Shoghi Effendi | Das Licht göttlicher Führung (Band 1)
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Shoghi Effendi
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Das Licht göttlicher Führung (Band 1)
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Briefe des Hüters des Bahá’í-Glaubens an einzelne Gläubige, Gruppen und Bahá’í-Gemeinden in Deutschland und Österreich
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17. Dezember 1922
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17. Dezember 1922
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Ihr Gesegneten und Geliebten ‘Abdu’l-Bahás!
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Dass ich aufgrund trauriger Umstände, die sich meinem Einfluss entzogen, nicht die Möglichkeit hatte, mit Ihnen, den geliebten Kindern ‘Abdu’l-Bahás nach Seinem Hinscheiden aus dieser Welt in enger und ständiger Verbindung zu bleiben, ist für mich ein Grund trauriger Verwunderung und tiefen, schmerzlichen Bedauerns. Zu sagen, ich sei seit Anbruch des Neuen Tages, der mein Leben völlig veränderte, im geringsten unwillig oder abgeneigt gewesen, mit jedem einzelnen von Ihnen in Verbindung zu treten oder ich sei gleichgültig gegenüber einer Sache, die Ihren Herzen so nah und teuer ist, würde wirklich jede Empfindung der Liebe und Gemeinschaft, die uns alle im Dienst an Seiner Heiligen Schwelle beseelt, Lügen strafen. Vielmehr waren es meine äußerste Erschöpfung, meine tiefen Gefühle der Trauer, das überwältigende Gefühl meiner eigenen Stellung und Verantwortung und der extreme Arbeitsdruck, die mich so lange schweigen ließen und den Anschein erweckten, ich sei achtlos gegenüber jenen tapferen und beherzten Geliebten des Meisters in diesem Lande.
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Zu den Gedanken, die mich in meinen Stunden erholsamer Zurückgezogenheit getragen und getröstet haben, gehörte die unauslöschliche Erkenntnis, dass der Meister in den deutschen Freunden ganz sicher treue und dankbare Kinder finden wird, die die zärtliche Liebe und väterliche Fürsorge, die Er für sie hegte, mit einer so tiefen Ergebenheit und bleibenden Dienstbarkeit erwidern werden, dass sie sich der vielen Segnungen, die ihnen in vergangenen Tagen zuteil wurden, als würdig erweisen werden.
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Die Nachricht von Ihren höchst geistigen Versammlungen, seit sich der Große Plan des Meisters, wie in Seinem Testament offenbart, vor unseren Augen entfaltet; die Bildung und das effiziente und harmonische Wirken der Nationalen Körperschaft; die Ausweitung Ihrer Tätigkeiten; die Verbreiterung Ihrer Korrespondenz; Ihre fortgesetzte großzügige und spontane Unterstützung bei unseren Schwierigkeiten im Heiligen Land und vor allem der Geist bereitwilliger Hingabe und stetig zunehmenden Eifers, der Rückgrat all dessen ist – das sind tröstliche Gedanken, die die hinterbliebenen Damen der Heiligen Familie erfreuen und die vielen Freunde ermutigen, die hier und im Ausland der Stunde entgegen sehen, da sich alle Verheißungen des Meisters für Seine Freunde in Deutschland erfüllen werden.
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Mit neuer Kraft und frischem Geist ins Heilige Land zurückgekehrt, werde ich mit der Hilfe des Meisters gewiss meinen Teil dazu beitragen, Ihnen zu ermöglichen, das ruhmreiche Banner Bahás immer weiter tief ins Herz und bis zu den äußersten Grenzen Deutschlands zu tragen und so das Kommen des Tages zu beschleunigen, an dem der Geist des Glaubens und Friedens, wie er sich in der Sache Bahá’u’lláhs offenbart, die Welt erfüllt und die Dunkelheit des Unfriedens völlig schwindet.
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In den Drei Heiligen Schreinen Ihrer liebevollen Mühen für Seine Sache zärtlich gedenkend, bin und bleibe ich Ihr Bruder und Mitarbeiter in Seinem Dienst.
19. Januar 1923
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19. Januar 1923
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An die Geliebten des Herrn und die Dienerinnen des Barmherzigen überall in Deutschland, zu Händen der Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates.
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Meine innig geliebten Freunde!
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Seit ich meine Arbeit im Heiligen Land wieder aufgenommen habe, warte ich gespannt und mit besonderem Interesse auf die ausführlichen, sowohl von Einzelnen als auch gemeinschaftlich verfassten Briefe meiner Geliebten in Deutschland, die, dessen bin ich sicher, unermüdlich, hingebungsvoll und effizient das Große Werk, das der Meister ihnen in dieser Welt bestimmt hat, weiterführen.
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So sehr ich wünsche, mit jedem Einzelnen von Ihnen in Kontakt zu stehen, würde doch die Pflege einer individuellen Korrespondenz mit der großen und ständig wachsenden Zahl an Bahá’í im Osten und im Westen angesichts der wunderbar raschen Ausbreitung der Bewegung überall in der Welt so viel meiner Zeit und Energie beanspruchen, dass ich meinen anderen, derzeit so dringenden und lebenswichtigen Pflichten nicht mehr angemessenen nachkommen könnte.
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Daher muss ich mich bedauerlicherweise und sehr widerstrebend damit begnügen, in jedem Ort, sei es eine Stadt oder ein kleines Dorf, mit Bahá’í-Gruppen zu korrespondieren, mit ihnen direkt oder durch Ihre jeweiligen örtlichen Räte in ständiger Verbindung zu bleiben und ihre geistigen Bemühungen und Tätigkeiten durch den Nationalen Geistigen Rat (Nationale Körperschaft), der Vertretung aller Gläubigen und aller örtlichen Räte im Land, zu koordinieren.
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Mir ist dringend daran gelegen, sobald wie möglich, als Vorstudie zur getreuen Ausführung dieses Plans, einen offiziellen, umfassenden und detaillierten Bericht des Nationalen Geistigen Rates zu erhalten, der den tatsächlichen Stand der Sache in Deutschland genau wiedergibt und den Fortschritt der Tätigkeiten der Freunde in diesem Land und den angrenzenden Ländern wie Österreich und der Nord-Schweiz beschreibt und der die Namen, die zahlenmäßige Stärke, die Geschichte, den Bedarf und die Tätigkeiten in jedem noch so kleinen Ort in diesen Gebieten, in die das Licht der Sache bislang vordringen konnte, auflistet.
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Ich hoffe, mit dieser Maßnahme in direkten und ständigen Austausch mit jedem noch so kleinen Ort zu treten, an dem ein Einzelner oder mehrere Freunde sich bemühen, die Sache zu lehren und ein Bahá’í-Zentrum zu eröffnen.
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Es war mir eine große Freude, einige Briefe der vergangenen Monate zu lesen, die die deutschen Freunde an das Größte Heilige Blatt geschrieben haben und ich versichere Ihnen, dass mich die Lektüre mit größter Zufriedenheit erfüllte und mich nun noch stärker vom herrlichen Zeitalter geistiger Wiedererweckung überzeugte, das die unsichtbare Hand des Meisters in naher Zukunft unweigerlich vor unseren Augen entfalten wird.
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Ihre Arbeiten reißen nicht ab, Ihre Bemühungen kennen keine Grenzen, Ihre Hingabe und Selbstlosigkeit sind wirklich der vielen Segnungen wert, die unser Geliebter Ihnen gewährte und die Führung Bahá’u’lláhs und Sein uneingeschränkter Beistand werden Sie, da bin ich sicher, befähigen, Ihre beständigen Bemühungen mit herrlichem und wohlverdientem Erfolg zu krönen.
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In meinen Stunden des Gebets und der Meditation denke ich voller Zärtlichkeit an Sie und erflehe bei jedem Besuch der heiligen Schreine eine erneute Ausgießung Seiner Gnade und Seines Geistes auf Ihre Bemühungen für die Verbreitung und den Triumph Seiner Sache.
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Ich habe kürzlich verschiedene Bahá’í-Dokumente studiert und bin auf eine sehr inspirierende und ermutigende Botschaft unseres Geliebten in Seiner eigenen Handschrift gestoßen, die weder ein Datum trug, noch einen Hinweis auf den Ort oder die Umstände, unter denen sie offenbart wurde. Ich lege eine Kopie der Übersetzung zusammen mit verschiedenen Bahá’í-Gebeten und Sendschreiben bei, die Ihnen gewiss eine große Hilfe und Unterstützung bei Ihrer Arbeit im Dienst für die Sache sein werden. Ich überlasse alles den Mitgliedern des Nationalen Geistigen Rates zur Übersetzung ins Deutsche und zur Verbreitung unter den Freunden.
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Ich habe Jináb-i-Ávárih, einen sehr erfahrenen persischen Lehrer, der zurzeit in England ist, gebeten, die verschiedenen Bahá’í-Zentren in Deutschland zu besuchen und mit Ihrer uneingeschränkten Unterstützung überall im Land für ein tiefes und weit verbreitetes Interesse an der Bewegung zu sorgen.
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Ich bin sehr gespannt auf ein Exemplar Ihrer Bahá’í-Zeitschrift, die Sie gewiss sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch herausgeben können, und ich hoffe, sie wird genau und vollständig die große Anstrengung beschreiben, die jetzt in diesen Gegenden für die Verbreitung der Bahá’í-Prinzipien und Lehren unternommen wird. Mit der Einführung eines englischen Teils in Ihrer Bahá’í-Zeitschrift wird die Zahl der Abonnenten sicherlich stark zunehmen, da viele Freunde in Amerika, Großbritannien, Frankreich, Indien und Ägypten sehr froh und dankbar sein werden, Artikel mit den ausführlichen Nachrichten vom Vormarsch der Sache überall in Mitteleuropa zu lesen.
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Es wäre für die Freunde in Amerika und Indien ein großer Ansporn, wenn die deutschen Freunde durch ihre jeweiligen Räte die beiden führenden Bahá’í-Zeitschriften der Welt, den Star of the West und die Bahá’í-News, abonnieren würden und regelmäßig Berichte über ihre eigenen Tätigkeiten sowie passende, von den Mitgliedern des Nationalen Geistigen Rates genehmigte, sorgfältig verfasste Artikel über allgemeine geistige Themen beisteuern würden, damit der Osten und der Westen in enger Verbindung stehen und die Freunde überall auf der Welt gegenseitig von ihren Tätigkeiten und Diensten für die Sache erfahren können.
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Die Zeit wird sicher kommen, und die Anzeichen sind bereits erkennbar, da die verschiedenen, weit voneinander entfernt lebenden Mitglieder dieser großen Weltgemeinde sehen werden, wie ihre Tätigkeiten aufeinander abgestimmt, ihre Ziele vereint, ihre Bemühungen verstärkt sind und ihre gemeinsamen Anstrengungen überall in der Welt Wirkung zeigen. Möge die Macht Bahá’u’lláhs den dynamischen Geist des Lebens in die gemeinsamen und systematisierten Bemühungen der Freunde überall auf der Welt einhauchen und durch sie dem Körper der angeschlagenen Menschheit neues Leben und den Frieden schenken, nach dem sie sich sehnt, den aber die Welt niemals geben kann.
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Ihr ergebener Bruder
16. Februar 1923
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16. Februar 1923
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An die Geliebten des Herrn und die Dienerinnen des Barmherzigen überall in Deutschland, zu Händen der Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates.
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Meine geliebten Brüder und Schwestern in ‘Abdu’l-Bahá,
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ich habe mit gemischten Gefühlen der Trauer und Dankbarkeit Ihren lang erwarteten Brief erhalten, der im Auftrag des Nationalen Geistigen Rates (Nationale Körperschaft) von unserem aufrichtigen und ergebenen Bruder Konsul Schwarz geschrieben wurde. Ich war erleichtert und dankbar, als ich schließlich die Nachricht bekam, dass Sie in Sicherheit sind und Ihre unerschütterliche Entschlossenheit zusichern, mit Herz und Seele bis zum Äußersten der Sache Bahá’u’lláhs zu dienen. Es erfüllt mich mit Kummer, von dem schweren Unglück, das Ihr Land heimgesucht hat, und von den Nöten, unter denen es leidet, zu erfahren.
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Lassen sie mich Ihnen zunächst versichern, dass die Damen des Haushaltes, die Freunde auf der ganzen Welt und ich selbst tiefes Mitgefühl an Ihrem großen Leid empfinden. Wir beten unermüdlich zu ‘Abdu’l-Bahá, Er möge diese aufziehenden Wolken der Feindseligkeit und des Streits zerstreuen und Ihr großes und geliebtes Land aus seinem gegenwärtigen Zustand der Ungewissheit und Gefahr befreien.
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Wozu aber Angst und Sorge haben? Haben wir nicht die ausdrückliche, nach dem Ende des Großen Krieges geäußerte Verheißung des Meisters, dass Deutschland jetzt zwar erniedrigt und geschwächt sei, sich aber ohne Zweifel von seinen Fesseln befreien und materiell und geistig entwickeln werde? Dass es eines Tages aus diesen traurigen Wirren stark, geeint und blühend hervortreten werde, bereit, seinen Platz in der großen Familie der fortgeschrittenen Länder der Welt einzunehmen?
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Ich lege Ihnen meine Übersetzungen einiger Auszüge aus den herzergreifenden und tröstenden Worten des Meisters bei, die Er vor etwa fünfundzwanzig Jahren, während der dunkelsten Tage Seiner Haft in der Gefängnisstadt ‘Akká, offenbarte. Ich hoffe, Sie werden sie übersetzen und in Ihrer Bahá’í-Zeitschrift Sonne der Wahrheit veröffentlichen. Ich würde mich sehr freuen, einige Exemplare davon zu erhalten und diese mit meinen Freunden im Heiligen Land zu teilen.
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Ich lege auch eine Kopie meines letzten Briefes an Sie bei, indem ich Sie unter anderem bat, mir einen detaillierten Bericht über Ihre Tätigkeiten zuzusenden. Ich hoffe sehr, nun recht bald eine ausführliche Antwort auf alle, in meinem letzten Brief angesprochenen Punkte von Ihnen zu erhalten.
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Ich lege auch meine überarbeitete Übersetzung der Verborgenen Worte Bahá’u’lláhs, der arabischen sowie der persischen, bei und hoffe, Ihnen künftig mehr von Seinen Worten und Lehren zusenden zu können.
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