weiter nach oben ...
Göttliche Manifestationen (2)2.2:39Frage: Ist die göttliche Manifestation Gott?2.2:40Antwort: »Ja, und doch nein in Bezug auf Ihre Wesenheit. Eine göttliche Manifestation ist wie ein Spiegel, der das Licht der Sonne widerspiegelt. Es ist das gleiche Licht, doch der Spiegel ist nicht die Sonne selbst. Alle Manifestationen Gottes vermitteln das gleiche göttliche Licht. Nur das Ausmaß ist jeweils anders, nicht die Substanz. Es gibt nur eine Wahrheit. Das Licht ist dasselbe, wenngleich die Lampen verschieden sein können. Wir müssen auf das Licht schauen, nicht auf die Lampe. Wenn wir das Licht einer der Lampen annehmen, müssen wir an das Licht aller Lampen glauben. Alle stimmen überein, weil sie alle gleich sind. Die Lehre ist stets die gleiche, nur die Erscheinungsformen ändern sich.
2.2:41Die Manifestationen Gottes sind wie Himmelskörper. Alle gehen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit auf, spenden jedoch das gleiche Licht. Wenn jemand sehen möchte, wie die Sonne aufgeht, schaut er nicht stets auf die gleiche Stelle, weil der Aufgangsort sich je nach Jahreszeit ändert. Wenn jemand die Sonne weiter im Norden aufgehen sieht, erkennt er sie, obwohl sie zuvor an einer anderen Stelle aufging.«
Notizen aus einem Gespräch mit ‘Abdu’l-Bahá2.3:1Ein Schwarzer aus Südafrika besuchte ‘Abdu’l-Bahá und meinte, selbst heute würde sich kein Weißer wirklich um einen Schwarzen kümmern.2.3:2‘Abdu’l-Bahá antwortete:2.3:3»Vergleichen Sie die Einstellung gegenüber Schwarzen von heute mit dem Verhalten von vor zwei- oder dreihundert Jahren und sehen Sie, wie viel sich bis heute gebessert hat. Schon bald wird sich die Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen noch günstiger gestalten und nach und nach wird kein Unterschied mehr wahrnehmbar sein. Es gibt weiße Tauben und farbenprächtige Tauben, beides sind Tauben.
2.3:4Bahá’u’lláh verglich einmal die Schwarzen mit der schwarzen Pupille des Auges, die von Weiß umgeben ist. In dieser schwarzen Pupille sehen Sie das Spiegelbild dessen, was sie vor sich hat. Aus ihr strahlt das Licht des Geistes hervor.
2.3:5Vor Gott hat die Hautfarbe überhaupt keine Bedeutung. Er schaut auf die Herzen der Menschen. Gott wünscht sich vom Menschen dessen Herz. Ein schwarzer Mensch mit einem guten Charakter ist weit besser als ein weißer mit einem weniger guten Charakter.«
Östliche und westliche Ideale2.3:6Einer der anwesenden Veranstalter des Rassenkongresses sprach darüber, dass die westlichen Ideale Bahá’u’lláhs anders sind als die der früheren Propheten, in denen deutliche Spuren der Ideen- und Kulturwelt des Ostens zu finden sind. Er fragte dann, ob Bahá’u’lláh die Schriften des Westens besonders sorgfältig studiert und seine Lehren dann in Übereinstimmung damit gestiftet habe.2.3:7‘Abdu’l-Bahá lachte herzlich und sagte, die vor sechzig Jahren geschriebenen und gedruckten Bücher Bahá’u’lláhs beinhalteten Ideale, die erst jetzt im Westen allgemein bekannt seien. Zu jener Zeit aber habe man sie im Westen weder gedruckt noch habe man darüber nachgedacht. Nähmen wir an, meinte Er weiter, ein sehr fortschrittlicher Denker aus dem Westen hätte sich aufgemacht, um Bahá’u’lláh zu besuchen und zu lehren, wäre der Name eines solch herausragenden Mannes und die Tatsache seines Besuches unbekannt geblieben und nicht schriftlich festgehalten worden? Nein! Früher, zu Zeiten Buddhas und Zoroasters, hätten Asien und der Osten eine weit höhere Kultur gehabt als der Westen. Die Ideen und Gedanken der Völker des Ostens seien denen des Westens weit voraus und der göttlichen Gedankenwelt viel näher gewesen. Doch seit dem hätten immer mehr abergläubische Vorstellungen Eingang in die Religion des Ostens gefunden und ihre Ideale unterwandert. So seien aus vielen verschiedenen Gründen die Ideale und Tugenden der Völker des Ostens immer mehr abhandengekommen und weiter und weiter entartet, während die Völker des Westens ständig Fortschritte gemacht und sich zum Licht vorgerungen hätten. Infolge dessen habe heute der Westen ein viel höheres Kulturniveau als der Osten, und das Sinnen und Trachten des Westens stünden der Gedankenwelt Gottes weit näher als das des Ostens. Aus diesem Grunde erkenne man die Ideale Bahá’u’lláhs im Westen schneller.2.3:8Um dies weiter auszuführen, wies ‘Abdu’l-Bahá darauf hin, dass Bahá’u’lláh in einem Seiner Bücher genau das beschrieben habe, was seither im Internationalen Schiedsgerichtshof Gestalt angenommen hat. Bahá’u’lláh habe die vielfältigen Funktionen eines solchen Gerichtshofs erläutert, von denen man einige noch gar nicht wahrgenommen habe. Er (‘Abdu’l-Bahá) möchte sie uns jetzt erklären, damit wir erkennen, dass Bahá’u’lláh sie vorausgesehen hat, wenn sie in naher Zukunft zum Einsatz kommen.2.3:9Krieg sei das schlimmste Unheil, das einem Volk widerfahren könne, weil das Volk, das sich normalerweise Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und anderem nützlichem Schaffen widmet, von seinen verschiedenen Tätigkeiten weggeholt und zu Soldaten gemacht werde, so dass Vergeudung und Verlust und dazu noch Zerstörung und Kriegsgemetzel in hohem Maße um sich greifen.2.3:10Die Aufgabe des Internationalen Gerichtshofes werde laut Bahá’u’lláh darin bestehen, Streitigkeiten zwischen Nationen beizulegen, exakte Grenzen für die verschiedenen Länder abzustecken und darüber zu entscheiden, welche Anzahl Soldaten und Waffen jede Nation ihrer Bevölkerungszahl entsprechend beibehalten darf, um im Inland Ordnung zu gewährleisten. So könne z. B. ein Staat zehntausend, ein anderer zwanzigtausend und wieder ein anderer fünfzehntausend Soldaten haben, je nach Größe und Bevölkerungszahl des Landes. Sollte irgend ein Volk sich gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auflehnen und sich ihr widersetzen, könne der Gerichtshof die anderen dazu ermächtigen, ihre Streitkräfte zusammenzuziehen, um seine Entscheidung nachdrücklich zu unterstützen und notfalls gemeinsam vorzugehen.2.3:11Noch könnten wir nicht feststellen, dass irgendeiner dieser Punkte umgesetzt worden sei, aber in Zukunft würden wir Zeuge dessen sein.Wissenschaft und Glaube2.3:12Derselbe Herr stellte dann eine Frage, die er seiner Aussage und Ansicht nach im Zusammenhang mit einer religiösen Bewegung, die Weltgeltung beansprucht, für ganz besonders wichtig halte. Er fragte, welche Bedeutung Bahá’u’lláh, wenn überhaupt, den modernen Ideen und Auffassungen der Wissenschaft in seinen Lehren beimesse. Die gesamte Struktur der modernen Zivilisation beruhe auf Ergebnissen und Erkenntnissen, die von Wissenschaftlern durch arbeitsaufwendige, geduldige Beobachtung von Vorgängen gesammelt wurden, in manchen Fällen durch jahrhundertelange gewissenhafte Forschung. Um seine Ansicht zu verdeutlichen führte er als Beispiel die Ethik und die Morallehre der chinesischen Philosophen an, denn er könne sich nichts Erhabeneres vorstellen. Dennoch hätten diese Lehren außerhalb Chinas sehr geringe Wirkung gezeigt, weil sie seiner Ansicht nach ursprünglich nicht auf den Lehren der Wissenschaft beruhten.2.3:13‘Abdu’l-Bahá antwortete, im Schrifttum Bahá’u’lláhs werde Wissenschaft und Bildung große Bedeutung beigemessen. Bahá’u’lláh habe geschrieben, wenn jemand den Kindern von Armen Bildung ermögliche, die dazu selbst nicht in der Lage sind, dann sei dies vor Gott, als habe er Gottes Sohn erzogen.2.3:14Wenn eine Religion sich Wissenschaft und Bildung widersetze, sei diese Religion keine wahre Religion. Wissenschaft und Religion sollten gemeinsam Fortschritte machen, sie sollten in der Tat sein wie zwei Finger an einer Hand.2.3:15Bahá’u’lláh habe in Seinen Schriften auch der Kunst einen sehr wichtigen Platz eingeräumt, ebenso den durch Ausbildung erworbenen Berufen. Er habe erklärt, dass das Ausüben einer Kunst oder eines Gewerbes im wahren Geiste des Dienens der Anbetung Gottes gleichzusetzen sei.2.3:16Ein in einer Wohlfahrtseinrichtung engagierter Herr fragte nach der besten Methode, mittels der die schwächsten, geringsten und unwissendsten Menschen aufgerichtet und kultiviert werden könnten, und ob ihre Bildung durch allmähliche geistige Einsicht vorankomme oder ob es besondere Mittel und Wege gäbe, die wir einsetzen könnten, um dem Endziel zu dienen.2.3:17‘Abdu’l-Bahá antwortete, der beste Weg sei, ihnen geistige Lehren und Einsichten zu vermitteln. Er erwähnte auch, die beste Art und Weise, um das Verständnis besonders engherziger und vorurteilsvoller Menschen zu erweitern und sie dazu zu bringen, einem umfassenden Unterricht Aufmerksamkeit zu schenken, sei, ihnen größte Freundlichkeit und Liebe zu erweisen. Das Beispiel unseres Lebens sei mehr wert als Worte.Verkehr mit verstorbenen Personen2.3:18Es wurde die Frage gestellt, ob es möglich sei, mit den Toten Verbindung herzustellen, und ob es weise oder ratsam sei, an spiritistischen Sitzungen oder an Tischrücken, Tischklopfen etc. teilzunehmen.2.3:19Der Meister sagte, all dieses Klopfen usw. sei etwas Materielles und Körperliches. Es sei nötig, sich über das Stoffliche zu erheben hin zu den Reichen reiner Geistigkeit. Tischrücken und ähnliches sei materiell, ein naturbedingtes Ergebnis und nicht geistig.2.3:20Es sei aber möglich, mit den Toten Verbindung zu haben, wenn bestimmte Voraussetzungen bezüglich des Charakters und des Herzens erfüllt seien.Ist Aberglaube nützlich?2.3:21Eine Dame fragte, ob nicht einige abergläubische Vorstellungen für unwissende Menschen, die ohne solche wohl an gar nichts glauben würden, nützlich sein könnten.2.3:22‘Abdu’l-Bahá antwortete, es gebe zwei Arten von Aberglauben: den schädlichen und gefährlichen sowie den harmlosen mit sogar günstigen Auswirkungen.2.3:23Es habe z.B. arme Leute gegeben, die daran glaubten, dass Missgeschicke und Strafen von einem großen Engel bewirkt werden, der mit einem Schwert in der Hand jene, die stahlen, mordeten und andere Verbrechen begingen, niederschlägt.2.3:24Sie dachten, Gewitterblitze seien die Waffen dieses Engels, und wenn sie Böses taten, werde sie ein Blitzschlag treffen. Dieser Glaube brachte sie dazu, von Übeltaten zu lassen.2.3:25Die Chinesen pflegten die Vorstellung, sie könnten mit dem Verbrennen von bestimmten Papierstücken die Teufel vertreiben. Manchmal verbrannten sie auf Reisen an Bord von Schiffen solche Papierstücke, um Teufel zu vertreiben, und steckten dabei das Schiff in Brand und brachten viele zu Tode. Das war ein Aberglaube der gefährlichen, schädlichen Art.Das Leben nach dem Tod2.3:26Mrs. S. stellte einige Fragen in Bezug auf das Dasein in der nächsten Welt und das Leben nach dem Tod. Weil sie vor kurzem einen ihr sehr nahestehenden Verwandten verloren habe, sagte sie, habe sie sehr viel über dieses Thema nachgedacht. Viele glauben, dass ein erneutes Zusammenfinden mit denen, die wir lieb hatten und die in das künftige Leben hinübergingen, erst nach Ablauf eines längeren Zeitraumes erfolgen werde. Sie wollte gerne wissen, ob man unmittelbar nach dem Tod mit denen wieder vereint sein werde, die vorausgegangen sind.2.3:27‘Abdu’l-Bahá antwortete, dies sei von der jeweiligen Stufe beider Seiten abhängig. Wenn beide den gleichen Entwicklungsgrad innehatten, könnten sie unmittelbar nach dem Tod wieder beisammen sein.2.3:28Wie kann man, meinte dann die Fragestellerin, diesen Entwicklungsstand erreichen? ‘Abdu’l-Bahá erwiderte: durch ständiges Bemühen, durch rechtes Handeln und durch den Erwerb geistiger Eigenschaften.2.3:29Die Fragestellerin merkte an, dass viele verschiedene Ansichten über die Beschaffenheit des künftigen Lebens in Umlauf seien. Manche Leute glaubten, wir alle hätten dann genau die gleichen Vollkommenheiten und Tugenden und seien völlig gleich.2.3:30‘Abdu’l-Bahá sagte, es werde Vielfalt geben und Unterschiede an Einsicht und Weisheit genau wie in dieser Welt.
weiter nach unten ...