Bahá’u’lláh | Brief an den Sohn des Wolfes
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O Shaykh! Tritt in Meine Gegenwart, auf dass du schaust, was das Auge des Weltalls noch niemals schaute, und hörst, was das Ohr der ganzen Schöpfung noch nie vernahm, und du dich vom Kot eitler Einbildungen befreist und dein Angesicht auf die Erhabenste Stufe richtest, von der dieser Unterdrückte mit lauter Stimme ruft: »Das Reich ist Gottes, des Allmächtigen, des Allgepriesenen!« Wir hegen die Hoffnung, dass durch dein Bemühen die Schwingen der Menschen von allem Schmutz der Selbstsucht und Begierde geläutert und würdig werden, sich in die Lüfte der Liebe Gottes zu erheben. Mit Kot beschmutzte Flügel können sich niemals erheben. Dies bezeugen die Vertreter der Gerechtigkeit und Redlichkeit, und doch befinden sich die Menschen in offenbarem Zweifel.
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O Shaykh! Widerspruch ist von allen Seiten gegen Uns laut geworden – solcher Widerspruch, dass Unsere Feder um Verzeihung fleht, ihn aufzuzeichnen. Dennoch haben Wir in Unserer großen Barmherzigkeit dem Verständnis der Menschen gemäß darauf geantwortet, auf dass sie vom Feuer des Leugnens und der Verneinung befreit und mit dem Lichte der Bestätigung und der Annahme erleuchtet würden. Redlichkeit ist selten zu finden, und Gerechtigkeit hat aufgehört zu bestehen.
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Neben anderen wurden als Antwort an gewisse Personen folgende klare Verse vom Reich der Göttlichen Erkenntnis herniedergesandt: »O du, der du deine Augen auf die Strahlen Meines Antlitzes gerichtet hast! Eitle Einbildungen umgeben die Bewohner der Erde und hindern sie, sich dem Horizont der Gewissheit, seiner Klarheit, seinen Offenbarungen und seinem Lichte zuzuwenden. Leere Vorstellungen halten sie von Ihm, dem Selbstbestehenden, ab. Sie sprechen, wie es ihnen ihre Launen eingeben, und haben kein Verständnis. Unter ihnen sind jene, die sagen: ›Sind die Verse geoffenbart worden?‹ Sprich: ›Ja, beim Herrn der Himmel!‹ ›Ist die Stunde gekommen?‹ ›Nein, sie ist sogar schon vorüber, bei Ihm, dem Offenbarer klarer Zeichen! Wahrlich, die Unvermeidliche ist gekommen, und Er, der Wahre, ist mit Zeugnis und Beweis erschienen. Das Land liegt offen, und die Menschheit ist in Furcht und Schrecken. Die Erde bebte, und die Geschlechter wehklagten aus Furcht vor Gott, dem Herrn der Kraft, dem Allbezwingenden.‹ Sprich: ›Betäubend laut erschallte die Posaune, und der Tag ist Gottes, des Einen, des Unbeschränkten.‹ ›Ist die Katastrophe eingetreten?‹ Sprich: ›Ja, bei dem Herrn der Herren!‹ ›Ist die Auferstehung gekommen?‹ ›Nein, mehr noch: Er, der Selbstbestehende, ist mit dem Königreich Seiner Zeichen erschienen.‹ ›Siehst du die Menschen niedergestürzt?‹ ›Ja, bei meinem Herrn, dem Erhabenen, dem Höchsten!‹ ›Sind die Baumstämme entwurzelt worden?‹ ›Ja, mehr noch: Selbst die Berge wurden durch Ihn, den Herrn der Eigenschaften, zu Staub zermahlen!‹ Sie sagen: ›Wo ist das Paradies und wo die Hölle?‹ Sprich: ›Das eine ist die Vereinigung mit Mir, das andere dein eigenes Selbst, o du, der du Gott Gefährten zugesellst und zweifelst.‹ Sie sagen: ›Wir sehen die Waage nicht.‹ Sprich: ›Freilich, bei meinem Herrn, dem Gott der Barmherzigkeit. Keiner kann sie sehen außer den Einsichtsvollen.‹ ›Sind die Sterne vom Himmel gefallen?‹ Sprich: ›Ja, als Er, der Selbstbestehende, im Land des Geheimnisses (Adrianopel) wohnte. Habt acht, ihr Einsichtigen!‹ Alle Zeichen erschienen, als Wir die Hand der Macht vom Busen der Majestät und Herrschaft hervorzogen. Wahrlich, der Rufer hat gerufen, als die verheißene Zeit gekommen war, und sie, die den Strahlenglanz des Sinai erkannten, sanken ohnmächtig hin in der Wüste des Zauderns vor der furchtgebietenden Majestät deines Herrn, des Herrn der Schöpfung. Die Posaune fragt: ›Wurde das Horn geblasen?‹ Sprich: ›Ja, bei dem König der Offenbarung! Es geschah, als Er den Thron Seines Namens »der Allgütige« bestieg.‹ Die Finsternis wurde vom Morgenlicht der Barmherzigkeit deines Herrn, des Quells allen Lichtes, vertrieben. Der Odem des Allbarmherzigen wehte, und die Seelen wurden in den Gräbern ihrer Körper erquickt. So wurde der Ratschluss von Gott, dem Mächtigen, dem Wohltätigen, erfüllt. Die Irregegangenen fragen: ›Wann wurden die Himmel gespalten?‹ Sprich: ›Während ihr in den Gräbern der Achtlosigkeit und des Irrtums lagt.‹ Einer der Achtlosen reibt sich die Augen und schaut zur Rechten und zur Linken. Sprich: ›Verblendet bist du. Keine Zuflucht bleibt dir, wohin du fliehen könntest.‹ Auch ist einer unter ihnen, der sagt: ›Sind die Menschen versammelt worden?‹ Sprich: ›Ja, bei Meinem Herrn, während du in der Wiege eitler Vorstellungen lagst.‹ Und ein anderer unter ihnen sagt: ›Ist das Buch durch die Macht des wahren Glaubens herniedergesandt worden?‹ Sprich: ›Der wahre Glaube selbst ist darüber in Staunen versetzt. Fürchtet euch, o ihr Menschen mit verstehendem Herzen!‹ Und noch einer von ihnen sagt: ›Bin ich blind mit den anderen versammelt worden?‹ Sprich: ›Ja, bei Ihm, der auf den Wolken reitet!‹ Das Paradies ist mit mystischen Rosen geschmückt, und die Hölle lodert auf durch das Feuer der Gottlosen. Sprich: ›Das Licht ist am Horizont der Offenbarung erschienen, und die ganze Erde wurde beim Kommen des Herrn am Tage des Bundes erleuchtet.‹ Die Zweifler sind zugrunde gegangen, aber gut bestellt ist es um den, der sich – vom Lichte der Überzeugung geführt – zum Dämmerungsort der Gewissheit wandte. Gesegnet bist du, der du deinen Blick auf Mich richtest, um dieses Tablets willen, das für dich herniedergesandt wurde – ein Tablet, das den Seelen der Menschen Aufschwung gibt. Präge es deinem Gedächtnis ein und trage es vor. Bei Meinem Leben! Es ist ein Tor zur Gnade deines Herrn. Wohl dem, der es am Abend und am Morgen liest. Wahrlich, Wir hörten, wie du diese Sache priesest, durch die der Berg des Wissens zermalmt wurde und die Füße der Menschen strauchelten. Meine Herrlichkeit sei mit dir und allen, die sich dem Allmächtigen, dem Gabenreichen zugewandt haben. Das Tablet ist nun beendet, aber das Thema ist noch nicht erschöpft. Sei geduldig, denn dein Herr ist der Geduldige.«Vgl. Bahá’u’lláh, Ishráqát, in: Botschaften aus ‘Akká 8:35 – Anm. d. Hrsg.
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Dies sind Verse, die Wir früher, kurz nach Unserer Ankunft in der Gefängnisstadt ‘Akká, offenbarten, und Wir senden sie dir, damit du weißt, was die lügnerischen Zungen gewisser Menschen sprachen, als Unsere Sache zu ihnen kam mit Macht und Herrschaft. Die Grundlagen eitler Vorstellungen sind erzittert, und der Himmel leerer Einbildungen wurde gespalten; dennoch sind die Menschen im Zweifel und hadern mit Ihm. Sie leugneten das Zeugnis Gottes und Seinen Beweis, als Er vom Himmel der Macht mit dem Königreich Seiner Zeichen kam. Sie verwarfen, was ihnen im Buche befohlen wurde, und verübten, was ihnen verboten ward. Abgewandt haben sie sich von ihrem Gott und sind ihren Begierden gefolgt. Sie sind wahrlich vom Wege abgekommen und in die Irre gegangen. Sie lesen die Verse und leugnen sie. Sie schauen die klaren Zeichen und kehren sich ab. In der Tat, sie sind in seltsamen Zweifeln verfangen.
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Wir ermahnten Unsere Geliebten zur Gottesfurcht, die der Urquell aller guten Taten und Sitten ist. In der Stadt Bahás ist die Gottesfurcht die Führerin der Heerscharen der Gerechtigkeit. Glücklich der Mensch, der unter den Schatten ihres leuchtenden Banners tritt und sich fest daran hält. Er, wahrlich, zählt zu den Gefährten der Roten Arche, von der im Qayyúmu’l-Asmá’ die Rede ist.
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Sprich: O Volk Gottes! Schmücke deine Tempel mit der Zier der Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit. Alsdann hilf deinem Herrn mit den Heerscharen guter Taten und edler Eigenschaften. In Meinen Büchern, Schriften, Sendschreiben und Tablets haben Wir euch Streit und Zwist verboten, und dabei wünschten Wir nichts als eure Erhöhung und euren Fortschritt. Dies bezeugen der Himmel und seine Sterne, die Sonne und ihr Glanz, die Bäume und ihre Blätter, die Meere und ihre Wogen, die Erde und ihre Schätze. Wir bitten Gott, Seinen Geliebten beizustehen und sie in dem zu stärken, was ihrer auf dieser glückseligen, dieser mächtigen und wunderbaren Stufe würdig ist.
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Des weiteren sagten Wir in einem anderen Tablet: »O du, der du deinen Blick auf Mein Antlitz richtest! Ermahne die Menschen zur Gottesfurcht. Bei Gott! Die Gottesfurcht ist die Befehlshaberin über die Streitmacht deines Herrn. Ihre Truppen sind edle Charaktereigenschaften und gute Taten. Sie hat durch alle Jahrhunderte und Zeitalter die Städte der Menschenherzen erobert und die Banner der Überlegenheit und des Sieges hoch über allen anderen Bannern gehisst.«Vgl. Bahá’u’lláh, Ishráqát, in: Botschaften aus ‘Akká 8:41 – Anm. d. Hrsg.
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»Wir wollen dich nun an die Vertrauenswürdigkeit und an die Stelle erinnern, die sie vor Gott, deinem Herrn und dem Herrn des Mächtigen Thrones, einnimmt. Eines Tages begaben Wir Uns auf Unsere grüne Insel [Garten Riḍván]. Als Wir sie betraten, sahen Wir fließende Bäche und Bäume in voller Pracht, zwischen deren Blättern die Sonne spielte. Unser Gesicht nach rechts wendend, sahen Wir, was die Feder nicht zu beschreiben vermag; sie kann nicht kundtun, was das Auge des Herrn der Menschheit an diesem Ort wahrnahm, welcher der heiligste, hehrste, gesegnetste und erhabenste Ort ist. Wir wandten Uns darauf zur Linken. Dort sahen Wir eines der herrlichen Wesen des Erhabensten Paradieses auf einer Säule reinen Lichtes stehen und mit lauter Stimme rufen: ›O ihr Bewohner der Erde und des Himmels! Schaut auf Meine Schönheit, Mein Leuchten, Meine Erscheinung, Meinen Glanz! Bei Gott, dem Wahrhaftigen! Ich bin die Vertrauenswürdigkeit, ihre Verkörperung und ihre Schönheit. Ich will jeden belohnen, der sich an Mich hält, Meinen Rang und Meine Stufe erkennt und sich fest an den Saum Meines Gewandes klammert. Ich bin der edelste Schmuck für das Volk Bahás und der Mantel des Ruhmes für alle im Reiche der Schöpfung. Ich bin das erhabenste Werkzeug für die Wohlfahrt der Welt und der Horizont der Sicherheit für alles Leben.‹ Damit sandten Wir dir hernieder, was die Menschen näher zum Herrn der Schöpfung ziehen wird.«Vgl. Bahá’u’lláh, Ishráqát, in: Botschaften aus ‘Akká 8:42 – Anm. d. Hrsg.
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Dieser Unterdrückte hat zu allen Zeiten die Völker der Welt zu dem gerufen, was sie erhöht und Gott näher bringt. Was vom Erhabensten Horizont ausstrahlt, lässt keinem Menschen Raum für Wankelmut, Zurückweisung oder Absage. Die Eigensinnigen aber haben es versäumt, ihren Nutzen daraus zu ziehen; dies wird ihren Verlust nur mehren.
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O Shaykh! Die Geistlichen haben die Pflicht, sich mit Seiner Majestät dem Sháh – möge Gott ihm beistehen – zu vereinen und sich an das zu halten, was Regierung und Volk in ihrer Stufe erhöht. Das Volk Bahás ist unablässig bemüht, die Seelen der Menschen zu erleuchten und deren Verfassung wieder zu Ehren zu bringen. Dies bezeugt, was die Erhabenste Feder in diesem leuchtenden Tablet herniedersandte. Wie oft schon waren die Dinge so einfach und leicht zu verwirklichen, und doch waren die meisten achtlos und nur darauf aus, ihre Zeit zu vergeuden.
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In Konstantinopel besuchte eines Tages Kamál Páshá diesen Unterdrückten. Unsere Unterredung drehte sich darum, was dem Menschen nützlich wäre. Er sagte, er habe mehrere Sprachen gelernt. Wir erwiderten: »Du hast dein Leben vergeudet. Es geziemt dir und den anderen Beamten der Regierung, eine Versammlung einzuberufen und eine unter den verschiedenen Sprachen sowie eine der bestehenden Schriftarten auszuwählen oder aber eine neue Sprache und eine neue Schrift zu schaffen, die man die Kinder in den Schulen der ganzen Welt lehrt. Auf diese Weise würden sie nur zwei Sprachen lernen, ihre Muttersprache und diejenige, in der sich alle Völker der Welt verständigen. Wenn die Menschen dies fest im Auge behielten, würde die ganze Erde schließlich als ein Land betrachtet werden, und das Volk wäre entlastet und befreit von der Notwendigkeit, verschiedene Sprachen zu lehren und zu lernen.« Solange Kamál Páshá in Unserer Gegenwart weilte, stimmte er zu; er bekundete sogar große Freude und volle Zufriedenheit. Wir sagten ihm, er solle diese Angelegenheit den Beamten und Ministern der Regierung vorlegen, damit sie in all den verschiedenen Ländern bewerkstelligt würde. Aber sooft er Uns später noch besuchte, kam er doch nie mehr auf diesen Gegenstand zu sprechen, obgleich doch das, was Wir vorschlugen, zur Einigkeit und Einheit der Völker dieser Welt beiträgt.
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Wir hoffen sehr, dass die persische Regierung diesen Gedanken aufnimmt und ausführt. Vor kurzem sind eine neue Sprache und eine neue Schrift erfunden worden. Wenn du wünschst, werden Wir sie dir mitteilen. Unsere Absicht ist, dass sich alle Menschen an das halten, was unnötige Mühe und Anstrengung vermindert, damit sie ihre Tage in geziemender Weise verbringen und zu Ende führen. Gott ist wahrlich der Helfer, der Unterrichtete, der Verordner, der Allwissende.
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So Gott will, wird Persien so weit kommen, dass es sich mit Tugenden schmückt, deren es bisher beraubt war. Sprich: »O Sháh! Bemühe dich, auf dass die Völker der Welt vom Strahlenglanz der Sonne deiner Gerechtigkeit erleuchtet werden. Die Augen dieses Unterdrückten sind nur auf Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Reinheit und alles, was den Menschen nützt, gerichtet.« Sieh Ihn nicht als einen Verräter an. Verherrlicht seist Du, o mein Gott, mein Meister, meine Stütze! Stehe Du Seiner Majestät dem Sháh bei, Deine Gesetze und Deine Gebote auszuführen und Deine Gerechtigkeit unter Deinen Dienern zu vertreten. Du bist wahrlich der Großmütige, der Herr überströmender Gnade, der Allmächtige, der Allgewaltige. Die Sache Gottes ist als ein Zeichen Seiner Gnade erschienen. Glücklich ist, wer danach handelt; glücklich ist, wer versteht; glücklich ist der Mensch, der sich an die Wahrheit hält, losgelöst von allem, was in den Himmeln und auf Erden ist.
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O Shaykh! Suche nach der Küste des Größten Meeres und besteige sodann die Rote Arche, die Gott im Qayyúmu’l-Asmá’ für das Volk Bahás verordnet hat. Wahrlich, sie fährt über Land und Meer. Wer sie betritt, ist errettet, und wer sich von ihr wendet, geht zugrunde. Wenn du sie gefunden hast und besteigst, richte dein Angesicht auf die Ka‘bah Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, und sprich: »O mein Gott! Ich flehe zu Dir bei Deinem herrlichsten Lichte, und alle Deine Lichter sind wahrlich herrlich.« Alsdann werden sich die Tore des Königreichs weit vor deinem Angesicht auftun, und du wirst sehen, was zuvor kein Auge schaute, und hören, was noch kein Ohr vernommen hat. Dieser Unterdrückte ermahnt dich, wie Er dich schon zuvor ermahnte, und Er hatte nie einen anderen Wunsch für dich, als dass du auf dem Meer der Einheit Gottes, des Herrn der Welten, fährst. Dies ist der Tag, an dem alle erschaffenen Dinge laut rufend den Menschen diese Offenbarung verkünden, durch die erschienen ist, was in der Erkenntnis Gottes, des Mächtigen, des Allgepriesenen, bewahrt und verborgen war.
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O Shaykh! Du hast gehört, welch süße Weisen die Tauben des Wortes auf den Zweigen des Lotosbaumes der Erkenntnis gurren. Lausche nun auf den Gesang, den die Vögel der Weisheit im Erhabensten Paradies anstimmten. Sie werden dich wahrlich mit bisher nie erahnten Dingen vertraut machen. Höre, was die Zunge der Macht und Kraft gesprochen hat in den Büchern Gottes, des Verlangens jedes verstehenden Herzens. In diesem Augenblick erhebt sich eine Stimme aus dem Lotosbaum im Erhabensten Paradiese, über den hinaus keiner schreiten kann, und gebietet Mir, dir zu sagen, was in den Büchern und Tablets herniedergesandt wurde und was Mein Vorläufer sprach, der Sein Leben für diese Große Verkündung, diesen Geraden Pfad opferte. Er sagte – und Er spricht die Wahrheit: »Ich habe zu Seiner Erwähnung diese edelsteingleichen Worte niedergeschrieben: ›Keine Andeutung von Mir kann Ihn andeuten, noch kann dies irgend etwas, was im Bayán steht.‹« Und weiter sagt Er – gepriesen und verherrlicht sei Er – über diese mächtigste Offenbarung, diese Große Verkündung: »Gepriesen und verherrlicht ist Er über die Macht jedes anderen außer Ihm selbst, Ihn zu offenbaren, und über die Beschreibung durch irgendeines Seiner Geschöpfe. Ich selbst bin nur der erste Diener, der an Ihn und Seine Zeichen glaubt und am süßen Duft Seiner Worte von den Paradiesfrüchten Seines Wissens teilhat. Ja, bei Seiner Herrlichkeit! Er ist die Wahrheit. Es gibt keinen anderen Gott außer Ihm. Alle sind auf Seinen Befehl hin auferstanden.« Dies sind die Worte, die die Taube der Wahrheit auf den Zweigen des Göttlichen Lotosbaumes gurrte. Wohl steht es um den, der ihrer Stimme lauschte und vom Meer göttlicher Äußerung, das in jedem dieser Worte verborgen liegt, trank. Ein andermal rief die Stimme des Bayán laut von den höchsten Zweigen. Er sagte – gesegnet und verherrlicht sei Er: »Im Jahre neun werdet ihr zu allem Guten gelangen.« Und wieder bei anderer Gelegenheit: »Im Jahre neun werdet ihr in die Gegenwart Gottes gelangen.« Diese Weisen der Vögel in den Städten des Wissens stimmen mit dem überein, was der Allbarmherzige im Qur’án herniedersandte. Gesegnet sind die Einsichtsvollen, gesegnet die, welche zu diesem Ziel gelangen.
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O Shaykh! Ich schwöre bei Gott! Der Strom der Barmherzigkeit fließt, das Meer des Wortes wogt und die Sonne der Offenbarung strahlt in ihrem Glanze. Sprich die erhabenen Worte, die Mein Vorläufer, der Erste Punkt, geoffenbart hat, mit reinem Herzen, geweiteter Brust und wahrheitsliebender Zunge. Er sagte – verherrlicht sei Seine Rede – zu dem ehrwürdigen ‘Aẓím: »Dies ist wahrlich, was Wir dir verheißen haben, bevor Wir noch deinen Ruf beantworteten. Warte, bis von der Zeit des Bayán neun verflossen sind. Alsdann rufe aus: ›Gesegnet sei Gott hierfür, der erhabenste der Schöpfer!‹Qur’án 23:14 – Anm. d. Hrsg. Sprich: Dies ist wahrlich eine Verkündung, die niemand außer Gott begreift. Ihr aber werdet an jenem Tage nichts bemerken.« Im Jahre neun erhob sich diese Größte Offenbarung und erstrahlte hell am Horizont des Willens Gottes. Niemand kann es leugnen außer dem Achtlosen und Zweifelnden. Wir bitten Gott, Seinen Dienern beizustehen, dass sie zu Ihm zurückkehren und um Vergebung flehen für alles, was sie in diesem nichtigen Leben begangen haben. Er ist wahrlich der Vergebende, der Verzeihende, der Allbarmherzige. In anderem Zusammenhang spricht Er: »Ich bin der erste Diener, der an Ihn und Seine Zeichen glaubt.« Gleicherweise sagt Er im Persischen Bayán: »Er ist wahrlich Der, welcher unter allen Umständen verkündet: ›Ich bin in Wahrheit Gott!‹Vgl. Qur’án 20:14 – Anm. d. Hrsg.« – und so fährt Er fort, gesegnet und verherrlicht sei Er. Was mit Göttlichkeit und Gottheit gemeint ist, wurde früher erklärt. Wir haben wahrlich die Schleier zerrissen und enthüllt, was die Menschen Gott, der ihnen den Nacken beugt, nahe bringt. Glücklich der Mensch, der zu Gerechtigkeit und Redlichkeit gelangte durch diese Gnade, die alles in den Himmeln und auf Erden umspannt, wie es Gott, der Herr der Welten, geboten hat.
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O Shaykh! Lausche den Weisen des Evangeliums mit dem Ohr der Unparteilichkeit. Er prophezeit – verherrlicht sei Sein Wort – über die kommenden Dinge: »Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater.«Mt. 24:36 – Anm. d. Hrsg.. Mit »Vater« ist in diesem Zusammenhang Gott gemeint – gepriesen sei Seine Herrlichkeit. Er ist der Wahre Erzieher, der Geistige Lehrer.
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Joel sagt: »Denn der Tag des Herrn ist groß und überaus schrecklich, und wer kann ihn bestehen?«Vgl. Joel. 2:11 – Anm. d. Hrsg.. Erstens sagt Er in dem erhabenen Wort, das im Evangelium aufgezeichnet ist, dass niemand der Zeit der Offenbarung gewärtig ist außer Gott, dem Allwissenden, der von allen Dingen Kenntnis hat. Zweitens legt Er die Größe dieser Offenbarung dar. Ebenso spricht Er im Qur’án: »Worüber befragen sie einander? Über die Große Verkündung.«Qur’án 78:1–2 – Anm. d. Hrsg. Dies ist die Verkündung, über deren Größe in den meisten Büchern aus alter und neuer Zeit gesprochen wird. Dies ist die Verkündung, die die Glieder der Menschen erzittern ließ, ausgenommen jener, die Gott, der Beschützer, der Helfer, der Beistand, verschonen wollte. Die Menschen haben in der Tat mit eigenen Augen gesehen, wie sie selbst und alle Dinge in Verwirrung gestürzt wurden und in ein schlimmes Durcheinander gerieten, außer jenen, die Gott auszunehmen beliebte.
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O Shaykh! Groß ist diese Sendung und groß die Verkündung! Denke geduldig und ruhig nach über die leuchtenden Zeichen, die erhabenen Worte und alles, was in diesen Tagen geoffenbart wurde, damit du die Geheimnisse ergründest, die in den Büchern verborgen sind, und dich bemühst, Seine Diener zu führen. Lausche mit deinem geistigen Ohr auf die Stimme Jeremias, der da sagt: »Groß ist jener Tag, und er hat nicht seinesgleichen.«Vgl. Jer. 30:7 – Anm. d. Hrsg.. Würdest du mit dem Auge der Ehrlichkeit schauen, du würdest die Größe dieses Tages wahrnehmen. Neige dein Ohr der Stimme dieses Allwissenden Ratgebers, und lass dich nicht der Barmherzigkeit verlustig gehen, die alles Erschaffene, das Sichtbare wie das Unsichtbare, übertrifft. Höre auf den Gesang Davids. Er spricht: »Wer will mich führen in eine feste Stadt?«Ps. 60:11 – Anm. d. Hrsg.. Die »feste Stadt« ist ‘Akká, das den Namen »Größtes Gefängnis« erhielt und eine Festung und mächtige Wälle besitzt.
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O Shaykh! Lies, was Jesaja in seinem Buch gesprochen hat. Er sagt: »Steige auf den hohen Berg, o Zion, dass du gute Kunde bringest; erhebe deine Stimme mit Macht, o Jerusalem, dass du gute Kunde bringest. Erhebe sie und fürchte dich nicht; sage den Städten Judas: ›Sehet euren Gott! Sehet, der Herr, euer Gott, wird kommen mit starker Hand, und Sein Arm wird für Ihn herrschen.‹«Vgl. Jes. 40:9–10 – Anm. d. Hrsg.. An diesem Tag sind alle Zeichen erschienen. Eine große Stadt ist vom Himmel gekommen, und Zion zittert und jubelt vor Freude über die Offenbarung Gottes, denn er hat Gottes Stimme auf allen Seiten gehört. An diesem Tag ist ein neues Evangelium nach Jerusalem gekommen, denn an der Stelle der Sykomore steht die Zeder. Jerusalem ist das Ziel der Pilgerschaft für alle Völker der Welt und wurde heilig genannt, zusammen mit Zion und Palästina; sie sind alle in diesen Bezirken gelegen. Deshalb ist gesagt: »Gesegnet ist der Mensch, der nach ‘Akká wanderte.«Vergl. Ḥadíth Qudsí in: Faḍá’il ‘Akká wa ‘Asqalán. Diese Arbeit wurde im späten 6. Jh. A. D. auf der Grundlage von Überlieferungen zusammengestellt, die von Bahá’ ad-Dín Abú Muḥammad al-Qásim dem Sohn des berühmten Historikers Ibn-i-‘Asákir, in Lehrvorträgen übermittelt wurden, welche er während der Jahre 581 und 585 in Damaskus hielt. Der Autor war einer seiner Studenten. Siehe Momen, The ‘Akká Traditions. – Anm. d. Hrsg.
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Amos sagt: »Der Herr wird aus Zion brüllen und Seine Stimme aus Jerusalem hören lassen; und die Wohnstätten der Hirten werden trauern, und der Gipfel des Karmel wird verdorren.«Vgl. Am. 1:2 – Anm. d. Hrsg.. Karmel wurde im Buche Gottes als der Berg Gottes und als Sein Weinberg bezeichnet. Durch die Gnade des Herrn der Offenbarung wurde auf ihm das Zelt der Herrlichkeit errichtet. Glücklich, wer dorthin gelangt; glücklich, wer sein Angesicht ihm zuwendet. Und desgleichen sagt Er: »Unser Gott kommt und schweigt nicht.«Ps. 50:3 – Anm. d. Hrsg..
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O Shaykh! Denke nach über diese Worte, die Er, das Verlangen der Welt, an Amos richtete. Er sagt: »Bereite dich, Israel, deinem Herrn zu begegnen; denn siehe, Er ist’s, der die Berge formt und den Wind schafft und dem Menschen zeigt, was dieser im Sinne hat; Er macht die Finsternis am Morgen; Er schreitet einher auf den Höhen der Erde; der Herr, der Gott der Heerscharen, ist Sein Name.«Vgl. Am. 4:12–13 – Anm. d. Hrsg.. Er sagt, Er mache die Finsternis am Morgen. Damit ist gemeint: Wenn sich zur Zeit der Offenbarung Dessen, der auf dem Sinai Zwiesprache hielt, irgend jemand als den wahren Morgen betrachten würde, dann würde er durch Gottes Macht und Kraft in Finsternis verwandelt. Er ist wahrlich die falsche Dämmerung, auch wenn er glaubt, er sei die wahre. Wehe ihm und wehe denen, die ihm folgen, ohne ein klares Zeichen von Gott, dem Herrn der Welten.
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Jesaja sagt: »Der Herr allein wird erhöhet werden an jenem Tage.«Vgl. Jes. 2:11 – Anm. d. Hrsg.. Über die Größe der Offenbarung sagt Er: »Gehe in den Felsen und verbirg dich im Staube aus Furcht vor dem Herrn und um Seiner herrlichen Majestät willen.«Vgl. Jes. 2:10 – Anm. d. Hrsg.. In anderem Zusammenhang spricht Er: »Die Wüste und die Einöde werden froh sein, und das dürre Land wird jubeln und blühen wie die Rose. Es wird blühen in üppiger Fülle und frohlocken mit Gesang und Freude; denn die Herrlichkeit des Libanon wird ihm gegeben sein, der Glanz des Karmel und des Saron. Sie werden die Herrlichkeit des Herrn sehen und den Glanz unseres Gottes.«Vgl. Jes. 35:1–2 – Anm. d. Hrsg..
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Diese Stellen bedürfen keiner Erklärung. Sie sind strahlend und offenbar wie die Sonne und glänzen und leuchten wie das Licht selbst. Jeder Mensch mit redlichem Sinn wird durch den Duft dieser Worte in den Garten des Verstehens geführt und gelangt zu dem, was vor den meisten Menschen verschleiert und verschlossen ist. Sprich: Fürchte Gott, o Volk, und folge nicht den Zweifeln jener lauten Schreier, die den Bund Gottes und Sein Testament gebrochen haben und die Seine Barmherzigkeit leugnen, welche allen vorangeht, die in den Himmeln und auf Erden sind.
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Und ferner spricht Er: »Saget den verzagten Herzen: Seid getrost, fürchtet euch nicht.«Vgl. Jes. 35:4 – Anm. d. Hrsg.. Dieser gesegnete Vers ist ein Beweis für die Größe der Offenbarung und die Größe der Sendung; denn der Schall der Posaune muss unweigerlich Verwirrung über die ganze Welt verbreiten, und Furcht und Zittern unter allen Menschen. Gut steht es um den, der vom Licht des Vertrauens und der Loslösung erleuchtet ist. Die Drangsal jenes Tages wird ihn nicht behindern oder beunruhigen. Also spricht die Zunge des Wortes auf Geheiß Dessen, der der Allbarmherzige ist. Er ist wahrlich der Starke, der Allgewaltige, der Allunterwerfende, der Allmächtige. Es obliegt nun all denen, die mit einem hörenden Ohr und einem sehenden Auge ausgestattet sind, über diese erhabenen Worte nachzudenken, in deren jedem die Meere innerer Bedeutung und Erklärung verborgen sind, auf dass die Rede, die Er, der Herr der Offenbarung, äußerte, Seine Diener befähige, strahlend und mit größter Freude zum Höchsten Ziel, dem Erhabensten Gipfel – dem Dämmerungsort dieser Stimme – zu gelangen.
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O Shaykh! Könntest du auch nur weniger als durch ein Nadelöhr geht von dem Hauch Meines Wortes begreifen, du würdest die Welt und alles, was darinnen ist, verlassen und deinen Blick auf das Licht des ersehnten Antlitzes richten. Kurz, in den Aussprüchen Dessen, der der Geist ist (Jesus), liegen ungezählte Bedeutungen verborgen. Auf viele Dinge kam Er zu sprechen, aber als Er niemanden fand, der ein hörendes Ohr oder ein sehendes Auge besaß, zog Er es vor, die meisten dieser Dinge zu verhüllen, wie Er ja einmal sagte: »Ihr könnt es jetzt noch nicht tragen.«Joh. 16:12 – Anm. d. Hrsg. Dieser Aufgangsort der Offenbarung sagte, an jenem Tag werde Er, der Verheißene, die kommenden Dinge enthüllen. Demgemäß wurde im Kitáb-i-Aqdas, in den Tablets an die Könige, im Lawḥ-i-Ra’ís und im Lawḥ-i-Fu’ád das meiste dessen, was sich auf dieser Erde ereignet hat, von der Erhabensten Feder angekündigt und vorausgesagt.
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Im Kitáb-i-Aqdas wurde folgendes geoffenbart: »O Land von Ṭá (Ṭihrán)! Lass dich durch nichts betrüben, denn Gott hat dich zum Quell der Freude für die ganze Menschheit erwählt. Er wird, wenn es Sein Wille ist, deinen Thron mit einem Herrscher segnen, der in Gerechtigkeit regieren und die von den Wölfen zerstreute Herde Gottes sammeln wird. Voll Glück und Freude wird ein solcher Herrscher sein Angesicht dem Volke Bahás zukehren und diesem seine Gunst erwiesen. Er wird in der Tat vor dem Auge Gottes als ein Juwel unter den Menschen angesehen. Auf ihm ruhe allezeit der Ruhm Gottes und der Ruhm aller, die im Reiche Seiner Offenbarung weilen.«Vgl. Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:91 – Anm. d. Hrsg. Diese Verse wurden schon früher verkündet. Nun aber ist der folgende Vers herniedergesandt worden: »O Gott, mein Gott! Bahá bittet Dich und fleht zu Dir bei dem Lichte Deines Antlitzes, bei den Wogen des Meeres Deiner Offenbarung und bei dem Strahlenglanz der Sonne Deines Wortes, stehe dem Sháh bei, gerecht und ehrlich zu sein. So es Dein Wille ist, segne durch ihn den Thron der Hoheit und Herrschaft. Mächtig bist Du zu tun, was Dir gefällt. Es gibt keinen Gott außer Dir, der Du hörst und zur Antwort bereit bist.« »Frohlocke mit großer Freude, o Land von Ṭá (Ṭihrán), denn Gott hat dich zum Tagesanbruch Seines Lichtes gemacht, da in dir die Manifestation Seiner Herrlichkeit geboren wurde. Freue dich über diesen Namen, der dir verliehen wurde – einen Namen, durch den der Morgenstern der Gnade seinen Glanz erstrahlen ließ und durch den Erde und Himmel erleuchtet wurden. Binnen kurzem werden deine Verhältnisse gewandelt werden, und die Zügel der Macht werden in die Hand des Volkes übergehen. Wahrlich, dein Herr ist der Allwissende. Seine Gewalt umfasst alle Dinge. Bleibe der gnädigen Gunst deines Herrn versichert. Das Auge Seiner Güte wird ewig auf dir ruhen. Es nähert sich der Tag, da deine Erregung in Frieden und ruhevolle Stille verwandelt sein wird. So wurde es im Wundersamen Buche bestimmt.«
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Ebenso wurde im Lawḥ-i-Fu’ád, im Tablet an den König von Paris (Napoleon III.) und in anderen Tablets geoffenbart, was jeden redlich Gesinnten veranlassen wird, die Macht, Hoheit und Weisheit Gottes – gepriesen sei Seine Herrlichkeit – zu bezeugen. Wollten die Menschen mit dem Auge der Gerechtigkeit schauen, sie würden des Geheimnisses dieses gesegneten Verses gewahr werden: »Es gibt kein Ding, sei es grün oder dürr, das nicht in deutlicher Schrift aufgezeichnet wäre«Qur’án 6:59 – Anm. d. Hrsg., und sie würden diesen Vers begreifen. Da jedoch die Menschen an diesem Tage die Wahrheit verworfen haben, können sie das, was von Ihm, dem Enthüllenden, dem Altehrwürdigen der Tage, herniedergesandt ward, nicht verstehen. Gnädiger Gott! Überall sind deutliche Zeichen erschienen, und dennoch sind die Menschen zum größten Teil des Vorrechts beraubt, diese wahrzunehmen und zu begreifen. Wir flehen zu Gott, Er möge allen Menschen Seine Hilfe angedeihen lassen, damit sie die Perlen erkennen, die in den Muscheln des Größten Meeres verborgen ruhen, und rufen: »Gepriesen seist Du, o Gott der Welt!«
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O Schar der redlich Gesinnten! Schaut auf die Wogen des Wortes und der Erkenntnis Gottes und denkt darüber nach, auf dass ihr mit der Zunge eures Geistes und Mundes bezeugt, dass bei Ihm die Kenntnis all dessen ist, was in dem Buche steht. Nichts entgeht Seiner Kenntnis. Er hat wahrlich geoffenbart, was verborgen war, als Er bei Seiner Wiederkehr den Thron des Bayán bestieg. All dies wurde herniedergesandt und wird, Wort für Wort, auf Erden eintreffen. Keinem bleibt die Möglichkeit, sich abzuwenden oder sich dagegen zu verwahren. Da jedoch rechter Sinn in Ungnade fiel und verborgen blieb, reden die meisten Menschen, wie es ihnen ihre eitlen Vorstellungen eingeben.
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O Gott, mein Gott! Verhindere Deine Diener nicht, ihr Angesicht dem Lichte der Gewissheit zuzuwenden, das über dem Horizonte Deines Willens angebrochen ist, und lass sie nicht des Meeres Deiner Zeichen verlustig gehen, o mein Gott. O mein Herr, sie sind Deine Diener in Deinen Städten und Deine Knechte in Deinen Landen. Wenn Du kein Erbarmen mit ihnen hast, wer soll ihnen dann Barmherzigkeit erweisen? Nimm jene bei der Hand, o mein Gott, die in der See eitler Vorstellungen versunken sind, und befreie sie durch Deine Kraft und höchste Herrschaft. Schütze sie sodann mit der Wehr Deiner Macht. Du bist mächtig zu tun, was Du willst, und in Deiner Rechten ruhen die Zügel all dessen, was in den Himmeln und auf Erden ist.
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In gleicher Weise sagt der Erste Punkt [der Báb]: »Schaut auf Ihn mit Seinen eigenen Augen. Wenn ihr auf Ihn mit den Augen anderer schautet, würdet ihr Ihn niemals finden und erkennen.« Dies bezieht sich auf nichts anderes als diese Größte Offenbarung. Wohl steht es um die, welche redlich urteilen. Und ebenso sagt Er: »Der einjährige Spross, der in sich die Kräfte der kommenden Offenbarung trägt, ist mit einer Macht ausgestattet, die den vereinten Kräften des ganzen Bayán überlegen ist.« Diese frohen Botschaften des Bayán und der Bücher früherer Zeiten sind wiederholt unter verschiedenen Namen in zahlreichen Büchern erwähnt worden, auf dass die Menschen gerecht urteilen mögen über das, was am Horizont des Willens Gottes, des Herrn des Mächtigen Thrones, erschienen ist und von dort herniederstrahlt.
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O Shaykh! Sage dem Volk des Bayán: »Denkt über diese gesegneten Worte nach. Er spricht: ›Der ganze Bayán ist nur ein Blatt unter den Blättern Seines Paradieses.‹ Sei redlich, o Volk, und gehöre nicht zu jenen, die zu den Verlorenen gezählt werden im Buche Gottes, des Herrn der Welten.« Der gesegnete Lotosbaum steht an diesem Tage vor deinem Angesicht, beladen mit himmlischen, neuen und wundersamen Früchten. Schaue auf ihn, losgelöst von allem außer ihm. Also spricht die Zunge der Macht und Kraft an diesem Ort, den Gott mit den Fußspuren Seines Größten Namens und Seiner Mächtigen Verkündung schmückte.
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Desgleichen sagt Er: »Ehe nicht neun [Jahre] vom Beginn dieser Sache an vergangen sind, wird das Wesen alles Erschaffenen nicht geoffenbart werden. Alles, was du bis jetzt gesehen hast, ist das Wachstum des feuchten Samens bis zu der Zeit, da Wir ihn mit Fleisch umkleideten. Habe Geduld, bis du eine neue Schöpfung schaust. Sprich: ›Gesegnet sei darum Gott, der erhabenste der Schöpfer!‹Qur’án 23:14 – Anm. d. Hrsg.« Und weiterhin sagt Er über die Macht dieser Offenbarung: »Rechtens ist es für Ihn, den Gott offenbaren wird, den Größten auf Erden zu verwerfen, da ein solcher nur ein Geschöpf in Seiner Hand ist und alle Dinge Ihn anbeten. Nach Ḥín (68 – 1268 d. H.) wird euch eine Sache gegeben werden, die ihr dann kennenlernen werdet.« Und ferner sagt Er: »Wisse mit ganzer Sicherheit und durch den fest begründeten, völlig unwiderruflichen Ratschluss, dass Er – gepriesen sei Seine Herrlichkeit, gelobt sei Seine Macht, geheiligt sei Sein hehres Wesen, verherrlicht sei Seine Größe und gerühmt seien Seine Wege – jedes Ding durch dessen eigenes Selbst erkennbar macht; wer könnte da Ihn durch irgendeinen anderen erkennen als durch Ihn selbst?« Und weiter sagt Er – gepriesen und verherrlicht sei Er: »Hüte dich, hüte dich, dass dich in den Tagen Seiner Offenbarung das Váḥid des Bayán (die achtzehn Buchstaben des Lebendigen) nicht wie ein Schleier von Ihm trennt, da dieses Váḥid in Seinen Augen nur ein Geschöpf ist. Und hüte dich, hüte dich, dass dich die Worte, die im Bayán herniedergesandt sind, nicht wie ein Schleier von Ihm trennen.« Und ein andermal sagt Er – gepriesen sei Er: »Schaue auf Ihn nur mit Seinem eigenen Auge. Denn wer mit Seinem Auge auf Ihn schaut, wird Ihn erkennen; andernfalls wird Er für ihn verhüllt sein. So du Gott und Seine Gegenwart suchst, suche Ihn und schaue auf Ihn.« Und wiederum sagt Er: »Besser ist es für dich, auch nur einen der Verse Dessen zu sprechen, den Gott offenbaren wird, als den ganzen Bayán niederzuschreiben; denn an jenem Tag kann dich dieser eine Vers erlösen, während der ganze Bayán dich nicht erlösen kann.«
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Sprich: O Volk des Bayán! Sei redlich, redlich, und hinwiederum: Sei redlich, redlich! Gehöre nicht zu denen, die der Manifestation der Sache Gottes Erwähnung taten des tags und des nachts, und die, als Er durch Seine Gnade erschien und der Horizont der Offenbarung erleuchtet war, ein Urteil über Ihn fällten, das die Bewohner des Königreiches und des Reiches der Herrlichkeit und all jene wehklagen ließ, die den Willen Gottes, des Allwissenden, des Allweisen, umkreisen.
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Denke tief nach über diese erhabenen Worte. Er sagt: »Wahrlich, Ich glaube an Ihn und an Seinen Glauben und an Sein Buch und an Seine Beweise und an Seine Wege und an alles, was hierüber von Ihm ausgeht. Ich rühme Mich Meiner Verwandtschaft mit Ihm und bin stolz auf Meinen Glauben an Ihn.« Desgleichen sagt Er: »O Gemeinde des Bayán und ihr alle, die ihr dieser angehört! Erkennt die Grenzen, die euch gesetzt sind; denn ein Wesen wie der Punkt des Bayán selbst hat an Ihn, den Gott offenbaren wird, geglaubt, ehe noch alle Dinge erschaffen wurden. Dessen, wahrlich, rühme Ich Mich vor allen im Reiche des Himmels und der Erde.«Báb, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 6:16:3 – Anm. d. Hrsg. Bei Gott! Alle Atome des Weltalls stöhnen und jammern ob der Grausamkeit, die von den Eigensinnigen im Volke des Bayán verübt wurde. Wo sind jene, die mit Einsicht und Gehör begabt sind? Wir flehen zu Gott – gesegnet und verherrlicht sei Er –, Er möge sie versammeln und zu dem ermahnen, was ihnen nützt, und sie fernhalten von dem, was ihnen schadet. Er ist in Wahrheit der Starke, der Allunterwerfende, der Allmächtige.
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Und weiter sagt Er: »Lasst es nicht zu, dass ihr wie durch einen Schleier von Gott getrennt seid, nachdem Er sich offenbarte. Denn alles, was im Bayán gepriesen wurde, ist nur wie ein Ring an Meiner Hand, und Ich selbst bin wahrlich nur ein Ring an der Hand Dessen, den Gott offenbaren wird – verherrlicht sei Seine Erwähnung! Er wendet ihn, wie es Ihm gefällt, wozu es Ihm gefällt und wodurch es Ihm gefällt. Er, wahrlich, ist der Helfer in Gefahr, der Höchste.«Báb, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 6:16:3 – Anm. d. Hrsg. Desgleichen sagt Er: »Wollte Er einen jeden auf Erden zu einem Propheten machen, würden alle – und dies ist die unbedingte Wahrheit – in den Augen Gottes als Propheten angesehen.« Und ein andermal sagt Er: »Am Tage der Offenbarung Dessen, den Gott offenbaren wird, werden alle Erdbewohner in Seiner Wertschätzung gleich sein. Wen immer Er zum Propheten bestimmt, der ist wahrlich vom Anbeginn an, der keinen Anbeginn hat, ein Prophet gewesen und wird ein solcher bleiben bis zum Ende, das kein Ende hat, da dies eine Tat Gottes ist. Und wer immer von Ihm zum Statthalter gemacht wird, wird in allen Welten ein Statthalter sein, da dies eine Tat Gottes ist. Denn der Wille Gottes kann auf keine andere Weise enthüllt werden als durch Seinen Willen, noch kann Gottes Wunsch anders geoffenbart werden als durch Seinen Wunsch. Er ist wahrlich der Allbezwingende, der Allgewaltige, der Allhöchste.«
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Kurz, bei jeder Gelegenheit hat Er dargelegt, was der Bekehrung, dem Fortschritt, der Erhöhung und der Führung der Menschen dienlich ist. Etliche unredliche Seelen sind jedoch zu einem Schleier, einer unüberwindlichen Schranke geworden und haben das Volk gehindert, sich dem Lichte Seines Antlitzes zuzuwenden. Wir bitten Gott, sie durch Seine höchste Herrschaft auszustoßen und sich ihrer durch Seine alles erfassende Kraft zu bemächtigen. Er ist wahrlich der Herr der Stärke, der Mächtige, der Allweise.
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An anderer Stelle sagt Er: »Er – verherrlicht sei Seine Erwähnung – gleicht der Sonne. Würden ungezählte Spiegel vor ihr aufgestellt, ein jeder würde nach seiner Fähigkeit den Glanz dieser Sonne widerstrahlen, und wäre kein Spiegel vor ihr, würde sie sich weiterhin erheben und senken, und nur die Spiegel wären von ihrem Licht ausgeschlossen. Ich habe wahrlich Meine Pflicht nicht versäumt, dieses Volk zu ermahnen und auf Mittel und Wege zu sinnen, durch die es sich Gott, seinem Herrn, zuwenden und an Gott, seinen Schöpfer, glauben kann. Wenn Ihm am Tage Seiner Offenbarung alle auf Erden Gefolgschaft leisten, wird Mein innerstes Wesen jubeln, weil dann alle den Gipfel ihres Seins erklimmen, weil sie ihrem Geliebten Auge in Auge gegenüberstehen und in dem höchsten Maße, das in der Welt des Seins erreichbar ist, den Strahlenglanz Dessen erkennen, der die Sehnsucht ihrer Herzen ist. Wenn nicht, wird Meine Seele in der Tat traurig sein. Ich habe in Wahrheit alle Dinge auf dieses Ziel vorbereitet. Wie könnte da irgend jemand durch einen Schleier von Ihm getrennt sein? Hierfür habe Ich zu Gott gerufen und werde weiter zu Ihm rufen. Er, wahrlich, ist nahe, bereit zur Antwort.«Báb, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 6:6:1 – Anm. d. Hrsg.
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Und desgleichen sagt Er: »Sie werden diesem Baume, der weder vom Osten noch vom Westen stammt, selbst den Namen eines Gläubigen versagen; denn würden sie Ihn so nennen, dann könnten sie Ihm nicht wehtun.« Hat dein Ohr, o Welt, vernommen, mit welcher Hilflosigkeit diese Worte enthüllt wurden vom Tagesanbruch des Willens Dessen, der der Aufgangsort aller Namen ist? Er spricht: »Ich habe alle Menschen erzogen, damit sie diese Offenbarung erkennen, und doch weigert sich das Volk des Bayán, jenem gesegneten Baume, der weder dem Osten noch dem Westen angehört, auch nur den Namen eines Gläubigen zuzugestehen.« Wehe, wehe ob dem, was über Mich gekommen ist! Bei Gott! Von der Hand dessen, den Ich aufgezogen habe ( Mírzá Yaḥyá), wurde Mir Tag und Nacht zugefügt, was den Heiligen Geist und die Bewohner des Tabernakels der Erhabenheit Gottes, des Herrn dieses wundersamen Tages, zum Weinen brachte.
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Ferner sagt Er in Widerlegung gewisser Ungläubiger: »Denn niemand weiß die Zeit dieser Offenbarung außer Gott. Wann immer sie erscheint, müssen alle den Punkt der Wahrheit anerkennen und Gott danken.« Die sich von Mir abwandten, redeten genauso, wie die Anhänger Johannis (des Täufers) redeten; denn auch diese verwahrten sich gegen Ihn, der der Geist (Jesus) war, und sagten: »Die Sendung Johannis ist noch nicht beendet; weshalb bist du gekommen?« Nun, auch sie, die Uns verleugneten, obwohl sie Uns niemals kennenlernten und stets in Unkenntnis der Grundlagen dieser Sendung blieben, da sie nicht wissen, von Wem diese ausgeht und was sie bedeutet – auch sie haben geredet, was alles Erschaffene seufzen und wehklagen ließ. Bei Meinem Leben! Ein Stummer kann niemals Dem gegenübertreten, der in sich das Königreich des Wortes verkörpert. Fürchte Gott, o Volk, und lies sodann, was mit Wahrheit herniedergesandt wurde im achten Kapitel des sechsten Váḥid des Bayán, und gehöre nicht zu denen, die sich abwenden. Auch Er hat befohlen: »Einmal alle neunzehn Tage sollten sie dieses Kapitel lesen, damit sie in der Zeit der Offenbarung Dessen, den Gott offenbaren wird, durch keine Schleier von Überlegungen, die diesen Versen fremd sind, von Ihm getrennt werden; denn diese Verse waren und sind die gewichtigsten aller Zeugnisse und Beweise.«
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