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28:18Die größte Macht des Heiligen Geistes ruht in den göttlichen Offenbarungen der Wahrheit. Durch die Macht des Geistes wurde die himmlische Lehre in die Menschenwelt gebracht. Durch die Macht des Geistes ist das ewige Leben zu den Menschenkindern gekommen. Durch die Macht des Geistes hat die göttliche Herrlichkeit von Ost nach West gestrahlt, und durch die Macht des gleichen Geistes werden sich die göttlichen Tugenden der Menschheit offenbaren.28:19Unser größtes Bemühen muss auf die Loslösung von den Dingen dieser Welt gerichtet sein. Wir müssen danach streben, geistiger und strahlender zu werden, den Rat der göttlichen Lehre zu befolgen, uns dem Dienste der Sache der Einigkeit und wahren Gleichheit zu ergeben, Barmherzigkeit zu üben und die Liebe des Höchsten auf alle Menschen auszustrahlen, auf dass das Licht des Geistes in allen unseren Taten sichtbar und die ganze Menschheit dadurch vereinigt werde, damit sich ihr stürmisches Meer beruhigt und alle rauen Wogen von der hinfort stillen und friedlichen Oberfläche der See des Lebens schwinden mögen. Dann wird die Menschheit das Neue Jerusalem erschauen, durch seine Pforten treten und die Gottesgabe empfangen.28:20Ich danke Gott, dass ich heute Nachmittag bei euch zugegen war, und ich danke euch für eure geistigen Gefühle.28:21Ich bete, dass ihr im göttlichen Eifer wachsen möget und dass die Einigkeit im Geist an Kraft gewinne, auf dass sich die Prophezeiungen erfüllen und in diesem großen Jahrhundert des Lichtes Gottes alle in den Heiligen Büchern aufgezeichneten frohen Botschaften eintreten. Dieses ist die herrliche Zeit, von welcher der Herr Jesus Christus sprach, als Er uns zu beten gebot: »Dein Reich komme, Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.«Mt. 6:10 – Anm. d. Hrsg.
Q Ich hoffe, dass dies auch eure Erwartung und eure große Sehnsucht ist.28:22Wir sind in dem einen Ziel und Hoffen vereint, dass alle eins sein mögen und ein jedes Herz durch die Liebe unseres himmlischen Vaters, Gott, erleuchtet werde.28:23Möchten alle unsere Taten geistig und alle unsere Interessen und Neigungen auf das Reich der Herrlichkeit gerichtet sein!– 29 –
Die Entwicklung des Geistes29:0_37Rue Greuze 15, Paris, 10. November 191129:0_38‘Abdu’l-Bahá sprach:29:1Heute Abend will ich von der Entwicklung oder den Fortschritten des Geistes sprechen.29:2Vollkommene Ruhe existiert nicht in der Natur. Alles macht entweder Fortschritte oder es verliert sich. Alles bewegt sich vorwärts oder rückwärts. Nichts ist ohne Bewegung. Von seiner Geburt an entwickelt der Mensch sich körperlich, bis er die Reife erlangt. Wenn er dann die Blüte seiner Jahre erreicht hat, beginnt er abzunehmen, Stärke und Kraft des Körpers lassen nach, und allmählich nähert er sich der Todesstunde. Genauso schreitet eine Pflanze von der Saat zur Reife fort. Dann setzt ein Nachlassen des Lebens ein, sie geht dahin und stirbt zuletzt. Der Vogel steigt bis zu einer gewissen Höhe auf und lässt sich, wenn er den höchst möglichen Punkt des Fluges erreicht hat, wieder zur Erde nieder.29:3So zeigt sich, dass die Bewegung allem Dasein eigen ist. Alle materiellen Dinge entwickeln sich bis zu einem gewissen Punkte, dann beginnen sie abzunehmen. Das ist das Gesetz, das in der ganzen physischen Schöpfung herrscht.29:4Betrachten wir nun die Seele: wir sahen, dass die Bewegung ein Wesenszug des Daseins ist und dass nichts, was Leben hat, bewegungslos ist. Die ganze Schöpfung, ob Mineral-, ob Pflanzen- oder Tierreich ist gezwungen, dem Gesetz der Bewegung zu gehorchen, sie mussten entweder aufwärts oder abwärts steigen. Aber die menschliche Seele kennt keinen Abstieg. Ihre einzige Bewegung ist auf Vervollkommnung gerichtet. Nur Wachstum und Fortschritt machen die Bewegung der Seele aus.29:5Die göttliche Vollkommenheit ist unendlich, daher ist der Fortschritt der Seele auch unendlich. Bereits mit der Geburt des Menschenwesens schreitet die Seele vorwärts, die Verstandeskräfte wachsen und die Erkenntnis weitet sich. Wenn dann der Körper stirbt, lebt doch die Seele weiter. All die verschiedenen Stufen der erschaffenen physischen Wesen sind begrenzt, die Seele jedoch hat keine Grenzen.29:6In allen Religionen besteht der Glaube, dass die Seele den Tod des Körpers überdauert. Fürbitten werden für die geliebten Toten emporgesandt, Gebete für ihren Fortschritt und die Vergebung ihrer Sünden dargebracht. Ginge die Seele mit dem Körper unter, so wäre dies alles sinnlos, und wäre es für die Seele unmöglich, nach der Ablösung vom Körper zur Vollkommenheit fortzuschreiten, was nützte dann wohl alle diese liebevolle Hingebung des Betens?29:7Wir lesen in den heiligen Schriften, dass »alle guten Werke wiederkehren« d. h., alle guten Taten bergen ihren Lohn in sich.. A. Würde aber die Seele nicht weiterleben, so würde dies alles nichts bedeuten.29:8Wird nicht schon dadurch die Fortdauer des Daseins unserer aus der materiellen Welt geschiedenen Lieben dargetan, dass uns der sicher nicht umsonst verliehene geistige Instinkt antreibt, für ihr Wohlergehen zu bitten?29:9In der Welt des Geistes gibt es keinen Rückschritt. Die sterbliche Welt ist eine Welt der Widersprüche, der Gegensätze. Da Bewegung etwas Zwangsläufiges ist, muss alles entweder vorwärts oder rückwärts gehen. Im Reich des Geistes ist kein Rückgang möglich, alle Bewegung ist daran gebunden, einem vollkommenen Zustand zuzustreben. ›Fortschritt‹ ist der Ausdruck des Geistes in der Welt des Stoffes. Die Intelligenz des Menschen, seine Urteilskraft, seine Erkenntnis, seine wissenschaftlichen Errungenschaften, sie alle haben, da sie Offenbarungen des Geistes sind, am unausweichlichen Gesetz des geistigen Fortschritts teil und sind darum notwendigerweise unvergänglich.29:10Es ist meine Hoffnung für euch, dass ihr sowohl in der Welt des Geistes als auch in der Welt des Stoffes Fortschritte machet, dass sich eure Intelligenz entfaltet, eure Erkenntnis zunehmen und euer Verständnis weiten möge.29:11Ihr solltet immer vorwärtsdrängen, niemals stillstehen, jede Stockung, den ersten Schritt zur Rückbewegung, zum Verfall vermeiden.29:12Die ganze physische Schöpfung ist vergänglich. Diese materiellen Körper sind aus Atomen zusammengesetzt. Wenn ihre Atome anfangen, sich zu trennen, beginnt die Zersetzung. Dann ereignet sich das, was wir als Tod bezeichnen. Diese Zusammensetzung von Atomen, die den Körper, den sterblichen Teil eines jeden erschaffenen Wesens ausmacht, ist nur zeitlich. Wenn die Anziehungskraft, die diese Atome zusammenhält, zurückgezogen wird, so hört der Körper als solcher auf zu bestehen.29:13Mit der Seele ist es anders. Die Seele ist keine Verbindung von Elementen. Sie ist nicht aus vielen Atomen zusammengesetzt. Sie besteht aus etwas Unteilbarem und ist daher ewig. Sie steht gänzlich außerhalb des Ordnungsbereiches der physischen Schöpfung. Sie ist unsterblich.29:14Die naturwissenschaftliche Philosophie hat dargetan, dass ein einfaches Element (›einfach‹, in der Bedeutung von ›nicht zusammengesetzt‹) unzerstörbar, ewig ist. Die Seele, die keine Zusammensetzung von Elementen ist, hat den Charakter eines einfachen Elementes und kann daher nicht aufhören zu bestehen.29:15Da die Seele aus jener einen unteilbaren Substanz besteht, lässt sie sich weder auflösen noch zerstören. Es gibt daher keinen Grund für ihr Ende. Alles Lebende gibt Zeichen eines Daseins. Dementsprechend könnten diese Zeichen nicht aus sich selbst bestehen, wenn das, was sie ausdrücken oder bezeugen, ohne Dasein wäre. Ein Ding, das nicht vorhanden ist, kann in der Tat kein Zeichen seines Daseins geben. Die mannigfachen Zeichen für das Vorhandensein des Geistes sind uns stets vor Augen.29:16Die Spuren des Geistes Jesu Christi, der Einfluss Seiner göttlichen Lehre, sind heute unter uns gegenwärtig und ewig.29:17Etwas Nichtbestehendes kann nach unserer übereinstimmenden Meinung nicht durch Anzeichen erkannt werden. Um zu schreiben, muss ein Mensch vorhanden sein. Jemand, der nicht vorhanden ist, kann auch nicht schreiben. Das Schreiben an sich ist ein Zeichen für die Seele und die Intelligenz des Schreibers. Die Heiligen Schriften (mit der immer gleichbleibenden Lehre) beweisen die Fortdauer des Geistes.29:18Betrachtet den Zweck der Schöpfung: Wäre es möglich, dass alles nur erschaffen wurde, um sich durch zahllose Zeitalter hindurch mit einem so kleinen Ziel von ein paar Jahren menschlichen Erdenlebens zu entwickeln und zu entfalten? Ist es nicht undenkbar, dass dies der letzte Zweck des Daseins wäre?29:19Das Mineral entwickelt sich, bis es im Leben der Pflanze aufgeht. Die Pflanze wächst, bis sich ihr Leben im Tier verliert. Das Tier, das einen Bestandteil der menschlichen Nahrung bildet, geht wiederum im Leben des Menschen auf.29:20So zeigt sich, dass der Mensch die Summe der ganzen Schöpfung ist, das höchste aller erschaffenen Wesen, das Ziel, dem zahllose Daseinszeitalter entgegendrängten.29:21Der Mensch verbringt günstigenfalls viermal zwanzig und zehn Jahre in dieser Welt – fürwahr eine kurze Spanne!29:22Hört der Mensch zu bestehen auf, wenn er aus dem Körper scheidet? Wenn sein Leben ein Ende hat, ist alle vorangegangene Entwicklung nutzlos, alles umsonst gewesen. Können wir uns vorstellen, dass die Schöpfung kein höheres Ziel als dieses hat?29:23Die Seele ist ewig, unvergänglich.29:24Die Materialisten sagen: »Wo ist die Seele? Was ist sie? Wir können sie nicht sehen und nicht fühlen.«29:25Wir müssen ihnen folgendermaßen erwidern: Wie große Fortschritte das Mineral auch machen mag, es kann die Pflanzenwelt nicht verstehen. Aber dieser Mangel an Verständnis beweist nicht etwa, dass die Pflanze nicht besteht.29:26Zu einem wie hohen Grade sich die Pflanze auch entfaltet haben mag, sie bleibt doch unfähig, die Tierwelt zu begreifen. Dieses Nichtwissen ist kein Beweis dafür, dass es kein Tier gibt.29:27Wie hoch sich das Tier auch entwickelt haben mag, es kann sich weder den Verstand des Menschen vorstellen, noch die Natur seiner Seele erfassen. Doch beweist das wiederum nicht, dass der Mensch keinen Verstand oder keine Seele hätte. Es beweist nur, dass jede Daseinsform außerstande ist, eine höhere Form als die eigene zu begreifen.29:28Diese Blume mag sich eines Wesens von der Art des Menschen nicht bewusst werden, aber die Tatsache ihrer Unwissenheit ist kein Hemmnis für das Vorhandensein der Menschheit.29:29Wenn nun in gleicher Weise die Materialisten nicht an ein Vorhandensein der Seele glauben, so beweist ihr Unglaube dennoch nicht, dass es kein Reich wie die Welt des Geistes gibt. Der Umstand, dass der Mensch Verstand besitzt, beweist seine Unsterblichkeit. Auch die Dunkelheit beweist die Anwesenheit des Lichtes, denn ohne Licht würde kein Schatten sein. Armut beweist das Vorhandensein von Reichtum; wie vermöchten wir sonst, die Armut zu ermessen? Unwissenheit beweist, dass Wissen vorhanden ist; denn wie könnte es Unwissenheit ohne Wissen geben?29:30Der Gedanke der Sterblichkeit setzt daher voraus, dass es eine Unsterblichkeit gibt; denn, wenn es kein ewiges Leben gäbe, würde es auch keine Möglichkeit geben, das Leben dieser Welt zu ermessen.29:31Wenn der Geist nicht unsterblich wäre, wie könnten dann wohl die Manifestationen Gottes so furchtbare Prüfungen erdulden?
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