weiter nach oben ...
36Du bist der Machtvolle, der Gnädige, der Helfer in Gefahr, der Selbstbestehende!37O innig geliebte Freunde! Ich befinde mich nunmehr in großer Gefahr, und ich habe die Hoffnung verloren, auch nur eine Stunde länger noch zu leben. So bin ich gezwungen, zum Schutz der Sache Gottes, zur Bewahrung Seines Gesetzes, zur Verteidigung Seines Wortes und zur Sicherung Seiner Lehren diese Zeilen niederzuschreiben. Bei der Altehrwürdigen Schönheit! Dieser Unterdrückte hegte früher keinerlei Groll gegen irgendjemanden noch hegt er ihn heute; gegen niemanden empfindet er Abneigung; er äußert sich nur zum Besten dieser Welt. Meine höchste Pflicht treibt und zwingt mich jedoch, Gottes heilige Sache zu beschützen und zu bewahren. Mit dem größten Bedauern rate ich euch ausdrücklich: Hütet die Sache Gottes, schützet Sein Gesetz und habt die größte Furcht vor Zwietracht. Dies ist die Glaubensgrundlage des Volkes Bahá – möge ihm mein Leben geopfert sein: »Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Altehrwürdigen Schönheit. Seine Heiligkeit die Schönheit Abhá – möge mein Leben ein Opfer für Seine standhaften Freunde sein – ist die Höchste Manifestation Gottes und das Morgenlicht Seines Göttlichsten Wesens. Alle anderen sind Seine Diener und gehorchen Seinem Gebot.« Dem Heiligsten Buche muss sich jeder zuwenden, und was darin nicht ausdrücklich verzeichnet ist, ist dem Universalen Haus der Gerechtigkeit vorzulegen. Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit beschließt, wahrlich, das ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abweicht, gehört fürwahr zu denen, die Zwietracht lieben, böse Absichten bekunden und sich vom Herrn des Bundes abwenden. Mit diesem Haus ist das Universale Haus der Gerechtigkeit gemeint, das von allen Ländern zu wählen ist, also aus den Gebieten des Ostens und des Westens, wo die Geliebten sich befinden, nach der in westlichen Ländern, wie England, üblichen Wahlmethode.38Es obliegt diesen Mitgliedern (des Universalen Hauses der Gerechtigkeit), an einem eigens dafür bestimmten Ort zusammenzukommen und über alle Probleme, die zu Kontroversen führen, über alle Fragen, die ungeklärt sind oder nicht ausdrücklich im Buche behandelt werden, zu beraten. Was immer sie entscheiden, hat dieselbe Gültigkeit wie der heilige Text. Da dieses Haus der Gerechtigkeit die Gewalt hat, Gesetze zu erlassen, die nicht ausdrücklich im Buche enthalten sind und sich auf täglich neue Angelegenheiten beziehen, hat es auch die Gewalt, solche Gesetze aufzuheben. So erlässt das Haus der Gerechtigkeit beispielsweise heute ein Gesetz und setzt es in Kraft, und wenn sich in hundert Jahren die Verhältnisse von Grund auf geändert haben, wird ein anderes Haus der Gerechtigkeit die Macht haben, dieses Gesetz den Zeiterfordernissen entsprechend zu ändern. Es kann dies tun, weil solche Gesetze nicht Teil des expliziten göttlichen Textes sind. So ist das Haus der Gerechtigkeit sowohl Urheber als auch Aufheber seiner eigenen Gesetze.39Beachtet, eines der, wichtigsten, grundlegenden Prinzipien der Sache Gottes ist, sich von den Bundesbrechern fernzuhalten und sie gänzlich zu meiden, weil sie die Sache Gottes völlig zerstören, Sein Gesetz auslöschen und alle Mühen der Vergangenheit zunichtemachen werden. O Freunde! Es geziemt euch, mit großer Empfindsamkeit der Leiden Seiner Heiligkeit des Erhabenen zu gedenken und der Ewiggesegneten Schönheit eure Treue zu erweisen. Größte Mühe ist vonnöten, damit sich nicht all diese Nöte, Leiden und Heimsuchungen, all das in Strömen auf dem Pfade Gottes vergossene reine, geheiligte Blut als vergebens erweisen. Ihr wisst gar wohl, was der Mittelpunkt des Aufruhrs, Mírzá Muḥammad-‘Alí, samt seinem Anhang mit eigenen Händen verübt hat. Eine seiner Untaten ist die Verfälschung des Heiligen Textes; dies ist euch allen gottlob bekannt, und ihr wisst, dass es klar erwiesen und bestätigt ist durch das Zeugnis seines Bruders, Mírzá Badí‘u’lláh, dessen Bekenntnis, in seiner eigenen Handschrift verfasst und mit seinem Siegel versehen, gedruckt und verbreitet wurde. Dies war nur eine seinerMuḥammad-‘Alís – Anm. d. Hrsg.A Schandtaten. Kann man sich ein schlimmeres Verbrechen vorstellen als die Verfälschung des Heiligen Textes? Nein, bei der Gerechtigkeit des Herrn! Seine Verbrechen sind in einer besonderen Schrift aufgezeichnet; so Gott will, werdet ihr sie lesen.40Kurz, nach dem ausdrücklichen göttlichen Text wird die geringste Übertretung diesen Menschen zu einem gefallenen Geschöpf machen, und welche Übertretung könnte schlimmer sein als der Versuch, das göttliche Bauwerk niederzureißen, den Bund zu brechen, vom Testament abzuirren, die Saat des Zweifels auszustreuen, ‘Abdu’l-Bahá zu verleumden, Ansprüche zu erheben, für die Gott keine Vollmacht herniedersandte, Unheil zu stiften, ‘Abdu’l-Bahá nach dem Leben zu trachten und vielerlei anderes zu verüben, dessen ihr wohl gewahr seid! So ist es klar, dass dieser Mensch die Sache Gottes völlig vernichten und auslöschen würde, wenn es ihm gelänge, eine Spaltung hineinzutragen. Hütet euch, diesem Menschen zu nahen; denn ihm zu nahen ist schlimmer als dem Feuer zu nahen!41Gnädiger Gott! Nachdem Mírzá Badí‘u’lláh in eigener Handschrift dargelegt hatte, dass dieser MenschMuḥammad-‘Alí.A den Bund gebrochen hat, nachdem erMírzá Badí‘u’lláh – Anm. d. Hrsg.A die Fälschung des Heiligen Textes offengelegt hatte, wurde ihm bewusst, dass die Rückkehr zum wahren Glauben und die Treue zum Bund und Testament seinen selbstsüchtigen Wünschen in keiner Weise nützte. So bedauerte und bereute er, was er getan, versuchte heimlich, seine gedruckten Bekenntnisse wieder einzusammeln, verschwor sich in dunkler Absicht mit dem Mittelpunkt des Aufruhrs gegen mich und unterrichtete ihn täglich von allem, was in meinem Hause vorging. Er spielte sogar eine führende Rolle bei den Untaten, die neuerdings begangen wurden. Gott sei Dank, die Lage hat sich wieder gefestigt, die Geliebten leben halbwegs in Frieden. Aber seit dem Tage, da er wieder in unsere Mitte trat, fing er von neuem an, die Saat schlimmen Aufruhrs auszustreuen. Einige seiner Ränke und Machenschaften werden noch in einer besonderen Schrift behandelt.42Meine Absicht ist indes zu zeigen, dass die Freunde, die fest und standhaft im Bund und Testament sind, die Pflicht haben, allezeit wachsam zu sein, damit nach dem Tode dieses Unterdrückten jener umtriebige Unheilstifter nicht Spaltung hervorruft, insgeheim die Saat des Zweifels und des Aufruhrs ausstreut und die Sache Gottes gänzlich ausrottet. Tausendfach sei es gesagt: Meidet seine Gesellschaft! Seid auf der Hut und nehmt euch in Acht! Seid wachsam und prüft genau: Sollte jemand offen oder insgeheim die geringste Verbindung mit ihm haben, so verstoßt ihn aus eurer Mitte, denn er wird unweigerlich Spaltung bewirken und Unheil anrichten.43O ihr Geliebten des Herrn! Bemüht euch von ganzem Herzen darum, die Sache Gottes vor dem Angriff der Unaufrichtigen zu schützen; denn solche Seelen machen Gerades krumm und verkehren die Wirkung aller edlen Bestrebungen ins Gegenteil.44O Gott, mein Gott! Ich rufe Dich, Deine Propheten und Deine Boten, Deine Heiligen und Deine Erwählten zu Zeugen, dass ich Deinen Geliebten Deine Beweise überzeugend erklärt und ihnen alles deutlich dargelegt habe, damit sie über Deinen Glauben wachen, Deinen Geraden Pfad behüten und Dein Strahlendes Gesetz beschützen. Du bist wahrlich der Allwissende, der Allweise!Teil 344_3Er ist der Zeuge, der Allgenügende!45O mein Gott, mein Geliebter, Du Sehnsucht meines Herzens! Du weißt und siehst, was über Deinen Diener gekommen ist, der sich demütig an Deinem Tore niederwirft. Du weißt, welche Frevel das Volk der Bosheit gegen ihn verübte – jene, die Deinen Bund brachen und Deinem Testament den Rücken kehrten. Am Tage schossen sie die Pfeile des Hasses auf mich, des Nachts schmiedeten sie heimlich Pläne, mich zu verletzen. Im ersten Morgenlicht verübten sie, was den himmlischen Heerscharen die Tränen in die Augen trieb, des Abends zückten sie das Schwert der Tyrannei gegen mich, und schossen im Beisein der Frevler ihre Pfeile der Verleumdung auf mich. Trotz ihrer Missetaten blieb Dein bescheidener Diener geduldig; er ertrug alle Leiden und Prüfungen von ihrer Hand, obwohl er durch Deine Macht und Stärke ihr Gerede hätte zunichtemachen, ihr Feuer hätte löschen und die Flamme ihrer Aufsässigkeit hätte tilgen können.46Du siehst, o mein Gott, wie meine Geduld, meine Nachsicht und mein Schweigen sie in ihrer Grausamkeit, ihrem Stolz und Hochmut bestärkt haben. Bei Deiner Herrlichkeit, o Geliebter! Ihr Irrglauben und ihre Auflehnung gegen Dich haben ein solches Ausmaß angenommen, dass sie mir keinen Augenblick der Ruhe und Stille mehr lassen, mich geziemend zu erheben, Dein Wort unter allen Menschen zu verherrlichen und an Deiner Schwelle der Heiligkeit zu dienen mit einem Herzen, das überquillt von der Freude der Bewohner des Reiches Abhá.47Herr! Der Kelch meiner Leiden fließt über, und von allen Seiten prasseln heftige Schläge auf mich nieder. Ich bin umgeben von Pfeilen der Not und Pfeile der Drangsal regnen auf mich herab. So hat mich Kummer überwältigt und der Ansturm der Feinde hat meine Kraft in Schwäche verwandelt, während ich in all meinen Leiden allein und verlassen dastand. Herr! Hab Erbarmen mit mir, hebe mich auf zu Dir, lass mich trinken aus dem Kelch des Martyriums; denn diese große weite Welt kann mich nicht länger fassen.48Du bist wahrlich der Barmherzige, der Mitleidvolle, der Gnädige, der Allgütige!49O ihr wahren, aufrichtigen, treuen Freunde dieses Unterdrückten! Jeder weiß nur zu gut, welches Elend, welche Heimsuchungen über diesen unterdrückten Gefangenen gekommen sind aus den Händen derer, die den Bund brachen, zu der Zeit als die Sonne der Welt untergegangen war und sein Herz verzehrt wurde durch die Flammen dieses schmerzlichen Verlustes.50Als sich in allen Teilen der Welt Gottes Feinde das Hinscheiden der Sonne der Wahrheit zunutze machten und plötzlich mit aller Macht zum Angriff übergingen, gerade da, inmitten dieser großen Heimsuchung, erhoben sich die Bundesbrecher mit äußerster Grausamkeit, um Schaden anzurichten und Feindschaft zu schüren. Jeden Augenblick begingen sie neue Missetaten und bemühten sich, die Saat schweren Aufruhrs auszustreuen, und das Bauwerk des Bundes zu zerstören. Aber dieser Unterdrückte, dieser Gefangene tat, was er konnte, um ihre Machenschaften zu verbergen und zu verschleiern, damit sie es vielleicht bedauern und bereuen. Seine Geduld, seine Nachsicht mit diesen Untaten ließen die Aufrührer nur noch dreister und vermessener werden, bis sie durch selbst verfasste Schriften die Saat des Zweifels ausstreuten, diese Blätter gar druckten und weithin in alle Welt verbreiteten, wähnend, sie könnten durch solche Torheiten den Bund und das Testament zunichte machen.51Daraufhin erhoben sich die Geliebten des Herrn und beflügelt von größter Zuversicht und Beharrlichkeit, unterstützt durch die Macht des Gottesreiches, durch göttliche Kraft, himmlische Gnade, unfehlbaren Beistand und himmlischen Segen, traten sie den Feinden des Bundes in nahezu siebzig Abhandlungen entgegen und widerlegten mit schlüssigen Beweisen, unverkennbaren Zeichen und klaren Texten aus der Heiligen Schrift deren Zweifel säenden Schriften, diese Unheil stiftenden Blätter. So wurden die Schlichen des Mittelpunkts des Aufruhrs vereitelt; getroffen von Gottes Zorn, versank er in Schmach und Schande, was bis zum Tag des Jüngsten Gerichts währen wird. Elend und erbärmlich ist es um das Volk der üblen Taten bestellt; es lebt in schmerzlichem Verlust.52Und als ihre Sache verloren war, als sie erkannten, wie aussichtlos ihre Anschläge gegen die Geliebten Gottes waren, als sie die Standarte Seines Testamentes über alle Lande wehen sahen und erleben mussten, wie mächtig der Bund des Allerbarmers ist, da loderte die Flamme des Neides in ihnen derart auf, dass dafür die Worte fehlen. Mit allem, was sie an Kraft und Anstrengung, an Hass und Feindseligkeit aufbieten konnten, schlugen sie eine andere Richtung ein, beschritten einen anderen Weg und entwickelten einen neuen Plan: Sie suchten die Flamme des Aufruhrs sogar in die Reihen der Regierung zu tragen und diesen unterdrückten Gefangenen als Unheilstifter, als Staatsfeind, als hasserfüllten Widersacher der Krone darzustellen. So könnte ‘Abdu’l-Bahá vielleicht hingerichtet und sein Name ausgelöscht werden. Dadurch wäre für die Feinde des Bundes die Bahn frei, um auf ihren Schlachtrossen voranzustürmen, jedermann schweren Schaden zuzufügen und die Grundmauern des Bauwerks der Sache Gottes zu untergraben. Denn das Gebaren und Verhalten dieser verlogenen Menschen ist so schlimm, dass sie wie eine Axt dem Gesegneten Baum an die Wurzel gehen. Ließe man sie gewähren, so würden sie in wenigen Tagen die Sache Gottes, Sein Wort und sich selbst vernichten.53Darum müssen die Geliebten des Herrn sie gänzlich meiden, ihnen aus dem Wege gehen, ihren Machenschaften und üblen Einflüsterungen entgegenwirken, das Gesetz Gottes und Seine Religion schützen, sich einmütig dafür einsetzen, Gottes süße Düfte zu verbreiten und nach besten Kräften Seine Lehren zu verkünden.54Wer auch immer, warum auch immer zusammenkommt und der Verbreitung des Lichtes des Glaubens im Wege steht, dem sollten die Geliebten Gottes Rat erteilen und sagen: »Von allen Gaben Gottes die größte ist die Gabe des Lehrens. Sie zieht Gottes Gnade auf uns und ist unsere höchste Pflicht. Wie könnten wir uns dieser Gabe berauben? Nein, unser Leben, unsere Habe, unsere Bequemlichkeit, unsere Ruhe – alles bringen wir der Schönheit Abhá zum Opfer und lehren die Sache Gottes.« Doch müssen Vorsicht und Klugheit walten, wie es im Buche aufgezeichnet ist. Keineswegs darf der Schleier plötzlich zerrissen werden. Die Herrlichkeit der Herrlichkeiten ruhe auf euch!55O ihr treuen Geliebten ‘Abdu’l-Bahás! Eure Pflicht ist es, Shoghi Effendi, dem Ast und der Frucht, hervorgegangen aus den beiden geheiligten göttlichen Lotosbäumen, die größte Fürsorge angedeihen zu lassen, damit der Staub der Verzagtheit und des Kummers sein strahlendes Wesen nicht trübe, er vielmehr täglich wachse an Glück, Freude und Geistigkeit und zu einem Baum voller Früchte heranreife.56Da er nach ‘Abdu’l-Bahá der Hüter der Sache Gottes ist, müssen die Afnán, die Hände (Säulen) der Sache Gottes und die Geliebten des Herrn ihm gehorchen und sich ihm zuwenden. Wer ihm nicht gehorcht, hat Gott nicht gehorcht, wer sich von ihm abkehrt, hat sich von Gott abgekehrt, und wer ihn leugnet, hat den Einen Wahren geleugnet. Hütet euch, dass keiner diese Worte falsch auslege und gleich denen, die nach den Tagen des Aufstiegs (Bahá’u’lláhs) den Bund gebrochen haben, einen Vorwand suche, das Banner des Aufruhrs zu erheben, eigensinnig zu werden und das Tor zu irreführenden Auslegungen aufzustoßen. Niemand hat das Recht, seine Meinung herauszustellen oder seine persönliche Überzeugung auszudrücken. Alle müssen Führung suchen und sich dem Mittelpunkt der Sache sowie dem Hause der Gerechtigkeit zuwenden. Wer sich anderem zuwendet, befindet sich fürwahr in schwerem Irrtum.57Die Herrlichkeit der Herrlichkeiten sei mit euch!
weiter nach unten ...