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6:0_8‘Abdu’l-Bahá sprach: 6:1Ich hoffe, dass ihr alle glücklich und wohlauf seid. Ich bin nicht glücklich, sondern sehr betrübt. Die Nachricht von der Schlacht bei Benghazi bekümmert mein Herz. Ich wundere mich über die menschliche Grausamkeit, die noch in der Welt ist. Wie können Menschen von morgens bis abends kämpfen, einander töten und das Blut ihrer Mitmenschen vergießen? Und wofür? Nur, um die Herrschaft über ein Stück Erde zu gewinnen! Selbst die Tiere haben beim Kampf einen unmittelbaren und vernünftigeren Anlass für den Angriff! Wie schrecklich ist es, dass sich Menschen, die dem höheren Reiche angehören, so erniedrigen, dass sie ihre Mitgeschöpfe um den Besitz eines Landstrichs willen erschlagen und ihnen Elend bringen!6:2Das höchste der erschaffenen Wesen kämpft um die niederste Form des Stoffes: Erde. Das Land gehört nicht einem Volke, sondern allen. Diese Erde ist nicht des Menschen Heim, sondern sein Grab. Es ist um ihre Gräber, worum diese Menschen kämpfen. Nichts in dieser Welt ist so schrecklich wie das Grab, die Stätte der verwesenden Menschenleiber.6:3Wie groß auch der Eroberer sein mag, wie viele Länder er auch versklavt, er kann von diesen verwüsteten Ländern nichts behalten als ein winziges Stück: sein Grab. Wenn zur Verbesserung der Zustände eines Volkes, zur Verbreitung der Zivilisation (damit gerechte Gesetze an die Stelle unmenschlicher Bräuche treten) mehr Land benötigt wird, so müsste es gewiss auch möglich sein, die erforderliche Gebietserweiterung auf friedlichem Wege zu erreichen.6:4Aber der Krieg wird geführt, um den menschlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Um des weltlichen Gewinnes einiger weniger willen wird schreckliches Elend über ungezählte Heime gebracht und das Herz von Hunderten von Männern und Frauen gebrochen.6:5Wie viele Witwen trauern um ihre Gatten, wie viele Berichte über wilde Grausamkeiten werden laut! Wie viele verwaiste kleine Kinder schreien nach ihren toten Vätern, wie viele Frauen weinen um ihre erschlagenen Söhne!6:6Nichts ist so herzzerbrechend und schrecklich, wie ein Ausbruch der menschlichen Wildheit.6:7Ich heiße euch alle und jeden von euch, alles, was ihr im Herzen habt, auf Liebe und Einigkeit zu richten. Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens. Ein Hassgedanke muss durch einen mächtigeren Gedanken der Liebe vernichtet werden. Kriegsgedanken zerstören alle Eintracht, Wohlfahrt, Ruhe und Freude.6:8Gedanken der Liebe schaffen Kameradschaftlichkeit, Frieden, Freundschaft und Glückseligkeit.6:9Wenn Soldaten der Welt den Säbel ziehen, um zu töten, so schütteln die Soldaten Gottes einander die Hände. So mag durch die Gnade Gottes, die sich durch die reinen Herzen und aufrichtigen Seelen auswirkt, alle menschliche Wildheit schwinden. Haltet den Frieden der Welt nicht für ein unerreichbares Idealbild!6:10Nichts ist für Gottes Güte unmöglich.6:11Wenn ihr von ganzem Herzen Freundschaft mit allen Völkern auf Erden wünscht, so werden sich eure Gedanken geistig und aufbauend verbreiten, sie werden zum Wunsche anderer werden, wachsen und wachsen, bis sie alle Menschen erreichen.6:12Verzweifelt nicht! Wirkt ständig! Aufrichtigkeit und Liebe werden den Hass besiegen. Wie viel ereignet sich in diesen Tagen, das unmöglich schien! Wendet beständig euren Blick dem Licht der Welt zu! Erzeiget allen Liebe, »Liebe ist der Hauch des Heiligen Geistes im Menschenherzen«. Fasset Mut! Gott verlässt Seine Kinder, die streben, arbeiten und beten, nicht. Lasst eure Herzen vom innigen Wunsch erfüllt sein, dass Ruhe und Einklang diese streitende Welt umfangen mögen. So wird euer Bemühen von Erfolg gekrönt sein und mit der allumfassenden Bruderschaft das Gottesreich in Frieden und Wohlwollen erscheinen.6:13In diesem Raum sind heute Angehörige vieler Völker, französische, amerikanische, englische, deutsche, italienische Brüder und Schwestern, in Freundschaft und Harmonie beisammen. Lasst diese Zusammenkunft eine Ahnung dessen sein, was sich wahrhaftig in dieser Welt ereignen wird, wenn jedes Gotteskind erkennt, dass sie alle Blätter eines Baumes, Blumen eines Gartens, Tropfen eines Meeres und Söhne und Töchter eines Vaters sind, dessen Name Liebe ist!– 7 –
Die Sonne der Wahrheit7:0_922. Oktober 19117:0_10‘Abdu’l-Bahá sprach:7:1Heute ist ein schöner Tag, die Sonne scheint hell hernieder und gibt allen Geschöpfen Licht und Wärme. Auch die Sonne der Wahrheit scheint und gibt den Menschenseelen Licht und Wärme. Die Sonne ist der Lebensspender für die stofflichen Körper aller Geschöpfe auf Erden. Ohne ihre Wärme würde deren Wachstumskraft gehemmt und ihre Entwicklung aufgehalten werden, sie würden verkommen und sterben. In gleicher Weise bedürfen die Menschenseelen der Sonne der Wahrheit, damit sie ihre Strahlen über die Seelen ausgießt, um sie zu entwickeln, zu erziehen und zu ermutigen. Was für den Körper des Menschen die Sonne ist, das ist die Sonne der Wahrheit für seine Seele.7:2Ein Mensch mag es zu einem hohen Grad von materiellem Fortschritt bringen, doch ohne das Licht der Wahrheit verkümmert und verhungert seine Seele. Ein anderer mag ohne materielle Gaben sein, sich auf der untersten Sprosse der Gesellschaftsleiter befinden, wenn er jedoch die Wärme der Sonne der Wahrheit empfängt, wird seine Seele groß und sein geistiges Begreifen erleuchtet sein.7:3Ein griechischer Philosoph, der in der Jugendfrühe der Christenheit lebte und von der christlichen Art erfüllt war, ohne doch selber Christ zu sein, schrieb: »Ich glaube, dass die Religion die eigentliche Grundlage der wahren Zivilisation ist.« Denn erst, wenn die Sittlichkeit eines Volkes genauso ausgebildet ist wie sein Verstand und seine Begabung, wird auch die Zivilisation eine sichere Grundlage besitzen.7:4Da die Religion Gesittung einschärft, ist sie die wahrste Philosophie, und auf ihr baut sich die einzige ausdauernde Zivilisation auf. Als Beispiel dafür nennt er die damaligen Christen, deren Sittlichkeit auf einer sehr hohen Stufe stand. Der Glaube dieses Philosophen entspricht der Wahrheit, denn die Zivilisation der Christenheit war die beste und erleuchtetste der Welt. Die christliche Lehre war durchdrungen vom Lichte der göttlichen Sonne der Wahrheit, weshalb ihre Anhänger gelehrt wurden, alle Menschen als Brüder zu lieben, nichts, auch nicht den Tod, zu fürchten, den Nächsten wie sich selbst zu lieben und die eigenen selbstischen Belange im Bemühen um das höchste Wohlergehen der Menschheit zu vergessen. Es war das große Ziel der Religion Christi, die Herzen aller Menschen der strahlenden Wahrheit Gottes näher zu bringen.7:5Hätten die Anhänger des Herrn Christus diese Grundsätze auch weiterhin mit unerschütterlicher Treue befolgt, so wäre keine Erneuerung der christlichen Botschaft, keine Wiedererweckung Seines Volkes erforderlich gewesen, weil dann eine große und herrliche Zivilisation die Welt beherrschen würde und das Himmelreich auf Erden wäre.7:6Was aber ist stattdessen geschehen? Die Menschen haben sich von den göttlich erleuchteten Geboten ihres Meisters abgewandt, und über die Menschenherzen ist der Winter hereingebrochen. Denn wie das Leben des menschlichen Körpers von den Sonnenstrahlen abhängt, so können auch die himmlischen Tugenden in der Seele nicht ohne den Glanz der Sonne der Wahrheit wachsen.7:7Gott lässt Seine Kinder nicht ohne Tröstung. Wenn aber die Dunkelheit des Winters über sie kommt, sendet Er wieder Seine Boten, die Propheten, mit einer Erneuerung des gesegneten Frühlings. Die Sonne der Wahrheit erscheint aufs Neue am Horizont der Welt, scheint in die Augen derer, die schlafen, und erweckt sie, dass sie den Glanz eines neuen Tagesanbruchs schauen. Dann wird der Baum der Menschheit wieder blühen und zum Heil der Völker die Frucht der Rechtschaffenheit hervorbringen. Weil der Mensch unter Vernachlässigung des Gesetzes Gottes seine Ohren vor der Stimme der Wahrheit und seine Augen vor dem heiligen Licht verschlossen hat, darum hat das Dunkel des Krieges und des Aufruhrs, der Unruhe und der Not die Erde zur Öde werden lassen. Ich bete darum, dass ihr alle danach strebt, jedes der Kinder Gottes ins Licht der Sonne der Wahrheit zu geleiten, damit die Finsternis von den durchdringenden Strahlen ihrer Herrlichkeit aufgelöst und die Strenge und Kälte des Winters durch die barmherzige Wärme ihres Scheins hinweggeschmolzen werde.– 8 –
Das Licht der Wahrheit scheint jetzt auf Ost und West8:0_11Montag, 23. Oktober 19118:1Hat ein Mensch irgendwo die Freude des Lebens erfahren, so kehrt er dorthin zurück, um noch mehr Freude zu empfangen. Hat jemand eine Goldader entdeckt, so kehrt er zu ihr zurück, um noch mehr Gold zu graben.8:2Dies zeigt die inneren Kräfte und den natürlichen Trieb, die Gott dem Menschen gegeben hat, und die Macht des in ihn gelegten Lebenswillens.8:3Der Westen hat immer vom Osten geistiges Licht empfangen. Das Lied vom Himmelreich wurde zuerst im Osten laut, aber im Westen trifft es die lauschenden Ohren stärker.8:4Der Herr Christus ging als heller Stern am östlichen Himmel auf, aber das Licht Seiner Lehre schien vollkommener im Westen, wo Sein Einfluss festere Wurzeln schlug und sich Seine Sache in größerem Ausmaß ausgebreitet hat als in Seinem Geburtsland.8:5Der Klang des Liedes Christi ging hallend über alle Länder des Westens und drang in die Herzen seiner Bewohner ein.8:6Die Menschen des Westens sind fest, und der Grund auf den sie bauen, ist Felsen. Sie stehen fest und pflegen nicht leicht zu vergessen.8:7Der Westen ist gleich einer kräftigen, wettererprobten Pflanze: wenn der nährende Regen mild auf sie herabfällt und die Sonne herniederscheint, dann blüht sie zu ihrer Zeit und bringt gute Früchte. Es ist lange her, seit die Sonne der Wahrheit ihren Glanz durch den Spiegel des Herrn Christus auf den Westen ausgestrahlt hat, ist doch das Antlitz Gottes durch die Sünde und Vergesslichkeit des Menschen umschleiert worden. Jetzt aber spricht der Heilige Geist, Gott Lob, erneut zur Welt! Das Dreigestirn der Liebe, Weisheit und Kraft scheint wieder einmal am göttlichen Horizont, um all denen Freude zu geben, die ihr Angesicht zum Lichte Gottes wenden. Bahá’u’lláh hat den Schleier des Vorurteils und des Aberglaubens zerrissen, der die Menschenseelen erstickt hat. Lasst uns Gott darum bitten, dass der Hauch des Heiligen Geistes den Menschen wieder Hoffnung und Erquickung bringe und in ihnen den Wunsch erwecke, den Willen Gottes zu tun. Möchten in jedem Menschen Herz und Seele Belebung finden und sich alle dadurch einer Neugeburt erfreuen!8:8Dann wird die Menschheit ein neues Kleid im Glanz der Liebe Gottes anlegen und der Morgen einer neuen Schöpfung dämmern. Dann wird die Barmherzigkeit des Barmherzigsten auf das ganze Menschengeschlecht herniederregnen und ein jeder sich zu neuem Leben erheben.8:9Es ist meine tiefe Sehnsucht, dass ihr alle um dieses herrlichen Zieles willen streben und wirken mögt, dass ihr getreue und liebevolle Arbeiter am Bau der neuen geistigen Gesittung werdet, Erwählte Gottes, die in bereitem freudigem Gehorsam Seinen höchsten Plan erfüllen! Der Erfolg ist sicherlich nahe, denn die Flagge der Göttlichkeit weht hoch am Mast, und die Sonne der Gerechtigkeit Gottes erscheint vor aller Augen am Horizonte.– 9 –
Die allumfassende Liebe9:0_1224. Oktober 19119:0_13Ein Inder sagte zu ‘Abdu’l-Bahá:9:0_14»Mein Lebensziel ist, so weit wie möglich die Botschaft Krishnas über die Welt zu tragen.«9:1‘Abdu’l-Bahá sagte: Die Botschaft Krishnas ist die Botschaft der Liebe. Alle Propheten Gottes haben die Botschaft der Liebe überbracht. Keiner von ihnen hat je die Auffassung vertreten, dass Krieg und Hass gut sei. Alle bezeichnen gleichermaßen Liebe und Güte als das Beste.
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