‘Abdu’l-Bahá | ‘Abdu’l-Bahá in London
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5:39
Wenn Sie im Begriff sind, etwas Selbstsüchtiges oder Vorschnelles zu tun und Ihr Blick dann auf den Ring an Ihrer Hand fällt, werden Sie sich besinnen und Ihre Absicht ändern.«
Esperanto
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Ein Freund sprach Bahá’u’lláhs Prophezeiung in den Worten des Paradieses an, es werde eine Weltsprache geschaffen werden,Deutlicher angesprochen ist dies in den Sendschreiben Bishárát und Lawḥ-i-Maqṣúd (Botschaften aus ‘Akká 3:4; 11:8) (Anm. d. Übers.).A und wollte gerne wissen, ob Esperanto einmal die dafür auserwählte Sprache sein werde. Er antwortete:
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»Die für Esperanto aufgewendete Liebe und Mühe wird nicht verloren sein, aber eine Einzelperson kann nicht eine universale Sprache ausarbeiten. Sie muss von einem Rat, der alle Länder vertritt, geschaffen werden und Wörter aus verschiedenen Sprachen beinhalten. Die einfachsten Regeln sollen gelten und es wird keine Ausnahmen geben, auch keine Geschlechtswörter oder besondere und stumme Laute. Jede Sache wird nur eine Bezeichnung haben. Im Arabischen gibt es hunderte Worte für das Kamel! In den Schulen aller Länder wird die Muttersprache und gleichzeitig die überarbeitete Weltsprache gelehrt werden.«
Tolstoi
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Der gleiche Fragesteller sagte: »Ich habe vieles von Tolstoi gelesen und sehe eine Parallele zwischen seinen Lehren und den Ihrigen. In einem seiner Bücher spricht er vom Rätsel des Lebens und beschreibt, wie wir bei unserem Streben, den Schlüssel zu finden, unser Leben vergeuden. Aber Tolstoi fährt fort:›Es gibt in Persien einen Mann, der das Geheimnis kennt.‹«
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»Ja«, sagte ‘Abdu’l-Bahá, »Ich bekam von Tolstoi einen Brief und darin schrieb er, dass er ein Buch über Bahá’u’lláh schreiben wolle.«
Heilung
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Ein an der Heilkunst interessierter Freund zitierte die Worte Bahá’u’lláhs: »Wenn jemand krank ist, soll er zum besten Arzt gehen.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 113: »Bei Krankheit wendet euch an fähige Ärzte.« (Anm. d. Übers.).Q
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‘Abdu’l-Bahá sagte: »Es gibt nur eine heilende Kraft – das ist Gott. Die Verfassung oder die Vorbedingung, unter der sich die Heilung vollzieht, ist die Zuversicht des Herzens. Bei manchen wird dieser Zustand durch Pillen, Pulver und Ärzte erreicht, bei anderen durch Hygiene, Fasten und Beten, bei wieder anderen durch unmittelbares Empfinden.«
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Bei einer anderen Gelegenheit sagte ‘Abdu’l-Bahá zu eben diesem Thema: »Wir sehen um uns herum nichts als das Wirken des Geistes. Der Geist in den Kräutern und im Mineral wirkt auf den menschlichen Körper und verändert seinen Zustand.« Die Ansprache entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Erörterung der Philosophie von Aristoteles.
Tod
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Ein Freund fragte: »Wie soll man dem Tod entgegensehen?«
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‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Wie sieht man dem Ende einer Reise entgegen? Mit Hoffnung und Erwartung. So ist es auch mit dem Ende dieser Erdenreise. In der nächsten Welt wird der Mensch sich von vielen Unzulänglichkeiten, unter denen er jetzt leidet, befreit fühlen. Wer durch den Tod gegangen ist, lebt in einer eigenen Sphäre. Sie ist der unsrigen nicht entrückt: ihr Wirken im Königreich ist das unsrige. Aber sie ist geheiligt von dem, was wir Raum und Zeit nennen. Unsere Zeit wird nach der Sonne gemessen. Wenn es keinen Sonnenaufgang und keinen Sonnenuntergang mehr gibt, so gibt es für den Menschen auch nicht mehr diese Art von Zeit. Die Aufgestiegenen haben Merkmale, die sich von den Eigenschaften derer unterscheiden, die noch auf Erden sind. Doch besteht keine wirkliche Trennung zwischen ihnen.
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Im Gebet tritt eine Vermischung der Stufen und Zustände ein. Betet für sie, wie sie auch für euch beten. Wenn ihr, ohne es zu wissen, in einem empfänglichen Zustand seid, können sie euch, falls ihr Schwierigkeiten habt, Ratschläge geben. Dies geschieht manchmal im Schlaf. Es gibt jedoch keinen äußerlich wahrnehmbaren Austausch! Was ein wahrnehmbarer Austausch zu sein scheint, ist anders zu erklären.«
5:50
Ein Fragesteller rief aus: »Aber ich habe eine Stimme gehört!«
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‘Abdu’l-Bahá sagte: »Ja, das ist möglich, in Träumen hören wir deutliche Stimmen. Es ist nicht das körperliche Ohr, mit dem Sie gehört haben. Der Geist derer, die hingeschieden sind, ist vom Sinnesleben befreit und benützt keine physikalischen Mittel. Diese bedeutsamen Themen in menschliche Worte zu fassen ist nicht möglich. Die Sprache des Menschen ist eine Kindersprache, und oft führen menschliche Erklärungen in die Irre.«
5:52
Ein Gast fragte, wie es zugehe, dass sich das Herz öfters instinktiv an bestimmte Freunde wende, die in das nächste Leben eingegangen sind.
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‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Es ist ein Gesetz in Gottes Schöpfung, dass sich der Schwache an den Starken lehnt. Die, an die Sie sich wenden, mögen Vermittler der göttlichen Kraft für Sie sein, wie wenn sie auf Erden wären. Aber es ist der eine Heilige Geist, der allen Menschen Kraft verleiht.«
5:54
Daraufhin wies ein anderer Freund auf das Gespräch von Jesus auf dem Berg der Verklärung mit Moses und Elias hin.
5:55
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Die Gläubigen werden stets durch die Anwesenheit der Himmlischen Heerscharen unterstützt. Zu den Himmlischen Heerscharen gehören Jesus und Moses und Elias und Bahá’u’lláh und andere erhabene Seelen, und ebenso die Märtyrer.«
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Als Er über das Weiterbestehen der Persönlichkeit eines Tieres nach dessen Tod gefragt wurde, sagte ‘Abdu’l-Bahá: »Selbst die edelsten Zuchthunde besitzen nicht die unsterbliche Seele des Menschen, doch der Hund ist auf seiner Stufe vollkommen. Sie streiten doch nicht mit einem Rosenbäumchen, weil es nicht singen kann!«
Ein wahrer Bahá’í (1)
5:57
Ein junger Mann, der die modernen Methoden der Bibelkritik studierte, fragte ‘Abdu’l-Bahá, ob er gut daran tue, wenn er weiterhin der Kirche angehöre, mit der er zeitlebens verbunden war und deren Sprache für ihn so voller Bedeutung war. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
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»Sie sollten sich nicht von ihr trennen. Sie sollten wissen: Das Reich Gottes gehört keiner bestimmten Gruppe. Manche Sucher durchwandern viele Gemeinschaften so wie ein Reisender viele Städte durchstreift, bis er sein Ziel erreicht. Wenn Sie schon zu einer Gruppe gehören, verleugnen Sie nicht ihre Brüder. Sie können ein Bahá’í-Christ, ein Bahá’í-Freimaurer, ein Bahá’í-Jude, ein Bahá’í-Muslim sein. Die Zahl neun enthält acht und sieben und alle anderen Zahlen und verleugnet keine davon. Bringen Sie niemanden durch die Worte ›Er ist kein Bahá’í‹ in Bedrängnis, weisen Sie keinen ab. Er wird an seinen Taten erkannt werden. Bei den Bahá’í gibt es keine Geheimnisse, ein Bahá’í hat nichts zu verbergen.«
Verbreiten der Lehren
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Als ein amerikanischer Freund fragte, »welcher der beste Weg sei zum Verbreiten der Lehren«, sagte Er:
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»Durch Taten. Dieser Weg steht allen offen, und Taten werden von allen verstanden. Arbeiten Sie mit jenen zusammen, die sich für die Armen, Schwachen und Glücklosen einsetzen, das ist höchst lobenswert. Mit Worten zu lehren erfordert das Können eines weisen Arztes. Er bietet denen, die keine Behandlung wünschen, seine Hilfe auch nicht an. Drängen Sie Ihre Hilfe nicht jenen auf, die Ihren Beistand nicht brauchen. So zu lehren ist nicht jedem gegeben.«
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Die folgende Episode zeigt, wie sehr ‘Abdu’l-Bahá auf die kleinsten Einzelheiten achtete, wenn es um andere Menschen ging. Als Er hörte, dass einige Seiner Freunde von London hergereist waren und vorhatten, die Nacht im Dorf zu verbringen, um in Seiner Nähe zu sein, lud ‘Abdu’l-Bahá sie sogleich als Seine Gäste in den Gasthof ein, begab sich in Sorge um ihr Wohl persönlich dorthin und prüfte die Zimmer, weil es nachts bereits kalt wurde.
In BrooklandsBrooklands, außerhalb von Byfleet gelegen, ist die erste, 1907 erbaute Auto- und Motorradrennstrecke der Welt. Im selben Areal lag das erste britische Flugfeld, der Beginn der britischen Luftfahrtgeschichte. (Anm. d. Übers.).A
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Am Morgen des zweiten Tages schickte eine Nachbarin ihren Wagen herüber und ließ fragen, ob ‘Abdu’l-Bahá nicht gerne mit Seinen Besuchern zum Flugplatz von Brooklands fahren möchte. Trotz windigen Wetters war ein Pilot auf der Piste. Als er hörte, wer der Besucher war, bot er an, für ihn zu fliegen. ‘Abdu’l-Bahá ging ohne Seine Freunde mitten aufs Rollfeld hinaus, wo Er ganz alleine stand und zuschaute, wie der Doppeldecker über Ihm seine Kreise zog.
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Ein Hindu, der an der Schule fliegen lernte, gesellte sich zu ‘Abdu’l-Bahás Freunden und fragte: »Wer ist dieser Mann in orientalischer Kleidung?«
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Als man es ihm sagte, rief er: »Oh, ich kenne ihn sehr gut durch seine Lehren, die ich aufmerksam studiert habe!« und ging sofort zu ‘Abdu’l-Bahá.
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Eine Weile unterhielten sie sich auf Arabisch. Dem jungen Mann sah man an, wie überglücklich er über sein Beisammensein mit ‘Abdu’l-Bahá war. Später erzählte er, dass er sich seit Jahren nach diesem Augenblick gesehnt hatte.
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Als es draußen Tee gab, saßen ‘Abdu’l-Bahá und der junge Hindu am oberen Ende der langen, dafür aufgestellten Bänke und unterhielten sich mit allen recht angeregt.
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‘Abdu’l-Bahá beobachtete, wie sich zwei der Piloten auf dem Boden balgten, und als sie aufhörten, ging Er zu ihnen, klatschte in die Hände und rief auf Englisch: »Bravo, bravo! Das war eine gute Übung!«
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Nachdem ‘Abdu’l-Bahá wieder zurück in Ägypten war, sandte Er den Menschen in Byfleet eine freundliche Grußbotschaft und schrieb, Er werde sie niemals vergessen.
Aufenthalt in London
6:1
Während ‘Abdu’l-Bahás Aufenthalt in Cadogan Gardens kamen tagtäglich von früh am Morgen bis spät am Abend Menschen in der Hoffnung, Ihn zu sehen und zu sprechen. Zahlreich waren die Begegnungen am Tisch dieses gastlichen Hauses. Hunderte Menschen wurden willkommen geheißen. Viele kamen unangemeldet, aber niemand wurde abgewiesen. Es kamen Geistliche verschiedener Bekenntnisse, Parlamentsmitglieder, Beamte und Schriftsteller.
6:2
Nicht nur Engländer kamen zu Besuch. Zahlreiche Perser waren aus Ṭihrán und anderen Städten des Ostens angereist, um ungehindert Den zu sehen, der ihnen durch Seine Gefangenschaft so lange vorenthalten gewesen war.
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