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6:70Dass ‘Abdu’l-Bahá keine Manifestation Gottes ist, dass Er, obgleich der Nachfolger Seines Vaters, dennoch nicht die gleiche Stufe einnimmt, dass niemand außer dem Báb und Bahá’u’lláh vor Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine solche Stufe erheben kann, ist eine Wahrheit, die den diesbezüglichen Aussprüchen beider, sowohl des Stifters unseres Glaubens als auch des Erläuterers Seiner Lehren, zugrunde liegt.6:71»Wer vor dem Ablauf eines vollen Jahrtausends Anspruch auf eine unmittelbare Offenbarung Gottes erhebt«
, so lautet die im Kitáb-i-Aqdas geäußerte ausdrückliche Warnung, »der ist fürwahr ein lügnerischer Betrüger. Wir bitten Gott, dass Er ihm gnädig beistehe, damit er einen solchen Anspruch widerrufe und verwerfe. Sofern er bereut, wird Gott ihm ohne Zweifel vergeben. Wenn er jedoch in seinem Irrtum beharrt, wird Gott gewisslich jemanden herabsenden, der unbarmherzig mit ihm verfährt, denn furchtbar, in der Tat, ist Gott in Seiner Strafe!«
»Wer immer diesen Vers«
, so fügt Er um des stärkeren Nachdrucks willen hinzu, »anders auslegt, als sein klarer Sinn ist, der beraubt sich des Geistes Gottes und Seiner alles Erschaffene umfassenden Gnade.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:37 – Anm. d. Hrsg.
Q »Sollte ein Mensch«
, so lautet eine andere entscheidende Erklärung, »bevor noch volle tausend Jahre vorbei sind, auftreten – jedes der Jahre zu zwölf Monaten nach dem Qur’án und zu neunzehn Monaten zu neunzehn Tagen nach dem Bayán gerechnet – und sollte gleich ein solcher Mensch vor euren Augen alle Zeichen Gottes offenbaren, so sollt ihr ihn doch ohne Zögern von euch weisen.«
6:72Die Erklärungen, die ‘Abdu’l-Bahá selbst in Übereinstimmung mit dieser Warnung abgibt, sind nicht weniger nachdrücklich und verpflichtend: »Dies ist«
, so sagt Er, »meine feste, unerschütterliche Überzeugung, das Wesen meines rückhaltlosen, ausdrücklichen Glaubens, eine Überzeugung und ein Glaube, den die Bewohner des Abhá-Königreichs vollkommen teilen: Die Gesegnete SchönheitBahá’u’lláh – Anm. d. Hrsg.A ist die Sonne der Wahrheit, und Ihr Licht ist das Licht der Wahrheit. Der Báb ist gleicherweise die Sonne der Wahrheit, und Sein Licht ist das Licht der Wahrheit … Meine Stufe ist die Stufe des Dienstes, eines Dienstes, der vollständig, rein und wirklich, sicher begründet, andauernd, deutlich, ausdrücklich offenbart und keiner irgendwie gearteten Deutung unterworfen ist … Ich bin der Ausleger des Wortes Gottes; dies ist meine Auslegung.«
6:73Entreißt nicht ‘Abdu’l-Bahá in Seinem eigenen Willen – mit einem Ton und einer Sprache, die auch die hartnäckigsten Verletzer des Bundes Seines Vaters wohl verwirren können – denjenigen Personen ihre stärkste Waffe, die so lange und mit solcher Beharrlichkeit getrachtet hatten, Ihn durch die Behauptung zu belasten, dass Er stillschweigend Anspruch auf eine ebenso hohe, wenn nicht höhere Stufe als diejenige Bahá’u’lláhs erhöbe? »Die Glaubensgrundlage des Volkes Bahás«
, so lautet einer der gewichtigsten Abschnitte jener letzten Urkunde, die hinterlassen wurde, um für alle Zeiten die Weisungen und Wünsche eines dahingegangenen Meisters zu verkünden, »ist diese: Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist die Manifestation der Einheit und Einzigkeit Gottes und der Vorläufer der Urewigen Schönheit. Seine Heiligkeit die Schönheit AbháBahá’u’lláh.A – möge mein Leben ein Opfer für Seine standhaften Freunde sein – ist die erhabenste Manifestation Gottes und der Tagesanbruch Seines göttlichsten Wesens. Alle anderen sind Seine Diener und folgen Seinem Gebot.«‘Abdu’l-Bahá, Wille und Testament 37 – Anm. d. Hrsg.
Q6:74Aus solchen klaren, in aller Form niedergelegten Erklärungen, die mit irgendwelchen Behauptungen eines Anspruchs auf Prophetenschaft unvereinbar sind, sollte indessen keineswegs gefolgert werden, dass ‘Abdu’l-Bahá nur einer der Diener der Gesegneten Schönheit oder im besten Falle jemand ist, dessen Aufgabe sich auf die Tätigkeit eines bevollmächtigten Auslegers der Lehren Seines Vaters beschränkt. Es sei mir ferne, derartige Ansichten zu hegen oder anderen solche Empfindungen einflößen zu wollen. Ihn in einem solchen Lichte zu betrachten, ist offenkundiger Verrat an dem unschätzbaren Erbe, das Bahá’u’lláh der Menschheit hinterlassen hat. Unermesslich erhaben ist die Ihm durch die Erhabene Feder verliehene Stufe über die aus diesen Seinen eigenen schriftlichen Erklärungen sich ergebenden Folgerungen. Sei es im Kitáb-i-Aqdas, dem bedeutungsvollsten und heiligsten aller Werke Bahá’u’lláhs, im Kitáb-i-‘Ahd, dem Buche Seines Bundes, oder in der Súriy-i-Ghuṣn [Tafel vom Ast], überall statten diese durch die Feder Bahá’u’lláhs niedergeschriebenen Hinweise – Hinweise, die durch die von Seinem Vater an Ihn gerichteten Sendschreiben noch gewaltig unterstrichen werden – ‘Abdu’l-Bahá mit einer Macht aus und umgeben sie Ihn mit einem Glanze, wie sie das heutige Geschlecht nie hinreichend wird würdigen können.6:75Er ist zuerst und vor allem der Mittelpunkt und die Achse des unvergleichlichen und allumfassenden Bundes Bahá’u’lláhs und sollte für immer so betrachtet werden, als Seine erhabenste Schöpfung, der fleckenlose Spiegel Seines Lichtes, das vollkommene Beispiel Seiner Lehren, der niemals irrende Ausleger Seines Wortes, der Ausdruck eines jeglichen Bahá’í-Ideals, die Verkörperung jeder Bahá’í-Tugend, der Mächtigste Ast, der aus der Urewigen Wurzel hervorging, der Arm des göttlichen Gesetzes, das Wesen, »um das sich alle Namen bewegen«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Arḍ-i-Bá, in: Botschaften aus ‘Akká 16:1 – Anm. d. Hrsg.
Q, die Triebkraft der Vereinigung der Menschheit, das Banner des Größten Friedens, der Mond des Zentralgestirns dieser heiligsten Sendung. Dies alles sind Benennungen und Ehrennamen, die sich aus Seiner Stufe ergeben und ihren getreuesten, höchsten, edelsten Ausdruck in dem Zaubernamen ‘Abdu’l-Bahá finden. Er ist, jenseits von allen diesen Benennungen, »das Geheimnis Gottes«
– ein Ausdruck, den Bahá’u’lláh selbst gewählt hat, um Ihn zu bezeichnen, und der, ohne uns irgendwie zur Zuerkennung der Stufe der Prophetenschaft zu berechtigen, andeutet, wie in der Gestalt ‘Abdu’l-Bahás die auseinanderlaufenden Kennzeichen menschlicher Natur und übermenschlicher Erkenntnis und Vollkommenheit verschmolzen und in völlige Übereinstimmung gebracht sind.6:76»Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist«
, verkündet das Kitáb-i-Aqdas, »wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel entsprungen ist.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.
Q Und weiter: »Wenn sich die Mystische Taube aus ihrem Tempel des Lobpreises emporgeschwungen und ihr fernes Ziel, ihre verborgene Behausung, erreicht hat, wendet euch in allem, was ihr im Buche nicht versteht, an Ihn, der aus diesem mächtigen Stamm hervorging.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:174 – Anm. d. Hrsg.
Q6:77Auch im Kitáb-i-‘Ahd erklärt Bahá’u’lláh feierlich und ausdrücklich: »Es ist den Aghṣán, den Afnán und Meiner Verwandtschaft zur Pflicht gemacht, dass sie allesamt ihr Antlitz dem Mächtigsten Ast zuwenden. Beachtet, was Wir in Unserem Heiligsten Buche offenbart haben: ›Wenn das Meer Meiner Gegenwart verebbt und das Buch Meiner Offenbarung abgeschlossen ist, so wendet euer Angesicht zu Ihm, den Gott bestimmt hat, der aus dieser Urewigen Wurzel kam.‹Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:121 – Anm. d. Hrsg.
Q Der Gegenstand dieses heiligen Verses ist kein anderer als der Mächtigste Ast‘Abdu’l-Bahá.A. So haben Wir euch gnädig Unseren machtvollen Willen offenbart, und wahrlich, Ich bin der Gnadenvolle, der Allmächtige.«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-‘Ahd, in: Botschaften aus ‘Akká 15:9 – Anm. d. Hrsg.
Q6:78In der Súriy-i-Ghuṣn sind folgende Verse aufgezeichnet:» Vom Sadratu’l-Muntahá ist dieses heilige und erhabene Wesen, dieser Zweig der Heiligkeit, entsprossen. Wohl dem, der bei Ihm Zuflucht sucht und unter Seinem Schatten weilt. Wahrlich, der Ast des Gesetzes Gottes ist von dieser Wurzel ausgegangen, die Gott fest in den Boden Seines Willens pflanzte und deren Ast in einem Maß erhoben wurde, dass er die ganze Schöpfung überschattet. Gepriesen sei Er für dieses erhabene, dieses segensreiche, mächtige und herrliche Werk! … Ein Wort ist aus der Größten Tafel als Zeichen Unserer Gnade hervorgegangen, ein Wort, das Gott mit dem Schmucke Seines eigenen Wesens zierte und zum Herren über die Erde und alles, was auf ihr ist, und zu einem Zeichen Seiner Größe und Macht unter ihren Bewohnern setzte … Danke Gott, o Volk, dass Er erschienen ist, denn wahrlich, Er ist für euch die größte Gnade, die vollkommenste Güte, und durch Ihn wird jedes modernde Gebein lebendig. Wer Ihm sich zuwendet, hat sich Gott zugewandt, und wer sich von Ihm abkehrt, hat sich von Meiner Schönheit abgekehrt, hat Meinen Beweis verworfen und sich gegen Mich vergangen. Er ist der Vertraute Gottes unter euch, Sein Pfand in euch, Seine Offenbarung für euch und Seine Erscheinung unter Seinen begünstigten Dienern … Wir haben Ihn herabgesandt in der Gestalt eines menschlichen Tempels. Gesegnet und geheiligt sei Gott, der durch Seinen unumstößlichen, unfehlbaren Ratschluss werden lässt, was immer Er wünscht. Wer nicht im Schatten des Astes bleibt, der ist verloren in der Wüste des Irrtums. Die Glut der weltlichen Wünsche zehrt ihn auf, und er gehört zu denen, die sicherlich untergehen.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Ghuṣn, in Days of Remembrance 29:4, 29:5, 29:6, 29:8 – Anm. d. Hrsg.
Q6:79»O Du, der Du Mein Augapfel bist!«
, schreibt Bahá’u’lláh mit eigener Hand an ‘Abdu’l-Bahá, »Meine Herrlichkeit, das Weltmeer Meiner Güte, die Sonne Meiner Freigebigkeit, der Himmel Meiner Barmherzigkeit seien mit Dir! Wir bitten Gott, Er möge die Welt erleuchten mit Deinem Wissen und Deiner Weisheit und für Dich verordnen, was Dein Herz erfreue und Dein Auge tröste.«
»Gottes Herrlichkeit sei auf Dir«
, schreibt Er in einem anderen Sendschreiben, »sowie auf allen, die Dir dienen und um Dich sind. Weh, großes Weh begegne dem, der sich Dir widersetzt und Dich beleidigt. Wohl dem, der Dir die Treue zuschwört! Das Feuer der Hölle aber möge jene peinigen, die Dir feind sind.«
»Wir machten Dich zu einer Zuflucht für die ganze Menschheit«
, bezeugt Er in einem weiteren Sendschreiben, »zu einem Schild für alle, die im Himmel und auf Erden sind, zu einer Feste für alle, die an Gott, den Unvergleichlichen, den Allwissenden, glauben. Gott gebe Dir, dass Er durch Dich sie schütze, sie reich mache und erhalte und dass Er Dich mit dem erfülle, was zu einer Quelle für den Wohlstand aller erschaffenen Dinge, zu einem Meer der Freigebigkeit für alle Menschen und zum Tagesanbruch des Erbarmens über alle Völker werde.«
6:80»Du weißt, o Mein Gott«
, fleht Bahá’u’lláh in einem zu Ehren ‘Abdu’l-Bahás offenbarten Gebete, »dass Ich für Ihn nichts anderes wünsche, als was Du selbst wünschest, und Ihn zu keinem anderen Zweck bestimmte als zu dem, den Du für Ihn bestimmt hast. Verhilf Ihm darum zum Sieg durch Deine Heerscharen des Himmels und der Erde … Verordne – Ich bitte Dich bei der Inbrunst Meiner Liebe zu Dir und bei Meiner Sehnsucht, Deine Sache zu offenbaren – verordne für Ihn und die, die Ihn lieben, was Du für Deine Botschafter und die Treuhänder Deiner Offenbarung angeordnet. Wahrlich, Du bist der Allmächtige, der Allgewaltige.«
6:81In einem von Bahá’u’lláh diktierten und durch Seinen Schreiber Mírzá Áqá Ján mit Anschrift versehenen Schreiben an ‘Abdu’l-Bahá, der zu der Zeit auf Besuch in Beirut weilte, lesen wir: »Gepriesen sei Er, der das Land BáBeirut.A mit der Anwesenheit Dessen ehrte, den alle Namen umkreisen. Sämtliche Atome der Erde haben allem Erschaffenen kundgetan, dass von den Toren der Gefängnisstadt her der Stern der Schönheit des großen, des Mächtigsten Astes Gottes – Sein urewiges und unabwandelbares Geheimnis – aufgegangen ist und, über ihrem Horizonte leuchtend, nun in ein anderes Land zieht. Kummer hat diese Gefängnisstadt darum erfüllt, dieweil ein anderes Land jubelt. Gesegnet, zweifach gesegnet ist der Boden, den Seine Füße treten, das Auge, das von der Schönheit Seines Antlitzes entzückt ward, das Ohr, dem die Ehre widerfahren, Seinem Ruf zu lauschen, das Herz, das Seiner Liebe Süße kostet, die Brust, die im Gedenken an Ihn weit wird, die Feder, die Seinen Lobpreis kündet, das Pergament, das das Zeugnis Seiner Schrift trägt!«Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Arḍ-i-Bá, in: Botschaften aus ‘Akká 16:1, 16:2 – Anm. d. Hrsg.
Q6:82Die Ihm von Bahá’u’lláh verliehene Autorität bestätigend, stellt ‘Abdu’l-Bahá fest: »Im Einklang mit dem ausdrücklichen Wortlaut des Kitáb-i-Aqdas hat Bahá’u’lláh zum Ausleger Seines Wortes den Mittelpunkt des Bundes gemacht – eines Bundes, so fest und so mächtig, wie ihn ähnlich keine religiöse Sendung seit Anbeginn der Zeit bis auf den heutigen Tag hervorgebracht hat.«
6:83Wie erhaben aber der Rang ‘Abdu’l-Bahás und wie überreich der Lobpreis immer sei, womit Bahá’u’lláh in diesen heiligen Büchern und Sendschreiben Seinen Sohn verherrlicht, so darf doch eine so beispiellose Auszeichnung nie in einem Sinn gedeutet werden, als verliehe sie ihrem Empfänger eine Stufe, die gleichbedeutend oder auch nur gleichwertig mit derjenigen Seines Vaters, der Manifestation selbst, ist. Irgendwelchen der angeführten Stellen eine derartige Auslegung zu geben, würde sie sofort aus einleuchtenden Gründen in Widerspruch mit den nicht weniger klaren und beglaubigten Versicherungen und Warnungen bringen, auf die ich bereits hinwies. In der Tat sind, wie ich schon weiter oben schrieb, diejenigen, die ‘Abdu’l-Bahás Stufe überschätzen, genauso tadelnswert, und sie haben ebenso viel Schaden angerichtet wie diejenigen, die sie unterschätzen. Und das aus keinem anderen Grunde, als dass sie durch ihr Beharren auf einer völlig ungerechtfertigten Folgerung aus Bahá’u’lláhs Schriften unbewusst dem Feind eine Rechtfertigung erteilen und ihm fortdauernd Stoff für seine falschen Beschuldigungen und irreführenden Darstellungen liefern.6:84Ich erachte es daher für nötig, eindeutig und ohne Zögern festzustellen, dass weder das Kitáb-i-Aqdas noch auch das Buch des Bundes Bahá’u’lláhs oder gar die Tafel vom Ast oder irgendein anderes Sendschreiben, ob es nun von Bahá’u’lláh oder ‘Abdu’l-Bahá offenbart sei, die geringste Begründung für die Auffassung enthält, die zur Aufrechterhaltung der sogenannten »mystischen Einheit« von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá oder zur Annahme einer Identität des letzteren mit Seinem Vater oder mit einer der vorangegangenen Manifestationen neigt. Diese so irrige Auffassung entspringt zu einem Teil wohl einer völlig abwegigen Auslegung gewisser Ausdrücke und Stellen in der Tafel vom Ast und der Einfügung gewisser Worte in dessen englische Übersetzung, die entweder nicht vorhanden, oder irreführend und doppelsinnig sind. Sie gründet zweifellos hauptsächlich auf einer völlig ungerechtfertigten Schlussfolgerung aus den Anfangsstellen einer Tafel Bahá’u’lláhs, die in Bahá’í Scriptures auszugsweise unmittelbar vor der genannten Tafel vom Ast gestellt ist, ohne jedoch dazuzugehören. Es sollte jedem Leser dieser Auszüge klargemacht werden, dass mit dem Ausdruck »die Zunge des Urewigen«
niemand anders als Gott gemeint, dass die Redewendung »der Größte Name«
ein klarer Hinweis auf Bahá’u’lláh und dass der angeführte »Bund«Bahá’u’lláh, Baha’i Scriptures 527, p. 255: »In Seinem Namen, der vom Horizont der Macht hervorstrahlt! Wahrlich, die Zunge des Urewigen verkündet an jene, die in der Welt sind, frohe Botschaft über das Erscheinen des Größten Namens und der Seinen Bund schließt unter den Völkern.« – Anm. d. Hrsg.
Q nicht der besondere Bund ist, dessen unmittelbarer Stifter Bahá’u’lláh und dessen Mittelpunkt ‘Abdu’l-Bahá war, sondern dass damit der allgemeine Bund gemeint ist, den, wie die Bahá’í-Lehre betont, Gott selbst unverbrüchlich mit der Menschheit schließt, sooft Er eine neue Sendung einleitet. »Die Zunge«
, die, wie es in jenen Auszügen heißt, die »frohe Botschaft spendet«
, ist nichts anderes als die Stimme Gottes, die sich auf Bahá’u’lláh bezieht, und nicht Bahá’u’lláh, der sich auf ‘Abdu’l-Bahá bezöge.6:85Zu behaupten, dass die Versicherung »Er ist Ich selbst«
– statt die mystische Einheit Gottes mit Seinen Manifestationen zu bezeichnen, wie dies im Kitáb-i-Íqán erklärt ist –, die Identität Bahá’u’lláhs mit ‘Abdu’l-Bahá begründe, würde geradezu eine Verletzung des oft wiederholten Grundsatzes der Einheit der Manifestationen Gottes bilden – eines Grundsatzes, den der Urheber eben jener Auszüge durch die sich daraus ergebende Folgerung betonen wollte.6:86Es würde auch auf einen Rückfall in jene vernunftwidrigen, abergläubischen Glaubenssätze hinauslaufen, die sich im ersten Jahrhundert des christlichen Zeitalters unversehens in die Lehren Jesu Christi eingeschlichen und durch Verdichtung zu anerkannten Dogmen die Wirkkraft des christlichen Glaubens geschwächt und seine Absichten verdunkelt haben.6:87»Ich versichere«
, so lautet ‘Abdu’l-Bahás eigene schriftliche Auslegung der Tafel vom Ast, »dass der wirkliche Sinn, die wahre Bedeutung, das innerste Geheimnis dieser Verse, eben dieser Worte, meine eigene Dienstbarkeit an der heiligen Schwelle der Schönheit Abhá, meine völlige Selbstaufgabe, meine äußerste Bedeutungslosigkeit vor Ihm ist. Das ist meine leuchtende Krone und meine köstlichste Zierde. Dessen rühme ich mich im Reiche, das im Himmel und auf Erden ist, dessen freue ich mich im Kreise der Begünstigten!«
»Niemandem ist gestattet«
, so warnt Er uns im unmittelbar darauf folgenden Absatz, »diesen Versen irgendeinen anderen Sinn zu geben.«
»Ich bin«
, bekräftigt Er in diesem Zusammenhang, »gemäß dem ausdrücklichen Wortlaut des Kitáb-i-Aqdas und des Kitáb-i-‘Ahd, der offenbare Ausleger des Wortes Gottes. … Wer auch immer von meiner Auslegung abweicht, ist ein Opfer seiner eigenen Einbildung.«
6:88Noch mehr: Die unvermeidliche Schlussfolgerung aus dem Glauben an die Identität des Stifters unseres Glaubens mit Ihm, der Mittelpunkt Seines Bundes ist, wäre, dass ‘Abdu’l-Bahá in eine über den Báb erhobene Stellung rückte, während gerade das Gegenteil davon das grundlegende, wenn auch bislang noch nicht allgemein erkannte Prinzip dieser Offenbarung ist. Es würde auch die Beschuldigungen rechtfertigen, mit denen die Bundesbrecher sich während der ganzen Amtszeit ‘Abdu’l-Bahás bemühten, die Gemüter zu vergiften und die Auffassung der getreuen Nachfolger Bahá’u’lláhs zu verdrehen.6:89Es wäre richtiger und stünde mit den festgelegten Prinzipien Bahá’u’lláhs und des Báb in besserem Einklang, wenn wir, statt an dieser erdichteten Identität in Bezug auf ‘Abdu’l-Bahá festzuhalten, den Vorläufer und den Stifter unseres Glaubens als ihrer Wirklichkeit nach identisch ansähen – eine Wahrheit, die der Wortlaut der Súratu’l-Haykal unmissverständlich bestätigt. »Wäre, wie ihr geltend macht, der Erste Punktder Báb.A irgendjemand außer Mir gewesen«
, so lautet die ausdrückliche Feststellung Bahá’u’lláhs, »und wäre Er in Meine Nähe gekommen, wahrlich, Er hätte sich nie gestattet, sich von Mir zu trennen, sondern Wir würden Uns in Meinen Tagen gegenseitig ergötzt haben.«Bahá’u’lláh, Súriy-i-Haykal, in Anspruch und Verkündigung 1:96 – Anm. d. Hrsg.
Q »Er, der nun Gottes Wort verkündigt«
, so bekräftigt Bahá’u’lláh nochmals, »ist kein anderer als der Erste Punkt, der jetzt aufs neue offenbart ward.«
»Er ist«
, so sagt Er in einem an einen der Buchstaben des Lebendigen gerichteten Sendschreiben über sich selbst, »der Gleiche wie Er, der im Jahre sechzig1260 d. H.A erschien. Das, wahrlich, ist einer Seiner machtvollen Zeichen.«
»Wer«
, so fragt Er in der Súriy-i-Damm, »wird sich erheben, um den Sieg der Ersten Schönheitdes Báb.A zu sichern, die im Angesicht Seiner Ihm folgenden Manifestation offenbart wurde?«
Indem Er sich auf die durch den Báb verkündete Offenbarung bezieht, beschreibt Er sie umgekehrt als »Meine Mir vorangegangene Manifestation«Siehe 6:55 – Anm. d. Hrsg.
Q.6:90Dass ‘Abdu’l-Bahá keine Manifestation Gottes ist, dass Er Sein Licht, Seine Erleuchtung und Kraft unmittelbar aus der Quelle der Bahá’í-Offenbarung erhält, dass Er, gleich einem klaren und vollkommenen Spiegel, das Licht der Herrlichkeit Bahá’u’lláhs zurückstrahlt und nicht etwa angestammt jene unbestimmbare und dennoch alles durchdringende Wirklichkeit besitzt, deren ausschließlicher Besitz das Kennzeichen des Prophetentums bildet, dass Seine Worte nicht im gleichen Range mit den Äußerungen Bahá’u’lláhs stehen, obwohl sie die gleiche Gültigkeit wie jene besitzen, dass Er nicht als die Wiederkehr Jesu Christi anzusehen ist, des Sohnes, der da kommen wird »in der Herrlichkeit des Vaters«Mk. 8:38, Mt. 16:27 – Anm. d. Hrsg.
Q, – alle diese Wahrheiten finden eine verstärkte Rechtfertigung und weitere Erhärtung in der folgenden Erklärung ‘Abdu’l-Bahás an einige Gläubige in Amerika, mit der ich diesen Abschnitt angemessen schließen möchte: »Ihr habt geschrieben, dass unter den Gläubigen verschiedene Meinungen über das ›Zweite Kommen Christi‹ bestehen. Gütiger Gott! Immer und immer wieder ist diese Frage aufgetaucht und zur Antwort darauf in klarer und unwiderleglicher Darlegung aus der Feder ‘Abdu’l-Bahás geflossen, dass das, was die Prophezeiungen mit dem ›Herren der Heerscharen‹ und dem ›Verheißenen Christus‹ meinten, die Gesegnete VollkommenheitBahá’u’lláh.A und Seine Heiligkeit der Erhabeneder Báb.A ist. Mein Name ist ‘Abdu’l-Bahá. Meine Auszeichnung ist ‘Abdu’l-Bahá. Meine Wirklichkeit ist ‘Abdu’l-Bahá. Mein Ruhm ist ‘Abdu’l-Bahá. Unterwerfung unter die Gesegnete Vollkommenheit ist meine köstliche und strahlende Krone und Dienst am ganzen Menschengeschlecht meine immerwährende Religion … Kein anderer Name, kein Titel, keine Erwähnung, keine Empfehlung ist mir eigen, noch will ich sie je zu eigen haben denn nur ‘Abdu’l-Bahá. Das ist mein Wunsch. Das ist meine größte Sehnsucht. Das ist mein ewiges Leben. Das ist meine nie vergehende Ehre!«‘Abdu’l-Bahá, Tablets of Abdul-Baha Abbas, p. 429–430 – Anm. d. Hrsg.
QDie Administrative Ordnung6:91Innig geliebte Brüder und Schwestern im Namen ‘Abdu’l-Bahás! Mit dem Hinscheiden Bahá’u’lláhs war das Tagesgestirn göttlicher Führung, das sich, wie von Shaykh Aḥmad und Siyyid Káẓim vorausgesagt, in Shíráz erhoben und in seinem Lauf nach Westen den Höhepunkt in Adrianopel erreicht hatte, schließlich am Horizont von ‘Akká untergegangen, um sich vor Ablauf eines vollen Jahrtausends nicht wieder zu erheben. Mit dem Herabsinken eines so strahlenden Himmelskörpers endete nun die Phase der Göttlichen Offenbarung – die erste und belebendste Phase des Bahá’í-Zeitalters. Vom Báb begonnen, durch Bahá’u’lláh vollendet, von der gesamten Schar der Propheten dieses großen prophetischen Zyklus vorausgesehen und gepriesen, ist dieser Zeitabschnitt, abgesehen von einer kurzen Unterbrechung zwischen dem Märtyrertod des Báb und den aufrüttelnden Erlebnissen Bahá’u’lláhs im Síyáh-Chál von Ṭihrán, gekennzeichnet durch fast fünfzig Jahre beständiger und fortschreitender Offenbarung, ein Zeitabschnitt, der in seiner Dauer und Fruchtbarkeit als beispiellos in der gesamten Religionsgeschichte der Welt betrachtet werden muss.6:92Das Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahás wiederum kennzeichnet das Ende des Heroischen und Apostolischen Zeitalters dieser Sendung, das Ende jener Anfangszeit unseres Glaubens, deren Herrlichkeit niemals mit der Großartigkeit der künftigen Siege der Offenbarung Bahá’u’lláhs verglichen oder gar davon in den Schatten gestellt werden kann. Denn weder die Errungenschaften der Baumeister der heutigen Institutionen des Glaubens Bahá’u’lláhs noch die aufsehenerregenden Triumphe, die die Helden des Goldenen Zeitalters in kommenden Tagen erringen werden, können sich mit dem wunderbaren Werk messen, das mit den Namen derer verknüpft ist, die es ins Leben gerufen und seine ursprünglichen Grundlagen gelegt haben, noch können sie in die gleiche Kategorie eingeordnet werden. Seinem Wesen nach steht jener erste, schöpferische Abschnitt des Bahá’í-Zeitalters notwendig über und abseits der gestaltgebenden Epoche, in die wir jetzt eingetreten sind, und dem goldenen Zeitalter, das ihr folgen wird.6:93Von ‘Abdu’l-Bahá, Der eine Institution verkörpert, für die wir keinerlei Gegenstück in irgendeinem der anerkannten religiösen Weltsysteme finden, kann man sagen, Er habe das Zeitalter, dem Er selbst angehörte, abgeschlossen und das Zeitalter, in dem wir heute arbeiten, eingeleitet. Sein Wille und Testament sollte daher als das dauerhafte, unauflösliche Bindeglied betrachtet werden, das der Geist Dessen, Der das Geheimnis Gottes ist, konzipiert hat, um die Kontinuität der drei Zeitalter zu sichern, die die Bestandteile der Bahá’í-Sendung bilden. Die Zeit, in der die Saat des Glaubens langsam zu keimen begann, ist also sowohl mit derjenigen verflochten, die sein Aufblühen erleben wird, als auch mit dem späteren Zeitalter, in dem diese Saat schließlich ihre goldenen Früchte tragen wird.6:94Die durch das Gesetz Bahá’u’lláhs freigesetzten schöpferischen Kräfte, die den Geist ‘Abdu’l-Bahás durchdringen und sich in ihm entfalten, haben durch ihren direkten Einfluss und ihre enge Wechselwirkung ein Instrument ins Leben gerufen, das als die Charta der Neuen Weltordnung angesehen werden kann, die zugleich der Glanz und die Verheißung dieser größten Sendung ist. Man kann also das Testament würdigen als natürliche Folge und Frucht aus der mystischen Vereinigung Dessen, Der den schöpferischen Einfluss Seiner göttlichen Absicht kundtat, mit Dem Einen, Der ihr Mittler und auserwählter Empfänger war. Als Kind des Bundes – dem Erben sowohl des Urhebers als auch des Auslegers des Gesetzes Gottes – kann das Testament ‘Abdu’l-Bahás so wenig von Ihm, von Dem der ursprüngliche Antrieb ausging, wie von Dem, Der es letztlich konzipiert hat, getrennt werden. Bahá’u’lláhs unergründliche Absicht hat, wie wir uns stets vor Augen halten müssen, die Handlungsweise ‘Abdu’l-Bahás so vollständig durchdrungen und Ihre Beweggründe waren derart eng verbunden, dass der bloße Versuch, die Lehren Bahá’u’lláhs von irgendeinem durch das vollkommene Vorbild dieser selben Lehren eingeführten System zu trennen, der Ablehnung einer der heiligsten, grundlegenden Wahrheiten des Glaubens gleichkäme.6:95Die Administrative Ordnung, die sich seit ‘Abdu’l-Bahás Hinscheiden ständig weiterentwickelt hat und unter unseren Augen in nicht weniger als vierzig Ländern der Welt Gestalt annimmt, kann als das Rahmenwerk des Testaments betrachtet werden, als unangreifbare Festung, in der dieses neugeborene Kind genährt und herangezogen wird. Während diese Administrative Ordnung sich ausbreitet und festigt, wird sie zweifellos ihr Potenzial zeigen und die volle Tragweite dieses bedeutsamen Dokuments offenbaren – dieses höchst bemerkenswerten Ausdrucks des Willens einer der bemerkenswertesten Gestalten der Offenbarung Bahá’u’lláhs. Sobald ihre Bestandteile, ihre organischen Institutionen beginnen, effizient und kraftvoll zu funktionieren, wird sie ihren Anspruch behaupten und ihre Befähigung unter Beweis stellen, nicht nur als Keimzelle, sondern als das Modell der Neuen Weltordnung angesehen zu werden, die dazu bestimmt ist, zur festgesetzten Zeit die gesamte Menschheit zu umfassen.6:96In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass diese Administrative Ordnung sich grundlegend von allem unterscheidet, was irgendein Prophet zuvor festgelegt hat, denn Bahá’u’lláh hat Selbst ihre Grundlagen offenbart, ihre Institutionen geschaffen, die Person, die Sein Wort auslegen soll, ernannt und der Körperschaft, die Seine Gesetze und Gebote ergänzen und anwenden soll, die erforderliche Amtsgewalt übertragen. Hierin liegt das Geheimnis ihrer Kraft, ihre grundlegende Besonderheit und ihr Schutz vor Auflösung und Spaltung. Nirgendwo in den heiligen Schriften irgendeines der religiösen Weltsysteme, nicht einmal in den Schriften des Stifters der Bábí-Sendung, finden wir irgendwelche Vorkehrungen für die Errichtung eines Bundes oder für eine Verwaltungsordnung, die sich an Ausmaß und Autorität mit denen vergleichen lassen, die der Bahá’í-Sendung zugrunde liegen. Haben Christentum oder Islám, um nur zwei der am weitesten verbreiteten und bedeutendsten der anerkannten Weltreligionen zu nennen, etwas zu bieten, das sich mit Bahá’u’lláhs Buch des Bundes oder dem Testament ‘Abdu’l-Bahás messen oder als gleichwertig angesehen werden kann? Haben die Führer und Körperschaften, die das Recht beanspruchen und die Aufgabe übernommen haben, die Verordnungen ihrer heiligen Schriften auszulegen und die Angelegenheiten der betreffenden Gemeinschaften zu verwalten, durch den Text des Evangeliums oder des Qur’án ausreichende Autorität verliehen bekommen? Konnte Petrus, das anerkannte Oberhaupt der Apostel, oder der Imám ‘Alí, der Vetter und rechtmäßige Nachfolger des Propheten, zur Bekräftigung des Vorrangs, mit dem sie beide ausgestattet waren, schriftliche und ausdrückliche Bestätigungen von Christus und Muḥammad vorlegen, um damit unter ihren Zeitgenossen oder in einer späteren Zeit jene zum Schweigen zu bringen, die ihre Autorität zurückwiesen und durch ihr Handeln die Spaltungen herbeigeführt haben, die bis zum heutigen Tag andauern? Wo können wir, so dürfen wir getrost fragen, in den überlieferten Worten Jesu Christi, irgendetwas neben den rein geistigen Prinzipien finden, das bezüglich der Nachfolge oder der Verfügung besonderer Gesetze und klar definierter Verwaltungsvorschriften, auch nur annähernd vergleichbar ist mit den detaillierten Anordnungen, Gesetzen und Warnungen, die so reichlich in den verbürgten Äußerungen sowohl Bahá’u’lláhs als auch ‘Abdu’l-Bahás zu finden sind? Kann irgendein Abschnitt des Qur’án, der hinsichtlich seiner Gesetze, Verwaltungs- und Andachtsvorschriften bereits einen bemerkenswerten Fortschritt gegenüber stärker verfälschten früheren Offenbarungen aufweist, dahin ausgelegt werden, dass er die unbestreitbare Autorität, die Muḥammad Seinem Nachfolger mündlich und bei mehreren Gelegenheiten übertragen hatte, auf eine unangreifbare Grundlage stellt? Dem Stifter der Bábí-Sendung ist es gelungen, durch die Vorschriften des Persischen Bayán eine dauerhafte und verhängnisvolle Glaubensspaltung, wie sie die Christenheit und den Islám befallen hat, abzuwenden, doch kann von Ihm gesagt werden, dass Er Einrichtungen zum Schutze Seines Glaubens geschaffen hat, die so fest umrissen und wirksam sind wie diejenigen, die für alle Zeit die Einheit der organisierten Anhänger des Glaubens Bahá’u’lláhs bewahren müssen?6:97Unter allen bisherigen Offenbarungen hat einzig dieser Glaube durch die ausdrücklichen Anweisungen, die wiederholten Warnungen und die verbürgten Schutzmaßnahmen, die in seinen Lehren enthalten und dargelegt sind, eine Struktur geschaffen, der sich die verstörten Anhänger der gescheiterten und zerbrochenen Glaubensrichtungen sehr wohl nähern können, um sie kritisch zu prüfen und, bevor es zu spät ist, die unverletzliche Sicherheit ihres weltumfassenden Schutzes aufzusuchen.6:98So ist es nicht verwunderlich, dass Er, Der kraft Seines Willens eine so umfassende und einzigartige Ordnung ins Leben gerufen hat und Mittelpunkt eines so mächtigen Bundes ist, folgende Worte niedergeschrieben hat: »So fest und mächtig ist dieser Bund, dass von Anbeginn der Zeit bis heute keine religiöse Sendung etwas Vergleichbares hervorgebracht hat.«
»Was auch immer im Innersten dieses heiligen Zyklus noch verborgen ist«
, schrieb Er in den dunkelsten und gefährlichsten Tagen Seiner Sendung, »wird allmählich zum Vorschein kommen und offenkundig werden, denn dies ist erst der Anfang seines Wachstums und der Tagesanbruch der Offenbarung seiner Zeichen.«
»Fürchtet euch nicht«
, lauten Seine beruhigenden Worte, die den Aufstieg der durch Seinen Willen geschaffenen Administrativen Ordnung erahnen lassen, »fürchtet euch nicht, wenn dieser Ast von der irdischen Welt getrennt wird und seine Blätter abwirft; tatsächlich werden seine Blätter sprießen, denn dieser Ast wird wachsen, nachdem er von der niederen Welt abgeschnitten wurde, er wird zum höchsten Gipfel der Herrlichkeit gelangen und Früchte tragen, die die Welt mit ihrem Wohlgeruch erfüllen werden«
.6:99Worauf sonst als auf die Macht und Majestät, die diese Administrative Ordnung – die Vorstufe des zukünftigen allumfassenden Bahá’í-Gemeinwesens – zu offenbaren bestimmt ist, könnten folgende Worte Bahá’u’lláhs hinweisen: »Die Welt ist aus dem Gleichgewicht geraten durch die Schwungkraft dieser größten, dieser neuen Weltordnung. Das geregelte Leben der Menschen ist aufgewühlt durch das Wirken dieses einzigartigen, dieses wundersamen Systems, desgleichen kein sterbliches Auge je gesehen hat.«
6:100Der Báb selbst kündigt in Seinen Hinweisen auf »Den, Den Gott offenbaren wird«
, das System an und verherrlicht die Weltordnung, die die Offenbarung Bahá’u’lláhs zu entfalten bestimmt ist. »Wohl dem«
, so heißt es in Seiner bedeutsamen Erklärung im dritten Kapitel des Persischen Bayán, »der seinen Blick auf die Ordnung Bahá’u’lláhs lenkt und seinem Herrn dankt! Denn Er wird sicherlich offenbar werden. Gott hat es wahrlich unwiderruflich im Bayán verordnet.«
6:101In den Schriften Bahá’u’lláhs, in denen die Institutionen des Internationalen Hauses und der Örtlichen Häuser der Gerechtigkeit ausdrücklich vorgesehen und formal festgelegt sind; in der Institution der Hände der Sache Gottes, die zuerst von Bahá’u’lláh, danach von ‘Abdu’l-Bahá ins Leben gerufen wurde; in der Institution der örtlichen und nationalen Räte, die bereits vor dem Hinscheiden ‘Abdu’l-Bahás noch in ihrer frühesten Entwicklungsphase tätig waren; in der Amtsgewalt, womit sie der Stifter unseres Glaubens und der Mittelpunkt Seines Bundes in Ihren Schriften auszustatten beliebten; in der Institution des örtlichen Fonds, der nach den von ‘Abdu’l-Bahá an bestimmte Räte in Persien gerichteten genauen Anweisungen verwaltet wurde; in den Versen des Kitáb-i-Aqdas, die in ihren Folgerungen deutlich die Institution des Hütertums vorwegnehmen; in der Erklärung, die ‘Abdu’l-Bahá in einem Seiner Sendschreiben für das von den Propheten der Vergangenheit hochgehaltene Erbprinzip und das Erstgeburtsrecht gab, sowie in dem Nachdruck, den Er darauf legte – in all dem können wir bereits den schwachen Schimmer und die ersten Andeutungen des Wesens und Wirkens der Administrativen Ordnung erkennen, die zu einem späteren Zeitpunkt durch den Letzten Willen ‘Abdu’l-Bahás verkündet und formal begründet werden sollte.6:102An dieser Stelle sollte meines Erachtens versucht werden, den Charakter und die Funktionen der beiden Säulen zu erklären, die diese mächtige Administrative Struktur tragen – die Institutionen des Hütertums und des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. Die verschiedenen Elemente, die mit diesen Institutionen zusammenwirken, in ihrer Gesamtheit zu beschreiben, würde den Rahmen und den Zweck dieser allgemeinen Darlegung der grundlegenden Wahrheiten des Glaubens sprengen. Genau die Merkmale zu definieren und bis ins kleinste Detail die Art der Beziehung zu ergründen, die einerseits diese beiden grundlegenden Organe des Letzten Willens ‘Abdu’l-Bahás miteinander verbindet, andererseits ein jedes von ihnen mit dem Stifter des Glaubens und dem Mittelpunkt Seines Bundes verknüpft, ist eine Aufgabe, die künftige Generationen zweifellos angemessen erfüllen werden. Ich möchte einige hervorstechende Merkmale dieser Anordnung herausarbeiten, die, wie nah wir auch vor seinem gewaltigen Bauwerk stehen mögen, sich doch bereits so klar abzeichnen, dass es unverzeihlich wäre, sie fehlzudeuten oder sie zu ignorieren.6:103Es muss gleich zu Anfang klar und unmissverständlich gesagt werden, dass diese Zwillingsinstitutionen der Administrativen Ordnung Bahá’u’lláhs ihrem Ursprung nach als göttlich, ihren Aufgaben nach als unentbehrlich, ihrem Zweck nach als einander ergänzend anzusehen sind. Ihr gemeinsames, grundlegendes Ziel ist, die Kontinuität der göttlich verordneten Autorität, die der Quelle unseres Glaubens entspringt, sicherzustellen, die Einheit der Gläubigen zu schützen und die Unversehrtheit und Anpassungsfähigkeit der Lehren zu wahren. Gemeinsam verwalten diese beiden untrennbaren Institutionen die Angelegenheiten des Glaubens, koordinieren seine Aktivitäten, fördern seine Interessen, wenden seine Gesetze an und schützen seine untergeordneten Institutionen. Jede einzelne wirkt in einem klar abgegrenzten Rechtsbereich, jede ist mit eigenen Hilfsinstitutionen ausgestattet – Werkzeuge für die wirksame Wahrnehmung ihrer besonderen Aufgaben und Pflichten. Jede übt innerhalb der ihr gesetzten Grenzen ihre Macht und Autorität, ihre Rechte und Vorrechte aus. Diese stehen weder in Widerspruch zueinander, noch schmälern sie im Geringsten die Stellung, die jede dieser Institutionen einnimmt. Weit davon entfernt, unvereinbar zu sein oder sich gegenseitig zu schädigen, ergänzen sie einander in ihrer Amtsgewalt und ihren Aufgaben und sind in ihren Zielen dauerhaft und grundlegend vereinigt.6:104Getrennt von der Institution des Hütertums wäre die Weltordnung Bahá’u’lláhs entstellt und dauerhaft des Erbprinzips beraubt, das, wie ‘Abdu’l-Bahá schreibt, unabänderlich durch das Gesetz Gottes beibehalten worden ist. »In allen göttlichen Sendungen«
, so erklärt Er in einem Sendschreiben an einen Anhänger des Glaubens in Persien, »ist dem ältesten Sohn eine besondere Auszeichnung zuteilgeworden. Sogar die Stufe des Prophetentums war sein Geburtsrecht.«
Ohne eine solche Institution wäre die Unversehrtheit des Glaubens bedroht und die Festigkeit seines Gefüges ernsthaft gefährdet. Sein Ansehen würde leiden, das Mittel, das einen ungetrübten Ausblick über eine Reihe von Generationen ermöglicht, würde komplett fehlen und die notwendige Führung, um den Gesetzgebungsbereich seiner gewählten Vertreter genau zu bestimmen, wäre ihm gänzlich entzogen.6:105Getrennt von der nicht weniger wichtigen Institution des Universalen Hauses der Gerechtigkeit wäre dieses vom Willen ‘Abdu’l-Bahás verfügte System in seiner Wirksamkeit gehemmt und außerstande, die Lücken auszufüllen, die der Verfasser des Kitáb-i-Aqdas mit Bedacht im Gefüge Seiner Gesetzes- und Verwaltungsanordnungen gelassen hat.6:106»Er ist der Ausleger des Wortes Gottes«
, bekräftigt ‘Abdu’l-Bahá bezogen auf die Aufgaben des Hüters des Glaubens und benutzt damit in Seinem letzten Willen genau denselben Ausdruck, den Er bei der Zurückweisung der Einwände der Bundesbrecher wählte, die Sein Recht zur Auslegung der Äußerungen Bahá’u’lláhs bestritten hatten. »Ihm wird«
, fügt Er hinzu, »der Erstgeborene seiner direkten Nachkommen folgen.«
»Die feste Burg«
, erklärt er weiter, »bleibt sicher und uneinnehmbar durch den Gehorsam gegen ihn, den Hüter der Sache Gottes.«
»Die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, alle Aghṣán, Afnán und Hände der Sache Gottes haben die Pflicht, dem Hüter der Sache Gottes Gehorsam, Ergebenheit und Unterordnung zu bezeigen.«
6:107»Die Vertrauensleute des Hauses der Gerechtigkeit haben über jene Dinge zu beraten«
, erklärt Bahá’u’lláh andererseits auf dem Achten Blatt des Erhabenen Paradieses, »die nicht ausdrücklich im Buche offenbart sind, und zu vollziehen, was sie für gut halten. Gott wird ihnen wahrlich eingeben, was Er will, und Er ist, wahrlich, der Versorger, der Allwissende.«
»Dem Heiligsten Buche«
[Kitáb-i-Aqdas], erklärt ‘Abdu’l-Bahá in Seinem Willen, »muss sich jeder zuwenden, und was darin nicht ausdrücklich verwahrt ist, ist dem Universalen Haus der Gerechtigkeit vorzulegen. Was diese Körperschaft einstimmig oder mit Stimmenmehrheit beschließt, ist die Wahrheit und Gottes eigener Wille. Wer davon abweicht, gehört fürwahr zu denen, die Zwietracht lieben, böse Absichten bekunden und sich vom Herrn des Bundes abwenden.«
6:108‘Abdu’l-Bahá bestätigt in Seinem Willen nicht nur die oben erwähnte Erklärung Bahá’u’lláhs, sondern er belehnt diese Körperschaft auch mit dem weiteren Recht und der Vollmacht, sowohl die eigenen gesetzlichen Verfügungen als auch diejenigen eines vorangegangenen Hauses der Gerechtigkeit je nach den Zeiterfordernissen aufzuheben. »Da dieses Haus der Gerechtigkeit«
, so heißt es ausdrücklich in Seinem Willen, »die Gewalt hat, Gesetze zu erlassen, die nicht ausdrücklich im Buche enthalten sind und sich auf täglich neue Angelegenheiten beziehen, hat es auch die Gewalt, solche Gesetze aufzuheben. Es kann dies tun, weil solche Gesetze nicht Teil des expliziten göttlichen Textes sind.«
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