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2.1:7»Gott erschuf die Welt als ein Ganzes. Die Menschen haben Grenzen abgesteckt. Gott hat das Land nicht aufgeteilt, aber jeder Mensch besitzt Haus und Wiese. Pferde und Hunde teilten die Felder nicht in Parzellen. Darum sagt Bahá’u’lláh: ›Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt‹Auch zitiert in: Shoghi Effendi, Weltordnung Bahá’u’lláhs 3:29 – Anm. d. Hrsg.
Q. Alle gehören einer Familie an, einer Art, alle sind sie Menschen. Meinungsverschiedenheiten über die Aufteilung von Landstrichen sollten kein Grund zur Spaltung unter den Menschen sein.
2.1:8Ein starker Trennungsgrund ist die Hautfarbe. Seht, wie stark dieses Vorurteil z.B. in Amerika ist. Schaut, wie sie einander hassen! Tiere streiten sich nicht wegen ihrer Farbe! Der Mensch, der auf einer so viel höheren Schöpfungsstufe steht, sollte gewisslich nicht primitiver sein als die Tiere. Denkt darüber nach. Welche Einfältigkeit! Weiße Tauben streiten nicht mit blauen Tauben wegen ihrer Farbe, aber weiße Menschen kämpfen gegen Dunkelhäutige. Von allen das schlimmste ist das Rassenvorurteil.
2.1:9Im Alten Testament heißt es, Gott habe den Menschen nach Seinem eigenen Bildnis geschaffen. Im Qur’án steht: ›Es gibt keinen Unterschied in der Schöpfung Gottes!‹Qur’án 67:3 – Anm. d. Hrsg.
Q Denkt darüber nach: Gott hat alle erschaffen, sorgt für alle, und alle stehen unter Seinem Schutz. Gottes Plan ist besser als unsere Pläne. Wir sind nicht so weise wie Gott!«
Religion2.1:10»Den meisten Menschen, die den Inhalt dieser Lehre nicht kennenlernten, scheint Religion nur äußere Form und leerer Schein zu sein, lediglich eine Garantie für Anstand. Manche Priester bekleiden ihr heiliges Amt nur, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie glauben selbst nicht an die Religion, die zu lehren sie vorgeben. Würden diese Männer ihr Leben opfern für ihren Glauben? Fordern Sie einen solchen Christen auf, Christus zu verleugnen und damit sein Leben zu retten. Er wird es tun.
2.1:11Verlangen Sie von einem Bahá’í, irgendeinen der großen Propheten, seinen eigenen Glauben oder den an Moses, Muḥammad oder Christus zu verleugnen, dann wird er sagen: ›Ich möchte lieber sterben‹. Also ist ein Bahá’í muslimischer Herkunft ein besserer Christ als viele sogenannte Christen.
2.1:12Ein Bahá’í lehnt keine Religion ab. Er anerkennt die in allen vorhandene Wahrheit, hält sie hoch und würde sein Leben dafür geben. Er liebt alle Menschen als seine Brüder, gleich welcher Klasse, Art oder Nationalität, welchen Glaubens oder welcher Hautfarbe sie sind, ob gut oder böse, reich oder arm, schön oder hässlich. Er wendet keine Gewalt an. Wird er geschlagen, gibt er den Streich nicht zurück. Er enthält sich der üblen Nachrede und folgt damit dem Beispiel Seines Herrn, Bahá’u’lláh. Als Schutz vor Trunksucht nimmt er weder Wein noch Spirituosen zu sich. Bahá’u’lláh sagte, für einen gesunden Menschen sei nicht gut, etwas zu sich zu nehmen, das seine Gesundheit und seinen Verstand zerstört.
2.1:13Die Religion Gottes hat in dieser Welt zwei Seiten: die geistige (eigentliche) und die formelle (sichtbare). Die formelle Seite ändert sich im Laufe der Jahrhunderte genau wie der Mensch. Die geistige Seite, die Wahrheit an sich, ändert sich nie. Die Propheten und Offenbarer Gottes überbringen stets die gleiche Lehre. Zunächst halten sich die Menschen daran; doch nach einiger Zeit verunstalten sie die Wahrheit. Menschengemachte, äußerliche Förmlichkeiten und irdische Gesetze verzerren die Wahrheit. Ein Schleier aus materiellen Dingen und weltlichem Trachten wird über die tatsächliche Wahrheit gezogen.
2.1:14Wie Moses und Jesus dem Volk ihre Botschaft brachten, bringt auch Bahá’u’lláh die Seine, die gleiche Botschaft.
2.1:15Wann immer Gott uns einen solch überragenden Geist schickt, werden wir neu belebt. Die von jeder Manifestation verkündete Wahrheit ist jedoch stets die gleiche. Nicht die Wahrheit ändert sich, sondern die geistige Sehkraft des Menschen. Sie wird durch den Filz von Förmlichkeiten abgestumpft und irregeführt.
2.1:16Die Wahrheit ist nicht schwer zu begreifen, wenn auch die äußeren Formen, in denen sie zum Ausdruck gebracht wird, den Verstand in die Irre führen. Mit zunehmender Reife sehen die Menschen ein, wie nutzlos von Menschen gemachte Formen sind, und lehnen sie ab. Viele treten darum aus der Kirche aus, denn dort wird oft nur das Äußerliche betont.«
Gedankenaustausch mit einem Kreis von Theosophen2.2:0_11London, im September 19112.2:1»Welch wunderbare Tage! Wir sehen, wie ein Gast aus dem Osten im Westen liebevoll und zuvorkommend empfangen wird. Trotzdem ich mich nicht wohl fühlte, zog mich der Magnet Ihrer Liebe und Zuneigung hierher.
2.2:2Vor einigen Jahren wurde ein Botschafter von Persien nach London geschickt, wo er sich fünf Jahre lang aufhielt. (Er hieß ‘Abdu’l- Ḥasan Khán). Als er nach Persien zurückkehrte, bat man ihn, zu schildern, wie das englische Volk denn so sei. Er antwortete: ›Ich kenne die Engländer nicht, denn obwohl ich jahrelang in London lebte, traf ich nur die Leute vom Hof.‹ In Persien genoss dieser Mann hohes Ansehen. Die Prinzen schickten ihn nach England. Doch er lernte die Menschen nicht kennen, obwohl er fünf Jahre unter ihnen verbrachte. Ich aber, ein langjähriger Gefangener, komme zum ersten Mal nach England, und obwohl mein Besuch so kurz ist, habe ich bereits viele liebe Freunde getroffen und kann sagen, dass ich das Volk kennenlernte. Diejenigen, die ich traf, sind aufrichtige Seelen, die sich um Frieden und Einheit bemühen. Bedenken Sie den Unterschied zwischen der Zeit, in der wir jetzt leben, und der vor siebzig Jahren! Sehen Sie sich den Fortschritt an! – den Fortschritt in Richtung Einheit und Frieden.
2.2:3Gottes Wille ist, dass die Streitigkeiten unter den Nationen aufhören. Wer das Werk der Einigkeit voranbringt, der vollbringt Gottes Werk. Einigkeit ist die Gabe Gottes für dieses erleuchtete Jahrhundert. Gepriesen sei Gott! Heutzutage gibt es viele Vereine für Einheit und viele Versammlungen werden dafür abgehalten. Feindschaft ist nicht mehr ein Grund für Spaltung. Jetzt sind vorwiegend Vorurteile verantwortlich für Uneinigkeit. Ein Beispiel: Wenn vor Jahren Europäer den Osten bereisten, hielt man sie für unrein und hasste sie. Jetzt ist es anders: Wenn westliche Menschen im Osten jene besuchen, die Anhänger des Neuen Lichtes sind, werden sie liebevoll und zuvorkommend empfangen.«
2.2:4‘Abdu’l-Bahá umarmte ein kleines Kind und meinte: »Der wahre Bahá’í liebt die Kinder, weil sie, wie Jesus sagt, dem Himmelreich angehören. Ein schlichtes, reines Herz steht Gott nahe. Ein Kind strebt nicht ehrgeizig nach Weltlichem.«
Vorurteile2.2:5»Der Kongress der Rassen der Welt war eine gute Sache, denn er hatte zum Ziel, die Einheit unter allen Nationen und ein besseres wechselseitiges Verständnis zu fördern und voranzubringen. Die Absicht war gut. Die Anlässe für Streitigkeiten unter verschiedenartigen Nationen sind immer in einer der folgenden Arten von Vorurteilen zu suchen: rassische, sprachliche, theologische, persönliche sowie Vorurteile von Sitte und Tradition. Es bedarf einer weltweit wirkenden Kraft, um diese Uneinigkeit zu überwinden. Für eine unbedeutende Krankheit genügt ein schwaches Heilmittel, aber eine den ganzen Körper durchdringende Krankheit verlangt nach einer starken Arznei. Eine kleine Lampe kann einen Raum erhellen, eine größere ein Haus, eine noch größere die ganze Stadt, aber man braucht eine Sonne, um Licht in die ganze Welt zu bringen.
2.2:6Sprachverschiedenheiten verursachen Uneinigkeit unter den Nationen. Wir brauchen eine gemeinsame Sprache für die Welt. Glaubensunterschiede sind ebenfalls ein Grund zur Trennung. Die wirkliche Grundlage aller Religionen muss bewiesen und äußerliche Unterschiede müssen beseitigt werden. Es muss zu einer Einheit im Glauben kommen. Diesen Streitigkeiten ein Ende zu setzen ist eine schwierige Aufgabe. Die ganze Welt ist krank und braucht dringend die Macht des Großen Heilers.
2.2:7Diese Versammlungen lehren uns, dass Einheit gut ist und dass Unterdrückung (Versklavung unter das Joch von Tradition und Vorurteil) Uneinigkeit verursacht. Dies zu erkennen ist nicht genug. Jedes Wissen ist gut, aber ohne Taten kann es keine Früchte zeitigen. Es ist gut zu wissen, dass Reichtum eine gute Sache ist, aber dieses Wissen wird keinen Menschen reich machen – er muss arbeiten, er muss sein Wissen anwenden. Wir hoffen, dass die Menschen sehen und erkennen, dass Einigkeit gut ist, und wir hoffen auch, dass sie sich nicht mit erreichtem Wissen begnügen. Sie sollten nicht nur sagen, Liebe und Brüderlichkeit seien gut. Um deren Verwirklichung müssen sie sich bemühen.
2.2:8Der Zar von Russland schlug der Haager Friedenskonferenz vor, alle Nationen sollten abrüsten. Bei dieser Konferenz zeigte sich, dass Friede für alle Länder von Vorteil ist und dass Krieg den Handel usw. zerstört. Doch so bewundernswert auch die Äußerungen des Zaren waren – nach Beendigung der Konferenz war gerade er der erste, der einen Krieg erklärte (gegen Japan).
2.2:9Wissen ist nicht genug. Hoffentlich können wir es durch Gottes Liebe in Taten umsetzen. Dazu brauchen wir eine geistige, weltweit wirkende Kraft. Versammlungen sind ein gutes Mittel, um geistige Kraft zu erzeugen. Es ist gut zu wissen, dass man einen gewissen Grad an Vollkommenheit erreichen kann. Besser ist es, auf diesem Weg zügig voranzugehen. Wir wissen, dass es Gott gefällt, wenn wir den Armen helfen und Mitleid haben, aber Wissen allein ernährt keinen verhungernden Menschen, noch kann man einen Armen im bitterkalten Winter durch Erkenntnis und Worte wärmen. Wir müssen liebevolle Güte in Form von praktischer Hilfe geben.«
2.2:10Frage: Und wie steht es mit dem Friedenskongress?2.2:11Antwort: »Er gleicht der Versammlung einer Menge von Trunkenbolden, die sich trafen, um gegen den Alkohol zu protestieren. Sie sagen, Trinken sei schrecklich, gehen geradewegs aus dem Gebäude und trinken unverdrossen weiter.«
Theosophie2.2:12Als ‘Abdu’l-Bahá gefragt wurde, ob Er das Gute gesehen habe, das die Theosophische Gesellschaft leiste, antwortete Er:2.2:13»Es ist mir bewusst, ich halte sehr viel davon. Ich weiß, dass sie der Menschheit gerne dienen will. Ich danke dieser noblen Gesellschaft persönlich und im Namen aller Bahá’í. Ich hoffe, dass diese Freunde mit Gottes Hilfe Liebe und Einheit zuwege bringen. Es ist ein großes Werk, das den Einsatz aller Diener Gottes verlangt.«
Frieden2.2:14»In den letzten sechstausend Jahren haben sich die Nationen gegenseitig gehasst. Nun ist es Zeit, dem Einhalt zu gebieten. Kriegsführung muss aufhören. Lasst uns einig sein, einander lieben und dem Ergebnis entgegensehen. Wir wissen, dass der Krieg schlimme Folgen hat. Lasst uns das Experiment Frieden versuchen, und wenn die Folgen des Friedens schlecht sind, können wir nach Belieben auf das vielleicht bessere alte Mittel des Krieges zurückgreifen. In jedem Fall sollten wir das Experiment wagen. Wenn wir sehen, dass Einigkeit Licht verbreitet, sollten wir dabei bleiben. Sechstausend Jahre lang beschritten wir den linken Pfad; lasst uns nun den rechten beschreiten. Wir haben viele Jahrhunderte im Dunkeln verbracht. Lasst uns nun dem Licht entgegengehen.«
2.2:15Frage: (Die Bemerkung fiel, die Theosophie lehre, die Wahrheit sei in allen Religionen die gleiche). Findet die Aufgabe, alle Religionen zu vereinen, die Zustimmung ‘Abdu’l-Bahás?2.2:16Antwort: »Ganz gewiss.«
2.2:17Frage: Kann ‘Abdu’l-Bahá uns Richtlinien vorschlagen, nach denen am besten vorgegangen werden soll?2.2:18Antwort: »Suchen Sie die Wahrheit zu ergründen. Suchen Sie das Wesentliche in allen Religionen. Legen Sie alle abergläubischen Vorstellungen ab. Viele unter uns sind sich über das wahre Wesen der Religionen nicht im Klaren.«
Göttliche Manifestationen (1)2.2:19Frage: Was lehrt ‘Abdu’l-Bahá über die verschiedenen göttlichen Manifestationen?2.2:20Antwort: »Das Wesentliche ist bei allen gleich. Es gibt nur eine Wahrheit. Die Religionen gleichen den Ästen eines Baumes. Ein Ast ist hoch oben, einer unten und einer in der Mitte, aber alle beziehen ihre Lebenskraft aus dem einzigen Stamm. Ein Ast trägt Früchte, andere sind nicht so reich beladen. Alle Propheten sind Lichter, nur ihre Leuchtkraft ist verschieden. Sie strahlen wie funkelnde Himmelskörper. Für jeden sind Aufgangsort und -zeit vorherbestimmt. Manche sind wie Lampen, manche wie der Mond, manche wie weit entfernte Sterne. Und einige wenige sind wie die Sonne, die von einem Ende der Erde bis zum anderen scheint. Alle spenden das gleiche Licht, doch ihre Leuchtkraft ist verschieden.«
Buddhismus2.2:21Einige Anwesende verwiesen auf die Lehren Buddhas. ‘Abdu’l-Bahá sagte:2.2:22»Die wahre Lehre Buddhas ist die gleiche wie die Lehre Jesu Christi. Dem Wesen nach sind die Lehren aller Propheten gleich. Die Menschen haben die Lehren aber abgeändert. Wenn Sie schauen, wie die buddhistische Religion heutzutage ausgeübt wird, sehen Sie, dass vom Wesentlichen wenig übrig blieb. Viele beten Götter an, obwohl ihre Lehren es verbieten.
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