Bahá’u’lláh | Anspruch und Verkündigung
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2:14
Sprich: Dieser Jüngling hat das Land verlassen und unter jeden Baum und jeden Stein ein Pfand gelegt, das Gott durch die Macht der Wahrheit einlösen wird. So ist die Wahrheit erschienen, und der Befehl des höchsten Lenkers, des Allweisen, wurde erfüllt. Die Heerscharen von Himmel und Erde sind machtlos, Seiner Sache zu widerstehen. Alle Könige und Herrscher der Welt können Seinen Plan nicht vereiteln. Sprich: Heimsuchungen sind das Öl dieser Lampe, das ihr Licht aufleuchten läßt – o daß ihr es doch verstündet. Sprich: die Zurückweisung durch die Eigensinnigen führt letztlich zur Verkündigung und Verbreitung der Sache Gottes und Seiner Offenbarung in der Welt.
2:15
Selig seid ihr, denn ihr habt euer Heim verlassen und euch aus Liebe zu eurem Herrn, dem Allmächtigen, dem Urewigen, auf Wanderschaft begeben, bis ihr in das Land des Geheimnisses gelangtet, zu einer Zeit, da das Feuer der Unterdrückung loderte und der Rabe der Zwietracht krächzte. Ihr seid Meine Gefährten in Meiner Heimsuchung, denn ihr wart bei Uns in finsterer Nacht, da die Herzen derer bebten, die wahrhaft an Gott glauben. Ihr habt dieses Land aus Liebe zu Uns betreten und es auf Unser Geheiß verlassen. Bei Gott! Um euretwillen kann sich die Erde vor dem Himmel rühmen. Wie schön ist diese erhabene, unvergleichliche Gnade! O Vögel der Ewigkeit, ihr wurdet eures Nestes beraubt auf dem Pfad eures Herrn, des Unbeschränkten, aber eure wahre Wohnstatt ist unter den Schwingen der Gnade des Allbarmherzigen. Selig sind die, so verstehen.
2:16
O Mein Dhabíḥ!Dhabíḥ bedeutet wörtlich ›Opfer‹ und bezieht sich hier auf Siyyid Ismá‘íl aus Zavárih.A Freude werde dir zuteil und denen, die Gemeinschaft mit dir suchen, die von dir den Duft Meiner Gegenwart atmen und auf das hören, was die Herzen der wahren Sucher heiligt. Danke Gott, daß du die Gestade des größten Meeres erreicht hast und lausche, wie jedes Atom der Erde verkündet: »Dies ist der Meistgeliebte der Welten! Die Bewohner der Erde haben Unrecht an Ihm begangen und es versäumt, den zu erkennen, dessen Namen sie unentwegt anrufen. Verloren sind die Gleichgültigen und die, die sich Ihm widersetzten. Für die, die Er liebt, hätten sie ihr Leben opfern sollen, wieviel mehr noch für Seine hell strahlende Schönheit!«
2:17
Sei geduldig, auch wenn dein Herz durch die Trennung von Gott verzehrt wird, denn Er hat für dich eine erhabene Stufe in Seiner Gegenwart vorgesehen. Nein, selbst jetzt stehst du vor Seinem Antlitz, und mit der Zunge der Kraft und Macht enthüllen Wir dir Worte, wie sie noch nicht einmal die Ohren der Aufrichtigen hören durften. Sprich: Spräche Er nur ein Wort, so wäre dieses allein süßer als alles Reden der Menschen.
2:18
Hätte Muḥammad, der Apostel Gottes, diesen Tag erlebt, so hätte Er ausgerufen: »Ich habe Dich wahrlich erkannt, o du Sehnsucht der Gottesboten!« Hätte Abraham ihn erlebt, so hätte Er sich niedergeworfen und in größter Demut vor dem Herrn, deinem Gott, ausgerufen: »Mein Herz ist voll des Friedens, o Du Herr über alles im Himmel und auf Erden! Ich bezeuge, daß Du vor meinen Augen die ganze Herrlichkeit Deiner Macht und die Majestät Deines Gesetzes enthüllt hast! Ich bezeuge darüber hinaus, daß durch Deine Offenbarung die Herzen der Gläubigen Ruhe und Gewißheit finden.« Hätte Moses diesen Tag erlebt, so hätte auch Er Seine Stimme erhoben: »Aller Lobpreis sei Dir, daß Du mir Deine Schönheit enthülltest und mich zu denen zählst, die das Vorrecht haben, Dein Antlitz zu schauen!«
2:19
Siehe, in welchem Zustand sich die Menschen befinden. Denke darüber nach, was ihre Zungen sprachen und ihre Hände begangen haben an diesem heiligen, unvergleichlichen Tag. Jene, die den guten Ruf der Sache Gottes beschmutzt und sich Satan zugewandt haben, werden vor allen erschaffenen Dingen verflucht und zu den Bewohnern des Höllenfeuers gezählt. Wahrlich, wer Meinen Ruf vernommen hat, den wird das Geschrei der Menschen nicht beeindrucken. Und wer sich von den Worten anderer beeinflussen läßt, hat Meinen Ruf nie gehört. Bei Gott! Einem solchen Menschen ist es versagt, das Himmelreich zu betreten. Das Herrschaftsgebiet Meiner Majestät und Macht bleibt ihm versperrt, und er wird auf der Seite der Verlierer sein.
2:20
Gräme dich nicht über das, was dir widerfuhr. Aus Liebe zu Mir hast du ertragen, was kaum ein Mensch je erlitten hat. Dein Herr ist wohlunterrichtet. Er war in den Versammlungen bei dir und hörte, was aus der Quelle deines Herzens strömte im Gedenken an deinen Herrn, den Allbarmherzigen. Dies ist wahrlich ein Zeichen Seiner gnädigen Gunst.
2:21
Bald wird Gott einen König erwecken, der Seinen Geliebten beistehen wird. Gott umfaßt wahrlich alle Dinge. Er wird den Herzen die Liebe zu Seinen Geliebten einflößen. Dies, wahrlich, wurde unwiderruflich bestimmt durch den Allmächtigen, den Wohltätigen.
2:22
Wir flehen zu Gott, daß Er durch deinen Ruf Seinen Dienern die Brust weite,vgl. Qur’án 6:135, 39:22, 94:1 – Anm. d. Hrsg.A dich zu einem Banner der Führung in Seinen Landen mache und durch dich den Unterdrückten beistehe. Höre nicht auf den, der ein großes Geschrei erhob und dies noch immer tut. Laß dir deinen Herrn, den Immervergebenden, den Großmütigsten, genügen. Berichte Meinen Geliebten von diesem Jüngling und dem, was du gesehen und erfahren, und laß sie von dem wissen, was Wir dir enthüllten. Wahrlich, dein Herr ist stets mit dir und wacht über dich. Die Segnungen der Himmlischen Heerscharen umgeben dich, und die Blätter der heiligen Familie, die den himmlischen Baum umkreisen, gedenken deiner mit wunderbarem Lobpreis.
2:23
O Feder der Offenbarung! Gedenke seinerAnís.A, dessen Brief Uns in finsterer Nacht erreichte. Er wanderte von einem Landstrich zum anderen, bis er die StadtAdrianopel [Edirne].A betrat. Dort suchte er den Schutz der Gnade seines Herrn, des Allmächtigen, des Höchsten. Sehnlichst der Gunstbezeugungen des Herrn harrend, blieb er eine Nacht lang dort. Doch am nächsten Morgen verließ er die Stadt wieder auf Gottes Befehl. Dies erfüllte das Herz dieses Jünglings mit Kummer. Gott bezeugt, was Ich sage.
2:24
Wohl dir, denn die Hand des Allbarmherzigen hat dir den Wein der Rede gereicht. Der süße Duft des Meistgeliebten hat dich so verzückt, daß du auf dein Behagen verzichtet und dich zu denen gesellt hast, die in Sein Paradies eilen, dem Aufgangsort der Zeichen deines Herrn, des Erhabenen, des Unvergleichlichen. Glücklich, wer den Wein innerer Bedeutungen vom Antlitz seines Herrn getrunken hat und von diesem reinen, kristallklaren Trank berauscht ist. Bei Gott! Er läßt jeden wahren Gläubigen aufsteigen in den Himmel der Majestät und Größe, und Er verwandelt jeden Zweifel in Gewißheit.
2:25
Gräme dich nicht über das, was dir widerfahren, setze vielmehr dein ganzes Vertrauen in Gott, den Allmächtigen, den Allwissenden, den Weisen. Baue dein Haus auf das feste Fundament göttlicher Rede, und preise deinen Herrn. Er wird dir wahrlich genügen und dich unabhängig machen von allen Völkern der Erde.
2:26
Gott hat wahrlich eure Namen auf eine Tafel geschrieben, auf der die Geheimnisse von allem, was war, verwahrt sind. Einst werden die wahrhaft Gläubigen eurer Verbannung gedenken und all eurer Wege um Seinetwillen. Er liebt wahrlich jene, die Ihn lieben, und ist der Beistand der Aufrichtigen. Bei Gott! Die Augen der Himmlischen Heerscharen sind auf euch gerichtet, und ihre Finger deuten auf euch. So umfängt euch die Güte eures Herrn. Wollten die Menschen doch erkennen, was ihnen in den Tagen Gottes, des Allherrlichen, des Allgepriesenen, entgangen ist.
2:27
Danke Gott dafür, daß Er dir geholfen hat, Ihn zu erkennen, und dich in Seine Nähe treten ließ, an dem Tag, da die Gottlosen die Familie deines Herrn und Seine Geliebten umzingelten und sie erbarmungslos aus ihren Häusern vertrieben, da sie beabsichtigten, uns am Meeresufer voneinander zu trennen. Wahrlich, dein Herr sieht, was verborgen ist in der Brust der Ungläubigen. Sprich: Selbst wenn ihr unsere Leiber in Stücke reißt, die Liebe zu Gott könnt ihr nicht aus unseren Herzen tilgen. Wir sind wahrlich zum Opfer erschaffen, und dafür rühmen wir uns vor der ganzen Schöpfung.
2:28
O du, der du durch das Feuer der Gottesliebe entflammt bist! Wisse, daß dein Brief Uns erreicht hat und daß Wir von seinem Inhalt Kenntnis genommen haben. Wir flehen zu Gott, daß Er dich in Seiner Liebe und in Seinem Wohlgefallen stärke, daß Er dir beistehe, Seine Sache zu fördern, und Er dich zu denen zähle, die Seiner Sache beistehen.
2:29
Zu deiner Frage über die SeeleNafs – Anm. d. Übers.A: Wisse, daß es unter den Menschen zahlreiche Abhandlungen und Ansichten über ihre Stufen gibt. Dazu zählt die Seele des Himmelreichesnafs malakútíyyah – Anm. d. Übers.A, die Seele des Reiches himmlischer Herrschaftnafs jabarútíyyah – Anm. d. Übers.A, die Seele des Gottesreichsnafs láhútíyyah – Anm. d. Übers.A, die göttliche Seelenafs iláhíyyah – Anm. d. Übers.A, die heilige Seelenafs qudsíyyah – Anm. d. Übers.A ebenso wie die zur Ruhe gekommene Seelenafs muṭma’inah (vgl. Koran 89:27) – Anm. d. Übers.A, die zufriedene Seelenafs ráḍiyah – Anm. d. Übers.A, die gottgefällige Seelenafs marḍíyyah (vgl. Koran 89:28) – Anm. d. Übers.A, die geführte Seelenafs mulhamah – Anm. d. Übers.A, die sich selbst anklagende Seelenafs lawwámah (vgl. Koran 75:1) – Anm. d. Übers.A und die das Böse gebietende Seelenafs ammárah – Anm. d. Übers.A. Jede Gruppe hat ihre eigenen Erklärungen zu diesem Gegenstand, doch Wir wollen auf die Vorstellungen der Vergangenheit nicht eingehen. Wahrlich, dein Herr umfaßt das Wissen aller Zeiten, der früheren wie der späteren.
2:30
Stündest du doch vor Unserem Thron, um von der Zunge der Größe selbst zu hören, was du wünschest, und durch die Gnade des Allwissenden, des Allweisen, die höchsten Höhen des Wissens zu erklimmen! Doch die Gottlosen sind zwischen uns getreten. Sei darüber nicht bekümmert. Gib dich zufrieden mit dem, was unwiderruflich bestimmt ward, und gehöre zu denen, die ihr Los geduldig ertragen.
2:31
Wisse, daß die Seele, die allen Menschen gemein ist, durch die Vermischung von Stoffen und nach deren Reifung entsteht, wie du am KeimNuṭfah – Anm. d. Übers.A sehen kannst: Wenn er das ihm vorbestimmte Stadium erreicht hat, offenbart Gott seine Seele, die in ihm verborgen war. Dein Herr tut wahrlich, was Er will, und befiehlt, was Ihm beliebt.
2:32
Die angestrebte Seele wird durch das Wort Gottes hervorgebracht. Ist sie vom Feuer der Liebe zu ihrem Herrn entflammt, so kann es weder durch die Wasser des Widerstands noch durch alle Meere der Welt gelöscht werden. Sie gleicht selbst einem Feuer, das im Baum des Menschen entfacht wurde. Es verkündet: »Es ist kein Gott außer Ihm!« Wer ihrem Ruf folgt, ist wahrlich unter denen, die in Seine Gegenwart gelangen. Und wenn sie den Leib verläßt, wird Gott ihr schönste Gestalt verleihen und ihr Zutritt zum erhabenen Paradies gewähren. Dein Herr ist wahrlich mächtig über alle Dinge.
2:33
Wisse überdies, daß das Leben des Menschen aus dem Geistrúh – Anm. d. Übers.A kommt und daß der Geist sich wendet, wohin ihn die Seele ausrichtet. Denke darüber nach, was Wir dir offenbart haben, damit du die ›Seele Gottes‹Nafs Alláh – Anm. d. Übers.A erkennst, die über dem Dämmerort der Freigebigkeit erschien und mit offenbarer Souveränität ausgestattet ist.
2:34
Wisse auch, daß die Seele Schwingen hat: Schwingt sie sich in die Sphäre der Liebe und Zufriedenheit auf, so wird sie mit dem Allbarmherzigen verbunden werden. Nimmt sie jedoch ihren Flug in den Bereich des Selbstes und der Begierde, so wird sie Satan angehören. Davor bewahre Gott Uns und euch, o ihr, die ihr begreift! Wird die Seele durch das Feuer der Liebe Gottes entflammt, so wird sie als die zur Ruhe gekommene Seelenafs muṭma’inah – Anm. d. Übers.A bezeichnet, die gottgefällignafs ráḍiyah – Anm. d. Übers.A ist. Doch wird sie verzehrt vom Feuer der Leidenschaft, so nennt man sie die das Böse gebietendenafs ammárah – Anm. d. Übers.A Seele. So haben Wir dir dieses Thema dargelegt, damit du ein klares Verständnis erlangst.
2:35
O Feder des Höchsten! Berichte dem, der sich Deinem Herrn, dem Allherrlichen, zugewandt hat, was ihn unabhängig macht von den Begriffen der Menschen. Sprich: Der Geistrúḥ – Anm. d. Übers.A, der Verstand‘aql – Anm. d. Übers.A, die Seelenafs – Anm. d. Übers.A, das Seh- und das Hörvermögen stellen nur eine einzige Wirklichkeit dar, deren verschiedene Ausdrucksformen auf der Unterschiedlichkeit der Mittel beruhen. Wie du siehst, beruhen die Fähigkeiten des Menschen zu verstehen, sich zu bewegen, zu sprechen, zu hören und zu sehen allesamt auf dem Zeichen des Herrn in ihm. Dieses Zeichen ist seinem Wesen nach eins, zugleich aber vielfältig durch die Vielzahl seiner Mittel. Dies ist fürwahr die Wahrheit. Richtet es sich auf das Hörorgan, so hört man. Ebenso ergibt sich, wenn es sich auf das Sehorgan richtet, eine andere Wirkung. Denke darüber nach, auf daß du die wahre Bedeutung dessen verstehst, was gemeint ist. So wirst du unabhängig von den Vorstellungen der Menschen und gehörst zu denen, die Gewißheit erlangen. Ebenso werden, wenn sich dieses Zeichen Gottes auf Kopf, Gehirn und dergleichen richtet, die Kräfte des Verstandes und der Seele offenbar. Dein Herr ist wahrlich mächtig zu tun, was Ihm beliebt.
2:36
Dies alles wurde bereits in den Tafeln erklärt, die Wir als Antwort auf Fragen über die nicht zusammenhängenden Buchstaben des Koran offenbarten. Denke darüber nach, damit du verstehst, was vom Reiche des Allmächtigen, des Allgepriesenen, herabgesandt wurde. So haben Wir beschlossen, Uns in dieser Tafel kurz zu fassen. Wir flehen zu Gott, daß Er dich durch diese kurze Abhandlung erkennen lasse, was Worte niemals hoffen können zu erschöpfen, und daß Er dir aus diesem Becher von den weiten Meeren zu trinken gebe. Dein Herr ist wahrlich der Freigebigste, der Allmächtige.
2:37
O Feder der Ewigkeit! Gedenke des ‘AlíMírzá ‘Alí-Akbar-i-Naráqí.A, der mit Dir im Irak war, bis die Sonne der Welt das Land verließ. Er verließ sein Heim, gelangte in Unsere Gegenwart, als Wir in den Händen derer gefangen waren, die der süßen Düfte des Allbarmherzigen beraubt sind. Sorge Dich nicht über das, was Uns und Dir auf dem Pfade Gottes widerfuhr. Sei zuversichtlich und standhaft. Er steht denen bei, die Ihn lieben, und Er, wahrlich, ist allmächtig. Wer sich Ihm zuwendet, bringt das Antlitz der Himmlischen Heerscharen zum Leuchten. Hierfür ist Gott Mein Zeuge.
2:38
Sprich: O Menschen! Glaubt ihr denn, ihr wäret dem Glauben Gottes treu, da ihr den zurückwieset, durch den die Religionen der Welt offenbart wurden? Bei Gott! Ihr zählt zu den Bewohnern des Feuers. So wurde der Befehl durch die Feder Gottes auf den Tafeln verzeichnet. Sprich: Niemals wird das Bellen der Hunde die Nachtigall davon abhalten, ihre Melodien zu schlagen. Denkt eine Weile nach, vielleicht entdeckt ihr dann einen Pfad, der zur ewigen Wahrheit führt.
2:39
Sprich: Verherrlicht seiest Du, o Herr mein Gott! Ich flehe Dich an bei den Tränen, die Deine Geliebten in ihrer Sehnsucht nach Dir vergossen haben, und bei der Sehnsucht derer, die in ihrer Trennung von Dir wehklagen, und bei Deinem Meistgeliebten, der in die Hände Deiner Feinde gefallen ist, stehe gnädiglich denen bei, die Zuflucht suchen unter den schützenden Schwingen Deiner Gunst und liebenden Güte und die sich nach keinem anderen Herrn sehnen außer nach Dir.
2:40
Wir haben unser Heim verlassen, o Herr, in unserem Eifer, Dir zu begegnen, und in unserer Sehnsucht, mit Dir vereint zu sein. Wir haben Land und Meer überquert, um den Hof Deiner Gegenwart zu erreichen und Deinen Versen zu lauschen. Als wir jedoch zum Gestade Deines Meeres gelangten, wurden wir von Dir ferngehalten, weil die Frevler zwischen uns und das Licht Deines Antlitzes traten.
2:41
O Herr! Brennender Durst hat uns ergriffen, und bei Dir sind die sanftfließenden Wasser der Ewigkeit. Mächtig bist Du zu tun, was Dir gefällt. Verweigere uns nicht das Ziel unserer Suche. Verordne für uns den Lohn, den Du für solche Deiner Diener vorgesehen hast, die sich Deiner Nähe erfreuen und völlig Deinem Willen ergeben sind. Mache uns so standhaft in Deiner Liebe, daß uns nichts von Dir und Deiner Anbetung abhalten kann. Mächtig bist Du zu tun, was Dir gefällt. Du bist wahrlich der Allmächtige, der Freigebigste.
Lawḥ-i-Ra’ís
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Er ist der rechtmässige Herrscher!
3:1
Die Feder des Höchsten verkündet: O du, der du dich selbst als den Erhabensten unter den Menschen betrachtestDieser zweite an ‘Álí Páshá gerichtete Brief Bahá’u’lláhs wurde kurze Zeit nach Seiner Ankunft in ‘Akká in persischer Sprache offenbart.A und in diesem göttlichen Jüngling, durch den die Augen der Himmlischen Heerscharen erleuchtet wurden, das niedrigste aller Geschöpfe siehst! Dieser Jüngling begehrt nichts von dir oder deinesgleichen. Denn wenn die Manifestationen des Allerbarmers und die Aufgangsorte Seiner unvergänglichen Herrlichkeit sich aus dem Reich der Ewigkeit in diese vergängliche Welt begaben und sich offenbarten, um die Toten wieder zu beleben, haben stets Menschen wie du diese geheiligten Seelen und Tempel der göttlichen Einheit, von denen die Genesung der Völker der Welt abhängt, bezichtigt, Unheil zu stiften. Diese Menschen sind wahrlich alle wieder zu Staub geworden. Auch du wirst bald im Staube ruhen und schmerzlichen Verlust erleiden.
3:2
Selbst wenn du diesem Lebensspender und Welterneuerer die Verantwortung für Aufruhr und Streit anlastest – welches Verbrechen sollten Frauen, Kinder und stillende Mütter begangen haben, daß die Geißel deines Zorns sie trifft? Noch nie hat eine Religion Kinder zur Verantwortung gezogen. Die Feder des göttlichen Befehls hat sie davon ausgenommen, doch das Feuer deiner Tyrannei hat alle ergriffen. Wenn du einer Religion angehörst, solltest du wissen, daß nach allen heiligen Schriften Kinder nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Im übrigen haben nicht einmal jene, die nicht an Gott glauben, solch unerhörte Taten begangen. Da alles eine Wirkung hat – eine Tatsache, die nur leugnen kann, wem es an Verstand und Erkenntnis gebricht –, ist es sicher, daß die Seufzer dieser Kinder und die Schreie dieser Unterdrückten ihre Folgen haben werden.
3:3
Du hast Menschen ausgeraubt, die weder rebellierten noch der Obrigkeit den Befehl verweigerten. Nein, sie blieben unter sich und gedachten Gottes Tag und Nacht. Als später der Verbannungsbefehl gegen diesen Jüngling erging, waren alle bestürzt. Doch die mit Meiner Verbannung beauftragten Beamten erklärten: »Die anderen wurden keines Vergehens beschuldigt und nicht durch die Regierung ausgewiesen. Sollten sie dich zu begleiten wünschen, wird sie niemand daran hindern.« Diese Unglückseligen trugen daher alle Kosten selbst und gaben ihren Besitz dafür hin. Sie gaben sich mit Unserer Gegenwart zufrieden, setzten ihr ganzes Vertrauen in Gott und reisten noch einmal mit Ihm, bis die Festung von ‘Akká zum Gefängnis von Bahá wurde.
3:4
Bei unserer Ankunft wurden wir von Wachen umzingelt und alle zusammen – Männer und Frauen, jung und alt – in der Kaserne gefangen gesetzt. In der ersten Nacht erhielten wir weder zu essen noch zu trinken, denn die Wachtposten, die das Kasernentor bewachten, durften niemanden passieren lassen. Niemand dachte an den schlechten Zustand dieser Unglückseligen. Selbst als sie um Wasser baten, wurde es ihnen verweigert.
3:5
Einige Zeit ist verstrichen, und wir sind noch immer gefangen in dieser Kaserne, obwohl in den fünf Jahren, während derer wir in Edirne lebten, seine Bewohner – Gelehrte und Ungebildete, Reiche und Arme – die Reinheit und Heiligkeit dieser Diener bezeugten. Als dieser Jüngling Edirne verlassen mußte, versuchte einer der Geliebten Gottes, sich das Leben zu nehmen, so unerträglich war ihm der Anblick dieses Unrecht Leidenden in der Gewalt Seiner Unterdrücker. Auf unserer Reise mußten wir dreimal auf andere Schiffe umsteigen; es liegt auf der Hand, daß gerade die Kinder hierunter litten. Als wir an Land gingen, wurden vier Gläubige von Uns getrennt und daran gehindert, Uns zu begleiten. Als dieser Jüngling fortging, stürzte sich einer der vier mit Namen ‘Abdu’l-Ghaffár ins Meer, und niemand weiß, was aus ihm wurde.siehe dazu den Bericht in Gott geht vorüber 314.A
3:6
All dies ist nur ein Tropfen aus dem Meer des Unrechts, das Uns heimsuchte, und noch immer bist du nicht zufrieden! Die Beamten erteilen jeden Tag neue Befehle, und ein Ende ihrer Tyrannei ist nicht in Sicht. Tag und Nacht schmieden sie neue Ränke. Jeder Gefangene erhält aus Regierungsbeständen eine Tagesration von drei Laib Brot – Brot, das völlig ungenießbar ist. Seit der Erschaffung der Welt bis zum heutigen Tag ward solche Unmenschlichkeit nie gesehen noch von ihr gehört.
3:7
Bei Ihm, der Bahá zu allen im Himmel und auf Erden sprechen ließ! Unter denen, die ihre Seele, ihren Leib und ihr Hab und Gut aus Liebe zu Gott, dem Allmächtigen, dem Allbezwingenden, aufgeopfert haben, kommt dir kein Rang zu, ja bist du nicht einmal der Erwähnung wert. Eine Handvoll Lehm ist in den Augen Gottes größer als dein ganzes Reich und deine Herrschaft, deine Macht und dein Reichtum. Wäre es Sein Wille, so könnte Er dich zu Staub zerfallen lassen. Bald wird Er dich in grimmem Zorn ergreifen. Dein Reich wird in Aufruhr geraten und auseinanderbrechen. Dann wirst du heulen und wehklagen und niemanden finden, der dir hilft.
3:8
Wir sagen dies nicht, um dich aus deiner Achtlosigkeit zu wecken, denn der Zorn Gottes hat dich so erfaßt, daß du niemals erwachen wirst. Wir wollen auch nicht all das Unrecht aufzählen, das diesen reinen Seelen widerfuhr. Denn sie sind so trunken vom Wein des Allbarmherzigen und so hingerissen von der berauschenden Wirkung des Lebenswassers Seiner liebenden Vorsehung, daß sie zufrieden sind und Ihm Dank sagen, selbst wenn sie alle Grausamkeiten der Welt um Seinetwillen erleiden. Noch nie haben sie geklagt, und auch künftig werden sie nicht klagen. Nein, ihr Blut fleht ständig zum Herrn aller Welten, daß es auf Seinem Pfad vergossen werde, und ihre Häupter sehnen sich danach, um ihres Geliebten willen auf Speere gespießt zu werden.
3:9
Einige Male wurdest du von Katastrophen heimgesucht, doch du achtetest nicht darauf. Eine davon war die Feuersbrunst, die den größten Teil der StadtWahrscheinlich bezieht sich Bahá’u’lláh hier auf das Feuer von Hocapaşa, das 1865 einen großen Teil von Konstantinopel [Istanbul] zerstörte.A mit den Flammen der Gerechtigkeit verzehrte und von der viele Gedichte berichteten, noch nie habe man ein solches Feuer gesehen. Du aber wurdest noch achtloser. Die Pest brach aus, und noch immer bliebst du achtlos. Mache dich darauf gefaßt, daß der Zorn Gottes deiner harrt. Bald wirst du sehen, was durch die Feder Meines Befehls herniederkam.
3:10
Warst du so töricht zu glauben, deine Macht sei unvergänglich und dein Reich ewig? Nein, beim Allbarmherzigen! Weder dein Ruhm noch Meine Erniedrigung werden von Dauer sein. Wer wirklich Mensch ist, für den ist solche Erniedrigung der Gipfel des Ruhms.
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