Universales Haus der Gerechtigkeit | Botschaft vom 2015-12-29 Zum kommenden Fünfjahresplan der Bahá’í Gemeinde weltweit
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Das Universale Haus der Gerechtigkeit
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29. Dezember 2015
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An die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter
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Innig geliebte Freunde,
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der Plan, den die Bahá’í-Welt vor fast fünf Jahren in Angriff genommen hat, ist nun in seiner Schlussphase; die endgültige Liste seiner Errungenschaften wächst noch stets, wird aber bald abgeschlossen sein. Die kollektive Anstrengung, die er hervorrief, bedurfte des rückhaltlosen Vertrauens auf jene Kräfte, mit denen ein gütiger Gott Seine Geliebten ausgestattet hat. Versammelt mit Ihnen allen in diesem Moment der Reflexion sind wir uns der Entschlossenheit der Freunde bewusst, den aktuellen Plan zu einem gebührenden Abschluss zu bringen, und ihres Eifers, weiterzuschreiten auf dem Weg, den die Erfahrung abgesteckt hat.
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Die beträchtliche Strecke, die bereits auf diesem Weg zurückgelegt wurde, zeigt sich deutlich in den augenfälligsten Ergebnissen des derzeitigen Plans. Das ehrgeizige Ziel, die Anzahl der Cluster, in denen ein Wachstumsprogramm gleich welcher Intensität stattfindet, auf 5.000 zu erhöhen, dürfte in den noch verbleibenden Monaten vor Riḍván 2016 erreicht werden. In zahlreichen Clustern beteiligen sich mehr als tausend Einwohner – manchmal mehrere tausend – an einem gut etablierten Aktivitätsmuster, das eine ständig wachsende Anzahl Teilnehmer umfasst und so Gemeinden bildet, deren Gewohnheiten des Denkens und Handelns in Bahá’u’lláhs Offenbarung wurzeln. Weltweit wurde es einer halben Million Menschen nun ermöglicht, zumindest das erste Buch in der Kursfolge abzuschließen, eine außerordentliche Leistung, die eine sichere Grundlage für das System der Heranbildung befähigter Mitarbeiter gelegt hat. Eine Generation von Jugendlichen wird wachgerüttelt und zum Handeln veranlasst durch eine überzeugende Vision, wie sie zum Aufbau einer neuen Welt beitragen können. Voll Staunen über das, was sie beobachtet haben, drängen führende Persönlichkeiten der Gesellschaft in manchen Gegenden die Bahá’í, ihre Programme für die Erziehung junger Menschen weithin zur Verfügung zu stellen. Angesichts zunehmender Komplexität finden Bahá’í-Institutionen und deren Agenturen Mittel und Wege, die Aktivitäten einer steigenden Anzahl von Freunden zu organisieren, indem sie Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung fördern. Und die Lernfähigkeit, ein solch unschätzbares Erbe vorangegangener Pläne, wird über den Bereich der Ausbreitung und Festigung hinaus erweitert, um andere Felder der Bahá’í-Bemühungen, vor allem gesellschaftliches Handeln und die Teilnahme an den vorherrschenden Diskursen der Gesellschaft, zu umfassen. Wir sehen eine Gemeinde, gefestigt durch gewonnene Stärke und hart erkämpfte Erfahrung aus zwei Jahrzehnten unermüdlicher Anstrengungen, die auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet waren: einen bedeutenden Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen.
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Darüber, dass dieser Prozess viel weiter gehen muss, kann es keinen Zweifel geben; dennoch zeigen die Entwicklungen, dass ein bedeutender Fortschritt bereits stattgefunden hat. Er hat die Freunde Gottes auf eine noch anspruchsvollere Prüfung ihrer Fähigkeiten vorbereitet, eine, die auch an Ihre Institution hohe Anforderungen stellen wird, während Sie die Freunde zusammenrufen, damit sie den hier gestellten Erfordernissen nachkommen. In diesem kommenden Plan, der an der Schwelle zum zweiten Jahrhundert des Gestaltenden Zeitalters des Glaubens seinen Abschluss findet, werden wir die Gläubigen überall zu der immensen Anstrengung aufrufen, die notwendig ist, um die Samen, die in den fünf vorausgegangenen Plänen so liebevoll und eifrig gesät und gewässert wurden, zum Blühen zu bringen.
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Die Entstehung eines Wachstumsprogramms
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Die Entfaltung des Wachstumsprozesses in einem Cluster hat bestimmte gemeinsame Merkmale, auch wenn sie naturgemäß in jedem Fall einzigartige Züge trägt, geprägt von der Empfänglichkeit derer, die mit den göttlichen Lehren in Berührung kommen. Viele dieser Merkmale wurden 2010 in unserer Botschaft an Ihre Konferenz besprochen, bei der auf eine Reihe von Meilensteinen hingewiesen wurde, die Fortschritt auf dem Pfad der Entwicklung kennzeichnen. Ein gemeinsames Verständnis dessen, was von den Freunden in einem Cluster erwartet wird, um den ersten der Meilensteine, die wir beschrieben haben, und dann den zweiten, zu passieren, ist in diesem Zeitraum gewachsen.
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In dem Fünfjahresplan, der jetzt zu Ende geht, bestand die Aufgabe der Gläubigen darin, alles in früheren Plänen Gelernte auf die Arbeit anzuwenden, den Wachstumsprozess auf Tausende von neuen Clustern auszudehnen. Hierbei hat sich gezeigt, dass viel von der Fähigkeit der Institutionen abhängt, die Hilfe von Freunden in anderen Clustern heranzuziehen, was zur Verstärkung der Aktivitäten einer vorhandenen Bahá’í-Gemeinde führt, zum Beispiel dadurch, dass für Unterstützung durch besuchende Lehrteams oder Tutoren gesorgt wird. An vielen Orten beginnt der Institutsprozess mit Hilfe von Gläubigen aus stärkeren Nachbargemeinden, die kreative Wege finden, um die Bevölkerung vor Ort zu erreichen, insbesondere die Jugendlichen, und sie weiterhin unterstützen, wenn sie beginnen, sich im Dienst zu engagieren. Bemühungen, die Aktivität in einem Cluster zu fördern, vor allem in einem, der dem Glauben noch nicht eröffnet wurde, werden sehr gestärkt, wenn eine oder mehrere Personen sich dort als Inlandpioniere niederlassen und ihre Aufmerksamkeit auf einen Teil eines Dorfes konzentrieren oder sogar auf eine einzige Straße, wo es erhöhte Empfänglichkeit gibt. Weit über 4.500 Gläubige haben sich bereits erhoben, um während des gegenwärtigen Plans auf diese Weise zu dienen – eine erstaunliche Leistung.
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Welche Kombination von Strategien auch verwendet wird, das Hauptziel ist immer, einen Prozess in Gang zu setzen, der der Entwicklung von Fähigkeiten innerhalb des Clusters dient, einen Prozess, durch den seine Bewohner, getrieben von dem Wunsch, zum geistigen und materiellen Wohl ihrer Gemeinden beizutragen, befähigt werden, nun ihre Dienste anzubieten. Sobald diese Grundvoraussetzung erfüllt ist, hat ein Wachstumsprogramm begonnen. Unerlässlich ist dabei natürlich die Unterstützung durch die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten, deren enge Einbindung, schon bei den ersten Regungen von Aktivität, den Freunden hilft, eine klare und geeinte Vision dessen, was benötigt wird, beizubehalten.
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Stärkung des Handlungsmusters
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Es dauert nicht lange, bis sich ein Kern von Freunden in einem Cluster bildet, die zusammen arbeiten und beraten und Aktivitäten planen. Damit der Wachstumsprozess weiter fortschreiten kann, muss die Anzahl der Personen steigen, die sich in dieser Weise gemeinsam verbindlich engagieren, und ihre Fähigkeit, im Rahmen des Plans systematisch zu handeln, muss entsprechend zunehmen. Und ähnlich der Entwicklung eines lebenden Organismus kann das Wachstum schnell stattfinden, wenn die richtigen Bedingungen gegeben sind.
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Führend unter diesen Bedingungen ist ein Institutsprozess, der, angesichts seiner zentralen Bedeutung für die Förderung der Bewegung von Bevölkerungsgruppen, stets an Stärke gewinnt. Die Freunde, die mit dem Studium des Institutsmaterials begonnen haben und zudem ihre Energien einsetzen bei der Organisation von Kinderklassen, Juniorjugendgruppen, gemeinsamen Andachtsversammlungen oder anderen damit verbundenen Tätigkeiten, werden dabei unterstützt, die Kursfolge weiter zu durchlaufen, während die Anzahl der Personen, die mit dem Studium beginnen, weiter zunimmt. Indem ununterbrochen Teilnehmer die Institutskurse durchlaufen und das Feld des Handelns betreten, erweitert sich die Schar derer, die den Wachstumsprozess aufrechterhalten. Fortschritt hängt zu einem großen Teil von der Qualität der Bemühungen derer ab, die als Tutoren dienen. In diesem frühen Stadium ist es durchaus möglich, dass die meisten von ihnen noch aus anderen Clustern gewonnen werden, aber gleichzeitig werden einige Freunde vor Ort herangebildet, die, je mehr ihre Handlungsfähigkeit steigt, beginnen, anderen beim Studium des Institutsmaterials zu helfen. Bemühungen, die erste Gruppe von Tutoren aus dem Cluster in ihre Aufgabe einzuführen, sollten einen Kurs einschlagen, der zwei unerwünschte Folgen meidet. Wenn Freunde die Institutskurse zu hastig durchlaufen, wird die Fähigkeit zum Dienen nicht ausreichend entwickelt; wenn umgekehrt das Studium übermäßig verlängert wird, wird der Prozess der Dynamik beraubt, der für sein Vorwärtskommen erforderlich ist. In vielen unterschiedlichen Gegebenheiten sind kreative Lösungen verwendet worden, um das notwendige Gleichgewicht zu erreichen und somit sicherzustellen, dass innerhalb eines angemessenen Zeitraums einige unter den Bewohnern eines Clusters befähigt werden, als Tutoren zu dienen.
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Natürlich bewirkt die Bereitstellung von Trainingskursen für sich alleine noch keinen Fortschritt. Die Bemühungen, Fähigkeiten aufzubauen, verfehlen ihr Ziel, wenn nicht schnell dafür gesorgt wird, dass die Teilnehmer in die Arena des Dienstes begleitet werden. Ermutigende Worte genügen nicht, wenn eine angemessene Unterstützung erforderlich ist. Wenn man sich darauf vorbereitet, eine ungewohnte Aufgabe zu übernehmen, dann ist es eine große Hilfe, neben jemandem mit einiger Erfahrung zu arbeiten, um so ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was möglich ist. Die Zusicherung praktischer Hilfe kann jemandem, der noch zaudert mitzumachen, den Mut geben, zum ersten Mal eine Aktivität zu beginnen. So schreiten Freunde gemeinsam in ihrem Verständnis voran, indem sie demütig die Erkenntnisse teilen, die jeder zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzt, und sich eifrig bemühen, von den anderen Wanderern auf dem Pfad des Dienstes zu lernen. Das Zögern schwindet und Fähigkeiten entwickeln sich bis zu dem Punkt, wo der Einzelne unabhängig Aktivitäten durchführen und seinerseits andere auf dem gleichen Weg begleiten kann.
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Was das Institut betrifft, so schafft die Bewegung der Teilnehmer durch seine Kurse einen wachsenden Bedarf für ihre systematische Unterstützung, wenn sie beginnen, als Lehrer von Kinderklassen, als Animatoren und als Tutoren zu dienen. Für diejenigen aus dem Kern von Gläubigen, die bereits ein gewisses Maß an Erfahrungen mit diesen Erziehungsaktivitäten gewonnen haben, ergeben sich auf natürliche Weise Gelegenheiten, jene zu unterstützen, die darin noch unerfahren sind. Die Bereitschaft Einzelner, anderen zu helfen, bei ihren Bemühungen auf dem Feld des Dienstes voranzukommen, könnte dazu führen, dass ihnen bestimmte Aufgaben übertragen werden. Auf diese Weise treten Koordinatoren für jede der drei Stufen des Erziehungs- und Bildungsprozesses nach und nach hervor, je nachdem, wie die Bedürfnisse es verlangen. Ihre Handlungen sind immer von dem Wunsch getragen, die Entwicklung von Fähigkeiten in anderen zu sehen sowie Freundschaften zu fördern, die auf Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit beruhen.
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Natürlich erhöht der Institutsprozess die Kapazität für ein breites Spektrum von Unternehmen; von den ersten Kursen an werden die Teilnehmer dazu ermutigt, ihre Freunde zu Hause zu besuchen und gemeinsam ein Gebet zu studieren oder mit ihnen ein Thema aus den Bahá’í-Lehren zu besprechen. Vorkehrungen für die Unterstützung der Freunde bei diesen Bemühungen, die weitgehend informell gewesen sein mögen, erweisen sich irgendwann als unzureichend und signalisieren so die Notwendigkeit für einen Clusterlehrausschuss. Dessen Hauptfokus ist die Mobilisierung von Einzelnen, oft durch die Bildung von Teams, um das Handlungsmuster in einem Cluster ständig zu erweitern. Seine Mitglieder erkennen in jedem einen potenziellen Mitarbeiter in einem kollektiven Unternehmen und sehen ihren eigenen Beitrag darin, den Geist eines gemeinsamen Ziels in der Gemeinde zu fördern. Mit Hilfe dieses Ausschusses werden die bereits laufenden Bemühungen, Andachtsversammlungen zu organisieren, Besuche durchzuführen und den Glauben zu lehren, jetzt deutlich ausgeweitet. Sie werden die Nationalen Geistigen Räte und die Regionalräte, ebenso wie die Trainingsinstitute ermuntern müssen, aufmerksam zu verfolgen, wann die Bedingungen in einem Cluster es erfordern, dass die organisatorischen Vorkehrungen eine klar definierte Form annehmen – wobei die Institutionen weder zu früh handeln noch die Errichtung formaler Strukturen unangemessen verzögern sollten.
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Ebenso wie die einzelnen Freunde benötigen auch die Agenturen, die in einem Clusterstehen, Unterstützung beim Aufnehmen ihrer Aufgaben. Die Hilfe, die Hilfsamtsmitglieder in diesem Zusammenhang bieten, ist unerlässlich, aber es ist auch eine wichtige Verantwortung der Regionalräte oder, wo es keine Regionalräte gibt, die des Nationalen Geistigen Rates selbst, und es ist ebenso ein dringendes Anliegen für die Trainingsinstitute. Die Fähigkeit, auf der Clusterebene wirksam zu dienen, steigt, wenn Räume geschaffen werden, in denen die beteiligten Gläubigen die Möglichkeit haben, Führung zu studieren, über ihre Handlungen im Licht dieser Führung zu reflektieren und Erkenntnisse daraus zu ziehen, sowie Zugang zum erweiterten Wissensschatz zu erhalten, der in umliegenden Clustern und weiter entfernten Gegenden erworben wurde. Statt Pläne rein theoretisch zu formulieren, zielen Beratungen, die in solchen Räumen durchgeführt werden, häufig darauf ab, die Realität des Clusters in diesem besonderen Moment zu erfassen und die unmittelbar nächsten Schritte zu identifizieren, um den Fortschritt zu fördern. Diejenigen, die auf regionaler oder nationaler Ebene dienen, können zwar viel tun, um die Freunde zu beraten und ihre Vision in Bezug auf das zu erweitern, was erreicht werden kann, aber sie sollten nicht versuchen, dem Planungsprozess ihre eigenen Erwartungen aufzudrängen; vielmehr helfen sie den Gläubigen, die in einem Cluster arbeiten, nach und nach ihre Fähigkeit zu verbessern, eine Vorgehensweise zu entwickeln und umzusetzen, die auf der Erfahrung aufbaut, die sich an der Basis der Gemeinde ansammelt, und auf der Vertrautheit mit tatsächlichen Bedingungen beruht. Damit Clusteragenturen ihre Fähigkeit zum Lernen und zum systematischen Handeln entwickeln, müssen die regionalen und nationalen Institutionen bei ihren eigenen Bemühungen, sie dabei zu unterstützen, gewissenhaft und methodisch sein. Die Unterstützung Ihrer Hilfsamtsmitglieder bei dieser Arbeit wird sicherstellen, dass jedes Element des Wachstumsprozesses die geforderten Merkmale erreicht und dass die Integrität und Kohärenz aller Bemühungen bei-behalten werden.
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Der Impuls, durch Handeln zu lernen, ist natürlich unter den Freunden von Anfang an vorhanden. Die Einführung der vierteljährlichen Zyklen von Aktivitäten profitiert von dieser nun hervortretenden Fähigkeit und ermöglicht, dass sie kontinuierlich verstärkt wird. Obwohl diese Fähigkeit speziell mit der Reflexions- und Planungsphase eines Zyklus in Verbindung steht, vor allem mit dem Reflexionstreffen, das seinen pulsierenden Herzschlag reguliert, wird sie auch an allen anderen Punkten des Zyklus von denen eingesetzt, die zusammenhängende Handlungslinien verfolgen. Wir stellen fest, dass, je mehr sich das Lernen beschleunigt, die Freunde Rückschläge, ob klein oder groß, besser überwinden können – indem sie die tieferen Ursachen herausfinden, die zugrunde liegenden Prinzipien erkunden, einschlägige Erfahrungen zum Tragen bringen, Schritte zur Abhilfe identifizieren und die Fortschritte beurteilen, bis der Wachstumsprozess vollständig neu belebt worden ist.
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Von zentraler Bedeutung für das Handlungsmuster, das sich in einem Cluster entwickelt, ist die Wandlung des Einzelnen und der Gemeinschaft, eine Wandlung, die durch das Wort Gottes bewirkt wird. Vom Beginn der Kursfolge an begegnet ein Teilnehmer der Offenbarung Bahá’u’lláhs, indem er sich mit solch gewichtigen Themen wie Andacht, Dienst an der Menschheit, das Leben der Seele und die Erziehung von Kindern und Jugendlichen, beschäftigt. Wenn jemand so die Gewohnheit des Studiums und der tiefen Reflexion über das schöpferische Wort pflegt, offenbart sich dieser Prozess der Wandlung in seiner Fähigkeit, sein Verständnis von tiefgreifenden Konzepten in Worte zu fassen und die geistige Wirklichkeit in bedeutsamen Gesprächen zu erkunden. Diese Fähigkeiten sind nicht nur an vertieften Diskussionen erkennbar, die zunehmend die Interaktionen in der Gemeinde prägen, sondern auch an den fortlaufenden Gesprächen, die weit größere Kreise erreichen – nicht zuletzt Gespräche zwischen der Bahá’í-Jugend und ihren Altersgenossen – bis hin zu den Eltern, deren Töchter und Söhne von den Erziehungs- und Bildungsprogrammen der Gemeinde profitieren. Durch Austausch dieser Art wird das Bewusstsein für die geistigen Kräfte geschärft, scheinbare Dichotomien machen unerwarteten Einsichten Platz, das Gefühl der Einheit und gemeinsamen Berufung wird gestärkt, das Vertrauen darauf, dass eine bessere Welt geschaffen werden kann, wird aufgebaut und die Verpflichtung zum Handeln tritt zutage. Solch unverwechselbare Gespräche ziehen allmählich immer größere Zahlen von Menschen an, die sich an einer Reihe von Gemeindeaktivitäten beteiligen. Themen des Glaubens und der Gewissheit kommen natürlicherweise auf, angeregt durch die Empfänglichkeit und die Er-fahrungen aller Beteiligten. Klar ist also, dass, je mehr der Institutsprozess in einem Cluster an Schwungkraft gewinnt, dem Akt des Lehrens immer größere Bedeutung im Leben der Freunde zukommt.
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Bei kontinuierlichem Fortschritt nutzen die Institutionen in ihren Plänen die zunehmende Fähigkeit zum Führen bedeutsamer Gespräche. Wenn die Zyklen der Aktivitäten einmal formell etabliert sind, wird diese Fähigkeit weiter verstärkt durch die Ausbreitungsphase, die so viel dazu beiträgt, das Ergebnis eines jeden Zyklus zu bestimmen. Die genauen Ziele jeder einzelnen Ausbreitungsphase variieren natürlich je nach den Bedingungen in dem Cluster und den Umständen der Bahá’í-Gemeinde. In einigen Fällen ist ihr Hauptziel, die Teilnahme an den Kernaktivitäten zu erhöhen; in anderen wird Bereitschaft, dem Glauben beizutreten, entdeckt. Gespräche über die Person Bahá’u’lláhs und das Ziel Seiner Sendung finden in einer Vielzahl von Situationen statt, einschließlich Heimkreisen und Besuchen zu Hause. Die durch das Studium des relevanten Institutsmaterials entwickelten Fähigkeiten werden bei den in dieser Phase unternommenen Aktivitäten geübt und verfeinert. Mit wachsender Erfahrung können die Freunde immer besser erkennen, wann sie ein hörendes Ohr gefunden haben, und sie können entscheiden, wann eine direktere Methode zum Überbringen der Botschaft angewandt werden sollte; sie können Hindernisse für das Verständnis besser beseitigen wie auch Suchenden helfen, die Sache anzunehmen. Der Ansatz der Arbeit in Teams ermöglicht es den Freunden, zusammen zu dienen, einander gegenseitige Unterstützung zu bieten und Vertrauen aufzubauen – aber selbst wenn Aktivitäten individuell durchgeführt werden, koordinieren sie ihre Bemühungen, um so eine größere Wirkung zu erzielen. Ihr Fokus und die Zeit, die sie investieren, verleihen dieser kurzen, aber entscheidenden Phase des Zyklus die Intensität, die sie erfordert. Durch diesen Geist fester Entschlossenheit werden die Kräfte der Gemeinde vervielfacht, und in jedem Zyklus lernen die Freunde immer mehr, auf die mächtigen Bestätigungen des göttlichen Reiches zu vertrauen, die durch ihre Handlungen angezogen werden.
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Vor fünf Jahren waren die meisten Cluster, wo ein intensives Wachstumsprogramm etabliert worden war, jene, in denen bereits eine angemessene Anzahl von Bahá’í lebte; häufig waren sie geographisch voneinander entfernt. Bemühungen seitens jener Gläubigen, die Arbeit voranzubringen, indem sie Freunde, Kollegen, Familienmitglieder und Bekannte zur Teilnahme einluden, trugen viel dazu bei, den Umfang der Aktivitäten im gesamten Cluster zu erhöhen. Den Kreis der Teilnehmer auf diese Weise zu erweitern, ist in der Tat zu einem vertrauten Aspekt des Bahá’í-Lebens geworden und bleibt weiterhin unerlässlich. Zugleich jedoch zeigt die Erfahrung, dass noch mehr vonnöten ist, damit das Wachstum durch einen stetigen Zufluss neuer Teilnehmer in den Institutsprozess beschleunigt wird. Das Muster des Gemeindelebens muss an Orten entwickelt werden, wo Empfänglichkeit zu Tage tritt, in diesen kleinen Bevölkerungszentren, wo intensive Aktivitäten aufrechterhalten werden können. Hier, wo die Arbeit der Gemeindebildung innerhalb eines so eng umschriebenen Gebiets stattfindet, kommen die ineinander greifenden Dimensionen des gemeinschaftlichen Lebens besonders kohärent zum Ausdruck, hier ist der Prozess des kollektiven Wandels am stärksten zu spüren, und hier wird zu gegebener Zeit die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens am deutlichsten sichtbar.
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Daher wird eine bedeutende Aufgabe für Sie und Ihre Hilfsamtsmitglieder zu Beginn des kommenden Plans darin bestehen, überall bei den Freunden das Verständnis zu fördern, dass die Strategie, Aktivitäten der Gemeindebildung in vielversprechenden Nachbarschaften und Dörfern zu initiieren, weithin angenommen und systematisch verfolgt werden muss, damit die bestehenden Wachstumsprogramme weiterhin an Stärke gewinnen. Freunde, die in solchen Gebieten dienen, lernen, wie man Ziel und Absicht dieser Aktivitäten am besten erklärt, wie man durch Taten die Reinheit seiner Motive unter Beweis stellt, wie man ein Umfeld fördert, in dem der Zögerliche Mut fassen kann, wie man den Bewohnern dabei helfen kann, die reichhaltigen Möglichkeiten zu erkennen, die durch Zusammenarbeit geschaffen werden, und wie man sie ermutigen kann, sich zu erheben, um den besten Interessen ihrer Gesellschaft zu dienen. Doch den wirklichen Wert dieser Arbeit zu erkennen, heißt auch das Bewusstsein für ihre empfindliche Natur zu schärfen. Ein entstehendes Handlungsmuster in einem kleinen geographischen Gebiet kann leicht durch zu viel Aufmerksamkeit von außen erstickt werden; dementsprechend braucht die Anzahl der Freunde, die in solche Orte ziehen oder sie häufig besuchen, nicht groß zu sein, da letztlich der Prozess, der in Gang gesetzt wird, im Wesentlichen von den Bewohnern selbst abhängt. Was jedoch von den Beteiligten gefordert wird, ist die Bereitschaft, sich langfristig zu verpflichten, und eine Sehnsucht, so vertraut mit der Realität eines Ortes zu werden, dass sie sich in das lokale Leben integrieren und, ohne jede Spur von Vorurteilen oder Paternalismus, jene Bande wahrer Freundschaft knüpfen, wie sie Gefährten auf einer geistigen Reise anstehen. Die Dynamik, die sich unter solchen Umständen entwickelt, schafft ein starkes Gefühl kollektiven Willens und gemeinsamer Bewegung. Im Laufe der Zeit werden der Cluster als Ganzes und seine Zentren intensiver Aktivität einander das vertiefte Verständnis vermitteln, das aus den Bemühungen erwächst, die Lehren in unterschiedlichem Kontext anzuwenden.
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Während die Freunde in einem Cluster die Aktivitäten der Gemeindebildung, die um sie herum Gestalt annehmen, weiter stärken und ausdehnen, wird offensichtlich, dass markante Fortschritte erzielt worden sind. Alle Elemente eines Systems, das notwendig ist, um Wachstum aufrecht zu erhalten, sind nun vorhanden. Das Erreichen des zweiten Meilensteins auf dem Kontinuum der Entwicklung, das wir Ihnen vor fünf Jahren beschrieben haben, geht einher mit Fortschritten, die sowohl qualitativ als auch quantitativ sind – zum Beispiel einem Anstieg der Zahl derjenigen, die an Gesprächen beteiligt sind, durch die Aufnahmebereitschaft entdeckt und gefördert werden kann, sowie einem Anstieg der Anzahl der Haushalte oder Familien, die besucht werden, der Kernaktivitäten und der damit verbundenen Beteiligung, und schließlich der Anzahl der Personen, die die Kursfolge beginnen oder andere unterstützen, die gerade dabei sind, Vertrauen in ihre Fähigkeit zum Dienen zu gewinnen. Die Teilnahme an Versammlungen anlässlich der Neunzehntagefeste und Bahá’í-Feiertage wird von den örtlichen Geistigen Räten gefördert. Solche Fortschritte sind die offensichtlicheren Zeichen einer viel feineren Entwicklung: der allmählichen Ausbreitung eines Musters des Gemeindelebens auf Grundlage von Bahá’u’lláhs Lehren innerhalb einer Bevölkerungsgruppe. Und, natürlich, wächst die Anzahl der Gläubigen.
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In den vergangenen fünf Jahren ist der Pfad, der zur Entstehung eines intensiven Wachstumsprogramms führt, leichter erkennbar geworden. Er muss ernsthaft verfolgt werden. In dem Plan, der an diesem Riḍván beginnt, rufen wir dazu auf, das Wachstum in allen Clustern, wo es angefangen hat, zu beschleunigen. Ungeachtet der Ebbe und Flut, die einen organischen Prozess naturgemäß charakterisieren, sollte im Verlauf von zwanzig Zyklen ein klarer Bogen des Fortschritts sichtbar werden. Ziel dieser gemeinsamen Bemühung ist es, die Anzahl der Cluster, in denen ein Wachstumsprogramm intensiv geworden ist, bis Riḍván 2021 auf 5.000 zu erhöhen.
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Wir setzen der Bahá’í-Welt dieses Ziel in dem Bewusstsein, dass es wirklich gewaltig ist, dass eine Herkulesarbeit erforderlich sein wird und dass viele Opfer erbracht werden müssen. Aber angesichts der Bedrängnis einer Welt, die jeden Tag mehr leidet, da sie Bahá’u’lláhs Elixiers beraubt ist, können wir nicht guten Gewissens von Seinen ergebenen Anhängern weniger verlangen. So Gott will, werden ihre Anstrengungen sich als würdig erweisen, hundert Jahre mühevoller Arbeit zu krönen und die Bedingungen zu schaffen für noch ungeahnte Errungenschaften, die das zweite Jahrhundert des Gestaltenden Zeitalters schmücken müssen.
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In den kommenden Monaten werden Sie Beratungen mit Nationalen Geistigen Räten einleiten, um mit ihnen zusammen einzuschätzen, was dieses globale Ziel für ihre jeweiligen Gemeinden bedeutet, ein Beratungsprozess, der rasch erweitert werden muss, bis er die Basis erreicht. Und dann muss gehandelt werden. Wir erwarten, dass in jenen Regionen schnellere Fortschritte gemacht werden, in denen ein oder mehrere intensive Wachstumsprogramme über längere Zeit aufrechterhalten wurden, da diese eine wertvolle Quelle von Wissen und Erfahrung sind sowie ein Reservoir an befähigten Mitarbeitern bieten, während Bemühungen unternommen werden, benachbarte Gegenden zu stärken. Dieses Ziel zu verfolgen wird auch zur Entstehung neuer Wachstumsprogramme führen, oft in noch nicht eröffneten Clustern, die in der Nachbarschaft von solchen liegen, in denen bereits ein bedeutender Fortschritt stattgefunden hat. Ein solcher Fluss der Unterstützung hat seinen Ursprung in den Aufforderungen, die in den Sendschreiben zum göttlichen Plan niedergelegt sind.
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Menschen in großer Zahl aufnehmen und Komplexität bewältigen
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Wenn ein Wachstumsprogramm in einem Cluster im Entstehen begriffen ist, mag vielleicht nur eine Handvoll Einzelner an dessen Förderung beteiligt sein, und die Teilnehmer kommen vielleicht nur aus einigen wenigen Familien; wenn hingegen ein Programm bereits intensiv geworden ist, hat die Anzahl der Beteiligten – wie man erwarten kann – zugenommen: Vielleicht sind Dutzende von Personen mit Ausbreitung und Festigung beschäftigt, während die Anzahl der Teilnehmer leicht hundert übertreffen könnte. Um aber eine große Anzahl von Menschen erreichen zu können – eine Mobilisierung von hundert oder mehr Personen, deren Dienst sie mit vielen Hunderten oder sogar Tausenden verbindet – bedarf es der Fähigkeit, sich einer erheblichen Zunahme an Komplexität anzupassen.
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Während der Wachstumsprozess weiterhin an Intensität gewinnt, bringen die Bemühungen der Freunde, bedeutsame Gespräche zu führen, sie in viele soziale Räume, so dass ein breiteres Spektrum von Menschen sich mit den Lehren vertraut machen und ernsthaft über den Beitrag nachdenken kann, den jeder von ihnen zur Verbesserung der Gesellschaft zu leisten vermag. Darüber hinaus stellen immer mehr Menschen ihr Zuhause als Veranstaltungsort für Aktivitäten der Gemeindebildung zur Verfügung, wobei jedes ein Ausgangspunkt für die Verbreitung des Lichtes göttlicher Führung wird. Der Institutsprozess wird so von einer wachsenden Anzahl von Freunden unterstützt, die wirksam als Tutoren dienen, die, Zyklus um Zyklus, gemeinsam die gesamte Kursfolge anbieten, gelegentlich in Form von Intensivkursen. Auf diese Weise wird der Ausbildungsprozess kaum unterbrochen und bringt einen sich ständig erweiternden Pool an Mitarbeitern hervor. Während weiterhin ein vielfältiges Spektrum der Einwohner des Clusters einbezogen wird, bilden oft Jugendliche den größten Teil der Kursteilnehmer. Die verwandelnde Wirkung, die das Studium des Wortes Gottes hat, wird von den Vielen erfahren, deren Leben in irgendeiner Weise durch die Aktivitäten der Gemeinde berührt wird. Und wenn der Zustrom von Menschen, die den Pfad des Dienstes beginnen, anschwillt, führt dies zu erheblichen Fortschritten bei allen Aspekten der Bemühungen der Freunde um Gemeindebildung. Die Anzahl der Animatoren von Juniorju-gendgruppen und der Kinderklassenlehrer vervielfacht sich, so dass es zu einer verstärkten Ausweitung dieser beiden grundlegenden Programme kommt. Kindern wird ermöglicht, von einer Klassenstufe zur nächsten aufzusteigen, während gleichzeitig Gruppen von Juniorjugendlichen von Jahr zu Jahr Fortschritte machen und das Gelernte im Dienst an der Gesell-schaft festigen. Gestärkt durch die Unterstützung der örtlichen Geistigen Räte, ermutigen und fördern Clusteragenturen den natürlichen Übergang der Teilnehmer von einer Stufe des Erziehungsprozesses zur nächsten. Ein Erziehungs- und Bildungssystem mit all seinen dazugehörenden Elementen ist nun fest im Cluster verwurzelt, imstande sich auszuweiten, um eine Vielzahl von Menschen willkommen zu heißen.
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Diese Art von Fortschritt erfordert die konzertierten Anstrengungen der Freunde, wo immer sie im Cluster wohnen. Trotzdem zeigen die Erfahrungen im derzeitigen Plan, dass ein Handlungsmuster, das in der Lage ist, große Zahlen von Menschen aufzunehmen, hauptsächlich aus den Bemühungen entsteht, mehr Nachbarschaften und Dörfer – Orte, an denen das Zusammentreffen geistiger Kräfte schnellen Wandel innerhalb einer Gruppe von Menschen bewirkt – so weit zu bringen, dass sie intensive Aktivitäten aufrechterhalten können. Eine Kerngruppe Einzelner aus jeder Nachbarschaft übernimmt Verantwortung für den Prozess der Heranbildung von Fähigkeiten bei ihren Bewohnern. Ein breiter Querschnitt der Bevölkerung beteiligt sich an Gesprächen, und Aktivitäten werden für ganze Gruppen auf einmal geöffnet – ob Freunde und Nachbarn, Scharen von Jugendlichen, ganze Familien. Das ermöglicht ihnen allen zu erkennen, wie die Gesellschaft um sie herum umgestaltet werden kann. Die Praxis der Andachtsversammlungen, manchmal in Form von Frühgebeten, nährt in allen eine viel tiefere Verbundenheit mit der Offenbarung Bahá’u’lláhs. Vorherrschende Gewohnheiten, Bräuche und Ausdrucksformen werden alle zugänglich für Veränderung – äußeres Merkmal einer noch tiefer greifenden inneren Wandlung, die viele Seelen berührt. Die Bande, die zwischen ihnen bestehen, werden inniger. Eigenschaften wie gegenseitige Unterstützung, Wechselseitigkeit und einander erbrachte Dienste beginnen sich als Merkmale einer entstehenden, lebendigen Kultur unter denen abzuheben, die an Aktivitäten beteiligt sind. Die Freunde an solchen Orten helfen den Clusteragenturen, den Wachstumsprozess auf verschiedene Teile des Clusters auszudehnen, denn sie können es kaum abwarten, andere mit der Vision der Wandlung bekannt zu machen, in die sie selbst bereits einen ersten Einblick gewonnen haben.
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Im Zuge ihrer Bemühungen treffen die Gläubigen auf Empfänglichkeit in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die aus bestimmten Ethnien, Stämmen oder anderen Zugehörigkeiten kommen und in einer überschaubaren Umgebung konzentriert oder im gesamten Cluster und weit darüber hinaus vertreten sein können. Es gibt viel über die damit verbundene Dynamik zu lernen, wenn eine Bevölkerungsgruppe dieser Art den Glauben annimmt und durch seinen aufbauenden Einfluss entflammt und zum Handeln bewegt wird. Wir möchten die Bedeutung dieser Arbeit für die Förderung der Sache Gottes betonen: Jedes Volk hat einen Anteil an der Weltordnung Bahá’u’lláhs, und alle müssen unter dem Banner der Einheit der Menschheit versammelt werden. In ihren frühen Stadien werden die systematischen Bemühungen, eine Bevölkerungsgruppe zu erreichen und ihre Teilnahme am Prozess des Aufbaus von Fähigkeiten zu fördern, deutlich beschleunigt, wenn Mitglieder dieser Bevölkerungsgruppe selbst an der Spitze einer solchen Bemühung stehen. Diese Personen werden besondere Einblicke in jene Kräfte und Strukturen in ihren Gesellschaften haben, die auf verschiedene Weise die laufenden Bemühungen verstärken können.
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Während das Wachstum im Cluster fortschreitet, werden größere Anforderungen an die Organisationsform des Trainingsinstituts gestellt. Zusätzliche Koordinatoren sind jetzt erforderlich, von denen einige vielleicht ihre Bemühungen auf einen bestimmten Teil des Clusters konzentrieren. Dies muss jedoch nicht zu einer weiteren Ebene in der Administration führen. Vieles kann durch Zusammenarbeit erreicht werden, wenn Koordinatoren anfangen in Teams zusammenzuarbeiten und dabei manchmal andere fähige Freunde zur Hilfe heranziehen. Die ständigen Interaktionen und der Austausch von Erfahrungen innerhalb dieser Teams bereichert durchweg das Verständnis und erhöht die Wirksamkeit ihres Dienstes. Die Koordinatoren entdecken auch, dass ihre Bemühungen wesentlich verbessert werden können, wenn die Freunde, die als Kinderklassenlehrer, als Animatoren und als Tutoren dienen und in unmittelbarer Nähe zueinander wohnen, in der Lage sind, sich dort, wo sie dienen, in Kleingruppen zu treffen und sich gegenseitig zu unterstützen.
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Unterdessen ist der Clusterlehrausschuss dabei, seine Arbeitsweise auf ein neues Niveau zu heben. Er beschäftigt sich noch sorgfältiger mit der Erfassung der Situation im gesamten Cluster: einerseits eine präzise Bewertung der Fähigkeiten der Gemeinde und der Folgen, die anhaltendes Wachstum bewirkt, andererseits das Verständnis der Auswirkungen, die verschiedene gesellschaftliche Realitäten langfristig für die Gemeindebildung haben können. In den Plänen, die der Ausschuss in jedem Zyklus macht, stützt er sich stark auf diejenigen, die bei der Ausbreitung und Festigung den größten Teil der Arbeit schultern, aber angesichts der Tatsache, dass die Zahl derjenigen, die – wie auch immer – in das Muster der Aktivitäten eingebunden sind, jetzt so groß ist, wird eine Vielzahl verschiedener Fragen nun dringlicher: wie man die Gesamtheit der Gläubigen zur Unterstützung der Lehrziele mobilisiert; wie man systematische Besuche bei den Freunden zu Hause organisiert, die von Vertiefungen und Gesprächen, die sie mit der Gemeinde verbinden, profitieren würden; wie man die geistige Verbindung mit den Eltern der Kinder und Juniorjugendlichen stärkt; wie man auf dem Interesse derer aufbaut, die Wohlwollen gegenüber dem Glauben gezeigt haben, aber bisher noch nicht an seinen Aktivitäten teilnehmen. Außerdem soll erreicht werden, dass immer mehr Andachtsversammlungen an vielen verschiedenen Orten abgehalten werden, so dass Hunderte von Menschen, schließlich Tausende, zur gemeinsamen Anbetung Gottes zusammenkommen, in Gemeinschaft mit ihren Familien und Nachbarn. Letztendlich beabsichtigt der Ausschuss natürlich, die Reichweite der Bemühungen der Gemeinde beständig zu erweitern, damit immer mehr Seelen die Botschaft Bahá’u’lláhs kennenlernen. Der Ausschuss nutzt bei der Bewältigung der Komplexität seiner Arbeit – darunter das Sammeln und Analysieren statistischer Daten, sowie eine Vielfalt von anderen Aufgaben – auch die Hilfe von Personen, die keine Ausschussmitglieder sind. Diese Komplexität erfordert auch zunehmend enge Zusammenarbeit mit örtlichen Geistigen Räten.
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Wir hoffen ernsthaft, dass Sie im Verlauf des nächsten Plans bei Ihren Bemühungen, eine gesunde und harmonische Entwicklung der Bahá’í-Verwaltung auf allen Ebenen – von der örtlichen bis hin zur nationalen – zu fördern, Ihr Äußerstes tun werden, um den Freunden zu helfen, ihre Aufgaben im Rahmen des organischen Wachstumsprozesses, der weltweit an Schwungkraft zunimmt, zu erfüllen. Die Erfüllung dieser Hoffnung wird großenteils von dem Maß abhängen, in dem diejenigen, welche aufgerufen sind, solch einen Dienst zu leisten – seien sie in einen Geistigen Rat gewählt oder in eine seiner Agenturen ernannt, seien sie zum Institutskoordinator bestimmt oder als einer Ihrer Vertreter ernannt –, erkennen, welch großes Vorrecht sie haben und welches die Grenzen sind, die dieses Vorrecht für sie setzt.
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Der örtliche Geistige Rat seinerseits steigert als Antwort auf die wachsende Anzahl von Teilnehmern an den Aktivitäten seine Fähigkeit, die vielen Aufgaben zu bewältigen, die er im Namen einer sich ausdehnenden Gemeinde durchführt. Er strebt danach, ein Umfeld zu schaffen, in dem alle sich ermutigt fühlen, ihren Beitrag zu dem gemeinsamen Unternehmen der Gemeinde zu leisten. Er wünscht sehnlich, dass die Clusteragenturen bei ihren Plänen Erfolg haben, und seine innige Vertrautheit mit den Bedingungen in seinem Gebiet ermöglicht es ihm, die Entwicklung ineinandergreifender Prozesse auf lokaler Ebene zu fördern. Aus dieser Haltung heraus drängt er die Freunde zu rückhaltloser Beteiligung an Kampagnen und Reflexionstreffen und stellt materielle Ressourcen und andere Unterstützung für Initiativen und Veranstaltungen bereit, die vor Ort organisiert werden. Der Rat achtet auch auf das Erfordernis, die neuen Gläubigen behutsam zu nähren, wobei er erwägt, wann und wie sie an die verschiedenen Dimensionen des Gemeindelebens herangeführt werden. Indem der Rat sie zur Beteiligung an den Institutskursen ermutigt, zielt er darauf ab, dass sie sich von Anfang an als Protagonisten in dem edlen Bestreben sehen, die Welt neu zu bauen. Er sorgt dafür, dass Zusammenkünfte anlässlich des Neunzehntagefestes, der Bahá’í- Feiertage und der Bahá’í-Wahlen zu Gelegenheiten werden, die hohen Ideale der Gemeinde zu bekräftigen, das Bewusstsein der gemeinsamen Verpflichtung zu stärken und ihren geistigen Charakter zu festigen. Mit der Zunahme der Anzahl der Gemeindemitglieder richtet der Rat seine Gedanken darauf, wann es von Vorteil sein könnte, solche Treffen zu dezentralisieren, um eine immer größere Teilnahme an diesen wichtigen Anlässen zu erleichtern.
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Ein bemerkenswertes Merkmal der fortgeschrittenen Cluster ist ein Lernmodus, der die ganze Gemeinde durchdringt und als Ansporn für den Anstieg der institutionellen Kapazität wirkt. Berichte kommen aus und gehen kontinuierlich an einzelne Aktivitätszentren und bieten Einblick in eine Methode, eine Herangehensweise oder einen ganzen Prozess. Das clusterweite Reflexionstreffen, auf dem so viel von diesem Lernen präsentiert wird, erfährt oft eine Ergänzung durch Treffen für kleinere Gebiete, die ein stärkeres Verantwortungsgefühl unter den Teilnehmern hervorrufen. Dieses Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung wird von Zyklus zu Zyklus deutlicher – die freigesetzte Kraft einer organisch vereinten Gruppe von Menschen, die ihre geistige Entwicklung und die künftiger Generationen selbst in die Hand nimmt. Und während sie dies tun, erleben sie die Unterstützung, die sie von regionalen und nationalen Bahá’í-Institutionen und deren Agenturen erhalten, als unaufhörlichen Strom der Liebe.
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Aus dieser Zunahme sowohl der Ressourcen wie auch des Bewusstseins für die Auswirkungen der Offenbarung auf das Leben einer Bevölkerung ergeben sich ganz natürlich erste Regungen gesellschaftlichen Handelns. Nicht selten entstehen Initiativen dieser Art organisch aus dem Programm zur geistigen Befähigung der Juniorjugend oder werden durch Beratungen über örtliche Bedingungen angeregt, die bei Gemeindetreffen aufkommen. Die Formen, die solche Bemühungen annehmen können, sind vielfältig und umfassen beispielsweise Hausaufgabenhilfe für Kinder, Projekte zur Verbesserung der äußeren Umgebung, sowie Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit und Verhütung von Krankheiten. Einige Initiativen werden nachhaltig und wachsen nach und nach. Die vermehrte Sorge um die angemessene Bildung und Erziehung der Kinder sowie das Bewusstsein für deren Bedeutung, die sich ganz natürlich aus dem Studium des Institutsmaterials ergeben, haben an verschiedenen Orten zur Gründung einer Gemeindeschule an der Basis geführt. Gelegentlich können die Bemühungen der Freunde bedeutend verstärkt werden durch die Arbeit einer etablierten Bahá’í-inspirierten Organisation, die in der nahen Umgebung tätig ist. Wie bescheiden ein solches Beispiel gesellschaftlichen Handelns auch am Anfang sein mag, ist es doch ein Zeichen dafür, dass eine Bevölkerung in sich eine wesentliche Fähigkeit kultiviert, eine, die unendliches Potenzial und Bedeutung für die vor uns liegenden Jahrhunderte besitzt: zu lernen, wie man die Offenbarung auf die vielfältigen Dimensionen des sozialen Miteinanders anwendet. Alle derartigen Initiativen dienen auch dazu, die Teilnahme an den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen auf individueller und kollektiver Ebene zu bereichern. Wie erwartet, werden die Freunde weiter in das Leben der Gesellschaft hineingezogen – eine Entwicklung, die von Anfang an zum Handlungsmuster in einem Cluster gehört, jetzt aber viel stärker ausgeprägt ist.
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Die Tatsache, dass die Bewegung einer Bevölkerungsgruppe so weit vorangekommen ist, beweist, dass der Prozess, der dies bewirkt hat, stark genug ist, um ein hohes Maß der Beteiligung an allen Aspekten der Bemühungen zum Aufbau von Fähigkeiten zu erreichen und aufrechtzuerhalten, sowie die daraus folgende Komplexität zu bewältigen. Dies ist ein weiterer Meilenstein, den die Freunde passieren sollten, der dritte in Folge, seit der Wachstumsprozess in einem Cluster begonnen wurde. Er kennzeichnet das Hervortreten eines Systems zur Ausweitung eines dynamischen Musters des Gemeindelebens, in einem Zentrum nach dem anderen, eines Musters, das imstande ist, eine ganze Bevölkerung – Männer und Frauen, Jung und Alt – dafür zu gewinnen, ihre eigene geistige und gesellschaftliche Wandlung in die Hand zu nehmen. Dies ist bereits in rund zweihundert Clustern geschehen, die eine Reihe sozioökonomischer Verhältnisse abdecken, und wir erwarten, dass es beim Abschluss des kommenden Plans noch in Hunderten weiteren zu beobachten sein wird. Es ist eine Zukunft, die die Freunde, die in Tausenden von Clustern andernorts arbeiten, anstreben können.
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In einigen der Cluster, wo das Wachstum in diesem Ausmaß fortgeschritten ist, hat sich eine noch spannendere Entwicklung ereignet. Es gibt Orte innerhalb dieser Cluster, wo ein erheblicher Prozentsatz der gesamten Bevölkerung jetzt in Aktivitäten der Gemeindebildung eingebunden ist. Zum Beispiel gibt es kleine Dörfer, in denen das Institut die Teilnahme aller Kinder und Juniorjugendlichen in seinen Programmen erreichen konnte. Wenn der Aktivitätsradius sich weiter ausgedehnt hat, werden die gesellschaftlichen Auswirkungen des Glaubens deutlicher. Als einer unverwechselbaren moralischen Stimme im Leben einer Bevölkerung wird der Bahá’í-Gemeinde höheres Ansehen zugestanden, und sie kann einen sachkundigen Standpunkt zu den Diskursen um sie herum beitragen, wie beispielsweise über die Entwicklung der jüngeren Generation. Autoritätspersonen aus der umgebenden Gesellschaft beginnen, sich der Einsichten und Erfahrungen aus den Initiativen gesellschaftlichen Handelns zu bedienen, die von den Lehren Bahá’u’lláhs inspiriert sind. Gespräche, die von diesen Lehren beeinflusst sind und das Gemeinwohl betreffen, durchdringen einen immer breiteren Querschnitt der Bevölkerung, bis zu dem Punkt, wo eine Wirkung auf den allgemeinen Diskurs in einer Ortschaft wahrgenommen werden kann. Über die Bahá’í-Gemeinde hinaus beginnen die Menschen, den örtlichen Geistigen Rat als strahlende Quelle der Weisheit zu betrachten, der auch sie sich zuwenden können, um erhellenden Rat zu suchen.
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