Universales Haus der Gerechtigkeit | Botschaft vom 2021-12-30 Zum kommenden Neunjahresplan der Bahá’í-Gemeinde weltweit
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Das Universale Haus der Gerechtigkeit
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30. Dezember 2021
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An die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter
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Innig geliebte Freunde,
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zu Riḍván dieses Jahres haben wir beschrieben, wie die Bahá’í-Welt im Laufe eines Vierteljahrhunderts einen Wandel durchlaufen hat, der sie mit ungeahnten Fähigkeiten ausgestattet hat, zu lernen, zu wachsen und der Menschheit zu dienen. Doch so strahlend die Errungenschaften dieser Zeit waren, sie müssen von dem, was noch kommen wird, in den Schatten gestellt werden. Bis zum Abschluss der neuen Serie von Plänen, die vor kurzem begann, muss die Bahá’í-Gemeinde Fähigkeiten erworben haben, die heute noch kaum erkennbar sind. Bei Ihren Beratungen in den kommenden Tagen werden Sie damit beschäftigt sein zu erforschen, was erforderlich ist, um eine solcherart gestärkte Gemeinde aufzubauen.
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Bahá’u’lláh erklärt, dass „die sterblichen Menschen aus dem völligen Nichtsein zu dem Zweck ins Reich des Seins gelangten, für die Besserung der Welt zu wirken und miteinander in Einklang und Harmonie zu leben.“ Er hat Lehren offenbart, die dies ermöglichen. Der Aufbau einer Gesellschaft, die bewusst dieses kollektive Ziel verfolgt, ist das Werk nicht nur dieser Generation, sondern vieler zukünftiger Generationen, und die Anhänger Bahá’u’lláhs heißen alle willkommen, die Seite an Seite mit ihnen in diesem Unterfangen arbeiten. Es bedeutet zu lernen, wie man lebenssprühende, nach außen gerichtete Gemeinden aufbaut; es bedeutet, dass diese Gemeinden lernen, wie man geistigen und materiellen Fortschritt herbeiführt; es bedeutet zu lernen, wie man zu den Diskursen beiträgt, die die Richtung dieses Fortschritts beeinflussen. Diese Bereiche der Bemühungen sind uns natürlich vertraut. Aus einer bestimmten Perspektive betrachtet sind sie recht unterschiedlich und haben jeweils ihre eigenen Merkmale und Erfordernisse. Sie alle sind jedoch Wege, um die in der menschlichen Seele schlummernden Energien zu wecken und sie zum Wohle der Gesellschaft zu kanalisieren. Zusammen betrachtet sind sie Mittel zur Freisetzung dessen, was der Hüter als „die gesellschaftsbildende Kraft“ des Glaubens bezeichnete. Diese der Sache Bahá’u’lláhs innewohnende Kraft ist selbst in den anfänglichen Bemühungen einer Bahá’í-Gemeinde sichtbar, die noch dabei ist zu lernen, wie man der Menschheit dienen und das Wort Gottes verbreiten kann. Und obwohl die in Seiner Offenbarung vorausgesagte Weltgesellschaft natürlich noch in weiter Ferne liegt, gibt es sehr viele Gemeinden, die ernsthaft lernen, Seine Lehren auf ihre gesellschaftliche Realität anzuwenden. Wie unermesslich gesegnet sind diese Seelen, die sich der Größe dieses Tages und der Bedeutung ihres Handelns bewusst sind und sich für das Entstehen einer Gesellschaft einsetzen, die von den göttlichen Lehren geprägt ist.
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Die Serie der globalen Pläne, die zu Riḍván begann, wird volle fünfundzwanzig Jahre dauern. Sie wird die Arche der Sache in das dritte Jahrhundert des Bahá’í-Zeitalters tragen und zu Riḍván 2046 enden. Während dieses Zeitraums wird die Bahá’í-Welt auf ein einziges Ziel ausgerichtet sein: die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in immer höherem Maße freizusetzen. Das Verfolgen dieses übergeordneten Ziels wird eine weitere Steigerung der Kapazität des einzelnen Gläubigen, der örtlichen Gemeinde und der Institutionen des Glaubens erfordern. Jeder dieser drei konstanten Protagonisten des Plans hat eine Rolle zu spielen, und jeder von ihnen hat Fähigkeiten und Eigenschaften, die entwickelt werden müssen. Allerdings kann keiner von ihnen alleine sein volles Potenzial entfalten. Erst durch die Stärkung ihrer dynamischen Beziehungen zueinander werden ihre Kräfte gebündelt und vervielfacht. ‘Abdu’l-Bahá erklärt, dass je mehr die Eigenschaften von Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung von einem Volk gelebt werden, „desto mehr wachsen in der menschlichen Gesellschaft Fortschritt und Wohlstand“; im Glauben kennzeichnet und prägt dieses Prinzip die Interaktionen der Einzelnen, der Institutionen und der Gemeinden, und es verleiht dem Körper des Glaubens moralische Vitalität und geistige Gesundheit.
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Die entflammten Seelen, die sich durch die Prozesse des Plans erheben, streben danach, ein immer tieferes Verständnis für die Lehren Bahá’u’lláhs – „das wirksamste Heilmittel für jede Krankheit“ – zu erlangen und sie auf die Bedürfnisse ihrer Gesellschaft anzuwenden. Sie setzen sich für den Wohlstand aller ein und sind sich bewusst, dass das Wohlergehen des Einzelnen auf dem Wohlergehen der gesamten Gesellschaft beruht. Sie sind loyale Bürger, die Parteilichkeit und den Wettstreit um weltliche Macht meiden. Stattdessen konzentrieren sie sich darauf, Differenzen zu überwinden, Perspektiven miteinander in Einklang zu bringen und die Anwendung der Beratung zur Entscheidungsfindung zu fördern. Sie legen Wert auf Eigenschaften und Einstellungen wie Vertrauenswürdigkeit, Zusammenarbeit und Nachsicht – Grundbausteine einer stabilen gesellschaftlichen Ordnung. Sie treten ein für Rationalität und Wissenschaft als unerlässlich für den menschlichen Fortschritt. Sie setzen sich für Toleranz und Verständnis ein, und da das Wissen um die wesenhafte Einheit der Menschheit in ihrem Bewusstsein an erster Stelle steht, betrachten sie jeden als potenziellen Partner, mit dem sie zusammenarbeiten können, und bemühen sich, Gemeinschaftsgefühl selbst unter Gruppen zu fördern, die einander traditionell feindselig gegenübergestanden haben mögen. Sie sind sich bewusst, wie die Kräfte des Materialismus um sie herum wirken, und sehen mit klarem Blick die vielen Ungerechtigkeiten, die in der Welt fortbestehen; doch erkennen sie genauso deutlich die schöpferische Kraft der Einheit und die Fähigkeit der Menschheit zum Altruismus. Sie nehmen die Kraft wahr, die wahre Religion besitzt, Herzen zu verwandeln und Misstrauen zu überwinden, und so arbeiten sie, voll Vertrauen auf das, was die Zukunft bereithält, dafür, die Bedingungen zu kultivieren, unter denen Fortschritt stattfinden kann. Sie teilen ihre Überzeugungen großzügig mit anderen, respektieren dabei die Gewissensfreiheit jedes Menschen und zwingen niemals anderen den eigenen Standard auf. Und obwohl sie nicht behaupten würden, alle Antworten gefunden zu haben, sind sie sich darüber im Klaren, was sie gelernt haben und was sie noch lernen müssen. In einem rhythmischen Wechsel von Handeln und Reflexion kommen ihre Bemühungen voran; Rückschläge lassen sie unbeeindruckt. An Orten, in denen eine wachsende Anzahl von Menschen dabei hilft, solche Gemeinden aufzubauen, wird die Kraft des Glaubens, das soziale Zusammenleben der Menschen wie auch ihr inneres Leben zu wandeln, immer klarer sichtbar. Wir sind sicher, dass das ernsthafte Verfolgen des zentralen Ziels des Plans viele, viele solcher Gemeinden hervorbringen wird.
Die Bewegung von Clustern
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Damit die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens stärker zum Ausdruck kommen kann, bedarf es in erster Linie noch weiterer Fortschritte im Prozess des Beitritts in Scharen in allen Teilen der Welt. Die ihrem Wesen nach geistigen Unternehmungen, das Licht der Offenbarung Bahá’u’lláhs immer weiter zu verbreiten und Seinen Glauben immer tiefer in der Gesellschaft zu verwurzeln, haben messbare Ergebnisse, nämlich die Anzahl der Cluster, in denen ein Wachstumsprogramm eingeleitet wurde, und den Grad der Intensität, den jedes einzelne erreicht hat. In Bezug auf beide Messgrößen sind jetzt die Mittel für ein rasches Vorankommen vorhanden. Das zu erfüllende Ziel, das die Gemeinde des Größten Namens während der gegenwärtigen Serie globaler Pläne anstreben muss, ist die Etablierung intensiver Wachstumsprogramme in allen Clustern der Welt. Dieses gewaltige Ziel setzt eine Ausweitung und Intensivierung der Aktivitäten in einem nie dagewesenen Ausmaß voraus. Im Laufe des Neunjahresplans müssen zügig Fortschritte in Richtung auf dieses Ziel gemacht werden.
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Als vorbereitenden Schritt bitten wir Sie, den Nationalen Geistigen Räten und den Regionalräten dabei zu helfen festzustellen, ob bei der Einteilung ihrer Gebiete in Cluster irgendwelche Anpassungen hilfreich wären. Wie Sie wissen, definiert ein Cluster ein Gebiet, in dem die Aktivitäten des Plans auf handhabbare und nachhaltige Weise gefördert werden können. In den vergangenen einundzwanzig Jahren wurde viel darüber gelernt, in welcher Größe ein Cluster in verschiedenen Kontexten und in verschiedenen Teilen der Welt „handhabbar“ ist; in einigen Ländern hat man aufgrund der Auswirkungen des Wachstums bereits damit begonnen, Modifikationen in Betracht zu ziehen. In vielen Fällen wird diese erneute Einschätzung nicht zu einer Änderung führen, in einigen jedoch zu einer Teilung oder Verkleinerung eines Clusters, und gelegentlich könnte ein Cluster auch größer werden. Gebiete, die aufgrund der natürlichen Gegebenheiten nur dünn besiedelt sind, können von der neuen Clustereinteilung ausgenommen werden. Natürlich würden Gläubige, die an solchen Orten leben, möglichst viele der auf ihre spezifischen Lebensbedingungen anwendbaren Elemente des Handlungsrahmens übernehmen.
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Die Bewegung von Clustern entlang eines Entwicklungskontinuums wird das grundlegende Modell für Ausbreitung und Festigung der Gemeinde bleiben. Die Merkmale des Entwicklungsweges, der beschritten werden sollte, und insbesondere der erste, zweite und dritte Meilenstein, die alle den Fortschritt auf diesem Weg markieren, sind den Freunden aus unseren früheren Botschaften und aus ihren eigenen Erfahrungen bereits wohlbekannt, und wir halten es nicht für notwendig zu wiederholen, was wir bereits dargelegt haben. Wir gehen davon aus, dass bis zum Ende des Einjahresplans in mehr als 6.000 Clustern Wachstumsprogramme im Gang sein werden, dass in fast 5.000 dieser Cluster der zweite Meilenstein überschritten sein wird und dass in 1.300 dieser Cluster die Gläubigen noch weiter fortgeschritten sein werden. Diese Zahlen müssen in den kommenden neun Jahren erheblich ansteigen. Sobald etwaige Anpassungen der Clustereinteilung in jedem Land bestimmt worden sind, bitten wir Sie, in Zusammenarbeit mit den Nationalen Räten und den Regionalräten eine Prognose darüber zu erstellen, in wie vielen Clustern im Laufe des Plans Fortschritte bezüglich der Überschreitung des ersten, beziehungsweise zweiten oder dritten Meilensteins gemacht werden könnten. Es sollte bedacht werden, dass es sich dabei lediglich um sachkundige Schätzungen handeln kann, die zu einem späteren Zeitpunkt – soweit nötig – verfeinert werden können, so dass es keiner zeitaufwändigen Bearbeitung bedarf. Daher bitten wir Sie, dem Bahá’í-Weltzentrum die Ergebnisse dieser Einschätzungen bis Naw-Rúz zu übermitteln. Wir werden dann zu Riḍván in der Lage sein, die gemeinsamen Zielsetzungen der Bahá’í-Welt für den Neunjahresplan vollständig darzulegen.
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Wir sind uns bewusst, dass es einige Regionen und Länder gibt, in denen sich der Glaube noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, und es ist dringend erforderlich, dass auch diesen Orten zugutekommt, was die Bahá’í-Welt über die Beschleunigung des Wachstumsprozesses gelernt hat. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Gelernten ist der immense Wert, den ein Cluster, in dem der dritte Meilenstein überschritten wurde, für eine Region hat. Sobald die Freunde in einem bestimmten Cluster die Bandbreite an Fähigkeiten entwickelt haben, die ein solcher Fortschritt mit sich bringt, und die Mittel zur Verbreitung von Erkenntnissen und zum Erfahrungsaustausch über gemeindebildende Bemühungen vorhanden sind, wird eine rasche Beschleunigung der Ausbreitungs- und Festigungsarbeit in umliegenden Clustern möglich. Daher ist es unbedingt erforderlich, dass im Laufe des Neunjahresplans der Wachstumsprozess in mindestens einem Cluster in jedem Land und jeder Region diese Stufe erreicht. Dies ist eines der Hauptziele des Plans, und es wird die konzentrierte Anstrengung vieler ergebener Seelen erfordern. Das Internationale Lehrzentrum steht bereit, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um verschiedene Strategien zur Verwirklichung dieses Ziels einzusetzen. An erster Stelle steht dabei der Einsatz von Teams internationaler und nationaler Pioniere, die mit dem Handlungsrahmen vertraut und bereit sind, dem Glauben über mehrere Jahre hinweg viel Zeit und Energie zu widmen. Sie als Berater werden Nationalen Geistigen Räten und Regionalräten die Dringlichkeit vor Augen führen müssen, Gläubige zu ermutigen, die sich – in die Fußstapfen so vieler heldenhafter Seelen der Vergangenheit tretend – erheben können, um sicherzustellen, dass das Licht des Glaubens in jedem Gebiet hell erstrahlt. Wir schauen dabei insbesondere auf Länder, Regionen und Cluster, in denen Kraft und Erfahrung so zugenommen haben, dass sie in der Lage sind, einen Strom von Pionieren an Orte in Gang zu bringen, in denen Hilfe benötigt wird, und auch auf andere Weise Unterstützung zu leisten. Dieser Strom an Unterstützung ist ein weiterer Weg, auf dem sich der Geist der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe, der für den Fortschritt so unerlässlich ist, in systematischem Handeln manifestiert.
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Die Errungenschaften der vorangegangenen Serie von Plänen – insbesondere des letzten Fünfjahresplans – hätten ohne einen gewaltigen Fortschritt beim Lehren nicht erreicht werden können. Eine wichtige Dimension dieser Tätigkeit ist die Fähigkeit, Gespräche über geistige Themen zu führen, eine Fähigkeit, die wir in unserer Botschaft an Ihre Konferenz im Jahr 2015 eingehend betrachtet haben, wo wir beschrieben, wie sie durch Teilnahme an Institutskursen und durch das Sammeln praktischer Erfahrungen entwickelt wird. Es ist offensichtlich, dass das Muster der Aktivitäten, das sich an der Basis entfaltet, eine Vielfalt von Gelegenheiten und Räumen eröffnet, in denen empfängliche Seelen – manchmal ganze Familien oder Gruppen von Gleichaltrigen – an bedeutungsvollen Gesprächen teilnehmen können, die das Interesse an der Vision des Glaubens und der Person Bahá’u’lláhs wecken. Mit der Zeit beginnen viele dieser Seelen, sich mit der Bahá’í-Gemeinde zu identifizieren, vor allem indem sie das Selbstvertrauen gewinnen, sich durch Dienst am Gemeindeleben zu beteiligen. Natürlich begrüßt die Gemeinde jedes Maß an Verbundenheit, gleich welcher Intensität, das jemand aufrechterhalten möchte. Doch Bahá’u’lláh als Manifestation Gottes anzuerkennen und die Vorrechte und Verantwortlichkeiten anzunehmen, die einzig mit der Mitgliedschaft in der Bahá’í-Gemeinde verbunden sind, ist in der geistigen Entwicklung eines Menschen ein einzigartiger Moment, der nicht zu vergleichen ist mit regelmäßiger Beteiligung an Bahá’í-Aktivitäten oder damit, Unterstützung für Bahá’í-Prinzipien zu äußern. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Umfeld, das durch die gemeindebildenden Bemühungen an einem Ort geschaffen wird, es jedem, der diesen Schritt tun möchte, relativ leicht macht. Wo auch immer diese Bemühungen im Gange sind, ist es wichtig, dass die Freunde darauf achten, die Türen des Glaubens weit offenzuhalten, und dass sie denjenigen, die an der Schwelle stehen, Mut machen. Und in Gegenden, in denen solche Bemühungen schon seit einiger Zeit etabliert sind, entdecken viele Gläubige, dass ein lebendiges, sich ausweitendes Muster an Aktivitäten auf natürliche Weise dazu führen kann, dass Familien, Gruppen von Freunden und sogar mehrere miteinander verbundene Haushalte bereit sind, der Sache Gottes beizutreten. Denn in Räumen, in denen die Möglichkeit, der Gemeinde beizutreten, offen und einbeziehend unter denjenigen diskutiert werden kann, die ein Gefühl der kollektiven Identität teilen, können sich Seelen leichter ermutigt fühlen, diesen Schritt gemeinsam zu tun. Bahá’í-Institutionen, insbesondere die Örtlichen Geistigen Räte, müssen eine Geisteshaltung annehmen, die solche Entwicklungen ermöglicht, und sicherstellen, dass alle Hindernisse beseitigt werden.
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Wir bitten Sie und Ihre Hilfsamtsmitglieder, den Gläubigen, wo immer sie auch wohnen, zu helfen, in regelmäßigen Abständen über wirksame Wege nachzudenken, den Glauben in ihrer Umgebung zu lehren und in ihren Herzen eine Leidenschaft für das Lehren zu entfachen, die die Bestätigungen des Reiches Gottes anziehen wird. Seelen, denen der Segen des Glaubens zuteilgeworden ist, haben den natürlichen Wunsch, dieses Geschenk durch Gespräche mit Verwandten, Freunden, Klassenkameraden, Arbeitskollegen und ihnen bisher unbekannten Menschen zu teilen, und suchen an jedem Ort und in jedem Augenblick ein hörendes Ohr. Unterschiedliche Gegebenheiten und Umstände eignen sich für unterschiedliche Herangehensweisen, und die Freunde sollten in einem kontinuierlichen Lernprozess herausfinden, was an ihrem jeweiligen Ort am wirksamsten ist.
Von den am weitesten fortgeschrittenen Clustern lernen
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Vor sechs Jahren haben wir Ihnen die Merkmale eines Clusters beschrieben, in dem die Freunde den dritten Meilenstein auf dem Wachstumskontinuum überschritten haben. So weit gekommen zu sein, bringt intensive Aktivität in bestimmten Nachbarschaften oder Dörfern mit sich, erfordert aber auch konzertierte Anstrengungen von der Allgemeinheit der Gläubigen aus dem gesamten Cluster – mit anderen Worten, einen zunehmenden Geist universeller Beteiligung an der Arbeit des Gemeindeaufbaus. In der Praxis bedeutet dies die Mobilisierung einer beträchtlichen Anzahl von Bahá’í, die den Handlungsrahmen des Plans kreativ und intelligent auf die Realität ihrer eigenen Lebensumstände anwenden, wo auch immer sie im Cluster leben. Dazu gehört, dass Familien und einzelne Gläubige zusammenarbeiten und sich bewusst dafür entscheiden, sich als einem wachsenden Nukleus zugehörig zu sehen. Solche Gruppen von Freunden machen sich daran, den Kreis der Teilnehmer an ihren Aktivitäten zu erweitern, indem sie sich in die Netzwerke, denen sie angehören, einbringen – Netzwerke, die durch einen Arbeits- oder Studienplatz, eine örtliche Schule oder eine andere Art Gemeindezentrum entstehen –, sowie Menschen begleiten, die sich erheben, um gemeinsam mit ihnen zu dienen. Diese Bemühungen sind außerordentlich verdienstvoll. Selbst wenn es in einem Cluster eine Reihe blühender Zentren intensiver Aktivität gibt, können die Bemühungen, die im Rest des Clusters unternommen werden, immer noch einen Großteil der Gesamtaktivität ausmachen. Wir erkennen in diesem Zusammenhang auch die Schritte an, die in einigen Clustern unternommen werden, um systematisch eine bestimmte Bevölkerungsgruppe anzusprechen, die sich für den Glauben empfänglich gezeigt hat, aber über den gesamten Cluster verstreut ist. Dies kann als eine besondere Form der gemeindebildenden Arbeit angesehen werden, und als eine, die nach wie vor sehr vielversprechend ist. In dem Maße, in dem die Beteiligung an der Arbeit des Plans in all ihren Formen zunimmt, ergeben sich für die Freunde viele Gelegenheiten, von den Erfahrungen der jeweils anderen zu lernen und gegenseitig die Freude am Lehren zu entfachen.
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Selbstverständlich wurde der Arbeit in empfänglichen Nachbarschaften und Dörfern in den letzten Jahren besondere Aufmerksamkeit gewidmet. In dem Maße, in dem die Bewohner solcher Orte beginnen, sich in großer Zahl an Bahá’í-Aktivitäten zu beteiligen, muss der Koordinierung mehr Beachtung geschenkt werden, um so die damit verbundene Komplexität zu bewältigen. In jedem Zentrum intensiver Aktivität entstehen Formen der Zusammenarbeit zwischen Gruppen von Familien, die miteinander gemeindebildende Aktivitäten organisieren, mit der Absicht, diese auf viele nahegelegene Haushalte auszuweiten; ein informelles Netzwerk von Freunden ermutigt und unterstützt diese Bemühungen. Der Charakter des täglichen Lebens an solchen Orten passt sich dem Aufkommen einer Kultur an, in der Andacht und Dienst tief geschätzte Aktivitäten sind, an denen viele Menschen gleichzeitig teilnehmen. Erhebende, gut vorbereitete Gemeindeversammlungen – die sich in einigen Fällen bis hin zu Camps und größeren Festen ausweiten – finden immer häufiger statt, und Musik und Gesang spielen bei solchen Gelegenheiten eine herausragende Rolle. In der Tat, die Künste als Ganzes – von Anfang an ein solch integraler Bestandteil der Entwicklung einer Gemeinschaft – treten in einem solchen Umfeld als wichtiges Mittel hervor, um Freude zu erzeugen, die Bande der Einheit zu stärken, Wissen zu verbreiten und das Verständnis zu vertiefen, sowie die Menschen in der umgebenden Gesellschaft mit den Grundsätzen des Glaubens vertraut zu machen. Und natürlich bleibt ein starker Fokus darauf, nach außen gerichtet zu sein: Wege zu finden, die Früchte eines florierenden Handlungsmusters kontinuierlich mit Seelen zu teilen, die den Glauben noch nicht kennen.
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Inmitten all dessen haben wir ein besonderes, ermutigendes Phänomen beobachtet, dessen erste Anzeichen wir in unserer Botschaft an Ihre Konferenz im Jahr 2015 als einen neuen Horizont beschrieben haben. Obwohl das Lernen darüber, wie Menschen in großer Zahl mit offenen Armen willkommen geheißen werden, ein Merkmal eines jeden Clusters ist, der den dritten Meilenstein überschritten hat, beginnt der Fokus der Freunde sich notwendigerweise zu erweitern, wenn sie sich einem Punkt nähern, an dem ein bedeutender Anteil der Bevölkerung eines bestimmten Gebiets an den gemeindebildenden Aktivitäten teilnimmt. Dies mag entweder nur für ein bestimmtes Wohngebiet in einem Cluster gelten oder für mehrere solcher Gebiete oder für ein einzelnes Dorf, während dies in anderen Teilen des Clusters vielleicht noch nicht der Fall ist. Aber an solchen Orten sind die Gedanken der Freunde, die an der Basis arbeiten, zunehmend mit dem Fortschritt und dem Wohlergehen aller in der Umgebung lebenden Menschen beschäftigt. Die Bahá’í-Institutionen fühlen sich stärker für die geistige Erziehung einer ganzen Generation von Kindern und Jugendlichen verantwortlich, von denen die meisten oder sogar alle bereits an Gemeindeaktivitäten beteiligt sind. Örtliche Geistige Räte verstärken ihre Beziehungen zu Behörden und örtlichen Führungspersönlichkeiten und gehen sogar formelle Kooperationen ein. Und es wird immer mehr Aufmerksamkeit auf die sich vervielfältigenden Initiativen sozialen Handelns gerichtet, die von Gruppen von Juniorjugendlichen, Jugendlichen, Frauen, Familien oder anderen ausgehen, die auf die Bedürfnisse in ihrer Umgebung reagieren. Schon allein aufgrund des Umfangs und der Vielfalt der Aktivitäten ernennen die Hilfsamtsmitglieder zahlreiche Assistenten für ein einzelnes Dorf oder eine Nachbarschaft; jeder Assistent kann einen oder mehrere Handlungsstränge verfolgen, bei Bedarf Rat und Unterstützung anbieten und den laufenden Prozessen Schwung verleihen.
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An Orten, an denen die Aktivitäten des Plans einen solchen Grad der Verbreitung und Bekanntheit erreicht haben, verfügen die Einwohner nun über eine wesentlich größere Fähigkeit, den Kurs ihrer eigenen Entwicklung zu steuern, und die dortigen Institutionen und Agenturen des Glaubens haben nun eine erweiterte Vision von ihrer Verantwortung. Zu diesen Verantwortlichkeiten gehört natürlich nach wie vor, dass robuste Systeme vorhanden sind, um kontinuierlich Kapazität aufzubauen und diejenigen zu unterstützen, die Initiative ergreifen. Der Fortschritt der Gemeinde hängt jedoch mehr als früher davon ab, dass sich die örtlichen Institutionen und Agenturen der gesellschaftlichen Kräfte in ihrem Umfeld bewusst sind und so handeln, dass die Integrität der zahlreichen Bemühungen der Gemeinde gewahrt bleibt. Währenddessen verändert sich die Beziehung der Bahá’í-Gemeinde zur umgebenden Gesellschaft tiefgreifend. Durch ihre formellen Verwaltungsstrukturen und informellen Vereinbarungen zur Zusammenarbeit ist die Bahá’í-Gemeinde zu einem deutlich sichtbaren, eigenständigen Protagonisten in der Gesellschaft geworden, der bereit ist, wichtige Verantwortlichkeiten zu übernehmen und den umfassenden, kollektiven Prozess des Lernens über geistigen und materiellen Fortschritt zu intensivieren. Und in dem Maße, in dem die Gesellschaft viele Aspekte des Lebens der Bahá’í-Gemeinde annimmt und ihren einigenden Geist verinnerlicht, ermöglicht die so entstandene Dynamik gleichzeitig den Zusammenschluss verschiedener Gruppen zu einer gemeinsamen Bewegung, die von Bahá’u’lláhs Vision der Einheit der Menschheit inspiriert ist. Bislang ist die Anzahl der Orte, an denen das Muster des Bahá’í-Gemeindelebens derart verbreitet und sichtbar ist, noch klein, doch sie wächst. Hier wird die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in einem Maß freigesetzt, wie man es noch nie gesehen hat.
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Natürlich ist eine solch deutliche Verbreitung der Bahá’í-Aktivitäten nicht überall in unmittelbarer Reichweite. Es ist notwendig, den Unterschied zu erkennen, der sich einerseits durch die Bedingungen in einem Cluster oder in Teilen eines Clusters und andererseits durch die charakteristischen Merkmale einer Bevölkerung – also durch die Realität der Umstände – ergibt. Dementsprechend wird die Art und Weise, wie die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in verschiedenen Settings zum Ausdruck kommt, unterschiedlich sein. Doch unabhängig davon, in welchem Umfang das Bahá’í-Gemeindeleben die Bewohner eines bestimmten Gebiets einbezieht – und sogar unabhängig von der Intensität eines Wachstumsprogramms in einem Cluster oder dem Ausmaß der Aktivitäten in einer Nachbarschaft oder einem Dorf –, ist die Herausforderung, vor der die Freunde an der Basis stehen, im Wesentlichen überall dieselbe. Sie müssen in der Lage sein, ihre eigene Realität zu lesen und sich zu fragen: Was wären angesichts der vorhandenen Möglichkeiten und Erfordernisse geeignete Ziele, die im kommenden Zyklus oder in einer Reihe von Zyklen verfolgt werden sollten? Sie als Berater und Ihre Hilfsamtsmitglieder sind in der idealen Lage, diese Frage zu stellen und dafür zu sorgen, dass geeignete Strategien ermittelt werden. Aus den Erfahrungen der Freunde in ähnlichen Clustern kann viel gelernt werden, denn eine Gemeinde, die auf eben diesem Weg schon einen Schritt weiter ist, kann wertvolle Erkenntnisse über das nächste anzustrebende Ziel bereitstellen. Beim Nachdenken darüber, was vor ihnen liegt, werden die Freunde leicht erkennen, dass es für jede Gemeinde ein Ziel gibt, das in Reichweite liegt, und für jedes Ziel einen Weg, es zu erreichen. Wenn wir auf diesem Weg nach vorne blicken, können wir dann nicht Bahá’u’lláh Selbst erblicken, wie Er in einer Hand die Zügel der Geschicke der Menschheit hält und mit der anderen alle heranwinkt, zu eilen, zu eilen?
Zum gesellschaftlichen Wandel beitragen
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Die Offenbarung Bahá’u’lláhs ist auf den Wandel sowohl des inneren Lebens der Menschheit als auch ihres sozialen Umfelds ausgerichtet. Ein im Auftrag von Shoghi Effendi verfasster Brief beschreibt, wie das soziale Umfeld die „Atmosphäre“ schafft, in der Seelen „geistig wachsen und in Fülle das Licht Gottes widerspiegeln“ können, welches durch die Offenbarung strahlt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens in einem Cluster freigesetzt wird, ist eine wachsende Anzahl seiner Bewohner, die inspiriert von den Lehren des Glaubens Anstrengungen unternehmen, um den geistigen Charakter und die sozialen Bedingungen der breiteren Gemeinschaft, der sie zugehörig sind, zu verbessern. Der von den Bahá’í erbrachte Beitrag zeichnet sich dadurch aus, dass er sich auf den Aufbau von Kapazität für den Dienst konzentriert; es ist ein Ansatz, der getragen ist durch den Glauben an die Fähigkeit einer Bevölkerung, zu Protagonisten ihrer eigenen Entwicklung zu werden.
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Mit zunehmender Intensität der gemeindebildenden Arbeit in einem Cluster werden sich die Freunde dort unweigerlich sozialer, wirtschaftlicher oder kultureller Barrieren bewusst, die den geistigen und materiellen Fortschritt der Menschen hindern. Kinder und Juniorjugendliche, denen es an Unterstützung in ihrer Erziehung und Bildung mangelt, Mädchen, die durch traditionelle Gepflogenheiten einer frühen Heirat unter Druck gesetzt werden, Familien, die Hilfe brauchen, um sich in ungewohnten Gesundheitsversorgungssystemen zurechtzufinden, ein Dorf, dem es an dem einen oder anderen Grundbedürfnis mangelt, oder seit langem bestehende Vorurteile aufgrund von traditionellen Feindseligkeiten zwischen verschiedenen Gruppen – wenn ihre Bemühungen auf dem Gebiet der Ausbreitung und Festigung eine Bahá’í-Gemeinde mit diesen und vielen anderen Situationen in Berührung bringen, wird sie sich verpflichtet fühlen – soweit ihre Umstände dies erlauben –, auf solche Realitäten zu reagieren. Beim Nachdenken über solche Situationen wird offensichtlich, dass Ausbreitung und Festigung, soziales Handeln und das Beitragen zu vorherrschenden Diskursen innerhalb von Clustern Dimensionen einer einzigen, geeinten, nach außen gerichteten Bemühung sind, die an der Basis der Gesellschaft vorangetragen wird. All diese Bemühungen werden innerhalb eines gemeinsamen Handlungsrahmens vorgenommen, und dies bringt, vor allem anderen, Kohärenz in das Gesamtmuster der Aktivitäten.
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Die ersten Regungen sozialen Handelns an der Basis zeigen sich in einem Cluster, wenn die Verfügbarkeit menschlicher Ressourcen zunimmt und sich die Kapazität für ein breiteres Spektrum an Aufgaben entwickelt. Dörfer haben sich als besonders fruchtbarer Boden erwiesen, auf dem Initiativen für soziales Handeln entstanden und aufrechterhalten worden sind; aber auch im städtischen Raum ist es den dort lebenden Freunden gelungen, für dieses gesellschaftliche Umfeld passende Aktivitäten und Projekte durchzuführen – manchmal in Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen, Einrichtungen der Zivilgesellschaft oder sogar staatlichen Gremien. Soziales Handeln findet in einer Reihe von wichtigen Bereichen statt, darunter Umwelt, Landwirtschaft, Gesundheit, Kunst und vor allem Erziehung und Bildung. Im Laufe des Neunjahresplans und insbesondere dann, wenn das Studium spezifischer Institutskurse zu größerer Aktivität in diesem Bereich führt, erwarten wir eine starke Zunahme formeller und informeller Bemühungen zur Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer Bevölkerung. Einige dieser gemeindebasierten Initiativen werden einfache Organisationsstrukturen benötigen, um ihre Arbeit aufrechtzuerhalten. Wo die Bedingungen günstig sind, müssen Örtliche Geistige Räte ermutigt werden zu lernen, wie neue, junge Initiativen am besten kultiviert und vielversprechende Bemühungen gefördert werden können. In einigen Fällen werden die Bedürfnisse, die mit einem bestimmten Handlungsbereich verbunden sind, die Gründung einer Bahá’í-inspirierten Organisation rechtfertigen, und wir gehen davon aus, dass im Laufe des kommenden Planes mehr Organisationen dieser Art entstehen werden. Nationale Geistige Räte ihrerseits werden Wege finden müssen, wie sie über das, was an der Basis ihrer Gemeinden gelernt wird, gut informiert bleiben und wie sie die gesammelten Erfahrungen analysieren können; an einigen Orten wird dies die Schaffung einer Einrichtung erfordern, die Prozesse rund um soziales Handeln verfolgt. Wenn wir uns die gesamte Bahá’í-Welt anschauen, sind wir hocherfreut zu sehen, wie viel Schwungkraft in diesem Bereich durch die Ermutigung und Unterstützung seitens der Bahá’í International Development Organization bereits entstanden ist.
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Eng verbunden mit der Kapazität zu sozialem Handeln ist die Kapazität, einen Beitrag zu den gesellschaftlichen Diskursen zu leisten. Im Grunde ist dies einfach die Fähigkeit, an einem Gespräch über ein Thema teilzunehmen, das das Leben der Menschen betrifft, und eine Perspektive anzubieten, die auf Bahá’í-Prinzipien und Bahá’í-Erfahrung beruht. So gesehen handelt es sich um eine Fertigkeit, die viele Bahá’í fast täglich die Möglichkeit haben zu praktizieren, zum Beispiel im Studium oder im Beruf, und die durch die Teilnahme an Institutskursen kultiviert wird; in ihrer formelleren Ausprägung bildet sie den Kern der Arbeit der Bahá’í International Community und der nationalen Büros für Außenbeziehungen. In Bezug auf die Freisetzung der gesellschaftsbildenden Kraft des Glaubens an der Basis ist dies jedoch eine Fähigkeit, die umso mehr gefragt ist, je mehr die engere Verbindung mit einer Bevölkerung, welche durch die Ausbreitungs- und Festigungsarbeit entstanden ist, zu einem gesteigerten Bewusstsein für die vorherrschenden sozialen Probleme eines Gebietes führt sowie auch für die Bestrebungen der Menschen, diese zu überwinden. Einhergehend mit der wachsenden Anzahl derer, die sich an den gemeindebildenden Aktivitäten beteiligen, steigt auch die Notwendigkeit, dass die Bahá’í-Gemeinde – als geeintes Ganzes – ihre wohlüberlegte Sichtweise zu Hindernissen für sozialen Fortschritt anbietet sowie zu Themen, die Geist und Seele derer belasten, mit denen sie interagiert. Dies hat bestimmte Implikationen für Örtliche Geistige Räte. An Orten, an denen die Aktivitäten des Plans einen gewissen Grad der Verbreitung und Sichtbarkeit erlangt haben, wird der Rat allmählich immer mehr als eine Quelle moralischer Einsicht angesehen. Mit der Zeit werden die Bemühungen, zu gesellschaftlichen Diskursen beizutragen, systematischer, und die Bahá’í werden erfahrener darin, den Menschen in ihrem Umfeld zu helfen, sich konstruktiv an einem Diskurs zu beteiligen und einen Konsens zu finden. Es werden Gelegenheiten ausgemacht, die Perspektiven des Glaubens mit Gemeindevertretern und Amtsträgern zu teilen, und es werden Räume geschaffen, in denen Repräsentanten verschiedener Gruppen und Interessen unterstützt werden können, mittels Beratung eine gemeinsame Sichtweise zu finden. Wir sind mehr als zufrieden mit den Schritten, die bereits unternommen wurden, um zu lernen, wie auf örtlicher Ebene Erkenntnisse aus der Offenbarung Bahá’u’lláhs und aus den Erfahrungen von Bahá’í-Gemeinden auf dringende soziale Fragen angewandt werden können. Zweifelsohne wird in dieser Hinsicht während des Neunjahresplans noch vieles mehr gelernt werden.
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Wir möchten betonen, dass in Vergangenheit und Gegenwart soziales Handeln und das Bemühen, an den vorherrschenden gesellschaftlichen Diskursen teilzunehmen, nicht nur im Kontext des Wachstums entstanden sind, sondern auch als Ergebnis des Bestrebens einzelner Bahá’í, über ihnen offenstehende Wege zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen. Als persönliche Antwort auf Bahá’u’lláhs Aufforderung, für die Besserung der Welt zu arbeiten, haben sich auf unterschiedliche Weise die Gläubigen für bestimmte Berufe entschieden und nach Möglichkeiten gesucht, die Aktivitäten gleichgesinnter Gruppen und Organisationen zu unterstützen. Große und kleine Projekte wurden ins Leben gerufen, um auf eine ganze Bandbreite sozialer Anliegen zu reagieren. Zahlreiche Bahá’í-inspirierte Organisationen wurden von Gruppen einzelner Personen aufgebaut, die auf unterschiedliche Ziele hinwirken, und spezielle Einrichtungen wurden gegründet, um sich einem bestimmten Diskursthema zu widmen. All diese Bemühungen, in welchem Umfang auch immer sie unternommen wurden, haben davon profitiert, aus den Prinzipien und Einsichten, die die Aktivitäten der weltweiten Bahá’í-Gemeinde an der Basis leiten, zu schöpfen und ebenso kamen ihnen die weisen Ratschläge der Örtlichen und Nationalen Geistigen Räte zugute. Wir freuen uns über diese vielfältigen, harmonischen Ausdrucksformen des Glaubens der hingebungsvollen Anhänger der Gesegneten Schönheit als Antwort auf die Bedrängnisse einer verwirrten und schmerzlich aufgewühlten Welt.
Erziehungs- und Bildungsbemühungen und das Trainingsinstitut
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Die Wichtigkeit von Erziehung und Bildung für das Bahá’í-Verständnis eines geistigen und sozialen Wandels kann kaum überschätzt werden. „Denke zum Beispiel“, erklärt Bahá’u’lláh, „an die Offenbarung des Lichtes des Namens Gottes, der Erzieher. Siehe, wie die Beweise einer solchen Offenbarung in allen Dingen zutage treten, wie die Kultivierung aller Wesen von ihm abhängt.“ Die Bedeutung von Bildung und Erziehung für die Arbeit des Gemeindeaufbaus ist unverkennbar, und auf dem Gebiet des sozialen Handelns bleibt in den meisten Teilen der Welt die Bereitstellung von Erziehung und Bildung der charakteristische Beitrag der Bahá’í. Unter den von der Bahá’í-Welt geschaffenen Strukturen und Einrichtungen, die Bildung und Erziehung anbieten, steht natürlich das Trainingsinstitut an erster Stelle. Das Netz nationaler und regionaler Trainingsinstitute, die rund um den Globus mit solcher Kompetenz arbeiten, ist in der Tat eine der erlesensten Früchte der vorangegangenen Serie weltweiter Pläne. Der Aufbau von Fähigkeiten für den Dienst innerhalb von Gemeinden, indem immer mehr Menschen die Möglichkeit gegeben wird, vom Institutsprozess zu profitieren, wird auch weiterhin ein zentrales Merkmal der Pläne der gegenwärtigen Serie sein. Die bereits entstandene Kapazität, die Gemeindeentwicklung zu fördern – erkennbar an den Hunderttausenden von Einzelpersonen, die als Tutoren, Animatoren oder Kinderklassenlehrer dienen können – ist eine Ressource von historischer Tragweite.
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Als wir das Konzept des Trainingsinstituts zum ersten Mal vorstellten, geschah dies im Zusammenhang mit der Notwendigkeit, Ressourcen heranzubilden, indem Menschen befähigt werden, die Aufgaben der Ausbreitung und Festigung zu bewältigen. Jetzt, wo gerade eine neue Serie von Plänen begonnen hat, laden wir Sie ein, eine umfassendere Sichtweise einzunehmen. Die Teilnahme an den Kursen des Instituts bereitet die Freunde Gottes in zunehmendem Maße auf ein immer stärkeres Engagement im Leben der sie umgebenden Gesellschaft vor; sie stattet sie mit dem Wissen, den Einsichten und den Fertigkeiten aus, die sie befähigen, nicht nur zur Entwicklung ihrer eigenen Gemeinde, sondern auch zum Fortschritt der Gesellschaft beizutragen. Kurz gesagt, das Institut ist ein wirksames Mittel, um die gesellschaftsbildende Kraft des Glaubens zu entfalten. Obwohl die Entwicklung von Curriculum-bezogenem Material zur Unterstützung dieses Ziels ein langfristiges Unterfangen ist, zielen die vorhandenen Materialien bereits darauf ab, Fähigkeiten für ein breites Spektrum von Initiativen aufzubauen. Darüber hinaus bieten sie eine kohärente Bildungserfahrung ohne Unterbrechung vom fünften Lebensjahr über das Juniorjugendalter bis hin zum Erwachsenenalter und sie dienen als eine direkte Entsprechung für das sich an der Basis entfaltende Muster von Aktivitäten. In diesem Zusammenhang sind wir erfreut über die reichhaltigen Erkenntnisse, die die Freunde in verschiedenen Teilen der Welt in einer Vielzahl sozialer und kultureller Gegebenheiten über Aspekte der Gemeindeentwicklung generieren. Wenn diese Erkenntnisse und weitere, die noch gewonnen werden, den Bahá’í-Gemeinden in größerem Umfang zugutekommen sollen, müssen die Systeme für die Vorbereitung und Verfeinerung von Bildungsmaterialien erweitert werden. In diesem Kontext werden wir bald den Ansatz darlegen, der diese Arbeit in den kommenden Jahren leiten wird.
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Im Hinblick auf die Steigerung der Kapazität von Instituten, jede der drei Stufen des Bildungsprozesses anzubieten, freuen wir uns, dass – neben der Erweiterung des Systems für seine Bereitstellung – auch der Verbesserung der Qualität der Bildungserfahrung an sich zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Eine entscheidende Voraussetzung ist, dass allen, die an der Arbeit des Instituts beteiligt sind, ermöglicht wird, ihr Verständnis der Bildungsinhalte schrittweise zu verbessern: ihrer Ziele, ihrer Struktur, ihrer pädagogischen Prinzipien, ihrer Methodik, ihrer zentralen Konzepte und ihrer Vernetzung. Viele Trainingsinstitutsboards wurden in dieser Hinsicht von den in unserer Botschaft an Ihre Konferenz im Jahr 2015 beschriebenen eng zusammenarbeitenden Gruppen unterstützt. Mancherorts haben auch separate Teams damit begonnen, sich jeweils auf Kinderklassen, Juniorjugendgruppen und Studienkreise zu konzentrieren, um die Faktoren zu ermitteln, die zu ihrer Wirksamkeit beitragen, und Wege zu finden, um die Freunde, die in den jeweiligen Bereichen des Dienstes tätig sind, dabei zu unterstützen, ihre eigenen Fähigkeiten weiter zu verbessern. Die Hilfsamtsmitglieder einer Region und ihre Assistenten sind oft die ersten, die dafür sorgen, dass das Gelernte eine größere Anzahl von Freunden in benachbarten Clustern und in Zentren mit intensiver Aktivität erreicht. Einzelne Gläubige mit umfassender Erfahrung in der Förderung von Institutsaktivitäten dienen als Ressource-Personen und haben sich als äußerst hilfreich erwiesen, wenn es darum ging, Institute, die sich in einem früheren Entwicklungsstadium befinden, voranzubringen. Im Allgemeinen sind es jedoch die Berater, die sicherstellen, dass jedes Institut mit den vielen wichtigen Erkenntnissen vertraut wird, die von ihren Schwesterorganisationen in den Nachbarländern und -regionen gewonnen werden. Die Berater haben dafür gesorgt, dass die Institute in Gruppen unterschiedlicher Größe organisiert werden, damit das, was die erfahrensten Institute gerade lernen, in größerem Umfang weitergegeben werden kann, und zwar zunehmend durch das Mittel formeller Seminare. Alle diese Maßnahmen müssen im Rahmen des nächsten Plans verstärkt werden. An den Orten, an denen es eine Learning Site für das Programm zur geistigen Befähigung von Juniorjugendlichen gibt, hat sich die Zusammenarbeit zwischen der Learning Site und den angeschlossenen Instituten bereits als äußerst fruchtbar erwiesen und sollte intensiviert werden; ihr Verfolgen eines gemeinsamen Ziels und ihr gemeinsamer Wunsch, die Cluster voranzubringen, schaffen ideale Bedingungen dafür, dass ein Geist der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Unterstützung aufblüht. Das inzwischen angesammelte Wissen über die Faktoren, die zur Effektivität des Institutsprozesses beitragen, ist umfangreich, und wir vertrauen auf das Internationale Lehrzentrum, Ihnen die gewonnenen Erkenntnisse aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen.
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Was wir oben beschrieben haben, ist ein Bildungssystem, das sich in einem Zustand ständiger Verfeinerung befindet. Dies erfordert, dass viele Einzelne sich für seine Weiterentwicklung einsetzen; es erfordert auch, dass Institute und Bahá’í-Institutionen generell vorausplanen und sicherstellen, dass diejenigen, die eine beträchtliche Fähigkeit zur Unterstützung der Bildungsbemühungen der Gemeinde entwickelt haben, in der Lage sind, ihren Dienst aufrechtzuerhalten und, wenn sich ihre Lebensumstände ändern, weiterhin auf andere sinnvolle Weise in die Arbeit des Instituts eingebunden sein können. Jeder Anhänger Bahá’u’lláhs, der die Wirksamkeit des Institutsprozesses zu schätzen weiß, wird den Wunsch verspüren, in irgendeiner Weise zu dessen Weiterentwicklung beizutragen – nicht zuletzt die Bahá’í-Jugendlichen. Die Institute wissen sehr wohl, dass es für sie eine heilige Aufgabe ist, das Potenzial junger Menschen freizusetzen; wir bitten nun darum, dass auch die Bahá’í-Jugend die künftige Entwicklung des Instituts in genau demselben Lichte betrachtet. In dieser neunjährigen Bemühung der gesamten Gemeinde, die Arbeitsweise des Instituts auf ein höheres Niveau zu heben, erwarten wir an vorderster Front eine breite Bewegung von Jugendlichen, die den Maßstab setzen. Diese sollten jede Gelegenheit ergreifen – in ihren Schulen und Universitäten sowie in Räumen, die der Arbeit, der Familie oder der sozialen Interaktion gewidmet sind –, um immer mehr Menschen zu ermutigen, aus den Programmen des Instituts Nutzen zu ziehen. Einige Jugendliche werden in der Lage sein, eine gewisse Zeit des Dienstes zu leisten – vielleicht sogar mehrere Jahre in Folge –, um sich der Bereitstellung von Bildung und Erziehung anderer zu widmen, vor allem derjenigen, die jünger sind als sie selbst; für viele wird die Unterstützung der Aktivitäten des Instituts eine allgegenwärtige Dimension ihres Lebens sein, sowohl während ihrer eigenen Ausbildung wie auch dann, wenn sie mittels einer ihrer Bestimmung in dieser Welt entsprechenden Arbeit ihren Lebensunterhalt sichern; aber für jeden Einzelnen sollte dies nichts weniger als ein Herzensanliegen sein.
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In vielen Teilen der Welt ist ein natürliches Ergebnis der Teilnahme von Einzelnen und Familien am Institutsprozess ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedeutung von Erziehung und Bildung in all ihren Formen. Freunde, die als Kinderklassenlehrer dienen, haben ein großes Interesse an der umfassenden Weiterbildung und Entwicklung derjenigen, die sie unterrichten, während Freunde, die als Tutoren und Animatoren dienen, sich natürlicherweise damit befassen, inwieweit diejenigen, die sich dem Erwachsenenalter nähern oder in dieses eintreten – Mädchen und Jungen gleichermaßen –, Zugang zu Bildungswegen unterschiedlicher Art erhalten und Nutzen daraus ziehen können – Bildung, die sich nicht auf die vom Institut selbst angebotenen Kurse beschränkt. So können sie beispielsweise junge Menschen ermutigen, eine Lehre oder ein Universitätsstudium anzustreben. Uns ist aufgefallen, wie in vielen Gemeinden die Teilnahme von Menschen in großer Zahl am Institutsprozess diesem Aspekt der Kultur innerhalb einer Bevölkerung allmählich neue Gestalt verliehen hat. Die Institutionen des Glaubens müssen Verantwortung übernehmen und, angesichts eines solcherart geschärften Bewusstseins, sicherstellen, dass die daraus resultierenden, in den jungen Menschen geweckten edlen Bestrebungen erfüllt werden können – Bestrebungen, die Bildung und Ausbildung zu erwerben, die es ihnen ermöglicht, ein Leben lang einen sinnvollen Dienst an ihrer Gesellschaft zu leisten. Die langfristige Entwicklung einer Gemeinde und letztlich einer Nation von Generation zu Generation hängt in hohem Maße von den Bemühungen ab, in diejenigen zu investieren, die Verantwortung für einen kollektiven gesellschaftlichen Fortschritt übernehmen werden.
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Diese eingehendere Betrachtung zur zentralen Bedeutung von Bildung für eine auf Bahá’í-Prinzipien gegründete Gemeinde wäre unvollständig ohne eine weitere Anmerkung. Shoghi Effendi hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, durch „unablässiges Bemühen“ ein „besseres Verständnis für die Bedeutung der überwältigenden Offenbarung Bahá’u’lláhs“ zu erlangen. Das Trainingsinstitut ist ein unvergleichliches Instrument, um zahllose Seelen systematisch mit den lebensspendenden Wassern der Offenbarung und der unerschöpflichen Bedeutung des Wortes Gottes in Berührung zu bringen. Aber die Bemühungen der Freunde, ihr Verständnis des Glaubens und seiner Lehren zu vertiefen, beschränken sich natürlich nicht auf die Teilnahme am Institutsprozess. In der Tat ist ein starker Indikator für die Wirksamkeit eines Instituts der Durst, den es in denjenigen hervorruft, die sich mit seinen Materialien beschäftigen, um die Sache Bahá’u’lláhs weiter zu studieren – individuell, aber auch kollektiv, sei es in formellen Räumen, die von den Institutionen geschaffen wurden, oder in informelleren Settings. Abgesehen vom Studium der Offenbarung selbst sind die Implikationen, die die Lehren für zahllose Bereiche des menschlichen Strebens haben können, von großer Bedeutung. Ein bemerkenswertes Beispiel für eine Form der Bildung, durch die junge Gläubige besser mit einer Bahá’í-Sicht auf Themen, die für den Fortschritt der Menschheit relevant sind, vertraut werden, ist die Teilnahme an den Seminaren, die vom Institute for Studies in Global Prosperity angeboten werden. Angesichts der Weite des Ozeans der Offenbarung wird es offensichtlich sein, dass die Erforschung seiner Tiefen eine lebenslange Beschäftigung für jede Seele ist, die den Pfad des Dienstes beschreiten möchte.
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In dem Maße, wie der Beitrag des Glaubens zum Fortschritt der Gesellschaft in verschiedenen Teilen der Welt stärker zu Tage tritt, wird die Bahá’í-Gemeinde zunehmend aufgerufen sein, die von ihr vertretenen Prinzipien zu erläutern und ihre Anwendbarkeit auf die Probleme der Menschheit aufzuzeigen. Je mehr das intellektuelle Leben einer Gemeinde aufblüht und gedeiht, desto größer ihre Fähigkeit, diesem Ruf zu folgen. Es obliegt den Anhängern Bahá’u’lláhs, in der Welt der Gedanken die intellektuelle Stringenz und Klarheit des Denkens an den Tag zu legen, die ihrem Engagement für geistigen und materiellen Fortschritt in der Welt der Taten entspricht.
Die Fähigkeiten für Administration auf allen Ebenen steigern
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Vor achtzig Jahren beschrieb ein im Auftrag des Hüters verfasster Brief die Bahá’í-Administration als „die erste Formgebung dessen, was in der Zukunft zum Gesellschaftsleben, zu Gesetzen des Gemeinschaftslebens werden wird“. Heute, zu Beginn des zweiten Jahrhunderts des Gestaltenden Zeitalters, hat sich die Struktur der Bahá’í-Administration beträchtlich entwickelt, und ihre fortgesetzte Entwicklung wird für die Entfaltung der gesellschaftsbildenden Kraft des Glaubens wesentlich sein.
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Die Administration des Glaubens an der Basis ist natürlich eng mit der Entwicklung der Örtlichen Geistigen Räte verbunden. Diese aufkeimenden Häuser der Gerechtigkeit werden von Shoghi Effendi als „die Hauptkräfte der Bahá’í-Gesellschaft und die Grundpfeiler der Strukturen ihrer Gemeindeordnung” bezeichnet, und er hebt die Bedeutung ihrer Bildung sehr hervor. 1995 riefen wir dazu auf, die Praxis wieder einzuführen, dass alle Örtlichen Räte, einschließlich der neu gebildeten, am ersten Riḍván-Tag und nicht zu irgendeinem anderen Zeitpunkt des Jahres gewählt werden. Diese Entwicklung hing mit der Tatsache zusammen, dass zwar Gläubige von außerhalb des Ortes bei der Durchführung der Wahl helfen können, die Hauptverantwortung für die Wahl eines Rates und die Aufrechterhaltung seiner Tätigkeit jedoch bei den Bahá’í dieses Ortes liegt; dabei hängt viel von ihrer Bereitschaft ab, Verwaltungstätigkeiten zu übernehmen. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, wie ein Gefühl der Bahá’í-Identität in einem Gebiet allmählich an Stärke gewinnen kann, wenn sich bei den dort lebenden Einzelpersonen und Familien ein auf den Lehren beruhendes Handlungsmuster etabliert. So wird eine Gemeinde oft schon ein gewisses Maß an Kapazität in Bezug auf gemeindebildende Bemühungen erreicht haben, wenn die Bildung eines Örtlichen Rates möglich wird. Wenn dieser Zeitpunkt näher rückt – und er sollte nicht übermäßig hinausgezögert werden –, müssen Anstrengungen unternommen werden, um ein Verständnis für die formalen Aspekte des Gemeindelebens zu entwickeln, die mit der Bahá’í-Administration verbunden sind. Der Örtliche Rat, der in einem solchen Umfeld entsteht, wird sich wahrscheinlich seiner Verantwortung bewusst sein, jene Aktivitäten zu fördern und zu stärken, die dazu beitragen, eine lebenssprühende Gemeinde aufrechtzuerhalten. Er wird allerdings auch für die Wahrnehmung einer Vielzahl anderer Aufgaben Kompetenzen erwerben müssen, und die Unterstützung durch Ihre Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten wird von entscheidender Bedeutung sein. In unserer Botschaft an Ihre Konferenz im Jahr 2010 haben wir den Entwicklungspfad eines solchen Rates beschrieben und auf verschiedene Dimensionen seiner Arbeitsweise hingewiesen, die Beachtung finden müssen, darunter seine Fähigkeit, einen örtlichen Fonds zu verwalten und zu entwickeln und mit der Zeit Initiativen für soziales Handeln zu unterstützen sowie mit Institutionen der Kommunalverwaltung und der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten. Die Vorteile, die sich für eine Gemeinde ergeben, der ein solcher Rat dient, müssen nicht näher erläutert werden.
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Wir bitten Sie, bei Ihrer Interaktion mit den Nationalen Geistigen Räten und den Regionalräten der Bildung Örtlicher Geistiger Räte und der Konsolidierung ihrer Arbeitsweisen Aufmerksamkeit zu schenken, insbesondere in Gebieten, in denen dieser Aspekt des Wachstums bisher vielleicht weniger im Vordergrund stand. Wir gehen davon aus, dass dies Jahr für Jahr zu einem raschen Anstieg der Zahl der Örtlichen Geistigen Räte beitragen wird. In einigen Ländern werden Sie in Ihren Beratungen auch die Frage erörtern müssen, ob in ländlichen Gebieten die bestehenden Regelungen zur Festlegung der Grenzen der einzelnen Ortschaften zweckmäßig sind.
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Eine deutliche Erkenntnis, die sich herauskristallisiert hat, ist, dass das Ausmaß, in dem die Stufe und die Führung eines Örtlichen Rates in einer Gemeinde anerkannt sind, damit zusammenhängt, wie sehr sich die Gläubigen der Heiligkeit des Wahlprozesses bewusst sind und ihrer Pflicht, daran teilzunehmen, und zwar in einer Atmosphäre, die gänzlich frei ist vom Makel der Einflussnahme oder von weltlichen Einstellungen zur Macht. Indem in einer Gemeinde das Bewusstsein für die geistigen Prinzipien, die den Bahá’í-Wahlen zugrunde liegen, gestärkt wird, entsteht eine neue Vorstellung davon, was es für jemanden bedeutet, dazu berufen zu werden, in einer Institution zu dienen, und es wächst das Verständnis für die Beziehungen zwischen dem Einzelnen, der Gemeinde und dem Örtlichen Rat und seinen Agenturen. Wo systematische Anstrengungen unternommen wurden, um in einer Gemeinde Gespräche über die Bildung des Örtlichen Rates und dessen Zweckbestimmung anzuregen und diese Gespräche Jahr für Jahr fortzusetzen, werden sich die Stärke des gewählten Gremiums und die Dynamik des Gemeindelebens gegenseitig verstärken.
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