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13:16Das Volk des Islám wurde gelehrt zu erkennen, dass Christus von Gott kam und aus dem Geist geboren war und dass Er von allen Menschen gepriesen werden müsste. Moses war ein Prophet Gottes und offenbarte an Seinem Tag und für das Volk, zu dem Er gesandt ward, das Buch Gottes.13:17Muḥammad erkannte die erhabene Majestät Christi und die Größe Mose und der Propheten an. Wollte nur die Welt die Erhabenheit Muḥammads und aller vom Himmel gesandten Lehrer anerkennen, so würden Streit und Hader bald von der Erdoberfläche verschwinden und das Reich Gottes unter die Menschen kommen.13:18Die Menschen des Islám, die Christus erheben, werden nicht dadurch erniedrigt.13:19Christus war der Prophet der Christen, Moses derjenige der Juden – warum sollten die Anhänger eines jeden Propheten nicht die übrigen Propheten gleicherweise anerkennen und ehren? Wenn die Menschen nur die Lehre des gegenseitigen Duldens, Verstehens und brüderlichen Liebens lernten, würde die Einheit der Welt alsbald vollendete Tat sein.13:20Bahá’u’lláh verwandte Sein Leben, um diese Lehre der Liebe und Einigkeit zu geben. So lasst uns denn alle Vorurteile und alle Unduldsamkeit hinwegtun und mit ganzem Herzen und ganzer Seele danach streben, Verständnis und Einigkeit zwischen Christen und Mohammedanern zu bewirken.– 14 –
Gottes Wohltaten für den Menschen14:0_19Avenue de Camoëns 4, 27. Oktober 191114:1Gott allein ordnet alle Dinge und ist allmächtig. Warum dann schickt Er Seinen Dienern Prüfungen?14:2Die Prüfungen des Menschen sind von zweierlei Art: Erstens: Folgen seines eigenen Handelns, wenn jemand z. B. zu viel isst und dadurch Verdauungsstörungen erleidet oder Gift nimmt und infolgedessen krank wird oder stirbt. Wenn jemand spielt, so wird er Geld einbüßen, wenn er viel trinkt, das Gleichgewicht verlieren. Alle diese Leiden werden durch den Menschen selbst verursacht. Es ist darum völlig klar, dass gewisse Leiden das Ergebnis unserer eigenen Taten sind.14:3Zweitens: Eine andere Art von Leiden überkommt die Getreuen Gottes. Denkt an die großen Trübsale, die Christus und Seine Apostel erlitten!14:4Wer am meisten leidet, der wird die größte Vervollkommnung erfahren.14:5Wer viel um Christi willen zu leiden wünscht, muss seine Aufrichtigkeit beweisen, wer sein Verlangen nach großen Opfern kundgibt, kann die Wahrheit nur durch Taten dartun. Hiob bezeugte die Treue seiner Liebe zu Gott, indem er sowohl in seiner großen Trübsal als auch in den Erfolgen seines Lebens treu blieb. Die Apostel Christi, die alle ihre Prüfungen und Leiden standhaft trugen – bekundeten sie damit nicht ihre Treue? War ihr Ausharren nicht der beste Beweis dafür?14:6Diese Leiden sind nun ausgelitten.14:7Kaiphas lebte ein behagliches und glückliches Leben, während Petri Leben voller Sorge und Prüfung war. Wer von beiden ist beneidenswerter? Sicher würden wir den gegenwärtigen Zustand Petri wählen, besitzt er doch unvergängliches Leben, während Kaiphas ewige Schande erlangt hat. Die Prüfungen Petri erprobten seine Treue. Kummer und Sorge überkommen uns nicht zufällig, sie werden uns vielmehr durch die göttliche Gnade zu unserer eigenen Vervollkommnung gesandt.14:8Solange ein Mensch glücklich ist, mag er wohl Gott vergessen, doch wenn ihn Kummer ankommt und Sorge überwältigt, wird er sich des Vaters, der im Himmel ist und ihn aus seiner Erniedrigung zu befreien vermag, erinnern.14:9Menschen, die nicht leiden, erfahren keine Vervollkommnung. Die vom Gärtner am stärksten beschnittene Pflanze wird, wenn der Sommer kommt, die schönsten Blüten und die üppigsten Früchte bringen.14:10Der Landmann furcht die Erde mit dem Pflug, und aus einem solchen Boden erwächst die reiche und volle Ernte. Je mehr ein Mensch geläutert wird, desto größer ist die Ernte der geistigen Tugenden, die aus ihm hervorgehen. Ein Soldat gibt keinen guten General ab, ehe er nicht an der heftigsten Front des Kampfes war und tiefste Wunden empfangen hat.14:11Das Gebet der Propheten Gottes war allezeit und ist noch immer: O Gott! Ich sehne mich danach, mein Leben auf dem Weg zu Dir dahinzugeben. Es verlangt mich, mein Blut für Dich zu vergießen und das höchste Opfer darzubringen.– 15 –
Schönheit und Harmonie in der Mannigfaltigkeit15:0_2028. Oktober 191115:1Der Schöpfer alles Erschaffenen ist ein Gott.15:2Von eben diesem Gott wurde die Schöpfung ins Dasein gerufen, und Er ist das eine Ziel, nach dem alles in der Natur Verlangen trägt. Diese Auffassung fand in den Worten Christi Ausdruck, als Er sagte: »Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende.«Vgl. Offb. 21:6 – Anm. d. Hrsg.
QDer Mensch ist die Summe der Schöpfung, und der Vollkommene Mensch ist der Ausdruck für den vollendeten Gedanken des Schöpfers – das Wort Gottes.15:3Betrachtet die Welt der erschaffenen Wesen, wie diese verschiedenartig und mannigfach in der Art und doch eines einzigen Ursprungs sind. Alle in Erscheinung tretenden Unterschiede sind solche der äußeren Form und Farbe. Diese Mannigfaltigkeit der Typen ist in der gesamten Natur erkennbar.15:4Seht einen schönen Garten voll Blumen, Büschen und Bäumen an. Jegliche Blume hat einen anderen Reiz, eine besondere Schönheit, ihren eigenen köstlichen Duft und ihre eigene schöne Farbe. Und auch die Bäume: wie abwechslungsreich sind sie in Größe, Wachstum und Laubwerk, und welche Verschiedenheit an Früchten bringen sie hervor! Trotzdem entspringen alle diese Blumen, Büsche und Bäume dem gleichen Boden, die gleiche Sonne scheint über sie, und die gleichen Wolken geben ihnen Regen.15:5So ist es auch mit der Menschheit. Sie besteht aus Menschen unterschiedlicher Herkunft, und ihre Völker sind verschiedener Farbe, weiß, schwarz, gelb, braun oder rot, doch alle kommen sie vom gleichen Gott, und alle sind sie Seine Diener. Diese Mannigfaltigkeit innerhalb der Menschenkinder hat unglücklicherweise nicht die gleiche Wirkung wie innerhalb der pflanzlichen Schöpfung, bei welcher der zutage tretende Geist harmonischer ist. Unter den Menschen besteht die Mannigfaltigkeit der Feindschaft, und sie ist es, die Krieg und Hass unter den verschiedenen Nationen der Welt hervorruft.15:6Verschiedenheiten, die nur solche des Blutes sind, lassen sie auch einander vernichten und töten. Ach, dass dies noch immer sein muss! Lasst uns lieber auf die Schönheit in der Mannigfaltigkeit, die Schönheit des Zusammenklanges schauen und vom Pflanzenreich lernen. Würdet ihr einen Garten schauen, in dem alle Pflanzen der Form, der Farbe und dem Duft nach gleich sind, er würde euch ganz und gar nicht schön, sondern weit eher eintönig und langweilig erscheinen. Der Garten, der dem Auge gefällt und das Herz erfreut, ist der Garten, in dem nebeneinander Blumen aller Tönungen, Formen und Düfte wachsen, und der freudige Gegensatz der Farben macht den Reiz und die Schönheit aus. So ist es auch mit den Bäumen. Ein Obstgarten voller Fruchtbäume ist ein Entzücken, ebenso eine Pflanzung, die mit vielen Arten von Büschen bestanden ist. Gerade die Mannigfaltigkeit und das Vielerlei machen ihren Reiz aus. Jede Blume, jeder Baum und jede Frucht bringt außer ihrer Schönheit in sich durch ihren Gegensatz auch die Eigenschaften der übrigen hervor und zeigt auf vorteilhafte Art die besondere Lieblichkeit eines jeden und aller.15:7So sollte es auch unter den Menschenkindern sein! Die Vielfalt in der menschlichen Familie sollte die Ursache für Liebe und Harmonie sein, so wie in der Musik viele verschiedene Töne in einem vollkommenen Akkord zusammenklingen. Wenn ihr mit Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe als der eurigen zusammenkommt, so seid nicht misstrauisch gegen sie und zieht euch nicht in das Schneckenhaus herkömmlicher Förmlichkeit zurück, sondern seid froh und erzeigt ihnen Güte. Denkt an sie wie an verschiedenfarbige Rosen, die im schönen Garten der Menschheit wachsen, und freut euch, dass ihr unter ihnen seid.15:8Auch wenn ihr Menschen trefft, deren Meinung von der euren abweicht, kehrt euch nicht ab von ihnen, alle suchen die Wahrheit, und es gibt vielerlei Wege, die zu ihr führen. Wahrheit kann verschieden erscheinen, doch bleibt sie immer und ewig eine.15:9Lasst nicht Verschiedenheiten der Meinung oder Mannigfaltigkeit des Denkens euch von eurem Nebenmenschen trennen oder in euren Herzen zur Ursache von Wortstreit, Hass und Hader werden.15:10Forschet vielmehr fleißig der Wahrheit nach und machet alle Menschen zu euren Freunden.15:11Jedes Bauwerk besteht aus vielen verschiedenen Steinen, und doch hängt jeder Stein derartig von den übrigen ab, dass das ganze Gebäude leiden würde, wollte man nur einen davon verrücken. Ist ein Stein fehlerhaft, so ist das ganze Gefüge unvollkommen.15:12Bahá’u’lláh hat den Kreis der Einigkeit geschlagen. Er hat einen Plan geschaffen, um alle Völker zu vereinen und sie alle unter dem schützenden Zelt der allumfassenden Einheit zu versammeln. Dies ist das Werk der göttlichen Freigebigkeit, und wir alle müssen uns mit Herz und Seele mühen, bis wir die Einheit tatsächlich in unserer Mitte haben, und in dem Maß, in dem wir arbeiten, werden wir Kraft empfangen. Lasst von allen Gedanken des Ichs ab und seid bestrebt, allein dem Willen Gottes gehorsam und ergeben zu sein. So nur werden wir Bürger des Reiches Gottes werden und zum ewigen Leben finden.– 16 –
Der wahre Sinn der Prophezeiungen vom Kommen Christi16:0_2130. Oktober 191116:1Die Bibel enthält Prophezeiungen über das Kommen Christi. Die Juden erwarten noch immer das Kommen des Messias und beten Tag und Nacht zu Gott, dass Er sein Kommen beschleunigen möge.16:2Als Christus kam, verrieten und töteten sie Ihn mit den Worten: »Dies ist nicht der von uns Erwartete. Siehe, wenn der Messias kommt, werden Zeichen und Wunder bezeugen, dass Er in der Tat der Christus ist. Wir kennen die Zeichen und Gegebenheiten, und sie sind nicht erschienen. Der Messias wird aus einer unbekannten Stadt hervorgehen. Er wird auf dem Throne Davids sitzen und siehe, Er wird kommen mit einem Schwert von Stahl und mit einem eisernen Stabe herrschen! Er wird das Gesetz der Propheten erfüllen. Er wird den Osten und den Westen erobern und Sein erwähltes Volk, die Juden, erheben. Er wird ein Reich des Friedens mit Sich bringen, während welchem selbst die Tiere aufhören werden, mit dem Menschen feind zu sein. Denn siehe, Wolf und Lamm werden aus einer Quelle trinken, und Löwe und Reh auf gleicher Weide lagern. Schlange und Maus werden das Nest miteinander teilen und alle Geschöpfe Gottes in Ruhe leben.«.16:3Nach Meinung der Juden erfüllte Jesus Christus keine dieser Gegebenheiten, denn ihre Augen waren gehalten, und sie vermochten nicht zu erkennen.16:4Er kam aus Nazareth, einem Orte, der nicht unbekannt war. Er trug kein Schwert, nicht einmal einen Stock in der Hand. Er saß nicht auf dem Throne Davids und war arm. Er gestaltete das Gesetz Mose um und brach den Sabbat. Er eroberte weder den Osten noch den Westen, sondern war Selber den römischen Gesetzen Untertan. Er erhob nicht die Juden, sondern lehrte Gleichheit und Brüderlichkeit und tadelte die Schriftgelehrten und Pharisäer. Er führte kein Reich des Friedens ein, denn zu Seinen Lebzeiten wuchsen Ungerechtigkeit und Grausamkeit derartig an, dass Er ihnen selbst zum Opfer fiel und einen schimpflichen Tod am Kreuz starb.16:5So dachten und sprachen die Juden, denn sie begriffen weder die Schriften noch die in ihnen enthaltene herrliche Wahrheit. Sie hatten die Buchstaben auswendig gelernt, verstanden aber kein einziges Wort vom lebenspendenden Geiste.16:6Hört zu, und ich will euch den Sinn davon zeigen. Obwohl Er aus Nazareth, einem bekannten Ort, kam, kam Er doch auch vom Himmel, Sein Körper wurde durch Maria geboren, aber Sein Geist kam vom Himmel. Das Schwert, das Er führte, war das Schwert Seiner Zunge, mit dem Er den Guten vom Bösen, das Echte vom Falschen, den Gläubigen vom Ungläubigen und das Licht von der Finsternis schied. Sein Wort war in der Tat ein scharfgeschliffenes Schwert! Der Thron, auf dem Er saß, war der ewige Thron, von dem aus Christus auf immer herrscht, ein himmlischer und kein irdischer Thron, denn das Irdische vergeht, Himmlisches aber wird nicht vergehen. Er gab dem Gesetze Mose eine erneuerte Deutung, vollendete es und erfüllte das Gesetz der Propheten. Sein Wort eroberte den Osten und den Westen, Sein Reich ist ewig. Er erhob die Juden, die Ihn anerkannten. Es waren Männer und Frauen von schlichter Herkunft, aber die Verbindung mit Ihm machte sie groß und verlieh ihnen unvergängliche Würde. Die Tiere, die beisammen leben sollten, bedeuteten die verschiedenen Sekten und Völker, die einst gegeneinander im Kampfe standen, jetzt aber in Liebe und Güte wohnen und miteinander das Wasser des Lebens aus Christus, der ewigen Quelle, trinken sollten.
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