes ist verloren gegangen.
1.9:7In jeder von tiefer geistiger Finsternis erfüllten Zeit wird im Osten ein Licht entzündet. So kam das Licht göttlicher Lehren erneut zu euch. Genau wie Bildung und Fortschritt von West nach Ost wandern, so wandert das geistige Feuer von Ost nach West.
1.9:8Die Menschen im Westen mögen, so hoffe ich, vom Lichte Gottes erleuchtet werden, so dass das Reich Gottes zu ihnen kommt, sie ewiges Leben erlangen, der Geist Gottes sich unter ihnen wie ein Lauffeuer verbreitet und sie mit dem Wasser des Lebens getauft und neu geboren werden.
1.9:9Dies ist meine Sehnsucht. Beim Willen Gottes hoffe ich, Er möge euch bereit machen, diesen meinen Wunsch aufzunehmen, und euch glücklich werden lassen.
1.9:10Möget ihr im selben Maße, in dem ihr Bildung und Fortschritt erlangt, einen Anteil am Lichte Gottes erhalten.
1.9:11Gott schütze euch alle.«
GesprächsnotizenAnkunft in London2.1:0_9Am Montagabend, dem 4. September 1911, sagte ‘Abdu’l-Bahá bei Seiner Ankunft in London:2.1:1»Der Himmel hat diesen Tag gesegnet. Es hieß, London sei ein Ort, an dem der Glaube weithin verkündet werde. Als ich an Bord des Schiffes ging, war ich erschöpft. Jetzt aber, nachdem ich in London ankam und die Gesichter der Freunde sah, ist meine Müdigkeit verflogen. Eure große Liebe erquickt mich. Ich bin mit den englischen Freunden sehr zufrieden.
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