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49:18Durch Seine Barmherzigkeit wird die göttliche Güte über euch kommen, und darum bete ich.– 50 –
Zehntes Prinzip: Die Gleichstellung der Geschlechter50:0_74Paris, Avenue de Camoëns 4, 14. November 191150:1Das zehnte Prinzip der Lehre Bahá’u’lláhs ist die Gleichstellung der Geschlechter.50:2Gott hat alle Geschöpfe in Paaren erschaffen. Der Mensch, das Tier, die Pflanze, alles in diesen drei Reichen ist zweierlei Geschlechtes, und unter ihnen herrscht völlige Gleichheit.50:3In der Pflanzenwelt gibt es männliche und weibliche Pflanzen. Sie haben gleiche Rechte und besitzen einen gleichen Anteil an der Schönheit ihrer Gattung, wenn man auch in der Tat sagen könnte, dass der Baum, der Früchte trägt, demjenigen, der keine trägt, überlegen ist.50:4Im Tierreich sehen wir, dass Männchen und Weibchen gleiche Rechte besitzen und dass jedes von ihnen an den Vorzügen seiner Gattung teilhat.50:5So sehen wir, dass in keinem der beiden niederen Reiche der Natur die Frage einer Überlegenheit des einen Geschlechtes über das andere besteht. In der Menschenwelt ist es wesentlich anders. Das weibliche Geschlecht wird als niedriger stehend betrachtet, und es werden ihm keine gleichen Rechte und Vorrechte gestattet. Dieser Zustand ist keine Folge der Natur, sondern der Erziehung. In der göttlichen Schöpfung gibt es keine derartige Unterscheidung. Vor dem Angesicht Gottes ist kein Geschlecht dem anderen überlegen. Warum sollte dann ein Geschlecht das andere als untergeordnet erklären und ihm wohlbegründete Rechte und Vorrechte vorenthalten, als hätte Gott seine Ermächtigung zu einem solchen Verhalten gegeben? Wenn die Frauen die gleichen Vorzüge der Erziehung genießen wie die Männer, so wird das Ergebnis zeigen, dass sich beide gleicherweise zur Bildung eignen.50:6In mancher Beziehung ist die Frau dem Manne überlegen. Sie ist weichherziger, empfänglicher und mit stärkerer Intuition begabt.50:7Es lässt sich nicht leugnen, dass die Frau zurzeit in vielerlei Hinsicht hinter dem Mann zurückbleibt, dass aber diese vorübergehende Unterlegenheit auf den Mangel an Erziehungsmöglichkeiten zurückgeht. Im Lebenskampf ist die Frau instinktbegabter als der Mann, dankt er ihr doch bereits sein bloßes Dasein.50:8Ist die Mutter gebildet, so werden auch ihre Kinder gut unterrichtet werden. Ist die Mutter weise, so wird sie auch die Kinder auf den Weg der Weisheit leiten. Ist die Mutter religiös, so wird sie auch ihren Kindern zeigen, wie sie Gott lieben müssen. Ist die Mutter sittenrein, so wird sie auch ihre Kleinen auf den Pfad der Rechtlichkeit führen.50:9Es ist daher klar, dass die zukünftige Generation von den Müttern von heute abhängt. Ist das nicht eine wesentliche Verantwortung für die Frau? Bedarf sie da nicht jeder nur möglichen Förderung, um für eine solche Aufgabe gerüstet zu sein?50:10Darum gefällt es Gott sicher nicht, wenn ein so wichtiges Werkzeug der Schöpfung wie die Frau nicht die entsprechende Erziehung erhält, um die gewünschten und nötigen Vollkommenheiten für ihre große Lebensaufgabe zu erlangen. Die göttliche Gerechtigkeit verlangt, dass die Rechte beider Geschlechter gleicherweise geachtet werden, da in den Augen des Himmels keines dem anderen überlegen ist. Die Würde vor Gott hängt nicht vom Geschlecht, sondern von der Reinheit und Leuchtkraft des Herzens ab. Menschliche Tugenden sind im gleichen Maße Eigentum aller.50:11Die Frau muss sich daher um größere Vervollkommnung bemühen, um dem Mann in jeder Beziehung gleich zu werden und in allem, worin sie zurückgeblieben war, fortzuschreiten, so dass der Mann gezwungen wird, ihre gleichen Möglichkeiten und Leistungen anzuerkennen.50:12In Europa haben die Frauen größere Fortschritte gemacht als im Osten, aber es bleibt noch viel zu tun. Wenn Schüler am Ende ihrer Schulzeit stehen, werden sie geprüft, und das Ergebnis der Prüfung entscheidet über das Wissen und die Fähigkeit jedes Schülers. So wird es auch mit der Frau sein. Ihre Taten werden ihre Stärke beweisen. Es wird nicht mehr nötig sein, sie durch Worte zu verkünden.50:13Ich hoffe, dass sowohl die Frauen des Ostens als auch ihre westlichen Schwestern rasche Fortschritte machen, bis die Menschheit vervollkommnet ist.50:14Gottes Güte ist für alle da und gibt die Kraft zu jedem Fortschritt. Besitzen die Menschen erst einmal die Gleichstellung der Frau, so werden die Frauen nicht mehr für ihre Rechte zu kämpfen brauchen. Daher ist einer der Grundsätze Bahá’u’lláhs die Gleichstellung der Geschlechter.50:15Die Frauen müssen größte Anstrengungen machen, um geistige Kraft zu erwerben und die Tugenden der Weisheit und Heiligkeit zu vermehren, bis es ihrer Erleuchtung und ihrem Streben gelingt, die Einheit der Menschheit zu verwirklichen. Sie müssen mit glühender Begeisterung arbeiten, um die Lehre Bahá’u’lláhs unter die Völker zu tragen, damit das strahlende Licht göttlicher Güte die Seelen aller Nationen der Erde umgebe.– 51 –
Elftes Prinzip: Die Kraft des Heiligen Geistes51:0_75Paris, Avenue de Camoëns 4, 18. November 191151:1In den Lehren Bahá’u’lláhs heißt es: »Nur durch die Kraft des Heiligen Geistes vermag der Mensch Fortschritte zu machen, denn die Kraft des Menschen ist begrenzt und die göttliche Kraft ist unbegrenzt.« Wenn wir die Geschichte verfolgen, so kommen wir zu dem Schluss, dass alle wirklich großen Menschen, die Wohltäter der Menschheit, jene, die die Menschen getrieben haben, das Rechte zu lieben und das Schlechte zu hassen, und die wirklichen Fortschritt brachten, durch die Kraft des Heiligen Geistes erleuchtet waren.51:2Die Propheten Gottes legten nicht alle eine Abschlussprüfung auf gelehrten philosophischen Schulen ab. Sie waren in der Tat oft Menschen niederer Herkunft, allem Anschein nach in den Augen der Welt unwissende, unbekannte Menschen ohne Bedeutung, die oft nicht einmal lesen und schreiben konnten.51:3Das, was diese Großen über die Menschen erhob und wodurch sie zu Lehrern der Wahrheit befähigt wurden, war die Kraft des Heiligen Geistes. Ihr Einfluss auf die Menschheit war vermöge dieser gewaltigen Eingebung groß und durchdringend.51:4Der Einfluss weisester Philosophen, die diesen göttlichen Geist nicht besaßen, war verhältnismäßig gering, wie umfassend ihr Wissen und wie tief ihre Gelehrsamkeit auch gewesen sein mögen.51:5Der ungewöhnliche Verstand eines Plato z. B., eines Aristoteles, Plinius und Sokrates, hat die Menschen nicht so stark beeinflusst, dass sie sich danach gesehnt hätten, ihr Leben für deren Lehren zu opfern, während einige jener schlichten Menschen die Menschheit derartig mit sich rissen, dass Tausende willig zu Märtyrern wurden, um ihre Worte zu erhärten, denn diese Worte waren durch den göttlichen Geist erleuchtet! Die Propheten Judas und Israels, Elias, Jeremias, Jesaja und Hesekiel, waren einfache Menschen, wie es auch die Apostel Jesu Christi waren.51:6Petrus, das Haupt der Apostel, pflegte den Ertrag seines Fischfangs in sieben Teile zu teilen, und wenn er davon für jeden Tagesbedarf seinen Teil genommen hatte und beim siebenten Teil angelangt war, wusste er, dass es Sabbat war. Bedenke dies und gedenke dann seiner späteren Stellung und der Ehre, die ihm zuteil ward, weil der Heilige Geist große Werke durch ihn vollbrachte.51:7Wir begreifen, dass der Heilige Geist die treibende Kraft im Leben des Menschen ist. Wer immer diese Kraft empfängt, vermag alle zu beeinflussen, mit denen er in Berührung kommt.51:8Die größten Philosophen, die diesen Geist nicht haben, sind machtlos, ihre Seelen haben kein Leben, und ihre Herzen sind tot. Bevor nicht der Heilige Geist ihre Seele durchdringt, vermögen sie kein gutes Werk zu vollbringen. Kein philosophisches System ist je fähig gewesen, die Sitten und Gebräuche eines Volkes zum Besseren zu wandeln. Gelehrte, Philosophen, die nicht vom göttlichen Geiste erleuchtet waren, sind oft sittlich niedrig stehende Menschen gewesen. Sie haben in ihren Taten nicht die Wirklichkeit ihrer schönen Reden bekundet.51:9Der Unterschied zwischen geistigen und anderen Philosophen zeigt sich in ihrem Leben. Der geistige Lehrer bekundet seinen Glauben an die eigene Lehre dadurch, dass er selber ist, was er anderen anrät.51:10Ein schlichter, ungelernter, aber vom Heiligen Geist erfüllter Mensch ist mächtiger als ein noch so edelgeborener, hoher Gelehrter, der diese Eingebung nicht hat. Wen der göttliche Geist erzogen hat, der kann zu seiner Zeit noch andere dazu führen, dass sie den gleichen Geist empfangen.51:11Ich bete für euch, dass ihr durch das Leben des göttlichen Geistes belehrt werden möget, damit ihr zur Ursache für die Erziehung anderer werdet. Das Leben und die Gesittung eines geistigen Menschen bedeuten an sich schon eine Erziehung für die, die ihn kennen.51:12Denket nicht an eure eigene Begrenztheit, sondern bauet allein auf die Wohlfahrt des Reiches der Ehre. Betrachtet den Einfluss Jesu Christi auf Seine Apostel und denket dann über deren Wirkung auf die Welt nach. Diese einfachen Menschen wurden durch die Macht des Heiligen Geistes befähigt, die frohen Botschaften zu verbreiten.51:13So möget ihr alle göttlichen Beistand empfangen! Keine Fähigkeit ist begrenzt, wenn sie vom Geiste Gottes gelenkt wird.51:14Die Erde an sich besitzt nicht die Eigenschaften des Lebens. Sie ist dürftig und trocken, bis Sonne und Regen sie fruchtbar machen. Dennoch braucht sich die Erde nicht über ihre eigene Begrenztheit zu beklagen.51:15Möget ihr Leben empfangen! Möge der Regen der göttlichen Barmherzigkeit und die Wärme der Sonne der Wahrheit euren Gärten Fruchtbarkeit schenken, auf dass darin viele schöne Blumen voll köstlichen Wohlgeruches und Liebe in Fülle erblühen. Wendet euer Angesicht von der Betrachtung eures vergänglichen Ichs ab und heftet den Blick auf das ewige Leuchten. Dann werden eure Seelen in vollem Maße die göttliche Kraft des Geistes und die Segnungen der unendlichen Güte empfangen.51:16Wenn ihr dazu bereit seid, so werdet ihr für die Menschenwelt zu einer lodernden Flamme, zu einem Leitstern und zu einem fruchtbehangenen Baume werden und durch den Glanz der Sonne des Erbarmens und durch die unendlichen Segnungen der Frohen Botschaften alle ihre Dunkelheit und Pein in Licht und Freude verwandeln.51:17Dies ist die Bedeutung der Kraft des Heiligen Geistes, um die ich für euch bete, dass sie freigebig auf euch herabkommen möge.– 52 –
[Der Auftrag]52:0_76Paris, Avenue de Camoëns 4, 28. November 191152:1In diesen Versammlungen, bei denen wir uns getroffen und miteinander gesprochen haben, seid ihr alle mit den Prinzipien dieser Sendung und mit der Wirklichkeit der Dinge vertraut geworden. Es ist euch gegeben worden, diese Dinge zu erkennen, aber es gibt noch viele Menschen, die nicht erleuchtet und in Aberglauben versunken sind. Sie haben noch wenig von dieser großen und herrlichen Sache gehört, und das Wissen, das sie haben, beruht größtenteils nur auf Hörensagen. Ach, arme Seelen, ihr Wissen gründet nicht auf der Wahrheit, die Grundlage ihres Glaubens ist nicht die Lehre von Bahá’u’lláh! Wohl ist etwas Wahres an dem, was man ihnen erzählt hat; der größte Teil ihrer Unterweisung aber war ungenau.
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