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43:4Die Ideale des Friedens müssen genährt und unter den Bewohnern der Welt verbreitet werden. Sie müssen in den Schulen über den Frieden und das Unheil des Krieges unterrichtet werden. Erstens: Die Geldgeber und Bankiers müssen aufhören, irgendeiner Regierung Geld zu leihen, wenn diese einen ungerechten Krieg gegen eine unschuldige Nation zu führen vorhat. Zweitens: Die Direktoren und Geschäftsführer der Eisenbahnen und Dampfschifffahrtsgesellschaften müssen die Beförderung von Kriegsmunition, Höllenmaschinen, Gewehren, Kanonen und Schießpulver von einem Land zum anderen unterlassen. Drittens: Die Soldaten müssen durch ihre Vertreter die Kriegsminister, die Politiker, die Parlamentarier und die Generale ersuchen, in deutlicher und verständlicher Sprache Gründe und Ursachen vorzutragen, die sie an den Rand eines solch nationalen Unheils gebracht haben. Die Soldaten müssen dies als eines ihrer Vorrechte fordern. »Beweist uns«, müssen sie sagen, »dass dies ein gerechter Krieg ist, dann werden wir das Schlachtfeld betreten, andernfalls tun wir keinen Schritt. Kommt hervor aus Euren Verstecken, betretet das Schlachtfeld, wenn ihr einander angreifen möchtet und reißt einander in Stücke, wenn ihr euren sogenannten Streit in der Öffentlichkeit austragen wollt. Zwist und Fehde sind zwischen euch, warum macht ihr uns unschuldige Menschen dabei zur Partei? Wenn Kampf und Blutvergießen gut sind, dann führt uns unter eurem Dabeisein ins Gefecht!«43:5Kurz, jeder Grund, der Krieg erzeugt, muss geprüft werden, und die Mittel, die den Ausbruch des Krieges verhindern, müssen gefördert werden, so dass physischer Kampf zur Unmöglichkeit wird. Andererseits muss jedes Land richtig abgegrenzt, seine Grenzen exakt markiert, seine nationale Integrität gesichert, seine dauerhafte Unabhängigkeit geschützt und seine lebenswichtigen Interessen von der Familie der Nationen respektiert werden. Diese Dienste sollten von einer unparteiischen internationalen Kommission geleistet werden. Auf diese Weise werden alle Ursachen von Reiberei und Meinungsverschiedenheiten beseitigt. Und falls Streitigkeiten unter ihnen entstehen, könnten sie sich vor dem Parlament der Menschheit, dessen Abgeordnete unter den weisesten und klügsten Menschen aller Nationen der Welt ausgewählt werden sollten, einem Schiedsspruch unterwerfen.‘Abdu’l-Bahá, zitiert in: Star of the West, vol. 5, no. 8, August 1914, pp. 115-117Q4444:1Jedes Jahrhundert besitzt die Lösung für ein vorherrschendes Problem. Obwohl es viele Probleme geben mag, wird sich dennoch eines der unzähligen Probleme auftürmen und zum wichtigsten von allen werden … In diesem leuchtenden Jahrhundert ist die größte Gabe der Welt für die Menschheit der Weltfriede, der gegründet werden muss, so dass das Reich der Schöpfung zur Ruhe kommt, der Osten und der Westen, die mit ihrer Reichweite die fünf Kontinente des Erdballs umfassen, einander umarmen, die Menschen unter dem Zelt der Einheit der Menschheit Ruhe finden und das Banner des Weltfriedens über alle Regionen wehen möge …44:2Heute ist die wahre Pflicht eines mächtigen Königs, den Weltfrieden zu stiften; denn dies bekundet wahrlich die Freiheit aller Menschen in der Welt. Manche, die von der Existenz wahrer Menschlichkeit und deren hohem Streben für das Wohl aller nichts wissen, halten eine solch herrliche Lebensform für sehr schwierig, ja sogar unmöglich erreichbar. Aber dem ist nicht so, ganz im Gegenteil.‘Abdu’l-Bahá, zitiert in: Star of the West, vol. 7, no. 14, November 1916, p. 136 Q4545:1O ihr Glieder der Menschheit, findet die Mittel, diesem Massenmord und Blutvergießen Einhalt zu gebieten. Jetzt ist die festgesetzte Zeit! Jetzt ist die günstigste Zeit! Erhebt euch, bemüht euch, zeigt außergewöhnliche Kraft, hisst das Banner des Weltfriedens und dämmt die unbändige Raserei dieser tobenden Flut ein, die überall Vernichtung und Zerstörung bringt.‘Abdu’l-Bahá, zitiert in: Star of the West, vol. 18, no. 11, February 1928, p. 345 Q4646:1»Durch welche Schritte«, fuhr der Fragende fort, »wird dieser Friede auf Erden errichtet? Wird er plötzlich nach einer weltweiten Verkündung der Wahrheit kommen?«46:2»Nein, er wird schrittweise erreicht«, sagte ‘Abdu’l-Bahá. »Eine Pflanze, die zu schnell wächst, lebt nur kurze Zeit. Ihr seid meine Familie«, und Er sah mit einem Lächeln um sich, »meine neuen Kinder! Wenn eine Familie in Einklang lebt, werden große Ergebnisse erzielt. Zieht einen größeren Kreis: Wenn eine Stadt in inniger Eintracht lebt, werden größere Ergebnisse die Folge sein, und ein völlig geeinter Erdteil wird ebenso alle anderen Erdteile einen. Dann ist die Zeit der größten Ergebnisse gekommen, denn alle Bewohner der Erde gehören zu einem Heimatland.«‘Abdu’l-Bahá, zitiert in: ‘Abdu’l-Bahá in London, S. 116QAus den Schriften Shoghi Effendis4747:1Innig geliebte Freunde! Ob wir die Menschheit im Lichte der persönlichen Lebensführung oder der Beziehungen zwischen den organisierten Gemeinschaften und Nationen betrachten, sie ist leider zu weit abgeirrt, hat einen zu tiefen Niedergang erlitten, als dass sie allein durch die unbeholfenen Anstrengungen selbst der besten unter ihren anerkannten Herrschern und Staatsmännern – wie uneigennützig ihre Beweggründe, wie wohlabgestimmt ihr Handeln, wie rückhaltlos ihr Eifer und ihre Hingabe an ihre Sache auch seien – erlöst werden könnte. Kein Plan, den die Berechnungen höchster Staatskunst noch ersännen, kein Lehrgebäude, das die hervorragendsten Vertreter der Wirtschaftstheorie noch errichteten, kein Grundsatz, den der glühendste Moralist noch einimpfen wollte, können letzten Endes ausreichende Grundlagen bieten, auf die die Zukunft einer verwirrten Welt gebaut werden kann.47:2Kein Aufruf zu gegenseitiger Duldsamkeit, den die Weltweisen erheben, wie zwingend und nachdrücklich er auch sein mag, kann die Leidenschaften dieser Welt beruhigen oder ihr helfen, ihre Lebenskraft zurückzugewinnen. Auch hat kein rein organisatorischer Gesamtplan internationaler Zusammenarbeit, auf welchem Gebiet menschlichen Wirkens er sich immer bewegt, wie geistreich er erdacht und wie umfassend er auch aufgefasst wird, den gewünschten Erfolg, wenn es darum geht, die Grundursache des Übels zu beseitigen, das die heutige Gesellschaft so hart aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Ja, ich wage zu behaupten, dass nicht einmal das Ersinnen eines Ordnungsgefüges, wie es für die politische und wirtschaftliche Vereinigung der Menschheit erforderlich ist – eine Grundforderung, die in letzter Zeit immer stärker vertreten wird, – dass nicht einmal dieser Vorgang aus sich selbst heraus das Heilmittel gegen das Gift bieten könnte, welches ständig die Kraftreserven der entwickelten Völker und Nationen auszehrt. Was sonst, so können wir getrost fragen, als die vorbehaltlose Annahme des göttlichen Programms, das Bahá’u’lláh vor bereits sechzig Jahren mit solcher Macht und Schlichtheit verkündet hat, eines Programms, das in seinen Wesenszügen Gottes Plan für die Vereinigung der Menschheit in diesem Zeitalter zum Ausdruck bringt, kann in Verbindung mit der unüberwindlichen Gewissheit der sicheren Wirkung aller seiner Vorkehrungen schließlich den Kräften innerer Auflösung widerstehen, die sich, wenn ihnen kein Einhalt geboten wird, immer tiefer in das Mark einer verzweifelten Gesellschaft hineinfressen? Diesem Ziel – dem Ziel einer neuen Weltordnung, göttlich im Ursprung, allumfassend in der Reichweite, unparteiisch im Grundsatz, herausfordernd im Charakter – muss eine gequälte Menschheit zustreben.47:3Zu behaupten, alle Zusammenhänge von Bahá’u’lláhs gewaltigem Plan weltweiter Solidarität erfasst oder seine Bedeutung ergründet zu haben, wäre selbst vonseiten der erklärten Anhänger Seines Glaubens vermessen. Ja, der Versuch, sich diesen Plan mit all seinen Möglichkeiten vorzustellen, seine künftigen Vorteile abzuschätzen, sich seine Größe auszumalen, wäre sogar in dem heute so fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung der Menschheit verfrüht.47:4Das Einzige, was wir vernünftigerweise versuchen können, ist, uns zu bemühen, einen Schimmer der ersten Lichtstreifen der verheißenen Dämmerung zu erhaschen, die, wenn die Zeit gekommen ist, das die Menschheit umschließende Dunkel verjagen wird. Lediglich in groben Zügen können wir herausstellen, was uns als die leitenden Prinzipien erscheint, die der Weltordnung Bahá’u’lláhs zugrunde liegen, wie sie ‘Abdu’l-Bahá, Mittelpunkt Seines Bundes mit der ganzen Menschheit und ernannter Ausleger und Erklärer Seines Wortes, ausführlich dargestellt und erläutert hat.47:5Dass die Unruhe und das Leid, die die Masse der Menschheit peinigen, in einem nicht geringen Maße die unmittelbaren Folgen des Weltkriegs sind, dass sie der Unklugheit und Kurzsichtigkeit der Gestalter der Friedensverträge zugeschrieben werden müssen, kann nur ein Voreingenommener sich weigern zuzugeben. …47:6Die Behauptung wäre jedoch müßig, allein der Krieg mit all seinen Folgeschäden, seinen entfesselten Leidenschaften und seiner Hinterlassenschaft an Leid sei verantwortlich für die beispiellose Verwirrung, in die fast jeder Lebensbereich der zivilisierten Welt gegenwärtig gestürzt ist. Ist es nicht eine Tatsache – und das ist der Kerngedanke, den ich hier betonen möchte –, dass die grundlegende Ursache dieser weltweiten Unruhe nicht so sehr den Auswirkungen dessen zuzuschreiben ist, was man früher oder später als eine vorübergehende Gewichtsverlagerung in den Angelegenheiten einer sich ständig wandelnden Welt betrachten wird, sondern vielmehr dem Versäumnis jener, die die unmittelbaren Schicksale von Völkern und Nationen in Händen halten, – dem Versäumnis, ihr System wirtschaftlicher und politischer Institutionen den zwingenden Notwendigkeiten eines Zeitalters stürmischer Entwicklung anzupassen? Gehen diese immer wiederkehrenden Krisen, die die heutige Gesellschaft durchzucken, nicht hauptsächlich zu Lasten der bedauerlichen Unfähigkeit der anerkannten Führer in der Welt, die Zeichen der Zeit richtig zu lesen, sich ein für alle Mal von ihren vorgefassten Meinungen, ihren engen Glaubensvorstellungen zu lösen und das Räderwerk ihrer jeweiligen Regierungen nach den Maßstäben zu erneuern, die sich aus Bahá’u’lláhs Verkündigung der Einheit der Menschheit, dem hauptsächlichen und hervorragenden Merkmal Seines Glaubens, zwingend ergeben? …47:7Wie kläglich sind doch die Bemühungen jener Führer menschlicher Institutionen, welche in völliger Missachtung des Zeitgeistes bestrebt sind, nationale Verfahrensweisen, die längst vergangenen Tagen selbstgenügsamer Nationen entsprachen, einem Zeitalter anzupassen, das entweder, wie von Bahá’u’lláh vorgezeichnet, die Einheit der Welt erreichen oder aber zugrunde gehen muss. In einer so kritischen Stunde der Kulturgeschichte geziemt es den Führern aller Nationen der Erde, groß und klein, im Osten wie im Westen, Sieger oder Besiegte, dem Posaunenruf Bahá’u’lláhs Beachtung zu schenken und, völlig durchdrungen von einem Empfinden der Weltsolidarität, dem sine qua non der Treue zu Seiner Sache, sich mannhaft zu erheben, um den einen Heilsplan, den Er, der göttliche Arzt, für eine gequälte Menschheit verordnet hat, zur Gänze durchzuführen. Mögen sie ein für alle Mal jede vorgefasste Meinung, jedes nationale Vorurteil ablegen und den erhabenen Rat ‘Abdu’l-Bahás, des autorisierten Erklärers Seiner Lehren, beachten: »Sie können Ihrem Land am besten dienen«, erwiderte ‘Abdu’l-Bahá einem hohen Beamten im Dienste der Bundesregierung der Vereinigten Staaten von Amerika auf die Frage, wie er die Interessen seiner Regierung und seines Volkes am besten fördern könnte, »indem Sie in Ihrer Eigenschaft als Weltbürger bestrebt sind mitzuhelfen, dass das Prinzip des Föderalismus, das der Regierung Ihres eigenen Landes zugrunde liegt, endlich auf die Beziehungen angewandt wird, die jetzt zwischen den Völkern und Nationen der Welt bestehen.«47:7_8… 47:8Ein Welt-Überstaat, an den alle Nationen der Erde willig den Anspruch, Krieg zu führen, gewisse Rechte der Erhebung von Steuern und alle Rechte auf Kriegsrüstung außer zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung in ihren Gebieten abtreten – ein solcher Staat muss notwendigerweise in irgendeiner Form entwickelt werden. Sein Organisationsrahmen wird eine internationale Exekutive einschließen müssen, die jedem widerspenstigen Mitglied der Gemeinschaft ihre höchste und unantastbare Autorität aufzwingen kann; ein Weltparlament, dessen Mitglieder durch das Volk aller Länder gewählt werden und in ihrer Amtsübernahme von den jeweiligen Regierungen bestätigt werden, sowie einen Obersten Gerichtshof, dessen Urteil bindende Gültigkeit haben wird, selbst in Fällen, in denen die Parteien ihren Streit nicht freiwillig seiner Rechtsfindung unterwerfen. Eine Weltgemeinschaft, in der alle wirtschaftlichen Schranken für immer niedergerissen werden, in der die gegenseitige Abhängigkeit von Kapital und Arbeit ausdrücklich anerkannt wird, in der das Geschrei religiösen Eifers und Streites endgültig verstummt ist, in der die Flamme des Rassismus ein für alle Mal gelöscht ist, deren einheitliches System internationalen Rechts als Ergebnis der wohlüberlegten Entscheidung der weltweit vereinigten Volksvertreter durch das sofortige, zwingende Eingreifen der vereinten Streitkräfte der Verbündeten sanktioniert wird; und schließlich: eine Weltgemeinschaft, in der der Sturm eines tollkühn-militanten Nationalismus in ein dauerhaftes Bewusstsein des Weltbürgertums verwandelt ist – so wahrlich sieht, in groben Zügen gezeichnet, die von Bahá’u’lláh vorausgeschaute Ordnung aus, eine Ordnung, die einmal als die edelste Frucht eines langsam heranreifenden Zeitalters betrachtet werden wird.47:8_9…47:9Der belebende Sinn des weltweiten Gesetzes Bahá’u’lláhs darf keine Befürchtungen hervorrufen. Weit davon entfernt, auf den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung abzuzielen, sucht es ihre Grundlage zu erweitern, ihre Institutionen in einer Weise umzugestalten, die mit den Bedürfnissen einer stets sich wandelnden Welt in Einklang steht. Es kann mit keiner rechtmäßigen Untertanenpflicht in Widerspruch sein, noch kann es wirkliche Treue untergraben. Seine Absicht ist weder, die Flamme einer vernünftigen Vaterlandsliebe in den Herzen der Menschen zu ersticken, noch den Grundsatz nationaler Selbständigkeit abzuschaffen, der so wesentlich ist, wenn die Übel übertriebener Zentralisation vermieden werden sollen. Es ignoriert weder die Vielfalt von Ethnien, Klima, Geschichte, Sprachen und Traditionen, Gedanken und Gewohnheiten, die die Völker und Nationen der Welt voneinander unterscheiden, noch versucht es, sie zu unterdrücken. Es ruft nach größerer Treue, stärkerem Bemühen als irgendein anderes, das je die Menschenwelt beseelt hat. Es besteht auf der Unterordnung nationaler Regungen und Belange unter die zwingenden Ansprüche einer geeinten Welt. Es verwirft einerseits die übersteigerte Zentralisation und entsagt zum andern allen Versuchen der Gleichmacherei. Seine Losung ist Einheit in der Mannigfaltigkeit, wie ‘Abdu’l-Bahá selbst erklärte.47:9_10…47:10Der Grundsatz der Einheit der Menschheit – der Angelpunkt, um den alle Lehren Bahá’u’lláhs kreisen – ist kein bloßer Ausdruck unkundiger Gefühlsseligkeit oder unklarer frommer Hoffnung. Sein Ruf ist nicht gleichbedeutend mit einer bloßen Wiedererweckung des Geistes der Brüderlichkeit und des guten Willens unter den Menschen, noch geht es nur um die Förderung harmonischer Zusammenarbeit zwischen einzelnen Völkern und Ländern. Die Folgerungen gehen tiefer, der Anspruch ist höher als alles, was den früheren Propheten zu äußern erlaubt war. Die Botschaft gilt nicht nur dem einzelnen, sondern befasst sich in erster Linie mit der Natur jener notwendigen Beziehungen, die alle Staaten und Nationen als Glieder einer menschlichen Familie verbinden müssen. Der Grundsatz der Einheit stellt nicht nur die Verkündigung eines Ideals dar, sondern ist unzertrennlich mit einer Institution verbunden, die seine Wahrheit verkörpert, seine Gültigkeit bekundet und seinen Einfluss dauernd zur Geltung bringt. Er verlangt eine organische, strukturelle Veränderung der heutigen Gesellschaft, eine Veränderung, wie sie die Welt noch nicht erlebt hat. Er stellt eine Herausforderung, kühn und weltumfassend, für die nationalen Glaubensparolen dar, deren Zeit vorüber ist und die im normalen Verlauf der Ereignisse, wie die Vorsehung sie formt und fügt, einem neuen Evangelium Platz machen müssen, das grundlegend anders und unendlich höherwertig ist als das, was die Welt bis jetzt begriffen hat. Er fordert nichts Geringeres als den Wiederaufbau und die Entmilitarisierung der ganzen zivilisierten Welt, einer Welt, die in allen Grundfragen des Lebens, in ihrem politischen Mechanismus, ihren geistigen Bestrebungen, in Handel und Finanzwesen, Schrift und Sprache organisch zusammengewachsen und doch in den nationalen Eigentümlichkeiten ihrer verbündeten Staatenglieder von einer unendlichen Mannigfaltigkeit ist.47:11Er stellt die Vollendung der menschlichen Entwicklung dar, einer Entwicklung, die ihren Uranfang in der Geburt des Familienlebens hat, deren weitere Entfaltung zur Stammeseinheit und zur Bildung des Stadtstaates führte, und die sich später zur Bildung unabhängiger, souveräner Nationen erweiterte.47:11_11…47:12Nehmen wir nur ein Beispiel: Wie überzeugt klangen die Erklärungen, die in den Tagen vor der Vereinigung der Staaten des nordamerikanischen Kontinents über die unüberwindlichen Schranken auf dem Weg zu diesem Zusammenschluss abgegeben wurden! Hat man nicht ausführlich und nachdrücklich dargelegt, die widersprüchlichen Interessen, das gegenseitige Misstrauen, die Unterschiede in Amtsführung und Brauchtum zwischen den Staaten seien so stark, dass keine geistliche oder weltliche Macht jemals hoffen dürfe, sie zu harmonisieren oder zu beherrschen? Und doch, wie verschieden waren die vor 150 Jahren herrschenden Bedingungen von denen, die für die heutige Gesellschaft bezeichnend sind! Ohne Übertreibung kann man sagen, dass das Fehlen jener Erleichterungen, die der neueste wissenschaftliche Fortschritt der heutigen Menschheit dienstbar machte, das Problem, die amerikanischen Staaten zu einem Bund zu verschweißen, weit komplizierter machte als es die Aufgabe ist, der eine gespaltene Menschheit bei ihrem Bemühen um Welteinheit gegenübersteht.47:13Wer weiß andererseits, ob nicht für die Verwirklichung eines so erhabenen Planes noch schlimmere Leiden über die Menschheit kommen müssen als alle, die sie bis jetzt ausgestanden hat? Konnte etwas Geringeres als das Feuer eines Bürgerkrieges mit all seiner Gewalttätigkeit und seinen Wechselfällen – ein Krieg, der die große amerikanische Republik fast gespalten hätte – die Staaten nicht nur zu einem Bund unabhängiger Einheiten, sondern zu einer Nation verschmelzen, trotz all der völkischen Unterschiede, die ihre Bestandteile charakterisierendie Staaten, nicht nur zu einem Bund unabhängiger Einheiten, sondern trotz all der charakteristischen ethnischen Unterschiede ihrer Bestandteile zu einer Nation verschmelzen? Dass eine so grundlegende Umwälzung mit einem so weitreichenden Wandel in der Gesellschaftsstruktur auf dem gewöhnlichen Weg der Diplomatie und der Erziehung erreicht werden kann, scheint höchst unwahrscheinlich. Wir brauchen nur die blutgetränkte Menschheitsgeschichte zu betrachten, um festzustellen, dass allein die heftigste geistige und körperliche Pein imstande war, derart epochemachende Wandlungen, wie sie die wichtigsten Wahrzeichen der Kulturentwicklung bilden, rasch herbeizuführen.47:14So groß und weitreichend jene früheren Veränderungen auch gewesen sind – in ihrer richtigen Perspektive betrachtet, können sie doch nur als zweitrangige Anpassungsvorgänge erscheinen, als Vorspiel für diese Wandlung von unvergleichlicher Majestät und Reichweite, die die Menschheit in unserem Zeitalter erdulden muss. Dass nur die Kräfte einer Weltkatastrophe eine derart neue Phase menschlichen Denkens vorantreiben können, wird leider immer deutlicher. Dass nichts Geringeres als das Feuer eines harten Gottesgerichts, heftiger als je zuvor, die uneinigen Elemente der heutigen Zivilisation zu sich ergänzenden Bestandteilen des künftigen Weltgemeinwesens verschweißen und verschmelzen kann, ist eine Wahrheit, die künftige Ereignisse immer mehr beweisen werden.47:15Die prophetische Stimme Bahá’u’lláhs warnte in den abschließenden Sprüchen der Verborgenen Worte »die Völker der Welt«, dass »unerwartete Trübsal sie verfolgt und schmerzhafte Vergeltung ihrer harrt«. Dies wirft in der Tat ein gespenstisches Licht auf die unmittelbaren Geschicke einer bekümmerten Menschheit. Nur eine Feuerprobe, aus der diese Menschheit geläutert und vorbereitet wiederersteht, kann ihr ein Gefühl für die Verantwortung einbrennen, welche die Führer eines neugeborenen Zeitalters auf ihre Schultern nehmen müssen.47:16Zum wiederholten Male möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf jene bedeutenden Worte Bahá’u’lláhs lenken, die ich bereits angeführt habe: »Und wenn die festgesetzte Stunde kommt, wird plötzlich erscheinen, was der Menschheit Glieder zittern macht.«47:17Hat nicht ‘Abdu’l-Bahá selbst in unzweideutiger Sprache versichert, dass »ein zweiter Krieg, grimmiger als der letzte, sicherlich ausbrechen wird«?47:18Von der Vollendung dieses kolossalen, dieses unsagbar ruhmreichen Unternehmens – eines Unternehmens, das die Erfindergabe römischer Staatskunst in Verwirrung stürzte, vor dem die verzweifelten Kraftakte eines Napoleon versagten – wird die endgültige Verwirklichung jenes Tausendjährigen Reiches abhängen, von dem die Dichter aller Zeiten sangen und die Seher seit alters träumten. Von dieser Vollendung wird es abhängen, dass die Verheißungen der alten Propheten sich erfüllen, wonach die Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden und der Löwe und das Lamm beisammen ruhen. Allein diese Vollendung kann zum Reich des Himmlischen Vaters führen, wie es der Glaube Jesu Christi verheißen hat. Allein diese Vollendung kann das Fundament für die neue Weltordnung, wie sie Bahá’u’lláh vor Augen stand, legen – eine Weltordnung, die, wenn auch nur schwach, auf Erden den unbeschreiblichen Strahlenglanz des Reiches Abhá widerspiegeln wird.47:19Ein weiteres Wort zum Beschluss: Die Verkündigung der Einheit der Menschheit – der Eckstein der allumfassenden Herrschaft Bahá’u’lláhs – kann unter keinen Umständen mit solchen Verlautbarungen frommer Hoffnung verglichen werden, wie sie früher geäußert wurden. Bahá’u’lláh hat nicht nur einen Ruf erschallen lassen, allein und ohne Hilfe im Angesicht des hartnäckigen, vereinten Widerstandes zweier der mächtigsten orientalischen Herrscher Seiner Zeit, während Er selbst ein Verbannter und Gefangener in ihren Händen war. Sein Ruf enthält zugleich eine Warnung und ein Versprechen: eine Warnung, dass in ihm selbst das einzige Mittel zum Heil einer grausam leidenden Welt liegt, und ein Versprechen, dass die Verwirklichung dieses Heils nahe bevorsteht.47:20Verkündet zu einer Zeit, als man seine Möglichkeit noch in keinem Teil der Erde ernstlich ins Auge fasste, wird dieser Ruf kraft der himmlischen Macht des Geistes Bahá’u’lláhs heute von einer wachsenden Zahl denkender Menschen nicht nur als eine sich anbahnende Möglichkeit betrachtet, sondern als das notwendige Ergebnis der Kräfte, die in unserer Welt am Werke sind.47:21Sicherlich hat es diese Welt – durch den erstaunlichen Fortschritt im Reich der Physik sowie durch die weltweite Ausdehnung von Handel und Industrie zusammengeschrumpft und in einen eng verflochtenen Organismus verwandelt, unter dem lastenden Druck der weltwirtschaftlichen Mächte und inmitten der Fallgruben einer materialistischen Zivilisation – bitter nötig, dass ihr die Wahrheit, die allen Offenbarungen der Vergangenheit zugrunde liegt, neu dargereicht wird, und zwar in einer Sprache, die ihren wesentlichen Bedürfnissen entspricht. Und welche Stimme außer Bahá’u’lláh, dem Sprachrohr Gottes für dieses Zeitalter, ist imstande, eine Veränderung der Gesellschaft herbeizuführen, so radikal wie die Veränderung, die Er bereits in den Herzen jener Männer und Frauen bewirkte, die aus ihrer scheinbaren Verschiedenartigkeit und Unversöhnlichkeit zur Körperschaft Seiner erklärten Anhänger auf der ganzen Erde zusammengewachsen sind?47:22Dass eine so mächtige Idee im menschlichen Denken rasch aufblühen wird, dass sich Stimmen zu ihrer Unterstützung erheben werden, dass ihre wesentlichen Strukturen im Bewusstsein der Machthaber rasch kristallisieren müssen, kann in der Tat kaum jemand bezweifeln. Dass ihre bescheidenen Anfänge in der weltweiten Gemeinschaftsordnung, die das Wesen der Anhängerschaft Bahá’u’lláhs ausmacht, bereits Gestalt annehmen, können nur jene, deren Herzen vom Vorurteil vergiftet sind, übersehen.Shoghi Effendi, in: Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 3:13–19, 29, 31, 34–35, 40–50Q4848:1Kein Apparat, der hinter dem Maßstab der Bahá’í-Offenbarung zurückbleibt und dem erhabenen Modell der Lehren Bahá’u’lláhs widerspricht, sei er durch die vereinten Bemühungen der Menschheit auch noch so gut ausgeklügelt, kann je hoffen, irgendetwas über jenen ›Geringeren Frieden‹ hinaus zu vollbringen, auf den der Begründer unseres Glaubens in Seinen Schriften selbst angespielt hat. »Jetzt, da ihr den Größten Frieden abgelehnt habt«, schrieb Er zur Ermahnung der Könige und Herrscher der Erde, »haltet euch an diesen, den Geringeren Frieden, damit ihr eure eigene Lage und die eurer Untertanen einigermaßen bessern möget.« Im selben Sendschreiben spricht Er eingehender über diesen Geringeren Frieden und wendet sich wie folgt an die Herrscher der Erde: »Versöhnt euch, so dass ihr nicht mehr Kriegsrüstungen brauchet, als in dem Maße, um eure Länder und Herrschaften zu schützen … Seid vereinigt, o Könige der Erde, denn dadurch wird der Sturm der Zwietracht unter euch gestillt, und eure Völker werden Ruhe finden – so ihr zu denen gehöret, die verständig sind. Sollte einer von euch die Waffen gegen einen anderen ergreifen, so erhebt euch alle gegen ihn; denn dies ist nichts als offenbare Gerechtigkeit.«
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