Bahá’u’lláh | Anspruch und Verkündigung
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1:12
O Feder des Höchsten! Lausche dem Ruf Deines Herrn, der vom göttlichen Lotosbaum an heiligem, strahlendem Ort ertönt, auf daß die süßen Weisen Deines Herrn, des Allgütigen, Deine Seele mit Freude und Inbrunst erfüllen und die Brisen, die von Meinem Namen, der Immervergebende, wehen, Deinen Kummer und Deine Sorgen vertreiben. Errichte dann auf diesem Tempel die Tempel der Einheit Gottes, damit sie im Reich der Schöpfung von ihrem Herrn künden, dem Erhabensten, dem Allherrlichen, und durch Sein Licht erleuchtet werden.
1:13
Wahrlich, Wir haben diesen Tempel zum Quell allen Seins in dieser neuen Schöpfung bestimmt, damit alle Meine Macht erkennen, durch Mein Wort »›Sei!‹ und es ist«!vgl. Qur’án 2:117, 3:47, 3:59, 16:40, 19:35, 36:82, 40:68 – Anm. d. Hrsg.Q zu bewirken, was Ich will. Unter dem Schatten jedes Buchstabens dieses Tempels werden Wir ein Volk erschaffen, dessen Zahl keiner ermessen kann außer Gott, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden. Gott wird aus Seinem Tempel Menschen erstehen lassen, die unbeeinflußt sind von den Einflüsterungen der Frevler und die allezeit vom Wasser des Lebens trinken. Sie gehören fürwahr zu den Seligen.
1:14
Sie sind Diener unter dem Schutz des Erbarmens ihres Herrn und lassen sich nicht beirren von denen, die ihnen den Weg versperren wollen. Auf ihren Gesichtern wird der Glanz des Lichtes des Allgütigen erstrahlen, und von ihren Herzen wird man das Gedenken Meines allherrlichen, verborgenen Namens hören. Wollten sie ihre Zunge lösen, um ihren Herrn zu preisen, so würden die Bewohner der Erde und des Himmels in ihren Lobgesang einstimmen – doch wie wenige sind es, die hören! Und wollten sie ihren Herrn verherrlichen, so fiele alles Erschaffene mit ein. So hat Gott sie über den Rest Seiner Schöpfung erhöht, doch sind die Menschen dessen nicht gewahr!
1:15
Sie folgen der Sache Gottes wie der Schatten der Sonne. Öffne also deine Augen, o Volk des Bayán, auf daß ihr sie seht! Durch ihre Bewegung bewegen sich alle Dinge, und durch ihren Stillstand stehen alle Dinge still, seid dessen gewiß! Durch sie wandten sich die, so an die göttliche Einheit glauben, Ihm zu, den die ganze Schöpfung anbetet, durch sie fanden die Herzen der Gerechten Ruhe und Gelassenheit, wüßtet ihr es doch! Durch sie wurde die Erde gefügt, regnete es herab aus den Wolken der Freigebigkeit und kam das Brot der Erkenntnis vom Himmel der Gnade herab, würdet ihr es doch erkennen!
1:16
Sie sind der Schutz der Sache Gottes auf Erden, die ihre Schönheit vor dem verdunkelnden Staub eitlen Wahns und leeren Trugs bewahren. Auf dem Pfade Gottes fürchten sie nicht um ihr Leben. Eher geben sie es hin in der Hoffnung, den Meistgeliebten zu schauen, wenn Er in diesem Namen erscheint, der Allmächtige, der Allgewaltige, der Allherrliche, der Heiligste.
1:17
O Lebendiger Tempel! Erhebe Dich so, daß alles Erschaffene sich mit Dir erhebt. Stehe sodann Deinem Herrn mit der allbezwingenden Macht bei, die Wir Dir verliehen. Hab acht, daß Du nicht verzagst an dem Tag, da Angst alles Erschaffene erfaßt! Werde vielmehr zur Offenbarung Meines Namens, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden. Stehe Deinem Herrn mit all Deinen Kräften bei, und achte nicht der Völker der Welt, denn ihr Gerede gleicht dem Summen einer Mücke in endlosem Tal. Trinke vom Wasser des Lebens in Meinem Namen, der Allbarmherzige, und reiche den Nahen unter den Bewohnern dieses gesegneten Ortes, was sie frei macht von allen Namen und sie unter diesen gesegneten, allumfassenden Schatten treten läßt.
1:18
O Lebendiger Tempel! Durch Dich haben Wir alles, was im Himmel und auf Erden erschaffen ward, versammelt und zur Rechenschaft gerufen über das, worüber Wir mit ihnen noch vor der Erschaffung der Welt einen Bund geschlossen hatten. Aber siehe, Wir fanden die meisten Menschen sprachlos und mit angststarrem Blick vor – außer einigen wenigen strahlenden Antlitzen und beredten Zungen. Durch sie brachten Wir die Schöpfung all dessen hervor, was war und was sein wird. Ihr Antlitz hat Gott in Seiner Gnade von den Gesichtern der Ungläubigen abgewandt und im Schatten des Baumes Seines Selbstes geborgen. Ihren Herzen schenkt Er Ruhe und Frieden; Er stärkt und stützt sie durch die Heerscharen des Sichtbaren und des Unsichtbaren.
1:19
O Augen dieses Tempels! Seht nicht auf die Himmel und das, was sie enthalten, und nicht auf die Erde und ihre Bewohner, denn euch haben Wir erschaffen, Unsere Schönheit zu schauen: Seht sie vor Euch! Wendet euren Blick nicht von ihr ab und beraubt euch nicht der Schönheit eures Herrn, des Allherrlichen, des Meistgeliebten. Wir werden durch euch scharfe, durchdringende Augen erschaffen, die die Zeichen ihres Schöpfers schauen und sich von allem abwenden, was die Menschen sehen. Durch euch verleihen Wir Sehkraft, wem Wir wollen, und legen Hand an die, die sich selbst dieser Gunst berauben. Sie haben wahrlich aus dem Becher der Verblendung geschlürft, doch sie merken es nicht.
1:20
O Ohren dieses Tempels! Reinigt euch vom Gekreisch der Verworfenen und lauscht der Stimme eures Herrn. Er, wahrlich, offenbart euch vom Throne der Herrlichkeit: »Kein Gott ist außer Mir, dem Allherrlichen, dem Allmächtigen, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden.« Wir werden durch euch reine Ohren erschaffen, die auf das Wort Gottes hören und auf das, was von der Morgendämmerung der Rede eures Herrn, des Allgütigen, ertönt. Sie werden sicherlich die süßen Melodien göttlicher Offenbarung vernehmen, die aus diesen gesegneten, geheiligten Gefilden erklingen.
1:21
O Zunge dieses Tempels! Wir erschufen dich, wahrlich, durch Unseren Namen, der Allgütige; Wir lehrten dich, was im Bayán noch verborgen war, und verliehen dir die Macht der Rede, auf daß du inmitten Meiner Geschöpfe von Meinem erhabenen Selbst kündest. Verkünde alsdann dieses wundersame und mächtige Gedenken, und fürchte nicht die Verkörperungen Satans. Dafür wurdest du erschaffen durch Meinen erhabenen, allbezwingenden Befehl. Durch dich lösten Wir die Zunge der Rede, um alles, was war, darzulegen – und wieder werden Wir sie durch Meine souveräne Macht lösen, um über das zu sprechen, was kommen wird. Wir werden durch dich beredte Zungen erschaffen, die Mich unter den Himmlischen Heerscharen und den Völkern der Welt rühmen und preisen. So wurden die Verse Gottes offenbart, und so wurde es von dem Herrn aller Namen und Eigenschaften verfügt. Dein Herr ist die Wahrheit; Er kennt das Unsichtbare. Nichts wird diese Zungen daran hindern, ihren Schöpfer zu verherrlichen. Durch sie wird sich alles Erschaffene erheben, den Herrn der Namen zu verherrlichen und zu bezeugen, daß kein Gott ist außer Mir, dem Allmächtigen, dem Herrlichsten, dem Meistgeliebten. Wer Meiner gedenkt, der wird nicht sprechen, es sei denn, er wurde durch diese Zunge aus erhabener Stätte inspiriert. Doch nur wenige sind es, die verstehen! Alle Zungen stimmen den Lobpreis ihres Herrn an und gedenken Seines Namens. Doch unter dem Volk sind Menschen, die verstehen und Sein Lob künden und solche, die Ihn lobpreisen, doch nicht verstehen.
1:22
O himmlische Jungfrau der inneren Bedeutungen! Tritt mit der Erlaubnis Gottes, des Herrn der Himmel und der Erde, aus den Gemächern der Worte. Offenbare dich sodann, geschmückt mit dem Gewand des göttlichen Reichesláhút – Anm. d. Übers.A, und reiche mit deinen rubinroten Fingern den Wein himmlischer Herrschaft jabarút – Anm. d. Übers.A dar, auf daß die Menschen dieser Weltnásút – Anm. d. Übers.A das Licht erschauen, das vom Himmelreichmalakút – Anm. d. Übers.A erstrahlte, als die Sonne der Ewigkeit über dem Horizont der Herrlichkeit aufging. Wollten sie doch diesen Jüngling zwischen Himmel und Erde rühmen und verherrlichen, der im Innersten des Paradieses den Thron Seines Namens »der Allgenügende Helfer« bestieg. Auf Seinem Angesicht erstrahlt das Licht des Allgütigen, aus Seinem Blick der Glanz des Allherrlichen, und in Seinem Wirken werden die Zeichen und Beweise Gottes offenbar, des Beschützers, des Allmächtigen, des Alliebenden.
1:23
Gräme Dich nicht, wenn sich niemand findet, der den karminroten Wein annimmt, den Deine schneeweiße Hand reicht, und der ihn im Namen Deines Herrn, des Erhabensten, des Höchsten, ergreift – Er, der erneut erschien, nun in Seinem Namen der Allherrliche.Al-Abhá – Anm. d. Übers.A Überlasse sie sich selbst, und ziehe Dich zurück in das Tabernakel der Majestät und Herrlichkeit. Dort wirst Du ein Volk antreffen, dessen Angesichter so hell leuchten wie die Sonne im Mittagslicht und das seinen Herrn in diesem Namen verherrlicht, Ihn, der erschien, um in der Fülle Seiner Kraft und Macht den Thron unabhängiger Souveränität zu besteigen. Von ihren Lippen wirst Du nichts hören als die Melodien Meines Lobpreises und Meines Gedenkens. Dies bezeugt Dein Herr. Doch die Existenz dieser Menschen ist vor den Augen aller, die seit unvordenklichen Zeiten durch Gottes Wort erschaffen wurden, verborgen geblieben. So haben Wir es dargelegt und Unsere Verse vorgetragen, auf daß die Menschen über die Zeichen und Beweise ihres Herrn nachdenken.
1:24
Ihnen wurde nie befohlen, sich vor Adam niederzuwerfen.vgl. Qur’án 2:30–34, 38:71–75.A Sie haben sich nicht vom Angesicht Deines Herrn abgewandt und werden ständig der Gaben und Wonnen der Heiligkeit teilhaftig. So hat die Feder des Allgütigen die Geheimnisse all dessen enthüllt, was war und was sein wird. O daß die Menschen es doch verstünden! Gott wird dieses Volk auf Erden erscheinen lassen. Durch sie wird Sein Name gepriesen, werden Seine Zeichen verbreitet, Sein Wort verteidigt, Seine Verse verkündet – denen zum Trotz, die Seine Wahrheit zurückweisen, Seine Souveränität leugnen und Seine Zeichen verneinen.
1:25
O Aufgangsort Seiner Einzigkeit! Solltest Du diesem Volk begegnen und in seine Gegenwart gelangen, erzähle ihm, was dieser Jüngling Dir über sich selbst und über das, was Ihm widerfuhr, berichtet hat, auf daß sie vernehmen, was auf der Verwahrten Tafel geschrieben steht. Mache sie mit der Botschaft dieses Jünglings, mit Seinen Heimsuchungen und Seiner Drangsal bekannt, damit sie Meiner Leiden gewahr werden und zu denen gehören, die verstehen. Berichte ihnen sodann, wie Wir einen Unserer BrüderMírzá Yaḥyá.A erwählten, ihm einen Tautropfen aus dem unermeßlichen Meer des Wissens gewährten, ihn mit dem Gewand eines Unserer Namen bekleideten und ihn auf eine Stufe erhoben, daß alle sein Lob anstimmten, wie Wir ihn so vor den Böswilligen schützten, daß selbst die Mächtigen ihm nicht zu schaden vermochten.
1:26
Wir standen den Völkern der Erde und des Himmels allein gegenüber zu einer Zeit, als alle entschlossen waren, Uns zu erschlagen. Während Wir unter ihnen weilten, gedachten Wir ständig des Herrn, stimmten Sein Lob an, blieben standhaft in Seiner Sache, bis sich schließlich das Wort Gottes unter Seinen Geschöpfen erfüllte, Seine Zeichen weithin verbreitet, Seine Macht gepriesen und Seine Souveränität in ihrem vollen Glanz offenbart waren. Dies bezeugen all Seine ehrbaren Diener. Doch als Mein Bruder den wachsenden Erfolg der Sache bemerkte, wurde er von Stolz und Hochmut erfüllt. Er trat hinter dem Schleier der Verborgenheit hervor, bekämpfte Mich, bestritt Meine Verse, verleugnete Mein Zeugnis und wies Meine Zeichen zurück. Seine Gier wuchs, bis ihn verlangte, Mein Fleisch zu verschlingen und Mein Blut zu trinken. Dies bezeugen die Diener Gottes, die Ihn in Seiner Verbannung begleiteten, und die, die sich Seiner Nähe erfreuen.
1:27
Deshalb wandte er sich an einen Meiner DienerUstád Muḥammad-‘Alíy-i-Salmání. Vgl. den Bericht über die Ereignisse, auf die Bahá’u’lláh sich in diesem und den folgenden Absätzen bezieht, in Gott geht vorüber 275–279.A und suchte ihn auf seine Seite zu ziehen. Daraufhin entsandte der Herr die Heerscharen des Sichtbaren und des Unsichtbaren zu Meinem Beistand, beschützte Mich durch die Macht der Wahrheit und sandte auf Mich herab, was seinen Plan vereitelte. So wurden die Intrigen derer durchkreuzt, die nicht an die Verse des Allgütigen glauben. Sie sind fürwahr ein verworfenes Volk. Als bekannt wurde, wozu sich Mein Bruder hatte verführen lassen und Unsere Gefährten in der Verbannung von seinem ruchlosen Plan erfuhren, wurden die Stimmen der Empörung und des Kummers laut und drohten, in der ganzen Stadt gehört zu werden. Wir geboten ihnen jedoch Einhalt und auferlegten ihnen Geduld, damit sie zu denen gehören, die im Leid standhaft sind.
1:28
Bei Gott, neben dem kein Gott ist! Wir fügten Uns darein und mahnten die Diener Gottes zu Geduld und Standhaftigkeit. So zogen Wir Uns zurück und bezogen ein anderes Haus, auf daß die Flamme des Neids in Meines Bruders Brust erlösche und er rechtgeleitet werde. Wir traten ihm nicht entgegen und begegneten Ihm hernach auch nicht mehr. Wir blieben in Unserem Haus und setzten Unser Vertrauen in Gott, den Helfer in Gefahr, den Selbstbestehenden. Als er indes erkannte, daß die Sache ruchbar geworden war, griff er zur Feder der Verleumdung und schrieb in seinen Briefen an die Diener Gottes das, was er selbst verübt hatte, Meiner unvergleichlichen, Unrecht leidenden Schönheit zu. Sein Sinnen und Trachten war, unter den Dienern Gottes Unheil zu stiften und Haß in die Herzen derer zu säen, die an Gott, den Allherrlichen, den Allliebenden, glaubten.
1:29
Bei Dem, in dessen Hand Meine Seele liegt! Wir waren entsetzt über seine Intrigen, und alles Sichtbare und Unsichtbare war darob bestürzt. Was er in seiner Brust hegte, ließ ihm gleichwohl keine Ruhe, bis er verübte, was keine Feder zu beschreiben wagt. So hat er die Würde Meiner Stufe verletzt und die Heiligkeit Gottes, des Allmächtigen, des Allherrlichen, des Allgepriesenen, mißachtet. Wollte Gott alle Meere der Erde in Tinte verwandeln und alle erschaffenen Dinge in Federn, so reichte dies nicht aus, seine Untaten zu schildern. So berichten Wir, was Uns widerfuhr, damit ihr zu denen gehört, die verstehen.
1:30
O Feder der Ewigkeit! Gräme Dich nicht über das, was über Dich gekommen ist, denn Gott läßt ein Volk erstehen, das mit eigenen Augen sieht und Deiner Leiden gedenkt. Halte Deine Feder zurück, damit sie Deinen Feinden keine Beachtung schenkt, laß sie vielmehr den König der Ewigkeit preisen. Laß ab von allem Erschaffenen und trinke den versiegelten Wein Meines Gedenkens. Hüte Dich, bei denen zu verweilen, von denen nur der widerwärtige Geruch des Hasses ausgeht, die so verstrickt sind in ihrer Gier nach Führerschaft, daß sie nicht zögern würden, sich selbst zu zerstören, um sich mit Ruhm zu schmücken und ihre Namen zu verewigen. Sie verzeichnet Gott in der Verwahrten Tafel als jene, die bloßen Namen huldigen. Künde vielmehr von diesem Tempel, damit Seine Zeichen auf Erden offenbar werden, der Glanz dieses Lichtes das Firmament erleuchte und die Erde vom Makel derer befreie, die nicht an Gott glauben. Also sandten Wir die Verse Gottes herab und legten dies denen dar, die verstehen.
1:31
O Lebendiger Tempel! Strecke Deine Hand aus über alle im Himmel und auf Erden und nimm die Zügel des Befehls in den Griff Deines Willens. Wir haben wahrlich die Herrschaft über alle Dinge in Deine rechte Hand gelegt. Verfahre, wie es Dir beliebt, und fürchte nicht die Toren. Ergreife diese Tafel, die aufging am Horizont der Feder Deines Herrn, und fasse sie mit solcher Kraft, daß auch die Hände aller Geschöpfe sich fest daran halten. Dies steht Dir wahrlich an, so Du zu denen gehörst, die verstehen. So Du Deine Hand zum Himmel Meiner Gnade reckst, erheben sich auch die Hände alles Erschaffenen zu ihrem Herrn, dem Mächtigen, dem Starken, dem Gnädigen. Durch Deine Hand werden Wir starke, kraftvolle und mächtige Hände erwecken und durch sie Unsere Herrschaft über alle in den Reichen der Offenbarung und der Schöpfung errichten. So werden die Diener Gottes erkennen, daß kein Gott ist außer Mir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden. Durch diese Hände werden Wir gewähren und verweigern – doch verstehen kann dies keiner außer dem, der mit des Geistes Augen sieht.
1:32
Sprich: O Volk! Flieht ihr denn vor der Macht Gottes? Bei Gott! Keine Zuflucht werdet ihr an diesem Tag finden, und keinem ist Schutz beschieden, außer wem Gott in Seiner Güte Gnade erweist. Er ist wahrlich der Immervergebende, der Mitleidvolle. Sprich: O Volk! Entsagt allem, was ihr besitzt, und tretet unter den Schatten eures Herrn, des Allbarmherzigen. Dies ist besser für euch als all eure Werke, vergangen oder künftig. Fürchtet Gott und beraubt euch nicht der süßen Düfte vom Tage des Herrn aller Namen und Eigenschaften. Hütet euch, den Text des Wortes Gottes zu ändern oder zu verfälschen. Wandelt in der Furcht des Herrn, und zählt zu den Gerechten.
1:33
Sprich: O Volk! Dies ist die Hand Gottes, die über euren Händen ist,vgl. Qur’án 48:10 – Anm. d. Hrsg.A könntet ihr es nur verstehen. In sie legten Wir alles Gute von Himmel und Erde, so daß nichts Gutes offenbar werde, es gehe denn aus ihr hervor. So haben Wir sie zur Quelle und Schatzkammer alles Guten in der Vergangenheit und der Zukunft gemacht. Sprich: Die Flüsse göttlicher Weisheit und Rede, die durch die Tafeln Gottes strömten, münden in dieses größte Meer, könntet ihr es doch erkennen; und was immer in Seinen Büchern herabgesandt ward, hat seine Vollendung in diesem erhabensten Wort – ein Wort, das über dem Horizont des Willens des Allherrlichen in dieser Offenbarung scheint, die alles Sichtbare und Unsichtbare mit Freude erfüllt hat.
1:34
Gott wird aus dem Busen der Kraft die Hände der Macht hervorziehen und ein Volk erwecken, das sich aufmachen wird, für diesen Jüngling den Sieg zu erringen und die Menschheit zu reinigen vom Schmutz der Verworfenen und der Frevler. Diese Hände werden sich rüsten, den Glauben Gottes zu schirmen und in Meinem Namen, der Selbstbestehende, der Machtvolle, die Völker und Geschlechter auf Erden unterwerfen. Sie werden in die Städte einziehen und die Herzen ihrer Bewohner mit Furcht erfüllen. So sind die Beweise für Gottes Macht; wie furchtbar, wie gewaltig ist sie doch, und wie gerecht übt Er sie aus! Er, wahrlich, herrscht über alle in den Himmeln und auf Erden. Er offenbart, was Ihm beliebt nach verordnetem Maß.
1:35
Sollte einer von ihnen allen Heerscharen der Schöpfung gegenübertreten, so würde er durch die Überlegenheit Meines Willens obsiegen. Dies, wahrlich, ist ein Beweis Meiner Macht, doch Meine Geschöpfe verstehen es nicht. Dies ist wahrlich ein Zeichen Meiner Souveränität, doch Meine Untertanen begreifen es nicht. Es ist wahrlich ein Zeichen Meines Befehls, doch Meine Diener erkennen es nicht. Es ist wahrlich ein Beweis Meiner Überlegenheit, doch keiner ist aufrichtig dankbar dafür außer jenen, deren Augen Gott mit dem Lichte Seiner Erkenntnis erleuchtet, in deren Herzen Er Seine Offenbarung bewahrt und die Er zum Träger Seiner Sache macht. Sie werden vom Gewande Seines Namens die Düfte des Allbarmherzigen atmen und sich zu allen Zeiten an den Zeichen und Versen ihres Herrn erfreuen. Wer jedoch nicht an Gott glaubt und Ihm Gefährten beigesellt, dem zürnt Gott. Er wird ins Feuer geworfen, um voll Angst und Schrecken in seiner Glut zu hausen. So legen Wir Unsere Verse dar und belegen die Wahrheit mit klaren Beweisen, auf daß die Menschen über die Zeichen ihres Herrn nachdenken.
1:36
O Lebendiger Tempel! Wahrlich, Wir haben Dich zum Zeichen Meiner Majestät erhoben inmitten all dessen, was war und was sein wird, und durch Mein Wort »›Sei!‹ und es ist«!vgl. Qur’án 2:117, 3:47, 3:59, 16:40, 19:35, 36:82, 40:68 – Anm. d. Hrsg.Q wurdest Du zum Sinnbild Meiner Sache zwischen Himmel und Erde!
1:37
O Erster Buchstabe dieses Tempels, der das Wesen der Gottheit bezeugt!Das Wort Haykal (Tempel) besteht im Arabischen aus den vier Buchstaben Há’, Yá’, Káf und Lám (ﻞﮑﻳﻬ hykl). Der erste Buchstabe symbolisiert das Wort Huwíyyah (Wesen der Gottheit), der zweite Buchstabe das Wort Qadír (der Allmächtige), dessen dritter Buchstabe Yá’ ist. Der dritte Buchstabe das Wort Karím (der Gnadenreiche) und der vierte Buchstabe das Wort Faḍl (Gunst/Gnade), dessen dritter Buchstabe Lám ist.A Wir haben dich zum Hort Meines Willens bestimmt und zur Schatzkammer Meiner Vorsehung für alle im Reich der Offenbarung und der Schöpfung. Dies ist nur ein Zeichen Seiner Gnade, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden.
1:38
O Zweiter Buchstabe dieses Tempels, der Meinen Namen, der Allmächtige, bezeugt! Wir haben dich zur Offenbarung Unserer Souveränität und zum Aufgangsort Unserer Namen gemacht. Mächtig bin Ich zu vollbringen, was Meine Zunge spricht.
1:39
O Dritter Buchstabe dieses Tempels, der Meinen Namen, der Gnadenreiche, bezeugt! Wir haben dich zum Aufgangsort Unserer Freigebigkeit inmitten Unserer Geschöpfe erkoren und zum Urquell Unserer Großzügigkeit inmitten der Menschen. Mächtig bin Ich in Meinem Reiche. Nichts, was im Himmel oder auf Erden erschaffen wurde, kann Meinem Wissen entgehen. Ich bin die Wahrheit und kenne das Ungeschaute.
1:40
O Feder! Sende aus den Wolken Deiner Freigebigkeit herab, was alles Erschaffene reich macht, und verweigere der Welt des Seins nicht Deine Gunst. Du bist fürwahr der Freigebigste im Himmel Deiner Ewigkeit und der Herr unendlicher Gnade für alle, die im Reich der Namen wohnen. Schaue nicht auf die Menschen und was bei ihnen im Schwange ist, schaue auf die Wunder Deiner Gunst und Gaben. Versammle sodann Deine Diener unter Deinem Schatten, der die ganze Menschheit schirmt. Breite die Hand Deiner Gunst über die ganze Schöpfung und die Finger der Freigebigkeit über alles Bestehende. Dies ist wahrlich, was Dir ansteht, obwohl die Menschen es nicht verstehen. Wer sein Angesicht Dir zuwendet, tut dies durch Deine Gnade, und wer sich von Dir abwendet – Dein Herr ist wahrlich unabhängig von allem, was erschaffen ist. Dies bezeugen Seine wahren, ergebenen Diener.
1:41
Gott wird durch Dich starke, nimmermüde Hände erwecken und Arme von unwiderstehlicher Macht. Sie werden hinter den Schleiern hervortreten und dem Allbarmherzigen unter den Völkern der Welt beistehen. Ihr mächtiger Ruf wird alle Herzen vor Furcht erzittern lassen. So wurde es auf einer Tafel verordnet. So groß wird ihre Macht sein, daß Bestürzung und Zittern alle Bewohner der Erde erfaßt.
1:42
Hütet euch, Blut zu vergießen! Zieht das Schwert eurer Zunge aus der Scheide der Rede, denn durch sie werden die Zitadellen der Menschenherzen erobert. Wir haben das Gesetz des Heiligen Krieges aufgehoben. Gottes Barmherzigkeit hat wahrlich alles Erschaffene umfangen – o daß ihr es doch wüßtet! Steht eurem Herrn, dem Gott der Gnade, bei mit dem Schwert vernünftiger Argumente. Es ist schärfer und feiner gestählt als das Schwert der Rede – wolltet ihr nur über die Worte eures Herrn nachdenken. So wurden die Heerscharen der Offenbarung von Gott herabgesandt, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden, und die Heere göttlicher Eingebung durch die Quelle des Befehls enthüllt, wie Gott, der Allherrliche, der Meistgeliebte, es gebot.
1:43
Sprich: In diesem Tempel, verborgen und doch offenbar, der das Wissen von Himmel und Erde, das Vergangene und das Zukünftige, in sich birgt, wurde das Maß alles Erschaffenen bestimmt. Der Finger von Gottes Wirken hat auf diese Tafel geschrieben, was die Weisesten und Gelehrtesten unter den Menschen nicht zu ergründen vermögen, und darin Tempel geschaffen, die unerforschlich sind für alle außer Gott selbst – könntet ihr dies doch verstehen. Selig, wer sie liest, über ihren Inhalt nachdenkt und begreift.
1:44
Sprich: In Meinem Tempel ist nur der Tempel Gottes zu sehen, in Meiner Schönheit nur Seine Schönheit, in Meinem Wesen nur Sein Wesen, in Meinem Selbst nur Sein Selbst, in Meiner Bewegung nur Seine Bewegung, in Meinem Ruhen nur Sein Ruhen und in Meiner Feder nur Seine mächtige, gepriesene Feder. Sprich: In Meinem Wesen ist nichts als die Wahrheit, und nichts ist in Mir zu sehen als Gott.
1:45
Hütet euch, im Hinblick auf Mich von Dualität zu sprechen, denn alle Atome der Erde verkünden, daß kein Gott ist außer Ihm, dem Einen, Einzigen, dem Mächtigen, dem Liebenden. Vom Anfang, der keinen Anfang hat, habe Ich im Reich der Ewigkeitjabarút al-baqá’ – Anm. d. Übers.A verkündet, daß Ich Gott bin, daß kein Gott ist außer Mir, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden. Und bis zum Ende, das kein Ende hat, werde Ich im Reichmalakút – Anm. d. Übers.A der Namen verkünden, daß Ich Gott bin, daß kein Gott neben Mir ist, dem Allherrlichen, dem Meistgeliebten. Sprich: ›Herr‹ ist Mein Name, für den Ich Offenbarungen in der Welt des Seinsmulk – Anm. d. Übers.A schuf, während Wir selbst erhaben darüber sind, würdet ihr es nur erkennen. Und ›Gott‹ ist Mein Name, für den Wir Offenbarermaṭáli‘, arab. ›Aufgangsorte‹ – Anm. d. Übers.A erschufen, deren Macht die Völker der Welt übertrifft und sie zu wahren Anbetern Gottes machen wird, könntet ihr es nur erkennen. In diesem Lichte solltet ihr all Unsere Namen betrachten, so ihr mit Einsicht begabt seid.
1:46
O Vierter Buchstabe dieses Tempels, der das Attribut der Gnade bezeugt! Wir machten dich zur Offenbarung der Gnade zwischen Himmel und Erde. Aus dir erzeugten Wir alle Gnadengaben in der bedingten Welt, und zu dir lassen Wir sie wieder zurückkehren. Und durch ein Wort Unseres Befehls werden Wir sie wieder durch dich offenbaren. Mächtig bin Ich zu vollbringen, was Ich will, durch Mein Wort »›Sei!‹ und es ist«!vgl. Qur’án 2:117, 3:47, 3:59, 16:40, 19:35, 36:82, 40:68 – Anm. d. Hrsg.Q Jede Gnadengabe, die in der Welt des Seinsmulk – Anm. d. Übers.A erscheint, hat ihren Ursprung in dir, und zu dir wird sie zurückkehren. Dies haben Wir wahrlich in einer Tafel verfügt, die Wir hinter dem Schleier der Herrlichkeit verwahrt und vor sterblichen Augen verborgen haben. Wohl denen, die sich nicht dieser offenbaren, dieser ständig strömenden Gnade berauben.
1:47
Sprich! An diesem Tag wehen die befruchtenden Winde göttlicher Gnade über alles, was erschaffen ist. Jedes Geschöpf erhielt an Möglichkeiten, was ihm gemäß ist. Und doch haben sich die meisten Menschen vor dieser Gnade verschlossen! Jedem Baum wurden die erlesensten Früchte, jedem Meer die funkelndsten Juwelen zuteil. Der Mensch erhielt die Gabe des Verstandes und der Erkenntnis. Die ganze Schöpfung hat die Offenbarung des Allbarmherzigen empfangen, und die Erde ward zur Schatzkammer dessen, was unerforschlich ist für alle außer Gott, der Wahrheit, der um das Ungeschaute weiß. Die Zeit naht, da alles Erschaffene seine Frucht hervorbringt. Verherrlicht sei Gott, der diese Gnade gewährt, die alles umfaßt, das Sichtbare wie das Unsichtbare. So haben Wir an diesem Tage alles neu erschaffen, doch die meisten Menschen erkennen es nicht. Sprich: Die Gnade Gottes kann nie angemessen begriffen werden. Um wieviel weniger kann das Wesen des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, erfaßt werden.
1:48
O Tempel der Sache! Gräme Dich nicht, wenn Du niemanden bereit findest für Deine Gnadengaben. Du wurdest um Meinetwillen erschaffen. So widme Dich Meinem Lobpreis unter Meinen Dienern. Dies wurde Dir in der Verwahrten Tafel bestimmt. Da Wir auf Erden viele Hände befleckt fanden, heiligten Wir Dein Gewand vor ihrer Berührung und der Besudelung durch die Gottlosen. Sei geduldig in der Sache Deines Herrn, denn bald wird Er Seelen mit reinem Herzen und erleuchteten Augen erwecken, die von überallher zum Ort Deiner allumfassenden, unbeschränkten Gnade fliehen.
1:49
O Tempel Gottes! Kaum waren die Heerscharen göttlicher Offenbarung, die die Banner Seiner Zeichen tragen, durch den Herrn aller Namen und Eigenschaften herabgesandt, da wurden die Zweifler und die in leerem Trug Verhafteten in die Flucht geschlagen. Sie glaubten nicht an die klaren Zeichen Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, und intrigierten gegen Ihn. Einige von ihnen sprachen: »Dies sind keine klaren Verse von Gott, und sie stammen auch nicht aus angeborenem Wissen.« So wollen die Ungläubigen die Krankheit ihrer Herzen heilen, nicht gewahr, daß sie deshalb von allen verdammt werden, die im Himmel und auf Erden wohnen.
1:50
Sprich: Der Heilige Geist wurde durch das Wirken eines einzigen Buchstabens gezeugt, den dieser Größte Geist offenbarte – gehörtet ihr doch zu denen, die begreifen! Und das angeborene Wissen selbst wurde durch die Verse Gottes, des Helfers in Gefahr, des Allherrlichen, des Meistgeliebten, erschaffen. Sprich: Das angeborene Wissen rühmt sich seiner Beziehung zu Uns, der absoluten Wahrheit, während Wir Uns weder seiner rühmen noch eines anderen: denn alles außer Mir wurde durch Mein Wort erschaffen – könntet ihr es doch verstehen!
1:51
Sprich: Wir haben neun Kategorien von Versen offenbart. Jede von ihnen belegt die Souveränität Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden. Eine einzige davon genügt als Beweis für alle in den Himmeln und auf Erden – doch die meisten Menschen verharren in Achtlosigkeit. Wenn Wir wollten, könnten Wir sie noch in zahllosen anderen Kategorien offenbaren.
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