‘Abdu’l-Bahá | ‘Abdu’l-Bahá in London
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Der Wandel des Herzens
5:31
Jemand sprach über den Wunsch des Volkes, das Land zu besitzen, und die latente Bereitschaft zur Rebellion in der Arbeiterklasse. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
5:32
»Kampf und Gewaltanwendung werden keine guten Ergebnisse zeitigen, selbst wenn sie einer gerechten Sache dienen. Die Unterdrückten, die das Recht auf ihrer Seite haben, sollten dieses Recht nicht mit Gewalt an sich reißen, sonst bleibt das Übel bestehen. Die Herzen müssen verwandelt werden. Der Reiche muss den Wunsch haben zu geben! Die Lebenskraft im Menschen sollte wie eine Flamme sein, die jeden erwärmt, der mit ihr in Berührung kommt. Die geistig Erweckten sind in den Augen Gottes wie helle Fackeln, die ihren Mitmenschen Licht und Erquickung spenden.«
5:33
Auf die Frage, ob Er die Umgangsformen der Engländer im Vergleich mit denen im Osten nicht als rüde und unangenehm erfahren habe, sagte ‘Abdu’l-Bahá, Er habe nichts dergleichen wahrgenommen. Wenn die Geistigkeit in einem Volk zunehme, werde das Betragen sich verändern.
Christus und Bahá’u’lláh
5:34
Ein Freund fragte, inwiefern die Lehren Bahá’u’lláhs zu den Lehren Jesu Christi im Gegensatz stehen. »Die Lehren sind gleich«, erklärte ‘Abdu’l-Bahá, »sie haben die gleiche Grundlage und entstammen dem gleichen Tempel. Es gibt nur eine ungeteilte Wahrheit. Die Lehren Jesu sind sehr konzentriert. Bis heute sind die Menschen sich über die Bedeutung vieler Seiner Aussagen gar nicht einig. Seine Lehren sind wie eine in der Knospe verborgene Blüte. Heute entfaltet sich die Knospe zur Blüte! Bahá’u’lláh hat die Lehren erfüllt, sie erweitert und Punkt für Punkt auf die ganze Welt angewandt.
5:35
Unter den Bahá’í gibt es keine Einzelgänger, keine Einsiedler. Der Mensch muss mit seinen Mitmenschen zusammenarbeiten. Jeder, ob reich oder arm, sollte ein Gewerbe, eine Kunst oder einen erlernten Beruf ausüben, und damit muss er der Menschheit dienen. Ein solcher Dienst wird als höchste Form der Anbetung angenommen.«
Kunst
5:36
Eine Malerin fragte: »Ist Kunst eine achtbare Beschäftigung?« ‘Abdu’l-Bahá wandte sich ihr in beeindruckender Weise zu und sagte: »Kunst ist Anbetung.«
5:37
Ein Schauspieler erwähnte das Schauspiel und dessen Einfluss. »Das dramatische Schauspiel ist höchst bedeutsam«, sagte ‘Abdu’l-Bahá. »Früher hatte es große erzieherische Kraft, und diese wird es wieder erlangen.« Er schilderte, wie Er als kleiner Junge das Mysterienspiel vom Verrat an ‘Alí und dessen Leidensweg gesehen habe und Ihn dieses Spiel so tief ergriffen habe, dass Er weinte und nächtelang nicht schlafen konnte.
Bekenntnissymbole
5:38
Jemand wollte wissen, ob das Tragen von Bekenntnissymbolen, z.B. eines Kreuzes, eine gute Gewohnheit sei. Er sagte: »Sie tragen das Kreuz zum Gedenken, es konzentriert Ihre Gedanken. Es hat keine magische Kraft. Die Bahá’í tragen oft einen Stein, in den der Größte Name eingraviert ist. Der Stein übt keinen magischen Einfluss aus. Er dient als Mahner und Begleiter.
5:39
Wenn Sie im Begriff sind, etwas Selbstsüchtiges oder Vorschnelles zu tun und Ihr Blick dann auf den Ring an Ihrer Hand fällt, werden Sie sich besinnen und Ihre Absicht ändern.«
Esperanto
5:40
Ein Freund sprach Bahá’u’lláhs Prophezeiung in den Worten des Paradieses an, es werde eine Weltsprache geschaffen werden,Deutlicher angesprochen ist dies in den Sendschreiben Bishárát und Lawḥ-i-Maqṣúd (Botschaften aus ‘Akká 3:4; 11:8) (Anm. d. Übers.).A und wollte gerne wissen, ob Esperanto einmal die dafür auserwählte Sprache sein werde. Er antwortete:
5:41
»Die für Esperanto aufgewendete Liebe und Mühe wird nicht verloren sein, aber eine Einzelperson kann nicht eine universale Sprache ausarbeiten. Sie muss von einem Rat, der alle Länder vertritt, geschaffen werden und Wörter aus verschiedenen Sprachen beinhalten. Die einfachsten Regeln sollen gelten und es wird keine Ausnahmen geben, auch keine Geschlechtswörter oder besondere und stumme Laute. Jede Sache wird nur eine Bezeichnung haben. Im Arabischen gibt es hunderte Worte für das Kamel! In den Schulen aller Länder wird die Muttersprache und gleichzeitig die überarbeitete Weltsprache gelehrt werden.«
Tolstoi
5:42
Der gleiche Fragesteller sagte: »Ich habe vieles von Tolstoi gelesen und sehe eine Parallele zwischen seinen Lehren und den Ihrigen. In einem seiner Bücher spricht er vom Rätsel des Lebens und beschreibt, wie wir bei unserem Streben, den Schlüssel zu finden, unser Leben vergeuden. Aber Tolstoi fährt fort:›Es gibt in Persien einen Mann, der das Geheimnis kennt.‹«
5:43
»Ja«, sagte ‘Abdu’l-Bahá, »Ich bekam von Tolstoi einen Brief und darin schrieb er, dass er ein Buch über Bahá’u’lláh schreiben wolle.«
Heilung
5:44
Ein an der Heilkunst interessierter Freund zitierte die Worte Bahá’u’lláhs: »Wenn jemand krank ist, soll er zum besten Arzt gehen.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 113: »Bei Krankheit wendet euch an fähige Ärzte.« (Anm. d. Übers.).Q
5:45
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Es gibt nur eine heilende Kraft – das ist Gott. Die Verfassung oder die Vorbedingung, unter der sich die Heilung vollzieht, ist die Zuversicht des Herzens. Bei manchen wird dieser Zustand durch Pillen, Pulver und Ärzte erreicht, bei anderen durch Hygiene, Fasten und Beten, bei wieder anderen durch unmittelbares Empfinden.«
5:46
Bei einer anderen Gelegenheit sagte ‘Abdu’l-Bahá zu eben diesem Thema: »Wir sehen um uns herum nichts als das Wirken des Geistes. Der Geist in den Kräutern und im Mineral wirkt auf den menschlichen Körper und verändert seinen Zustand.« Die Ansprache entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Erörterung der Philosophie von Aristoteles.
Tod
5:47
Ein Freund fragte: »Wie soll man dem Tod entgegensehen?«
5:48
‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Wie sieht man dem Ende einer Reise entgegen? Mit Hoffnung und Erwartung. So ist es auch mit dem Ende dieser Erdenreise. In der nächsten Welt wird der Mensch sich von vielen Unzulänglichkeiten, unter denen er jetzt leidet, befreit fühlen. Wer durch den Tod gegangen ist, lebt in einer eigenen Sphäre. Sie ist der unsrigen nicht entrückt: ihr Wirken im Königreich ist das unsrige. Aber sie ist geheiligt von dem, was wir Raum und Zeit nennen. Unsere Zeit wird nach der Sonne gemessen. Wenn es keinen Sonnenaufgang und keinen Sonnenuntergang mehr gibt, so gibt es für den Menschen auch nicht mehr diese Art von Zeit. Die Aufgestiegenen haben Merkmale, die sich von den Eigenschaften derer unterscheiden, die noch auf Erden sind. Doch besteht keine wirkliche Trennung zwischen ihnen.
5:49
Im Gebet tritt eine Vermischung der Stufen und Zustände ein. Betet für sie, wie sie auch für euch beten. Wenn ihr, ohne es zu wissen, in einem empfänglichen Zustand seid, können sie euch, falls ihr Schwierigkeiten habt, Ratschläge geben. Dies geschieht manchmal im Schlaf. Es gibt jedoch keinen äußerlich wahrnehmbaren Austausch! Was ein wahrnehmbarer Austausch zu sein scheint, ist anders zu erklären.«
5:50
Ein Fragesteller rief aus: »Aber ich habe eine Stimme gehört!«
5:51
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Ja, das ist möglich, in Träumen hören wir deutliche Stimmen. Es ist nicht das körperliche Ohr, mit dem Sie gehört haben. Der Geist derer, die hingeschieden sind, ist vom Sinnesleben befreit und benützt keine physikalischen Mittel. Diese bedeutsamen Themen in menschliche Worte zu fassen ist nicht möglich. Die Sprache des Menschen ist eine Kindersprache, und oft führen menschliche Erklärungen in die Irre.«
5:52
Ein Gast fragte, wie es zugehe, dass sich das Herz öfters instinktiv an bestimmte Freunde wende, die in das nächste Leben eingegangen sind.
5:53
‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Es ist ein Gesetz in Gottes Schöpfung, dass sich der Schwache an den Starken lehnt. Die, an die Sie sich wenden, mögen Vermittler der göttlichen Kraft für Sie sein, wie wenn sie auf Erden wären. Aber es ist der eine Heilige Geist, der allen Menschen Kraft verleiht.«
5:54
Daraufhin wies ein anderer Freund auf das Gespräch von Jesus auf dem Berg der Verklärung mit Moses und Elias hin.
5:55
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Die Gläubigen werden stets durch die Anwesenheit der Himmlischen Heerscharen unterstützt. Zu den Himmlischen Heerscharen gehören Jesus und Moses und Elias und Bahá’u’lláh und andere erhabene Seelen, und ebenso die Märtyrer.«
5:56
Als Er über das Weiterbestehen der Persönlichkeit eines Tieres nach dessen Tod gefragt wurde, sagte ‘Abdu’l-Bahá: »Selbst die edelsten Zuchthunde besitzen nicht die unsterbliche Seele des Menschen, doch der Hund ist auf seiner Stufe vollkommen. Sie streiten doch nicht mit einem Rosenbäumchen, weil es nicht singen kann!«
Ein wahrer Bahá’í (1)
5:57
Ein junger Mann, der die modernen Methoden der Bibelkritik studierte, fragte ‘Abdu’l-Bahá, ob er gut daran tue, wenn er weiterhin der Kirche angehöre, mit der er zeitlebens verbunden war und deren Sprache für ihn so voller Bedeutung war. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
5:58
»Sie sollten sich nicht von ihr trennen. Sie sollten wissen: Das Reich Gottes gehört keiner bestimmten Gruppe. Manche Sucher durchwandern viele Gemeinschaften so wie ein Reisender viele Städte durchstreift, bis er sein Ziel erreicht. Wenn Sie schon zu einer Gruppe gehören, verleugnen Sie nicht ihre Brüder. Sie können ein Bahá’í-Christ, ein Bahá’í-Freimaurer, ein Bahá’í-Jude, ein Bahá’í-Muslim sein. Die Zahl neun enthält acht und sieben und alle anderen Zahlen und verleugnet keine davon. Bringen Sie niemanden durch die Worte ›Er ist kein Bahá’í‹ in Bedrängnis, weisen Sie keinen ab. Er wird an seinen Taten erkannt werden. Bei den Bahá’í gibt es keine Geheimnisse, ein Bahá’í hat nichts zu verbergen.«
Verbreiten der Lehren
5:59
Als ein amerikanischer Freund fragte, »welcher der beste Weg sei zum Verbreiten der Lehren«, sagte Er:
5:60
»Durch Taten. Dieser Weg steht allen offen, und Taten werden von allen verstanden. Arbeiten Sie mit jenen zusammen, die sich für die Armen, Schwachen und Glücklosen einsetzen, das ist höchst lobenswert. Mit Worten zu lehren erfordert das Können eines weisen Arztes. Er bietet denen, die keine Behandlung wünschen, seine Hilfe auch nicht an. Drängen Sie Ihre Hilfe nicht jenen auf, die Ihren Beistand nicht brauchen. So zu lehren ist nicht jedem gegeben.«
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