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6:48»Ich hege keine Befürchtungen um Meinetwillen«
, betont Bahá’u’lláh noch stärker, »Ich fürchte nur für Ihn, der nach Mir zu euch herabgesandt wird – für Ihn, der mit viel Hoheit und gewaltiger Herrschaft ausgestattet sein wird.«
Und wieder schreibt Er in der Súratu’l-Haykal: »Jene Worte, die Ich offenbart habe, beziehen sich nicht auf Mich, sondern auf Ihn, der nach Mir kommt. Gott, der Allwissende, ist mein Zeuge!«
»Verfahret nicht mit Ihm«
, fügt Er hinzu, »wie ihr mit Mir verfahren.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Haykal, in: Anspruch und Verkündigung 1:80 – Anm. d. Hrsg.
Q6:49In einem eingehenderen Abschnitt Seiner Schriften unterstreicht der Báb die gleiche Wahrheit: »Es ist klar und augenscheinlich«
, schreibt Er im Persischen Bayán, »dass der Zweck aller früheren Sendungen der war, den Weg für das Kommen Muḥammads, des Apostels Gottes, zu bereiten. Sie, einschließlich der muḥammadanischen Sendung, hatten ihrerseits als Ziel die durch den Qá’im verkündete Offenbarung. Die Absicht, die dieser Offenbarung sowie allen ihr vorausgegangenen zu Grunde lag, war gleichfalls, den Anbruch des Glaubens Dessen zu verkünden, den Gott offenbaren wird. Und dieser Glaube – der Glaube Dessen, den Gott offenbaren wird – hat seinerseits, zusammen mit allen ihm vorangegangenen Offenbarungen, die Manifestation zum Ziel, die bestimmt ist, ihm zu folgen. Und die letztere bereitet, nicht minder als alle ihr vorangegangenen Offenbarungen, den Weg für die Offenbarung, die danach folgt. Der Prozess des Auf- und Untergehens der Sonne der Wahrheit wird unbegrenzt so weitergehen, – ein Prozess, für den kein Anfang war und kein Ende sein wird.«Báb, Bayán-i-Fársí 4:12, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 3:34:1 – Anm. d. Hrsg.
Q6:50»Wisse mit Sicherheit«
, so erklärt in diesem Zusammenhang Bahá’u’lláh, »dass in jeder Sendung das Licht göttlicher Offenbarung den Menschen in unmittelbarem Verhältnis zu ihrer geistigen Fassungskraft dargereicht wird. Betrachte die Sonne! Wie schwach sind ihre Strahlen in dem Augenblick, da sie am Horizont aufgeht. Wie nehmen ihre Wärme und Kraft allmählich zu, während sie sich dem Zenit nähert und unterdessen alles Erschaffene befähigt, sich der zunehmenden Stärke ihres Lichtes anzupassen. Wie gleichmäßig nimmt sie wieder ab, bis sie den Punkt ihres Untergangs erreicht. Würde sie plötzlich alle in ihr verborgenen Kräfte offenbaren, so würde dies zweifellos allem Erschaffenen Schaden zufügen … Wenn nun die Sonne der Wahrheit in den frühesten Graden ihrer Offenbarung plötzlich das volle Maß der Kräfte, die ihr die Vorsehung des Allmächtigen verliehen hat, enthüllte, würde die Erde menschlichen Begreifens verdorren und vergehen, denn die Menschenherzen würden weder die Stärke ihrer Offenbarung ertragen noch fähig sein, den Glanz ihres Lichtes widerzuspiegeln. Bestürzt und überwältigt würden sie zu bestehen aufhören.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 38:1 – Anm. d. Hrsg.
Q6:51Im Lichte dieser klaren, überzeugenden Darlegungen erwächst uns die eindeutige Pflicht, jedem Wahrheitssucher unzweifelhaft klarzumachen, dass »vom Anfang an, der keinen Anfang hat«
, alle Propheten des einen, unerforschlichen Gottes, Bahá’u’lláh eingeschlossen, als Kanäle der Gnade Gottes, Erklärer Seiner Einheit, Spiegel Seines Lichtes und Offenbarer Seiner Absichten beauftragt sind, der Menschheit ein immer größeres Maß Seiner Wirklichkeit, Seines unerforschlichen Willens und Seiner göttlichen Führung zu enthüllen, und dass sie bis zum »Ende, das kein Ende hat«vgl. Báb, Dalá’il-i-Sab‘ih, in Eine Auswahl aus Seinen Schriften 4:10:4, Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 171, 178 – Anm. d. Hrsg.
Q, auch fernerhin noch umfassendere und mächtigere Offenbarungen Seiner grenzenlosen Macht und Herrlichkeit gewähren werden.6:52Wir mögen wohl die folgenden Abschnitte aus einem durch Bahá’u’lláh offenbarten Gebete im Herzen bewegen, die einen eindrucksvollen Beweis und eine weitere Bestätigung für die Echtheit jener großen, wesentlichen Wahrheit darstellen, die im Innersten Seiner Botschaft an die Menschheit liegt: »O Herr, mein Gott! Preis sei Dir für die wunderbaren Offenbarungen Deines unerforschlichen Ratschlusses, für die mannigfachen Leiden und Heimsuchungen, die Du für mich bestimmt hast. Einmal hast Du mich den Händen Nimrods überantwortet, ein andermal hast Du gestattet, dass mich Pharaos Zuchtrute peinigte. Du allein kannst durch Deine allumfassende Erkenntnis und das Wirken Deines Willens die unsagbaren Schmerzen ermessen, die ich unter ihren Händen erduldete. Und wieder warfst Du mich in die Gefängniszelle der Gottlosen aus dem einzigen Grund, weil ich mich getrieben fühlte, den bevorzugten Bewohnern Deines Reiches eine Andeutung von jenem Gesicht ins Ohr zu flüstern, das Du mich durch Deine Erkenntnis schauen ließest und dessen Bedeutung Du mir durch die Kraft Deiner Macht offenbart hast. Und wieder bestimmtest Du, dass ich durch das Schwert der Ungläubigen enthauptet wurde. Dann wieder ward ich gekreuzigt, weil ich den Augen der Menschen die verborgenen Edelsteine Deiner herrlichen Einheit enthüllte und ihnen die wunderbaren Zeichen Deiner unumschränkten und ewigen Macht offenbarte. Wie bitter häuften sich in einem späteren Zeitalter auf der Ebene von Karbilá die Demütigungen auf mich! Wie einsam fühlte ich mich inmitten Deines Volkes! Zu welch einem Zustand der Hilflosigkeit wurde ich in jenem Land herabgewürdigt! Von solchen Schändlichkeiten noch nicht befriedigt, schlugen meine Verfolger mir das Haupt ab und trugen es hoch von Land zu Land, stellten es den gaffenden Blicken der ungläubigen Menge zur Schau und legten es auf den Sitzen der Verderbten und Ungetreuen nieder. In einem späteren Zeitalter wurde ich erhängt; meine Brust wurde zur Zielscheibe für die Pfeile der heimtückischen Grausamkeit meiner Feinde gemacht. Meine Glieder wurden von Kugeln durchlöchert und mein Körper ward auseinandergerissen. Sieh endlich, wie sich an diesem Tage meine verräterischen Feinde gegen mich verbündet haben und unentwegt darauf sinnen, das Gift des Hasses und der Bosheit in die Seelen Deiner Diener zu träufeln. Mit aller Macht schmieden sie Ränke, um ihre Absicht auszuführen … So bitter auch meine Lage sein mag, o Gott, mein Vielgeliebter, ich zolle Dir Dank, und mein Geist ist für alles dankbar, was mir auf dem Pfade Deines Wohlgefallens begegnet. Ich bin zufrieden mit dem, was Du für mich verordnet hast, und begrüße die Schmerzen und Leiden, die ich erfahren muss – wie betrübend sie auch seien.«Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 39:1 – Anm. d. Hrsg.
QDer Báb6:53Innig geliebte Freunde! Dass der Báb, der Stifter der Bábí-Sendung, voll berechtigt ist, die Stufe einer der sich selbst genügenden Manifestationen Gottes einzunehmen, dass Ihm höchste Macht und Autorität verliehen worden ist und Er alle Rechte und Vorrechte des unabhängigen Propheten ausübt, ist eine weitere grundlegende Wahrheit, die die Botschaft Bahá’u’lláhs eindringlich verkündet, und an der ihre Anhänger unnachgiebig festhalten müssen. Dass Er nicht lediglich als inspirierter Vorläufer der Bahá’í-Offenbarung anzusehen ist, dass in Seiner Person, wie Er selbst im Persischen Bayán bezeugt, die Absicht aller Ihm vorangegangenen Propheten erfüllt wurde, ist eine Wahrheit, die zu beweisen und zu betonen ich mich verpflichtet fühle. Wir würden sicherlich unsere Pflicht gegenüber dem von uns bekannten Glauben versäumen und einen seiner grundlegenden und heiligen Lehrsätze verletzen, wollten wir in unseren Worten oder Taten zögern, die Folgerungen aus diesem Grundsatz des Bahá’í-Glaubens zu erkennen, oder ablehnen, rückhaltlos dessen Unantastbarkeit zu wahren und seine Wahrheit zu bekunden. Tatsächlich ist der Hauptbeweggrund, der mich trieb, die Arbeit der Herausgabe und Übersetzung von Nabíls unsterblichem Bericht auf mich zu nehmen, der gewesen, jedem Anhänger des Glaubens im Westen zu ermöglichen, die gewaltigen Folgerungen aus Seiner erhabenen Stufe besser zu verstehen, leichter zu erfassen und Ihn darum noch heißer zu bewundern und zu lieben.6:54Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der Anspruch auf die vom Allmächtigen für den Báb bestimmte doppelte Stufe – ein Anspruch, für den Er selbst so mutig eingetreten ist, den Bahá’u’lláh wiederholt bekräftigt und zuletzt das Zeugnis von ‘Abdu’l-Bahás Willen und Testament bestätigt hat – das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Bahá’í-Sendung darstellt. Er ist ein weiteres Zeichen ihrer Einzigartigkeit, eine gewaltige Erhöhung der Kraft, der geheimnisvollen Macht und Autorität, mit der dieser heilige Zyklus ausgestattet wurde. Tatsächlich besteht die Größe des Báb nicht zuerst darin, dass Er der gottberufene Vorläufer einer so erhabenen Offenbarung ist, sondern vielmehr darin, dass Er mit Kräften ausgerüstet war, wie sie dem Stifter einer eigenen religiösen Sendung innewohnen, und dass Er bis zu einem von keinem der vorangegangenen Sendboten erreichten Grade das Zepter unabhängiger Prophetenschaft geführt hat.6:55Die kurze Dauer Seiner Sendung, der enge Rahmen, in dem zu wirken Seinen Gesetzen und Verordnungen bestimmt war, bieten keinen Maßstab irgendwelcher Art, um ihren göttlichen Ursprung abzuschätzen und die Stärke ihrer Botschaft zu bewerten. »Dass eine so kurze Zeitspanne«
, so erklärt Bahá’u’lláh selbst, »diese machtvolle, wunderbare Offenbarung von Meiner Mir vorausgegangenen Manifestation getrennt hat, ist ein Geheimnis, das kein Mensch enträtseln, und ein Mysterium, das kein Geist ergründen kann. Ihre Zeitdauer war vorherbestimmt, und kein Mensch wird je den Grund dafür entdecken, es sei denn, dass er über den Inhalt Meines Verborgenen Buches unterrichtet werde.«
»Sehet hin«
, erklärt Bahá’u’lláh desweiteren im Kitáb-i-Badí‘, einem Seiner Werke, das die Schlussfolgerungen des Volkes des Bayán zurückweist, »sehet hin, wie unmittelbar nach Ablauf des neunten Jahres dieser wunderbaren, heiligsten und gnadenreichen Sendung die erforderliche Zahl der reinen, sich völlig hingebenden und geheiligten Seelen ganz im Verborgenen vollendet wurde.«
6:56Die wundersamen Begebenheiten, die das Kommen des Stifters der Bábí-Sendung ankündigten, die dramatischen Umstände Seines eigenen ereignisreichen Lebens, die übernatürliche Tragödie Seines Märtyrertums, der Zauber des Einflusses, den Er auf die hervorragendsten und mächtigsten Seiner Landsleute ausübte – alles in jedem Kapitel der ergreifenden Aufzeichnungen Nabíls bezeugt dies –, sollte als ausreichender Beweis für die Gültigkeit Seines Anspruchs auf eine so erhabene Stufe unter den Propheten gelten.6:57Wie anschaulich aber auch immer der Bericht sein mag, den der hervorragende Verfasser der Geschichte Seines Lebens der Nachwelt überliefert hat, muss doch selbst eine so klare Schilderung matt erscheinen gegen die glühende Anerkennung, die die Feder Bahá’u’lláhs dem Báb gezollt hat. Diese Anerkennung wurde vollauf vom Báb durch die klare Verfechtung Seines Anspruchs unterstützt, und die schriftlichen Bezeugungen ‘Abdu’l-Bahás haben deren Eigenart nachdrücklich bekräftigt und ihre Bedeutung klargelegt.6:58Wo sonst als im Kitáb-i-Íqán könnten wir bei Beschäftigung mit der Bábí-Sendung nach jenen Bestätigungen forschen, die unverkennbar die Macht und den Geist bezeugen, die kein Mensch zu offenbaren vermag, er sei denn selbst eine Manifestation Gottes? »Könnte so etwas zutage treten ohne die Kraft einer göttlichen Offenbarung und ohne das Walten von Gottes unbesiegbarem Willen? Bei der Gerechtigkeit Gottes! Würde jemand eine so große Offenbarung in seinem Herzen hegen, so würde allein der Gedanke daran ihn alsbald vernichten! Würden sich die Herzen aller Menschen in seinem Herzen vereinen, so würde er dennoch zögern, ein so erhabenes Unterfangen zu wagen.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 257 – Anm. d. Hrsg.
Q »Kein Auge«
, bestätigt Er an anderer Stelle, »hat jemals eine so große Ausgießung von Mildtätigkeit geschaut und nie ein Ohr eine solche Offenbarung der Güte vernommen … Die Propheten, die ›mit Beständigkeit begabt‹Qur’án 46:35 – Anm. d. Hrsg.
Q sind, deren Erhabenheit und Herrlichkeit klar wie die Sonne leuchten, wurden alle mit einem Buch ausgezeichnet, das alle gesehen haben und dessen Verse regelrecht festgesetzt sind. Die Verse aber, die aus dieser Wolke göttlicher Gnade geströmt sind, waren so überreichlich, dass noch niemand imstande war, ihre Zahl zu schätzen … Wie könnte man diese Offenbarung schmälern? Ist je ein Zeitalter Zeuge derart bedeutsamer Ereignisse gewesen?«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 240, 240, 251 – Anm. d. Hrsg.
Q 6:59Über den Charakter und den Einfluss jener Helden und Märtyrer, die der Geist des Báb so magisch verwandelt hat, offenbart Bahá’u’lláh die folgenden Worte: »Wenn diese Gefährten nicht die wahren Sucher nach Gott waren, wer sonst könnte mit diesem Namen benannt werden? … Wenn diese Gefährten in all ihrer wundervollen Zeugenschaft, mit all ihren wunderbaren Werken falsch wären, wer wäre es dann wohl wert, die Wahrheit für sich zu beanspruchen? … Hat die Welt seit Adams Tagen je solchen Aufruhr, solch heftige Erregung gesehen? … Mich dünkt, Geduld ward nur durch ihre Seelenstärke offenbart und Glaubenstreue nur durch ihre Taten bezeugt.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 251, 251, 264, 264 – Anm. d. Hrsg.
Q6:60In dem Wunsche, die Erhabenheit der hohen Stufe des Báb im Vergleich zu jener der früheren Propheten zu betonen, erklärt Bahá’u’lláh in dieser selben Epistel: »Kein Verstand kann die Natur Seiner Offenbarung begreifen, noch kann irgendeine Erkenntnis das volle Maß Seines Glaubens fassen.«
Dann führt Er zur Bekräftigung Seiner These diese prophetischen Worte an: »›Wissen ist siebenundzwanzig Buchstaben. Alle Propheten haben zwei Buchstaben davon offenbart. Kein Mensch hat bis heute mehr als diese zwei Buchstaben gekannt. Wenn aber der Qá’im sich erheben wird, dann wird Er die übrigen fünfundzwanzig Buchstaben offenbar machen.‹Imám Ṣádiq, Ḥadíth recorded in: Biḥáru’l-Anvár, ‘Aválim, Yanbú‘ – Anm. d. Hrsg.
Q«
Q »Bedenke«
, fügt Er hinzu, »wie groß und erhaben Seine Stufe ist. Sein Rang übertrifft den aller Propheten, und Seine Offenbarung geht über das Erkennen und Begreifen aller ihrer Auserwählten.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 272 – Anm. d. Hrsg.
Q »Von Seiner Offenbarung«
, so ergänzt Er weiter, »sind die Propheten Gottes, Seine Heiligen und Auserwählten entweder nicht unterrichtet worden, oder sie haben dies nach Gottes unerforschlichem Ratschluss nicht enthüllt.«vgl. Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 272 – Anm. d. Hrsg.
Q6:61Von allen Huldigungen, die Bahá’u’lláhs unfehlbare Feder dem Báb, Seinem »Meistgeliebten«
, zum Gedächtnis entgegenzubringen beliebte, ist die denkwürdigste und erschütterndste dieser kurze, doch beredte Abschnitt, der die letzten Absätze jener selben Epistel so außerordentlich bereichert: »Mitten in all dem«
, schreibt Er mit Bezug auf die schmerzlichen Prüfungen und Gefahren, die Ihn in der Stadt Baghdád bedrängten, »stehen Wir, dem Leben entsagend und Seinem Willen völlig ergeben. Möge durch Gottes Güte dieser offenbarte und kundgemachte BuchstabeBahá’u’lláh.A Sein Leben als Opfer auf dem Pfade des Ersten Punktes, des erhabensten Wortesdes Báb.A, darbringen. Bei Ihm, auf dessen Geheiß der Geist gesprochen hat – wäre es nicht aus dieser Sehnsucht Unserer Seele, wir hätten keinen Augenblick länger in dieser Stadt verweilt.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 279 – Anm. d. Hrsg.
Q6:62Geliebte Freunde! Ein so weithallendes Lob, eine so unanfechtbare Bekräftigung aus der Feder Bahá’u’lláhs in einem so gewichtigen Werke findet ein volles Echo in der Sprache, die der Urquell der Bábí-Offenbarung zum Ausdruck der von Ihm erhobenen Ansprüche gewählt hat. »Ich bin der mystische Tempel«
, so gibt der Báb Seine Stufe im Qayyúmu’l-Asmá’ bekannt, »den die Hand der Allmacht baute. Ich bin die Lampe, die Gottes Finger in ihrer Nische entzündet hat und mit unsterblichem Glanze leuchten ließ. Ich bin die Flamme jenes himmlischen Lichtes, das über dem Sinai an der Stätte der Freude aufgeleuchtet und im Brennenden Busch verborgen war.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 94, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:57:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »O Qurratu’l-‘Ayn!«
, so ruft Er in jener gleichen Auslegung sich selbst zu, »Ich erkenne in Dir keinen anderen als ›die Große Verkündigung‹ – die Verkündigung, die die himmlischen Heerscharen verkünden. Ich bezeuge, dass Dich an diesem Namen jene, die den Thron des erhabenen Glanzes umkreisen, seit je erkannten.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 88, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:54:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »Mit jedem der Propheten, die Wir in vergangenen Zeiten herniedersandten«
, sagt Er weiter, »haben Wir einen besonderen Bund geschlossen bezüglich der ›Erwähnung Gottes‹ und Seines Tages. Im Reiche des Glanzes und durch die Macht der Wahrheit kundgetan, steht die ›Erwähnung Gottes‹ und Sein Tag im Angesicht der Engel, die Seinen Gnadenstuhl umgeben.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 91, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:44:2 – Anm. d. Hrsg.
Q »Wenn Wir es wünschten«
, versichert Er noch einmal, »so wäre Uns gegeben, durch die Wirkung auch nur eines Buchstabens Unserer Offenbarung die Welt und alles, was darinnen ist, zu zwingen, in weniger als einem Augenblick die Wahrheit Unserer Sache anzuerkennen.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 87, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:43:1 – Anm. d. Hrsg.
Q6:63»Ich bin der Erste Punkt«
, so wendet sich der Báb von der Festung Máh-Kú aus an Muḥammad Sháh, »daraus alles Erschaffene gezeugt ward … Ich bin das Antlitz Gottes, dessen Glanz sich nie verdunkeln lässt, das Leuchten von Gottes Licht, das nie verblassen kann … Gott hat beliebt, Mir alle Schlüssel des Himmels in die rechte Hand zu legen und alle Schlüssel der Hölle in Meine Linke … Ich bin ein Tragpfeiler des Ersten Wortes Gottes. Wer immer Mich anerkennt, hat alles erkannt, was wahr und recht ist, und hat alles erreicht, was gut und ziemlich ist … Der Stoff, daraus Gott Mich geschaffen hat, ist nicht der Staub, daraus andere wurden. Er gab Mir, was die Weltweisen nie erfassen noch die Getreuen je enthüllen können.«Báb, Brief an Muḥammad Sháh, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 1:4:4, 1:4:4, 1:4:3, 1:4:1, 1:4:1 – Anm. d. Hrsg.
Q »Sollte«
, so bekräftigt der Báb in dem Wunsche, die in Seiner Sendung verborgenen grenzenlosen Fähigkeiten zu betonen, »eine winzige Ameise an diesem Tag begehren, mit der Macht begabt zu sein, die schwierigsten und verwirrendsten Stellen des Qur’án zu enträtseln, so würde zweifellos ihr Wunsch erfüllt werden, da ja das Mysterium ewiger Macht im innersten Wesen aller erschaffenen Dinge schwingt.«
»Wenn ein so hilfloses Geschöpf«
, so lautet ‘Abdu’l-Bahás Erklärung zu dieser überraschenden Versicherung, »mit einer so hohen Möglichkeit begabt werden kann, um wie viel wirksamer muss dann die Kraft sein, die durch die freigebigen Ausgießungen der Gnade Bahá’u’lláhs frei ward!«
6:64Diesen gebieterischen Aussagen und feierlichen Erklärungen Bahá’u’lláhs und des Báb muss ‘Abdu’l-Bahás eigenes unabänderliches Zeugnis beigefügt werden. Er, der berufene Erklärer der Worte Bahá’u’lláhs und des Báb, bekräftigt, nicht etwa nur mittelbar, sondern in klarer und entschiedener Sprache sowohl in Seinen Schriften als auch in Seinem Testament die Wahrheit der Darlegungen, auf die ich mich bereits bezogen habe.6:65In einem Sendschreiben an einen Bahá’í in Mázindarán, in dem Er den Sinn einer Ihm zugeschriebenen, falsch gedeuteten Erklärung über den Aufgang der Sonne der Wahrheit in diesem Jahrhundert klarlegt, entwickelt Er kurz und bündig, was für alle Zeiten unser wahrer Begriff für die Beziehungen zwischen den beiden mit der Bahá’í-Sendung verbundenen Manifestationen bleiben sollte. »Mit einer solchen Darlegung«
, so erklärt Er, »hatte Ich niemand anderen als den Báb und Bahá’u’lláh gemeint. Meine Absicht war, die Wesensart ihrer Offenbarungen zu erläutern. Die Offenbarung des Báb kann mit der Sonne bei ihrem Stand im ersten Tierkreiszeichen, dem Widder, verglichen werden, in das sie mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche eintritt. Die Stufe der Offenbarung Bahá’u’lláhs aber wird vom Zeichen des Löwen dargestellt, der höchsten Stellung der Sonne im Hochsommer. Das heißt, diese heilige Sendung leuchtet hell mit dem Licht der Sonne der Wahrheit von ihrem erhabensten Stand in der Fülle ihres Glanzes, ihrer Wärme und Herrlichkeit.«
6:66»Der Báb, der Erhabene«
, bestätigt ‘Abdu’l-Bahá ausführlicher in einem anderen Seiner Sendschreiben, »ist der Morgen der Wahrheit, dessen Strahlenglanz durch alle Himmel leuchtet. Er ist ebenso der Vorbote des Größten Lichtes, des Tagesgestirns Abhá. Die Gesegnete Schönheit ist der Verheißene der heiligen Bücher der Vergangenheit, die Offenbarung des Lichtquells, der auf dem Berge Sinai schien, dessen Feuer im Brennenden Busche glühte. Wir sind, einer wie alle, Diener an ihrer Schwelle und stehen jeder als geringer Wächter an ihrer Türe.«
»Jedweder Beweis und jede Prophezeiung«
, so lautet Seine noch nachdrücklichere Ermahnung, »jede Art von Zeugnis, das sich auf die Vernunft oder die Texte der heiligen Schriften und Überlieferungen stützt, ist als in den Personen Bahá’u’lláhs und des Báb verankert anzusehen. In ihnen erfahren sie ihre vollkommene Erfüllung.«
6:67Und schließlich setzt Er in Seinem Willen und Testament, das Seine letzten Wünsche und Abschiedslehren verwahrt, in folgendem, eigens die Leitgrundsätze des Bahá’í-Glaubens darzutun bestimmten Absatz das Siegel Seines Zeugnisses auf die zweifache und erhabene Stufe des Báb: »Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahás – möge mein Leben ihm zum Opfer dienen – ist diese: Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Urewigen SchönheitBahá’u’lláh.A. Seine Heiligkeit die Schönheit AbháBahá’u’lláh.A – möge mein Leben als Opfer für Seine standhaften Freunde dargeboten sein – ist Gottes erhabenste Manifestation und der Tagesanbruch Seines göttlichsten Wesens.«
»Alle anderen«
, setzt Er bedeutungsvoll hinzu, »sind Seine Diener und folgen Seinem Gebot.«‘Abdu’l-Bahá, Wille und Testament 37 – Anm. d. Hrsg.
Q‘Abdu’l-Bahá6:68Innig geliebte Freunde! Ich habe auf den vorangegangenen Seiten versucht, eine Darlegung jener Wahrheiten zu geben, die, wie ich fest glaube, im Anspruch Dessen verankert liegen, der der Urquell der Bahá’í-Offenbarung ist. Ich habe mich ferner bemüht, Missverständnisse aufzuklären, die naturgemäß in der Meinung eines jeden auftauchen mögen, der über eine so übermenschliche Offenbarung der Herrlichkeit Gottes nachdenkt. Es war mein Bestreben, die Bedeutung der Göttlichkeit zu erklären, mit der der Träger einer so geheimnisvollen Kraft notwendigerweise ausgestattet sein muss. Dass die Botschaft, mit deren Übermittlung an die Menschheit ein so erhabenes Wesen in diesem Zeitalter von Gott beauftragt wurde, den göttlichen Ursprung und die Grundprinzipien einer jeden durch die Propheten der Vergangenheit eingeleiteten Sendung anerkennt und aufrechterhält, dass sie mit jeder einzelnen von ihnen aufs innigste verbunden ist, das habe ich ebenfalls nach besten Kräften zu erklären versucht. Dass der Urheber eines solchen Glaubens den Anspruch auf Endgültigkeit, wie ihn Führer der verschiedensten Bekenntnisse erheben, ablehnt und trotz der ungeheuren Größe Seiner Offenbarung für Sich selbst verwirft, auch dies habe ich zu beweisen und zu betonen für notwendig erachtet. Zu erläutern, dass der Báb, der Dauer Seiner Sendung ungeachtet, nicht zuerst als der erkorene Vorläufer des Bahá’í-Glaubens, sondern als Einer angesehen werden sollte, dem jene ungeteilte Autorität verliehen ist, wie sie sämtliche unabhängigen Propheten der Vergangenheit beansprucht haben, dünkte mich ein weiteres Grundprinzip, das zu erläutern im augenblicklichen Zustand der Entwicklung unserer Sache außerordentlich wünschenswert erscheint.6:69Wir sollten nun, wie ich deutlich fühle, den Versuch machen, unsere Auffassung der von ‘Abdu’l-Bahá eingenommenen Stufe und der Bedeutung Seiner Stellung in dieser heiligen Sendung klarzustellen. Es ist in der Tat für uns, die wir zeitlich einer so ungeheuer großen Gestalt so nahe stehen und von der geheimnisvollen Kraft einer so anziehenden Persönlichkeit gefesselt werden, schwer, einen klaren, genauen Begriff von der Rolle und dem Charakter Dessen zu erhalten, der nicht nur in der Sendung Bahá’u’lláhs, sondern auch auf dem gesamten Gebiet der Religionsgeschichte ein einzig dastehendes Amt hat. Obgleich Er sich in Seiner eigenen Sphäre bewegt und eine Stufe einnimmt, die völlig verschieden von denjenigen des Urhebers und des Vorläufers der Bahá’í-Offenbarung ist, bildet Er doch kraft der Stellung, die Ihm durch den Bund Bahá’u’lláhs zuteil ward, mit jenen zusammen das, was wir als die drei Zentralgestalten eines Glaubens bezeichnen können, der in der Geistesgeschichte der Welt einzig ist. Vereint mit ihnen thront Er über den Geschicken dieses jungen Gottesglaubens in einer Höhe, die kein einzelner und keine nach Ihm seinem Wohl verpflichtete Körperschaft jemals während einer Zeitdauer von mindestens einem vollen Jahrtausend zu erreichen hoffen können. Seinen erhabenen Rang dadurch zu verkleinern, dass man Seine Stufe gleich oder doch nahezu gleich der Stellung derer achtet, auf die der Mantel Seiner Autorität gefallen ist, wäre ein Akt mangelnder Ehrfurcht und ebenso schwerwiegend wie der nicht weniger ketzerische Glaube, der Ihn auf die Stufe absoluter Gleichheit entweder mit der Hauptgestalt oder dem Vorläufer unseres Glaubens stellen möchte. So groß auch der Abstand ist, der ‘Abdu’l-Bahá von Dem trennt, der die Quelle einer unabhängigen Offenbarung bildet, so ist er doch niemals mit dem noch größeren Abstand zu vergleichen, der zwischen Ihm, dem Mittelpunkt des Bundes, und Seinen zur Weiterführung Seines Werkes berufenen Dienern liegt, wie immer sie auch heißen und welcher Art ihr Rang, ihr Aufgabenbereich oder ihre künftigen Taten seien. Mögen jene, die ‘Abdu’l-Bahá gekannt haben und durch die Berührung mit Seiner anziehenden Persönlichkeit dazu gekommen sind, glühende Bewunderung für Ihn zu hegen, im Lichte dieser Darlegung über die Größe Dessen nachdenken, dessen Stufe so hoch über der Seinen ist.6:70Dass ‘Abdu’l-Bahá keine Manifestation Gottes ist, dass Er, obgleich der Nachfolger Seines Vaters, dennoch nicht die gleiche Stufe einnimmt, dass niemand außer dem Báb und Bahá’u’lláh vor Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine solche Stufe erheben kann, ist eine Wahrheit, die den diesbezüglichen Aussprüchen beider, sowohl des Stifters unseres Glaubens als auch des Erläuterers Seiner Lehren, zugrunde liegt.6:71»Wer vor dem Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine unmittelbare Offenbarung Gottes erhebt«
, so lautet die im Kitáb-i-Aqdas geäußerte ausdrückliche Warnung, »der ist fürwahr ein lügnerischer Betrüger. Wir bitten Gott, dass Er ihm gnädig beistehe, damit er einen solchen Anspruch widerrufe und verwerfe. Sofern er bereut, wird Gott ihm ohne Zweifel vergeben. Wenn er jedoch in seinem Irrtum beharrt, wird Gott gewisslich jemanden herabsenden, der unbarmherzig mit ihm verfährt, denn furchtbar, in der Tat, ist Gott in Seiner Strafe!«
»Wer immer diesen Vers«
, so fügt Er um des stärkeren Nachdrucks willen hinzu, »anders auslegt, als sein klarer Sinn ist, der beraubt sich des Geistes Gottes und Seiner alles Erschaffene umfassenden Gnade.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:37 – Anm. d. Hrsg.
Q »Sollte ein Mensch«
, so lautet eine andere entscheidende Erklärung, »bevor noch volle tausend Jahre vorbei sind, auftreten – jedes der Jahre zu zwölf Monaten nach dem Qur’án und zu neunzehn Monaten zu neunzehn Tagen nach dem Bayán gerechnet – und sollte gleich ein solcher Mensch vor euren Augen alle Zeichen Gottes offenbaren, so sollt ihr ihn doch ohne Zögern von euch weisen.«
6:72Die Erklärungen, die ‘Abdu’l-Bahá selbst in Übereinstimmung mit dieser Warnung abgibt, sind nicht weniger nachdrücklich und verpflichtend: »Dies ist«
, so sagt Er, »meine feste, unerschütterliche Überzeugung, das Wesen meines rückhaltlosen, ausdrücklichen Glaubens, eine Überzeugung und ein Glaube, den die Bewohner des Abhá-Königreichs vollkommen teilen: Die Gesegnete SchönheitBahá’u’lláh – Anm. d. Hrsg.A ist die Sonne der Wahrheit, und Ihr Licht ist das Licht der Wahrheit. Der Báb ist gleicherweise die Sonne der Wahrheit, und Sein Licht ist das Licht der Wahrheit … Meine Stufe ist die Stufe des Dienstes, eines Dienstes, der vollständig, rein und wirklich, sicher begründet, andauernd, deutlich, ausdrücklich offenbart und keiner irgendwie gearteten Deutung unterworfen ist … Ich bin der Ausleger des Wortes Gottes; dies ist meine Auslegung.«
6:73Entreißt nicht ‘Abdu’l-Bahá in Seinem eigenen Willen – mit einem Ton und einer Sprache, die auch die hartnäckigsten Verletzer des Bundes Seines Vaters wohl verwirren können – denjenigen Personen ihre stärkste Waffe, die so lange und mit solcher Beharrlichkeit getrachtet hatten, Ihn durch die Behauptung zu belasten, dass Er stillschweigend Anspruch auf eine ebenso hohe, wenn nicht höhere Stufe als diejenige Bahá’u’lláhs erhöbe? »Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahás«
, so lautet einer der gewichtigsten Abschnitte jener letzten Urkunde, die hinterlassen wurde, um für alle Zeiten die Weisungen und Wünsche eines dahingegangenen Meisters zu verkünden, »ist diese: Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Urewigen Schönheit. Seine Heiligkeit die Schönheit AbháBahá’u’lláh.A – möge mein Leben ein Opfer für Seine standhaften Freunde sein – ist die erhabenste Manifestation Gottes und der Tagesanbruch Seines göttlichsten Wesens. Alle anderen sind Seine Diener und folgen Seinem Gebot.«‘Abdu’l-Bahá, Wille und Testament 37 – Anm. d. Hrsg.
Q6:74Aus solchen klaren, in aller Form niedergelegten Erklärungen, die mit irgendwelchen Behauptungen eines Anspruchs auf Prophetenschaft unvereinbar sind, sollte indessen keineswegs gefolgert werden, dass ‘Abdu’l-Bahá nur einer der Diener der Gesegneten Schönheit oder im besten Falle jemand ist, dessen Aufgabe sich auf die Tätigkeit eines bevollmächtigten Auslegers der Lehren Seines Vaters beschränkt. Es sei mir ferne, derartige Ansichten zu hegen oder anderen solche Empfindungen einflößen zu wollen. Ihn in einem solchen Lichte zu betrachten, ist offenkundiger Verrat an dem unschätzbaren Erbe, das Bahá’u’lláh der Menschheit hinterlassen hat. Unermesslich erhaben ist die Ihm durch die Erhabene Feder verliehene Stufe über die aus diesen Seinen eigenen schriftlichen Erklärungen sich ergebenden Folgerungen. Sei es im Kitáb-i-Aqdas, dem bedeutungsvollsten und heiligsten aller Werke Bahá’u’lláhs, im Kitáb-i-‘Ahd, dem Buche Seines Bundes, oder in der Súriy-i-Ghuṣn [Tafel vom Ast], überall statten diese durch die Feder Bahá’u’lláhs niedergeschriebenen Hinweise – Hinweise, die durch die von Seinem Vater an Ihn gerichteten Sendschreiben noch gewaltig unterstrichen werden – ‘Abdu’l-Bahá mit einer Macht aus und umgeben sie Ihn mit einem Glanze, wie sie das heutige Geschlecht nie hinreichend wird würdigen können.6:75Er ist zuerst und vor allem der Mittelpunkt und die Achse des unvergleichlichen und allumfassenden Bundes Bahá’u’lláhs und sollte für immer so betrachtet werden, als Seine erhabenste Schöpfung, der fleckenlose Spiegel Seines Lichtes, das vollkommene Beispiel Seiner Lehren, der niemals irrende Ausleger Seines Wortes, der Ausdruck eines jeglichen Bahá’í-Ideals, die Verkörperung jeder Bahá’í-Tugend, der Mächtigste Ast, der aus der Urewigen Wurzel hervorging, der Arm des göttlichen Gesetzes, das Wesen, »um das sich alle Namen bewegen«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Arḍ-i-Bá, in: Botschaften aus ‘Akká 16:1 – Anm. d. Hrsg.
Q, die Triebkraft der Vereinigung der Menschheit, das Banner des Größten Friedens, der Mond des Zentralgestirns dieser heiligsten Sendung. Dies alles sind Benennungen und Ehrennamen, die sich aus Seiner Stufe ergeben und ihren getreuesten, höchsten, edelsten Ausdruck in dem Zaubernamen ‘Abdu’l-Bahá finden. Er ist, jenseits von allen diesen Benennungen, »das Geheimnis Gottes«
– ein Ausdruck, den Bahá’u’lláh selbst gewählt hat, um Ihn zu bezeichnen, und der, ohne uns irgendwie zur Zuerkennung der Stufe der Prophetenschaft zu berechtigen, andeutet, wie in der Gestalt ‘Abdu’l-Bahás die auseinanderlaufenden Kennzeichen menschlicher Natur und übermenschlicher Erkenntnis und Vollkommenheit verschmolzen und in völlige Übereinstimmung gebracht sind.6:76»Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist«
, verkündet das Kitáb-i-Aqdas, »wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel entsprungen ist.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.
Q Und weiter: »Wenn sich die Mystische Taube aus ihrem Tempel des Lobpreises emporgeschwungen und ihr fernes Ziel, ihre verborgene Behausung, erreicht hat, wendet euch in allem, was ihr im Buche nicht versteht, an Ihn, der aus diesem mächtigen Stamm hervorging.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:174 – Anm. d. Hrsg.
Q6:77Auch im Kitáb-i-‘Ahd erklärt Bahá’u’lláh feierlich und ausdrücklich: »Es ist den Aghṣán, den Afnán und Meiner Verwandtschaft zur Pflicht gemacht, dass sie allesamt ihr Antlitz dem Mächtigsten Ast zuwenden. Beachtet, was Wir in Unserem Heiligsten Buche offenbart haben: ›Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist, so wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel kam.‹Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.
Q Der Gegenstand dieses heiligen Verses ist kein anderer als der Mächtigste Ast‘Abdu’l-Bahá.A. So haben Wir euch gnädig Unseren machtvollen Willen offenbart, und wahrlich, Ich bin der Gnadenvolle, der Allmächtige.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-‘Ahd, in: Botschaften aus ‘Akká 15:9 – Anm. d. Hrsg.
Q6:78In der Súriy-i-Ghuṣn sind folgende Verse aufgezeichnet:» Vom Sadratu’l-Muntahá ist dieses heilige und erhabene Wesen, dieser Zweig der Heiligkeit, entsprossen. Wohl dem, der bei Ihm Zuflucht sucht und unter Seinem Schatten weilt. Wahrlich, der Ast des Gesetzes Gottes ist von dieser Wurzel ausgegangen, die Gott fest in den Boden Seines Willens pflanzte und deren Ast in einem Maß erhoben wurde, dass er die ganze Schöpfung überschattet. Gepriesen sei Er für dieses erhabene, dieses segensreiche, mächtige und herrliche Werk! … Ein Wort ist aus der Größten Tafel als Zeichen Unserer Gnade hervorgegangen, ein Wort, das Gott mit dem Schmucke Seines eigenen Wesens zierte und zum Herren über die Erde und alles, was auf ihr ist, und zu einem Zeichen Seiner Größe und Macht unter ihren Bewohnern setzte … Danke Gott, o Volk, dass Er erschienen ist, denn wahrlich, Er ist für euch die größte Gnade, die vollkommenste Güte, und durch Ihn wird jedes modernde Gebein lebendig. Wer Ihm sich zuwendet, hat sich Gott zugewandt, und wer sich von Ihm abkehrt, hat sich von Meiner Schönheit abgekehrt, hat Meinen Beweis verworfen und sich gegen Mich vergangen. Er ist der Vertraute Gottes unter euch, Sein Pfand in euch, Seine Offenbarung für euch und Seine Erscheinung unter Seinen begünstigten Dienern … Wir haben Ihn herabgesandt in der Gestalt eines menschlichen Tempels. Gesegnet und geheiligt sei Gott, der durch Seinen unumstößlichen, unfehlbaren Ratschluss werden lässt, was immer Er wünscht. Wer nicht im Schatten des Astes bleibt, der ist verloren in der Wüste des Irrtums. Die Glut der weltlichen Wünsche zehrt ihn auf, und er gehört zu denen, die sicherlich untergehen.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Ghuṣn, in Days of Remembrance 29:4, 29:5, 29:6, 29:8 – Anm. d. Hrsg.
Q6:79»O Du, der Du Mein Augapfel bist!«
, schreibt Bahá’u’lláh mit eigener Hand an ‘Abdu’l-Bahá, »Meine Herrlichkeit, das Weltmeer Meiner Güte, die Sonne Meiner Freigebigkeit, der Himmel Meiner Barmherzigkeit seien mit Dir! Wir bitten Gott, Er möge die Welt erleuchten mit Deinem Wissen und Deiner Weisheit und für Dich verordnen, was Dein Herz erfreue und Dein Auge tröste.«
»Gottes Herrlichkeit sei auf Dir«
, schreibt Er in einem anderen Sendschreiben, »sowie auf allen, die Dir dienen und um Dich sind. Weh, großes Weh begegne dem, der sich Dir widersetzt und Dich beleidigt. Wohl dem, der Dir die Treue zuschwört! Das Feuer der Hölle aber möge jene peinigen, die Dir feind sind.«
»Wir machten Dich zu einer Zuflucht für die ganze Menschheit«
, bezeugt Er in einem weiteren Sendschreiben, »zu einem Schild für alle, die im Himmel und auf Erden sind, zu einer Feste für alle, die an Gott, den Unvergleichlichen, den Allwissenden, glauben. Gott gebe Dir, dass Er durch Dich sie schütze, sie reich mache und erhalte und dass Er Dich mit dem erfülle, was zu einer Quelle für den Wohlstand aller erschaffenen Dinge, zu einem Meer der Freigebigkeit für alle Menschen und zum Tagesanbruch des Erbarmens über alle Völker werde.«
6:80»Du weißt, o Mein Gott«
, fleht Bahá’u’lláh in einem zu Ehren ‘Abdu’l-Bahás offenbarten Gebete, »dass Ich für Ihn nichts anderes wünsche, als was Du selbst wünschest, und Ihn zu keinem anderen Zweck bestimmte als zu dem, den Du für Ihn bestimmt hast. Verhilf Ihm darum zum Sieg durch Deine Heerscharen des Himmels und der Erde … Verordne – Ich bitte Dich bei der Inbrunst Meiner Liebe zu Dir und bei Meiner Sehnsucht, Deine Sache zu offenbaren – verordne für Ihn und die, die Ihn lieben, was Du für Deine Botschafter und die Treuhänder Deiner Offenbarung angeordnet. Wahrlich, Du bist der Allmächtige, der Allgewaltige.«
6:81In einem von Bahá’u’lláh diktierten und durch Seinen Schreiber Mírzá Áqá Ján mit Anschrift versehenen Schreiben an ‘Abdu’l-Bahá, der zu der Zeit auf Besuch in Beirut weilte, lesen wir: »Gepriesen sei Er, der das Land BáBeirut.A mit der Anwesenheit Dessen ehrte, den alle Namen umkreisen. Sämtliche Atome der Erde haben allem Erschaffenen kundgetan, dass von den Toren der Gefängnisstadt her der Stern der Schönheit des großen, des Mächtigsten Astes Gottes – Sein urewiges und unabwandelbares Geheimnis – aufgegangen ist und, über ihrem Horizonte leuchtend, nun in ein anderes Land zieht. Kummer hat diese Gefängnisstadt darum erfüllt, dieweil ein anderes Land jubelt. Gesegnet, zweifach gesegnet ist der Boden, den Seine Füße treten, das Auge, das von der Schönheit Seines Antlitzes entzückt ward, das Ohr, dem die Ehre widerfahren, Seinem Ruf zu lauschen, das Herz, das Seiner Liebe Süße kostet, die Brust, die im Gedenken an Ihn weit wird, die Feder, die Seinen Lobpreis kündet, das Pergament, das das Zeugnis Seiner Schrift trägt!«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Arḍ-i-Bá, in: Botschaften aus ‘Akká 16:1, 16:2 – Anm. d. Hrsg.
Q6:82Die Ihm von Bahá’u’lláh verliehene Autorität bestätigend, stellt ‘Abdu’l-Bahá fest: »Im Einklang mit dem ausdrücklichen Wortlaut des Kitáb-i-Aqdas hat Bahá’u’lláh zum Ausleger Seines Wortes den Mittelpunkt des Bundes gemacht – eines Bundes, so fest und so mächtig, wie ihn ähnlich keine religiöse Sendung seit Anbeginn der Zeit bis auf den heutigen Tag hervorgebracht hat.«
6:83Wie erhaben aber der Rang ‘Abdu’l-Bahás und wie überreich der Lobpreis immer sei, womit Bahá’u’lláh in diesen heiligen Büchern und Sendschreiben Seinen Sohn verherrlicht, so darf doch eine so beispiellose Auszeichnung nie in einem Sinn gedeutet werden, als verliehe sie ihrem Empfänger eine Stufe, die gleichbedeutend oder auch nur gleichwertig mit derjenigen Seines Vaters, der Manifestation selbst, ist. Irgendwelchen der angeführten Stellen eine derartige Auslegung zu geben, würde sie sofort aus einleuchtenden Gründen in Widerspruch mit den nicht weniger klaren und beglaubigten Versicherungen und Warnungen bringen, auf die ich bereits hinwies. In der Tat sind, wie ich schon weiter oben schrieb, diejenigen, die ‘Abdu’l-Bahás Stufe überschätzen, genauso tadelnswert, und sie haben ebenso viel Schaden angerichtet wie diejenigen, die sie unterschätzen. Und das aus keinem anderen Grunde, als dass sie durch ihr Beharren auf einer völlig ungerechtfertigten Folgerung aus Bahá’u’lláhs Schriften unbewusst dem Feind eine Rechtfertigung erteilen und ihm fortdauernd Stoff für seine falschen Beschuldigungen und irreführenden Darstellungen liefern.6:84Ich erachte es daher für nötig, eindeutig und ohne Zögern festzustellen, dass weder das Kitáb-i-Aqdas noch auch das Buch des Bundes Bahá’u’lláhs oder gar die Tafel vom Ast oder irgendein anderes Sendschreiben, ob es nun von Bahá’u’lláh oder ‘Abdu’l-Bahá offenbart sei, die geringste Begründung für die Auffassung enthält, die zur Aufrechterhaltung der sogenannten »mystischen Einheit« von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá oder zur Annahme einer Identität des letzteren mit Seinem Vater oder mit einer der vorangegangenen Manifestationen neigt. Diese so irrige Auffassung entspringt zu einem Teil wohl einer völlig abwegigen Auslegung gewisser Ausdrücke und Stellen in der Tafel vom Ast und der Einfügung gewisser Worte in dessen englische Übersetzung, die entweder nicht vorhanden, oder irreführend und doppelsinnig sind. Sie gründet zweifellos hauptsächlich auf einer völlig ungerechtfertigten Schlussfolgerung aus den Anfangsstellen einer Tafel Bahá’u’lláhs, die in Bahá’í Scriptures auszugsweise unmittelbar vor der genannten Tafel vom Ast gestellt ist, ohne jedoch dazuzugehören. Es sollte jedem Leser dieser Auszüge klargemacht werden, dass mit dem Ausdruck »die Zunge des Urewigen«
niemand anders als Gott gemeint, dass die Redewendung »der Größte Name«
ein klarer Hinweis auf Bahá’u’lláh und dass der angeführte »Bund«Bahá’u’lláh, Baha’i Scriptures 527, p. 255: »In Seinem Namen, der vom Horizont der Macht hervorstrahlt! Wahrlich, die Zunge des Urewigen verkündet an jene, die in der Welt sind, frohe Botschaft über das Erscheinen des Größten Namens und der Seinen Bund schließt unter den Völkern.« – Anm. d. Hrsg.
Q nicht der besondere Bund ist, dessen unmittelbarer Stifter Bahá’u’lláh und dessen Mittelpunkt ‘Abdu’l-Bahá war, sondern dass damit der allgemeine Bund gemeint ist, den, wie die Bahá’í-Lehre betont, Gott selbst unverbrüchlich mit der Menschheit schließt, sooft Er eine neue Sendung einleitet. »Die Zunge«
, die, wie es in jenen Auszügen heißt, die »frohe Botschaft spendet«
, ist nichts anderes als die Stimme Gottes, die sich auf Bahá’u’lláh bezieht, und nicht Bahá’u’lláh, der sich auf ‘Abdu’l-Bahá bezöge.6:85Zu behaupten, dass die Versicherung »Er ist Ich selbst«
– statt die mystische Einheit Gottes mit Seinen Manifestationen zu bezeichnen, wie dies im Kitáb-i-Íqán erklärt ist –, die Identität Bahá’u’lláhs mit ‘Abdu’l-Bahá begründe, würde geradezu eine Verletzung des oft wiederholten Grundsatzes der Einheit der Manifestationen Gottes bilden – eines Grundsatzes, den der Urheber eben jener Auszüge durch die sich daraus ergebende Folgerung betonen wollte.
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