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83Wir wollen hier eine Geschichte erzählen, die allen als Beispiel dienen mag. Die arabischen Chroniken berichten, wie in der Zeit vor dem Kommen Muḥammads Nu‘mán, der Sohn Mundhirs des Lakhmiden – ein arabischer König aus den Tagen der Unwissenheit, dessen Residenz die Stadt Ḥírih war – dem Wein einmal so sehr zugesprochen hatte, dass sich seine Sinne verfinsterten und der Verstand ihn verließ. In diesem volltrunkenen, gefühllosen Zustand befahl er, seine beiden Zechbrüder und vertrauten, vielgeliebten Freunde, Khálid, den Sohn des Mudallil, und ‘Amr, den Sohn des Mas‘úd-Kaldih, hinzurichten. Als der König am anderen Morgen nach seinem Zechgelage erwachte und nach seinen beiden Freunden fragte, wurde ihm die schmerzhafte Nachricht mitgeteilt. Kummer befiel sein Herz; in seiner aufrichtigen Liebe und Sehnsucht nach ihnen ließ er über den beiden Gräbern zwei herrliche Denkmäler erbauen, denen er die Bezeichnung ›die Blutbeschmierten‹ gab. 84Daraufhin bestimmte er zwei Tage des Jahres zum Gedächtnis an die beiden Gefährten. Den einen nannte er den ›Tag des Übels‹, den anderen den ›Tag der Gnade‹. Jedes Jahr pflegte er an diesen bestimmten Tagen mit Prunk und Pracht hinauszuziehen und sich zwischen den beiden Grabmälern niederzulassen. Wenn an dem ›Tag des Übels‹ sein Auge auf irgendjemanden fiel, wurde dieser hingerichtet; wer jedoch am ›Tag der Gnade‹ vorüberging, wurde mit Geschenken und Gunstbeweisen überschüttet. Solches war sein königliches Gebot, das, mit einem mächtigen Eid besiegelt, immer streng eingehalten wurde.85Eines Tages bestieg der König sein Ross, Maḥmúd genannt, und ritt hinaus in die Steppe, um zu jagen. Plötzlich erblickte er in der Ferne ein Wildpferd, gab seinem Ross die Sporen, um das Wild einzuholen, und hetzte mit solcher Geschwindigkeit davon, dass er von seinem Gefolge abgeschnitten wurde. Die Nacht brach herein, und der König war hoffnungslos verloren. Da entdeckte er fern in der Wüste ein Zelt; er wandte sein Pferd und ritt drauf zu. Als er den Eingang des Zeltes erreicht hatte, fragte er den Besitzer, Ḥanzalá, den Sohn des Abí-Ghafráy-i-Ṭá’í: »Nimmst du einen Gast auf?« Ḥanzalá antwortete: »Ja«, trat heraus und half Nu‘mán beim Absteigen. Dann ging er zu seiner Frau und sagte zu ihr: »Im Verhalten dieses Mannes sind deutliche Anzeichen hohen Ranges zu erkennen. Tue dein Bestes, um ihm Gastfreundschaft zu erweisen, und bereite ein Festmahl vor.« Die Frau erwiderte: »Wir haben ein Mutterschaf, das du opfern könntest, und ich habe noch ein bisschen Mehl für solche Gelegenheiten aufgespart.« Ḥanzalá molk zunächst das Schaf und bot Nu‘mán eine Schale zum Trunk an, dann schlachtete er das Tier und bereitete ein Mahl zu, und dank seiner gütigen Gastfreundschaft verbrachte Nu‘mán die Nacht in Frieden und Behagen. Als die Dämmerung heraufzog, machte sich Nu‘mán für die Abreise fertig und sagte zu Ḥanzalá: »Du hast mir größte Freigebigkeit erwiesen, indem du mich aufgenommen und festlich bewirtet hast. Ich bin Nu‘mán, der Sohn des Mundhir, und warte sehnlichst darauf, dich an meinem Hofe begrüßen zu können.«86Die Zeit ging dahin, Hungersnot zog ein im Lande Ṭayy. Ḥanzalá geriet in äußerste Not, und darum suchte er den König auf. Ein seltsamer Zufall fügte es, dass er am ›Tag des Übels‹ eintraf. Nu‘mán zeigte sich höchst beunruhigt. Er machte seinem Freund Vorwürfe: »Warum bist du gerade heute zu mir gekommen? Denn dies ist der ›Tag des Übels‹, das heißt der Tag des Zornes und der Pein. Selbst wenn mir heute Qábús, mein einziger Sohn, unter die Augen träte, käme er nicht mit dem Leben davon. Nun bitte mich um irgendeine Gunst, die du willst.«87Ḥanzalá erwiderte: »Ich wusste nichts von eurem ›Tag des Übels‹. Die Gaben dieser Welt sind für die Lebenden da. Da ich jetzt den Tod erleiden muss, was nützen mir alle Vorräte dieser Welt?« 88»Daran ist nichts zu ändern«, sagte Nu‘mán.89Ḥanzalá sprach: »So gewähre mir denn Aufschub, dass ich zu meinem Weib heimkehren und mein Testament machen kann. Im nächsten Jahr werde ich am ›Tag des Übels‹ wiederkommen.« 90Nu‘mán verlangte sodann einen Bürgen, der an Ḥanzalás statt hingerichtet werden sollte, falls dieser nicht zurückkehrte. Bestürzt und hilflos sah sich Ḥanzalá um. Da fiel sein Blick auf einen aus Nu‘máns Gefolge, Sharík, den Sohn des Qays aus Shaybán, und an ihn wandte er sich mit den Worten: »O Sohn des ‘Amr, mein Gefährte! Gibt es irgendein Entkommen vor dem Tode? O du Bruder jedes Bedrängten, du Bruder des Bruderlosen, du Bruder Nu‘máns! Du könntest dem Shaykh Bürgschaft leisten. Wo ist Shaybán, der Edelmütige – möge der Allbarmherzige ihm Gunst bezeigen!« Aber Sharík erwiderte nur: »O mein Bruder, ein Mann darf nicht sein Leben aufs Spiel setzen.« Da wusste das Opfer nicht mehr, wohin es sich wenden sollte. Doch ein Mann namens Qarád, Sohn Ajda‘s des Kalbiten, stand auf und bot sich als Bürge an; er willigte ein, dass der König mit ihm, Qarád, tun könne, was er wolle, wenn er zum nächsten ›Tag des Zornes‹ das Opfer nicht auslieferte. Nu‘mán schenkte daraufhin Ḥanzalá fünfhundert Kamele und ließ ihn ziehen.91Im folgenden Jahr zog Nu‘mán am ›Tag des Übels‹ wie gewohnt mit Prunk und Pracht hinaus zu den beiden Grabmälern, die ›die Blutbeschmierten‹ hießen. Er führte Qarád mit sich, um seinen königlichen Zorn an ihm auszulassen. Die Pfeiler des Staates lösten ihre Zunge und baten um Gnade; sie flehten den König an, er möge Qarád bis zum Sonnenuntergang Aufschub gewähren, denn sie hofften, Ḥanzalá käme noch zurück. Aber des Königs Absicht war, Ḥanzalás Leben zu schonen und ihm die Gastfreundschaft zu vergelten, indem er Qarád an seiner Stelle hinrichtete. Als sich die Sonne zum Abend hin neigte, zog man Qarád die Kleider vom Leibe und schickte sich an, ihm den Kopf abzuschlagen. Da wurde in der Ferne ein Reiter sichtbar, der in gestrecktem Galopp näherkam. »Warum zögerst du?« wandte sich Nu‘mán an den Henker, der ihm daraufhin antwortete: »Vielleicht ist es Ḥanzalá, der da kommt.« Bald sah man, dass es kein anderer war als er.92Nu‘mán war höchst ungehalten. »Du Dummkopf!«, sagte er. »Einmal bist du den Klauen des Todes entronnen. Musst du ihn nun zum zweiten Male herausfordern?« 93Aber Ḥanzalá erwiderte: »Süß ist in meinem Munde und angenehm auf meiner Zunge das Gift des Todes bei dem Gedanken, dass ich damit mein Unterpfand auslöse.«94Da fragte Nu‘mán: »Was ist der Grund für solche Zuverlässigkeit? Weshalb hältst du dich so genau an deine Verpflichtungen, so streng an deinen Eid?« – »Das liegt daran, dass ich an den einen Gott und an die Bücher, die vom Himmel kamen, glaube«, gab Ḥanzalá zur Antwort. Nu‘mán fragte: »Zu welchem Glauben bekennst du dich?«, und Ḥanzalá sagte: »Es war der heilige Odem Jesu, der mir das Leben gab. Ich folge dem geraden Pfad Christi, der der Geist Gottes ist.« Nu‘mán bat: »Lass auch mich diesen süßen Hauch des Geistes atmen!«95So kam es, dass Ḥanzalá die weiße Hand der Führung aus dem Busen der Liebe Gottes zog
vgl. Qur’án 27:12, Bezugnahme auf Moses: »Und stecke deine Hand in deine Achsel. Du wirst sie weiss herausziehen, unbeschädigt: Eines von neun Zeichen für Pharao und sein Volk…«. Vgl. auch Qur’án 7:108, 20:22, 26:33 und 28:32, sowie Ex. 4:6. ‘Umar Khayyám dichtet in den Rubá‘íyyát darüber: »Wenn nun das Neue Jahr die alten Wünsche weckt, gedankenschwer die Seele sich in Einsamkeit versteckt, wo Jesus aus dem Grund empor sich sehnt und Moses’ weiße Hand am Zweig sich streckt.« Die Metaphern dieses Verses beziehen sich neben ihrem transzendenten Gehalt auf den Blumenduft und die Baumblüten des Frühlings.A und das äußere wie innere Auge derer, die um ihn standen, mit dem Lichte des Evangeliums erleuchtete. Dem klaren Klang einer Glocke gleich trug er einige der göttlichen Verse aus der Bibel vor. Da wurden Nu‘mán und alle seine Diener ihrer Götzen und ihrer Götzenverehrung überdrüssig, bekräftigten ihren Glauben an Gott und riefen aus: »Wehe uns, tausendmal wehe uns, dass wir bis heute achtlos gegenüber dieser grenzenlosen Gnade waren und uns von ihr abgewandt hatten, so dass wir dieser Segensströme aus den Wolken der Gunst Gottes beraubt waren!« Sofort riss der König die beiden Denkmäler ab, die ›die Blutbeschmierten‹ hießen. Er bereute seine Gewaltherrschaft und ließ fortan Gerechtigkeit walten in seinem Land.96Bedenket, wie hier ein einfacher Mann aus der Wüste, dem äußeren Anschein nach ohne Rang und Namen, imstande war, diesen stolzen Herrscher und eine große Schar anderer aus der dunklen Nacht des Unglaubens zu befreien und in das Morgenlicht des Heils zu führen, wie er sie aus dem Verderben der Götzendienerei an das rettende Gestade der Einheit Gottes brachte und Verhaltensweisen ein Ende setzte, die so geartet waren, dass sie ganze Gesellschaften verderben und ganze Völker zur Barbarei herabwürdigen – nur weil er eine der Eigenschaften der Menschen aufwies, die reinen Herzens sind. Man muss tief über dies alles nachdenken, um seine volle Bedeutung zu erfassen.97Mein Herz tut weh, weil ich mit tiefem Bedauern wahrnehmen muss, dass das Volk sein Augenmerk nirgendwo auf das lenkt, was dieses Tages und dieser Zeit würdig ist. Die Sonne der Wahrheit ist über der Welt aufgegangen, doch wir sind verfangen im Dunkel unserer Einbildungen. Die Wellen des Größten Meeres wogen um uns herum, während wir verdursten. Das göttliche Brot kommt vom Himmel hernieder, wir aber tappen und taumeln in einem hungergepeinigten Land umher. »Zwischen Weinen und Erzählen vertreibe ich meine Tage.«98Einer der Hauptgründe, warum Menschen aus anderen Religionen vermieden und versäumt haben, zu dem Glauben Gottes überzutreten, sind Fanatismus und übertriebener religiöser Eifer. Beachtet zum Beispiel die göttlichen Worte, die an Muḥammad, die Arche des Heils, das leuchtende Antlitz und den Herrn der Menschheit, gerichtet wurden und ihm geboten, liebevoll und geduldig mit dem Volk umzugehen: »Streite mit ihnen auf die freundlichste Weise.«Qur’án 16:125.
Q Jener Gesegnete Baum, dessen Licht »weder vom Osten noch vom Westen«Qur’án 24:35.
Q war, der über alle Völker der Erde den schützenden Schatten unermesslicher Gnade ausbreitete, zeigte in Seinem Umgang mit jedem Menschen unendliche Güte und Nachsicht. Moses und Aaron erhielten mit denselben Worten den Befehl, Pharao, den Herrn der Pfähle›Dhu’l-Awtád‹ wird von Qur’án-Übersetzern verschieden wiedergegeben als der Durchbohrende, der Erfindungsreiche hinter den Pfählen, der Herr einer starken Herrschaft, der von Ministern Umgebene usw. ›Awtád‹ heißt Pfähle oder Zeltstangen. Vgl. Qur’án 38:12 und 89:10.A, zu überzeugen: »Sprecht zu ihm mit sanfter Rede!«Qur’án 20:44.
Q99Obwohl das vornehme Verhalten der Propheten und Heiligen Gottes weit bekannt und in der Tat bis zum Kommen der Stunde Qur’án 33:63: »Die Menschen werden dich nach der ›Stunde‹ befragen. Sprich: ›Das Wissen von ihr ist allein bei Gott‹.« Vgl. auch Qur’án 22:1, »das Erdbeben der Stunde«, usw., ferner Mt. 24:36, 24:42 usw. Für die Bahá’í bezieht sich dies auf das Kommen des Báb und Bahá’u’lláhs.A in jeder Lebenslage ein ausgezeichnetes Vorbild ist, dem die ganze Menschheit folgen sollte, haben doch einige Menschen in ihrer Achtlosigkeit versäumt, diese Werte - nämlich außergewöhnliches Mitgefühl und liebende Güte- sich anzueignen, so dass sie dadurch gehindert wurden, zu den inneren Bedeutungen der Heiligen Bücher vorzudringen. Sie meiden nicht nur ängstlich die Anhänger anderer Religionen, sondern gestatten sich nicht einmal, jenen die allgemein übliche Höflichkeit zu erweisen. Wenn es jemandem nicht erlaubt ist, mit einem anderen zu verkehren, wie kann er diesen je aus der dunklen, leeren Nacht des Leugnens und des »Es gibt keinen Gott«
heraus in den strahlenden Morgen des Glaubens und der Bestätigung »außer Gott«
Vgl. das islámische Glaubensbekenntnis, das manchmal ›die zwei Zeugnisse‹ genannt wird: »Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt und dass Muḥammad der Prophet Gottes ist« [vgl. Qur’án 4:8, 9:31, 13:30, etc. – Anm. d. Hrsg].A führen? Und wie kann man ihn anspornen und dazu ermutigen, sich aus dem Abgrund des Verderbens und der Unwissenheit herauszuarbeiten und die Höhen des Heils und der Erkenntnis zu erklimmen? Erwäget gerecht: Hätte Ḥanzalá Nu‘mán nicht mit wahrer Freundschaft behandelt, hätte er ihm nicht Güte und Gastfreundschaft erwiesen, wie hätte er dann diesen König und eine große Schar anderer Götzendiener dazu bringen können, die Einheit Gottes anzuerkennen? Sich von den Menschen fernzuhalten, sie zu meiden, unfreundlich zu ihnen zu sein, das alles schreckt sie ab, während Zuneigung und Rücksicht, Milde und Nachsicht ihre Herzen zu Gott hinzieht. Wollte ein wahrer Gläubiger beim Anblick eines Menschen aus fremdem Land Abscheu ausdrücken, wollte er die schrecklichen Worte äußern, die den Umgang mit Fremden verbieten und sie als »unrein« bezeichnen, so wäre der Fremde gekränkt und so sehr verletzt, dass er niemals den Glauben annehmen würde, selbst wenn er sähe, wie vor seinen eigenen Augen ein Wunder geschähe und der Mond sich spaltete. Ihn zu meiden hätte zur Folge, dass er die geringste Neigung zu Gott in seinem Herzen wieder bereuen und vom Meer des Glaubens hinweg in die Wüste des Vergessens und des Unglaubens fliehen würde. Und in sein Vaterland zurückgekehrt, würde er in der Presse entsprechende Erklärungen abgeben, dass es der und der Nation völlig an Eigenschaften eines zivilisierten Volkes fehle.100Wenn wir über die Verse und Beweise des Qur’án und die überlieferten Berichte, die von diesen Sternen am Himmel göttlicher Einheit, den heiligen Imámen, zu uns gelangt sind, ein wenig nachdenken, werden wir von der Tatsache überzeugt sein, dass eine Seele, wenn sie mit den Eigenschaften wahren Glaubens ausgestattet und mit geistigen Tugenden ausgezeichnet ist, zu einem Wahrzeichen der unermesslichen Gnadengaben Gottes für die ganze Menschheit wird. Denn die Eigenschaften der Gläubigen sind Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit; Nachsicht, Mitleid und Großzügigkeit; Rücksichtnahme auf andere; Offenheit, Zuverlässigkeit und Treue; Liebe und Güte; Ergebenheit, Entschlossenheit und Menschlichkeit. Wenn demnach ein Mensch wahrhaft rechtschaffen ist, wird er sich aller Mittel bedienen, die die Menschenherzen anziehen; er wird sie durch die Eigenschaften Gottes zum geraden Pfad des Glaubens hinführen und sie dazu bewegen, aus dem Strom ewigen Lebens zu trinken. 101Heutzutage haben wir vor jedem rechtschaffenen Tun unsere Augen verschlossen; das dauerhafte Glück der Gesellschaft haben wir unserem eigenen, vergänglichen Profit geopfert. Wir meinen, Fanatismus und blinder Eifer gereichen uns zu Nutz und Ehr, und nicht damit zufrieden, verleumden wir uns gegenseitig und planen den Ruin des anderen. Wann immer wir Weisheit und Gelehrsamkeit, Tugend und Frömmigkeit zur Schau stellen wollen, beginnen wir damit, dass wir diesen oder jenen verspotten und verunglimpfen. »So einer«, sagen wir, »hat Vorstellungen, die weit von der Wirklichkeit abweichen und das Verhalten von dem-und-dem lässt gleichfalls viel zu wünschen übrig. Zayd kommt nur selten den religiösen Bräuchen nach, und ‘Amr ist nicht fest im Glauben. Die Ansichten von diesem und jenem schmecken nach Europa. Im Grunde denkt Weiß an nichts als an den eigenen Rang und Namen. Gestern Abend, als sich die Versammlung zum Gebet erhob, war die Reihe nicht richtig ausgerichtet, und es ist nicht erlaubt, einem anderen Führer zu folgen. In diesem Monat ist noch kein Reicher gestorben, noch nichts ist im Gedenken an den Propheten für wohltätige Zwecke gespendet worden. Das Haus der Religion ist zerfallen, die Grundlagen der Bekenntnisse sind in alle Winde zerstreut. Der Teppich des Glaubens ist zusammengerollt, die Zeichen der Gewissheit sind ausgelöscht; die ganze Welt ist in Irrtum verfallen; wenn es darauf ankommt, der Gewaltherrschaft zu widerstehen, sind alle sanftmütig und nachlässig. Tage und Monde sind vergangen, und diese Dörfer und Landgüter gehören immer noch denselben Eigentümern wie letztes Jahr. In unserer kleinen Stadt gab es früher siebzig verschiedene Behörden, die gut und ordentlich arbeiteten, aber ihre Zahl hat ständig abgenommen; jetzt sind zum Andenken nur noch fünfundzwanzig übrig. Früher ließ derselbe Muftí jeden Tag zweihundert gegenteilige Urteile ergehen, heute bekommen wir kaum fünfzig. Damals waren Massen von Leuten verrückt nach Prozessen; jetzt halten sie alle Frieden. Damals unterlag am einen Tag der Kläger, und der Beklagte trug den Sieg davon; tags darauf gewann der Kläger den Prozess und der Beklagte verlor ihn – aber jetzt ist auch diese vorzügliche Praxis aufgegeben worden. Was für eine heidnische Religion ist das, was für ein götzendienerischer Irrtum! Wehe um das Gesetz, wehe um den Glauben, wehe um all dieses Unheil! O ihr Brüder im Glauben! Dies ist fürwahr das Ende der Welt! Das Jüngste Gericht ist im Kommen!«102Mit solchen Worten bestürmen sie die Gemüter der hilflosen Massen und bringen die Herzen der ohnehin verwirrten Armen durcheinander, die den wahren Sachverhalt und die tatsächliche Grundlage des ganzen Geredes nicht kennen und nicht wissen, dass tausend eigensüchtige Zwecke hinter der vermeintlich gläubigen Beredsamkeit gewisser Individuen verborgen liegen. Die Armen glauben, Redner dieser Art seien von tugendhaftem Eifer getrieben. In Wahrheit erheben solche Leute ein großes Zetergeschrei, weil sie in der Wohlfahrt der Massen ihren persönlichen Ruin sehen und wähnen, ihr eigenes Licht ginge aus, wenn dem Volk die Augen geöffnet würden. Nur besonderer Scharfsinn wird dessen gewahr, dass der Duft der Herzen dieser Menschen, wenn sie wirklich von Rechtschaffenheit und Gottesfurcht angetrieben wären, dem Moschus gleich sich überallhin verbreiten würde. Nichts in der Welt lässt sich jemals allein durch Worte bestätigen.103»Doch diese Unglücksvögel taten Böses nur
und lernten singen, wie der weiße Falke singt.
Was bleibt vom Botenlied des Wiedehopfs aus Ṣabá,
wenn selbst im Rohr die Dommel seine Töne schlägt?«vgl, Qur’án 27:20 ff.A104Die geistig Gebildeten, jene, die unendliche Bedeutung und Weisheit aus dem Buch Göttlicher Offenbarung herleiten und deren erleuchtete Herzen aus der unsichtbaren Welt Gottes Eingebung empfangen, geben sich gewisslich alle Mühe, um die Überlegenheit der wahren Anhänger Gottes in jeder Hinsicht und über alle Völker herbeizuführen; sie mühen sich und kämpfen dafür, dass all die Mittel eingesetzt werden, die Fortschritt bewirken. Wenn jemand diese hohen Ziele vernachlässigt, kann er sich niemals vor dem Antlitz Gottes als annehmbar erweisen: Er sticht hervor durch alle seine Fehler und beansprucht dennoch Vollkommenheit; armselig steht er da und täuscht Reichtum vor.105»Ein blinder Faulpelz ist ein armer Mann,
›Ein Klumpen Fleisch, kein Fuß noch Flügel dran‹.
Wie fern ist er, der Affenpossen reißt,
von dem Erleuchteten, der wirklich weiß!
Der eine Echo nur, und seiʼs auch klar und scharf,
der andere David gleich, Psalmist mit seiner Harfʼ.«106Erkenntnis, Reinheit, Hingabe, Disziplin und Unabhängigkeit haben mit äußerer Erscheinung und Kleidung nichts zu tun. Im Verlauf meiner Reisen hörte ich eine bekannte Persönlichkeit die folgende bedeutsame Bemerkung machen, an deren Witz und Anmut ich mich noch erinnere: »Nicht jeder Túrbán eines Mullás ist Beweis für Keuschheit und Erkenntnis; nicht jeder Hut eines Laien ist ein Zeichen für Unwissenheit und Unmoral. So mancher Hut hat schon stolz das Banner der Erkenntnis gehisst, und so mancher Túrbán hat das Gesetz Gottes in den Staub gezerrt!«107Die dritte Forderung des heiligen Textes, den wir hier besprechen, ist, »seinen Leidenschaften zu widerstehen«. Wie wunderbar sind die Folgerungen, die sich aus diesem scheinbar einfachen, doch umfassenden Satz ergeben. Er enthält die wirkliche Grundlage jeder lobenswerten menschlichen Tugend; in der Tat verkörpern diese wenigen Worte das Licht der Welt, den unumstößlichen Grundstein aller geistigen Eigenschaften des Menschen. Er ist die Unruh im Uhrwerk guten Betragens, das Mittel, alle edlen Eigenschaften eines Menschen im Gleichgewicht zu halten.108Leidenschaft ist eine Flamme, die schon unzählige Male die Ernte des Lebens vieler Gebildeter zu Asche hat werden lassen, ein allverzehrendes Feuer, das selbst das Meer ihres angesammelten Wissens nicht löschen konnte. Wie oft ist es schon geschehen, dass jemand mit allen menschlichen Eigenschaften gesegnet und mit dem Kleinod wahren Verstehens geschmückt war, aber dennoch seinen Leidenschaften nachging, bis seine außergewöhnlichen Eigenschaften die Grenzen der Mäßigung überschritten und er sich zu Ausschweifungen hinreißen ließ. Seine guten Absichten wandelten sich zum Bösen, seine Anlagen waren nicht länger auf Ziele gerichtet, die ihrer wert waren, und die Macht seiner Begierden lenkte ihn von der Rechtschaffenheit und ihrem Lohn ab und führte ihn auf gefährliche und dunkle Wege. In den Augen Gottes, Seiner Erwählten und aller Einsichtsvollen ist ein guter Charakter das Erhabenste und Lobenswerteste, was es gibt, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass im Mittelpunkt seiner Entwicklung Vernunft und Erkenntnis stehen und dass er auf wahrer Mäßigung beruht. Wollten wir die Zusammenhänge dieses Themas hier so vertiefen, wie sie es verdienen, würde diese Schrift zu lang werden, und wir würden unser Hauptthema aus den Augen verlieren.109Trotz ihrer vielgepriesenen Zivilisation sind alle Völker Europas versunken und ertrunken in diesem furchtbaren Meer der Leidenschaft und Begierde, und daher führen alle Erscheinungen ihrer Kultur zu nichts. Niemand sollte über diese Feststellung erstaunt sein oder sie beklagen. Der Hauptzweck und das grundlegende Ziel, warum machtvolle Gesetze verabschiedet, hohe Grundsätze aufgestellt und Einrichtungen geschaffen werden, die sich mit allen Bereichen der Zivilisation befassen, ist das Glück der Menschen. Dieses Glück der Menschen besteht ausschließlich darin, der Schwelle Gottes, des Allmächtigen, näher zu kommen und den Frieden und die Wohlfahrt jedes einzelnen Angehörigen des Menschengeschlechts, sei er hoch oder niedrig, zu sichern; und die besten Mittel, dieses zweifache Ziel zu erreichen, sind hervorragende, der Menschheit verliehene Tugenden.110Eine oberflächliche Zivilisation, die nicht von kultivierter Sittlichkeit getragen wird, ist »ein verworrener Mischmasch von Träumen«Qur’án 12:44, 21:5.
Q, und äußerlicher Glanz ohne inwendige Vollkommenheit ist »wie ein Dunst in der Wüste, den der Dürstende für Wasser hält«Qur’án 24:39.
Q. Denn eine rein äußerliche Zivilisation kann niemals dazu führen, das Wohlgefallen Gottes zu finden und Frieden und Wohlfahrt der Menschen zu gewährleisten.111Die Völker Europas haben sich noch nicht zu den höheren Stufen sittlicher Kultur erhoben, wie ihre Ansichten und ihr Verhalten klar beweisen. Seht zum Beispiel, wie es das oberste Ziel der europäischen Regierungen und ihrer Völker heutzutage ist, sich gegenseitig zu besiegen und zu vernichten, und wie sie, obwohl sie sich insgeheim zutiefst ablehnen, doch ihre Zeit damit verbringen, Bekundungen nachbarlicher Zuneigung, Freundschaft und Harmonie auszutauschen.112Bekannt ist der Fall eines Herrschers, der Frieden und Ruhe fördert und gleichzeitig mehr Kraft als die Kriegshetzer darauf verwendet, Waffen anzuhäufen und eine noch größere Armee aufzustellen mit der Begründung, dass Frieden und Eintracht nur mit Gewalt herbeigeführt werden könnten. Unter dem Vorwand des Friedens bieten alle Tag und Nacht ihre Kräfte auf, um noch mehr Kriegsgerät zusammenzutragen, und ihr unglückliches Volk muss den größten Teil dessen, was es unter Mühe und Schweiß verdient, aufbringen, um für diese Rüstung zu bezahlen. Tausende haben ihre Arbeit in nutzbringenden Gewerben aufgegeben und mühen sich Tag und Nacht, neue, immer tödlichere Waffen herzustellen, mit denen das Blut des Menschengeschlechts noch reichlicher als zuvor vergossen werden kann.113Jeden Tag erfindet man neue Bomben und Sprengstoffe, und dann sind die Regierungen gezwungen, ihre veralteten Waffen wegzuwerfen und anzufangen, neue herzustellen, weil sich die alten gegen die neuen Waffen nicht behaupten können. So wurden zum Beispiel im Jahr 1292 A.H.1875 A.D.A, als diese Schrift verfasst wurde, in Deutschland ein neues Gewehr und in Österreich eine neue Kanone entwickelt, die größere Feuerkraft als das Martini-Henry-Gewehr und die Krupp-Kanone haben, schneller in ihrer Wirkung und effizienter in der Vernichtung der Menschheit sind. Und die überwältigenden Kosten all dessen müssen die unglücklichen Massen tragen.114Urteilt gerecht: Kann diese sogenannte Zivilisation den Frieden und die Wohlfahrt des Volkes herbeiführen oder das Wohlgefallen Gottes finden, solange sie nicht von einer wahren Zivilisation des Charakters getragen wird? Impliziert sie nicht eher, das Erbe des Menschen zu zerstören und die Pfeiler des Glücks und des Friedens niederzureißen?115Während des französisch-preußischen Krieges im Jahr 1870 christlicher Zeitrechnung starben den Berichten zufolge sechshunderttausend verletzte und erschlagene Männer auf dem Schlachtfeld. Wie viele Wohnstätten wurden bis auf die Grundmauern zerstört, wie viele Städte, die nachts zuvor noch blühten, waren bei Sonnenaufgang Trümmerhaufen? Wie viele Kinder blieben verwaist und verlassen zurück, wie viele alte Väter und Mütter mussten mitansehen, wie ihre Söhne, die jugendfrischen Früchte ihres Lebens, in Staub und Blut sich windend starben? Wie viele Frauen wurden Witwen ohne Helfer und Beschützer?116Hinzu kommen noch die Bibliotheken und Kunstdenkmäler Frankreichs, die in Flammen aufgingen, die Militärkrankenhäuser voller Kranker und Verwundeter, die in Brand gesteckt und bis auf den Boden niedergebrannt wurden. Es folgten die furchtbaren Ereignisse der Kommune, die grausamen Handlungen, die Zerstörung und der Schrecken, als sich gegnerische Parteien in den Straßen von Paris bekämpften und töteten. Hassausbrüche und Feindseligkeiten zwischen den katholischen Religionsführern und der deutschen Regierung sowie Bürgerkrieg und Aufruhr, Blutvergießen und Verwüstung zwischen den Anhängern der Republik und den KarlistenKönigstreue – Anm. des Hrsg.A in Spanien.117Nur zu viele solcher Beweise stehen zur Verfügung, um zu unterstreichen, dass Europa moralisch unzivilisiert ist. Da der Verfasser nicht den Wunsch hegt, irgendjemanden zu verunglimpfen, beschränkt er sich auf diese wenigen Beispiele. Es versteht sich, dass kein scharfsinniger und wohl gebildeter Verstand solche Vorkommnisse gutheißen kann. Ist es recht und billig, dass Völker, unter denen derart schreckliche, den Maßstäben menschlichen Wohlverhaltens genau entgegengesetzte Ereignisse ablaufen, es wagen dürfen, Anspruch auf eine echte und angemessene Kultur zu erheben? Noch dazu, wenn aus alledem kein anderes Ergebnis als ein vorübergehender Sieg erwartet werden kann? Da ein solches Ergebnis niemals von Dauer ist, ist es in den Augen der Weisen nicht der Mühe wert.118Im Verlauf vergangener Jahrhunderte hat der deutsche Staat immer wieder die Franzosen besiegt, immer wieder hat das französische Königreich deutsches Land beherrscht. Darf man zulassen, dass in unseren Tagen sechshunderttausend hilflose Geschöpfe solch äußerlichem, zeitlich begrenzten Nutzen und Erfolg geopfert werden? Nein, bei Gott dem Herrn! Selbst ein Kind kann erkennen, wie schlecht das alles ist. Doch geht der Mensch seinen Leidenschaften und Begierden nach, so werden seine Augen in tausend Schleier gehüllt, die aus den Herzen aufsteigen und das äußere wie das innere Wahrnehmungsvermögen blind machen.119»Voll Gier drängt das Selbst zur Tür herein
und löscht der Tugend strahlenden Schein.
Aufsteigen vom Herzen hundert Schleier;
das Auge wird blind, lässt nichts mehr ein.«Rúmí, Mathnaví, I:334.Q120Wahre Kultur wird ihr Banner mitten im Herzen der Welt entfalten, sobald eine gewisse Zahl ihrer vorzüglichen, hochgesinnten Herrscher – leuchtende Vorbilder der Ergebenheit und Entschiedenheit – mit festem Entschluss und klarem Blick daran geht, den Weltfrieden zu stiften. Sie müssen die Friedensfrage zum Gegenstand allgemeiner Beratung machen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln versuchen, einen Weltvölkerbund zu schaffen. Sie müssen einen verbindlichen Vertrag und einen Bund schließen, dessen Verfügungen vernünftig, unverletzlich und bestimmt sind. Diesen Vertrag müssen sie der ganzen Welt bekannt geben und die Bestätigung des gesamten Menschengeschlechts für ihn erlangen. Ein derart erhabenes und edles Unternehmen – der wahre Quell des Friedens und Wohlergehens für die ganze Welt -– sollte allen, die auf Erden wohnen, heilig sein. Alle Kräfte der Menschheit müssen frei gemacht werden, um die Dauer und Beständigkeit dieses größten aller Bündnisse zu sichern. In diesem allumfassenden Vertrag sollten die Grenzen jedes einzelnen Landes deutlich festgelegt, die Grundsätze, die den Beziehungen der Regierungen untereinander zugrunde liegen, klar verzeichnet und alle internationalen Vereinbarungen und Verpflichtungen bekräftigt werden. In gleicher Weise sollte der Umfang der Rüstungen für jede Regierung genauestens umgrenzt werden, denn wenn die Zunahme der Kriegsvorbereitungen und Truppenstärken in irgendeinem Land gestattet wäre, so würde dadurch das Misstrauen anderer geweckt. Die Hauptgrundlage dieses feierlichen Vertrages sollte so verankert werden, dass bei einer späteren Verletzung irgendeiner Bestimmung durch irgendeine Regierung sich alle Regierungen der Erde erheben, um jene wieder zu voller Unterwerfung unter den Vertrag zu bringen, nein, die Menschheit als Ganzes sollte sich entschließen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jene Regierung zu vernichten. Wird dieses größte aller Heilmittel auf den kranken Körper der Welt angewandt, so wird er sich gewiss wieder von seinen Leiden erholen und dauernd bewahrt und heil bleiben.Die Absätze 120 und 122 wurden von Shoghi Effendi übersetzt und in Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 3:20–21 veröffentlicht.A121Wenn solche erfreulichen Zustände einträten, müsste keine Regierung mehr ständig Waffen speichern oder sich gezwungen sehen, immer neues Kriegsgerät herzustellen, um damit die Menschheit zu unterwerfen. Eine kleine Streitmacht für die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit, die Verfolgung krimineller und die Ordnung gefährdender Elemente und die Verhütung örtlicher Unruhen würde genügen – nichts weiter. Vor allem wäre auf diese Weise die ganze Weltbevölkerung von der drückenden Last der Rüstungsausgaben befreit; außerdem brauchten zahllose Menschen nicht länger ihre Zeit darauf zu verschwenden, ständig neue Vernichtungswaffen zu ersinnen, diese Zeugen von Habsucht und Blutrünstigkeit, so unvereinbar mit dem Geschenk des Lebens. Stattdessen könnten sie ihren Eifer auf die Entwicklung von dem, was das menschliche Leben erleichtert, Frieden und Wohlstand fördert, richten und so zu weltweitem Fortschritt und Wohlstand beitragen. Jede Nation auf Erden würde dann zu seinen Ehren regieren, und jedes Volk fühlte sich in Ruhe und Zufriedenheit geborgen.122Einzelne, welche die im menschlichen Streben ruhende Kraft nicht kennen, halten diesen Gedanken für völlig undurchführbar, ja für jenseits dessen, was selbst die äußersten Anstrengungen des Menschen je erreichen können; doch ist dies nicht der Fall. Im Gegenteil kann dank der unerschöpflichen Gnade Gottes, der Herzensgüte Seiner Begünstigten, den beispiellosen Bemühungen weiser und fähiger Seelen und den Gedanken der unvergleichlichen Führer dieses Zeitalters nichts, was es auch sei, als unerreichbar angesehen werden. Eifer, unermüdlicher Eifer ist nötig. Nur unbezähmbare Entschlusskraft kann das Werk vollbringen. Manches hat man in vergangenen Zeiten als reines Hirngespinst betrachtet; heute ist es leicht durchführbar geworden. Warum sollte diese wichtigste und erhabenste Sache – das Tagesgestirn am Himmelszelt wahrer Kultur und die Ursache des Ruhmes, des Fortschritts, des Wohlergehens und Erfolges der ganzen Menschheit – unmöglich sein? Der Tag wird sicher kommen, an dem ihr klares Licht Erleuchtung über die gesamte Menschheit gießen wird.
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