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12:4Die Menschen sagten: »Er ist aus Nazareth, von Maria geboren, wir kennen Ihn und kennen Seine Brüder. Was kann Er meinen? Was sagt Er da? Dass Er aus Gott kam?« Vgl. Mt. 13:55, Joh. 6:42 – Anm. d. Hrsg. Q12:5Der Körper Christi wurde durch Maria von Nazareth geboren, der Geist aber war von Gott. Die Möglichkeit Seines menschlichen Körpers war begrenzt, die Macht Seines Geistes aber groß, unendlich und unermesslich.12:6Die Menschen fragten: »Warum sagt Er, dass Er von Gott ist?« Hätten sie Christi Wirklichkeit begriffen, so hätten sie gewusst, dass der Körper Seiner menschlichen Gestalt eine Wolke war, die Seine Göttlichkeit verbarg. Die Welt sah nur Seine menschliche Form und wunderte sich darum, wieso es möglich sein konnte, dass Er »vom Himmel herab kam« Vgl. John 3:13 – Anm. d. Hrsg. Q.12:7Bahá’u’lláh sagte: »Gleichwie die Wolken die Sonne und den Himmel vor unserem Blick verbergen, verbarg auch das Menschsein Christi der Menschenwelt Sein wahres göttliches Wesen.«Vgl. Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 80 – Anm. d. Hrsg.
Q12:8Ich hoffe, ihr werdet euch mit unbewölkten Augen der Sonne der Wahrheit zuwenden und nicht auf das Irdische schauen, damit sich eure Herzen nicht von den wertlosen und vergänglichen Freuden der Welt verlocken lassen. Lasst diese Sonne euch von Ihrer Kraft abgeben; dann werden die Wolken des Vorurteils Ihren Glanz nicht vor euren Augen verhüllen. Dann wird die Sonne für euch unbewölkt sein.12:9Atmet die Luft der Reinheit. Möget ihr alle und jeder an den göttlichen Gnadengaben des Himmelreiches teilhaben. Möge die Welt für euch kein Hindernis sein, das die Wahrheit vor eurem Blick verdeckt, wie der menschliche Körper Christi Seine Göttlichkeit vor dem Volk an Seinem Tag verdeckt hat. Möget ihr ein klares Bild des Heiligen Geistes schauen, so dass eure Herzen erleuchtet und befähigt werden zu erkennen, wie die Sonne der Wahrheit durch alle materiellen Wolken hindurchscheint und Sein Glanz das All durchflutet.12:10Lasst die Angelegenheiten des Körpers nicht das himmlische Licht des Geistes trüben, damit ihr durch die göttliche Gnadenfülle mit den Kindern Gottes in Sein ewiges Königreich eingeht.12:11Dies ist mein Gebet für euch alle.– 13 –
Religiöse Vorurteile13:0_1827. Oktober 191113:1Die Grundlage der Lehre Bahá’u’lláhs ist die Einheit des Menschengeschlechtes, und Sein größtes Verlangen war, dass Liebe und Wohlwollen in den Menschenherzen leben möchten.13:2So, wie Er die Menschen aufrief, Streit und Missklang abzutun, so wünsche ich, euch die Hauptursache für die Unruhe unter den Völkern zu erklären. Die wichtigste Ursache ist die falsche Darstellung der Religion durch die religiösen Führer und Lehrer. Sie lehren ihre Anhänger zu glauben, dass ihre eigene Form der Religion die einzige sei, die Gott gefällt, und dass der alliebende Vater die Anhänger jeder anderen Einstellung verdammt und Seiner Gnade und Gunst beraubt hat. Dadurch bilden sich unter den Völkern Ablehnung, Missachtung, Streit und Hass heraus. Vermöchte man, diese religiösen Vorurteile hinwegzufegen, so würden sich die Völker bald des Friedens und der Eintracht freuen.13:3Ich war einmal in Tiberias, wo die Juden einen Tempel haben. Ich hielt mich in einem Hause auf, das dem Tempel gerade gegenüber lag, und sah und hörte den Rabbi zu seiner Judengemeinde sprechen, und er sagte:13:4»O Juden, ihr seid wahrhaftig das Volk Gottes! Alle übrigen Rassen und Religionen sind vom Teufel. Gott hat euch zu Nachkommen Abrahams erschaffen und Seine Segnungen über euch ergossen. Zu euch sandte Gott Moses, Jakob und Josef und viele andere große Propheten. Diese Propheten waren, einer und alle, eurer Rasse.13:5Für Euch brach Gott die Macht des Pharao und gebot die Austrocknung des Roten Meeres. Zu euch auch sandte Er Manna herab zur Speise, und aus dem steinigen Felsen gab Er euch Wasser, um den Durst zu stillen. Ihr seid fürwahr das auserwählte Volk Gottes, ihr steht über allen Rassen der Erde! Darum sind alle anderen Rassen vor Gott ein Gräuel und verdammt durch Ihn, Ihr werdet wahrlich die Welt beherrschen und unterwerfen, und alle Menschen werden eure Knechte werden.13:6Entweiht euch nicht dadurch, dass ihr mit Leuten umgeht, die nicht eurer eigenen Religion angehören, befreundet euch nicht mit solchen Menschen.«13:7Als der Rabbi seine beredte Ansprache beendet hatte, waren seine Zuhörer von Freude und Genugtuung erfüllt. Es ist unmöglich, euch ihre Glückseligkeit zu beschreiben!13:8Ach! Irregeführte Menschen wie diese sind die Ursache der Trennung und des Hasses auf Erden. Noch heute gibt es Millionen von Menschen, die Götzen anbeten, und die großen Religionen der Welt betrügen einander. Dreizehnhundert Jahre lang haben Christen und Mohammedaner im Kampf gelegen, während doch ihre Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten mit sehr geringer Mühe zu überwinden wären und Friede und Eintracht unter ihnen herrschen und die Welt in Ruhe leben könnte.13:9Wir lesen im Qur’án, dass Muḥammad Seine Anhänger mit den Worten ansprach:13:10»Weshalb glaubt ihr nicht an Christus und das Evangelium? Warum wollt ihr Moses und die Propheten nicht anerkennen, ist doch die Bibel gewisslich das Buch Gottes? Wahrhaftig, Moses ist ein erhabener Prophet, und Jesus war erfüllt vom Heiligen Geiste. Er kam in die Welt durch die Macht Gottes, war geboren aus dem Heiligen Geiste und der gesegneten Jungfrau Maria. Maria, Seine Mutter, war eine Heilige des Himmels. Sie verbrachte ihre Tage betend im Tempel, und es kam ihr Nahrung von oben zu. Ihr Vater, Zacharias, kam zu ihr und fragte sie, woher die Nahrung käme, und Maria, antwortete ihm: ›Von oben‹. Gott hat Maria auserwählt, über alle andere Frauen erhaben zu sein.« Vgl. Qur’án 3:37 – Anm. d. Hrsg. Q13:11Das lehrte Muḥammad Sein Volk hinsichtlich Jesus und Moses. Er warf ihnen vor, dass sie nicht an diese großen Lehrer glaubten und gab ihnen die Lehren der Wahrheit und der Duldsamkeit. Muḥammad war von Gott gesandt, um unter einem Volk zu wirken, das so wild und unzivilisiert wie Tiere war. Es hatte keinerlei Verständnis und kein Gefühl für Liebe, Zuneigung und Mitleid. Die Frauen waren so erniedrigt und verachtet, dass die Männer ihre Töchter lebendig begraben durften, und sie hatten so viele Frauen zu Sklaven, als sie nur wünschten.13:12Unter diese halb tierischen Menschen wurde Muḥammad gesandt mit Seiner göttlichen Botschaft. Er lehrte das Volk, dass der Götzendienst falsch sei und dass es sich vor Christus, Moses und den Propheten beugen sollte. Unter Seinem Einfluss wurde es zu einem erleuchteteren und zivilisierteren Volk, und es erhob sich aus dem Zustand der Erniedrigung, in dem Er es vorgefunden hatte. War dies nicht ein gutes Werk und aller Anerkennung, Hochachtung und Liebe wert?13:13Schaut auf das Evangelium des Herrn Christus und seht, wie herrlich es ist! Und doch versäumen Menschen noch heute, seine unschätzbare Schönheit zu begreifen, und sie missdeuten seine Worte der Weisheit.13:14Christus verbot den Krieg. Als Sein Jünger Petrus in der Absicht, Seinen Herrn zu verteidigen, das Ohr des Hohenpriesterknechtes abschlug, sagte Christus zu ihm: »Stecke dein Schwert ein«Joh. 18:11.
Q. Und doch streiten die Menschen trotz des ausdrücklichen Befehls des Herrn, zu Dessen Dienst sie sich bekennen, immer noch. Sie führen Krieg und töten einander, und Seine Ratschläge und Lehren scheinen ganz vergessen.13:15Doch ihr dürft nicht etwa die Meister und Propheten für die Übeltaten ihrer Anhänger belasten. Wenn die Priester, Lehrer und Menschen ein Leben führen, das im Gegensatz zur Religion steht, die sie angeblich befolgen – ist das wohl ein Mangel Christi oder der übrigen Lehrer?13:16Das Volk des Islám wurde gelehrt zu erkennen, dass Christus von Gott kam und aus dem Geist geboren war und dass Er von allen Menschen gepriesen werden müsste. Moses war ein Prophet Gottes und offenbarte an Seinem Tag und für das Volk, zu dem Er gesandt ward, das Buch Gottes.13:17Muḥammad erkannte die erhabene Majestät Christi und die Größe Mose und der Propheten an. Wollte nur die Welt die Erhabenheit Muḥammads und aller vom Himmel gesandten Lehrer anerkennen, so würden Streit und Hader bald von der Erdoberfläche verschwinden und das Reich Gottes unter die Menschen kommen.13:18Die Menschen des Islám, die Christus erheben, werden nicht dadurch erniedrigt.13:19Christus war der Prophet der Christen, Moses derjenige der Juden – warum sollten die Anhänger eines jeden Propheten nicht die übrigen Propheten gleicherweise anerkennen und ehren? Wenn die Menschen nur die Lehre des gegenseitigen Duldens, Verstehens und brüderlichen Liebens lernten, würde die Einheit der Welt alsbald vollendete Tat sein.13:20Bahá’u’lláh verwandte Sein Leben, um diese Lehre der Liebe und Einigkeit zu geben. So lasst uns denn alle Vorurteile und alle Unduldsamkeit hinwegtun und mit ganzem Herzen und ganzer Seele danach streben, Verständnis und Einigkeit zwischen Christen und Mohammedanern zu bewirken.– 14 –
Gottes Wohltaten für den Menschen14:0_19Avenue de Camoëns 4, 27. Oktober 191114:1Gott allein ordnet alle Dinge und ist allmächtig. Warum dann schickt Er Seinen Dienern Prüfungen?14:2Die Prüfungen des Menschen sind von zweierlei Art: Erstens: Folgen seines eigenen Handelns, wenn jemand z. B. zu viel isst und dadurch Verdauungsstörungen erleidet oder Gift nimmt und infolgedessen krank wird oder stirbt. Wenn jemand spielt, so wird er Geld einbüßen, wenn er viel trinkt, das Gleichgewicht verlieren. Alle diese Leiden werden durch den Menschen selbst verursacht. Es ist darum völlig klar, dass gewisse Leiden das Ergebnis unserer eigenen Taten sind.14:3Zweitens: Eine andere Art von Leiden überkommt die Getreuen Gottes. Denkt an die großen Trübsale, die Christus und Seine Apostel erlitten!14:4Wer am meisten leidet, der wird die größte Vervollkommnung erfahren.14:5Wer viel um Christi willen zu leiden wünscht, muss seine Aufrichtigkeit beweisen, wer sein Verlangen nach großen Opfern kundgibt, kann die Wahrheit nur durch Taten dartun. Hiob bezeugte die Treue seiner Liebe zu Gott, indem er sowohl in seiner großen Trübsal als auch in den Erfolgen seines Lebens treu blieb. Die Apostel Christi, die alle ihre Prüfungen und Leiden standhaft trugen – bekundeten sie damit nicht ihre Treue? War ihr Ausharren nicht der beste Beweis dafür?14:6Diese Leiden sind nun ausgelitten.14:7Kaiphas lebte ein behagliches und glückliches Leben, während Petri Leben voller Sorge und Prüfung war. Wer von beiden ist beneidenswerter? Sicher würden wir den gegenwärtigen Zustand Petri wählen, besitzt er doch unvergängliches Leben, während Kaiphas ewige Schande erlangt hat. Die Prüfungen Petri erprobten seine Treue. Kummer und Sorge überkommen uns nicht zufällig, sie werden uns vielmehr durch die göttliche Gnade zu unserer eigenen Vervollkommnung gesandt.14:8Solange ein Mensch glücklich ist, mag er wohl Gott vergessen, doch wenn ihn Kummer ankommt und Sorge überwältigt, wird er sich des Vaters, der im Himmel ist und ihn aus seiner Erniedrigung zu befreien vermag, erinnern.
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