‘Abdu’l-Bahá | Wille und Testament
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Die Hände der Sache Gottes wählen aus ihrer Mitte neun Personen, die sich allezeit den wichtigen Diensten in der Arbeit des Hüters der Sache Gottes widmen. Die Wahl dieser neun erfolgt einstimmig oder mit Stimmenmehrheit durch die Gesamtheit der Hände der Sache Gottes, und diese neun müssen einstimmig oder mit Stimmenmehrheit die Wahl dessen bestätigen, den der Hüter der Sache Gottes zu seinem Nachfolger erwählt hat, und zwar in solcher Weise, dass die zustimmenden und die ablehnenden Stimmen nicht erkennbar sind.d.h. durch geheime Abstimmung.A
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O Freunde! Die Hände der Sache Gottes müssen vom Hüter der Sache Gottes ernannt und berufen werden. Alle stehen in seinem Schatten und haben seinem Befehl zu gehorchen. Sollte jemand innerhalb oder außerhalb der Körperschaft der Hände der Sache Gottes ihm nicht gehorchen und eine Spaltung versuchen, so wird ihn Gottes Zorn und Seine Vergeltung treffen, weil er im wahren Glauben Gottes einen Bruch verursacht hat.
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Die Hände der Sache Gottes haben die Pflicht, die göttlichen Düfte zu verbreiten, die Menschenseelen zu erbauen, die Bildung zu fördern, alle Menschen zu bessern und allezeit in jeder Lage von Irdischem geheiligt und losgelöst zu sein. In ihrem Verhalten, ihrer Lebensart, ihren Taten und ihren Worten müssen sie Gottesfurcht offenbaren.
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Die Körperschaft der Hände der Sache Gottes steht unter der Leitung des Hüters der Sache Gottes. Er muss sie fortgesetzt anspornen, dass sie sich bemühen, mit all ihren Fähigkeiten Gottes süße Düfte zu verbreiten und alle Völker der Welt zu führen; denn es ist das Licht göttlicher Führung, das das ganze Weltall erstrahlen lässt. Es ist auf keinen Fall gestattet, dieses unbedingte, für jeden bindende Gebot auch nur einen Augenblick außer Acht zu lassen; so kann die Welt des Seins dem Paradiese Abhá gleich werden, die Erde ein himmlisches Antlitz bekommen, Zank und Streit können unter den Völkern, Geschlechtern, Nationen und Regierungen verschwinden, alle Erdenbewohner ein Volk und eine Rasse und die Welt eine einzige Heimat werden. Falls Streitigkeiten auftreten, werden sie vom Obersten Schiedsgericht, dem Mitglieder aller Regierungen und Völker der Welt angehören, gütlich und abschließend beigelegt.
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O ihr Geliebten des Herrn! In dieser heiligen Sendung ist keinerlei Streit und Zank gestattet. Jeder Angreifer beraubt sich der Gnade Gottes. Jeder hat die Pflicht, allen Völkern und Geschlechtern der Welt, ob Freunde oder Fremde, ein Höchstmaß an Liebe, redlichem Verhalten, Offenheit und aufrichtigem Wohlwollen entgegenzubringen. So stark muss der Geist gütiger Liebe sein, dass sich der Fremde als Freund, der Feind als wahrer Bruder fühlt und keinerlei Unterschied zwischen ihnen besteht; denn alles Umfassende ist von Gott, alle Grenzen sind irdisch. So muss der Mensch danach streben, dass sein Wesen Tugendhaftigkeit und Vollkommenheit offenbart, deren Licht auf jedermann strahlt. Der Sonne Licht erleuchtet die ganze Welt, die Gnadenschauer göttlicher Vorsehung ergießen sich auf alle Menschen. Belebende Lüfte erfrischen alle Geschöpfe, und jedes Lebewesen erhält sein Teil von Gottes himmlischer Tafel. So müssen auch die Diener des einen wahren Gottes der ganzen Menschheit großzügig und umfassend Liebe und Güte erweisen. Keinerlei Schranken und Grenzen sind in dieser Hinsicht gestattet.
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Verkehrt darum, o meine liebenden Freunde, mit allen Völkern, Geschlechtern und Religionen der Welt in höchster Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Treue, Güte, voll Wohlwollen und Freundlichkeit, damit die ganze Welt des Seins vom heiligen Entzücken der Gnade Bahá’u’lláhs erfüllt werde, damit Unwissenheit, Feindschaft, Hass und Groll aus der Welt verschwinden und die Finsternis der Entfremdung zwischen den Völkern und Geschlechtern der Welt dem Lichte der Einheit weiche. Sind andere Völker und Nationen euch gegenüber treulos, so erweist ihnen Treue; sind sie ungerecht gegen euch, so erweist ihnen Gerechtigkeit; halten sie sich von euch fern, so zieht sie zu euch hin; zeigen sie sich feindselig, so seid freundlich zu ihnen; vergiften sie euch das Leben, so versüßt ihnen die Seele; verletzen sie euch, so seid ein Balsam für ihre Wunden. Das sind die Tugenden der Aufrichtigen! Das sind die Tugenden der Wahrhaftigen!
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Was nun das Haus der Gerechtigkeit anbelangt, das Gott zum Quell alles Guten bestimmt und von allem Irrtum befreit hat, so muss es durch allgemeines Wahlrecht, das heißt von den Gläubigen, gewählt werden. Seine Mitglieder müssen Verkörperungen der Gottesfurcht, Morgenröten der Erkenntnis und des Verständnisses sein, im Gottesglauben standhaft und der ganzen Menschheit wohlgesinnt. Mit diesem Hause ist das Universale Haus der Gerechtigkeit gemeint, das heißt, in allen Ländern ist ein nachgeordnetes Haus der Gerechtigkeit zu errichten, und diese nachgeordneten Häuser der Gerechtigkeit haben das Universale Haus zu wählen. Alles ist dieser Körperschaft vorzulegen. Sie erlässt alle Verordnungen und Vorschriften, die nicht im ausdrücklichen Heiligen Text zu finden sind. Diese Körperschaft hat alle schwierigen Probleme zu lösen, und der Hüter der Sache Gottes ist ihr geheiligtes Oberhaupt, ihr herausragendes Mitglied auf Lebenszeit. Falls er ihren Beratungen nicht selbst beiwohnt, hat er einen Vertreter zu bestellen. Sollte eines der Mitglieder eine Sünde begehen, die dem Allgemeinwohl schadet, so hat der Hüter der Sache Gottes nach eigenem Ermessen das Recht, es auszuschließen, worauf das Volk einen anderen an dessen Stelle zu wählen hat. Dieses Haus der Gerechtigkeit erlässt die Gesetze, und die Regierung setzt sie durch. Die gesetzgebende Körperschaft muss die Exekutive stärken; die Exekutive muss die Legislative stützen, so dass durch die enge Verbindung und Harmonie dieser beiden Gewalten Unparteilichkeit und Gerechtigkeit auf eine feste, starke Grundlage gestellt werden, bis alle Gebiete der Welt dem Paradiese gleichen.
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O Herr, mein Gott! Stehe Deinen Geliebten bei, in Deinem Glauben fest zu sein, auf Deinen Wegen zu wandeln und in Deiner Sache standhaft zu sein. Schenke ihnen Deine Gnade, dass sie dem Ansturm der Selbstsucht und Leidenschaft widerstehen und dem Lichte göttlicher Führung folgen. Du bist der Gewaltige, der Gnädige, der Selbstbestehende, der Geber, der Mitleidvolle, der Allmächtige, der Allgütige.
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O ihr Freunde ‘Abdu’l-Bahás! Zum Zeichen Seiner grenzenlosen Großmut hat der Herr für Seine Diener gnädiglich eine genau bestimmte GeldgabeḤuqúqu’lláh [arabisch »das Recht Gottes«].A vorgesehen, die Ihm gehorsam darzubringen ist, obgleich Er, der Wahre, wie auch Seine Diener allezeit unabhängig von allem Erschaffenen sind, und Gott ist wahrlich der Allbesitzende, hoch erhaben über jegliches Verlangen nach einer Gabe von Seinen Geschöpfen. Aber diese festgesetzte Geldgabe lässt das Volk fest und standhaft werden und mehrt das, was von Gott kommt. Es ist über den Hüter der Sache Gottes darzubringen, damit es für die Verbreitung der Düfte Gottes und die Verherrlichung Seines Wortes, für mildtätige Zwecke und für das Allgemeinwohl ausgegeben werde.
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O ihr Geliebten des Herrn! Ihr habt die Pflicht, allen gerechten Monarchen ergeben zu sein und jedem rechtschaffenen König Treue zu erweisen. Dient den Herrschern der Welt mit höchster Wahrhaftigkeit und Loyalität. Seid ihnen gehorsam und seid ihnen wohlgesinnt. Mischt euch nicht ohne ihre Erlaubnis in politische Angelegenheiten; denn Treulosigkeit gegen den gerechten Herrscher ist Treulosigkeit gegen Gott.
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Dies ist mein Rat und Gottes Gebot an euch. Wohl denen, die danach handeln!
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Dieses Schriftstück wurde lange Zeit unter der Erde aufbewahrt und von der Feuchtigkeit angegriffen. Als man es wieder ans Tageslicht brachte, stellte man fest, dass einzelne Teile durch Feuchtigkeit beschädigt waren. Es wurde in diesem Zustand belassen, da das Heilige Land in heftigem Aufruhr stand.
Teil 2
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Er ist Gott!
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O mein Herr, Du meines Herzens Sehnsucht, Du, den ich allezeit anrufe, Du mein Beistand und mein Schutz, mein Helfer und meine Zuflucht! Du siehst mich versunken in einem Ozean von Schicksalsschlägen, die die Seele überfluten Leiden, die das Herz bedrücken, Plagen, die Deine Gemeinde auflösen, Krankheiten und Schmerzen, die Deine Herde auseinander treiben. Schwere Prüfungen umgeben mich von allen Seiten, Gefahren bedrängen mich allenthalben. Du siehst mich eingetaucht in einem Meer beispielloser Trübsal, hinabgerissen in einen bodenlosen Abgrund, gepeinigt von meinen Feinden, verzehrt von ihres Hasses Flamme, die angefacht ward durch meine Verwandten, mit denen Du Deinen starken Bund schlossest und für die du Dein bindendes Testament verfasstest, darin Du ihnen gebotest, diesem Unterdrückten ihre Herzen zuzuwenden, die Toren und Frevler von mir fernzuhalten und diesem allein auf sich Gestellten all ihre strittigen Fragen zu Deinem Heiligen Buche zu unterbreiten, damit die Wahrheit ihnen enthüllt, ihre Zweifel behoben und Deine deutlichen Zeichen allüberall verbreitet werden.
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Und doch siehst Du sie, o Herr mein Gott, mit Deinem Auge, das niemals schläft, wie sie Deinen Bund brachen und ihm den Rücken kehrten, wie sie hasserfüllt und aufrührerisch von Deinem Testament abirrten und, Übles im Schilde führend, sich erhoben.
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Die Widrigkeiten verschärften sich noch, als sie sich mit unerträglicher Grausamkeit anschickten, mich zu überwältigen und zu zerschmettern, als sie ihre Zweifel säenden Schriften überall verbreiteten, als sie in maßloser Falschheit ihre Verleumdungen gegen mich schleuderten. Damit nicht zufrieden, wagte es ihr Anführer, Deinem Buch Einschiebsel hinzuzufügen, Deinen Heiligen Text betrügerisch zu verändern und das zu verfälschen, was Deine allherrliche Feder offenbart hat. Was Du für den enthülltest, der Dir himmelschreiendes Unrecht zufügte, Dich verleugnete und Deine wundersamen Zeichen zurückwies, fügte er arglistig zwischen die Worte, die Du für Deinen Diener offenbartest, der in der Welt hienieden Unrecht leidet. Das alles tat er, um die Menschenseelen zu betören und seine bösen Einflüsterungen den Dir treu Ergebenen ins Herz zu senken. Hierfür legte ihr zweiter AnführerMírzá Badí‘u’lláh – Anm. d. Hrsg.A Zeugnis ab: Unter sein mit eigener Hand verfasstes Geständnis setzte er sein Siegel und verbreitete das Schriftstück in allen Landen. O mein Gott! Kann es ein schlimmeres Unrecht geben als dieses? Aber noch immer ruhten sie nicht, sondern versuchten hartnäckig, hinterlistig, verleumderisch, höhnisch und mit falschen Anschuldigungen bei der Regierung des Landes und andernorts Aufruhr zu schüren, erreichten, dass man mich für einen Aufwiegler hielt, und fanden Gehör mit Vorwürfen, die zu hören ein Gräuel ist. Damit wurde die Regierung in den Alarmzustand versetzt, den Herrscher überkam Furcht und der Adelsstand schöpfte Verdacht. Die Menschen waren besorgt, die Lage verworren, die Seelen verstört, das Feuer der Angst und Sorge in den Herzen entzündet, die Heiligen Blätter[die weiblichen] Familienangehörigen.A wurden erschüttert und aufgewühlt, Tränen entströmten ihren Augen, laut ertönte ihr Seufzen und Wehklagen, und das Herz brannte ihnen im Leibe, als sie Deinen ungerecht behandelten Diener beweinten, der diesen seinen Verwandten, nein, seinen Feinden schlechthin, zum Opfer fiel.
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Herr! Du siehst, wie alles um mich weint, während meine Verwandten sich an meinen Leiden erfreuen. Bei Deiner Herrlichkeit, o mein Gott! Selbst unter meinen Feinden beklagten etliche meine Not und Pein, und eine Reihe meiner Neider beweinte meine Sorgen, meine Verbannung und meine Drangsal. Dies taten sie, weil sie nichts an mir fanden als Zuneigung und Fürsorge und nichts erlebten als Güte und Erbarmen. Als sie sahen, wie diese Flut von Elend und Trübsal mich fortriss, wie ich den Pfeilen des Schicksals als Zielscheibe ausgesetzt war, da bewegte Mitleid ihr Herz, Tränen traten ihnen in die Augen, und sie bekundeten: »Der Herr ist unser Zeuge: Nichts haben wir je von ihm erfahren als Treue, Großmut und grenzenloses Mitgefühl.« Die Bundesbrecher aber, die Vorboten des Bösen, wurden nur noch grimmiger in ihrem Hass; sie frohlockten, als ich der schlimmsten Heimsuchung zum Opfer fiel, wiegelten einander gegen mich auf und freuten sich über die herzzerreißenden Geschehnisse um mich her.
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Ich flehe Dich an, o Herr mein Gott, mit meiner Zunge und meinem ganzen Herzen: Vergelte ihnen nicht ihre Grausamkeit und ihre Übeltaten, ihre Verschlagenheit und ihre Bosheit; denn sie sind töricht, niederträchtig und wissen nicht, was sie tun. Sie können Gut und Böse, Wahr und Falsch, Recht und Unrecht nicht unterscheiden. Sie jagen ihren Begierden nach und wandeln in den Fußstapfen der Törichtesten und Unvollkommensten unter ihnen. O mein Herr! Habe Mitleid mit ihnen, bewahre sie vor aller Not in dieser unruhigen Zeit und gib, dass alle Prüfungen und Drangsale das Los dieses Deines Dieners sein mögen, der in diese finstere Grube gestürzt ist. Erwähle mich für alles Leid und mache mich zum Opfer für alle Deine Geliebten. O Herr, Du Höchster! Möge meine Seele, mein Leben, mein Wesen, mein Geist, mein ganzes Sein für sie geopfert werden. O Gott, mein Gott! Demütig bittend, mein Angesicht im Staube, flehe ich zu Dir mit der ganzen Hingabe meines Gebets um Vergebung für jeden, der mich verletzte, verzeihe dem, der sich gegen mich verschwor und mich beleidigte, lösche die Untaten derer, die mir Unrecht zufügten. Lass ihnen Deine guten Gaben zukommen, schenke ihnen Freude, befreie sie von Leiden, gewähre ihnen Frieden und Wohlstand, verleihe ihnen Deine Glückseligkeit und überschütte sie mit Deiner Großmut.
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Du bist der Machtvolle, der Gnädige, der Helfer in Gefahr, der Selbstbestehende!
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O innig geliebte Freunde! Ich befinde mich nunmehr in großer Gefahr, und ich habe die Hoffnung verloren, auch nur eine Stunde länger noch zu leben. So bin ich gezwungen, zum Schutz der Sache Gottes, zur Bewahrung Seines Gesetzes, zur Verteidigung Seines Wortes und zur Sicherung Seiner Lehren diese Zeilen niederzuschreiben. Bei der Altehrwürdigen Schönheit! Dieser Unterdrückte hegte früher keinerlei Groll gegen irgendjemanden noch hegt er ihn heute; gegen niemanden empfindet er Abneigung; er äußert sich nur zum Besten dieser Welt. Meine höchste Pflicht treibt und zwingt mich jedoch, Gottes heilige Sache zu beschützen und zu bewahren. Mit dem größten Bedauern rate ich euch ausdrücklich: Hütet die Sache Gottes, schützet Sein Gesetz und habt die größte Furcht vor Zwietracht. Dies ist die Glaubensgrundlage des Volkes Bahá – möge ihm mein Leben geopfert sein: »Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Altehrwürdigen Schönheit. Seine Heiligkeit die Schönheit Abhá – möge mein Leben ein Opfer für Seine standhaften Freunde sein – ist die Höchste Manifestation Gottes und das Morgenlicht Seines Göttlichsten Wesens. Alle anderen sind Seine Diener und gehorchen Seinem Gebot.« Dem Heiligsten Buche muss sich jeder zuwenden, und was darin nicht ausdrücklich verzeichnet ist, ist dem Universalen Haus der Gerechtigkeit vorzulegen. Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit beschließt, wahrlich, das ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abweicht, gehört fürwahr zu denen, die Zwietracht lieben, böse Absichten bekunden und sich vom Herrn des Bundes abwenden. Mit diesem Haus ist das Universale Haus der Gerechtigkeit gemeint, das von allen Ländern zu wählen ist, also aus den Gebieten des Ostens und des Westens, wo die Geliebten sich befinden, nach der in westlichen Ländern, wie England, üblichen Wahlmethode.
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Es obliegt diesen Mitgliedern (des Universalen Hauses der Gerechtigkeit), an einem eigens dafür bestimmten Ort zusammenzukommen und über alle Probleme, die zu Kontroversen führen, über alle Fragen, die ungeklärt sind oder nicht ausdrücklich im Buche behandelt werden, zu beraten. Was immer sie entscheiden, hat dieselbe Gültigkeit wie der heilige Text. Da dieses Haus der Gerechtigkeit die Gewalt hat, Gesetze zu erlassen, die nicht ausdrücklich im Buche enthalten sind und sich auf täglich neue Angelegenheiten beziehen, hat es auch die Gewalt, solche Gesetze aufzuheben. So erlässt das Haus der Gerechtigkeit beispielsweise heute ein Gesetz und setzt es in Kraft, und wenn sich in hundert Jahren die Verhältnisse von Grund auf geändert haben, wird ein anderes Haus der Gerechtigkeit die Macht haben, dieses Gesetz den Zeiterfordernissen entsprechend zu ändern. Es kann dies tun, weil solche Gesetze nicht Teil des expliziten göttlichen Textes sind. So ist das Haus der Gerechtigkeit sowohl Urheber als auch Aufheber seiner eigenen Gesetze.
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Beachtet, eines der, wichtigsten, grundlegenden Prinzipien der Sache Gottes ist, sich von den Bundesbrechern fernzuhalten und sie gänzlich zu meiden, weil sie die Sache Gottes völlig zerstören, Sein Gesetz auslöschen und alle Mühen der Vergangenheit zunichtemachen werden. O Freunde! Es geziemt euch, mit großer Empfindsamkeit der Leiden Seiner Heiligkeit des Erhabenen zu gedenken und der Ewiggesegneten Schönheit eure Treue zu erweisen. Größte Mühe ist vonnöten, damit sich nicht all diese Nöte, Leiden und Heimsuchungen, all das in Strömen auf dem Pfade Gottes vergossene reine, geheiligte Blut als vergebens erweisen. Ihr wisst gar wohl, was der Mittelpunkt des Aufruhrs, Mírzá Muḥammad-‘Alí, samt seinem Anhang mit eigenen Händen verübt hat. Eine seiner Untaten ist die Verfälschung des Heiligen Textes; dies ist euch allen gottlob bekannt, und ihr wisst, dass es klar erwiesen und bestätigt ist durch das Zeugnis seines Bruders, Mírzá Badí‘u’lláh, dessen Bekenntnis, in seiner eigenen Handschrift verfasst und mit seinem Siegel versehen, gedruckt und verbreitet wurde. Dies war nur eine seinerMuḥammad-‘Alís – Anm. d. Hrsg.A Schandtaten. Kann man sich ein schlimmeres Verbrechen vorstellen als die Verfälschung des Heiligen Textes? Nein, bei der Gerechtigkeit des Herrn! Seine Verbrechen sind in einer besonderen Schrift aufgezeichnet; so Gott will, werdet ihr sie lesen.
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Kurz, nach dem ausdrücklichen göttlichen Text wird die geringste Übertretung diesen Menschen zu einem gefallenen Geschöpf machen, und welche Übertretung könnte schlimmer sein als der Versuch, das göttliche Bauwerk niederzureißen, den Bund zu brechen, vom Testament abzuirren, die Saat des Zweifels auszustreuen, ‘Abdu’l-Bahá zu verleumden, Ansprüche zu erheben, für die Gott keine Vollmacht herniedersandte, Unheil zu stiften, ‘Abdu’l-Bahá nach dem Leben zu trachten und vielerlei anderes zu verüben, dessen ihr wohl gewahr seid! So ist es klar, dass dieser Mensch die Sache Gottes völlig vernichten und auslöschen würde, wenn es ihm gelänge, eine Spaltung hineinzutragen. Hütet euch, diesem Menschen zu nahen; denn ihm zu nahen ist schlimmer als dem Feuer zu nahen!
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Gnädiger Gott! Nachdem Mírzá Badí‘u’lláh in eigener Handschrift dargelegt hatte, dass dieser MenschMuḥammad-‘Alí.A den Bund gebrochen hat, nachdem erMírzá Badí‘u’lláh – Anm. d. Hrsg.A die Fälschung des Heiligen Textes offengelegt hatte, wurde ihm bewusst, dass die Rückkehr zum wahren Glauben und die Treue zum Bund und Testament seinen selbstsüchtigen Wünschen in keiner Weise nützte. So bedauerte und bereute er, was er getan, versuchte heimlich, seine gedruckten Bekenntnisse wieder einzusammeln, verschwor sich in dunkler Absicht mit dem Mittelpunkt des Aufruhrs gegen mich und unterrichtete ihn täglich von allem, was in meinem Hause vorging. Er spielte sogar eine führende Rolle bei den Untaten, die neuerdings begangen wurden. Gott sei Dank, die Lage hat sich wieder gefestigt, die Geliebten leben halbwegs in Frieden. Aber seit dem Tage, da er wieder in unsere Mitte trat, fing er von neuem an, die Saat schlimmen Aufruhrs auszustreuen. Einige seiner Ränke und Machenschaften werden noch in einer besonderen Schrift behandelt.
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Meine Absicht ist indes zu zeigen, dass die Freunde, die fest und standhaft im Bund und Testament sind, die Pflicht haben, allezeit wachsam zu sein, damit nach dem Tode dieses Unterdrückten jener umtriebige Unheilstifter nicht Spaltung hervorruft, insgeheim die Saat des Zweifels und des Aufruhrs ausstreut und die Sache Gottes gänzlich ausrottet. Tausendfach sei es gesagt: Meidet seine Gesellschaft! Seid auf der Hut und nehmt euch in Acht! Seid wachsam und prüft genau: Sollte jemand offen oder insgeheim die geringste Verbindung mit ihm haben, so verstoßt ihn aus eurer Mitte, denn er wird unweigerlich Spaltung bewirken und Unheil anrichten.
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O ihr Geliebten des Herrn! Bemüht euch von ganzem Herzen darum, die Sache Gottes vor dem Angriff der Unaufrichtigen zu schützen; denn solche Seelen machen Gerades krumm und verkehren die Wirkung aller edlen Bestrebungen ins Gegenteil.
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O Gott, mein Gott! Ich rufe Dich, Deine Propheten und Deine Boten, Deine Heiligen und Deine Erwählten zu Zeugen, dass ich Deinen Geliebten Deine Beweise überzeugend erklärt und ihnen alles deutlich dargelegt habe, damit sie über Deinen Glauben wachen, Deinen Geraden Pfad behüten und Dein Strahlendes Gesetz beschützen. Du bist wahrlich der Allwissende, der Allweise!
Teil 3
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Er ist der Zeuge, der Allgenügende!
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O mein Gott, mein Geliebter, Du Sehnsucht meines Herzens! Du weißt und siehst, was über Deinen Diener gekommen ist, der sich demütig an Deinem Tore niederwirft. Du weißt, welche Frevel das Volk der Bosheit gegen ihn verübte – jene, die Deinen Bund brachen und Deinem Testament den Rücken kehrten. Am Tage schossen sie die Pfeile des Hasses auf mich, des Nachts schmiedeten sie heimlich Pläne, mich zu verletzen. Im ersten Morgenlicht verübten sie, was den himmlischen Heerscharen die Tränen in die Augen trieb, des Abends zückten sie das Schwert der Tyrannei gegen mich, und schossen im Beisein der Frevler ihre Pfeile der Verleumdung auf mich. Trotz ihrer Missetaten blieb Dein bescheidener Diener geduldig; er ertrug alle Leiden und Prüfungen von ihrer Hand, obwohl er durch Deine Macht und Stärke ihr Gerede hätte zunichtemachen, ihr Feuer hätte löschen und die Flamme ihrer Aufsässigkeit hätte tilgen können.
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Du siehst, o mein Gott, wie meine Geduld, meine Nachsicht und mein Schweigen sie in ihrer Grausamkeit, ihrem Stolz und Hochmut bestärkt haben. Bei Deiner Herrlichkeit, o Geliebter! Ihr Irrglauben und ihre Auflehnung gegen Dich haben ein solches Ausmaß angenommen, dass sie mir keinen Augenblick der Ruhe und Stille mehr lassen, mich geziemend zu erheben, Dein Wort unter allen Menschen zu verherrlichen und an Deiner Schwelle der Heiligkeit zu dienen mit einem Herzen, das überquillt von der Freude der Bewohner des Reiches Abhá.
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Herr! Der Kelch meiner Leiden fließt über, und von allen Seiten prasseln heftige Schläge auf mich nieder. Ich bin umgeben von Pfeilen der Not und Pfeile der Drangsal regnen auf mich herab. So hat mich Kummer überwältigt und der Ansturm der Feinde hat meine Kraft in Schwäche verwandelt, während ich in all meinen Leiden allein und verlassen dastand. Herr! Hab Erbarmen mit mir, hebe mich auf zu Dir, lass mich trinken aus dem Kelch des Martyriums; denn diese große weite Welt kann mich nicht länger fassen.
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Du bist wahrlich der Barmherzige, der Mitleidvolle, der Gnädige, der Allgütige!
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O ihr wahren, aufrichtigen, treuen Freunde dieses Unterdrückten! Jeder weiß nur zu gut, welches Elend, welche Heimsuchungen über diesen unterdrückten Gefangenen gekommen sind aus den Händen derer, die den Bund brachen, zu der Zeit als die Sonne der Welt untergegangen war und sein Herz verzehrt wurde durch die Flammen dieses schmerzlichen Verlustes.
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Als sich in allen Teilen der Welt Gottes Feinde das Hinscheiden der Sonne der Wahrheit zunutze machten und plötzlich mit aller Macht zum Angriff übergingen, gerade da, inmitten dieser großen Heimsuchung, erhoben sich die Bundesbrecher mit äußerster Grausamkeit, um Schaden anzurichten und Feindschaft zu schüren. Jeden Augenblick begingen sie neue Missetaten und bemühten sich, die Saat schweren Aufruhrs auszustreuen, und das Bauwerk des Bundes zu zerstören. Aber dieser Unterdrückte, dieser Gefangene tat, was er konnte, um ihre Machenschaften zu verbergen und zu verschleiern, damit sie es vielleicht bedauern und bereuen. Seine Geduld, seine Nachsicht mit diesen Untaten ließen die Aufrührer nur noch dreister und vermessener werden, bis sie durch selbst verfasste Schriften die Saat des Zweifels ausstreuten, diese Blätter gar druckten und weithin in alle Welt verbreiteten, wähnend, sie könnten durch solche Torheiten den Bund und das Testament zunichte machen.
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Daraufhin erhoben sich die Geliebten des Herrn und beflügelt von größter Zuversicht und Beharrlichkeit, unterstützt durch die Macht des Gottesreiches, durch göttliche Kraft, himmlische Gnade, unfehlbaren Beistand und himmlischen Segen, traten sie den Feinden des Bundes in nahezu siebzig Abhandlungen entgegen und widerlegten mit schlüssigen Beweisen, unverkennbaren Zeichen und klaren Texten aus der Heiligen Schrift deren Zweifel säenden Schriften, diese Unheil stiftenden Blätter. So wurden die Schlichen des Mittelpunkts des Aufruhrs vereitelt; getroffen von Gottes Zorn, versank er in Schmach und Schande, was bis zum Tag des Jüngsten Gerichts währen wird. Elend und erbärmlich ist es um das Volk der üblen Taten bestellt; es lebt in schmerzlichem Verlust.
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Und als ihre Sache verloren war, als sie erkannten, wie aussichtlos ihre Anschläge gegen die Geliebten Gottes waren, als sie die Standarte Seines Testamentes über alle Lande wehen sahen und erleben mussten, wie mächtig der Bund des Allerbarmers ist, da loderte die Flamme des Neides in ihnen derart auf, dass dafür die Worte fehlen. Mit allem, was sie an Kraft und Anstrengung, an Hass und Feindseligkeit aufbieten konnten, schlugen sie eine andere Richtung ein, beschritten einen anderen Weg und entwickelten einen neuen Plan: Sie suchten die Flamme des Aufruhrs sogar in die Reihen der Regierung zu tragen und diesen unterdrückten Gefangenen als Unheilstifter, als Staatsfeind, als hasserfüllten Widersacher der Krone darzustellen. So könnte ‘Abdu’l-Bahá vielleicht hingerichtet und sein Name ausgelöscht werden. Dadurch wäre für die Feinde des Bundes die Bahn frei, um auf ihren Schlachtrossen voranzustürmen, jedermann schweren Schaden zuzufügen und die Grundmauern des Bauwerks der Sache Gottes zu untergraben. Denn das Gebaren und Verhalten dieser verlogenen Menschen ist so schlimm, dass sie wie eine Axt dem Gesegneten Baum an die Wurzel gehen. Ließe man sie gewähren, so würden sie in wenigen Tagen die Sache Gottes, Sein Wort und sich selbst vernichten.
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Darum müssen die Geliebten des Herrn sie gänzlich meiden, ihnen aus dem Wege gehen, ihren Machenschaften und üblen Einflüsterungen entgegenwirken, das Gesetz Gottes und Seine Religion schützen, sich einmütig dafür einsetzen, Gottes süße Düfte zu verbreiten und nach besten Kräften Seine Lehren zu verkünden.
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Wer auch immer, warum auch immer zusammenkommt und der Verbreitung des Lichtes des Glaubens im Wege steht, dem sollten die Geliebten Gottes Rat erteilen und sagen: »Von allen Gaben Gottes die größte ist die Gabe des Lehrens. Sie zieht Gottes Gnade auf uns und ist unsere höchste Pflicht. Wie könnten wir uns dieser Gabe berauben? Nein, unser Leben, unsere Habe, unsere Bequemlichkeit, unsere Ruhe – alles bringen wir der Schönheit Abhá zum Opfer und lehren die Sache Gottes.« Doch müssen Vorsicht und Klugheit walten, wie es im Buche aufgezeichnet ist. Keineswegs darf der Schleier plötzlich zerrissen werden. Die Herrlichkeit der Herrlichkeiten ruhe auf euch!
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