‘Abdu’l-Bahá | Sendbriefe an die Zentralorganisation für einen dauernden Frieden
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Eine Lehre Bahá’u’lláhs ist ferner die Wesensgleichheit von Frauen und Männern. Die Menschenwelt hat zwei Flügel: Den einen bilden die Frauen, den anderen die Männer. Erst wenn beide Flügel gleichmäßig entwickelt sind, kann der Vogel fliegen. Bleibt ein Flügel schwächlich, so ist kein Flug möglich. Erst wenn die Frauenwelt der Männerwelt im Erwerb von Tugenden und Vollkommenheiten gleichkommt, sind Erfolg und Gedeihen so erreichbar, wie es sein soll.
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Eine weitere Lehre Bahá’u’lláhs ist das freiwillige Teilen des Eigentums mit anderen unter der ganzen Menschheit. Dieses freiwillige Teilen übertrifft die Wesensgleichheit; es bedeutet, dass der Mensch sich selbst nicht anderen vorziehen, vielmehr sein Leben und sein Eigentum für andere opfern soll. Dies soll aber nicht zwangsweise eingeführt und ein Gesetz werden, das der Mensch gezwungenermaßen befolgen muss. Im Gegenteil soll der Mensch aus freiem Antrieb, auf selbstgewähltem Opfergang, Eigentum und Leben für andere hingeben und willig den Armen spenden, wie es in Persien unter den Bahá’í geschieht.
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Eine weitere Lehre Bahá’u’lláhs ist des Menschen Freiheit: Durch die geistige Macht soll er frei werden und sich der Verhaftung in der natürlichen Welt entledigen. Denn solange der Mensch in der Natur gefangen liegt, ist er ein Raubtier, da der Kampf ums Dasein zu den Bedürfnissen der Naturwelt gehört. Dieser Kampf ums Dasein ist der Ursprung allen Elends und die höchste Not.
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Eine weitere Lehre Bahá’u’lláhs besagt, dass die Religion ein mächtiges Bollwerk ist. Wenn das Gebäude der Religion erzittert und schwankt, folgen Aufruhr und Chaos, und die Ordnung der Dinge wird völlig umgestürzt; denn in der Menschenwelt gibt es zwei Wächter, die den Menschen vor dem Unrechttun bewahren: Der eine ist das Gesetz, das den Verbrecher bestraft; aber das Gesetz verhindert nur das offenkundige Verbrechen, nicht jedoch die geheime Sünde. Hingegen verhütet der ideale Wächter, die Religion Gottes, sowohl das offenkundige wie das geheime Verbrechen. Er erzieht den Menschen, entwickelt Sittlichkeit, nötigt zur Tugend und ist die allumfassende Macht, die für das Glück der Menschenwelt die Gewähr bietet. Unter Religion aber ist das zu verstehen, was durch Forschen nach Wahrheit gesichert ist, nicht was lediglich auf Nachahmung beruht – also die Grundlagen der göttlichen Religionen, nicht menschliche Nachahmungen.
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Zu den Lehren Bahá’u’lláhs gehört ferner, dass die materielle Zivilisation zwar ein Mittel zum Fortschritt der Menschenwelt ist, dass jedoch der gewünschte Erfolg – das Glück der Menschheit – erst dann zu erreichen ist, wenn die materielle Zivilisation mit der göttlichen Kultur vereinigt wird. Bedenkt! Diese Schlachtschiffe, welche eine Stadt innerhalb einer Stunde in ein Trümmerfeld verwandeln, sind das Ergebnis der materiellen Zivilisation; ebenso die Kruppkanonen, die Mausergewehre, das Dynamit, die Unterseeboote, die Torpedoboote, die Jagdflieger und Bomber. Alle diese Kriegswerkzeuge sind die bösen Früchte der materiellen Zivilisation. Wäre die materielle Zivilisation mit der göttlichen Kultur verbunden worden, so hätte man diese fürchterlichen Waffen niemals erfunden. Im Gegenteil, die menschliche Tatkraft hätte sich ganz und gar nützlichen Erfindungen zugewandt und auf rühmliche Entdeckungen konzentriert. Die materielle Zivilisation ist wie das Glas um die Lampe, die göttliche Kultur ist die Lampe selbst. Das Glas ohne Licht ist dunkel. Die materielle Zivilisation ist wie der Leib. Sei er auch noch so anmutig, elegant und schön, so ist er dennoch tot. Die göttliche Kultur ist wie der Geist; der Leib erhält sein Leben durch den Geist, sonst ist er ein Leichnam. So ist es klar, dass die Menschenwelt den Odem des Heiligen Geistes braucht. Ohne den Geist ist die Menschenwelt leblos; ohne dieses Licht verbleibt die Menschenwelt in tiefster Finsternis. Denn die Naturwelt ist eine tierische Welt. Ehe der Mensch wiedergeboren wird aus der Welt der Natur, das heißt, ehe er sich von der Naturwelt loslöst, ist er seinem Wesen nach ein Tier, und es sind die Lehren Gottes, die dieses Tier in eine menschliche Seele umwandeln.
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Eine weitere Lehre Bahá’u’lláhs ist die Förderung der Erziehung. Jedes Kind muss im erforderlichen Umfang in den Wissenschaften unterrichtet werden. Können die Eltern die Kosten dieser Erziehung tragen, so ist es gut; andernfalls muss die Gemeinde die Mittel für den Unterricht des Kindes aufbringen.
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Eine weitere Lehre Bahá’u’lláhs handelt von Recht und Gerechtigkeit. Ehe nicht Recht und Gerechtigkeit auf der Ebene des Daseins verwirklicht sind, werden alle Dinge in Unordnung sein und unvollkommen bleiben. Die Menschenwelt ist dann eine Welt der Unterdrückung und der Grausamkeit, ein Reich der Angriffslust und des Irrtums.
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Kurz, es gibt viele derartige Lehren. Diese mannigfaltigen Prinzipien – die mächtigste Grundlage für der Menschen Glück, eine Gnadengabe des Barmherzigen – müssen die Sache des Weltfriedens ergänzen und damit verbunden werden, so dass Erfolge eintreten. Auf andere Art, für sich allein, ist der Weltfrieden in der Menschenwelt nur schwer zu verwirklichen. So wie Bahá’u’lláhs Lehren mit dem Weltfrieden verknüpft sind, gleichen sie einer Tafel mit frischen, köstlichen Speisen aller Art. An dieser Tafel unermesslicher Gaben kann jede Seele finden, was sie ersehnt. Bleibt aber die Frage allein auf den Weltfrieden beschränkt, so sind die herausragenden Erfolge, die man erwartet und erhofft, nicht zu erzielen. Die Perspektive des Weltfriedens muss so sein, dass alle Gemeinschaften und Religionen ihre höchste Sehnsucht darin verwirklicht finden. Bahá’u’lláhs Lehren sind so beschaffen, dass alle Gemeinschaften der Welt, religiöse, politische oder ethische, althergebrachte oder neuzeitliche, den Ausdruck ihrer höchsten Wünsche darin finden.
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Zum Beispiel finden die Gläubigen der Religionen in Bahá’u’lláhs Lehren die Begründung der allumfassenden Religion, einer Religion, die vollkommen auf die gegenwärtigen Verhältnisse passt, echte, rasche Heilung der unheilbaren Krankheit schafft, alle Schmerzen stillt und das unfehlbare Gegenmittel für jedes tödliche Gift bietet. Denn wollten wir die Menschenwelt nach den derzeit herrschenden religiösen Nachahmungen einrichten und organisieren, wollten wir darauf der Menschheit Glück aufbauen, so wäre dies unmöglich und undurchführbar. Zum Beispiel wäre es unmöglich, die Gesetze der Thora und der anderen Religionen so durchzuführen, wie es heutiger Nachahmung entspricht. Den Wesensgrund aller göttlichen Religionen aber, der auf die Tugenden der Menschenwelt gerichtet ist und ihrer Wohlfahrt zugrunde liegt, findet man in den Lehren Bahá’u’lláhs in der vollkommensten Darstellung.
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Ähnlich steht es um die Menschen, die nach Freiheit schreien. Die gemäßigte Freiheit, welche die Gewähr für die Wohlfahrt der Menschheit bietet und allumfassende Beziehungen aufrechterhält, findet ihre kraftvolle Ausprägung in den Lehren Bahá’u’lláhs.
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So ist es auch bei den politischen Parteien: Die höchste Staatskunst, die Menschenwelt zu lenken, ja die Göttliche Politik findet sich in den Lehren Bahá’u’lláhs.
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Desgleichen die Partei der ›Gleichheit‹, welche die Wirtschaftsprobleme zu lösen sucht: Bis heute haben sich alle vorgeschlagenen Lösungen als undurchführbar erwiesen, außer den wirtschaftlichen Vorschlägen in den Lehren Bahá’u’lláhs, die durchführbar sind und der Gesellschaft nicht schaden.
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Und so ist es auch mit anderen Interessengruppen. Wenn ihr euch in die Sache vertieft, werdet ihr die höchsten Ziele dieser Parteien in Bahá’u’lláhs Lehren finden. Diese Lehren bilden die allumschließende Macht unter den Menschen und sind durchführbar. Es gibt aber manche Lehren aus der Vergangenheit wie die aus der Thora, die heute nicht mehr anwendbar sind. Das gleiche gilt von den anderen Religionen sowie den Lehrsätzen der verschiedenen Sekten und Parteien.
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Zum Beispiel sagte Bahá’u’lláh über den Weltfrieden, dass der Höchste Gerichtshof begründet werden muss. Obgleich der Völkerbund geschaffen worden ist, ist er doch unfähig, den Weltfrieden zu errichten. Der Höchste Gerichtshof aber, den Bahá’u’lláh beschrieben hat, wird diese heilige Aufgabe mit größter Macht und Kraft erfüllen. Sein Plan geht dahin, dass die Nationalversammlungen jedes Landes und jeder Nation, das heißt, die Parlamente, zwei oder drei Personen auswählen, die Edelsten ihres Volkes, Kenner des internationalen Rechts sowie der Beziehungen zwischen den Regierungen, dazuhin vertraut mit den wesentlichen Bedürfnissen der heutigen Menschheit. Die Zahl dieser Abgeordneten sollte im Verhältnis zu der Bevölkerungszahl des Landes stehen. Die Wahl dieser Seelen durch die Nationalversammlung, das heißt, durch das Parlament, ist vom Oberhaus, vom Kongress, vom Kabinett und ebenso vom Präsidenten oder Monarchen zu bestätigen, damit diese Persönlichkeiten die Gewählten des ganzen Volkes und der Regierung sind. Aus diesem Personenkreis sind die Mitglieder des Höchsten Gerichtshofes zu wählen. Die ganze Menschheit hat somit Anteil daran; denn jeder Abgeordnete vertritt die ganze Nation. Wenn der Höchste Gerichtshof zu einer internationalen Frage ein Urteil fällt, entweder einmütig oder durch Mehrheitsbeschluss, so gibt es keinen Einwand mehr für den Kläger und keine Ausflucht für den Beklagten. Falls eine Regierung oder Nation die unwiderlegliche Entscheidung des Höchsten Gerichtshofs missachtet oder die Ausführung verschleppt, werden die übrigen Nationen dagegen auftreten; denn alle Regierungen und Nationen der Welt sind die Stützen dieses Höchsten Gerichtshofs. Überlegt, wie fest diese Grundlage ist! Ein beschränkter, eingeengter Bund jedoch erfüllt den Zweck nicht angemessen. Dies ist die Wahrheit über die erwähnte Lage.Bis hier wurde der [deutsche] Text entnommen aus ‘Abdu’l-Bahá, in: Briefe und Botschaften, Bahá’í Verlag 1998, Kap. 227. [Der folgende deutsche Text wurde entnommen aus ‘Abdu’l-Bahá, Der Weltfriedensvertrag – Ein Brief an die Zentralorganisation fiir einen dauernden Frieden, Bahá’í Verlag 1988 – Anm. d. Hrsg.].Q
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Bedenkt, wie machtvoll Bahá’u’lláhs Lehren sind! Als Bahá’u’lláh im Gefängnis von ‘Akká war und unter den Beschränkungen und Drohungen zweier blutdürstiger Könige stand, verbreiteten sich Seine Lehren dennoch mit aller Macht im Írán und in anderen Ländern. Wird sonst eine Lehre, ein Prinzip oder eine Gemeinschaft von einem mächtigen, blutdürstigen Monarchen bedroht, so wird sie in kürzester Zeit zunichte. Heute sind es fünfzig Jahre, dass die Bahá’í im Írán und in vielen anderen Gebieten weitreichenden Beschränkungen und der Bedrohung durch Schwert und Speer unterworfen sind. Tausende haben ihr Leben auf der Opferstätte hingegeben, Tausende sind als Märtyrer unter dem Schwert grausamer Unterdrückung gefallen. Tausende von angesehenen Familien wurden entwurzelt und zerstört. Tausende von Kindern wurden elternlos. Tausende von Vätern wurden ihrer Söhne beraubt. Tausende von Müttern weinten und klagten um ihre enthaupteten Kinder. Alle Unterdrückung und Grausamkeit, alle Raubgier und aller Blutdurst konnten die Ausbreitung der Lehren Bahá’u’lláhs nicht verhindern. Sie verbreiteten sich Tag für Tag; ihre Kraft und Macht wurden immer deutlicher.
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Es mag sein, daß irgendeine törichte Person unter den Personen ihren Namen dem Inhalt der Sendschreiben Bahá’u’lláhs anhängen wird oder auch den Erklärungen in den Briefen ‘Abdu’l-Bahás beifügt und sie an diesen geschätzten Gerichtshof sendet. Ihr müßt auf diese tatsache achten, denn irgendein Perser, der Ruhm sucht oder andere Absichten hegt, wird den vollen Inhalt der Sendschreiben Bahá’u’lláhs benützen und diesen unter seinem eigenen Namen oder im Namen seiner Gemeinschaft veröffentlichen, so wie es sich auf dem Universalen Rassenkongreß in London vor dem Krieg zugetragen hat. Ein Perser entnahm den Inhalt der Sendschreiben Bahá’u’lláhs, betrat den Kongreß, gab ihn mit seinem eigenen Namen kund und veröffentlichte ihn, während der Wortlaut genau von Bahá’u’lláh stammte. Einige dieser Leute fuhren nach Europa, brachten Verwirrung unter die Völker Europas und führten die Gedanken einiger Orientalisten in die Irre. Ihr müßt diese Tatsache wohl bedenken, denn nicht ein Wort dieser Lehren war in Persien vor dem Erscheinen Bahá’u’lláhs jemals gehört worden. Untersucht diese Angelegenheit, damit sie für euch erwiesen und offenbar werde! Es gibt Menschen, die wie Papageien sind; sie lernen das Neue, das sie hören, und sprechen es nach; sie sind sich aber dessen nicht bewußt, was sie reden. Es gibt gegenwärtig in Persien eine Sekte von einigen wenigen Menschen, die sich Bábí nennen. Sie behaupten, Nachfolger des Báb zu sein, obwohl sie sich über Seine Heiligkeit völlig im unklaren sind. Sie haben etliche Geheimlehren, die in vollem Widerspruch zu den Lehren Bahá’u’lláhs stehen, und in Persien wissen dies die Leute. Wenn diese Menschen aber nach Europa kommen, verheimlichen sie ihre eigenen Lehren und verkünden die von Bahá’u’lláh. Sie wissen, daß die Lehren Bahá’u’lláhs mächtig sind, und deshalb erklären sie auch öffentlich jene Lehren Bahá’u’lláhs als ihre eigenen. Was ihre Geheimlehren betrifft, so sagen sie, daß diese dem Bayán entnommen sind, aber das Buch Bayán hat der Báb verfaßt. Wenn ihr die Übersetzung des Bayán studiert, die in Persien angefertigt wurde, so werdet ihr die Wahrheit entdecken, daß die Lehren Bahá’u’lláhs völlig im Gegensatz zu den Lehren jener Sekte stehen. Hütet euch, diese Tatsache zu mißachten! Solltet ihr in dieser Sache weiter nachforschen wollen, so fragt danach in Persien selbst.
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Kurz, wenn man durch die ganze Welt reist und den Aufbau sieht, ist dies das Ergebnis von Freundschaft und Liebe, wogegen alles im Niedergang Begriffene die Wirkung von Feindschaft und Hass zeigt. Doch die Menschheit ist dessen noch nicht gewahr; sie ist noch nicht aus dem Schlafe der Achtlosigkeit erwacht. Schon wieder lässt sie sich auf Hader, Zank und Streit ein, um Fronten aufzubauen und auf Schlachtfelder zu ziehen.
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Nicht anders steht es mit dem Weltall und seiner Zerstörung, mit dem Sein und dem Nichtsein. Alles Stoffliche ist aus vielen verschiedenen Elementen gebildet; das Dasein jedes Dings ist das Ergebnis einer Zusammensetzung. Das heißt, wenn einfache Elemente zusammengesetzt werden, entsteht daraus etwas Neues. Die Schöpfung der Dinge geschieht auf diese Weise. Wenn diese Zusammensetzung gestört wird, folgt die Auflösung: Die Elemente zerfallen, dieses Sein wird vernichtet. Das heißt, jede Vernichtung beruht auf der Auflösung und Trennung der Elemente. Somit führt jede Zusammensetzung von Elementen zum Leben, jede Auflösung und Trennung zum Tod. Kurz, Anziehungskraft und Einklang der Dinge lassen Früchte und nützliche Ergebnisse entstehen, während Abstoßung und fehlende Harmonie zwischen den Dingen Verwirrung und Vernichtung bewirken. Alle lebendigen Geschöpfe, die Pflanze, das Tier und der Mensch, entstehen durch Einklang und Anziehung; durch Unvereinbarkeit und Abstoßung setzen Verfall und Vernichtung ein.
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Was unter den Menschen Einklang, Anziehung und Vereinigung verursacht, ist Leben für die Menschenwelt; was hingegen Gegensätze, Abstoßung und Trennung bewirkt, führt die Menschheit zum Tode.
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Geht ihr an einem Garten vorüber, darinnen Gemüsebeete und Pflanzen, Blumen und duftende Kräuter so stehen, dass sie ein harmonisches Ganzes bilden, so ist dies ein Beweis dafür, dass diese Anlage und dieser Rosengarten von einem vollkommenen Gärtner gepflegt und angeordnet sind. Seht ihr jedoch einen Garten in Unordnung, schlecht angelegt und wild wuchernd, dann zeigt dies, dass er der Sorgfalt eines geschickten Gärtners ermangelt und nur ein Haufen Unkraut ist.
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So wird verstehbar, dass Gemeinschaftsgeist und Harmonie auf die Ausbildung durch den wahren Erzieher hinweisen, Trennung und Vereinzelung hingegen auf Verwilderung und den Mangel an göttlicher Erziehung.
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Sollte jemand einwerfen, es sei unmöglich, eine ideale Einheit zu schaffen und eine völlige Einigung unter den Menschen zu verwirklichen, da die Gemeinschaften und Nationen, die Rassen und Völker dieser Welt in Förmlichkeiten und Gebräuchen, Geschmack und Temperament, Moral, Gedanken, Ansichten und Meinungen verschieden seien,
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so weisen wir darauf hin, dass diese Verschiedenheiten von zweierlei Art sind. Die eine führt zur Zerstörung; sie entspricht dem Streit zwischen kriegführenden Völkern und wetteifernden Nationen, die sich gegenseitig zerstören, Familien ausrotten, sich aller Ruhe und allen Wohlergehens berauben und in Blutvergießen und Rohheit versinken. Dies ist tadelnswert. Die andere Art von Verschiedenheit ist Mannigfaltigkeit. Sie ist reine Vollkommenheit und lässt göttliche Gnade erscheinen.
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Betrachtet die Blumen eines Gartens. Obgleich sie verschiedener Art, Farbe, Form und Erscheinung sind, trinken sie doch dasselbe Wasser, werden vom gleichen Windhauch berührt und wachsen durch die Wärme und das Licht derselben Sonne; diese Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit führen jedoch dazu, dass jede die Schönheit und Herrlichkeit der anderen steigert. Der Unterschied in den Sitten und Gebräuchen, Gewohnheiten und Gedanken, Ansichten und Temperamenten ist eine Zier für die Menschenwelt. Er ist lobenswert. So führen diese Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit wie die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit der Organe und Glieder des menschlichen Körpers zu Schönheit und Vollkommenheit. Da diese verschiedenen Teile und Glieder unter der Kontrolle des allbeherrschenden Geistes stehen, da der Geist alle Organe und Glieder durchdringt und über alle Arterien und Venen Gewalt hat, stärken Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit die Liebe und Harmonie, und diese Vielfalt ist die größte Hilfe für die Einheit.
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Wären in einem Garten die Blumen und duftenden Kräuter, die Blüten und Früchte, die Blätter, Zweige und Bäume alle von einer Art, einer Form, einer Farbe und einer Anordnung, so gäbe es keine Schönheit oder Lieblichkeit, wenn aber Mannigfaltigkeit herrscht, wird jedes zur Schönheit und Anmut der anderen beitragen, wird den Garten bewunderungswürdig machen und selbst lieblich, süß und frisch dastehen. So ist es auch in der Menschenwelt: Wenn ihre verschiedenen, mannigfaltigen Gedanken, Formen, Meinungen, Charakterzüge und Sitten unter die Kontrolle einer höchsten Macht, unter den Einfluss des einen wahren Gotteswortes geraten, dann zeigen und entfalten sie sich in vollkommenster Herrlichkeit, Schönheit und Erhabenheit. Heute kann allein die Macht des Wortes Gottes, das die Wirklichkeit aller Dinge umschließt, die Gedanken, Gemüter, Herzen und Geister im Schatten des einen Baumes versammeln. Er ist der Mächtige in allen Dingen, der Beleber der Seelen, der Erhalter und Beherrscher der Menschenwelt.
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Gelobt sei Gott! An diesem Tag leuchtet das Licht des Wortes Gottes über alle Lande. Aus allen Sekten, Gemeinschaften, Nationen, Stämmen, Völkern, Religionen und Bekenntnissen haben sich Menschen im Schatten des Wortes der Einheit versammelt und sich in engster Freundschaft und Verbundenheit vereint.
Anhang zum 1. Schreiben[Während des ersten Weltkrieges schrieb ‘Abdu’l-Bahá das folgende Sendschreiben, das dem Brief an die Zentralorganisation für einen dauernden Frieden im Haag beigefügt war.] Entnommen aus ‘Abdu’l-Bahá, in: Briefe und Botschaften, Bahá’í Verlag 1998, Kap. 1.Q
2:0_2
Während des Krieges wurde vor einiger Zeit ein Brief über die Lehren Bahá’u’lláhs verfasst und es mag angebracht sein, ihn diesem Schreiben beizufügen.
2:0_3
O Völker der Erde! Die Sonne der Wahrheit ist aufgegangen, um die ganze Welt zu erleuchten und die Gesellschaft der Menschen zu vergeistigen. Lobenswert sind die Ergebnisse und Früchte, reichhaltig die heiligen Beweise, die aus dieser Gnade fließen. Dies bedeutet echte Barmherzigkeit und reinste Großmut, Licht für die Welt und alle ihre Völker, Harmonie und Brüderlichkeit, Liebe und Solidarität; ja es bedeutet Mitleid und Einigkeit und das Ende von Entfremdung, es bedeutet, eins zu sein mit allen auf Erden in vollkommener Würde und Freiheit.
2:1
Die Gesegnete Schönheit spricht: »Ihr seid alle die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges.«vgl. Bahá’u’lláh, Tabernakel der Einheit 1:15, 2:36, Botschaften aus ‘Akká 11:5 – Anm. d. Hrsg.Q Er hat diese Welt des Seins mit einem einzigen Baum verglichen und alle ihre Völker mit dessen Blättern, Blüten und Früchten. Der Zweig muss zum Blühen kommen, Blatt und Frucht müssen wachsen; das Gedeihen von Blatt und Blüte und die Süße der Frucht hängen von der innigen Verbundenheit aller Teile des Weltenbaumes ab.
2:2
Deshalb müssen alle Menschen sich gegenseitig äußerst wirksam unterstützen, alle müssen nach dem ewigen Leben trachten; und aus demselben Grunde müssen die, die Gott lieben, in dieser Welt des Zufalls zu Gnadengaben und Segnungen werden, die durch den milden König der sichtbaren und unsichtbaren Reiche ausgestrahlt wurden. Sie sollten ihren Blick läutern und die ganze Menschheit als Blätter, Blüten und Früchte am Baume des Seins erkennen. Sie sollten zu allen Zeiten danach trachten, eine gute Tat für einen Mitmenschen zu tun und ihm Liebe, Beachtung und fürsorgliche Hilfe zu erweisen. Niemanden sollten sie als ihren Feind betrachten noch jemandem etwas Böses wünschen, sondern in jedem Menschen den Freund sehen, den Fremden als Vertrauten, den Unbekannten als Weggefährten betrachten, frei von Vorurteil und ohne Grenzen.
2:3
Heute ist der ein Begünstigter an der Schwelle des Herrn, der den Becher der Treue weiterreicht, der den Edelstein der Freigebigkeit sogar seinen Feinden gewährt und selbst seinem gestrauchelten Unterdrücker eine helfende Hand reicht. Er ist selbst seinem erbittertsten Feind ein liebevoller Freund. Dies sind die Lehren der Gesegneten Schönheit, dies die Ratschläge des Größten Namens.
2:4
O ihr geliebten Freunde! In der Welt herrscht Krieg, das Menschengeschlecht liegt in Wehen und tödlichem Kampf. Die finstere Nacht des Hasses hat die Überhand gewonnen, das Licht der Vertrauenswürdigkeit ist erloschen. Die Völker und Geschlechter der Erde haben ihre Klauen geschärft und stürzen sich im Kampf aufeinander. Die Menschheit zerstört ihre eigenen Lebensgrundlagen. Tausende von Familien sind ihrer Habe beraubt und irren umher, und jedes Jahr sieht man Tausende und Abertausende von Menschen sich auf staubigen Schlachtfeldern in ihrem Blute wälzen. Die Zelte des Lebens und der Freude sind abgebrochen. Generäle üben sich in ihrer Feldherrnkunst, rühmen sich des Blutes, das sie vergießen, und wetteifern miteinander im Anstacheln zu Gewalttaten. »Mit diesem Schwert«, sagt einer von ihnen, »habe ich ein Volk enthauptet!« Und ein anderer sagt: »Ich stürzte eine Nation zu Boden!« Und ein weiterer: »Ich habe eine Regierung zu Fall gebracht!« Solcher Dinge rühmen sich die Menschen, auf solche Dinge sind sie stolz! Liebe – Rechtschaffenheit – überall werden sie gerügt, und Eintracht und Hingabe an die Wahrheit werden verachtet.
2:5
Der Glaube der Gesegneten Schönheit ruft die Menschheit auf zu Sicherheit und Liebe, zu Freundschaft und Frieden. Er hat seine Stiftshütte auf den Höhen der Erde errichtet und lässt seinen Ruf an alle Völker ergehen. Seid euch daher des Wertes dieses kostbaren Glaubens bewusst, o ihr, die ihr Gott liebt. Gehorcht seinen Geboten, wandelt auf seinen Wegen, die gerade sind, und weist die Menschheit darauf hin. Erhebt eure Stimme und singt das Lied des Königreiches. Verbreitet die Lehren und Gebote des liebenden Herrn in allen Landen, auf dass diese Welt in eine andere verwandelt und diese dunkle Erde mit Licht überflutet werde und der tote Leib der Menschheit auferstehe und lebe, auf dass jede Seele nach Unsterblichkeit trachte durch den heiligen Odem Gottes.
2:6
Bald werden eure schnell dahinfliegenden Tage vergangen sein, und Ruf und Reichtum, Bequemlichkeit und Freude, die dieser Schutthaufen von Welt bereitet hat, werden spurlos verschwunden sein. Ruft deshalb die Menschheit vor Gott und ladet sie ein, dem Beispiel der himmlischen Heerscharen zu folgen. Seid der Waise ein liebevoller Vater, eine Zuflucht dem Hilflosen, ein Schatz dem Armen, dem Kranken Heilung. Seid jedem Opfer der Unterdrückung ein Helfer, ein Beschützer dem Beladenen. Denkt zu allen Zeiten daran, wie ihr jedem Glied der Menschheit einen Dienst erweisen könnt. Schenkt Abneigung und Zurückweisung, Geringschätzung, Feindseligkeit und Ungerechtigkeit keine Beachtung: Tut das Gegenteil. Seid aufrichtig freundlich, nicht nur dem Anschein nach. Jeder der Geliebten Gottes sollte seine Aufmerksamkeit auf das Folgende richten: des Herrn Segen für die Menschen, des Herrn Gnade zu sein. Er sollte jedem, dem er begegnet, einen guten Dienst erweisen und ihm von Nutzen sein. Er sollte jedermanns Charakter veredeln und den Gedanken der Menschen eine neue Richtung geben. So wird das Licht der göttlichen Führung leuchten und der Segen Gottes die ganze Menschheit umfangen, denn Liebe ist Licht, wo immer sie wohnt, und Hass ist Finsternis, wo immer er nistet. O Freunde Gottes! Möge das verborgene Mysterium offenbart und das geheime Wesen aller Dinge enthüllt werden. Strebet danach, das Dunkel auf immer und ewig zu bannen.
An den Überbringer des 2. Schreibens‘Abdu’l-Bahá , in: Briefe und Botschaften, Bahá’í Verlag 1998, Kap. 228.Q
3:0_4
O Diener an der Schwelle Bahá’u’lláhs!Mírzá Aḥmad Khán Yazdání (1891–1977), der Überbringer von ‘Abdu’l-Bahás Brief an die Zentralorganisation für einen dauernden Frieden im Haag.A
3:1
Dein Brief vom 14. Juni 1920 ist angekommen. Ein Brief von einigen Mitgliedern des Friedensausschusses ging ebenfalls zu; ihnen wurde eine Antwort erteilt. Händige sie ihnen aus.
3:2
Es ist klar, dass dieses Treffen nicht das ist, wofür es gehalten wird, ist es doch außerstande, die Angelegenheiten so zu ordnen, wie es richtig und nötig wäre. Wie dem auch sei: Die Sache, um die man sich bemüht, ist von höchster Wichtigkeit. Das Treffen im Haag sollte so viel Macht und Einfluss haben, dass sein Wort auf die Regierungen und Nationen wirkt. Weise die verehrten dort versammelten Mitglieder darauf hin, dass die vor dem Krieg abgehaltene Haager Konferenz den Zaren von Russland zum Präsidenten hatte und dass ihre Mitglieder Männer von höchstem Rang waren. Dennoch hat das diesen schrecklichen Krieg nicht verhindert. Wie wird es weitergehen? In der Zukunft wird mit Sicherheit ein weiterer Krieg ausbrechen, schrecklicher als der letzte. Wahrlich, daran gibt es keinerlei Zweifel. Was kann das Treffen im Haag ausrichten?
3:3
Aber die von Bahá’u’lláh niedergelegten Grundsätze verbreiten sich Tag für Tag. Übergib ihnen die Antwort auf ihren Brief, zeige ihnen die größte Liebe und Güte; dann überlasse sie ihren eigenen Angelegenheiten. Auf jeden Fall solltest du ihr Wohlwollen erlangen, und wenn sie zustimmen, kannst du meinen ausführlichen Lehrbrief, der bereits ins Englische übersetzt ist, drucken lassen und verbreiten.
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