Bahá’u’lláh | Anspruch und Verkündigung
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1:66
In der Schatzkammer Unserer Weisheit liegt ein Wissen verborgen, von dem ein einziges Wort, beliebten Wir es der Menschheit zu enthüllen, jeden Menschen dazu brächte, Gottes Offenbarung zu erkennen und Seine Allwissenheit anzuerkennen. Jeden würde es befähigen, die Geheimnisse aller Wissenschaften zu entdecken und eine Stufe zu erreichen, die ihn völlig unabhängig machte von aller bisherigen und künftigen Gelehrtheit. Noch über anderes Wissen verfügen Wir, von dem Wir nicht einen Buchstaben enthüllen können, noch finden Wir die Menschheit fähig, auch nur die leiseste Andeutung seiner Bedeutung zu vernehmen. Also haben Wir euch über das Wissen Gottes, des Allwissenden, des Allweisen, unterrichtet. Fänden Wir würdige Gefäße, Wir wollten die Schätze verborgener Bedeutung in sie legen und ihnen ein Wissen verleihen, davon ein einziger Buchstabe alles Erschaffene umfaßt.
1:67
O Innerstes Herz dieses Tempels! Wir machten dich zum Aufgangsort Unseres Wissens und zum Tagesanbruch Unserer Weisheit für alle im Himmel und auf Erden. Aus dir ließen Wir alles Wissen erscheinen und zu dir lassen Wir es wieder zurückkehren. Und von dir lassen Wir es ein zweites Mal erscheinen. Dies ist fürwahr Unser Versprechen, und Wir werden es erfüllen. Durch dich werden Wir Menschen erwecken, die neuartige, wundersame Wissenschaften und machtvolle Fertigkeiten hervorbringen, durch die enthüllt wird, was sich bislang niemand unter Deinen Dienern vorzustellen vermochte. So befähigen Wir, wen Wir wollen, mit dem, was Uns beliebt. Und so entziehen Wir, wem Wir wollen, was Wir ihm früher verliehen. Wir verfügen durch Unseren Befehl, was Uns beliebt.
1:68
Sprich: Wenn Wir zu einer Stunde entscheiden, den Glanz Unserer liebenden Vorsehung auf die Spiegel der Schöpfung auszugießen, und zu einer anderen Stunde, ihnen Unser Licht vorzuenthalten, so steht dies wahrlich in Unserer Macht, und niemand hat das Recht zu fragen, ›warum?‹ oder ›weshalb?‹. Denn Wir tun, was Uns beliebt, und schulden niemandem Rechenschaft. Niemand kann dies bestreiten außer denen, die Gott Gefährten zugesellen und Seine Wahrheit bezweifeln. Sprich: Niemand kann Unserer Macht widerstehen oder das Wirken Unseres Befehls aufhalten. Wir erheben, wen Wir wollen, in das Reich himmlischer Macht und Herrlichkeit, und lassen ihn sodann, wenn Wir es wünschen, in den tiefsten Abgrund der Erniedrigung sinken.
1:69
O Bewohner der Erde! Wolltet ihr behaupten, daß eine Seele nicht länger Unserer Souveränität und Herrschaft unterstünde, wenn Wir sie zum Sidratu’l-Muntaháarab. ›Der Baum, über den hinaus keiner gehen kann‹; ein Verweis auf die Stufe der Manifestation Gottes.A erheben? Nein, bei Meinem Selbst! Wäre es Unser Wunsch, Wir könnten sie in weniger als einem Augenblick wieder in den Staub werfen. Betrachtet einen Baum: Wir pflanzen ihn in einen Garten und pflegen ihn mit den Wassern Unserer liebenden Fürsorge. Wenn er groß und voll entwickelt ist, grüne Blätter und gute Früchte hervorbringt, senden Wir die Stürme Unseres Befehls herab, ihn an der Wurzel zu packen, herauszureißen und ihn auf der Erde Gesicht zu stürzen. So verfahren Wir mit allen Dingen, heute wie ehedem. So ist Unser wundersames Handeln, unabänderlich in der Vergangenheit wie in der Zukunft, so ihr zu denen gehört, die sehen. Doch niemand kennt die Weisheit darin außer Gott, dem Allmächtigen, dem Allweisen.
1:70
Verleugnet ihr, o Menschen, was eure Augen sehen? Wehe euch, o Schar von Leugnern! Nur Er selbst, der Allgnädige, der Mitleidvolle, bleibt von Wandel unberührt, wolltet ihr doch mit einsichtsvollen Augen schauen. Doch alles außer Ihm wird durch einen Akt Seines Willens verändert. Er ist wahrlich der Allmächtige, der Allweise.
1:71
O Menschen! Disputiert nicht über Meine Sache, denn ihr werdet nie die Weisheit eures Herrn ergründen noch Sein mächtiges, allumfassendes Wissen beurteilen können. Wer behauptet, Sein Wesen zu kennen, gehört zweifellos zu den größten Toren. Ein jedes Atom würde einen solchen Menschen der Lüge zeihen. Dies bezeugt Meine Zunge, die nichts als die Wahrheit spricht. Verherrlicht Meine Sache, verkündet sie und das, was euch von Uns geboten ward. Denn nichts anderes ziemt euch, und kein anderer Weg führt zu Ihm. So hört auf Unseren Rat!
1:72
O Lebendiger Tempel! Wir machten Dich zum Tagesanbruch Unserer schönsten Namenal-asmá’ al-ḥusná; vgl. Qur’án 7:180, 17:110, 59:24 – Anm. d. Übers.A, zur Manifestation Unserer erhabensten Eigenschaften und zum Urquell Unseres mannigfachen Lobpreises für die Bewohner der Erde und des Himmels. Danach erhoben Wir Dich zu Unserem Ebenbild zwischen den Himmeln und der Erde und bestimmten Dich zum Zeichen Unserer Herrlichkeit für alle in den Reichen der Offenbarung und der Schöpfung, auf daß Meine Diener durch Dich geführt werden und zu den Rechtgeleiteten gehören. Wir machten Dich zum Baum der Gnade für die Bewohner von Erde und Himmel. Wohl denen, die den Schutz Deines Schattens aufsuchen und sich Dir nähern, dem allmächtigen Beschützer der Welten.
1:73
Sprich: Wir haben jeden Unserer Namen zu einem Quell gemacht, von dem sich die Ströme göttlicher Weisheit und Erkenntnis ergießen und in den Garten Unserer Sache fließen. Niemand kennt ihre Zahl außer Deinem Herrn, dem Heiligen, dem Allmächtigen, dem Allwissenden, dem Allweisen. Sprich: Wir haben alle Buchstaben aus dem Punkt erschaffen und ließen sie zu Ihm zurückkehren. Sodann sandten Wir Ihn wieder herab in der Gestalt eines menschlichen Tempels. Verherrlicht sei der Schöpfer dieses unvergleichlichen, wunderbaren Werks! Und wieder werden Wir es in Unserem Namen ›der Allherrliche‹ entfalten. Dies ist ein Zeichen Meiner Gnade, und Ich bin wahrlich der Gabenreiche, der Urewige.
1:74
Alle Lichter brachten Wir hervor aus der Sonne Unseres Namens, der Wahre, und ließen sie dorthin wieder zurückkehren. Dann offenbarten Wir sie wieder in der Gestalt eines Menschen. Verherrlicht sei der Herr der Stärke, der Kraft und Macht! Niemand kann dem Wirken Meines Willens und Meiner Macht widerstehen. Ich erschuf alle Dinge durch Mein Wort, und Ich bin fürwahr mächtig zu tun, was Ich will.
1:75
Sprich: Wollten Wir die Seelen aller erschaffenen Dinge in einem Augenblick zu Uns nehmen und sie im nächsten wieder zum Leben erwecken, so wären Wir dazu imstande. Nur Gott allein, der Allwissende, der Allunterrichtete, verfügt über dieses Wissen. Es steht in Unserer Macht, sofern Wir es wollten, aus einem Atom in weniger als einem Augenblick Sonnen von unendlicher, unvorstellbarer Herrlichkeit zu erzeugen, einen Tropfen zu weiten, zahllosen Meeren anschwellen zu lassen und aus jedem Buchstaben das Wissen vergangener und kommender Zeitalter zu enthüllen. Dies ist fürwahr leicht zu vollbringen. Vom Anfang, der keinen Anfang hat, bis zum Ende, das kein Ende hat, habe Ich dazu die Macht. Meine Geschöpfe haben sie jedoch verkannt, haben Meine Souveränität bestritten und mit Mir, dem Allwissenden, dem Allweisen, gestritten.
1:76
Sprich: Nichts zwischen Himmel und Erde regt sich, außer mit Meiner Erlaubnis, und niemand geht ein ins Himmelreich, es sei denn auf Mein Geheiß. Doch Meine Geschöpfe sind wie durch einen Schleier von Meiner Macht und Souveränität getrennt und zählen zu den Achtlosen. Sprich: Nichts ist in Meiner Offenbarung zu sehen als die Offenbarung Gottes und in Meiner Macht nichts als Seine Macht, wüßtet ihr es doch. Sprich: Meine Geschöpfe sind wie die Blätter eines Baumes. Von ihm sprießen sie und von ihm leben sie. Doch sie haben ihre Wurzeln und ihren Ursprung vergessen. Wir ziehen solche Vergleiche um Unserer einsichtsvollen Diener willen, auf daß sie die Stufe vegetativen Daseins überwinden und wahre Reife in dieser festgefügten Sache erlangen. Sprich: Meine Geschöpfe sind wie die Fische in der Tiefe. Ihr Leben hängt ab vom Wasser. Durch die Gnade eines allwissenden, allmächtigen Herrn erhält es ihr Leben, doch sie sind sich dessen nicht bewußt. Sie sind in der Tat so achtlos, daß ihre völlige Unwissenheit offenbar würde, wollte man sie nach dem Wasser und dessen Eigenschaften fragen. So sprechen Wir in Gleichnissen, damit sich die Menschen Ihm zuwenden, der das Ziel der AnbetungQibla – Anm. d. Hrsg.A für die ganze Schöpfung ist.
1:77
O Menschen! Fürchtet Gott und leugnet Ihn nicht, dessen Gnade alles umschließt und die bedingte Welt durchdringt. Die souveräne Macht Seines Befehls umfaßt euer inneres und äußeres Sein, euren Anfang und euer Ende. Fürchtet den Herrn und handelt rechtschaffen. Gehört nicht zu denen, die die Verse ihres Herrn hören und nicht achten. Wahrlich, sie gehören zu den Achtlosen.
1:78
Sprich: Betet ihr den an, der »weder hört noch sieht«Qur’án 19:42 – Anm. d. Hrsg.Q und wahrlich zu den verworfensten und erbärmlichsten Geschöpfen Gottes gehört? Warum habt ihr versäumt, Ihm zu folgen, der von der Quelle des göttlichen Befehls zu euch herabkam, um euch Kunde von Gott, dem Erhabensten, dem Größten, zu bringen? O Menschen! Seid nicht wie jene, die vor Unseren Thron traten und doch nicht sahen und verstanden – sie sind fürwahr ein nichtswürdiges Volk. Wir sangen ihnen Verse, die die Bewohner des Himmelreichsmalakút – Anm. d. Übers.A und des erhabenen Königreichsjabarút – Anm. d. Übers.A hinreißen würden, aber sie gingen verschleiert von dannen und horchten lieber auf die Stimme dessen, der nur ein Diener Gottes und ein Geschöpf Seines Willens ist. So enthüllen Wir euch, was euch auf den Pfad der Gottnahen führt.
1:79
Wie viele betraten die Stätte des Paradieses, den Ort, an dem der Thron Gottes errichtet ist, und standen vor ihrem Herrn, dem Erhabensten, dem Größten, nur um sich nach den Vier Toren oder nach einem der Imame zu erkundigen!Dies sind Beispiele für die Art der Fragen, die dem Báb gestellt wurden. Den Lehren des Shí‘ih Islám zufolge ging nach dem Hinscheiden des Propheten Muḥammad die Führerschaft der islámischen Gemeinde rechtmäßig auf eine Reihe von zwölf Nachfolgern über, Nachkommen seiner Tochter Fáṭimih, die als ›Imáme‹ bezeichnet wurden. Diese Reihe wurde schließlich durch die ›Verborgenheit‹ des letzten Imám unterbrochen, wobei der Kontakt mit ihm eine Zeit lang durch vier als ›Tore‹ bezeichnete Vermittler aufrechterhalten wurde.A Dies zeigt den Zustand dieser Seelen, so ihr zu den Verständigen gehört. Es ist genau so, wie man es auch heute sehen kann: Jene, die nicht an Gott glauben und Ihm Gefährten zugesellen, klammern sich an einen einzigen Unserer Namen. So bleibt ihnen versagt, Ihn, den Schöpfer aller Namen, zu erkennen. Wir bezeugen, daß solche Menschen wahrlich zu den Insassen des Höllenfeuers gehören. Sie fordern die Sonne auf, die Worte des Schattens zu erläutern, und den Inbegriff der Wahrheit, die Äußerungen Seiner Geschöpfe zu erklären, würdet ihr es nur begreifen! Sprich: O Menschen! Die Sonne verbreitet nur ihr eigenes Licht und das, was daraus hervorgeht, während alles andere Erleuchtung durch ihre Strahlen sucht. Fürchtet Gott und gehört nicht zu den Unwissenden! Manche unter ihnen erkundigten sich bei der Dunkelheit nach dem Licht. Sprich: Öffnet eure Augen, damit ihr den Glanz seht, der die Erde umhüllt! Dies ist wahrlich ein Licht, das vom Horizont des Tagesanbruchs göttlichen Wissens mit offenbarem Glanze scheint. Fragt ihr etwa die Juden, ob Jesus in Wahrheit von Gott kam oder die Götzen, ob Muḥammad ein Bote war? Oder fragt ihr das Volk des Koran nach Ihm, dem ›Gedenken Gottes‹Dhikru’lláh, ein Titel des Báb – Anm. d. Übers.A, dem Erhabenen, dem Großen?
1:80
Sprich: O Menschen! Gebt auf, was bei euch im Schwange ist, angesichts der Größe dieser Offenbarung, und haltet euch an das, was euch Gott zu befolgen befahl. Dies ist Sein Befehl an euch, und Er ist der beste Befehlshaber. Bei Meiner Schönheit! Mit der Offenbarung dieser Worte wünsche Ich, alle Menschen zu Gott zu führen, dem Allherrlichen, dem Allgepriesenen. Hütet euch, Mich so zu behandeln wie Meinen Herold! Widersprecht nicht, wenn die Verse Gottes vom Hof Meiner Gunst herabgesandt werden, indem ihr sagt: »Dies stammt nicht aus angeborenem Wissen«, denn das angeborene Wissen selbst wurde durch Mein Wort erschaffen und umkreist Mich – gehörtet ihr doch zu denen, die begreifen. Atmet aus den Worten eures Herrn, des Allgnädigen, den süßen Duft des Gewandes innerer Bedeutung. Er weht durch die gesamte Schöpfung und breitet seinen Wohlgeruch über alles Erschaffene. Selig sind, die ihn wahrnehmen und sich strahlenden Herzens Gott zuwenden.
1:81
O Lebendiger Tempel! Wahrlich, Wir haben Dich zum Spiegelbild für das Reich der Namen gemacht, auf daß Du ein Zeichen Meiner Souveränität unter den Menschen, ein Herold Meiner Gegenwart, ein Bote Meiner Schönheit und ein Führer auf Meinem klaren, geraden Pfad seiest. Wir haben Deinen Namen unter Unseren Dienern erhöht als Gnadengabe aus Unserer Gegenwart. Ich bin wahrlich der Allbarmherzige, der Urewige. Wir haben Dich zudem mit dem Schmuck Unseres Selbstes geschmückt und Dir Unser Wort eingegeben, damit Du in dieser Welt verfügst, was Dir beliebt, und vollbringst, was Dir gefällt. Wir bestimmten für Dich alles Gute von Himmel und Erde und verordneten, daß niemand daran Anteil habe, es sei denn, er tritt unter Deinen Schatten, wie es Dein Herr befahl, der Allwissende, der Allunterrichtete. Wir verliehen Dir den Stab der Autorität und das Buch der Entscheidung über Wahrheit und Irrtum, damit Du die Weisheit jedes Gebotes prüfst. Wir ließen die Meere der inneren Bedeutungen aus Deinem Herzen wogen im Gedenken an Deinen Herrn, den Gott der Gnade, damit Du Ihm dankest und Ihn preist und zu den wahrhaft Dankbaren gehörst. Wir haben Dich aus all Unseren Geschöpfen auserwählt und Dich zur Manifestation Unserer selbst für alle in den Himmeln und auf Erden gemacht.
1:82
So rufe mit Unserer Erlaubnis glänzende Spiegel und erhabene Buchstaben ins Dasein, die Deine Souveränität und Herrschaft, Deine Macht und Herrlichkeit bezeugen und die Manifestationen Deiner Namen für die Menschheit sind. Wir ließen Dich zum Ursprung und Schöpfer aller Spiegel werden, so wie Wir sie bereits in der Vergangenheit durch Dich hervorbrachten. Und Wir werden Dich zu Meinem Selbst zurückkehren lassen, wie Wir Dich zu Beginn daraus hervorriefen. Dein Herr ist wahrlich der Unbeschränkte, der Allmächtige, der Allbezwingende. Warne alsdann diese Spiegel, wenn sie sich offenbaren, daß sie sich nicht voll Stolz vor ihrem Schöpfer aufblähen, wenn Er unter ihnen erscheint, oder sich vom Glanz der Führerschaft täuschen lassen, statt sich vor Gott, dem Allmächtigen, dem Schönsten, in Demut zu beugen.
1:83
Sprich: O Schar der Spiegel! Ihr seid nur Geschöpfe Meines Willens und wurdet auf Meinen Befehl hin ins Dasein gerufen. Weist die Verse Meines Herrn nicht zurück und gehört nicht zu denen, die Unrecht begehen und zu den Verlorenen zählen. Klammert euch nicht an das, was ihr besitzt und seid nicht stolz auf Ansehen und Ruhm. Löst euch von allem in den Himmeln und auf Erden! So wurde es von Ihm, dem Allmächtigen, dem Allgewaltigen, verfügt.
1:84
O Tempel Meiner Sache! Sprich: Wollte Ich in einem Augenblick alle Dinge in Spiegel Meiner Namen verwandeln, so stünde dies fürwahr in Meiner Macht, wie viel mehr noch in der Meines Herrn, der Mich durch Seinen allbezwingenden, unabänderlichen Befehl ins Dasein rief. Und wollte Ich innerhalb eines Augenblicks die ganze Schöpfung von Grund auf umgestalten, so wäre Ich dazu imstande, wieviel mehr noch das souveräne Wirken, das im Willen Gottes, Meines Herrn und des Herrn aller Welten, verwahrt ist.
1:85
O ihr Verkörperungen Meiner Namen! Selbst wenn ihr all euer Gut, ja sogar euer Leben auf dem Pfade Gottes opfert, Ihn so oft anruft, wie es Sandkörner, Regentropfen und Meereswellen gibt, euch aber der Manifestation Seiner Sache bei Ihrem Erscheinen widersetzt, so werden eure Werke vor Gott zunichte. Doch solltet ihr versäumen, rechtschaffene Werke zu vollbringen, so wird Gott euch vielleicht dennoch eure Sünden nachsehen, so ihr an diesem Tage an Ihn glaubt. Er ist wahrlich der Allherrliche, der Gnädigste. So lehrt euch Gott, wonach ihr streben sollt, auf daß ihr euch nicht erhebt über Den, der erfüllte, was seit urewigen Zeiten offenbart ward. Glücklich, wer sich dieser erhabensten Schau nähert und wehe denen, die sich abwenden!
1:86
Wie zahlreich sind die, die all ihren Reichtum auf dem Pfade Gottes ausgeben, die Wir aber zur Stunde Seiner Offenbarung unter den Eigensinnigen finden! Wie viele halten das Fasten, nur um gegen Den aufzubegehren, durch dessen Befehl das Gesetz des Fastens erlassen wurde! Solche Menschen gehören wahrlich zu den Toren. Und wie viele fristen ihr Dasein bei trocken Brot, sitzen auf dem nackten Boden und erdulden allerlei Härten, nur um in den Augen der Menschen ihre Führerschaft zu sichern! So enthüllen Wir ihre Taten als Warnung für andere. Sie kasteien sich vor den Augen der Menschen in der Hoffnung, ihre Namen unsterblich zu machen. In Wirklichkeit aber überleben ihre Namen nur in den Flüchen und Verwünschungen der Bewohner von Erde und Himmel.
1:87
Sprich: Selbst wenn eure Namen, wie ihr törichterweise wähnt, überdauerten, würde es euch im geringsten nützen? Nein, beim Herrn aller Welten! Wurde der Götze ‘UzzáEine von drei altarabischen Göttinnen, deren Kult vom Propheten Muḥammad abgeschafft wurde.A größer, weil ihr Name unter denen weiterlebte, die Namen anbeten? Nein, bei dem Selbst Gottes, des Allherrlichen, des Allbezwingenden! Wenn euer Name in der Erinnerung aller Sterblichen verblaßt, Gott aber mit euch zufrieden ist, werdet ihr zu den Schätzen Seines Namens, der Verborgene, gezählt. So sandten Wir Unsere Verse herab, auf daß sie euch zur Quelle allen Lichts hinziehen und mit dem Willen eures Herrn, des Allwissenden, des Allweisen, vertraut machen. Enthaltet euch dessen, was euch im Buch verboten wurde, und eßt von den rechtmäßigen Dingen, die Gott euch zur Nahrung bestimmte. Beraubt euch nicht Seiner guten Gaben, denn Er ist wahrlich der Freigebigste, der Herr überreicher Gnade. Kasteit euch nicht, folgt dem Weg, den Wir euch durch Unsere strahlenden Verse und klaren Beweise ebneten, und seid nicht nachlässig.
1:88
O Schar der Geistlichen! Brüstet euch nicht damit, daß ihr keinen Wein trinkt und keine ähnlichen Sünden begeht, die euch im Buch verboten sind. Denn solltet ihr solch Verbotenes tun, so wäre die Würde eurer Stufe in den Augen der Menschen befleckt, all euer Sinnen und Trachten würde scheitern und euer Name entehrt. Nein, euer wahrer Ruhm liegt in der Unterwerfung unter das Wort Gottes und in eurer inneren und äußeren Loslösung von allem außer Ihm, dem Allbezwingenden, dem Allmächtigen. Selig der Geistliche, der sein Wissen nicht zum Schleier werden ließ zwischen sich und dem, der das Ziel aller Erkenntnis ist; und der, als der Selbstbestehende erschien, sich Ihm mit strahlendem Antlitz zuwandte. Er zählt fürwahr zu den Gelehrten. Die Bewohner des Paradieses suchen die Segnung seines Odems, und seine Leuchte ergießt ihren Glanz über alle, im Himmel wie auf Erden. Wahrlich, er wird zu den Erben der Propheten gezählt. Wer auf ihn schaut, hat die Wahrheit geschaut, und wer sich ihm zukehrt, hat sich wahrlich Gott zugewandt, dem Allmächtigen, dem Allweisen.
1:89
O ihr Dämmerorte der Erkenntnis! Habt acht, daß ihr nicht verderbt werdet, denn wenn ihr euch ändert, werden sich auch die meisten Menschen ändern. Wahrlich, dies ist ein Unrecht gegenüber euch selbst und gegenüber den anderen. Dies bezeugt ein jeder, der über Unterscheidungsvermögen und Einsicht verfügt. Ihr gleicht einer Quelle. Wenn sie sich verändert, werden sich auch die Wasser verändern, die ihr entspringen. Fürchtet Gott und gesellt euch zu den Gottesfürchtigen! Ebenso verhält es sich mit dem Menschen: Wenn sein Herz verdirbt, verderben auch seine Glieder, und wenn die Wurzel eines Baumes verfault, verdorren seine Äste und Triebe, seine Blätter und Früchte. So haben Wir Gleichnisse verwendet, euch zur Unterweisung, auf daß euch eure Vorstellungen nicht von dem abhalten, was euch der Allherrliche, der Gnädigste, bestimmt hat.
1:90
Es liegt fürwahr in Unserer Macht, eine Handvoll Staub mit dem Gewand Unserer Namen zu schmücken. Doch dies wäre nur ein Zeichen Unserer Gunst und nicht eines Vorzugs, den er von Natur aus besitzt. So wurde es durch Ihn, den Allwissenden, herabgesandt. Betrachte den Schwarzen Steinein Stein in der unteren östlichen Ecke der Kaaba.A, den Gott zum Ort der Anbetung für alle Menschen machte. Wurde ihm diese Gnade aufgrund seiner selbst erwiesen? Nein, bei Meinem Selbst! Oder beruht solch eine Auszeichnung auf seinem inneren Wert? Nein, bei Meinem Wesen, das niemand in der Welt zu erkennen vermag.
1:91
Betrachte auch die Aqṣá-MoscheeDie Moschee auf dem Tempelberg im heutigen Jerusalem.A und die anderen Orte, die Wir für die Menschen in allen Landen zu Heiligtümern machten. Die Ehre und Auszeichnung, derer sie sich erfreuen, liegen nicht in ihnen selbst, sondern in der Verbindung zu Unseren Manifestationen, die Wir zum Tagesanbruch Unserer Offenbarung für die Menschheit machten – o daß ihr doch verstündet! In all dem liegt eine Weisheit, unerforschlich für alle außer Gott. Fragt Ihn, auf daß Er euch kundtue, was Er wünscht. Sein Wissen umfaßt wahrlich alle Dinge. O Menschen, löst euch von der Welt und ihrem eitlen Tand und achtet nicht derer, die nicht an Gott glauben und Ihm Gefährten beigesellen. Erhebt euch über den Horizont der Rede, und preist euren Herrn, den Allbarmherzigen. Dies will Gott für euch. Selig, die erkennen.
1:92
Sprich: O Menschen! Wir befahlen euch auf Unseren Tafeln, eure Seelen am Tage der verheißenen Offenbarung von allen Namen zu heiligen und sie von allem Erschaffenen in den Himmeln und auf Erden zu reinigen, auf daß darin der Glanz der Sonne der Wahrheit erscheine, die über dem Horizont des Willens eures Herrn, des Allmächtigen, des Großen, erstrahlt. Auch befahlen Wir euch, euer Herz von der Menschen Liebe oder Haß zu reinigen, damit nichts euch von eurem Weg abbringt oder euch in eine andere Richtung treibt. Dies gehört zu den gewichtigsten Ratschlägen, die Wir euch in diesem deutlichen Buch erteilen. Denn wer sich daran klammert, ist nicht imstande, ein angemessenes Verständnis Unserer Sache zu gewinnen. Dies bezeugt jede gerechte, urteilsfähige Seele.
1:93
Ihr jedoch habt Gottes Bund gebrochen, Sein Testament vergessen und euch schließlich abgewandt von Ihm, der die Augen eines jeden tröstet, der wahrhaft an die Einheit Gottes glaubt. Entfernt die Hüllen und Schleier, die euch die Sicht verdunkeln, und beachtet die Zeugnisse der Propheten und Boten, auf daß ihr die Sache Gottes an diesem Tage erkennt, da der Verheißene, ausgestattet mit mächtiger Souveränität, erschien. Fürchtet Gott, und schließt euch nicht vom Tagesanbruch Seiner Zeichen aus. Dies ist nur zu eurem Nutzen. Denn euer Herr bedarf Seiner Geschöpfe nicht. Seit unvordenklichen Zeiten war Er allein. Nichts existierte neben Ihm. In Seinem Namen wurde die Standarte der göttlichen Einheit auf dem Sinai der sichtbaren und unsichtbaren Welt errichtet. Sie verkündet, daß kein Gott ist außer Mir, dem Einzigartigen, dem Herrlichen, dem Unvergleichlichen.
1:94
Sieh jedoch, wie die, die nur ein Geschöpf Seines Willens und Befehls sind, sich von Ihm abwandten und einen anderen als Gott zum Herrn und Meister erwählten. Sie sind wahrlich in die Irre gegangen. Das Gedenken des Allgnädigen war allzeit auf ihren Lippen, doch als Er sich ihnen durch die Macht der Wahrheit offenbarte, sagten sie ihm den Kampf an. Wehe denen, die den Bund ihres Herrn brachen, als das Licht der Welt über dem Horizont des Willens Gottes, des Heiligsten, des Allwissenden, des Allweisen, erschien! Gegen Gott zückten sie das Schwert der Bosheit und des Hasses – doch sie merken es nicht. Toten gleich liegen sie in den Gräbern ihrer selbstsüchtigen Begierden, obwohl die Brise Gottes über alle Lande weht. Sie sind wahrlich in einen dichten Schleier gehüllt. Wann immer ihnen die Verse Gottes vorgetragen werden, verharren sie in Hochmut und Verachtung. Es ist, als ob sie bar jeden Verstehens seien oder nie den Ruf Gottes, des Erhabensten, des Allwissenden, vernommen hätten.
1:95
Sprich: Wehe euch! Wie könnt ihr euch Gläubige nennen, wenn ihr die Verse Gottes, des Allmächtigen, des Allweisen, leugnet? Sprich: O Menschen! Wendet euer Angesicht eurem Herrn, dem Allbarmherzigen, zu. Habt acht, daß der Bayán euch nicht zum Schleier werde: Er wurde wahrlich zu keinem anderen Zweck offenbart als zu Meinem Gedenken, des Allmächtigen, des Höchsten, und hatte nur Meine Schönheit zum Ziel. Die ganze Welt ist erfüllt von Meinem Beweis, so ihr zu den gerecht Urteilenden gehört!
1:96
Wäre, wie ihr wähnt, der Erste PunktDer Báb.A ein anderer als Ich und wäre Er je in Meine Gegenwart gelangt, wahrlich, Er hätte sich niemals von Mir getrennt, nein, Wir hätten Uns aneinander erfreut in Meinen Tagen. Er weinte fürwahr bitterlich über Sein Fernsein von Mir. Er ging Mir voran, um die Menschen zu Meinem Reiche zu rufen. So wurde es in den Tafeln niedergelegt, könntet ihr es nur verstehen! O daß doch einer gefunden würde, der Seine Stimme im Bayán vernähme, wie sie klagt über das, was Mir durch diese Achtlosen widerfuhr. Er klagt über die Trennung von Mir und bekennt Seine Sehnsucht nach Vereinigung mit Mir, dem Mächtigen, dem Unvergleichlichen. Wahrlich, Er sieht zu dieser Stunde Seinen Meistgeliebten inmitten derer, die erschaffen wurden, Seinen Tag zu erleben und sich vor Ihm niederzuwerfen – die Ihn jedoch in ihrer Willkür derart erniedrigten, daß die Feder ihre Unfähigkeit bekennt, dies zu beschreiben.
1:97
Sprich: O Menschen! Wir riefen euch in Unserer früheren Offenbarung zur erhabensten Schau, diesem geheiligten Ort, und verkündeten euch die Tage Gottes. Doch als der größte Schleier zerriß und die Altehrwürdige Schönheit in den Wolken des göttlichen Ratschlusses zu euch kam, wieset ihr Ihn zurück, an den ihr früher geglaubt. Wehe euch, o Schar der Ungläubigen. Fürchtet Gott und versucht nicht, nach dem Maß eurer Vorstellungen die Wahrheit zu entkräften. Wenn das Licht der göttlichen Verse vom Horizont der Feder des Königs aller Namen und Eigenschaften über euch aufgeht, werft euer Angesicht nieder vor Gott, dem Herrn der Welten. Denn sich an der Schwelle Seiner Pforte in Anbetung zu verneigen, ist besser für euch als alle Anbetung in beiden Welten. Und sich Seiner Offenbarung zu unterwerfen, nützt euch mehr als alles, was in den Himmeln und auf Erden erschaffen wurde.
1:98
O Menschen! Nur um Gottes willen ermahne Ich euch und begehre von euch keinen Lohn. Denn Mein Lohn kommt von Gott, der Mich erschuf, durch die Macht der Wahrheit erstehen ließ und Mich zum Quell Seines Gedenkens inmitten Seiner Geschöpfe machte. Eilt, Gott zu schauen an dem Ort, wo Sein Sitz errichtet ward. Folget nicht dem Satan in euch, denn er gebietet euch, eurer Gier und euren Lüsten zu folgen, und hindert euch daran, den geraden Pfad zu beschreiten, den diese allumfassende, allbezwingende Sache euch eröffnet.
1:99
Sprich: Satan ist erschienen, wie es der Schöpfung Auge noch nie gesehen. Und auch die Schönheit des Allbarmherzigen wurde mit einem Glanz offenbar wie nie zuvor. Der Ruf des Allbarmherzigen erscholl, und dahinter ertönte Satans Ruf. Selig, die auf die Stimme Gottes hören und ihr Gesicht Seinem Thron zuwenden, um zu der heiligen, edlen Schau zu gelangen. Denn wer in seinem Herzen die Liebe zu anderem als Mir hegt – und sei sie nur so groß wie ein Senfkorn –, wird nicht in Mein Reich eingelassen. Dies bezeugt, was das Vorwort im Buch des Lebens schmückt, würdet ihr es nur erkennen! Sprich: Dies ist der Tag, an dem die größte Gunst Gottes offenbar wurde. Die Stimmen aller droben in den Himmeln und hienieden auf Erden verkünden Meinen Namen und stimmen Meinen Lobpreis an – würdet ihr es nur hören!
1:100
O Tempel göttlicher Offenbarung! Laß die Trompeten in Meinem Namen schmettern! O Tempel göttlicher Geheimnisse! Laß die Fanfaren Deines Herrn erschallen, des Unbedingten. O Jungfrau des Paradieses! Tritt aus den Gemächern des Paradieses, und verkünde den Völkern der Welt: Bei Gott! Erschienen ist der Geliebte der Welten, das Ziel aller Erkenntnis, der Angebetete aller im Himmel und auf Erden und der, vor dem sich alle früheren und späteren Generationen niederwerfen.
1:101
Zögert nicht, diese strahlende Schönheit zu erkennen, sobald sie in der Fülle ihrer souveränen Macht und Majestät erscheint! Er ist die Wahrheit, und alles außer Ihm ist ein Nichts, verglichen mit einem Seiner Diener, und verblaßt vor der Offenbarung Seines Glanzes. Eilt zu den Lebenswassern Seiner Gnade und zaudert nicht! Wer zögert, und sei es auch nur für einen Augenblick, dessen Werke wird Gott zunichte machen und ihn dem Sitz des Zorns übergeben. Elend ist die Behausung der Zauderer!
An Pius IX.
1:102
O Papst! Zerreiße die Schleier! Er, der König der Könige, ist gekommen, von Wolken überschattet, und der Ratschluß ward erfüllt durch Gott, den Allmächtigen, den Unbeschränkten. Vertreibe die Nebelschwaden durch die Macht deines Herrn, und erhebe dich zum Reich Seiner Namen und Eigenschaften. So befiehlt es dir die Feder des Höchsten auf Geheiß deines Herrn, des Allmächtigen, des Allbezwingenden. Wahrlich, Er ist abermals vom Himmel herniedergekommen, wie Er von dort beim ersten Male herniederkam. Hüte dich, mit Ihm zu streiten wie ehedem die Pharisäer ohne ein klares Zeichen und ohne Beweis. Zu Seiner Rechten strömen die Lebenswasser der Gnade und zu Seiner Linken der erlesene Wein der Gerechtigkeit, vor Ihm schreiten die Engel des Paradieses mit den Bannern Seiner Zeichen. Hab acht, daß dich nicht ein Name von Gott fernhält, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Entsage der Welt und wende dich deinem Herrn zu, durch den die ganze Erde erleuchtet ward.
1:103
Wir zierten das Himmelreich mit Unserem Namen, der Allherrliche. So befahl es Gott, der Schöpfer aller Dinge. Hab acht, daß dein eitler Wahn dich nicht fernhalte, da die Sonne der Gewißheit vom Horizont der Rede deines Herrn, des Mächtigen, des Gütigen, herabscheint. Wohnst du in Palästen, indes der König der Offenbarung in elender Behausung lebt? Überlasse sie denen, die sie begehren, und wende dein Antlitz in Freude und Wonne dem Reiche Gottes zu.
1:104
Sprich! O Völker der Erde! Zerstört die Stätten der Nachlässigkeit mit den Händen der Macht und Gewißheit, und errichtet die Wohnsitze wahren Wissens in euren Herzen, auf daß der Allerbarmer den Glanz Seines Lichtes über sie ergieße. Dies ist besser für euch als alles, was die Sonne bescheint – solches bezeugt Er, in dessen Hand die Gewalt zur letzten Entscheidung liegt. Gottes Brise wehte über die Welt beim Erscheinen des Ersehnten in Seiner großen Herrlichkeit, und laut ruft jeder Stein und jede Krume Erde: »Der Verheißene ist erschienen! Das Reich ist Gottes, des Mächtigen, des Gnädigen, des Vergebenden.«
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