Das Universale Haus der Gerechtigkeit | Das Jahrhundert des Lichts
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In der Struktur der Internationalen Bahá’í-Gemeinde spiegeln sich die Prinzipien wider, die auch ihre Arbeit prägen. Es ist ihr gelungen, nicht einfach als eine weitere Lobby oder Interessengruppe abgestempelt zu werden. Während sie die Fachkompetenz und Organisationsmöglichkeiten ihres UN-Büros und des Büros für Öffentlichkeitsarbeit (OPI) voll ausschöpft, wird sie von anderen Nichtstaatlichen Organisationen inzwischen als ›Verbund‹ demokratisch gewählter nationaler ›Räte‹ angesehen, die einen Querschnitt der Menschheit repräsentieren. Zu den Bahá’í-Delegationen bei internationalen Zusammenkünften gehören in der Regel von verschiedenen Nationalen Geistigen Räten ernannte Mitglieder, die Erfahrungen auf dem jeweils zur Diskussion stehenden Gebiet haben und regionale Sichtweisen beitragen können.
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Wie einflussreich der Glauben im Leben der Gesellschaft wirkt – wobei Beweggrund und Arbeitsweise zwei Dimensionen sind, die sich vereint Problemen nähern – zeigte sich bei den verschiedenen Weltgipfeln und damit verbundenen Konferenzen, die die Vereinten Nationen zwischen 1990 und 1996 veranstalteten. Während dieser fast sechs Jahre trafen sich die politischen Führer der Welt immer wieder unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, um über die großen Herausforderungen zu sprechen, denen sich die Menschheit gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gegenüber sah. Die Liste der Themen dieser historischen Zusammenkünfte muss jeden Bahá’í tief beeindrucken, spiegeln sie doch erstaunlich getreu zentrale Lehren Bahá’u’lláhs wider. Es scheint nur stimmig, dass der hundertste Jahrestag Seines Hinscheidens mitten in diese Zeit fiel; wodurch diese Zusammenkünfte in den Augen der Bahá’í eine geistige Bedeutung erlangten, die weit über ihre erklärten Ziele hinausging.
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Unter diesen Veranstaltungen sind einige Höhepunkte im Prozess des weltweiten Diskurses über Probleme, unter denen die Völker leiden: die Weltkonferenz für Erziehung 1990 in Thailand, der Weltkindergipfel 1990 in New York, der Umweltgipfel der Vereinten Nationen 1992 in Rio de Janeiro, die leidvolle, chaotische Weltkonferenz für Menschenrechte 1993 in Wien, der Weltbevölkerungsgipfel 1994 in Kairo, die Weltkonferenz für soziale Entwicklung 1995 in Kopenhagen und die besonders lebhafte vierte Weltfrauenkonferenz 1995 in PekingDie Weltkonferenz für Frauen in Beijing (Peking) gab fünfzig der zweitausend Nichtstaatlichen Organisationen die Möglichkeit, ihre Statements mündlich vorzutragen. Da der Internationalen Bahá’í-Gemeinde dieses Vorrecht bei früheren Konferenzen gewährt worden war, insbesondere in Rio de Janeiro bei der Umweltkonferenz und in Kopenhagen bei der Konferenz über soziale und wirtschaftliche Entwicklung, verzichtete der Bahá’í-Vertreter auf den ihm schon zugewiesenen Platz zu Gunsten des Moskauer Zentrums für Geschlechterstudien.A. Bei den gleichzeitigen Konferenzen der Nichtregierungsorganisationen hatten die Bahá’í-Delegationen, deren Mitglieder aus den verschiedensten Ländern kamen, Gelegenheit, strittige Fragen sowohl unter geistigen als auch unter sozialen Gesichtspunkten darzustellen. Das Vertrauen, das die Internationale Bahá’í-Gemeinde bei den vielen hundert Nichtstaatlichen Organisationen genießt, zeigt sich darin, dass Bahá’í-Delegationen von den anderen Teilnehmern immer wieder zu der ehrenvollen Aufgabe ausgewählt wurden, als eine von ganz wenigen Gruppen direkt vom Podium aus zur Konferenz zu sprechen, anstatt Stellungnahmen nur schriftlich verteilen zu können.
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Während der letzten Jahre des Jahrhunderts errangen viele Nationale Geistige Räte bei ihren eigenen Außenbeziehungen eindrucksvolle Erfolge. Zwei herausragende Beispiele sollen deren Wesen und Bedeutung verdeutlichen. Das erste Beispiel stammt aus Deutschland, wo Gerichtsentscheidungen ergangen waren, denen zufolge die Satzungen der gewählten Bahá’í-Körperschaften unvereinbar mit dem deutschen Zivilrecht seien. Das Bundesverfassungsgericht hat der dagegen eingelegten Verfassungsbeschwerde des Geistigen Rates der Bahá’í von Tübingen stattgegeben und entschieden, dass die Bahá’í-Gemeindeordnung integraler Bestandteil des Glaubens und daher von den Glaubensinhalten untrennbar sei. Das Verfassungsgericht hat seine Entscheidung unter anderem damit begründet, dass der Bahá’í-Glaube eine Religion sei – ein Urteil von weitreichender Bedeutung in einer Gesellschaft, in der kirchliche Funktionsträger den Glauben lange als Kult oder Sekte abtaten. Die unzweideutige Sprache des Urteils verdient hier zitiert zu werden:
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»… der Charakter des Bahá’í-Glaubens als Religion und der Bahá’í-Gemeinschaft als Religionsgemeinschaft [ist] nach aktueller Lebenswirklichkeit, Kulturtradition und allgemeinem wie auch religionswissenschaftlichem Verständnis offenkundig … «Bundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 5. Februar 1991. Ein ausführlicher Bericht sowie der Text der Urteilsbegründung finden sich in The Bahá’í World, Bd. 20, S. 571–606; Zitat: S. 580, CIQ
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Der brasilianischen Bahá’í-Gemeinde blieb ein Sieg im Bereich der Außenbeziehungen vorbehalten, der in der Bahá’í-Geschichte bis heute einzigartig dasteht. Am 28. Mai 1992 kam das höchste gesetzgebende Gremium des Landes, das Abgeordnetenhaus, zu einer Feierstunde anlässlich des hundertsten Jahrestages des Hinscheidens Bahá’u’lláhs zusammen. Der Sprecher verlas eine Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und die Abgeordneten aller Parteien erhoben sich einer nach dem anderen, um den Beitrag des Glaubens und seines Stifters zum Wohlergehen der Menschen zu würdigen. In einer bewegenden Ansprache bezeichnete ein bekannter Abgeordneter die Bahá’í-Lehren als »gewaltigstes religiöses Werk, das je die Feder eines einzelnen Mannes niederschrieb«Sessão Solene da Câmara Federal, Brasiliá, 28 de Maio, 1992 (Nachdruck mit englischer Übersetzung durch den Nationalen Geistigen Rat der Bahá’í von Brasilien, 1992)Q.
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Solche Wertschätzung der Wesensart des Glaubens und der Arbeit, die die Gemeinde sich zu leisten bemüht – wie sie hier von Seiten der höchsten rechtsprechenden beziehungsweise gesetzgebenden Ebene zweier der bedeutendsten Länder der Welt kamen –, sind geistige Siege, die auf ihre Weise genauso wichtig sind wie die Siege auf dem Feld des Lehrens. Sie helfen die Türen zu öffnen, durch die Bahá’u’lláhs heilsamer Einfluss das Leben der Gesellschaft selbst zu berühren beginnt.
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Um Seinen Zuhörern die bevorstehende gesellschaftliche Wandlung verständlich zu machen, verwendete ‘Abdu’l-Bahá die Metapher des Lichts. Einheit, so erklärte Er, ist die Kraft, die jedwedes menschliche Bemühen erleuchtet und voranbringt. Die mit dem zwanzigsten Jahrhundert anbrechende Zeit werde man in Zukunft als »Jahrhundert des Lichts« ansehen, da in ihr die Einheit der Menschheit allgemein anerkannt werde. Und auf dieser Grundlage werde dann eine Weltgesellschaft errichtet werden, die den Prinzipien der Gerechtigkeit folgt.
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Diese Vision beschrieb der Meister in zahlreichen Sendschreiben und Ansprachen. Ihren deutlichsten Ausdruck findet sie in einem Schreiben an Jane Elizabeth Whyte, der Frau eines früheren Synodalpräsidenten der Free Church of Scotland. Frau Whyte war eine begeisterte Freundin der Bahá’í-Lehren, hatte den Meister in ‘Akká besucht und traf später die Vorbereitungen für den besonders herzlichen Empfang, der Ihm in Edinburgh bereitet wurde. In Seinem Sendbrief an sie bediente sich ‘Abdu’l-Bahá der bekannten Metapher des Lichts:
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»O verehrte Dame! … Sieh, wie dieses Licht [der Einheit] nun am dunklen Horizont der Welt zu dämmern beginnt! Der erste Lichtstrahl ist die Einheit im politischen Bereich, der allererste Schimmer davon lässt sich nunmehr erkennen. Der zweite Lichtstrahl ist die Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen, die bald vollzogen werden wird. Der dritte Lichtstrahl ist die Einheit in der Freiheit, die sicherlich eintreten wird. Der vierte Lichtstrahl ist die Einheit in der Religion, der Eckstein, auf dem die Grundlage ruht; auch sie wird durch die Macht Gottes in ihrer ganzen Strahlenfülle offenbar werden. Der fünfte Lichtstrahl ist die Einheit der Nationen – eine Einheit, die in diesem Jahrhundert sicher begründet werden wird, so dass sich alle Völker der Welt als Bürger eines gemeinsamen Vaterlandes betrachten. Der sechste Lichtstrahl ist die Einheit der Rassen, die alle Erdenbewohner zu Völkern und Geschlechtern einer Rasse macht. Der siebte Lichtstrahl ist die Einheit der Sprache, das heißt die Wahl einer universalen Sprache, in der alle Menschen unterrichtet werden und miteinander verkehren. All dies wird unausweichlich eintreten, weil die Macht des Reiches Gottes seine Verwirklichung fördern und unterstützen wird.«Briefe und Botschaften 15:6-7Q
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Zwar wird es sicherlich noch Jahrzehnte – und vielleicht auch noch sehr viel länger – dauern, bis die in diesem bemerkenswerten Dokument dargelegte Vision ganz verwirklicht ist, doch sind die Wesensmerkmale dessen, was hier verheißen ist, schon heute weltweit erkennbar. Bei einigen der großen Veränderungen, die hier vorhergesehen werden – der Einheit der Rassen und der Einheit der Religionen – ist klar, worauf die Worte des Meisters hindeuten, und die damit einhergehenden Prozesse sind recht weit fortgeschritten, wie groß auch der Widerstand aus einigen Lagern sein mag. Weitgehend trifft dies auch auf die Einheit der Sprache zu. Dass eine gemeinsame Sprache notwendig ist, wird heutzutage allerorts anerkannt, wie sich auch daran zeigt, dass die Vereinten Nationen und ein großer Teil der Nichtstaatlichen Organisationen gezwungen waren, mehrere ›Amtssprachen‹ zuzulassen. Bis im internationalen Einvernehmen eine Entscheidung getroffen ist, kann das Englische diese Lücke bis zu einem gewissen Grad ausfüllen, was durch Entwicklungen wie das Internet, die Steuerung des Flugverkehrs, die Herausbildung allgemein anerkannter Fachtermini und des allgemeinen Schulwesens ermöglicht wurde.
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Auch »die Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen« – eine Vorstellung, für die es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts selbst den idealistischsten Bestrebungen an Anhaltspunkten fehlte – ist jetzt deutlich erkennbar in großangelegten Programmen zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung, zu humanitärer Hilfe und zum Einsatz für den weltweiten Umweltschutz und dem Schutz der Ozeane. Bei der »Einheit im politischen Bereich«, so erklärt Shoghi Effendi, geht es um die zwischen den unabhängigen Staaten erlangte Einheit, ein Entwicklungsprozess, dessen jetzige Stufe die Vereinten Nationen sind. Andererseits verweist die vom Meister verheißene »Einheit der Nationen« auf die heute weitverbreitete Einsicht der Völker der Welt, dass sie alle Bewohner desselben globalen Heimatlandes sind, wie groß auch die Unterschiede zwischen ihnen sein mögen.
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Die »Einheit in der Freiheit« ist heute natürlich zu einem gemeinsamen Ziel aller Erdenbewohner geworden. Unter den Entwicklungen, die dieses Ziel vor allem vorantreiben, könnte der Meister hauptsächlich an das rasche Ende des Kolonialismus gedacht haben und die daraus folgende Selbstbestimmung, die gegen Ende des Jahrhunderts ein wesentliches Kennzeichen nationaler Identität geworden war.
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Was auch immer die Zukunft der Menschheit noch bedrohen mag: die Welt hat sich durch die Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts verändert. Dass die Kennzeichen dieses Wandlungsprozesses von der Stimme Dessen beschrieben wurden, der ihn so zuversichtlich vorhersagte, sollte aufmerksame Menschen überall veranlassen, gründlich darüber nachzudenken.
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Die im sozialen und ethischen Leben der Menschheit errungenen Veränderungen wurden nachdrücklich durch eine Reihe internationaler Zusammenkünfte bekräftigt, die die Vereinten Nationen zum Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahrtausends einberiefen. Auf Einladung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Kofi Annan, versammelten sich vom 22. bis zum 26. Mai 2000 Vertreter von über tausend Nichtstaatlichen Organisationen in New York. In einer aus diesem Treffen hervorgegangenen Verlautbarung verpflichteten Sprecher der Zivilgesellschaft ihre Organisationen auf das Ideal, dass »… wir in all unserer Vielfalt nur eine Menschheitsfamilie sind, die in einem gemeinsamen Heimatland lebt und sich in eine gerechte, erhaltbare und friedliche Welt teilt, die von den universellen Prinzipien der Demokratie geleitet wird … «Generalversammlung der Vereinten Nationen, 54. Sitzung, TOP 49 (b), United Nations Reform Measures and Proposals: the Millennium Assembly of the United Nations, 8. August 2000 (Dokument Nr. A/54/959), S. 2A.
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Kurz darauf kamen bei einem zweiten Treffen vom 28. bis zum 31. August zweitausend Führer der meisten Religionsgemeinschaften zusammen, ebenfalls im Sitz der Vereinten Nationen in New York. Die Internationale Bahá’í-Gemeinde war durch ihren Generalsekretär vertreten, der auch zu einer der Plenarveranstaltungen sprach. Der feierliche Aufruf der religiösen Führer der Welt an ihre Gemeinden, »das Recht auf Religionsfreiheit zu respektieren, Versöhnung zu suchen und sich für gegenseitige Vergebung und Heilung alter Wunden einzusetzen … «Commitment to Global Peace, Erklärung des Millennium-Weltfriedensgipfels der religiösen und geistigen Führer, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan am 29. August 2000 während einer Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Millenniumsgipfel vorgelegt.A musste jeden Beobachter tief beeindrucken.
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Diese beiden Veranstaltungen bereiteten den Weg für den eigentlichen Millenniumsgipfel vom 6. bis 8. September am Sitz der Vereinten Nationen in New York. Die bei den Beratungen versammelten einhundertneunundvierzig Staats- und Regierungschefs waren bemüht, der Bevölkerung der vertretenen Nationen Hoffnung und Zuversicht zu geben. Besonders willkommen war die Einladung an einen Sprecher des Forums der Nichtregierungsorganisationen, beim Gipfeltreffen selbst die Gedanken und Bedenken des im Mai vorangegangenen Treffens vorzustellen. Für die Bahá’í war es ebenso bedeutsam wie erfreulich, dass diese hohe Ehre dem Ständigen Vertreter der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen in seiner Eigenschaft als Co-Vorsitzendem des Forums zuteil wurde. Nichts könnte den Unterschied zwischen der Welt um 1900 und der um 2000 deutlicher machen als der Text der beim Gipfel verabschiedeten Resolution, die von allen Teilnehmern unterschrieben und der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt wurde:
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»Zu diesem historischen Anlass bestätigen wir feierlich, dass die Vereinten Nationen das unverzichtbare gemeinsame Haus der gesamten Menschheitsfamilie sind, mit deren Hilfe wir unser gemeinsames Streben nach Frieden, Zusammenarbeit und Entwicklung verwirklichen wollen. Wir geloben daher, diese Ziele vorbehaltlos zu unterstützen und sind fest entschlossen, sie zu erreichen.«Generalversammlung der Vereinten Nationen, 54. Sitzung, TOP 61 (b), The Millennium Assembly of the United Nations, 8. September 2000 (Dokument Nr. A/55/L.2), Abschnitt 32A
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Zum Abschluss dieser Reihe historischer Zusammenkünfte wandte Kofi Annan sich selbst mit überraschend deutlichen Worten an die versammelten Führer der Welt – mit Worten, in denen für viele Bahá’í die ernsten Mahnungen Bahá’u’lláhs an die inzwischen untergegangenen Könige und Kaiser die den heutigen Führern vorangingen, widerhallten: »Es liegt in Ihrer Macht und ist daher Ihre Verantwortung, die Ziele zu erreichen, die Sie sich gesetzt haben. Nur Sie können bestimmen, ob die Vereinten Nationen sich der Herausforderung gewachsen zeigen.«Die Ziele und Ergebnisse der drei Veranstaltungen zum Millennium, und die Beteiligung der Bahá’í-Gemeinde daran, wurden in einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 24. September 2000 an alle Nationalen Geistigen Räte zusammengefasst.A
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Trotz der historischen Bedeutung der Treffen und der Tatsache, dass die meisten politischen, gesellschaftlichen und religiösen Führer der Welt daran teilnahmen, erregte der Millenniumsgipfel doch in den wenigsten Ländern öffentliches Interesse. Zwar wurde über einige Veranstaltungen ausführlich in den Medien berichtet, doch spürten die meisten Leser oder Hörer die Skepsis, mit der die Journalisten das Thema behandelten, oder den zweifelnden, teils gar zynischen Unterton in vielen solcher Berichte. Dieser krasse Unterschied zwischen einer Veranstaltung, die mit Fug und Recht beanspruchen kann, einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit zu bezeichnen, einerseits, und dem Mangel an Begeisterung oder auch nur Interesse seitens der Bevölkerungen, die eigentlich ihre Nutznießer sein sollten, andererseits, war das vielleicht auffälligste Merkmal der Ereignisse zum Millennium. Dieser Unterschied zeigt deutlich die Tiefe der Krise, die die Welt am Ende des Jahrhunderts durchlebte und noch durchlebt, da die Prozesse des Aufbaus und des Zerfalls, die während der vergangenen hundert Jahre an Schubkraft gewannen, sich jetzt mit jedem neuen Tag zu beschleunigen scheinen.
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Wer den visionären Erklärungen der Führer der Welt Glauben schenken will, kämpft gleichzeitig gegen zwei Phänomene an, die solche Zuversicht untergraben. Vom ersten ist hier schon ausführlich gesprochen worden. Die moralischen Grundlagen der Gesellschaft sind zusammengebrochen, und der Großteil der Menschheit irrt ohne Orientierungspunkte in einer Welt umher, die mit jedem Tag bedrohlicher und unberechenbarer wird. Zu behaupten, dass dieser Prozess jetzt bald zu Ende sei, würde nur falsche Hoffnungen wecken. Man kann zwar anerkennen, dass es ernsthafte politische Bemühungen gibt, dass weiterhin beeindruckende wissenschaftliche Fortschritte erzielt werden oder dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen für einen Teil der Menschheit tatsächlich bessern – all das jedoch, ohne daraus auch nur die leiseste Hoffnung auf ein sicheres Leben für sich selbst oder, noch viel wichtiger, für das unserer Kinder schöpfen zu können. Enttäuschung, die, wie Shoghi Effendi warnte, die zunehmende Korrumpierung der Politik bei der Masse der Menschheit auslösen würde, ist heute weitverbreitet. Ausbrüche von Gesetzlosigkeit ziehen sich in vielen Staaten wie Seuchen durch Stadt und Land. Das Versagen gesellschaftlicher Kontrolle, der Versuch, selbst die extremsten Formen abnormen Verhaltens als gerechtfertigt zu entschuldigen, und die fast überall verbreitete Verherrlichung von Gewalt in der Kunst und den Medien – diese und ähnliche Symptome eines Zustands, der moralischer Anarchie gleichkommt, zeichnen ein äußerst düsteres Bild unserer Zukunft. Vor diesem desolaten Hintergrund versucht die intellektuelle Mode unserer Zeit aus bitterer Not eine Tugend zu machen und bezeichnet sich selbst und ihre Aufgabe als ›Dekonstruktivismus‹.
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Die zweite der beiden Entwicklungen, die den Glauben an die Zukunft untergraben, war Gegenstand einiger der hitzigsten Debatten des Gipfels. Die informationstechnologische Revolution, die die Erfindung des World Wide Web im letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts mit sich brachte, hat viele Lebensbereiche unumkehrbar verändert. Der Prozess der ›Globalisierung‹, der über mehrere Jahrhunderte einer langsam ansteigenden Kurve gefolgt war, wurde nun durch neue Kräfte in einer Weise beschleunigt, die die meisten Menschen sich nicht vorzustellen vermochten. Wirtschaftliche Kräfte, die sich jetzt von den Begrenzungen der Vergangenheit frei machten, brachten im letzten Jahrzehnt ein globales System hervor, in dem Reichtum neu umrissen, geschaffen und verteilt wurde. Wissen selbst wurde schnell wertvoller als sogar Kapital und Rohstoffe. In erstaunlich kurzer Zeit wurden Ländergrenzen, die sowieso schon brüchig geworden waren, durchlässig, so dass heute auf ein Computersignal hin sofort große Geldbeträge hindurchfließen können. Komplexe Produktionsverfahren wurden so restrukturiert, dass die geeignetsten Anbieter weltweit integriert werden können, gleich in welchem Land sie sich befinden. Rein materiell gesehen ist die Erde in gewisser Weise schon jetzt ›ein Land‹, und als Konsumenten sind die Bewohner der verschiedenen Staaten die ›Bürger‹ dieses Landes.
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Doch geht der Wandel weit über solch wirtschaftliche Aspekte hinaus. Die Globalisierung nimmt zunehmend politische, soziale und kulturelle Dimensionen an. Die Macht des Nationalstaates, einst Herr und Beschützer der Geschicke der Menschen, ist offensichtlich stark angeschlagen. Zwar spielen die Regierungen der einzelnen Staaten noch immer eine maßgebliche Rolle, doch müssen sie jetzt neu aufstrebenden Machtzentren wie multinationalen Gesellschaften, Einrichtungen der Vereinten Nationen, Nichtstaatlichen Organisationen aller Art und gigantischen Medienkonzentrationen Platz einräumen, deren Zusammenarbeit entscheidend für den Erfolg der meisten Programme mit bedeutenden wirtschaftlichen oder sozialen Zielen ist. So wie der Kapitalfluss oder die Verlagerung von Produktionsstätten kaum noch durch Ländergrenzen behindert wird, können sie auch die Verbreitung von Wissen und Kenntnissen nicht mehr nennenswert kontrollieren. Das Internet – das in Sekunden den Inhalt ganzer Bibliotheken übertragen kann, die zusammenzustellen es Jahrhunderte gebraucht hatte – bereichert das intellektuelle Leben eines jeden, der es zu benutzen weiß, ganz beträchtlich, und bietet außerdem die Möglichkeit gut fundierter Ausbildung in einer breiten Palette von Berufen. Dieses System, das Shoghi Effendi sechzig Jahre zuvor so prophetisch vorausgesehen hatte, schafft unter seinen Nutzern ein Gefühl von Gemeinschaft, das keinen Raum mehr lässt für geographische Entfernungen oder kulturellen Abstand.
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Die Vorteile für viele Millionen Menschen sind augenfällig und eindrucksvoll. Kosteneffizienz durch Koordinierung ehemals wettstreitender Geschäftsinteressen macht jetzt Güter und Dienstleistungen Bevölkerungsgruppen zugänglich, die zuvor nicht hoffen konnten, in ihren Genuss zu kommen. Eine gewaltige Zunahme an Mitteln, die für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehen, vervielfältigt ihren Nutzen und steigert ihre Qualität. Dass Geschäftsunternehmen ihre Standorte leicht von einem Teil der Welt in einen anderen verlegen können, bewirkt einen gewissen Ausgleich in der Verteilung von Arbeitsplätzen. Das Niederbrechen der Schranken im transnationalen Handel macht die Güter für den Verbraucher noch erschwinglicher. Aus Bahá’í-Sicht ist leicht vorstellbar, welches Potential diese Veränderungen haben, um den Boden für die in den Schriften Bahá’u’lláhs vorausgesehene Weltgesellschaft zu bereiten.
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Allerdings stimmt die Globalisierung nicht überall optimistisch, vielmehr sehen immer mehr Menschen auf der ganzen Welt in ihr die größte Bedrohung für unsere Zukunft. Die Ausschreitungen während der Konferenzen der Welthandelsorganisation, der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in den letzten Jahren zeigen, wie tief Angst und Vorbehalte angesichts der fortschreitenden Globalisierung sitzen. Medienberichte über diese unerwarteten Ausbrüche machten die Öffentlichkeit auf Proteste gegen die grobe Ungerechtigkeit bei der Verteilung von Privilegien und Möglichkeiten aufmerksam, die man durch die Globalisierung nur wachsen sieht, und auf Warnungen, dass die Folgen, wenn man nicht schnellstens wirksame Kontrollen einführt, katastrophal sein werden, sowohl in sozialer und politischer, als auch in ökonomischer und ökologischer Hinsicht.
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Solche Bedenken scheinen begründet zu sein. Allein schon wirtschaftliche Statistiken zeigen ein Bild der auf der Welt herrschenden Bedingungen, das zutiefst beunruhigt. Die immer breiter werdende Kluft zwischen dem Fünftel der Weltbevölkerung, das in den Ländern mit dem höchsten Einkommen lebt, und dem Fünftel, das in den Ländern mit dem niedrigsten Einkommen lebt, illustriert das schonungslos. Laut des vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen 1999 veröffentlichten Entwicklungsberichtes klaffte die Kluft 1990 im Verhältnis sechzig zu eins auseinander. Das heißt, ein Fünftel der Weltbevölkerung verfügte über sechzig Prozent des Reichtums in der Welt, während ein anderes Fünftel mit nur einem Prozent dieses Reichtums kaum überleben konnte. Bis 1997 hatte sich das Verhältnis im Zuge der schnell voranschreitenden Globalisierung in nur sieben Jahren auf vierundsiebzig zu eins verschärft. Und diese erschreckenden Zahlen berücksichtigen noch nicht die unaufhaltsame Verarmung der meisten der übrigen Milliarden Menschen, die sich auf dem erbarmungslos schmaler werdenden Grat zwischen den beiden Extremen drängen. Das Problem ist noch lange nicht unter Kontrolle, sondern spitzt sich eindeutig zu. Was das für die Zukunft der Menschheit bedeutet – Not und Verzweiflung, die über zwei Drittel der Erdbevölkerung erfassen –, lässt das Desinteresse am Millenniumsgipfel und der dort gefeierten Errungenschaften verstehen, obwohl sie eigentlich unter jedem vernünftigen Gesichtspunkt als historisch anzusehen sind.
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Globalisierung an sich ist ein Wesensmerkmal der Evolution der menschlichen Gesellschaft. Sie hat eine sozioökonomische Kultur hervorgebracht, die auf der praktischen Ebene die Welt ist, in der die Menschheit im jetzt beginnenden Jahrhundert ihre Ziele verfolgen wird. Jeder objektive Beobachter mit Urteilsvermögen wird anerkennen, dass beide gegensätzlichen Reaktionen auf diese Tatsache in gewisser Weise gerechtfertigt sind. Die Vereinigung der Menschheit, die im Feuer der Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts geschmiedet wurde, ist eine Wirklichkeit, die mit jedem neuen Tag atemberaubende Möglichkeiten eröffnet. Und noch einer weiteren Wirklichkeit kann der ernsthafte Denker sich nicht verschließen: Die Gerechtigkeit ist das einzige Werkzeug, das diese großartigen Möglichkeiten für den Fortschritt der Zivilisation nutzbar machen kann. Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass das Schicksal der Menschheit im jetzt beginnenden Jahrhundert bestimmt wird durch das Verhältnis, das zwischen diesen beiden dem historischen Prozess zugrundeliegenden Kräften begründet wird: Einheit und Gerechtigkeit als untrennbare Prinzipien.
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Aus der Sicht der Lehren Bahá’u’lláhs ist die größte Gefahr, die die Wertekrise einerseits und die mit der Globalisierung in ihrer heutigen Form einhergehende Ungerechtigkeit andererseits mit sich bringt, dass sich eine philosophische Haltung festsetzt, die diese Missstände zu rechtfertigen und zu entschuldigen sucht. Der Sturz der totalitären Systeme des zwanzigsten Jahrhunderts bedeutet nicht das Ende jeglicher Ideologie. Im Gegenteil. Nie gab es in der Welt eine Gesellschaft – wie pragmatisch, experimentierfreudig und vielgestaltig auch immer –, die ihren Antrieb nicht aus einer ihr zugrunde liegenden Interpretation der Wirklichkeit gewonnen hätte. Ein solches Denksystem regiert heute praktisch unangefochten auf dem ganzen Planeten unter der Bezeichnung ›westliche Zivilisation‹. Philosophisch und politisch präsentiert es sich als eine Art liberaler Relativismus, wirtschaftlich und sozial als Kapitalismus – zwei Wertesysteme, die sich inzwischen so aufeinander abgestimmt haben und sich gegenseitig so verstärken, dass sie im Grunde zu einer einzigen umfassenden Weltanschauung geworden sind.
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Mag man auch Vorteile der westlichen Zivilisation – die persönliche Freiheit, den gesellschaftlichen Wohlstand und den wissenschaftlichen Fortschritt, die eine beachtliche Minderheit der Weltbevölkerung genießt – anerkennen, so muss doch ein denkender Mensch einsehen, dass das System moralisch und intellektuell am Ende ist. Was es konnte, hat es zum Fortschritt der Zivilisation beigetragen, wie auch seine Vorläufer, und wie diese ist es nun ebenfalls machtlos, den Bedürfnissen einer Welt gerecht zu werden, welche die Visionäre des achtzehnten Jahrhunderts sich niemals hätten ausmalen können, wenn sie sich auch von den meisten ihrer einzelnen Merkmale eine Vorstellung machten. Shoghi Effendi hatte nicht nur Monarchien von Gottes Gnaden, etablierte Kirchen oder totalitäre Systeme im Sinn, als er bohrend fragte: »Warum sollten sie in einer Welt, die dem unabänderlichen Gesetz des Wandels und des Verfalls unterliegt, von der Entartung verschont bleiben, die alle menschlichen Einrichtungen zwangsläufig ereilt?«Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 69Q
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Bahá’u’lláh hält die, die an Ihn glauben, an, »mit eigenen Augen [zu] sehen, nicht mit denen anderer, und durch die eigene Erkenntnis Wissen [zu] erlangen, nicht durch die deines Nächsten«Die Verborgenen Worte, arab. 2Q. Was sich den Bahá’í unseligerweise in der heutigen Gesellschaft zeigt, ist die zügellose Ausbeutung der Massen der Menschheit aus einer Gier heraus, die sich mit dem Wirken ›anonymer Kräfte des Marktes‹ entschuldigt. Überall sehen sie, dass die für die Zukunft der Menschheit so lebenswichtigen moralischen Grundlagen zerstört sind durch maßlose Hemmungslosigkeit unter dem Deckmantel der ›Redefreiheit‹. Täglich müssen sie gegen den Druck eines dogmatischen Materialismus ankämpfen, der beansprucht, die Stimme der ›Wissenschaft‹ zu sein, und aus dem intellektuellen Leben systematisch alle Impulse auszuschließen sucht, die von der geistigen Ebene des menschlichen Bewusstseins kommen.
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Für einen Bahá’í aber sind die wirklich wichtigen Fragen des Lebens die geistigen. Die Sache Gottes ist keine politische Partei oder Ideologie, und noch viel weniger ein Werkzeug politischer Agitation gegen das eine oder andere gesellschaftliche Übel. Der Wandlungsprozess, den die Sache Gottes in Gang gesetzt hat, kommt durch einen grundlegenden Bewusstseinswandel voran, und die Herausforderung, vor die sie jeden ihrer Diener stellt, ist, sich loszulösen von der Bindung an überkommene Ansichten und Wunschvorstellungen, die mit dem Willen Gottes für das Reifealter der Menschheit unvereinbar sind. Gerade die Verzweiflung angesichts von Zuständen, die das Gewissen verletzen, kann im Prozess der geistigen Befreiung hilfreich sein. Letztlich wird diese Desillusionierung einen Bahá’í zur Erkenntnis jener Wahrheit bringen, die in den Schriften des Glaubens immer wieder hervorgehoben wird:
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»Er hat auf der ganzen Welt die Herzen Seiner Diener auserwählt und jedes zu einem Thron für die Offenbarung Seiner Herrlichkeit gemacht. So heiligt sie denn von jeder Befleckung, damit ihnen das eingeprägt werde, wofür sie erschaffen wurden.«Bahá’u’lláh, Ährenlese 136:5Q
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Der erste Satz des Johannesevangeliums: »Im Anfang war das Wort … « – fasziniert seit zweitausend Jahren seine Leser. Weiter spricht die Passage bestechend klar und einfach eine geistige Wahrheit aus, die in allen Offenbarungsreligionen von zentraler Bedeutung ist und sich bei allen in der Geschichte aufeinander folgenden Kulturen immer wieder bestätigt hat: »Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht … «Johannes 1:1,10Q Die verheißene Manifestation Gottes erscheint; um dieses Zentrum des geistigen Lebens und der Autorität entwickelt sich eine Gemeinde von Gläubigen; ein neues Wertesystem richtet Bewusstsein und Verhalten neu aus; Künste und Wissenschaften zeigen sich empfänglich; Gesetze und die gesellschaftliche Ordnung werden neu strukturiert. Langsam aber unaufhaltsam blüht eine neue Kultur auf, die so sehr die Ideale von Millionen von Menschen verkörpert und ihre Fähigkeiten einbindet, dass sie wirklich eine neue Welt darstellt – eine Welt, die für jene, die in ihr »leben … bewegt [werden] und … ihr Sein [haben]«Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 31Q weit wirklicher ist als die irdischen Grundlagen, auf denen sie ruht. Während der folgenden Jahrhunderte hängen Zusammenhalt und Selbstvertrauen der Gesellschaft weiter von jenem geistigen Impuls ab, der ihr Leben gab.
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Mit dem Erscheinen Bahá’u’lláhs vollzieht sich dieses Phänomen von neuem – dieses Mal in einer Dimension, die alle Erdenbewohner umfasst. Die Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts können als erste Stufen jener umfassenden Transformation der Gesellschaft angesehen werden, die durch eine Offenbarung in Gang gesetzt wurde, von der Bahá’u’lláh schreibt:
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