‘Abdu’l-Bahá | Ansprachen in Paris
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18:5
Bittet Gott, dass Er euch in der göttlichen Tugend stärke, damit ihr in der Welt wie Engel und Flammenzeichen werdet und allen, die begreifenden Herzens sind, die Geheimnisse des Himmelreiches auftut.
18:6
Gott sandte Seine Propheten in die Welt, um den Menschen zu belehren und zu erleuchten, ihm das Geheimnis der Macht des Heiligen Geistes zu erklären und ihn zu befähigen, das Licht zu spiegeln, so dass er seinerseits zur Ursache der Rechtleitung für andere werde. Die Himmlischen Bücher, die Bibel, der Qur’án und die übrigen Heiligen Schriften wurden von Gott als Führer auf dem Pfad zu göttlicher Tugend, Liebe, Gerechtigkeit und Frieden dargeboten.
18:7
Darum sage ich euch: bemühet euch, die Ratschläge dieser gesegneten Bücher zu befolgen, und auf diese Weise euer Leben so zu ordnen, dass ihr getreu den gegebenen Beispielen zu Heiligen des Höchsten werdet!
– 19 –
Materieller und geistiger Fortschritt
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2. November 1911
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‘Abdu’l-Bahá sprach:
19:1
Wie schön ist doch das Wetter heute, der Himmel ist klar, die Sonne strahlt, und das menschliche Herz wird froh dabei!
19:2
Durch ein so helles und schönes Wetter wird der Mensch belebt und neu gestärkt, und wenn er krank war, fühlt er im Herzen wieder freudige Genesungshoffnung. Alle diese Gaben der Natur betreffen den physischen Teil des Menschen, denn nur sein Körper kann stoffliche Segnungen empfangen.
19:3
Wenn ein Mensch in seinem Geschäft, in der Kunst oder sonst im Beruf Erfolg hat, so wird er dadurch in die Lage versetzt, sein physisches Wohlergehen zu heben und seinem Körper ein Maß von Annehmlichkeit und Wohlbehagen zu geben, bei dem er sich wohlfühlt. Wir sehen heute rings um uns, wie sich der Mensch mit aller neuzeitlichen Bequemlichkeit und Pracht umgibt und seiner physischen, materiellen Seite nichts versagt. Doch seid auf der Hut, dass ihr über der allzu starken Beachtung der körperlichen Angelegenheiten nicht die Bedürfnisse der Seele hintenan stellt, denn der materielle Gewinn vermag den Geist des Menschen nicht zu heben. Vervollkommnung in weltlichen Dingen bringt dem menschlichen Körper Freude, gereicht aber keineswegs der Seele zur Ehre.
19:4
Es mag geschehen, dass jemand, dem alle materiellen Vorteile zur Verfügung stehen und der in der größtmöglichen Behaglichkeit moderner Zivilisation lebt, doch aller wichtigen Gaben des Heiligen Geistes bar ist.
19:5
Gewiss ist materieller Fortschritt gut und lobenswert, doch sollen wir darüber nicht den wichtigeren geistigen Fortschritt außer Acht lassen und nicht die Augen für das göttliche Licht verschließen, das unter uns leuchtet.
19:6
Nur dadurch, dass wir im Geistigen sowohl als auch im Materiellen wachsen, können wir wirklich vorwärts kommen und vollkommene Wesen werden. Um der Übermittlung dieses geistigen Lebens und Lichtes willen sind alle großen Lehrer in der Welt erschienen. Sie kamen, damit die Sonne der Wahrheit sich offenbare und in den Menschenherzen leuchte, auf dass die Menschen durch ihre wundersame Macht zu ewigem Licht gelangen.
19:7
Als der Herr Christus kam, goss Er das Licht des Heiligen Geistes über alle aus, die um Ihn waren, und Seine Jünger und alle, die Sein Licht empfingen, wurden erleuchtete, geistige Wesen.
19:8
Es war um der Offenbarung dieses Lichtes willen, dass Bahá’u’lláh geboren wurde und in die Welt kam. Er lehrte die Menschen ewige Wahrheit und ergoss die Strahlen göttlichen Lichtes über alle Länder.
19:9
Seht indessen, wie der Mensch dieses Licht missachtet! Er schreitet noch immer auf seinem Weg der Finsternis weiter, und noch immer sehen wir Uneinigkeit, Zank und wilde Kriege.
19:10
Er benutzt den materiellen Fortschritt, um seine Kriegslust zu befriedigen, und schafft Zerstörungswerkzeuge und -mittel, um seinen Brudermenschen zu vernichten.
19:11
Wir aber wollen uns bemühen, geistigen Nutzen zu gewinnen, ist dies doch der einzige Weg des wahren Fortschritts, das, was von Gott herrührt und allein von Gott ist.
19:12
Ich bete für jeden von euch und für euch alle, dass euch die Gaben des Heiligen Geistes zufallen mögen. So werdet ihr wahrhaftig erleuchtet werden und euch immer vorwärts und empor zum Gottesreich entwickeln. Dann werden eure Herzen für den Empfang der Frohen Botschaften bereit und eure Augen aufgetan sein, so dass ihr Gottes Herrlichkeit erblickt. Eure Ohren werden hören, ihr werdet den Ruf des Königreichs vernehmen und mit gelöster Zunge den Menschen Gottes Macht und Liebe ins Bewusstsein rufen!
– 20 –
Die Entwicklung des Stoffes und die Entfaltung der Seele
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3. November 1911
20:1
In Paris beginnt es, kalt zu werden, so kalt, dass ich bald fortgehen muss; aber die Wärme eurer Liebe hält mich hier noch fest. Mit Gottes Willen hoffe ich, noch ein Weilchen unter euch zu sein. Physische Kälte und Hitze können nicht den Geist berühren, denn die Liebe Gottes gibt ihm Wärme. Wenn wir dies begreifen, fangen wir auch an, einen Begriff vom Leben in der nächsten Welt zu erhalten.
20:2
Gott hat uns in Seiner Freigebigkeit schon hier einen Vorgeschmack und gewisse Beweise für den Unterschied gegeben, der zwischen dem Körper, der Seele und dem Geist besteht.
20:3
Wir sehen, dass Kälte, Hitze, Leiden und so weiter nur den Körper betreffen. Der Geist wird nicht davon berührt.
20:4
Wie oft sehen wir Menschen, die arm, krank, elend angezogen, ohne Unterhalt und dennoch geistig stark sind. Was auch der Körper leiden mag, ihr Geist ist frei und wohlgemut. Und wiederum, wie oft sehen wir Reiche, physisch kräftig und gesund, und doch mit einer Seele, die todkrank ist.
20:5
Für den schauenden Sinn ist es ganz klar, dass der Geist des Menschen etwas ist, das sich sehr von seinem physischen Körper unterscheidet.
20:6
Der Geist ist unveränderlich, unzerstörbar. Der Fortschritt und die Entfaltung der Seele, ihre Freude und Sorge sind vom physischen Körper unabhängig.
20:7
Wenn ein Freund uns Freude oder Leid bereitet, wenn sich eine Liebe als echt oder falsch erweist, immer ist es die Seele, die berührt wird. Wenn unsere Lieben fern von uns sind – die Seele ist es, die sich grämt, und der Gram oder der seelische Kummer mag eine Auswirkung im Körper haben.
20:8
Wird daher der Geist mit heiligen Tugenden genährt, so ist der Körper freudig, fällt die Seele in Sünden, so liegt der Körper in Qualen.
20:9
Wenn wir Wahrheit, Beständigkeit, Treue und Liebe finden, sind wir glücklich, doch wenn wir auf Lüge, Treulosigkeit und Falschheit treffen, sind wir unglücklich.
20:10
Dies alles ist der Seele eigen und keine körperliche Krankheit. Daraus ergibt sich, dass die Seele gleich dem Körper ihre besondere Eigenart besitzt. Wenn nun der Körper einen Wandel durchmacht, so braucht dadurch nicht auch der Geist berührt zu werden. Wenn ihr ein Spiegelglas zerbrecht, auf das die Sonne schien, so ist das Glas zerbrochen, die Sonne aber scheint noch immer. Wenn ein Käfig, in dem ein Vogel ist, zerstört wird, bleibt der Vogel unverletzt. Wenn ein Lampenzylinder springt, kann doch die Flamme noch hell weiterbrennen.
20:11
Das gleiche gilt für den Geist des Menschen. Wenn auch der Tod seinen Körper zerstört, so hat er doch keine Macht über seinen Geist, der ewig, dauernd und frei von Geburt und Tod ist.
20:12
Was die Seele des Menschen nach dem Tod betrifft, so bewahrt sie den Grad der Reinheit, zu dem sie sich während des Lebens im physischen Körper entfaltet hat, und nach ihrer Befreiung vom Körper bleibt sie vom Meer der Gnade Gottes überflutet.
20:13
Von dem Augenblick an, da die Seele den Körper verlässt und in die himmlische Welt gelangt, ist ihre Entwicklung geistig, und diese Entwicklung bedeutet, Gott näher zu kommen.
20:14
In der physischen Schöpfung erfolgt die Entwicklung von einer Stufe der Vervollkommnung zur anderen. Das Mineral geht mit seinen mineralischen Vollkommenheiten ins Pflanzliche über, die Pflanze geht mit ihren Vervollkommnungen in die Tierwelt und weiter in die Welt des Menschen ein. Diese Welt ist voll von scheinbaren Widersprüchen: in jedem dieser Reiche (dem mineralischen, dem pflanzlichen und dem tierischen) besteht das Leben auf seiner Stufe, und obgleich die Erde im Vergleich zum Leben des Menschen tot erscheint, lebt doch auch sie und hat sie ein Leben, das ihrer Art entspricht. In dieser Welt hier leben und sterben die Dinge und leben sie aufs Neue in anderen Formen des Lebens, aber in der Welt des Geistes ist es völlig anders.
20:15
Die Seele entwickelt sich nicht gesetzmäßig von Stufe zu Stufe, sie entfaltet sich durch Gottes Gnade und Freigebigkeit nur näher zu Gott hin.
20:16
Es ist mein ernstes Gebet, dass wir alle im Reiche Gottes und Ihm nah sein mögen.
– 21 –
Die geistigen Versammlungen in Paris
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4. November 1911
21:1
In ganz Europa hört man heute von Tagungen und Versammlungen, und es werden Gesellschaften aller Art gebildet. Da gibt es solche, die dem Handel, der Wissenschaft und der Politik gewidmet sind, und viele andere. Sie alle dienen materiellen Zwecken, denn sie wollen den Fortschritt und die Aufklärung der materiellen Welt. Doch selten nur trifft sie ein Hauch der geistigen Welt. Sie haben offenbar kein Bewusstsein für die göttliche Stimme und sind achtlos gegenüber den Angelegenheiten Gottes. Diese Zusammenkunft in Paris hingegen ist eine wahrhaft geistige. Der göttliche Hauch weht mitten unter euch, und das Licht des Himmelreiches scheint in allen Herzen. Die Gottesliebe ist unter euch mächtig, und ihr empfangt mit dürstenden Seelen die frohen Botschaften großer Freude.
21:2
Ihr alle habt euch hier einmütig, Herz an Herz, zusammengefunden, Seelen, die voll göttlicher Liebe überfließen und deren Wirken und Sehnen der Einigkeit der Welt gilt.
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