Shoghi Effendi | Die Weltordnung Bahá’u’lláhs
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Unterdessen hatte die Sache Bahá’u’lláhs bereits den Erdball umspannt. Ihr Licht, im finstersten Persien geboren, war nacheinander in den europäischen, den afrikanischen und den amerikanischen Erdteil hineingetragen worden. Es durchdrang jetzt das Herz Australiens und umkränzte damit die ganze Erde mit einer Lichterbrücke von strahlender Herrlichkeit. Das Maß, in dem derart würdige und beherzte Jünger ‘Abdu’l-Bahás die letzten Tage Seines Erdenlebens erleuchtet haben, hat Er allein wahrhaft erkannt und kann nur Er selbst hinreichend abschätzen. Die einzigartige, ewige Bedeutung dieser Errungenschaften werden die Arbeiten der heranwachsenden Generation sicherlich enthüllen; ihre Werke werden das Andenken daran in geeigneter Weise bewahren und erhöhen. Welch tiefe Befriedigung muss ‘Abdu’l-Bahá empfunden haben, wenn Er im Bewusstsein der herannahenden Stunde Seines Abschieds die ersten Früchte des internationalen Dienstes dieser Helden im Glauben Seines Vaters miterlebte! Ihrer Obhut hatte Er ein großes, ein stattliches Erbe anvertraut. Im Dämmerlicht Seines schwindenden Erdenlebens konnte Er zufrieden, sicher und gewiss sein, dass derart fähige Hände verlässlich die Unversehrtheit dieses Erbes wahren und dessen Vorzüge steigern werden.
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Das Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahás, so plötzlich nach seinen Ursachen und Umständen, so dramatisch in seinen Auswirkungen, konnte diese dynamische Kraft weder in ihrer Wirksamkeit behindern noch in ihrer Zielsetzung verdunkeln. Die feurigen Appelle, wie sie im Willen und Testament des dahingegangenen Meisters verkörpert sind, konnten vielmehr ihr Ziel nur bestätigen, ihren Charakter näher bestimmen und die Verheißung ihres endgültigen Erfolges verstärken.
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Aus dem Schmerz und der Seelenqual, die Seine verwaisten Anhänger erduldeten, wurde inmitten des Staubes und der Hitze, die die Angriffe eines allzeit lauernden Feindes hinterlassen hatten, die Gemeindeordnung des unbesiegbaren Glaubens Bahá’u’lláhs geboren. Die mächtigen Kräfte, entfesselt durch die Himmelfahrt des Mittelpunktes Seines Bundes, kristallisierten sich in diesem höchsten, diesem unfehlbaren Organ für die Durchsetzung eines göttlichen Zieles. Willen und Testament ‘Abdu’l-Bahás entschleierten seinen Charakter, bestätigten seine Grundlagen, ergänzten seine Prinzipien, bekräftigten seine Unerlässlichkeit und zählten seine wichtigsten Institutionen auf. Mit demselben raschen inneren Antrieb, der seinerzeit den ersten Widerhall auf die von Bahá’u’lláh verkündete Botschaft gekennzeichnet hatte, erhob sich nun Amerika aufs Neue und trat für die Sache dieser Gemeindeordnung ein, die der Wille und das Testament Seines Sohnes unmissverständlich begründet hatten. Amerika und nur Amerika war es gegeben, in den bewegten Jahren, die der Offenbarung einer derart bedeutungsschweren Urkunde folgten, zum furchtlosen Vorkämpfer dieser Ordnung, zum Angelpunkt ihrer neugeborenen Institution, zum Führer und Träger ihres Einflusses zu werden. Ihren persischen Brüdern, die im heroischen Zeitalter des Glaubens die Krone des Märtyrertums erworben hatten, folgten die amerikanischen Gläubigen, Vorläufer des Goldenen Zeitalters dieses Glaubens, nunmehr würdevoll nach; sie trugen nun ihrerseits die Palme eines hart erkämpften Sieges. Über den Schatten eines Zweifels hinaus hat der ungebrochene Rekord ihrer ruhmreichen Taten ihren überwiegenden Anteil an der Gestaltung der Geschicke ihres Glaubens bewiesen. In einer Welt, die sich vor Schmerzen krümmt und immer tiefer ins Chaos sinkt, konnte diese Gemeinde als Vorhut der befreienden Streitkräfte Bahá’u’lláhs in den Jahren nach ‘Abdu’l-Bahás Hinscheiden, weit über die Institutionen ihrer Schwestergemeinden in Ost und West hinaus, Institutionen schaffen, die sehr wohl die Hauptsäule jenes künftigen Hauses darstellen können, eines Hauses, welches die Nachwelt als letzte Zuflucht einer wankenden Kultur betrachten wird.
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Weder dem Geflüster der Verräter noch den heftigen Angriffen ihrer erklärten Feinde erlaubten sie beim Verfolgen ihrer Aufgaben, sie selbst von ihren hohen Zielen abzulenken oder ihren Glauben an die Erhabenheit ihrer Berufung zu untergraben. Die Aufwiegelung durch denjenigen, der mit seiner unaufhörlichen, eigennützigen Jagd nach irdischen Reichtümern den guten Namen ihres Glaubens besudelt hätte, wäre er nicht von ‘Abdu’l-Bahá verwarnt worden, ließ sie im Ganzen ungestört. Durch Drangsale geschult und in der Feste ihrer rasch sich entwickelnden Institutionen geborgen, lachten sie seiner Anspielungen, und in ihrer unerschütterlichen Bundestreue waren sie fähig, seine Hoffnungen zunichte zu machen. Sie weigerten sich, ihm das wohlerworbene Ansehen und die früheren Dienste seines Vaters und seiner Genossen zugutezuhalten und somit in ihrer Entschlossenheit wankend zu werden, einen Mann, den ‘Abdu’l-Bahá so nachdrücklich verurteilt hatte, völlig unbeachtet zu lassen. Auch die verhüllten Angriffe, mit denen eine Handvoll irregeleiteter Schwärmer später auf den Seiten ihrer Zeitschrift das Wachstum einer jugendlichen Gemeindeordnung aufzuhalten und deren Erwartungen im Keim zu ersticken suchten, verfehlten völlig ihr Ziel. Die Haltung, die ein betörtes Weib in der Folge einnahm, ihre drolligen Behauptungen, ihre Kühnheit, den Letzten Willen ‘Abdu’l-Bahás verächtlich zu machen und seine Echtheit anzuzweifeln, schließlich ihre Versuche, die Grundsätze dieses Letzten Willens umzustoßen – das alles war wiederum außerstande, auch nur die geringste Bresche in die Reihen seiner tapferen Verfechter zu schlagen. Die verräterischen Anschläge, die der Ehrgeiz eines hinterlistigen, noch später aufgetretenen Feindes ersonnen hat, mit denen dieser noch immer bestrebt ist, ‘Abdu’l-Bahás edles Werk zu entstellen und dessen Verwaltungsgrundsätze zu verderben, sind ein weiteres Mal vollständig vereitelt worden. Solche immer wieder einsetzenden, immer wieder missglückten Versuche von Seiten seiner Gegner, die Übergabe des neuerbauten Bollwerks des Glaubens zu erzwingen, haben dessen Verteidiger vom ersten Tag an mit Verachtung übergangen. Wie grimmig die Angriffe des Feindes, wie geschickt seine Kriegslisten je sein mochten, haben diese Verteidiger sich geweigert, auch nur ein Jota, auch nur ein Tüttelchen von ihren tief verinnerlichten Überzeugungen preiszugeben. Seine Anspielungen und sein Geschrei haben sie folgerichtig übergangen. Die Beweggründe, die seine Taten antrieben, die Methoden, nach denen er hartnäckig vorging, die widerruflichen Vorrechte, deren er sich vorübergehend zu erfreuen schien – all dies konnten sie nur gering schätzen. Vorübergehend gelang es solchen berüchtigten Trägern von Verderbnis und Ketzerei durch die Ränke, die ihre überhitzten Gehirne geschmiedet hatten, und unterstützt von vergänglichen Vorteilen, wie Bekanntheit, Geschicklichkeit oder Vermögen sie bieten können, ihre hässlichen Züge emporzurecken, aber nur, um so schnell, wie sie sich erhoben hatten, in den Schmutz eines schmählichen Endes zurückzusinken.
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Aus der Mitte dieser quälenden Prüfungen, die in mancherlei Hinsicht an den grimmigen Sturm bei der Geburt des Glaubens in ihrem Heimatland erinnerten, stiegen die amerikanischen Gläubigen siegreich empor, in ihrem Kurs unbeirrt, in ihrem Ruf unbefleckt, in ihrem Erbe ungeschmälert. Eine Reihe großartiger Errungenschaften, eine bedeutsamer als die andere, sollte nunmehr zunehmenden Glanz auf die bereits hell leuchtende Liste von Verdiensten ergießen. In den dunklen Jahren unmittelbar nach ‘Abdu’l-Bahás Heimgang strahlten ihre Taten bereits eine Leuchtkraft aus, die bei ihren weniger bevorrechtigten Brüdern Neid und Bewunderung weckte. Die ganze Gemeinde, ungebunden und in höchstem Maße zuversichtlich, erhob sich, eine große, eine ruhmreiche Möglichkeit wahrzunehmen. Die Kräfte, welche ihre Geburt eingeleitet und zu ihrem Aufstieg beigetragen hatten, beschleunigten nun ihr Wachstum in solcher Weise und mit solcher Schnelligkeit, dass weder die Schmerzen weltweiter Leiderfahrungen noch die unaufhörlichen Zuckungen eines zerrütteten Zeitalters ihre Anstrengungen lähmen oder ihren Vormarsch aufhalten konnten.
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Innerlich hatte die Gemeinde eine Reihe von Unternehmungen eingeleitet, die sie einerseits befähigten, die Reichweite ihrer geistigen Amtsgewalt noch weiter auszudehnen, und andererseits, die wesentlichen Werkzeuge für die Begründung und Festigung der Institutionen, die jene Ausdehnung gebieterisch erforderte, zu schmieden. Nach außen hin waren ihre Unternehmungen von der zweifachen Zielsetzung beseelt, zum einen noch eingehender als zuvor die bewundernswerte Arbeit weiterzuverfolgen, die ihre internationalen Lehrer eingeleitet hatten, und zum andern wachsenden Anteil an der Behandlung und Lösung der heiklen, verwickelten Probleme zu nehmen, denen ein soeben von seinen Fesseln befreiter Glaube in wachsendem Maße gegenüberstand. Die Geburt der Gemeindeordnung auf jenem Kontinent hatte diese lobenswerten Bemühungen offengelegt, und die schrittweise Festigung dieser Ordnung war dazu bestimmt, die Gewähr für die Fortsetzung solcher Bemühungen zu bieten und deren Wirksamkeit zu steigern.
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Alles, was ich gegenwärtig tun kann, ist, die am weitesten hervorragenden Errungenschaften aufzuzählen, wie sie das Ansehen der amerikanischen Gläubigen in ihrem eigenen Land und weit über dessen Grenzen hinaus so hoch emporgehoben und zu Ruhm und Ehre des Größten Namens beigetragen haben. Künftigen Geschlechtern muss die Aufgabe überlassen bleiben, die Bedeutung dieser Errungenschaften darzustellen und ihren Wert gerecht abzuschätzen. Der Körperschaft ihrer erwählten Vertreter ist die Ehre zuzurechnen, die erste unter ihren Schwesterräten in Ost und West gewesen zu sein, welche die wesentlichen Werkzeuge für die wirksame Erledigung ihrer gemeinsamen Pflichten ersonnen, verkündet und gesetzlich verankert hat – Werkzeuge, die jede richtig begründete Bahá’í-Gemeinde als ein Modell betrachten muss, das wert ist, angepasst und nachvollzogen zu werden. Ihren Bemühungen ist desgleichen der historische Erfolg zuzuschreiben, dass sie ihre nationalen Besitzungen auf eine dauerhafte, unangreifbare Grundlage gestellt und die notwendige Rechtsbasis für die Bildung solcher Hilfsorgane geschaffen hat, die im Namen ihrer Treuhänder Besitzungen, die diese jenseits der Grenzen ihres unmittelbaren Rechtsbereichs erwerben, zu verwalten befugt sind. Mit dem Gewicht der moralischen Unterstützung, die sie ihren ägyptischen Brüdern so freizügig gewährte, konnte sie einige der schrecklichsten Hindernisse beseitigen, die der Glaube in seinem Kampf um die Befreiung aus den Fesseln muslimischer Orthodoxie zu überwinden hatte. Durch das wirksame, rechtzeitige Eingreifen dieser selben erwählten Vertreter waren die amerikanischen Gläubigen in der Lage, die Sorgen und Gefahren abzuwenden, die ihre verfolgten Mitarbeiter in den Sowjetrepubliken bedroht hatten, und die Raserei zu parieren, die eine der wertvollsten und vornehmsten Bahá’í-Institutionen unmittelbar zu zerstören drohte. Nichts als die beherzte Hilfe, welche die amerikanischen Gläubigen, moralisch wie finanziell, einzeln wie gemeinsam bei mehreren Gelegenheiten den Bedürftigen und Gepeinigten unter ihren Brüdern in Persien zu gewähren bewegt waren, hätte diese unglücklichen Opfer der Auswirkungen unheilvoller Entwicklungen, die sie in den Jahren nach ‘Abdu’l-Bahás Heimgang ereilt hatten, retten können. Die öffentliche Aufmerksamkeit, welche die Bemühungen ihrer amerikanischen Brüder erregt hatten, die Proteste, welche sie einzulegen sich veranlasst sahen, die Aufrufe und Bittschriften, die sie unterbreiteten – dies alles linderte diese Leiden und bändigte die Gewalttätigkeit der schlimmsten und grausamsten Gegner des Glaubens dortzulande. Wer sonst außer einem ihrer vornehmsten Vertreter hat sich erhoben, um dem höchsten Gerichtshof, den die Welt bislang gesehen hat, Aufmerksamkeit für die Übelstände abzunötigen, die der Glaube, dem eines seiner wichtigsten Heiligtümer geraubt worden war, von den Händen des unrechtmäßigen Besitzergreifers zu erdulden hatte? Wer sonst hatte durch geduldige, hartnäckige Bemühungen jene schriftlichen Bestätigungen erlangt, die das Recht einer verfolgten Sache verkündeten und stillschweigend ihren Anspruch auf einen unabhängigen religiösen Status bekräftigten? »Die Kommission«, so lautet die Resolution der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes, »empfiehlt dem Rat, die britische Regierung zu ersuchen, bei der irakischen Regierung vorstellig zu werden, um die Verweigerung des Rechtsschutzes, welche die Gesuchstellerder Geistige Rat der Bahá’í in Baghdád.A erlitten haben, unverzüglich zu bereinigen«Permanent Mandates Commission of the League of Nations, in: Excerpts from the Minutes of the Twenty-Second Session of the Permanent Mandates Commission of the League of Nations Held at Geneva from November 3rd to December 6th, 1932, in Bahá’í World, vol. 5, p. 351 – Anm. d. Hrsg.Q. Konnte irgend jemand außer einer amerikanischen Gläubigen aus königlicher Feder so einzigartige, wiederholte Zeugnisse für die wiederbelebende Macht des Glaubens Gottes, so eindrucksvolle Verweise auf die weltumspannende Kraft seiner Lehren und die Erhabenheit seiner Sendung erlangen? »Die Bahá’í-Lehre«, so das schriftliche Zeugnis der Königin, »bringt Frieden und Verständigung. Sie ist wie eine große Umarmung, welche alle zusammenführt, die lange nach Worten der Hoffnung gesucht haben. Sie anerkennt alle großen Propheten der Vergangenheit, zerstört keine anderen Glaubensbekenntnisse und lässt alle Tore offen. Traurig über den fortgesetzten Kampf zwischen Gläubigen vieler Konfessionen und ihrer wechselseitigen Unduldsamkeit überdrüssig, entdeckte ich in der Bahá’í-Lehre den wahren Geist Christi, wie er so oft verleugnet und missverstanden wurde: Einheit statt Kampf, Hoffnung statt Verdammung, Liebe statt Hass und große neue Gewissheit für alle Menschen.«Marie of Rumania, berichtet in: Martha Root, Queen Marie of Rumania, Bahá’í World, vol. VI, p. 581 – Anm. d. Hrsg.Q Haben nicht die amerikanischen Anhänger des Glaubens Bahá’u’lláhs durch die mutige Tat eines der brillantesten Mitglieder ihrer Gemeinde dazu beigetragen, den Weg zur Beseitigung jener Hindernisse, die fast ein volles Jahrhundert hindurch das Anwachsen ihrer Glaubensbrüder in Persien gehemmt und deren Kräfte gelähmt haben, zu bahnen? War es nicht Amerika, allzeit der leidenschaftlichen Bitte ‘Abdu’l-Bahás eingedenk, das bis in die letzten Winkel der Erde eine stetig wachsende Zahl seiner ergebensten Bürger entsandte – Männer und Frauen, deren einziger Lebenswunsch es ist, die Grundlagen für Bahá’u’lláhs weltumspannende Herrschaft zu festigen? In den nördlichsten Hauptstädten Europas, in den meisten seiner mittleren Staaten, quer durch den Balkan, entlang den Küsten des afrikanischen, des asiatischen und des südamerikanischen Erdteils findet man heute eine kleine Schar weiblicher Pioniere, die sich allein und mit bescheidenen Hilfsmitteln für das Kommen des Tages abmühen, den ‘Abdu’l-Bahá verheißen hat. Hat nicht die Haltung des Größten Heiligen Blattes gegen Ende ihres Lebens beredtes Zeugnis für den unvergleichlichen Anteil abgelegt, in dem ihre standhaften, opferfreudigen Geliebten auf diesem Kontinent die Last erleichterten, die ihr so lange und so schwer auf dem Herzen lag? Und wer könnte schließlich die Stirn haben zu bestreiten, dass die Vollendung des Überbaus am Mashriqu’l-Adhkár – die krönende Ruhmestat unter Amerikas vergangenen und gegenwärtigen Erfolgen – jene mystische Kette geschmiedet hat, welche die Herzen seiner bevorrechtigten Baumeister noch fester als je zuvor mit Ihm, der Quelle und dem Mittelpunkt ihres Glaubens, dem Gegenstand ihrer tiefen und wahren Anbetung – verbinden soll?
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Mitgläubige auf dem amerikanischen Kontinent! Groß waren in der Tat Ihre vergangenen, groß sind Ihre gegenwärtigen Errungenschaften! Unermesslich viel größer sind die Wunder, die die Zukunft für Sie bereithält! Das Bauwerk, das Ihre Opfergaben aufgerichtet haben, muss noch verkleidet werden. Das HausDas Universale Haus der Gerechtigkeit – Anm. d. Hrsg.A, das von den höchsten Verwaltungseinrichtungen, die Ihre Hände geschaffen haben, getragen sein muss, ist noch nicht erbaut. Die Vorkehrungen, die in der Hauptlagerstätte für jene Gesetze verwahrt liegen, welche die Tätigkeit jenes Hauses regeln, sind bis heute noch größtenteils nicht bekanntgegeben. Das Banner, das nach ‘Abdu’l-Bahás Wünschen in Ihrem eigenen Lande aufgerichtet werden muss, ist noch nicht entfaltet. Die Einheit, deren Sinnbild jenes Banner sein soll, ist bei weitem noch nicht begründet. Der Verwaltungsapparat, der diese Einheit verkörpern und bewahren muss, ist noch nicht einmal geschaffen. Wird es Amerika sein, wird es eines der Länder Europas sein, das sich erhebt, die Führerschaft zu übernehmen, die für die Gestaltung der Geschicke dieses leidgeprüften Zeitalters notwendig ist? Wird es Amerika zulassen, dass eine seiner Schwestergemeinden in Ost oder West eine Überlegenheit erlangt, die Amerika jenes geistigen Vorrangs beraubt, mit dem es belehnt wurde und den es bislang so vornehm bewahrt hat? Wird Amerika nicht vielmehr durch eine weitere Offenbarung der ihm innewohnenden, sein Leben bewegenden Kräfte dazu beitragen, dass das kostbare Erbe, welches der dahingegangene Meister ihm in Seiner Liebe und Weisheit vermacht hat, gemehrt werde?
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Die Vergangenheit Amerikas war ein Zeugnis für die unerschöpfliche Lebenskraft seines Glaubens. Sollte nicht seine Zukunft dies bestätigen?
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Ihr wahrer Bruder Shoghi
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Haifa, Palästina 21. April 1933
Die Sendung Bahá’u’lláhsBahá’u’lláh
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An die Geliebten Gottes und die Dienerinnen des Barmherzigen im Westen!
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Mitarbeiter im göttlichen Weinberg!
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Am 23. Mai dieses bedeutsamen Jahres 1934 feiert die Bahá’í-Welt die neunzigste Wiederkehr der Begründung des Glaubens Bahá’u’lláhs. Wir, die wir uns in dieser Stunde an der Schwelle zum letzten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts im Bahá’í-Zeitalter befinden, mögen wohl innehalten, um über die geheimnisvolle Sendung einer so erhabenen und gewaltigen Offenbarung nachzudenken. Wie weit, wie beglückend ist die Aussicht, die der Verlauf von neunzig Jahren vor unserem Blick entfaltet! Fast überwältigt uns ihre erhabene Größe. Dieses einzigartige Schauspiel zu betrachten, sich, wenn auch nur undeutlich, die Begleitumstände der Geburt und allmählichen Entwicklung dieser erhabenen Theophanie vor Augen zu führen, sich wenigstens in Umrissen die leidvollen Kämpfe in die Erinnerung zu rufen, die ihren Aufstieg verkündet und ihren Verlauf beschleunigt haben, dies wird genügen, um jeden vorurteilsfreien Beobachter von jenen ewigen Wahrheiten zu überzeugen, die den Grund und Anstoß ihres Lebens bilden und sie auch weiterhin bis zur Vollendung ihres vorbestimmten Aufstiegs vorwärts treiben.
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Den ganzen Raum dieses berückenden Schauspiels überragend erhebt sich die unvergleichliche Gestalt Bahá’u’lláhs, erhaben in Seiner Majestät, voll Ruhe, ehrfurchtgebietend und unerreichbar herrlich. Ihm eng verbunden und, obgleich im Rang untergeordnet, doch mit der Vollmacht zu gemeinsamem Thronen über den Geschicken dieser höchsten Sendung ausgestattet, leuchtet auf dieses geistige Bild die jugendliche Herrlichkeit des Báb mit Seiner unendlichen Zartheit, Seiner unwiderstehlichen Anmut, Seinem unübertroffenen Heldentum und der Einzigartigkeit der dramatischen Begebnisse Seines so kurzen, doch so ereignisreichen Lebens. Und schließlich erhebt sich auf Seiner eigenen Stufe und in einer von den Ihm vorangegangenen Zwillingsgestalten ganz verschiedenen Art die ergreifende und anziehende Persönlichkeit ‘Abdu’l-Bahás, die in einem Grade, den kein Mensch auf noch so hoher Stufe je zu erreichen hoffen kann, die Herrlichkeit und Macht widerstrahlt, mit der die Manifestationen Gottes allein geschmückt sind.
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Mit ‘Abdu’l-Bahás Heimgang, genauer mit dem Hinscheiden Seiner geliebten und erlauchten Schwester, des Erhabensten Blattes, der letzten Überlebenden eines glorreichen und heldenhaften Zeitalters, findet das erste und erschütterndste Kapitel der Bahá’í-Geschichte seinen Abschluss, ein Abschnitt, der das Ende des ersten, des apostolischen Zeitalters des Glaubens Bahá’u’lláhs darstellt. Es war ‘Abdu’l-Bahá, der durch die Vorsorge und das Gewicht Seines Willens und Testamentes die lebendige Kette schmiedete, die für alle Zeit das eben vergangene Zeitalter mit dem gegenwärtigen, der Übergangs- und Aufbauzeit des Glaubens, verbinden muss, einem Stadium, das in der Fülle der Zeit in den Heldentaten und Triumphen, die das Goldene Zeitalter der Offenbarung Bahá’u’lláhs künden werden, Blüten treiben und Früchte tragen wird.
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Geliebte Freunde! Die vorstoßenden Kräfte, die das Wirken zweier unabhängiger und rasch einander folgender Manifestationen so wunderbar entfesselt hat, werden jetzt vor unseren Augen unter der Obhut der erwählten Diener eines weitgetragenen Glaubens nach und nach gemustert und geordnet. Sie formen sich langsam zu Institutionen, die man dereinst als Ausdruck und Ruhm des Zeitalters betrachten wird, das aufzubauen und durch unsere Taten zu verewigen wir berufen sind. Denn aus unseren derzeitigen Bemühungen und vor allem dem Ausmaß, in dem wir unser Leben nach dem erhabenen, heldischen Vorbild derer gestalten, die vor uns gingen, muss sich die Wirksamkeit der nun durch uns erstehenden Werkzeuge ergeben, Werkzeuge, die das Gebäude jenes segensreichen Gemeinwesens errichten, das das Kennzeichen des Goldenen Zeitalters unseres Glaubens werden muss.
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Ich beabsichtige nicht, wenn ich auf diese gedrängten Jahre heldenhafter Taten zurückschaue, auch nur einen flüchtigen Überblick über die mächtigen Ereignisse zu wagen, die sich seit 1844 bis zum heutigen Tage zugetragen haben. Auch hege ich nicht die Absicht, die Kräfte, die ihre Auslösung herbeiführten, zu untersuchen noch deren Einfluss auf die Völker und ihre Einrichtungen in fast allen Kontinenten des Erdballs abzuschätzen. Die verbürgten Aufzeichnungen über das Leben der ersten Gläubigen des Ursprungszeitalters unseres Glaubens werden im Verein mit den künftigen unablässigen Forschungen der zuständigen Bahá’í-Historiker der Nachwelt eine so meisterhafte Darlegung der Geschichte jenes Zeitalters übermitteln, wie sie meine eigenen Bemühungen nie vollbringen könnten. Meine Hauptaufgabe in dieser aufrüttelnden Periode der Bahá’í-Geschichte ist vielmehr, bei denen, die zu ersten Baumeistern der Gemeindeordnung Bahá’u’lláhs berufen sind, Aufmerksamkeit für gewisse grundlegende Wahrheiten zu wecken, deren Erläuterung ihnen bei der wirkungsvollen Durchführung ihres gewaltigen Unternehmens in höchstem Maße helfen muss.
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Die internationale Stellung, die die Religion Gottes bis dahin erreicht hat, verlangt gebieterisch, dass ihre Grundprinzipien jetzt endgültig geklärt werden. Der beispiellose Antrieb, den die erhabenen Taten der amerikanischen Gläubigen dem Vormarsch unseres Glaubens gaben, das nachdrückliche Interesse, das der erste Mashriqu’l-Adhkár des Westens rasch unter den verschiedenen Rassen und Völkern auslöst, die Errichtung und beständige Festigung von Bahá’í-Einrichtungen in nicht weniger als vierzigim Jahre 1934 – Anm. d. Hrsg.A der fortgeschrittensten Länder in der Welt, die Verbreitung von Bahá’í-Schriften in nicht weniger als fünfundzwanzigim Jahre 1934 – Anm. d. Hrsg.A der meistgesprochenen Sprachen, der Erfolg, der erst kürzlich den umfassenden Bemühungen der persischen Gläubigen bei den ersten Schritten zur Errichtung des dritten Mashriqu’l-Adhkár der Bahá’í-Welt in der nächsten Umgebung der Hauptstadt ihres Heimatlandes beschieden war, ihre Maßnahmen zur sofortigen Bildung des ersten Nationalen Geistigen Rates, der die Interessen der überwältigenden Mehrheit der Bahá’í vertritt, die geplante Errichtung eines weiteren Pfeilers des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, des ersten seiner Art auf der südlichen Hemisphäre, die Anerkennungen, die ein ringender Glaube mündlich und schriftlich von königlicher Seite, Regierungsstellen, internationalen Schiedsgerichtshöfen und kirchlichen Würdenträgern erhalten hat, die öffentliche Aufmerksamkeit, die ihm die Angriffe unerbittlicher neuer wie alter Feinde eingetragen haben, die förmliche Befreiung einer Anzahl seiner Anhänger aus den Fesseln muslimischer Orthodoxie in einem Lande, das als die aufgeklärteste unter den islámischen Nationen anzusehen ist, – all dies liefert den vollen Beweis für den wachsenden Schwung, mit dem die unüberwindliche Gemeinschaft des Größten Namens dem endgültigen Sieg entgegenschreitet.
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Innig geliebte Freunde! Ich fühle kraft der Pflichten und Verantwortlichkeiten, denen zu genügen ich als Hüter des Glaubens Bahá’u’lláhs berufen bin, mich in einer Zeit, da die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in wachsendem Maße auf uns gerichtet ist, aufgerufen, besonderes Gewicht auf gewisse Wahrheiten zu legen, die die Grundlage unseres Glaubens bilden und deren Unverfälschtheit zu wahren unsere erste Aufgabe ist. Diese Wahrheiten werden bei tapferer Vertretung und richtigem Verstehen nach meiner Überzeugung die Kräfte unseres geistigen Lebens mächtig stärken und uns höchst dienlich sein, den Machenschaften eines unerbittlichen, wachsamen Feindes zu begegnen.
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Das Bestreben, ein besseres Verständnis für die Bedeutung der überwältigenden Offenbarung Bahá’u’lláhs zu erlangen, muss nach meiner unumstößlichen Überzeugung immer erste Pflicht und Ziel des unablässigen Bemühens eines jeden ihrer getreuen Jünger bleiben. Das genaue, sorgsame Begreifen einer so großen Ordnung, einer so erhabenen Offenbarung, eines so heiligen Glaubens liegt aus augenfälligen Gründen außerhalb des Bereiches und der Fassungskraft unseres begrenzten Geistes. Dennoch können wir, ja müssen wir versuchen, in der Arbeit für die Verbreitung Seines Glaubens neue Eingebung und vermehrten Rückhalt durch ein klareres Verständnis der von ihm verwahrten Wahrheiten und der ihm zu Grunde liegenden Prinzipien zu erlangen.
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In einer Mitteilung an die amerikanischen Gläubigen habe ich im Verlaufe meiner Erläuterung der Stufe des Báb flüchtig die unvergleichliche Größe der Offenbarung, als deren bescheidenen Vorläufer Er sich betrachtet hat, erwähnt. Er, den Bahá’u’lláh im Kitáb-i-Íqán den verheißenen Qá’im nennt, der nicht weniger als fünfundzwanzig der siebenundzwanzig Buchstaben, die allen Propheten zu offenbaren bestimmt war, offenbart hat, Er, der ein so großer Offenbarer ist, hat selbst Zeugnis für den Vorrang jener noch höheren Offenbarung, die binnen kurzem Seine eigene überholen würde, abgelegt. »Der Keim«, so erklärt der Báb im Persischen Bayán, »der alle Möglichkeiten der kommenden Offenbarung in sich birgt, ist mit einer höheren Macht begnadet als die vereinten Kräfte derer, die Mir anhängen.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 6:2 – Anm. d. Hrsg.Q »Von allen Ehrungen«, so erklärt Er weiter, »die Ich Ihm, der nach Mir kommen wird, gezollt habe, ist die größte Mein schriftliches Bekenntnis, dass keines Meiner Worte Ihn angemessen beschreiben kann noch irgendeinem Hinweise auf Ihn in Meinem Buche, dem Bayán, vergönnt ist, Seiner Sache gerecht zu werden.«Báb, zitiert in: Bahá’u’lláh, Kalimát-i-Firdawsíyyih, in: Botschaften aus ‘Akká 6:53 – Anm. d. Hrsg.Q »Der Bayán«, so erklärt Er nachdrücklich im gleichen Buche, »und was immer darin enthalten ist, kreist um die Rede von ›Dem, den Gott offenbaren wird‹, so wie das Alifdas Evangelium.A und alles, was darinnen ist, sich um die Rede von Muḥammad, dem Apostel Gottes, dreht.«Báb, Bayán-i-Fársí 3:3 – Anm. d. Hrsg.Q »Ein tausendmaliges Durchlesen des Bayán «, bemerkt Er ferner, »kann nicht dem Lesen eines einzigen Verses gleichkommen, den ›Er, den Gott offenbaren wird‹, enthüllen wird …Báb, Bayán-i-Fársí 5:8, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 3:32:1 – Anm. d. Hrsg.Q Heute befindet sich der Bayán im Zustand eines Samenkorns; mit Beginn der Offenbarung ›Dessen, den Gott offenbaren wird‹, wird seine endgültige Vollkommenheit zutage tretenBáb, Bayán-i-Fársí 2:7, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 3:35:2, – Anm. d. Hrsg.Q … Der Bayán und diejenigen, die an ihn glauben, sehnen sich leidenschaftlicher nach Ihm, als sich je ein Liebender nach der Geliebten sehnte … Der Bayán leitet alle seine Herrlichkeit von ›Ihm‹ her, ›den Gott offenbaren wird.‹ Aller Segen sei auf dem, der an Ihn glaubt, und Weh begegne dem, der Seine Wahrheit abweist.«
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Sich an Siyyid Yaḥyáy-i-Dárábí, genannt Vaḥíd, den gelehrtesten, beredtesten und einflussreichsten unter Seinen Jüngern, wendend, äußert der Báb die folgende Warnung: »Bei der Rechtschaffenheit Dessen, der mit Seiner Macht den Samen keimen heißt und allen Dingen den Geist des Lebens einhaucht, – wäre Ich gewiss, dass du Ihn am Tage Seiner Manifestation verleugnest, Ich würde dich, ohne zu zögern, ausstoßen und deinen Glauben verwerfen … Würde Mir andererseits gesagt, dass ein Christ, der nicht Meinem Glauben anhängt, an Ihn glauben wird, Ich würde ihn wie Meinen Augapfel schätzen.«
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In einem Seiner Gebete hält Er mit Bahá’u’lláh die folgende Zwiesprache: »Erhaben bist Du, o mein Herr der Allmächtige! Wie schwach und armselig erscheint mein Wort und alles, was mir zugehört, es sei denn, dass es Beziehung zu Deiner großen Herrlichkeit besitze. Gewähre, dass durch den Beistand Deiner Gnade, was immer mir gehört, vor Deinem Antlitz angenommen werde.«
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Im Qayyúmu’l-Asmá’, dem Kommentar des Báb zur Súrih von Joseph, den der Verfasser des Íqán »das erste, größte und mächtigste«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 258 – Anm. d. Hrsg.Q der durch den Báb offenbarten Bücher nennt, sind folgende Hinweise auf Bahá’u’lláh zu lesen: »Aus dem äußersten Nichtsein hast Du, o großer und allmächtiger Meister, mich durch das himmlische Wirken Deiner Macht hervorgebracht und mich erhoben, diese Offenbarung zu verkünden. Ich habe niemanden als Dich zu Meinem Glaubenshort gemacht, ich habe mich an keinen anderen Willen als an den Deinen geklammert … O Du Spur Gottes! Ich habe mich ganz für Dich geopfert; Ich habe um Deinetwillen Verfluchungen auf mich genommen und nach nichts verlangt als nach dem Märtyrertode auf dem Pfade Deiner Liebe. Wahrhaftiger Zeuge für mich ist Gott, der Erhabene, der Beschützer, der Altehrwürdige der Tage.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 58, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:28:6, 2:29:1 – Anm. d. Hrsg.Q »Und wenn die vorbestimmte Stunde da sein wird«, so wendet Er sich im gleichen Kommentar nochmals an Bahá’u’lláh, »so wollest Du mit der Erlaubnis Gottes, des Allweisen, von den Höhen des erhabensten und geheimnisvollsten Berges einen schwachen, unendlich feinen Schimmer Deines undurchdringlichen Geheimnisses offenbaren, damit die, die das Licht vom Glanze des Sinai erkannt haben, dahinschwinden und sterben mögen im Anblick eines Blitzstrahls des erschütternden, tiefroten Lichtes, das Deine Offenbarung einhüllt.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 28, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:18:2 – Anm. d. Hrsg.Q
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Als weiteres Zeugnis für die Größe der Offenbarung Bahá’u’lláhs mögen hier folgende Auszüge aus einem von ‘Abdu’l-Bahá an einen hervorragenden Zoroastrier-Bahá’í gerichteten Sendschreiben Erwähnung finden: »Du hast geschrieben, es stehe in den heiligen Büchern der Anhänger Zarathustras, dass während der letzten Tage die Sonne in drei getrennten Sendungen zum Stillstand kommen müsse. In der ersten Sendung, so lautet die Voraussage, wird die Sonne zehn Tage lang bewegungslos verharren, in der zweiten doppelt so lange und in der dritten nicht weniger als einen vollen Monat. Die Auslegung dieser Prophezeiung ist, dass die erste Sendung, auf die sich diese Angaben beziehen, die Sendung Muḥammads ist, während der die Sonne der Wahrheit zehn Tage hindurch stillstand. Jeder der Tage zählt als ein Jahrhundert. Die Sendung Muḥammads musste darnach zum mindesten tausend Jahre dauern, was auch genau die Zeit vom Sinken des Sterns des Imámats bis zum Beginn der durch den Báb verkündeten Sendung ist. Die zweite Sendung, auf die diese Prophezeiung anspielt, ist die des Báb, die im Jahre 1260 d. H. anfing und im Jahre 1280 d. H. endete. Die Zeitdauer der dritten Sendung, der von Bahá’u’lláh verkündeten Offenbarung, wurde, da die Sonne der Wahrheit mit Erreichen dieses Standes in der Fülle ihres Mittagsglanzes leuchtet, mit einem vollen Monat angegeben, was die längste Zeit bedeutet, die die Sonne zum Durchlaufen eines Zeichens des Tierkreises benötigt. Hieraus kannst du die Größe des Bahá’í-Zyklusses ermessen, eines Zyklusses, der sich über einen Zeitraum von mindestens fünfhunderttausend Jahren erstrecken muss.«
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Aus dem Wortlaut dieser klaren, bevollmächtigten Auslegung einer uralten Prophezeiung geht hervor, wie nötig es für jeden getreuen Anhänger des Glaubens ist, den göttlichen Ursprung der Sendung Muḥammads anzunehmen und deren unabhängige Stufe zu verteidigen. Ebenso wird in diesen Zeilen die unbedingte Gültigkeit des Imámats, jener göttlich verordneten Einrichtung bestätigt, von deren hervorragendstem Glied der Báb selbst ein direkter Spross war, und die nicht weniger als zweihundertsechzig Jahre lang fortwährend die erwählte Empfängerin der Führung des Allmächtigen und der Verwahrungsort eines der beiden kostbarsten Vermächtnisse des Islám war.
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Diese gleiche Prophezeiung beweist, wie wir auch den unabhängigen Charakter der Bábí-Sendung anerkennen müssen, und bestätigt mittelbar die Wahrheit, dass in Übereinstimmung mit dem Grundsatz der fortschreitenden Offenbarung jede Manifestation Gottes den Menschen ihres Tages notwendigerweise ein Maß an göttlicher Führung gewähren muss, das größer ist als jenes, das ein vorangegangenes oder weniger aufnahmefähiges Zeitalter hätte empfangen oder anerkennen können. Aus diesem Grunde und nicht etwa wegen eines ihr eigenen höheren Wertes, der der Bahá’í-Religion vielleicht beigemessen wird, zeugt diese Prophezeiung für die unvergleichliche Macht und Herrlichkeit, mit der die Sendung Bahá’u’lláhs ausgestattet wurde, eine Sendung, deren Möglichkeiten wir erst wahrzunehmen beginnen und deren volle Tragweite wir niemals abzusehen vermögen.
6:16
Der Glaube Bahá’u’lláhs sollte in der Tat, wenn wir treu zu den gewaltigen Folgerungen dieser Botschaft stehen wollen, als der Höhepunkt eines Zyklusses, der letzte Abschnitt in einer Reihe aufeinanderfolgender, vorläufiger, fortschreitender Offenbarungen betrachtet werden, die, beginnend mit Adam und endend mit dem Báb, den Weg bereitet und mit wachsendem Nachdruck das Kommen jenes Tages der Tage angekündigt haben, da Er, der Verheißene aller Zeitalter, offenbart wird.
6:17
Diese Wahrheit bezeugen die Äußerungen Bahá’u’lláhs in reichem Maße. Eine bloße Andeutung der von Ihm selbst wiederholt in gewaltiger Sprache und mit zwingender Macht erhobenen Ansprüche kann den Charakter der Offenbarung, deren erwählter Träger Er gewesen ist, erschöpfend darlegen. Wir sollten darum unsere Aufmerksamkeit auf die Seiner Feder, dem Urquell einer so gewaltigen Offenbarung, entströmten Worte richten, wenn wir ihre Wichtigkeit und Bedeutung klarer erkennen wollen. Ob in der Bekräftigung Seines noch nie dagewesenen Anspruches oder in Seinen Anspielungen auf die geheimnisvollen Kräfte, die Er entfesselt hat, ob an solchen Stellen, wo er die Herrlichkeiten Seines langersehnten Tages preist, oder an solchen, wo Er die Stufe jener preist, die die verborgenen Vorzüge dieses Tages erkennen – immer hat Bahá’u’lláh, und in nahezu gleichem Ausmaße der Báb und ‘Abdu’l-Bahá, der Nachwelt Fundgruben eines so unschätzbaren Reichtums hinterlassen, wie sie keiner von uns, die wir dem heutigen Geschlechte angehören, hoch genug zu schätzen vermag. Derartige Zeugnisse zu diesem Thema sind von einer solchen Kraft durchdrungen und offenbaren eine solche Schönheit, dass nur diejenigen beanspruchen können, ihren Wert hinlänglich abzuschätzen, denen es möglich ist, die Worte in der Ursprache zu lesen. So groß ist die Zahl dieser Beweise, dass ein ganzes Werk geschrieben werden müsste, um nur die hervorragendsten davon zusammenzustellen. Alles, was ich gegenwärtig unternehmen und wagen kann, ist, Ihnen Stellen mitzuteilen, die ich aus Seinen umfangreichen Schriften auszuziehen vermochte.
6:18
»Ich bezeuge vor Gott«, verkündet Bahá’u’lláh, »die Größe, die unfassbare Größe dieser Offenbarung. Wieder und immer wieder haben Wir in den meisten Unserer Schriften für diese Wahrheit Zeugnis abgelegt, auf dass die Menschheit aus ihrer Nachlässigkeit erwache.« »In dieser mächtigsten Offenbarung«, so erklärt Er unzweideutig, »finden alle Sendungen der Vergangenheit ihre höchste, ihre endgültige Erfüllung.«vgl. Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 115:10, 161:4 – Anm. d. Hrsg.Q »Was in dieser überragenden, erhabensten Offenbarung kundgegeben wurde, hat in den Annalen der Vergangenheit nicht seinesgleichen noch wird eine künftige Zeit desgleichen schauen.« »Er ist es«, so verkündet Er, auf Sich selbst bezogen, weiter, »dessen Name im Alten Testament Jehova war, den das Evangelium den Geist der Wahrheit nannte und der im Qur’án als die Große Verkündigung angerufen wurde.« »Nur um Seinetwillen sind alle Gottgesandten mit dem Mantel des Prophetentums geschmückt, nur für Ihn ist jede der heiligen Schriften offenbart worden. Dies bezeugen alle erschaffenen Dinge.« »Das Wort, das der eine wahre Gott an diesem Tag verkündet – und sollte dieses Wort auch der gebräuchlichste und alltäglichste Ausdruck sein –, ist mit höchster, einzigartiger Auszeichnung bekleidet.« »Allgemein ist die Menschheit noch unreif. Hätte sie genügend Fähigkeit erworben, Wir hätten ihr ein so großes Maß von Unserem Wissen abgegeben, dass alle, die auf Erden und im Himmel wohnen, sich durch die aus Unserer Feder strömende Gnade als völlig von allem Wissen außer der Erkenntnis Gottes losgelöst empfänden und sicher auf dem Thron beständiger Ruhe säßen.« »Die Feder der Heiligkeit, Ich bestätige es feierlich vor Gott, hat auf Meine schneeweiße Stirn mit Buchstaben von strahlender Herrlichkeit jene glühenden, moschusduftenden, heiligen Worte aufgeschrieben: ›Schauet auf, die ihr auf Erden wohnet, und ihr, Bewohner des Himmels, werdet Zeugen: Er ist in Wahrheit euer Vielgeliebter. Er ist es, desgleichen die Welt der Schöpfung nicht gesehen, Er, dessen berauschende Schönheit das Auge Gottes, des Befehlers, des Allmächtigen, des Unvergleichlichen, entzückt hat!‹«
6:19
»Ihr Anhänger des Evangeliums«, ruft Bahá’u’lláh, sich an die gesamte Christenheit wendend, »schauet hin, die Tore des Himmels sind weit geöffnet. Er, der zum Himmel aufgefahren war, ist nun gekommen. Hört auf Seine Stimme, die laut über Länder und Meere schallt und aller Menschheit den Anbruch dieser Offenbarung kund tut, einer Offenbarung, durch deren Walten die Zunge der Erhabenheit jetzt verkündet: ›Siehe, das heilige Liebespfand ist eingelöst, denn Er, der Verheißene, ist gekommen!‹« »Die Stimme des Menschensohnes ruft laut aus dem geheiligten Tal: ›Hier bin ich, hier bin ich, o Gott, mein Gott!‹vgl. Gen. 22:1, 22:11, 31:11, 46:2, Ex. 3:4, 1 Kön. 3:4, Jes. 6:8, Báb, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 7:34:3 – Anm. d. Hrsg.Q … indessen aus dem Brennenden Busch der Schrei tönt: ›Sehet, der Ersehnte der Welt ist in Seiner erhabenen Herrlichkeit offenbart!‹ Der Vater ist gekommen. Was euch verheißen ward im Reiche Gottes, ist erfüllt. Dies ist das Wort, das der Sohn verhüllte, da Er zu denen, die um Ihn waren, sprach, dass sie ›es heute noch nicht tragen‹vgl. Joh. 16:12 – Anm. d. Hrsg.Q könnten … Wahrlich, der Geist der Wahrheit ist gekommen, dass Er euch in die ganze Wahrheit leite … Er ist der Eine, der den Sohn verherrlichte und Seine Sache erhöhte …«Q »Der Tröster, dessen Kommen alle Schriften verheißen haben, ist nun da, damit Er euch alle Erkenntnis und Weisheit offenbare. Suchet Ihn auf dem ganzen Erdenrund – vielleicht, dass ihr Ihn findet.«
6:20
»Rufe aus gen Zion, o Karmel«, schreibt Bahá’u’lláh, »und künde die frohe Botschaft: ›Er, der den sterblichen Augen verborgen war, ist nun gekommen! Seine allbesiegende Herrschaft wurde offenbar, Sein alles umstrahlender Glanz entschleiert … Eile hin zu Ihm und umschreite die Stadt Gottes, die vom Himmel herabkam – die himmlische Ka‘bah, die Gottes Begünstigte in Anbetung umkreisen, die Reinen im Herzen, die Gefährten der erhabensten Engel.‹«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Karmil, in: Botschaften aus ‘Akká 1:4 – Anm. d. Hrsg.Q »Ich bin der Eine«, so bestätigt Er in einem anderen Zusammenhang, »den die Zunge Jesajas pries, der Eine, mit dessen Namen die Thora wie auch das Evangelium geschmückt ward.«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Malik-i-Rús, in: Anspruch und Verkündigung 1:164 – Anm. d. Hrsg.Q »Die Herrlichkeit des Sinai ist herbeigeeilt, den Tagesanbruch dieser Offenbarung zu umkreisen, indessen aus den Höhen des Königreiches die Stimme des Gottessohnes hörbar wird, die da verkündet: ›Reget euch, ihr Stolzen auf Erden, und eilet zu Ihm.‹ Der Karmel hat sich an diesem Tage aufgemacht, in sehnsuchtsvoller Anbetung zu Seinem Hofe zu kommen, während aus Zions Herz der Schrei hervordringt: ›Die Verheißung aller Zeitalter ging in Erfüllung. Was in den heiligen Schriften Gottes, des Geliebten, des Höchsten, angekündigt wurde, ist erschienen!‹« »Ḥijáz ward neu belebt vom Hauche, der die Botschaft freudiger Vereinigung verkündet: ›Gepriesen seiest Du‹, so hören Wir es rufen: ›O mein Herr, Du Höchster! Ich war tot, weil ich von Dir getrennt war. Der Atem, den die Düfte Deiner Gegenwart durchtränkten, gab mich dem Leben wieder. Glücklich ist, wer sich Dir zukehrt, und wehe dem, der irregeht.‹« »Bei dem einen wahren Gott! Elias ist an Meinen Hof geeilt und hat zur Tag- und Nachtzeit Meinen Thron der Herrlichkeit umschritten.« »Salomo in seiner ganzen Majestät umwandelt Mich an diesem Tage verehrungsvoll, die höchsterhabenen Worte sprechend: ›Ich habe mein Angesicht dem Deinen zugewandt, o Du allmächtiger Herr der Welt! Ich bin von allem, was mein ist, ganz gelöst und sehne mich nach dem, was Du besitzest.‹« »Hätte Muḥammad, der Gesandte Gottes, diesen Tag erlebt«, schreibt Bahá’u’lláh in einem Sendschreiben, das Er am Vorabend Seiner Verbannung in die Strafkolonie ‘Akká offenbarte, »Er [hätte] ausgerufen: ›Ich habe Dich wahrlich erkannt, o du Sehnsucht der Gottesboten!‹ Hätte Abraham ihn erlebt, so hätte Er sich niedergeworfen und in größter Demut vor dem Herrn, deinem Gott, ausgerufen: ›Mein Herz ist voll des Friedens, o Du Herr über alles im Himmel und auf Erden! Ich bezeuge, dass Du vor meinen Augen die ganze Herrlichkeit Deiner Macht und die Majestät Deines Gesetzes enthüllt hast!‹ … Hätte Moses diesen Tag erlebt, so hätte auch Er Seine Stimme erhoben: ›Aller Lobpreis sei Dir, dass Du mir Deine Schönheit enthülltest und mich zu denen zählst, die das Vorrecht haben, Dein Antlitz zu schauen!‹«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Ra’ís, in: Anspruch und Verkündigung 2:18 – Anm. d. Hrsg.Q »Nord und Süd erbeben bei dem Rufe, der das Kommen Unserer Offenbarung kündet. Wir können die Stimme Mekkas sagen hören: ›Aller Ruhm sei Dir, o Herr mein Gott, Allherrlicher, dass Du über mich den Odem, den Deine Gegenwart durchhauchte, strömen ließest!‹ Und auch Jerusalem ruft laut: ›Gepriesen und verherrlicht seist Du, o Geliebter der Erde und des Himmels, dass Du die Qual meiner Trennung von Dir in die Freude lebengebender Vereinigung gekehrt hast!‹«
6:21
»Bei der Gerechtigkeit Gottes«, erklärt Bahá’u’lláh in dem Wunsch, die ganze Stärke Seiner unüberwindlichen Macht zu offenbaren, »sollte ein Mensch im Namen Bahás sich ganz allein erheben und mit Seiner Liebe gürten, so wird der Allmächtige ihn siegreich machen, selbst wenn sich die Gewalten des Himmels und der Erde gegen ihn verbündeten.« »Bei Gott, neben dem es keinen anderen Gott gibt! Sollte jemand für den Triumph Unserer Sache aufstehen, so wird ihm Gott zum Sieg verhelfen, auch wenn Zehntausende von Feinden sich gegen ihn zusammenschlössen. Und wenn seine Liebe zu Mir noch weiter wächst, wird Gott seine Erhebung über alle Mächte des Himmels und der Erde bewirken. So ergossen Wir den Geist der Kraft in alle Bereiche.«
6:22
»Dies ist der König der Tage«, preist Er das Zeitalter, das Zeuge des Erscheinens Seiner Offenbarung ist, »der Tag, der den Heißgeliebten hat kommen sehen, Ihn, nach dem die Sehnsucht der Welt seit aller Ewigkeit gegangen.« »Die Welt des Seins strahlt an diesem Tage wider vom Abglanz dieser göttlichen Offenbarung. Alle erschaffenen Dinge rühmen und lobpreisen Seine rettende Gnade. Das Weltall ist erfüllt von einem Rausch der Freude und des Glücks. Die Heiligen Schriften früherer Sendungen feiern das große Jubelfest, das diesen größten Tag Gottes begrüßen muss. Wohl dem, der diesen Tag erlebt und schaut und seine Stufe erkennt.« »Würde die Menschheit auch nur einem einzigen Worte dieses Lobpreises gebührende Beachtung schenken, sie wäre derart von Entzücken erfüllt, dass sie überwältigt wäre und in Staunen sänke. Hingerissen würde sie strahlend über dem Horizonte wirklichen Verstehens leuchten.«
6:23
»Seid gerecht, ihr Völker der Erde«, ruft Er der Menschheit zu, »ist es angebracht und ziemt es euch, die Vollmacht Dessen in Frage zu stellen, dessen Gegenwart ›Er, der mit Gott redete‹Moses.A ersehnte, dessen Angesicht in ganzer Schönheit ›der Vielgeliebte Gottes‹Muḥammad.A zu schauen verlangte, durch dessen Macht der Liebe der ›Geist Gottes‹Jesus.A in den Himmel aufstieg und um dessentwillen der ›Erste Punkt‹vgl. Báb, Brief an Muḥammad Sháh, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften 1:4:4 – Anm. d. Hrsg.Qder Báb.A Sein Leben hingab?«Q »Nehmet die Gelegenheit wahr«, ermahnt Er Seine Anhänger, »denn schon ein flüchtiger Augenblick dieses Tages wiegt Jahrhunderte vergangener Zeiten auf … Weder Sonne noch Mond haben einen Tag, der diesem gleicht, gesehen … Es ist klar, dass jedes Zeitalter, in dem eine Manifestation Gottes gelebt hat, göttlich verordnet ist und in gewissem Sinne als Gottes festgesetzter Tag bezeichnet werden kann. Dieser Tag ist jedoch einzigartig und muss von den vorausgegangenen unterschieden werden. Die Bezeichnung ›Siegel der Propheten‹Qur’án 33:40 – Anm. d. Hrsg.Q offenbart und beweist vollkommen seine hohe Stufe.«Bahá’u’lláh, Ährenlese 25:1 (nur der Teil nach dem letzten Auslassungszeichen) – Anm. d. Hrsg.Q
6:24
Auf die in Seiner Offenbarung verborgenen Kräfte näher eingehend, enthüllt Bahá’u’lláh folgendes: »Indem Wir Unsere Feder der Herrlichkeit bewegten, haben Wir auf Befehl des allmächtigen Gebieters in jede menschliche Hülle neues Leben gehaucht und jedem Worte neue Kraft gegeben. Alle erschaffenen Dinge verkünden die Tatsache dieser weltumfassenden Neubelebung.« »Dies ist«, fügt Er hinzu, »die größte, die freudigste Botschaft, die der Menschheit durch die Feder dieses Unterdrückten zuteil ward.«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Dunyá, in: Botschaften aus ‘Akká 7:5 – Anm. d. Hrsg.Q »Wie groß«, ruft Er an anderer Stelle aus, »ist diese Sache, wie erschütternd die Gewichtigkeit ihrer Botschaft! Dies ist der Tag, von dem gesagt ist: ›O mein Sohn! Wahrhaftig, Gott wird alle Dinge ans Licht bringen, und wenn sie auch nur das Gewicht eines Senfkorns hätten, in einem Felsen oder im Himmel oder auf Erden verborgen wären, denn Gott durchdringt alles und weiß alles.‹Qur’án 31:16 – Anm. d. Hrsg.Q«Q »Bei der Gerechtigkeit des einen, wahren Gottes! Ginge ein Splitter eines Edelsteines verloren, so dass er unter einem Berg von Steinen begraben und hinter den sieben Meeren verborgen läge, die Hand des Allmächtigen würde ihn dennoch sicherlich an diesem Tage rein und von allem Staub befreit zum Lichte bringen.« »Wer an den Wassern Meiner Offenbarung teilhat, wird alle unvergänglichen Wonnen kosten, von Gott verordnet vom Anfang, der keinen Anfang hat, bis zum Ende, das kein Ende hat.« »Jeder einzelne Buchstabe, der von Unserem Munde ausgeht, ist derart mit wiederbelebender Kraft versehen, dass er imstande ist, eine neue Schöpfung wachzurufen – eine Schöpfung, deren Größe unerforschlich ist für alle außer Gott. Er, fürwahr, hat Kenntnis von allen Dingen.« »Es steht in Unserer Macht, sofern Wir es wollten, aus ein paar Körnchen fliegenden Staubes in weniger als einem Augenblick Sonnen von unendlicher, unausdenklicher Herrlichkeit zu erzeugen, einen Tautropfen zu weiten, zahllosen Meeren schwellen zu lassen und in jeden Buchstaben eine solche Kraft zu gießen, dass er alles Wissen vergangener und kommender Zeitalter enthüllen könnte.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Haykal, in: Anspruch und Verkündigung 1:75 – Anm. d. Hrsg.Q »Wir sind im Besitze einer Macht, die, ans Licht gebracht, das tödlichste Gift in ein Allheilmittel von unfehlbarer Wirkung wandelt.«
6:25
Die Stufe des wahren Gläubigen bezeichnend, äußert Er: »Bei den Leiden, die die Schönheit des Allherrlichen heimsuchen! Derart ist die für den wahrhaft Gläubigen vorgesehene Stufe, dass, würde ihr Glanz der Menschheit auch nur um weniger als die Weite eines Nadelöhrs entschleiert, ein jeder Suchende vor Sehnsucht nach diesem Ziel verginge. Aus diesem Grunde wurde verordnet, dass in diesem Erdenleben das volle Maß des Glanzes der Stufe eines solchen Gläubigen vor dessen eigenen Augen verborgen bleibe …« »Würde der Schleier gelüftet«, so bestätigt Er ähnlich, »und der volle Glanz der Stufe derer offenbar, die sich Gott gänzlich zugewendet und in ihrer Liebe zu Ihm der Welt entsagt haben, so wäre die gesamte Schöpfung wie vom Donner gerührt.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 93:14 – Anm. d. Hrsg.Q
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