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6:34Bezüglich der Manifestationen, die auserwählt sind, auf die Offenbarung Bahá’u’lláhs zu folgen, gibt uns ‘Abdu’l-Bahá diese bestimmte und gewichtige Erklärung: »Was die Manifestationen anbelangt, die künftig ›in den Schatten der Wolken‹Qur’án 2:210 – Anm. d. Hrsg.
Q herniedersteigen werden, so wisse wahrlich, dass sie, auf ihr Verhältnis zur Quelle ihrer Eingebung bezogen, unter dem Schatten der Urewigen Schönheit stehen. Doch in Beziehung zum jeweiligen Zeitalter, in dem sie erscheinen, wird jeder von ihnen ›tun, was immer Er will.‹vgl. Qur’án 2:253, 3:40, 14:27; 22:14, 22:18 – Anm. d. Hrsg.
Q«
Q6:35»O mein Freund!«
so wendet Er sich in einem Seiner Sendschreiben an eine Persönlichkeit von anerkannter Autorität und Stellung, »das unauslöschliche Feuer, das vom Herrn des Königreiches in dem heiligen Baum entzündet wurde, brennt der Welt ungestüm im innersten Herzen. Die daraus erwachsende Feuersbrunst wird die gesamte Erde umfassen, ihre Flamme die Völker und Geschlechter erleuchten. Alle Zeichen sind enthüllt, alle prophetischen Hinweise sind offenbar. Was immer in allen Schriften der Vergangenheit verborgen war, ist nun erschienen. Zu zweifeln oder zu zaudern ist künftighin nicht möglich … Die Zeit drängt. Das Schlachtross Gottes ist voll Ungeduld und kann nicht säumen. Unser ist die Pflicht, vorwärts zu stürmen und, ehe es zu spät sein mag, den Sieg zu erringen.«
Und zum Schlusse noch jene ergreifendsten Worte, die es Ihn in einem Seiner Augenblicke des Jauchzens während der frühesten Tage Seiner Berufung an einen Seiner vertrautesten und hervorragendsten Anhänger zu richten trieb: »Was soll ich sonst noch weiter sagen? Was kann meine Feder noch berichten? So laut ist der Ruf, der vom Reich Abhá widerhallt, dass sterbliche Ohren unter seinen Schwingungen fast taub werden. Die ganze Schöpfung, dünkt mich, ist im Begriff, durch den erschütternden Einfluss der göttlichen Forderungen, die vom Throne der Herrlichkeit hervorgehen, gesprengt zu werden und zu bersten. Mehr denn dies kann ich nicht schreiben.«
6:36Innig geliebte Freunde! Genügend ist gesagt, und die herangezogenen Abschnitte aus den Schriften des Báb, Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás sind zahlreich und mannigfach genug, um den gewissenhaften Leser von der Erhabenheit dieses in der religiösen Weltgeschichte einzigartigen Zyklus zu überzeugen. Es wäre ganz unmöglich, seine Bedeutung zu übertreiben oder den Einfluss zu überschätzen, den er hervorgerufen hat und in wachsendem Maße weiter hervorrufen muss, sobald sich sein großer Plan inmitten der Umwälzungen einer zusammenbrechenden Zivilisation entfaltet.6:37Für jeden, der diese Zeilen lesen mag, scheint mir indessen doch ein Wort der Warnung ratsam, bevor ich fortfahre, meine Beweise zu entwickeln. Es möge niemand, der im Lichte der vorerwähnten Abschnitte über das Wesen der Offenbarung Bahá’u’lláhs nachdenkt, deren Charakter missverstehen oder die Absicht ihres Urhebers missdeuten. Die Göttlichkeit, die einem so großen Wesen beigegeben wurde, und die vollkommene Verkörperung der Namen und Eigenschaften Gottes in einer so erhabenen Persönlichkeit sollten unter keinen Umständen falsch verstanden oder dargestellt werden. Der zum Träger einer so überwältigenden Offenbarung erkorene menschliche Tempel muss, wenn wir den Lehren unseres Glaubens treu sind, stets voll gesondert bleiben von dem »innersten Geist des Geistes«
und der »ewigen Wesenheit der Wesenheiten«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 196 – Anm. d. Hrsg.
Q – jenem unsichtbaren und doch der Vernunft entsprechenden Gott, dessen unerkennbare, unzerstörbare und allumfassende Wirklichkeit, wie sehr wir auch immer die Göttlichkeit Seiner Manifestationen auf Erden preisen, sich doch keineswegs in Gestalt eines sterblichen Geschöpfes, verdichtet und umgrenzt, verkörpern kann. Der Gott fürwahr, der so Seine eigene Wirklichkeit verkörpern wollte, würde, im Lichte der Lehren Bahá’u’lláhs gesehen, im gleichen Augenblick nicht mehr Gott sein. Ein derart unverdauter, phantastischer Glaube an eine göttliche Verkörperung ist vom Wesen des Bahá’í-Glaubens so entfernt und mit ihm ebenso unvereinbar wie die nicht weniger unzulässigen pantheistischen und anthropomorphen Vorstellungen von Gott, die Bahá’u’lláhs Worte nachdrücklich zurückweisen und deren Trugschluss sie uns zeigen.6:38Er, der in unzähligen Darlegungen für Seine Äußerungen beansprucht, die »Stimme des Göttlichen, der Ruf Gottes«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 196 – Anm. d. Hrsg.
Q zu sein, bestätigt im Kitáb-i-Íqán feierlich: »Jedwedem einsichtsvollen und erleuchteten Herzen ist es klar, dass Gott, die unerforschliche Wesenheit, das göttliche Sein, unermesslich erhaben ist über jedes menschliche Kennzeichen wie körperliches Dasein, Aufstieg und Abstieg, Fortschritt und Rückschritt … Er ist und war von jeher in der altehrwürdigen Ewigkeit Seines Wesens verhüllt und wird in Seiner Wirklichkeit dem Schauen des Menschen ewiglich verborgen bleiben … Er ist erhaben und jenseits aller Trennung und Einigung, aller Nähe und Ferne … ›Gott war allein, niemand war da neben Ihm‹Ḥadíth – Anm. d. Hrsg., ist ein sicheres Zeugnis dieser Wahrheit.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 104, 104, 104, 105 – Anm. d. Hrsg.
Q6:39»Seit undenklichen Zeiten«
, so erklärt Bahá’u’lláh, indem Er über Gott spricht, »war Er, das Göttliche Sein, in der unnennbaren Heiligkeit Seines erhabenen Selbstes verborgen, und Er wird ewig weiter im unergründlichen Geheimnis Seiner unerkennbaren Wesenheit verhüllt sein … Zehntausend Propheten, jeder ein Moses, sind auf dem Sinai ihres Suchens wie vom Donner gerührt, da Gottes verbietende Stimme ihr ›Du sollst Mich niemals schauen!‹vgl. Ex. 33:18–23, Qur’án 7:143 – Anm. d. Hrsg.Q spricht, indessen eine Myriade Sendboten, jeder so groß wie Jesus, bei dem Verbot: ›Du sollst Mein Wesen nie erkennen!‹ bestürzt auf ihren himmlischen Thronen erbeben.«vgl. Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 26:3, 26:3 – Anm. d. Hrsg.
Q »Wie verwirrend ist für mich in meiner Bedeutungslosigkeit«
, beteuert Bahá’u’lláh, da Er mit Gott spricht, »der Versuch, die heiligen Tiefen Deines Wissens zu ergründen! Wie nichtig ist mein Mühen, mir eine Vorstellung von der Größe der Macht, die in Deinen Werken ruht, zu machen, von der Offenbarung Deiner schöpferischen Kraft!«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 26:4 – Anm. d. Hrsg.
Q »Wenn ich, o Gott, der Verwandtschaft nachsinne, die mich mit Dir verbindet«
, bezeugt Er in einem weiteren, in eigener Handschrift offenbarten Gebete, »so fühle ich mich bewogen, allen erschaffenen Dingen zu verkünden: ›Wahrlich, Ich bin Gott!‹; und wenn ich mein eigenes Selbst betrachte, siehe, so finde ich, dass es geringer als der Staub ist!«
6:40»Das Tor zur Erkenntnis des Altehrwürdigen der Tage«
, stellt Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Íqán fest, »ist so vor dem Antlitz aller Wesen verschlossen. Darum hat Er, der Quell unendlicher Gnade … jene leuchtenden Edelsteine der Heiligkeit aus dem Reiche des Geistes in der edlen Gestalt des menschlichen Tempels erscheinen und allen Menschen offenbar werden lassen, auf dass sie der Welt einen Anteil an den Mysterien des unveränderlichen Seins schenken und ihr von Seinem köstlichen, unsterblichen Wesen künden … Alle Propheten Gottes, Seine wohlbegnadeten, Seine heiligen und erwählten Gesandten, sind ohne Ausnahme die Träger Seiner Namen und die Verkörperungen Seiner Eigenschaften … Diese Tabernakel der Heiligkeit, diese ersten Spiegel, die das Licht unvergänglicher Herrlichkeit widerstrahlen, sind nur Ausdruck von Ihm, dem Unsichtbaren der Unsichtbaren.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 106, 106, 110, 109 – Anm. d. Hrsg.
Q6:41Dass Bahá’u’lláh Seinem Wesen nach, trotz der überwältigenden Wucht Seiner Offenbarung, als eine dieser Manifestationen Gottes anzusehen ist und niemals gleichgesetzt werden kann mit jener unsichtbaren Wirklichkeit, dem Wesen des Göttlichen an sich, ist eines der wichtigsten Bekenntnisse unseres Glaubens, das nie verdunkelt werden und dessen Unverletzlichkeit anzutasten keiner seiner Anhänger gestatten darf.6:42Ebenso darf die Bahá’í-Offenbarung, die den Anspruch erhebt, der Höhepunkt eines prophetischen Zyklus und die Erfüllung der Verheißung aller Zeiten zu sein, unter keinen Umständen versuchen, jene die vorangegangenen Religionen beseelenden und ihnen zugrundeliegenden ersten und immerwährenden Grundsätze für ungültig zu erklären. Die jeder Religion verliehene, gottgegebene Autorität bestätigt und erklärt sie als ihre festeste, eigentliche Grundlage. Die Bahá’í-Offenbarung betrachtet sie in keinem anderen Lichte denn als verschiedene Stufen in der ewigen Geschichte und andauernden Entwicklung einer göttlichen, unteilbaren Religion, von der sie selbst nur ein abzulösender Teil ist. Sie versucht auch nicht, deren göttlichen Ursprung zu verdunkeln noch die anerkannte Größe ihrer gewaltigen Werke zu verkleinern. Sie wird keinen Versuch unterstützen, der darauf abzielt, deren Wesenszüge zu entstellen oder die von ihnen nahegebrachten Wahrheiten zu widerlegen. Ihre Lehren weichen nicht um Haaresbreite von den Wahrheiten ab, die jene enthalten, noch nimmt das Gewicht ihrer Sendung auch nur ein Jota oder Pünktchen von dem durch jene ausgeübten Einfluss oder von der durch sie eingeflößten Treue. Weit entfernt davon, den Umsturz des geistigen Unterbaues der religiösen Systeme in der Welt zu erstreben, ist es ihre erklärte, unerschütterliche Absicht, deren Grundlagen zu erweitern, ihre Grundmauern neu aufzurichten, ihre Ziele miteinander in Übereinstimmung zu bringen, ihr Leben neu zu stärken, ihre Einheit zu beweisen, die ursprüngliche Reinheit ihrer Lehren wiederherzustellen, ihre Aufgaben einander zuzuordnen und zur Verwirklichung ihrer höchsten Bestrebungen beizutragen. Diese göttlich offenbarten Religionen sind, wie ein sorgfältiger Betrachter anschaulich gesagt hat, »nicht dazu bestimmt zu sterben, sondern wiedergeboren zu werden … ›Stirbt nicht das Kind im Jüngling und der Jüngling im Mann, und doch geht weder Kind noch Jüngling unter?‹Henrik Ibsen, Emperor and Galilean, in The Collected Work of Henrik Ibsen, vol. V, p. 371 – Anm. d. Hrsg.«
Q6:43»… die Sonnen der Wahrheit und die Spiegel des Lichtes göttlicher Einheit«
, so erklärt Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Íqán, sind »unwandelbar mit allbezwingender Macht versehen und mit unbesiegbarer Souveränität bekleidet […], in welchem Zeitalter und Zyklus sie auch aus den unsichtbaren Wohnstätten altehrwürdiger Herrlichkeit in diese Welt herabgesandt wurden, um die Menschenseelen zu erziehen und allen erschaffenen Dingen Gnade zu erweisen. … Diese geheiligten Spiegel, diese Aufgangsorte altehrwürdiger Herrlichkeit sind allesamt auf Erden die Vertreter Dessen, der innerster Kern, reinstes Wesen und letztes Ziel des Weltalls ist. Von Ihm geht ihre Erkenntnis und Macht aus, von Ihm leitet sich ihre Souveränität ab. Die Schönheit ihres Antlitzes ist nur eine Widerspiegelung Seines Bildes, ihre Offenbarung ein Zeichen Seiner unsterblichen Herrlichkeit. … Durch sie wird eine Gnade vermittelt, die unendlich ist, und durch sie wird das Licht enthüllt, das nimmer verlöschen kann. … Die menschliche Zunge kann niemals angemessen ihren Lobpreis singen, menschliche Rede nie ihr Mysterium enthüllen.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 103, 106, 106, 109 – Anm. d. Hrsg.
Q »Da diese Vögel des himmlischen Thrones«
, so ergänzt Er, »alle aus dem Himmel des Willens Gottes herabgesandt sind, da sie alle sich erheben, Seinen unwiderstehlichen Glauben zu verkünden, sind sie wie eine Seele und ein Wesen anzusehen. …[du wirst erkennen, dass] sie alle im selben Heiligtum wohnen, sich zum selben Himmel aufschwingen, auf demselben Throne sitzen, dieselbe Sprache sprechen und denselben Glauben verkünden. … Sie unterscheiden sich nur in der Stärke ihrer Offenbarung und in der Wirkkraft ihres Lichtes. … Dass eine bestimmte Eigenschaft Gottes durch diese Wesen der Loslösung nach außen hin nicht offenbart wurde, besagt keineswegs, dass sie, die Morgenröten der Attribute Gottes und Schatzkammern Seiner heiligen Namen, diese nicht wirklich besessen hätten.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 161, 162, 110, 110 – Anm. d. Hrsg.
Q6:44Wir sollten weiterhin bedenken, dass, wie groß auch immer die durch diese Offenbarung kundgetane Macht und wie ausgedehnt auch immer die Reichweite der Sendung sein mag, die ihr Urheber eröffnet hat, sie dennoch nachdrücklich den Anspruch, als endgültige Offenbarung des Willens Gottes und Seiner Absicht für die Menschheit angesehen zu werden, ablehnt. Eine solche Vorstellung von ihrem Wesen und ihrer Wirksamkeit zu hegen, würde einem Verrat an ihrer Sache und einer Verleugnung ihrer Wahrheit gleichkommen. Sie müsste notwendigerweise im Widerspruch mit der fundamentalen Lehre sein, die die Grundlage des Bahá’í-Glaubens bildet, der Lehre, dass religiöse Wahrheit nicht absolut, sondern relativ ist, dass die göttliche Offenbarung wohlgeordnet, dauernd und fortschreitend und nicht starr oder endlich ist. Die entschiedene Zurückweisung des Anspruchs auf Endgültigkeit, den irgendeines der durch die Propheten der Vergangenheit ins Leben gerufenen religiösen Systeme erheben mag, ist bei den Anhängern des Glaubens Bahá’u’lláhs genauso klar und nachdrücklich wie ihre eigene Weigerung, die gleiche Endgültigkeit für die Offenbarung zu beanspruchen, unter deren Banner sie sich scharen. Zu glauben, »alle Offenbarung sei abgeschlossen, die Tore göttlicher Gnade seien zugesperrt, von den Aufgangsorten ewiger Heiligkeit erhebe sich keine Sonne mehr, das Weltmeer ewigwährender Freigebigkeit liege für immer still und die Boten Gottes haben aufgehört, sich aus dem Zelt urewiger Herrlichkeit heraus zu offenbaren«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 148 – Anm. d. Hrsg.
Q, das muss in den Augen eines jeden Anhängers des Glaubens ein schweres, unverantwortliches Abgehen von einem seiner höchstgeschätzten, grundlegenden Prinzipien darstellen.6:45Ein Hinweis auf einige der bereits angeführten Äußerungen Bahá’u’lláhs und ‘Abdu’l-Bahás wird sicherlich genügen, die Wahrheit dieser grundlegenden Lehre über alle Zweifel zu erheben. Könnte nicht auch der folgende Abschnitt aus den Verborgenen Worten als sinnbildliche Anspielung auf das Fortschreiten der göttlichen Offenbarung und als Bestätigung seitens ihres Urhebers gedeutet werden, dass die Botschaft, mit der Er betraut wurde, nicht der abschließende und endgültige Ausdruck des Willens und der Führung des Allmächtigen ist? »O Sohn der Gerechtigkeit! Zur Nachtzeit begab sich die Schönheit des Unsterblichen von der smaragdenen Höhe der Treue zum Sadratu’l-Muntahá und weinte so bitterlich, dass die himmlischen Heerscharen und die Bewohner der Reiche droben in das Klagen einstimmten. Nach dem Grund des Klagens und Weinens befragt, gab Er zur Antwort: Wie geheißen, weilte Ich erwartungsvoll auf dem Hügel der Treue, ohne von denen, die auf Erden wohnen, den Wohlgeruch der Treue zu atmen. Danach zur Rückkehr aufgefordert, schaute Ich um Mich und siehe – gewisse Tauben der Heiligkeit mussten schmerzlich in den Fängen irdischer Raubtiere leiden. Daraufhin eilte die Himmelsdienerin entschleiert und strahlend aus ihrer mystischen Wohnstatt hervor und fragte nach ihren Namen, und alle wurden genannt bis auf einen. Als auf dringendes Bitten der erste Buchstabe erklang, strömten die Bewohner der himmlischen Gemächer aus ihrer Wohnstatt der Herrlichkeit herbei. Und da der zweite Buchstabe ausgesprochen wurde, fielen sie allesamt nieder in den Staub. In diesem Augenblick erscholl ein Ruf aus dem innersten Heiligtum: ›Bis hierher und nicht weiter!‹ Wahrlich, Wir bezeugen, was sie getan haben und noch tun.«Bahá’u’lláh, Verborgene Worte pers. 77 – Anm. d. Hrsg.
Q6:46In deutlicherer Sprache legt Bahá’u’lláh mit einem Seiner in Adrianopel offenbarten Sendschreiben Zeugnis ab für diese Wahrheit: »Wisse wahrlich, dass der Schleier, der Unser Angesicht verbirgt, nicht vollkommen gelüftet wurde. Wir haben Unser Selbst in einem Grad enthüllt, wie es der Aufnahmefähigkeit der Menschheit Unseres Zeitalters gemäß ist. Würde die Urewige Schönheit in der Fülle Ihrer Herrlichkeit entschleiert, so würden sterbliche Augen durch den grellen Glanz Ihrer Offenbarung geblendet.«
6:47In der Súriy-i-Ṣabr, die bereits im Jahre 1863, genau am Tage Seiner Ankunft im Garten Riḍván offenbart wurde, bestätigt Er: »Gott hat Seine Boten herniedergesandt, damit sie auf Moses und Jesus folgten, und Er wird fortfahren, so zu tun bis an das ›Ende, das kein Ende hat‹, auf dass Seine Gnade aus dem Himmel göttlicher Freigebigkeit fortwährend auf die Menschheit komme.«
6:48»Ich hege keine Befürchtungen um Meinetwillen«
, betont Bahá’u’lláh noch stärker, »Ich fürchte nur für Ihn, der nach Mir zu euch herabgesandt wird – für Ihn, der mit viel Hoheit und gewaltiger Herrschaft ausgestattet sein wird.«
Und wieder schreibt Er in der Súratu’l-Haykal: »Jene Worte, die Ich offenbart habe, beziehen sich nicht auf Mich, sondern auf Ihn, der nach Mir kommt. Gott, der Allwissende, ist mein Zeuge!«
»Verfahret nicht mit Ihm«
, fügt Er hinzu, »wie ihr mit Mir verfahren.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Haykal, in: Anspruch und Verkündigung 1:80 – Anm. d. Hrsg.
Q6:49In einem eingehenderen Abschnitt Seiner Schriften unterstreicht der Báb die gleiche Wahrheit: »Es ist klar und augenscheinlich«
, schreibt Er im Persischen Bayán, »dass der Zweck aller früheren Sendungen der war, den Weg für das Kommen Muḥammads, des Apostels Gottes, zu bereiten. Sie, einschließlich der muḥammadanischen Sendung, hatten ihrerseits als Ziel die durch den Qá’im verkündete Offenbarung. Die Absicht, die dieser Offenbarung sowie allen ihr vorausgegangenen zu Grunde lag, war gleichfalls, den Anbruch des Glaubens Dessen zu verkünden, den Gott offenbaren wird. Und dieser Glaube – der Glaube Dessen, den Gott offenbaren wird – hat seinerseits, zusammen mit allen ihm vorangegangenen Offenbarungen, die Manifestation zum Ziel, die bestimmt ist, ihm zu folgen. Und die letztere bereitet, nicht minder als alle ihr vorangegangenen Offenbarungen, den Weg für die Offenbarung, die danach folgt. Der Prozess des Auf- und Untergehens der Sonne der Wahrheit wird unbegrenzt so weitergehen, – ein Prozess, für den kein Anfang war und kein Ende sein wird.«Báb, Bayán-i-Fársí 4:12, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 3:34:1 – Anm. d. Hrsg.
Q6:50»Wisse mit Sicherheit«
, so erklärt in diesem Zusammenhang Bahá’u’lláh, »dass in jeder Sendung das Licht göttlicher Offenbarung den Menschen in unmittelbarem Verhältnis zu ihrer geistigen Fassungskraft dargereicht wird. Betrachte die Sonne! Wie schwach sind ihre Strahlen in dem Augenblick, da sie am Horizont aufgeht. Wie nehmen ihre Wärme und Kraft allmählich zu, während sie sich dem Zenit nähert und unterdessen alles Erschaffene befähigt, sich der zunehmenden Stärke ihres Lichtes anzupassen. Wie gleichmäßig nimmt sie wieder ab, bis sie den Punkt ihres Untergangs erreicht. Würde sie plötzlich alle in ihr verborgenen Kräfte offenbaren, so würde dies zweifellos allem Erschaffenen Schaden zufügen … Wenn nun die Sonne der Wahrheit in den frühesten Graden ihrer Offenbarung plötzlich das volle Maß der Kräfte, die ihr die Vorsehung des Allmächtigen verliehen hat, enthüllte, würde die Erde menschlichen Begreifens verdorren und vergehen, denn die Menschenherzen würden weder die Stärke ihrer Offenbarung ertragen noch fähig sein, den Glanz ihres Lichtes widerzuspiegeln. Bestürzt und überwältigt würden sie zu bestehen aufhören.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 38:1 – Anm. d. Hrsg.
Q6:51Im Lichte dieser klaren, überzeugenden Darlegungen erwächst uns die eindeutige Pflicht, jedem Wahrheitssucher unzweifelhaft klarzumachen, dass »vom Anfang an, der keinen Anfang hat«
, alle Propheten des einen, unerforschlichen Gottes, Bahá’u’lláh eingeschlossen, als Kanäle der Gnade Gottes, Erklärer Seiner Einheit, Spiegel Seines Lichtes und Offenbarer Seiner Absichten beauftragt sind, der Menschheit ein immer größeres Maß Seiner Wirklichkeit, Seines unerforschlichen Willens und Seiner göttlichen Führung zu enthüllen, und dass sie bis zum »Ende, das kein Ende hat«vgl. Báb, Dalá’il-i-Sab‘ih, in Eine Auswahl aus Seinen Schriften 4:10:4, Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 171, 178 – Anm. d. Hrsg.
Q, auch fernerhin noch umfassendere und mächtigere Offenbarungen Seiner grenzenlosen Macht und Herrlichkeit gewähren werden.6:52Wir mögen wohl die folgenden Abschnitte aus einem durch Bahá’u’lláh offenbarten Gebete im Herzen bewegen, die einen eindrucksvollen Beweis und eine weitere Bestätigung für die Echtheit jener großen, wesentlichen Wahrheit darstellen, die im Innersten Seiner Botschaft an die Menschheit liegt: »O Herr, mein Gott! Preis sei Dir für die wunderbaren Offenbarungen Deines unerforschlichen Ratschlusses, für die mannigfachen Leiden und Heimsuchungen, die Du für mich bestimmt hast. Einmal hast Du mich den Händen Nimrods überantwortet, ein andermal hast Du gestattet, dass mich Pharaos Zuchtrute peinigte. Du allein kannst durch Deine allumfassende Erkenntnis und das Wirken Deines Willens die unsagbaren Schmerzen ermessen, die ich unter ihren Händen erduldete. Und wieder warfst Du mich in die Gefängniszelle der Gottlosen aus dem einzigen Grund, weil ich mich getrieben fühlte, den bevorzugten Bewohnern Deines Reiches eine Andeutung von jenem Gesicht ins Ohr zu flüstern, das Du mich durch Deine Erkenntnis schauen ließest und dessen Bedeutung Du mir durch die Kraft Deiner Macht offenbart hast. Und wieder bestimmtest Du, dass ich durch das Schwert der Ungläubigen enthauptet wurde. Dann wieder ward ich gekreuzigt, weil ich den Augen der Menschen die verborgenen Edelsteine Deiner herrlichen Einheit enthüllte und ihnen die wunderbaren Zeichen Deiner unumschränkten und ewigen Macht offenbarte. Wie bitter häuften sich in einem späteren Zeitalter auf der Ebene von Karbilá die Demütigungen auf mich! Wie einsam fühlte ich mich inmitten Deines Volkes! Zu welch einem Zustand der Hilflosigkeit wurde ich in jenem Land herabgewürdigt! Von solchen Schändlichkeiten noch nicht befriedigt, schlugen meine Verfolger mir das Haupt ab und trugen es hoch von Land zu Land, stellten es den gaffenden Blicken der ungläubigen Menge zur Schau und legten es auf den Sitzen der Verderbten und Ungetreuen nieder. In einem späteren Zeitalter wurde ich erhängt; meine Brust wurde zur Zielscheibe für die Pfeile der heimtückischen Grausamkeit meiner Feinde gemacht. Meine Glieder wurden von Kugeln durchlöchert und mein Körper ward auseinandergerissen. Sieh endlich, wie sich an diesem Tage meine verräterischen Feinde gegen mich verbündet haben und unentwegt darauf sinnen, das Gift des Hasses und der Bosheit in die Seelen Deiner Diener zu träufeln. Mit aller Macht schmieden sie Ränke, um ihre Absicht auszuführen … So bitter auch meine Lage sein mag, o Gott, mein Vielgeliebter, ich zolle Dir Dank, und mein Geist ist für alles dankbar, was mir auf dem Pfade Deines Wohlgefallens begegnet. Ich bin zufrieden mit dem, was Du für mich verordnet hast, und begrüße die Schmerzen und Leiden, die ich erfahren muss – wie betrübend sie auch seien.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 39:1 – Anm. d. Hrsg.
QDer Báb6:53Innig geliebte Freunde! Dass der Báb, der Stifter der Bábí-Sendung, voll berechtigt ist, die Stufe einer der sich selbst genügenden Manifestationen Gottes einzunehmen, dass Ihm höchste Macht und Autorität verliehen worden ist und Er alle Rechte und Vorrechte des unabhängigen Propheten ausübt, ist eine weitere grundlegende Wahrheit, die die Botschaft Bahá’u’lláhs eindringlich verkündet, und an der ihre Anhänger unnachgiebig festhalten müssen. Dass Er nicht lediglich als inspirierter Vorläufer der Bahá’í-Offenbarung anzusehen ist, dass in Seiner Person, wie Er selbst im Persischen Bayán bezeugt, die Absicht aller Ihm vorangegangenen Propheten erfüllt wurde, ist eine Wahrheit, die zu beweisen und zu betonen ich mich verpflichtet fühle. Wir würden sicherlich unsere Pflicht gegenüber dem von uns bekannten Glauben versäumen und einen seiner grundlegenden und heiligen Lehrsätze verletzen, wollten wir in unseren Worten oder Taten zögern, die Folgerungen aus diesem Grundsatz des Bahá’í-Glaubens zu erkennen, oder ablehnen, rückhaltlos dessen Unantastbarkeit zu wahren und seine Wahrheit zu bekunden. Tatsächlich ist der Hauptbeweggrund, der mich trieb, die Arbeit der Herausgabe und Übersetzung von Nabíls unsterblichem Bericht auf mich zu nehmen, der gewesen, jedem Anhänger des Glaubens im Westen zu ermöglichen, die gewaltigen Folgerungen aus Seiner erhabenen Stufe besser zu verstehen, leichter zu erfassen und Ihn darum noch heißer zu bewundern und zu lieben.6:54Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der Anspruch auf die vom Allmächtigen für den Báb bestimmte doppelte Stufe – ein Anspruch, für den Er selbst so mutig eingetreten ist, den Bahá’u’lláh wiederholt bekräftigt und zuletzt das Zeugnis von ‘Abdu’l-Bahás Willen und Testament bestätigt hat – das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Bahá’í-Sendung darstellt. Er ist ein weiteres Zeichen ihrer Einzigartigkeit, eine gewaltige Erhöhung der Kraft, der geheimnisvollen Macht und Autorität, mit der dieser heilige Zyklus ausgestattet wurde. Tatsächlich besteht die Größe des Báb nicht zuerst darin, dass Er der gottberufene Vorläufer einer so erhabenen Offenbarung ist, sondern vielmehr darin, dass Er mit Kräften ausgerüstet war, wie sie dem Stifter einer eigenen religiösen Sendung innewohnen, und dass Er bis zu einem von keinem der vorangegangenen Sendboten erreichten Grade das Zepter unabhängiger Prophetenschaft geführt hat.6:55Die kurze Dauer Seiner Sendung, der enge Rahmen, in dem zu wirken Seinen Gesetzen und Verordnungen bestimmt war, bieten keinen Maßstab irgendwelcher Art, um ihren göttlichen Ursprung abzuschätzen und die Stärke ihrer Botschaft zu bewerten. »Dass eine so kurze Zeitspanne«
, so erklärt Bahá’u’lláh selbst, »diese machtvolle, wunderbare Offenbarung von Meiner Mir vorausgegangenen Manifestation getrennt hat, ist ein Geheimnis, das kein Mensch enträtseln, und ein Mysterium, das kein Geist ergründen kann. Ihre Zeitdauer war vorherbestimmt, und kein Mensch wird je den Grund dafür entdecken, es sei denn, dass er über den Inhalt Meines Verborgenen Buches unterrichtet werde.«
»Sehet hin«
, erklärt Bahá’u’lláh desweiteren im Kitáb-i-Badí‘, einem Seiner Werke, das die Schlussfolgerungen des Volkes des Bayán zurückweist, »sehet hin, wie unmittelbar nach Ablauf des neunten Jahres dieser wunderbaren, heiligsten und gnadenreichen Sendung die erforderliche Zahl der reinen, sich völlig hingebenden und geheiligten Seelen ganz im Verborgenen vollendet wurde.«
6:56Die wundersamen Begebenheiten, die das Kommen des Stifters der Bábí-Sendung ankündigten, die dramatischen Umstände Seines eigenen ereignisreichen Lebens, die übernatürliche Tragödie Seines Märtyrertums, der Zauber des Einflusses, den Er auf die hervorragendsten und mächtigsten Seiner Landsleute ausübte – alles in jedem Kapitel der ergreifenden Aufzeichnungen Nabíls bezeugt dies –, sollte als ausreichender Beweis für die Gültigkeit Seines Anspruchs auf eine so erhabene Stufe unter den Propheten gelten.6:57Wie anschaulich aber auch immer der Bericht sein mag, den der hervorragende Verfasser der Geschichte Seines Lebens der Nachwelt überliefert hat, muss doch selbst eine so klare Schilderung matt erscheinen gegen die glühende Anerkennung, die die Feder Bahá’u’lláhs dem Báb gezollt hat. Diese Anerkennung wurde vollauf vom Báb durch die klare Verfechtung Seines Anspruchs unterstützt, und die schriftlichen Bezeugungen ‘Abdu’l-Bahás haben deren Eigenart nachdrücklich bekräftigt und ihre Bedeutung klargelegt.6:58Wo sonst als im Kitáb-i-Íqán könnten wir bei Beschäftigung mit der Bábí-Sendung nach jenen Bestätigungen forschen, die unverkennbar die Macht und den Geist bezeugen, die kein Mensch zu offenbaren vermag, er sei denn selbst eine Manifestation Gottes? »Könnte so etwas zutage treten ohne die Kraft einer göttlichen Offenbarung und ohne das Walten von Gottes unbesiegbarem Willen? Bei der Gerechtigkeit Gottes! Würde jemand eine so große Offenbarung in seinem Herzen hegen, so würde allein der Gedanke daran ihn alsbald vernichten! Würden sich die Herzen aller Menschen in seinem Herzen vereinen, so würde er dennoch zögern, ein so erhabenes Unterfangen zu wagen.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 257 – Anm. d. Hrsg.
Q »Kein Auge«
, bestätigt Er an anderer Stelle, »hat jemals eine so große Ausgießung von Mildtätigkeit geschaut und nie ein Ohr eine solche Offenbarung der Güte vernommen … Die Propheten, die ›mit Beständigkeit begabt‹Qur’án 46:35 – Anm. d. Hrsg.
Q sind, deren Erhabenheit und Herrlichkeit klar wie die Sonne leuchten, wurden alle mit einem Buch ausgezeichnet, das alle gesehen haben und dessen Verse regelrecht festgesetzt sind. Die Verse aber, die aus dieser Wolke göttlicher Gnade geströmt sind, waren so überreichlich, dass noch niemand imstande war, ihre Zahl zu schätzen … Wie könnte man diese Offenbarung schmälern? Ist je ein Zeitalter Zeuge derart bedeutsamer Ereignisse gewesen?«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 240, 240, 251 – Anm. d. Hrsg.
Q 6:59Über den Charakter und den Einfluss jener Helden und Märtyrer, die der Geist des Báb so magisch verwandelt hat, offenbart Bahá’u’lláh die folgenden Worte: »Wenn diese Gefährten nicht die wahren Sucher nach Gott waren, wer sonst könnte mit diesem Namen benannt werden? … Wenn diese Gefährten in all ihrer wundervollen Zeugenschaft, mit all ihren wunderbaren Werken falsch wären, wer wäre es dann wohl wert, die Wahrheit für sich zu beanspruchen? … Hat die Welt seit Adams Tagen je solchen Aufruhr, solch heftige Erregung gesehen? … Mich dünkt, Geduld ward nur durch ihre Seelenstärke offenbart und Glaubenstreue nur durch ihre Taten bezeugt.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 251, 251, 264, 264 – Anm. d. Hrsg.
Q6:60In dem Wunsche, die Erhabenheit der hohen Stufe des Báb im Vergleich zu jener der früheren Propheten zu betonen, erklärt Bahá’u’lláh in dieser selben Epistel: »Kein Verstand kann die Natur Seiner Offenbarung begreifen, noch kann irgendeine Erkenntnis das volle Maß Seines Glaubens fassen.«
Dann führt Er zur Bekräftigung Seiner These diese prophetischen Worte an: »›Wissen ist siebenundzwanzig Buchstaben. Alle Propheten haben zwei Buchstaben davon offenbart. Kein Mensch hat bis heute mehr als diese zwei Buchstaben gekannt. Wenn aber der Qá’im sich erheben wird, dann wird Er die übrigen fünfundzwanzig Buchstaben offenbar machen.‹Imám Ṣádiq, Ḥadíth recorded in: Biḥáru’l-Anvár, ‘Aválim, Yanbú‘ – Anm. d. Hrsg.
Q«
Q »Bedenke«
, fügt Er hinzu, »wie groß und erhaben Seine Stufe ist. Sein Rang übertrifft den aller Propheten, und Seine Offenbarung geht über das Erkennen und Begreifen aller ihrer Auserwählten.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 272 – Anm. d. Hrsg.
Q »Von Seiner Offenbarung«
, so ergänzt Er weiter, »sind die Propheten Gottes, Seine Heiligen und Auserwählten entweder nicht unterrichtet worden, oder sie haben dies nach Gottes unerforschlichem Ratschluss nicht enthüllt.«vgl. Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 272 – Anm. d. Hrsg.
Q6:61Von allen Huldigungen, die Bahá’u’lláhs unfehlbare Feder dem Báb, Seinem »Meistgeliebten«
, zum Gedächtnis entgegenzubringen beliebte, ist die denkwürdigste und erschütterndste dieser kurze, doch beredte Abschnitt, der die letzten Absätze jener selben Epistel so außerordentlich bereichert: »Mitten in all dem«
, schreibt Er mit Bezug auf die schmerzlichen Prüfungen und Gefahren, die Ihn in der Stadt Baghdád bedrängten, »stehen Wir, dem Leben entsagend und Seinem Willen völlig ergeben. Möge durch Gottes Güte dieser offenbarte und kundgemachte BuchstabeBahá’u’lláh.A Sein Leben als Opfer auf dem Pfade des Ersten Punktes, des erhabensten Wortesdes Báb.A, darbringen. Bei Ihm, auf dessen Geheiß der Geist gesprochen hat – wäre es nicht aus dieser Sehnsucht Unserer Seele, wir hätten keinen Augenblick länger in dieser Stadt verweilt.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 279 – Anm. d. Hrsg.
Q6:62Geliebte Freunde! Ein so weithallendes Lob, eine so unanfechtbare Bekräftigung aus der Feder Bahá’u’lláhs in einem so gewichtigen Werke findet ein volles Echo in der Sprache, die der Urquell der Bábí-Offenbarung zum Ausdruck der von Ihm erhobenen Ansprüche gewählt hat. »Ich bin der mystische Tempel«
, so gibt der Báb Seine Stufe im Qayyúmu’l-Asmá’ bekannt, »den die Hand der Allmacht baute. Ich bin die Lampe, die Gottes Finger in ihrer Nische entzündet hat und mit unsterblichem Glanze leuchten ließ. Ich bin die Flamme jenes himmlischen Lichtes, das über dem Sinai an der Stätte der Freude aufgeleuchtet und im Brennenden Busch verborgen war.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 94, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:57:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »O Qurratu’l-‘Ayn!«
, so ruft Er in jener gleichen Auslegung sich selbst zu, »Ich erkenne in Dir keinen anderen als ›die Große Verkündigung‹ – die Verkündigung, die die himmlischen Heerscharen verkünden. Ich bezeuge, dass Dich an diesem Namen jene, die den Thron des erhabenen Glanzes umkreisen, seit je erkannten.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 88, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:54:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »Mit jedem der Propheten, die Wir in vergangenen Zeiten herniedersandten«
, sagt Er weiter, »haben Wir einen besonderen Bund geschlossen bezüglich der ›Erwähnung Gottes‹ und Seines Tages. Im Reiche des Glanzes und durch die Macht der Wahrheit kundgetan, steht die ›Erwähnung Gottes‹ und Sein Tag im Angesicht der Engel, die Seinen Gnadenstuhl umgeben.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 91, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:44:2 – Anm. d. Hrsg.
Q »Wenn Wir es wünschten«
, versichert Er noch einmal, »so wäre Uns gegeben, durch die Wirkung auch nur eines Buchstabens Unserer Offenbarung die Welt und alles, was darinnen ist, zu zwingen, in weniger als einem Augenblick die Wahrheit Unserer Sache anzuerkennen.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 87, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:43:1 – Anm. d. Hrsg.
Q6:63»Ich bin der Erste Punkt«
, so wendet sich der Báb von der Festung Máh-Kú aus an Muḥammad Sháh, »daraus alles Erschaffene gezeugt ward … Ich bin das Antlitz Gottes, dessen Glanz sich nie verdunkeln lässt, das Leuchten von Gottes Licht, das nie verblassen kann … Gott hat beliebt, Mir alle Schlüssel des Himmels in die rechte Hand zu legen und alle Schlüssel der Hölle in Meine Linke … Ich bin ein Tragpfeiler des Ersten Wortes Gottes. Wer immer Mich anerkennt, hat alles erkannt, was wahr und recht ist, und hat alles erreicht, was gut und ziemlich ist … Der Stoff, daraus Gott Mich geschaffen hat, ist nicht der Staub, daraus andere wurden. Er gab Mir, was die Weltweisen nie erfassen noch die Getreuen je enthüllen können.«Báb, Brief an Muḥammad Sháh, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 1:4:4, 1:4:4, 1:4:3, 1:4:1, 1:4:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »Sollte«
, so bekräftigt der Báb in dem Wunsche, die in Seiner Sendung verborgenen grenzenlosen Fähigkeiten zu betonen, »eine winzige Ameise an diesem Tag begehren, mit der Macht begabt zu sein, die schwierigsten und verwirrendsten Stellen des Qur’án zu enträtseln, so würde zweifellos ihr Wunsch erfüllt werden, da ja das Mysterium ewiger Macht im innersten Wesen aller erschaffenen Dinge schwingt.«
»Wenn ein so hilfloses Geschöpf«
, so lautet ‘Abdu’l-Bahás Erklärung zu dieser überraschenden Versicherung, »mit einer so hohen Möglichkeit begabt werden kann, um wie viel wirksamer muss dann die Kraft sein, die durch die freigebigen Ausgießungen der Gnade Bahá’u’lláhs frei ward!«
6:64Diesen gebieterischen Aussagen und feierlichen Erklärungen Bahá’u’lláhs und des Báb muss ‘Abdu’l-Bahás eigenes unabänderliches Zeugnis beigefügt werden. Er, der berufene Erklärer der Worte Bahá’u’lláhs und des Báb, bekräftigt, nicht etwa nur mittelbar, sondern in klarer und entschiedener Sprache sowohl in Seinen Schriften als auch in Seinem Testament die Wahrheit der Darlegungen, auf die ich mich bereits bezogen habe.6:65In einem Sendschreiben an einen Bahá’í in Mázindarán, in dem Er den Sinn einer Ihm zugeschriebenen, falsch gedeuteten Erklärung über den Aufgang der Sonne der Wahrheit in diesem Jahrhundert klarlegt, entwickelt Er kurz und bündig, was für alle Zeiten unser wahrer Begriff für die Beziehungen zwischen den beiden mit der Bahá’í-Sendung verbundenen Manifestationen bleiben sollte. »Mit einer solchen Darlegung«
, so erklärt Er, »hatte Ich niemand anderen als den Báb und Bahá’u’lláh gemeint. Meine Absicht war, die Wesensart ihrer Offenbarungen zu erläutern. Die Offenbarung des Báb kann mit der Sonne bei ihrem Stand im ersten Tierkreiszeichen, dem Widder, verglichen werden, in das sie mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche eintritt. Die Stufe der Offenbarung Bahá’u’lláhs aber wird vom Zeichen des Löwen dargestellt, der höchsten Stellung der Sonne im Hochsommer. Das heißt, diese heilige Sendung leuchtet hell mit dem Licht der Sonne der Wahrheit von ihrem erhabensten Stand in der Fülle ihres Glanzes, ihrer Wärme und Herrlichkeit.«
6:66»Der Báb, der Erhabene«
, bestätigt ‘Abdu’l-Bahá ausführlicher in einem anderen Seiner Sendschreiben, »ist der Morgen der Wahrheit, dessen Strahlenglanz durch alle Himmel leuchtet. Er ist ebenso der Vorbote des Größten Lichtes, des Tagesgestirns Abhá. Die Gesegnete Schönheit ist der Verheißene der heiligen Bücher der Vergangenheit, die Offenbarung des Lichtquells, der auf dem Berge Sinai schien, dessen Feuer im Brennenden Busche glühte. Wir sind, einer wie alle, Diener an ihrer Schwelle und stehen jeder als geringer Wächter an ihrer Türe.«
»Jedweder Beweis und jede Prophezeiung«
, so lautet Seine noch nachdrücklichere Ermahnung, »jede Art von Zeugnis, das sich auf die Vernunft oder die Texte der heiligen Schriften und Überlieferungen stützt, ist als in den Personen Bahá’u’lláhs und des Báb verankert anzusehen. In ihnen erfahren sie ihre vollkommene Erfüllung.«
6:67Und schließlich setzt Er in Seinem Willen und Testament, das Seine letzten Wünsche und Abschiedslehren verwahrt, in folgendem, eigens die Leitgrundsätze des Bahá’í-Glaubens darzutun bestimmten Absatz das Siegel Seines Zeugnisses auf die zweifache und erhabene Stufe des Báb: »Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahás – möge mein Leben ihm zum Opfer dienen – ist diese: Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Urewigen SchönheitBahá’u’lláh.A. Seine Heiligkeit die Schönheit AbháBahá’u’lláh.A – möge mein Leben als Opfer für Seine standhaften Freunde dargeboten sein – ist Gottes erhabenste Manifestation und der Tagesanbruch Seines göttlichsten Wesens.«
»Alle anderen«
, setzt Er bedeutungsvoll hinzu, »sind Seine Diener und folgen Seinem Gebot.«‘Abdu’l-Bahá, Wille und Testament 37 – Anm. d. Hrsg.
Q‘Abdu’l-Bahá6:68Innig geliebte Freunde! Ich habe auf den vorangegangenen Seiten versucht, eine Darlegung jener Wahrheiten zu geben, die, wie ich fest glaube, im Anspruch Dessen verankert liegen, der der Urquell der Bahá’í-Offenbarung ist. Ich habe mich ferner bemüht, Missverständnisse aufzuklären, die naturgemäß in der Meinung eines jeden auftauchen mögen, der über eine so übermenschliche Offenbarung der Herrlichkeit Gottes nachdenkt. Es war mein Bestreben, die Bedeutung der Göttlichkeit zu erklären, mit der der Träger einer so geheimnisvollen Kraft notwendigerweise ausgestattet sein muss. Dass die Botschaft, mit deren Übermittlung an die Menschheit ein so erhabenes Wesen in diesem Zeitalter von Gott beauftragt wurde, den göttlichen Ursprung und die Grundprinzipien einer jeden durch die Propheten der Vergangenheit eingeleiteten Sendung anerkennt und aufrechterhält, dass sie mit jeder einzelnen von ihnen aufs innigste verbunden ist, das habe ich ebenfalls nach besten Kräften zu erklären versucht. Dass der Urheber eines solchen Glaubens den Anspruch auf Endgültigkeit, wie ihn Führer der verschiedensten Bekenntnisse erheben, ablehnt und trotz der ungeheuren Größe Seiner Offenbarung für Sich selbst verwirft, auch dies habe ich zu beweisen und zu betonen für notwendig erachtet. Zu erläutern, dass der Báb, der Dauer Seiner Sendung ungeachtet, nicht zuerst als der erkorene Vorläufer des Bahá’í-Glaubens, sondern als Einer angesehen werden sollte, dem jene ungeteilte Autorität verliehen ist, wie sie sämtliche unabhängigen Propheten der Vergangenheit beansprucht haben, dünkte mich ein weiteres Grundprinzip, das zu erläutern im augenblicklichen Zustand der Entwicklung unserer Sache außerordentlich wünschenswert erscheint.6:69Wir sollten nun, wie ich deutlich fühle, den Versuch machen, unsere Auffassung der von ‘Abdu’l-Bahá eingenommenen Stufe und der Bedeutung Seiner Stellung in dieser heiligen Sendung klarzustellen. Es ist in der Tat für uns, die wir zeitlich einer so ungeheuer großen Gestalt so nahe stehen und von der geheimnisvollen Kraft einer so anziehenden Persönlichkeit gefesselt werden, schwer, einen klaren, genauen Begriff von der Rolle und dem Charakter Dessen zu erhalten, der nicht nur in der Sendung Bahá’u’lláhs, sondern auch auf dem gesamten Gebiet der Religionsgeschichte ein einzig dastehendes Amt hat. Obgleich Er sich in Seiner eigenen Sphäre bewegt und eine Stufe einnimmt, die völlig verschieden von denjenigen des Urhebers und des Vorläufers der Bahá’í-Offenbarung ist, bildet Er doch kraft der Stellung, die Ihm durch den Bund Bahá’u’lláhs zuteil ward, mit jenen zusammen das, was wir als die drei Zentralgestalten eines Glaubens bezeichnen können, der in der Geistesgeschichte der Welt einzig ist. Vereint mit ihnen thront Er über den Geschicken dieses jungen Gottesglaubens in einer Höhe, die kein einzelner und keine nach Ihm seinem Wohl verpflichtete Körperschaft jemals während einer Zeitdauer von mindestens einem vollen Jahrtausend zu erreichen hoffen können. Seinen erhabenen Rang dadurch zu verkleinern, dass man Seine Stufe gleich oder doch nahezu gleich der Stellung derer achtet, auf die der Mantel Seiner Autorität gefallen ist, wäre ein Akt mangelnder Ehrfurcht und ebenso schwerwiegend wie der nicht weniger ketzerische Glaube, der Ihn auf die Stufe absoluter Gleichheit entweder mit der Hauptgestalt oder dem Vorläufer unseres Glaubens stellen möchte. So groß auch der Abstand ist, der ‘Abdu’l-Bahá von Dem trennt, der die Quelle einer unabhängigen Offenbarung bildet, so ist er doch niemals mit dem noch größeren Abstand zu vergleichen, der zwischen Ihm, dem Mittelpunkt des Bundes, und Seinen zur Weiterführung Seines Werkes berufenen Dienern liegt, wie immer sie auch heißen und welcher Art ihr Rang, ihr Aufgabenbereich oder ihre künftigen Taten seien. Mögen jene, die ‘Abdu’l-Bahá gekannt haben und durch die Berührung mit Seiner anziehenden Persönlichkeit dazu gekommen sind, glühende Bewunderung für Ihn zu hegen, im Lichte dieser Darlegung über die Größe Dessen nachdenken, dessen Stufe so hoch über der Seinen ist.6:70Dass ‘Abdu’l-Bahá keine Manifestation Gottes ist, dass Er, obgleich der Nachfolger Seines Vaters, dennoch nicht die gleiche Stufe einnimmt, dass niemand außer dem Báb und Bahá’u’lláh vor Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine solche Stufe erheben kann, ist eine Wahrheit, die den diesbezüglichen Aussprüchen beider, sowohl des Stifters unseres Glaubens als auch des Erläuterers Seiner Lehren, zugrunde liegt.6:71»Wer vor dem Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine unmittelbare Offenbarung Gottes erhebt«
, so lautet die im Kitáb-i-Aqdas geäußerte ausdrückliche Warnung, »der ist fürwahr ein lügnerischer Betrüger. Wir bitten Gott, dass Er ihm gnädig beistehe, damit er einen solchen Anspruch widerrufe und verwerfe. Sofern er bereut, wird Gott ihm ohne Zweifel vergeben. Wenn er jedoch in seinem Irrtum beharrt, wird Gott gewisslich jemanden herabsenden, der unbarmherzig mit ihm verfährt, denn furchtbar, in der Tat, ist Gott in Seiner Strafe!«
»Wer immer diesen Vers«
, so fügt Er um des stärkeren Nachdrucks willen hinzu, »anders auslegt, als sein klarer Sinn ist, der beraubt sich des Geistes Gottes und Seiner alles Erschaffene umfassenden Gnade.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:37 – Anm. d. Hrsg.
Q »Sollte ein Mensch«
, so lautet eine andere entscheidende Erklärung, »bevor noch volle tausend Jahre vorbei sind, auftreten – jedes der Jahre zu zwölf Monaten nach dem Qur’án und zu neunzehn Monaten zu neunzehn Tagen nach dem Bayán gerechnet – und sollte gleich ein solcher Mensch vor euren Augen alle Zeichen Gottes offenbaren, so sollt ihr ihn doch ohne Zögern von euch weisen.«
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