Shoghi Effendi | Die Weltordnung Bahá’u’lláhs
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Die wundersamen Begebenheiten, die das Kommen des Stifters der Bábí-Sendung ankündigten, die dramatischen Umstände Seines eigenen ereignisreichen Lebens, die übernatürliche Tragödie Seines Märtyrertums, der Zauber des Einflusses, den Er auf die hervorragendsten und mächtigsten Seiner Landsleute ausübte – alles in jedem Kapitel der ergreifenden Aufzeichnungen Nabíls bezeugt dies –, sollte als ausreichender Beweis für die Gültigkeit Seines Anspruchs auf eine so erhabene Stufe unter den Propheten gelten.
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Wie anschaulich aber auch immer der Bericht sein mag, den der hervorragende Verfasser der Geschichte Seines Lebens der Nachwelt überliefert hat, muss doch selbst eine so klare Schilderung matt erscheinen gegen die glühende Anerkennung, die die Feder Bahá’u’lláhs dem Báb gezollt hat. Diese Anerkennung wurde vollauf vom Báb durch die klare Verfechtung Seines Anspruchs unterstützt, und die schriftlichen Bezeugungen ‘Abdu’l-Bahás haben deren Eigenart nachdrücklich bekräftigt und ihre Bedeutung klargelegt.
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Wo sonst als im Kitáb-i-Íqán könnten wir bei Beschäftigung mit der Bábí-Sendung nach jenen Bestätigungen forschen, die unverkennbar die Macht und den Geist bezeugen, die kein Mensch zu offenbaren vermag, er sei denn selbst eine Manifestation Gottes? »Könnte so etwas zutage treten ohne die Kraft einer göttlichen Offenbarung und ohne das Walten von Gottes unbesiegbarem Willen? Bei der Gerechtigkeit Gottes! Würde jemand eine so große Offenbarung in seinem Herzen hegen, so würde allein der Gedanke daran ihn alsbald vernichten! Würden sich die Herzen aller Menschen in seinem Herzen vereinen, so würde er dennoch zögern, ein so erhabenes Unterfangen zu wagen.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 257 – Anm. d. Hrsg.Q »Kein Auge«, bestätigt Er an anderer Stelle, »hat jemals eine so große Ausgießung von Mildtätigkeit geschaut und nie ein Ohr eine solche Offenbarung der Güte vernommen … Die Propheten, die ›mit Beständigkeit begabt‹Qur’án 46:35 – Anm. d. Hrsg.Q sind, deren Erhabenheit und Herrlichkeit klar wie die Sonne leuchten, wurden alle mit einem Buch ausgezeichnet, das alle gesehen haben und dessen Verse regelrecht festgesetzt sind. Die Verse aber, die aus dieser Wolke göttlicher Gnade geströmt sind, waren so überreichlich, dass noch niemand imstande war, ihre Zahl zu schätzen … Wie könnte man diese Offenbarung schmälern? Ist je ein Zeitalter Zeuge derart bedeutsamer Ereignisse gewesen?«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 240, 240, 251 – Anm. d. Hrsg.Q
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Über den Charakter und den Einfluss jener Helden und Märtyrer, die der Geist des Báb so magisch verwandelt hat, offenbart Bahá’u’lláh die folgenden Worte: »Wenn diese Gefährten nicht die wahren Sucher nach Gott waren, wer sonst könnte mit diesem Namen benannt werden? … Wenn diese Gefährten in all ihrer wundervollen Zeugenschaft, mit all ihren wunderbaren Werken falsch wären, wer wäre es dann wohl wert, die Wahrheit für sich zu beanspruchen? … Hat die Welt seit Adams Tagen je solchen Aufruhr, solch heftige Erregung gesehen? … Mich dünkt, Geduld ward nur durch ihre Seelenstärke offenbart und Glaubenstreue nur durch ihre Taten bezeugt.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 251, 251, 264, 264 – Anm. d. Hrsg.Q
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In dem Wunsche, die Erhabenheit der hohen Stufe des Báb im Vergleich zu jener der früheren Propheten zu betonen, erklärt Bahá’u’lláh in dieser selben Epistel: »Kein Verstand kann die Natur Seiner Offenbarung begreifen, noch kann irgendeine Erkenntnis das volle Maß Seines Glaubens fassen.« Dann führt Er zur Bekräftigung Seiner These diese prophetischen Worte an: »›Wissen ist siebenundzwanzig Buchstaben. Alle Propheten haben zwei Buchstaben davon offenbart. Kein Mensch hat bis heute mehr als diese zwei Buchstaben gekannt. Wenn aber der Qá’im sich erheben wird, dann wird Er die übrigen fünfundzwanzig Buchstaben offenbar machen.‹Imám Ṣádiq, Ḥadíth recorded in: Biḥáru’l-Anvár, ‘Aválim, Yanbú‘ – Anm. d. Hrsg.Q«Q »Bedenke«, fügt Er hinzu, »wie groß und erhaben Seine Stufe ist. Sein Rang übertrifft den aller Propheten, und Seine Offenbarung geht über das Erkennen und Begreifen aller ihrer Auserwählten.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 272 – Anm. d. Hrsg.Q »Von Seiner Offenbarung«, so ergänzt Er weiter, »sind die Propheten Gottes, Seine Heiligen und Auserwählten entweder nicht unterrichtet worden, oder sie haben dies nach Gottes unerforschlichem Ratschluss nicht enthüllt.«vgl. Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 272 – Anm. d. Hrsg.Q
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Von allen Huldigungen, die Bahá’u’lláhs unfehlbare Feder dem Báb, Seinem »Meistgeliebten«, zum Gedächtnis entgegenzubringen beliebte, ist die denkwürdigste und erschütterndste dieser kurze, doch beredte Abschnitt, der die letzten Absätze jener selben Epistel so außerordentlich bereichert: »Mitten in all dem«, schreibt Er mit Bezug auf die schmerzlichen Prüfungen und Gefahren, die Ihn in der Stadt Baghdád bedrängten, »stehen Wir, dem Leben entsagend und Seinem Willen völlig ergeben. Möge durch Gottes Güte dieser offenbarte und kundgemachte BuchstabeBahá’u’lláh.A Sein Leben als Opfer auf dem Pfade des Ersten Punktes, des erhabensten Wortesdes Báb.A, darbringen. Bei Ihm, auf dessen Geheiß der Geist gesprochen hat – wäre es nicht aus dieser Sehnsucht Unserer Seele, wir hätten keinen Augenblick länger in dieser Stadt verweilt.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 279 – Anm. d. Hrsg.Q
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Geliebte Freunde! Ein so weithallendes Lob, eine so unanfechtbare Bekräftigung aus der Feder Bahá’u’lláhs in einem so gewichtigen Werke findet ein volles Echo in der Sprache, die der Urquell der Bábí-Offenbarung zum Ausdruck der von Ihm erhobenen Ansprüche gewählt hat. »Ich bin der mystische Tempel«, so gibt der Báb Seine Stufe im Qayyúmu’l-Asmá’ bekannt, »den die Hand der Allmacht baute. Ich bin die Lampe, die Gottes Finger in ihrer Nische entzündet hat und mit unsterblichem Glanze leuchten ließ. Ich bin die Flamme jenes himmlischen Lichtes, das über dem Sinai an der Stätte der Freude aufgeleuchtet und im Brennenden Busch verborgen war.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 94, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:57:1 – Anm. d. Hrsg.Q »O Qurratu’l-‘Ayn, so ruft Er in jener gleichen Auslegung sich selbst zu, »Ich erkenne in Dir keinen anderen als ›die Große Verkündigung‹ – die Verkündigung, die die himmlischen Heerscharen verkünden. Ich bezeuge, dass Dich an diesem Namen jene, die den Thron des erhabenen Glanzes umkreisen, seit je erkannten.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 88, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:54:1 – Anm. d. Hrsg.Q »Mit jedem der Propheten, die Wir in vergangenen Zeiten herniedersandten«, sagt Er weiter, »haben Wir einen besonderen Bund geschlossen bezüglich der ›Erwähnung Gottes‹ und Seines Tages. Im Reiche des Glanzes und durch die Macht der Wahrheit kundgetan, steht die ›Erwähnung Gottes‹ und Sein Tag im Angesicht der Engel, die Seinen Gnadenstuhl umgeben.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 91, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:44:2 – Anm. d. Hrsg.Q »Wenn Wir es wünschten«, versichert Er noch einmal, »so wäre Uns gegeben, durch die Wirkung auch nur eines Buchstabens Unserer Offenbarung die Welt und alles, was darinnen ist, zu zwingen, in weniger als einem Augenblick die Wahrheit Unserer Sache anzuerkennen.«Báb, Qayyúmu’l-Asmá’ 87, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 2:43:1 – Anm. d. Hrsg.Q
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»Ich bin der Erste Punkt«, so wendet sich der Báb von der Festung Máh-Kú aus an Muḥammad Sháh, »daraus alles Erschaffene gezeugt ward … Ich bin das Antlitz Gottes, dessen Glanz sich nie verdunkeln lässt, das Leuchten von Gottes Licht, das nie verblassen kann … Gott hat beliebt, Mir alle Schlüssel des Himmels in die rechte Hand zu legen und alle Schlüssel der Hölle in Meine Linke … Ich bin ein Tragpfeiler des Ersten Wortes Gottes. Wer immer Mich anerkennt, hat alles erkannt, was wahr und recht ist, und hat alles erreicht, was gut und ziemlich ist … Der Stoff, daraus Gott Mich geschaffen hat, ist nicht der Staub, daraus andere wurden. Er gab Mir, was die Weltweisen nie erfassen noch die Getreuen je enthüllen können.«Báb, Brief an Muḥammad Sháh, in: Eine Auswahl aus Seinen Schriften, 1:4:4, 1:4:4, 1:4:3, 1:4:1, 1:4:1 – Anm. d. Hrsg.Q »Sollte«, so bekräftigt der Báb in dem Wunsche, die in Seiner Sendung verborgenen grenzenlosen Fähigkeiten zu betonen, »eine winzige Ameise an diesem Tag begehren, mit der Macht begabt zu sein, die schwierigsten und verwirrendsten Stellen des Qur’án zu enträtseln, so würde zweifellos ihr Wunsch erfüllt werden, da ja das Mysterium ewiger Macht im innersten Wesen aller erschaffenen Dinge schwingt.« »Wenn ein so hilfloses Geschöpf«, so lautet ‘Abdu’l-Bahás Erklärung zu dieser überraschenden Versicherung, »mit einer so hohen Möglichkeit begabt werden kann, um wie viel wirksamer muss dann die Kraft sein, die durch die freigebigen Ausgießungen der Gnade Bahá’u’lláhs frei ward!«
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Diesen gebieterischen Aussagen und feierlichen Erklärungen Bahá’u’lláhs und des Báb muss ‘Abdu’l-Bahás eigenes unabänderliches Zeugnis beigefügt werden. Er, der berufene Erklärer der Worte Bahá’u’lláhs und des Báb, bekräftigt, nicht etwa nur mittelbar, sondern in klarer und entschiedener Sprache sowohl in Seinen Schriften als auch in Seinem Testament die Wahrheit der Darlegungen, auf die ich mich bereits bezogen habe.
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In einem Sendschreiben an einen Bahá’í in Mázindarán, in dem Er den Sinn einer Ihm zugeschriebenen, falsch gedeuteten Erklärung über den Aufgang der Sonne der Wahrheit in diesem Jahrhundert klarlegt, entwickelt Er kurz und bündig, was für alle Zeiten unser wahrer Begriff für die Beziehungen zwischen den beiden mit der Bahá’í-Sendung verbundenen Manifestationen bleiben sollte. »Mit einer solchen Darlegung«, so erklärt Er, »hatte Ich niemand anderen als den Báb und Bahá’u’lláh gemeint. Meine Absicht war, die Wesensart ihrer Offenbarungen zu erläutern. Die Offenbarung des Báb kann mit der Sonne bei ihrem Stand im ersten Tierkreiszeichen, dem Widder, verglichen werden, in das sie mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche eintritt. Die Stufe der Offenbarung Bahá’u’lláhs aber wird vom Zeichen des Löwen dargestellt, der höchsten Stellung der Sonne im Hochsommer. Das heißt, diese heilige Sendung leuchtet hell mit dem Licht der Sonne der Wahrheit von ihrem erhabensten Stand in der Fülle ihres Glanzes, ihrer Wärme und Herrlichkeit.«
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»Der Báb, der Erhabene«, bestätigt ‘Abdu’l-Bahá ausführlicher in einem anderen Seiner Sendschreiben, »ist der Morgen der Wahrheit, dessen Strahlenglanz durch alle Himmel leuchtet. Er ist ebenso der Vorbote des Größten Lichtes, des Tagesgestirns Abhá. Die Gesegnete Schönheit ist der Verheißene der heiligen Bücher der Vergangenheit, die Offenbarung des Lichtquells, der auf dem Berge Sinai schien, dessen Feuer im Brennenden Busche glühte. Wir sind, einer wie alle, Diener an ihrer Schwelle und stehen jeder als geringer Wächter an ihrer Türe.« »Jedweder Beweis und jede Prophezeiung«, so lautet Seine noch nachdrücklichere Ermahnung, »jede Art von Zeugnis, das sich auf die Vernunft oder die Texte der heiligen Schriften und Überlieferungen stützt, ist als in den Personen Bahá’u’lláhs und des Báb verankert anzusehen. In ihnen erfahren sie ihre vollkommene Erfüllung.«
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Und schließlich setzt Er in Seinem Willen und Testament, das Seine letzten Wünsche und Abschiedslehren verwahrt, in folgendem, eigens die Leitgrundsätze des Bahá’í-Glaubens darzutun bestimmten Absatz das Siegel Seines Zeugnisses auf die zweifache und erhabene Stufe des Báb: »Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahás – möge mein Leben ihm zum Opfer dienen – ist diese: Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Urewigen SchönheitBahá’u’lláh.A. Seine Heiligkeit die Schönheit AbháBahá’u’lláh.A – möge mein Leben als Opfer für Seine standhaften Freunde dargeboten sein – ist Gottes erhabenste Manifestation und der Tagesanbruch Seines göttlichsten Wesens.« »Alle anderen«, setzt Er bedeutungsvoll hinzu, »sind Seine Diener und folgen Seinem Gebot.«‘Abdu’l-Bahá, Wille und Testament 37 – Anm. d. Hrsg.Q
‘Abdu’l-Bahá
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Innig geliebte Freunde! Ich habe auf den vorangegangenen Seiten versucht, eine Darlegung jener Wahrheiten zu geben, die, wie ich fest glaube, im Anspruch Dessen verankert liegen, der der Urquell der Bahá’í-Offenbarung ist. Ich habe mich ferner bemüht, Missverständnisse aufzuklären, die naturgemäß in der Meinung eines jeden auftauchen mögen, der über eine so übermenschliche Offenbarung der Herrlichkeit Gottes nachdenkt. Es war mein Bestreben, die Bedeutung der Göttlichkeit zu erklären, mit der der Träger einer so geheimnisvollen Kraft notwendigerweise ausgestattet sein muss. Dass die Botschaft, mit deren Übermittlung an die Menschheit ein so erhabenes Wesen in diesem Zeitalter von Gott beauftragt wurde, den göttlichen Ursprung und die Grundprinzipien einer jeden durch die Propheten der Vergangenheit eingeleiteten Sendung anerkennt und aufrechterhält, dass sie mit jeder einzelnen von ihnen aufs innigste verbunden ist, das habe ich ebenfalls nach besten Kräften zu erklären versucht. Dass der Urheber eines solchen Glaubens den Anspruch auf Endgültigkeit, wie ihn Führer der verschiedensten Bekenntnisse erheben, ablehnt und trotz der ungeheuren Größe Seiner Offenbarung für Sich selbst verwirft, auch dies habe ich zu beweisen und zu betonen für notwendig erachtet. Zu erläutern, dass der Báb, der Dauer Seiner Sendung ungeachtet, nicht zuerst als der erkorene Vorläufer des Bahá’í-Glaubens, sondern als Einer angesehen werden sollte, dem jene ungeteilte Autorität verliehen ist, wie sie sämtliche unabhängigen Propheten der Vergangenheit beansprucht haben, dünkte mich ein weiteres Grundprinzip, das zu erläutern im augenblicklichen Zustand der Entwicklung unserer Sache außerordentlich wünschenswert erscheint.
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Wir sollten nun, wie ich deutlich fühle, den Versuch machen, unsere Auffassung der von ‘Abdu’l-Bahá eingenommenen Stufe und der Bedeutung Seiner Stellung in dieser heiligen Sendung klarzustellen. Es ist in der Tat für uns, die wir zeitlich einer so ungeheuer großen Gestalt so nahe stehen und von der geheimnisvollen Kraft einer so anziehenden Persönlichkeit gefesselt werden, schwer, einen klaren, genauen Begriff von der Rolle und dem Charakter Dessen zu erhalten, der nicht nur in der Sendung Bahá’u’lláhs, sondern auch auf dem gesamten Gebiet der Religionsgeschichte ein einzig dastehendes Amt hat. Obgleich Er sich in Seiner eigenen Sphäre bewegt und eine Stufe einnimmt, die völlig verschieden von denjenigen des Urhebers und des Vorläufers der Bahá’í-Offenbarung ist, bildet Er doch kraft der Stellung, die Ihm durch den Bund Bahá’u’lláhs zuteil ward, mit jenen zusammen das, was wir als die drei Zentralgestalten eines Glaubens bezeichnen können, der in der Geistesgeschichte der Welt einzig ist. Vereint mit ihnen thront Er über den Geschicken dieses jungen Gottesglaubens in einer Höhe, die kein einzelner und keine nach Ihm seinem Wohl verpflichtete Körperschaft jemals während einer Zeitdauer von mindestens einem vollen Jahrtausend zu erreichen hoffen können. Seinen erhabenen Rang dadurch zu verkleinern, dass man Seine Stufe gleich oder doch nahezu gleich der Stellung derer achtet, auf die der Mantel Seiner Autorität gefallen ist, wäre ein Akt mangelnder Ehrfurcht und ebenso schwerwiegend wie der nicht weniger ketzerische Glaube, der Ihn auf die Stufe absoluter Gleichheit entweder mit der Hauptgestalt oder dem Vorläufer unseres Glaubens stellen möchte. So groß auch der Abstand ist, der ‘Abdu’l-Bahá von Dem trennt, der die Quelle einer unabhängigen Offenbarung bildet, so ist er doch niemals mit dem noch größeren Abstand zu vergleichen, der zwischen Ihm, dem Mittelpunkt des Bundes, und Seinen zur Weiterführung Seines Werkes berufenen Dienern liegt, wie immer sie auch heißen und welcher Art ihr Rang, ihr Aufgabenbereich oder ihre künftigen Taten seien. Mögen jene, die ‘Abdu’l-Bahá gekannt haben und durch die Berührung mit Seiner anziehenden Persönlichkeit dazu gekommen sind, glühende Bewunderung für Ihn zu hegen, im Lichte dieser Darlegung über die Größe Dessen nachdenken, dessen Stufe so hoch über der Seinen ist.
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Dass ‘Abdu’l-Bahá keine Manifestation Gottes ist, dass Er, obgleich der Nachfolger Seines Vaters, dennoch nicht die gleiche Stufe einnimmt, dass niemand außer dem Báb und Bahá’u’lláh vor Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine solche Stufe erheben kann, ist eine Wahrheit, die den diesbezüglichen Aussprüchen beider, sowohl des Stifters unseres Glaubens als auch des Erläuterers Seiner Lehren, zugrunde liegt.
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»Wer vor dem Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine unmittelbare Offenbarung Gottes erhebt«, so lautet die im Kitáb-i-Aqdas geäußerte ausdrückliche Warnung, »der ist fürwahr ein lügnerischer Betrüger. Wir bitten Gott, dass Er ihm gnädig beistehe, damit er einen solchen Anspruch widerrufe und verwerfe. Sofern er bereut, wird Gott ihm ohne Zweifel vergeben. Wenn er jedoch in seinem Irrtum beharrt, wird Gott gewisslich jemanden herabsenden, der unbarmherzig mit ihm verfährt, denn furchtbar, in der Tat, ist Gott in Seiner Strafe!« »Wer immer diesen Vers«, so fügt Er um des stärkeren Nachdrucks willen hinzu, »anders auslegt, als sein klarer Sinn ist, der beraubt sich des Geistes Gottes und Seiner alles Erschaffene umfassenden Gnade.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:37 – Anm. d. Hrsg.Q »Sollte ein Mensch«, so lautet eine andere entscheidende Erklärung, »bevor noch volle tausend Jahre vorbei sind, auftreten – jedes der Jahre zu zwölf Monaten nach dem Qur’án und zu neunzehn Monaten zu neunzehn Tagen nach dem Bayán gerechnet – und sollte gleich ein solcher Mensch vor euren Augen alle Zeichen Gottes offenbaren, so sollt ihr ihn doch ohne Zögern von euch weisen.«
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Die Erklärungen, die ‘Abdu’l-Bahá selbst in Übereinstimmung mit dieser Warnung abgibt, sind nicht weniger nachdrücklich und verpflichtend: »Dies ist«, so sagt Er, »meine feste, unerschütterliche Überzeugung, das Wesen meines rückhaltlosen, ausdrücklichen Glaubens, eine Überzeugung und ein Glaube, den die Bewohner des Abhá-Königreichs vollkommen teilen: Die Gesegnete SchönheitBahá’u’lláh – Anm. d. Hrsg.A ist die Sonne der Wahrheit, und Ihr Licht ist das Licht der Wahrheit. Der Báb ist gleicherweise die Sonne der Wahrheit, und Sein Licht ist das Licht der Wahrheit … Meine Stufe ist die Stufe des Dienstes, eines Dienstes, der vollständig, rein und wirklich, sicher begründet, andauernd, deutlich, ausdrücklich offenbart und keiner irgendwie gearteten Deutung unterworfen ist … Ich bin der Ausleger des Wortes Gottes; dies ist meine Auslegung.«
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Entreißt nicht ‘Abdu’l-Bahá in Seinem eigenen Willen – mit einem Ton und einer Sprache, die auch die hartnäckigsten Verletzer des Bundes Seines Vaters wohl verwirren können – denjenigen Personen ihre stärkste Waffe, die so lange und mit solcher Beharrlichkeit getrachtet hatten, Ihn durch die Behauptung zu belasten, dass Er stillschweigend Anspruch auf eine ebenso hohe, wenn nicht höhere Stufe als diejenige Bahá’u’lláhs erhöbe? »Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahás«, so lautet einer der gewichtigsten Abschnitte jener letzten Urkunde, die hinterlassen wurde, um für alle Zeiten die Weisungen und Wünsche eines dahingegangenen Meisters zu verkünden, »ist diese: Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Urewigen Schönheit. Seine Heiligkeit die Schönheit AbháBahá’u’lláh.A – möge mein Leben ein Opfer für Seine standhaften Freunde sein – ist die erhabenste Manifestation Gottes und der Tagesanbruch Seines göttlichsten Wesens. Alle anderen sind Seine Diener und folgen Seinem Gebot.«‘Abdu’l-Bahá, Wille und Testament 37 – Anm. d. Hrsg.Q
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Aus solchen klaren, in aller Form niedergelegten Erklärungen, die mit irgendwelchen Behauptungen eines Anspruchs auf Prophetenschaft unvereinbar sind, sollte indessen keineswegs gefolgert werden, dass ‘Abdu’l-Bahá nur einer der Diener der Gesegneten Schönheit oder im besten Falle jemand ist, dessen Aufgabe sich auf die Tätigkeit eines bevollmächtigten Auslegers der Lehren Seines Vaters beschränkt. Es sei mir ferne, derartige Ansichten zu hegen oder anderen solche Empfindungen einflößen zu wollen. Ihn in einem solchen Lichte zu betrachten, ist offenkundiger Verrat an dem unschätzbaren Erbe, das Bahá’u’lláh der Menschheit hinterlassen hat. Unermesslich erhaben ist die Ihm durch die Erhabene Feder verliehene Stufe über die aus diesen Seinen eigenen schriftlichen Erklärungen sich ergebenden Folgerungen. Sei es im Kitáb-i-Aqdas, dem bedeutungsvollsten und heiligsten aller Werke Bahá’u’lláhs, im Kitáb-i-‘Ahd, dem Buche Seines Bundes, oder in der Súriy-i-Ghuṣn [Tafel vom Ast], überall statten diese durch die Feder Bahá’u’lláhs niedergeschriebenen Hinweise – Hinweise, die durch die von Seinem Vater an Ihn gerichteten Sendschreiben noch gewaltig unterstrichen werden – ‘Abdu’l-Bahá mit einer Macht aus und umgeben sie Ihn mit einem Glanze, wie sie das heutige Geschlecht nie hinreichend wird würdigen können.
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Er ist zuerst und vor allem der Mittelpunkt und die Achse des unvergleichlichen und allumfassenden Bundes Bahá’u’lláhs und sollte für immer so betrachtet werden, als Seine erhabenste Schöpfung, der fleckenlose Spiegel Seines Lichtes, das vollkommene Beispiel Seiner Lehren, der niemals irrende Ausleger Seines Wortes, der Ausdruck eines jeglichen Bahá’í-Ideals, die Verkörperung jeder Bahá’í-Tugend, der Mächtigste Ast, der aus der Urewigen Wurzel hervorging, der Arm des göttlichen Gesetzes, das Wesen, »um das sich alle Namen bewegen«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Arḍ-i-Bá, in: Botschaften aus ‘Akká 16:1 – Anm. d. Hrsg.Q, die Triebkraft der Vereinigung der Menschheit, das Banner des Größten Friedens, der Mond des Zentralgestirns dieser heiligsten Sendung. Dies alles sind Benennungen und Ehrennamen, die sich aus Seiner Stufe ergeben und ihren getreuesten, höchsten, edelsten Ausdruck in dem Zaubernamen ‘Abdu’l-Bahá finden. Er ist, jenseits von allen diesen Benennungen, »das Geheimnis Gottes« – ein Ausdruck, den Bahá’u’lláh selbst gewählt hat, um Ihn zu bezeichnen, und der, ohne uns irgendwie zur Zuerkennung der Stufe der Prophetenschaft zu berechtigen, andeutet, wie in der Gestalt ‘Abdu’l-Bahás die auseinanderlaufenden Kennzeichen menschlicher Natur und übermenschlicher Erkenntnis und Vollkommenheit verschmolzen und in völlige Übereinstimmung gebracht sind.
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»Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist«, verkündet das Kitáb-i-Aqdas, »wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel entsprungen ist.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.Q Und weiter: »Wenn sich die Mystische Taube aus ihrem Tempel des Lobpreises emporgeschwungen und ihr fernes Ziel, ihre verborgene Behausung, erreicht hat, wendet euch in allem, was ihr im Buche nicht versteht, an Ihn, der aus diesem mächtigen Stamm hervorging.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:174 – Anm. d. Hrsg.Q
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Auch im Kitáb-i-‘Ahd erklärt Bahá’u’lláh feierlich und ausdrücklich: »Es ist den Aghṣán, den Afnán und Meiner Verwandtschaft zur Pflicht gemacht, dass sie allesamt ihr Antlitz dem Mächtigsten Ast zuwenden. Beachtet, was Wir in Unserem Heiligsten Buche offenbart haben: ›Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist, so wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel kam.‹Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.Q Der Gegenstand dieses heiligen Verses ist kein anderer als der Mächtigste Ast‘Abdu’l-Bahá.A. So haben Wir euch gnädig Unseren machtvollen Willen offenbart, und wahrlich, Ich bin der Gnadenvolle, der Allmächtige.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-‘Ahd, in: Botschaften aus ‘Akká 15:9 – Anm. d. Hrsg.Q
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In der Súriy-i-Ghuṣn sind folgende Verse aufgezeichnet:» Vom Sadratu’l-Muntahá ist dieses heilige und erhabene Wesen, dieser Zweig der Heiligkeit, entsprossen. Wohl dem, der bei Ihm Zuflucht sucht und unter Seinem Schatten weilt. Wahrlich, der Ast des Gesetzes Gottes ist von dieser Wurzel ausgegangen, die Gott fest in den Boden Seines Willens pflanzte und deren Ast in einem Maß erhoben wurde, dass er die ganze Schöpfung überschattet. Gepriesen sei Er für dieses erhabene, dieses segensreiche, mächtige und herrliche Werk! … Ein Wort ist aus der Größten Tafel als Zeichen Unserer Gnade hervorgegangen, ein Wort, das Gott mit dem Schmucke Seines eigenen Wesens zierte und zum Herren über die Erde und alles, was auf ihr ist, und zu einem Zeichen Seiner Größe und Macht unter ihren Bewohnern setzte … Danke Gott, o Volk, dass Er erschienen ist, denn wahrlich, Er ist für euch die größte Gnade, die vollkommenste Güte, und durch Ihn wird jedes modernde Gebein lebendig. Wer Ihm sich zuwendet, hat sich Gott zugewandt, und wer sich von Ihm abkehrt, hat sich von Meiner Schönheit abgekehrt, hat Meinen Beweis verworfen und sich gegen Mich vergangen. Er ist der Vertraute Gottes unter euch, Sein Pfand in euch, Seine Offenbarung für euch und Seine Erscheinung unter Seinen begünstigten Dienern … Wir haben Ihn herabgesandt in der Gestalt eines menschlichen Tempels. Gesegnet und geheiligt sei Gott, der durch Seinen unumstößlichen, unfehlbaren Ratschluss werden lässt, was immer Er wünscht. Wer nicht im Schatten des Astes bleibt, der ist verloren in der Wüste des Irrtums. Die Glut der weltlichen Wünsche zehrt ihn auf, und er gehört zu denen, die sicherlich untergehen.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Ghuṣn, in Days of Remembrance 29:4, 29:5, 29:6, 29:8 – Anm. d. Hrsg.Q
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»O Du, der Du Mein Augapfel bist!«, schreibt Bahá’u’lláh mit eigener Hand an ‘Abdu’l-Bahá, »Meine Herrlichkeit, das Weltmeer Meiner Güte, die Sonne Meiner Freigebigkeit, der Himmel Meiner Barmherzigkeit seien mit Dir! Wir bitten Gott, Er möge die Welt erleuchten mit Deinem Wissen und Deiner Weisheit und für Dich verordnen, was Dein Herz erfreue und Dein Auge tröste.« »Gottes Herrlichkeit sei auf Dir«, schreibt Er in einem anderen Sendschreiben, »sowie auf allen, die Dir dienen und um Dich sind. Weh, großes Weh begegne dem, der sich Dir widersetzt und Dich beleidigt. Wohl dem, der Dir die Treue zuschwört! Das Feuer der Hölle aber möge jene peinigen, die Dir feind sind.« »Wir machten Dich zu einer Zuflucht für die ganze Menschheit«, bezeugt Er in einem weiteren Sendschreiben, »zu einem Schild für alle, die im Himmel und auf Erden sind, zu einer Feste für alle, die an Gott, den Unvergleichlichen, den Allwissenden, glauben. Gott gebe Dir, dass Er durch Dich sie schütze, sie reich mache und erhalte und dass Er Dich mit dem erfülle, was zu einer Quelle für den Wohlstand aller erschaffenen Dinge, zu einem Meer der Freigebigkeit für alle Menschen und zum Tagesanbruch des Erbarmens über alle Völker werde.«
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»Du weißt, o Mein Gott«, fleht Bahá’u’lláh in einem zu Ehren ‘Abdu’l-Bahás offenbarten Gebete, »dass Ich für Ihn nichts anderes wünsche, als was Du selbst wünschest, und Ihn zu keinem anderen Zweck bestimmte als zu dem, den Du für Ihn bestimmt hast. Verhilf Ihm darum zum Sieg durch Deine Heerscharen des Himmels und der Erde … Verordne – Ich bitte Dich bei der Inbrunst Meiner Liebe zu Dir und bei Meiner Sehnsucht, Deine Sache zu offenbaren – verordne für Ihn und die, die Ihn lieben, was Du für Deine Botschafter und die Treuhänder Deiner Offenbarung angeordnet. Wahrlich, Du bist der Allmächtige, der Allgewaltige.«
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In einem von Bahá’u’lláh diktierten und durch Seinen Schreiber Mírzá Áqá Ján mit Anschrift versehenen Schreiben an ‘Abdu’l-Bahá, der zu der Zeit auf Besuch in Beirut weilte, lesen wir: »Gepriesen sei Er, der das Land Beirut.A mit der Anwesenheit Dessen ehrte, den alle Namen umkreisen. Sämtliche Atome der Erde haben allem Erschaffenen kundgetan, dass von den Toren der Gefängnisstadt her der Stern der Schönheit des großen, des Mächtigsten Astes Gottes – Sein urewiges und unabwandelbares Geheimnis – aufgegangen ist und, über ihrem Horizonte leuchtend, nun in ein anderes Land zieht. Kummer hat diese Gefängnisstadt darum erfüllt, dieweil ein anderes Land jubelt. Gesegnet, zweifach gesegnet ist der Boden, den Seine Füße treten, das Auge, das von der Schönheit Seines Antlitzes entzückt ward, das Ohr, dem die Ehre widerfahren, Seinem Ruf zu lauschen, das Herz, das Seiner Liebe Süße kostet, die Brust, die im Gedenken an Ihn weit wird, die Feder, die Seinen Lobpreis kündet, das Pergament, das das Zeugnis Seiner Schrift trägt!«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Arḍ-i-Bá, in: Botschaften aus ‘Akká 16:1, 16:2 – Anm. d. Hrsg.Q
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Die Ihm von Bahá’u’lláh verliehene Autorität bestätigend, stellt ‘Abdu’l-Bahá fest: »Im Einklang mit dem ausdrücklichen Wortlaut des Kitáb-i-Aqdas hat Bahá’u’lláh zum Ausleger Seines Wortes den Mittelpunkt des Bundes gemacht – eines Bundes, so fest und so mächtig, wie ihn ähnlich keine religiöse Sendung seit Anbeginn der Zeit bis auf den heutigen Tag hervorgebracht hat.«
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Wie erhaben aber der Rang ‘Abdu’l-Bahás und wie überreich der Lobpreis immer sei, womit Bahá’u’lláh in diesen heiligen Büchern und Sendschreiben Seinen Sohn verherrlicht, so darf doch eine so beispiellose Auszeichnung nie in einem Sinn gedeutet werden, als verliehe sie ihrem Empfänger eine Stufe, die gleichbedeutend oder auch nur gleichwertig mit derjenigen Seines Vaters, der Manifestation selbst, ist. Irgendwelchen der angeführten Stellen eine derartige Auslegung zu geben, würde sie sofort aus einleuchtenden Gründen in Widerspruch mit den nicht weniger klaren und beglaubigten Versicherungen und Warnungen bringen, auf die ich bereits hinwies. In der Tat sind, wie ich schon weiter oben schrieb, diejenigen, die ‘Abdu’l-Bahás Stufe überschätzen, genauso tadelnswert, und sie haben ebenso viel Schaden angerichtet wie diejenigen, die sie unterschätzen. Und das aus keinem anderen Grunde, als dass sie durch ihr Beharren auf einer völlig ungerechtfertigten Folgerung aus Bahá’u’lláhs Schriften unbewusst dem Feind eine Rechtfertigung erteilen und ihm fortdauernd Stoff für seine falschen Beschuldigungen und irreführenden Darstellungen liefern.
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Ich erachte es daher für nötig, eindeutig und ohne Zögern festzustellen, dass weder das Kitáb-i-Aqdas noch auch das Buch des Bundes Bahá’u’lláhs oder gar die Tafel vom Ast oder irgendein anderes Sendschreiben, ob es nun von Bahá’u’lláh oder ‘Abdu’l-Bahá offenbart sei, die geringste Begründung für die Auffassung enthält, die zur Aufrechterhaltung der sogenannten »mystischen Einheit« von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá oder zur Annahme einer Identität des letzteren mit Seinem Vater oder mit einer der vorangegangenen Manifestationen neigt. Diese so irrige Auffassung entspringt zu einem Teil wohl einer völlig abwegigen Auslegung gewisser Ausdrücke und Stellen in der Tafel vom Ast und der Einfügung gewisser Worte in dessen englische Übersetzung, die entweder nicht vorhanden, oder irreführend und doppelsinnig sind. Sie gründet zweifellos hauptsächlich auf einer völlig ungerechtfertigten Schlussfolgerung aus den Anfangsstellen einer Tafel Bahá’u’lláhs, die in Bahá’í Scriptures auszugsweise unmittelbar vor der genannten Tafel vom Ast gestellt ist, ohne jedoch dazuzugehören. Es sollte jedem Leser dieser Auszüge klargemacht werden, dass mit dem Ausdruck »die Zunge des Urewigen« niemand anders als Gott gemeint, dass die Redewendung »der Größte Name« ein klarer Hinweis auf Bahá’u’lláh und dass der angeführte »Bund«Bahá’u’lláh, Baha’i Scriptures 527, p. 255: »In Seinem Namen, der vom Horizont der Macht hervorstrahlt! Wahrlich, die Zunge des Urewigen verkündet an jene, die in der Welt sind, frohe Botschaft über das Erscheinen des Größten Namens und der Seinen Bund schließt unter den Völkern.« – Anm. d. Hrsg.Q nicht der besondere Bund ist, dessen unmittelbarer Stifter Bahá’u’lláh und dessen Mittelpunkt ‘Abdu’l-Bahá war, sondern dass damit der allgemeine Bund gemeint ist, den, wie die Bahá’í-Lehre betont, Gott selbst unverbrüchlich mit der Menschheit schließt, sooft Er eine neue Sendung einleitet. »Die Zunge«, die, wie es in jenen Auszügen heißt, die »frohe Botschaft spendet«, ist nichts anderes als die Stimme Gottes, die sich auf Bahá’u’lláh bezieht, und nicht Bahá’u’lláh, der sich auf ‘Abdu’l-Bahá bezöge.
6:85
Zu behaupten, dass die Versicherung »Er ist Ich selbst« – statt die mystische Einheit Gottes mit Seinen Manifestationen zu bezeichnen, wie dies im Kitáb-i-Íqán erklärt ist –, die Identität Bahá’u’lláhs mit ‘Abdu’l-Bahá begründe, würde geradezu eine Verletzung des oft wiederholten Grundsatzes der Einheit der Manifestationen Gottes bilden – eines Grundsatzes, den der Urheber eben jener Auszüge durch die sich daraus ergebende Folgerung betonen wollte.
6:86
Es würde auch auf einen Rückfall in jene vernunftwidrigen, abergläubischen Glaubenssätze hinauslaufen, die sich im ersten Jahrhundert des christlichen Zeitalters unversehens in die Lehren Jesu Christi eingeschlichen und durch Verdichtung zu anerkannten Dogmen die Wirkkraft des christlichen Glaubens geschwächt und seine Absichten verdunkelt haben.
6:87
»Ich versichere«, so lautet ‘Abdu’l-Bahás eigene schriftliche Auslegung der Tafel vom Ast, »dass der wirkliche Sinn, die wahre Bedeutung, das innerste Geheimnis dieser Verse, eben dieser Worte, meine eigene Dienstbarkeit an der heiligen Schwelle der Schönheit Abhá, meine völlige Selbstaufgabe, meine äußerste Bedeutungslosigkeit vor Ihm ist. Das ist meine leuchtende Krone und meine köstlichste Zierde. Dessen rühme ich mich im Reiche, das im Himmel und auf Erden ist, dessen freue ich mich im Kreise der Begünstigten!« »Niemandem ist gestattet«, so warnt Er uns im unmittelbar darauf folgenden Absatz, »diesen Versen irgendeinen anderen Sinn zu geben.« »Ich bin«, bekräftigt Er in diesem Zusammenhang, »gemäß dem ausdrücklichen Wortlaut des Kitáb-i-Aqdas und des Kitáb-i-‘Ahd, der offenbare Ausleger des Wortes Gottes. … Wer auch immer von meiner Auslegung abweicht, ist ein Opfer seiner eigenen Einbildung.«
6:88
Noch mehr: Die unvermeidliche Schlussfolgerung aus dem Glauben an die Identität des Stifters unseres Glaubens mit Ihm, der Mittelpunkt Seines Bundes ist, wäre, dass ‘Abdu’l-Bahá in eine über den Báb erhobene Stellung rückte, während gerade das Gegenteil davon das grundlegende, wenn auch bislang noch nicht allgemein erkannte Prinzip dieser Offenbarung ist. Es würde auch die Beschuldigungen rechtfertigen, mit denen die Bundesbrecher sich während der ganzen Amtszeit ‘Abdu’l-Bahás bemühten, die Gemüter zu vergiften und die Auffassung der getreuen Nachfolger Bahá’u’lláhs zu verdrehen.
6:89
Es wäre richtiger und stünde mit den festgelegten Prinzipien Bahá’u’lláhs und des Báb in besserem Einklang, wenn wir, statt an dieser erdichteten Identität in Bezug auf ‘Abdu’l-Bahá festzuhalten, den Vorläufer und den Stifter unseres Glaubens als ihrer Wirklichkeit nach identisch ansähen – eine Wahrheit, die der Wortlaut der Súratu’l-Haykal unmissverständlich bestätigt. »Wäre, wie ihr geltend macht, der Erste Punktder Báb.A irgendjemand außer Mir gewesen«, so lautet die ausdrückliche Feststellung Bahá’u’lláhs, »und wäre Er in Meine Nähe gekommen, wahrlich, Er hätte sich nie gestattet, sich von Mir zu trennen, sondern Wir würden Uns in Meinen Tagen gegenseitig ergötzt haben.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Haykal, in Anspruch und Verkündigung 1:96 – Anm. d. Hrsg.Q »Er, der nun Gottes Wort verkündigt«, so bekräftigt Bahá’u’lláh nochmals, »ist kein anderer als der Erste Punkt, der jetzt aufs neue offenbart ward.« »Er ist«, so sagt Er in einem an einen der Buchstaben des Lebendigen gerichteten Sendschreiben über sich selbst, »der Gleiche wie Er, der im Jahre sechzig1260 d. H.A erschien. Das, wahrlich, ist einer Seiner machtvollen Zeichen.« »Wer«, so fragt Er in der Súriy-i-Damm, »wird sich erheben, um den Sieg der Ersten Schönheitdes Báb.A zu sichern, die im Angesicht Seiner Ihm folgenden Manifestation offenbart wurde?« Indem Er sich auf die durch den Báb verkündete Offenbarung bezieht, beschreibt Er sie umgekehrt als »Meine Mir vorangegangene Manifestation«Siehe 6:55 – Anm. d. Hrsg.Q.
6:90
Dass ‘Abdu’l-Bahá keine Manifestation Gottes ist, dass Er Sein Licht, Seine Erleuchtung und Kraft unmittelbar aus der Quelle der Bahá’í-Offenbarung erhält, dass Er, gleich einem klaren und vollkommenen Spiegel, das Licht der Herrlichkeit Bahá’u’lláhs zurückstrahlt und nicht etwa angestammt jene unbestimmbare und dennoch alles durchdringende Wirklichkeit besitzt, deren ausschließlicher Besitz das Kennzeichen des Prophetentums bildet, dass Seine Worte nicht im gleichen Range mit den Äußerungen Bahá’u’lláhs stehen, obwohl sie die gleiche Gültigkeit wie jene besitzen, dass Er nicht als die Wiederkehr Jesu Christi anzusehen ist, des Sohnes, der da kommen wird »in der Herrlichkeit des Vaters«Mk. 8:38, Mt. 16:27 – Anm. d. Hrsg.Q, – alle diese Wahrheiten finden eine verstärkte Rechtfertigung und weitere Erhärtung in der folgenden Erklärung ‘Abdu’l-Bahás an einige Gläubige in Amerika, mit der ich diesen Abschnitt angemessen schließen möchte: »Ihr habt geschrieben, dass unter den Gläubigen verschiedene Meinungen über das ›Zweite Kommen Christi‹ bestehen. Gütiger Gott! Immer und immer wieder ist diese Frage aufgetaucht und zur Antwort darauf in klarer und unwiderleglicher Darlegung aus der Feder ‘Abdu’l-Bahás geflossen, dass das, was die Prophezeiungen mit dem ›Herren der Heerscharen‹ und dem ›Verheißenen Christus‹ meinten, die Gesegnete VollkommenheitBahá’u’lláh.A und Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist. Mein Name ist ‘Abdu’l-Bahá. Meine Auszeichnung ist ‘Abdu’l-Bahá. Meine Wirklichkeit ist ‘Abdu’l-Bahá. Mein Ruhm ist ‘Abdu’l-Bahá. Unterwerfung unter die Gesegnete Vollkommenheit ist meine köstliche und strahlende Krone und Dienst am ganzen Menschengeschlecht meine immerwährende Religion … Kein anderer Name, kein Titel, keine Erwähnung, keine Empfehlung ist mir eigen, noch will ich sie je zu eigen haben denn nur ‘Abdu’l-Bahá. Das ist mein Wunsch. Das ist meine größte Sehnsucht. Das ist mein ewiges Leben. Das ist meine nie vergehende Ehre!«‘Abdu’l-Bahá, Tablets of Abdul-Baha Abbas, p. 429–430 – Anm. d. Hrsg.Q
Die Administrative Ordnung
6:91
Innig geliebte Brüder und Schwestern im Namen ‘Abdu’l-Bahás! Mit dem Hinscheiden Bahá’u’lláhs war das Tagesgestirn göttlicher Führung, das sich, wie von Shaykh Aḥmad und Siyyid Káẓim vorausgesagt, in Shíráz erhoben und in seinem Lauf nach Westen den Höhepunkt in Adrianopel erreicht hatte, schließlich am Horizont von ‘Akká untergegangen, um sich vor Ablauf eines vollen Jahrtausends nicht wieder zu erheben. Mit dem Herabsinken eines so strahlenden Himmelskörpers endete nun die Phase der Göttlichen Offenbarung – die erste und belebendste Phase des Bahá’í-Zeitalters. Vom Báb begonnen, durch Bahá’u’lláh vollendet, von der gesamten Schar der Propheten dieses großen prophetischen Zyklus vorausgesehen und gepriesen, ist dieser Zeitabschnitt, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zwischen dem Märtyrertod des Báb und den aufrüttelnden Erlebnissen Bahá’u’lláhs im Síyáh-Chál von Ṭihrán, gekennzeichnet durch fast fünfzig Jahre beständiger und fortschreitender Offenbarung, ein Zeitabschnitt, der in seiner Dauer und Fruchtbarkeit als beispiellos in der gesamten Religionsgeschichte der Welt betrachtet werden muss.
6:92
Das Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahás wiederum kennzeichnet das Ende des Heroischen und Apostolischen Zeitalters dieser Sendung, das Ende jener Anfangszeit unseres Glaubens, deren Herrlichkeit niemals mit der Großartigkeit der künftigen Siege der Offenbarung Bahá’u’lláhs verglichen oder gar davon in den Schatten gestellt werden kann. Denn weder die Errungenschaften der Baumeister der heutigen Institutionen des Glaubens Bahá’u’lláhs noch die aufsehenerregenden Triumphe, die die Helden des Goldenen Zeitalters in kommenden Tagen erringen werden, können sich mit dem wunderbaren Werk messen, das mit den Namen derer verknüpft ist, die es ins Leben gerufen und seine ursprünglichen Grundlagen gelegt haben, noch können sie in die gleiche Kategorie eingeordnet werden. Seinem Wesen nach steht jener erste, schöpferische Abschnitt des Bahá’í-Zeitalters notwendig über und abseits der gestaltgebenden Epoche, in die wir jetzt eingetreten sind, und dem goldenen Zeitalter, das ihr folgen wird.
6:93
Von ‘Abdu’l-Bahá, Der eine Institution verkörpert, für die wir keinerlei Gegenstück in irgendeinem der anerkannten religiösen Weltsysteme finden, kann man sagen, Er habe das Zeitalter, dem Er selbst angehörte, abgeschlossen und das Zeitalter, in dem wir heute arbeiten, eingeleitet. Sein Wille und Testament sollte daher als das dauerhafte, unauflösliche Bindeglied betrachtet werden, das der Geist Dessen, Der das Geheimnis Gottes ist, konzipiert hat, um die Kontinuität der drei Zeitalter zu sichern, die die Bestandteile der Bahá’í-Sendung bilden. Die Zeit, in der die Saat des Glaubens langsam zu keimen begann, ist also sowohl mit derjenigen verflochten, die sein Aufblühen erleben wird, als auch mit dem späteren Zeitalter, in dem diese Saat schließlich ihre goldenen Früchte tragen wird.
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